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Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I

PDF document794 original pagesPublished 1890
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Wie bei den Stinktieren, sind auch bei der Zorilla hauptsächlich die Männchen die Stänker und zwar ganz besonders in der Paarungszeit, wahrscheinlich, weil dann ihr ganzes Wesen außerordentlich erregt ist. Möglich ist es auch, daß das Weibchen die Düfte, welche uns entsetzlich vorkommen, ganz angenehm findet.

Über die Fortpflanzung unserer Tiere weiß man leider nichts Sicheres. Dagegen ist es bekannt, daß die Zorilla in Südafrika von manchen holländischen Ansiedlern in ihren Häusern gehalten wird, um Ratten und Mäuse zu vertilgen. Man sagt, daß sie niemals einen höheren Grad von Zähmung erreiche, sondern immer stumpfsinnig und gleichgültig gegen Liebkosungen und gute Behandlung bleibe. Die vielen Namen, welche der Bandiltis außer dem genannten trägt, bezeichnen ihn in allen Sprachen als einen Stänker.

In der dritten Unterfamilie der Marder vereinigt man die Otter (Lutridae). Die hierher gehörigen Arten, einige 20 an der Zahl, kennzeichnen sich durch den gestreckten, flachen, auf niederen Beinen ruhenden Leib, den platten, stumpfschnauzigen Kopf mit kleinen vorstehenden Augen und kurzen, runden Ohren, die sehr ausgebildeten Schwimmhäute zwischen den Zehen, den langen, zugespitzten, mehr oder weniger flachgedrückten Schwanz und durch das kurze, straffe, glatte, glänzende Haar. Ihre Vorder- und Hinterbeine sind fünfzehig, die beiden mittleren Zehen nur wenig länger als die seitlichen. In der Aftergegend ist keine Drüsentasche vorhanden, es finden sich aber zwei Absonderungsdrüsen, welche neben dem After münden. Im Gebiß und Knochenbau ähneln die Otter noch sehr den übrigen Mardern; jedoch ist der letzte obere Backenzahn groß und viereckig, und gibt sich auch im Gerippe der auffallend flache Schädel mit breitem Hirnkasten, verengerter Stirngegend und kurzem Schnauzenteile als sehr eigentümliches Merkmal kund.

Die Otter bewohnen Flüsse und Meere und verbreiten sich mit Ausnahme von Australien und des höchsten Nordens über fast alle Teile der Erde. Nur gezwungen entfernen sie sich von dem Wasser und auch dann bloß in der Absicht, um ein anderes Gewässer aufzusuchen. Sie schwimmen und tauchen meisterhaft, können lange Zeit unter dem Wasser aushalten, laufen, ihrer kurzen Beine ungeachtet, ziemlich schnell, sind stark, mutig und kühn, verständig und zur Zähmung geeignet, leben aber fast überall in gespannten Verhältnissen mit dem Menschen, weil sie diesem einen so großen Schaden zufügen, daß derselbe durch den kostbaren Pelz, welchen sie liefern, nicht im entferntesten aufgewogen werden kann.

Europa beherbergt eine einzige Art der Unterfamilie, die, oder wie die meisten Jäger jagen, den Fischotter, Fluß- oder Landotter und Fischdieb (Lutra vulgaris, Mustela und Viverra lutra, Lutra nudipes), einen Wassermarder von reichlich 1,2 m Länge, wovon 40—43 cm auf den Schwanz zu rechnen find. Der Kopf ist länglichrund, die Schnauze abgerundet, das Auge klein, aber lebhaft, das sehr kurze, abgerundete, durch eine Hautfalte verschließbare Ohr fast ganz im Pelze versteckt, der Leib ziemlich schlank, aber flach, der Schwanz mehr oder weniger rundlich, an der Spitze stark verschmälert; die sehr kurzen Beine, deren Zehen durch bis zu den Nägeln vorgezogene Schwimmhäute miteinander verbunden werden, treten mit der ganzen Sohle auf. In dem ziemlich kurzen und sehr flachen Schädel ist das Hinterhaupt ungewöhnlich stark und breit entwickelt, die Stirn nur wenig niedriger als der Scheitel, die Nase vorn kaum merklich abschüssig; im Gebisse, welches aus 36 Zähnen und zwar 3 Schneide-, 1 Eck-, 3 Lückzähnen, dem Höcker- und noch 1 Backenzahne oben und unten in jedem Kiefer besteht, ist der äußere obere Vorderzahn bedeutend stärker als die vier mittelsten, und tritt der zweite untere Vorderzahn aus der Zahnreihe

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Gerippe des Fischotters. (Aus dem Berliner anatomischen Museum.)

zurück; der sehr stark entwickelte Höckerzahn des Oberkiefers ist quergestellt, vierseitig, rhombischen Querschnittes und nur wenig breiter als lang. Als bezeichnend für die Gattung gilt noch die nackte, netzartig gerissene und flachwarzige Haut an der Nasenspitze über dem behaarten Lippenrande, zu deren Seiten die länglichen, bogigen Nasenlöcher sich öffnen, weil die Form dieses Nasenfeldes für die Unterscheidung anderer Otter von Wichtigkeit ist und zur Aufstellung besonderer Untergattungen Veranlassung gegeben hat. Ein dichter und kurz anliegender, aus derbem, starrem, glänzendem Oberhaare von dunkelbrauner Färbung bestehender Pelz deckt den Leib; seine Färbung lichtet sich nur auf der Unterseite etwas und geht unter dem Halse und an den Kopfseiten ins Weißlichgraubraune über, während der im Pelze versteckte Ohrrand lichtbraun aussieht; ein heller, verwaschen weißlicher Flecken steht über der Mitte der Unterlippe, einzelne unregelmäßigerein weiße oder weißliche Fleckchen finden sich am Kinne und zwischen den Unterkieferästen. Das sehr feine Wollhaar ist an der Wurzel lichtbraungrau, an der Spitze dunkler braun. Manche Tiere haben eine mehr graubraune als dunkelbraune Färbung. Abänderungen kommen ebenfalls vor: so wurde mir einmal ein Balg zugeschickt, welcher auf der ganzen Oberseite ziemlich große, runde, grau: gelblichweiße Flecken zeigte.

In der Weidmannssprache heißt der männliche Fischotter Rüde, der weibliche Fähe oder Fehe, der Schädel Grind, der Schwanz Rute, das Fleisch Kern, das Fell Balg, das weibliche Geschlechtsglied Nuß. Der Fischotter ranzt und die Fähe bringt Junge, er steigt aus oder an das Land, wenn er das Wasser verläßt, geht über Land, wenn er auf dem Trockenen eine Strecke zurücklegt, steigt, fällt oder fährt in das Wasser; er wittert, scherzt oder spielt, pfeift, fischt, hat eine Fährte und einen Bau, keine Wohnung oder Höhle.

Gerippe des Fiſchotters. (Aus dem Berliner anatomischen Muſeum.)

Unser Fischotter bewohnt ganz Europa und außerdem den größten Teil von Nordund Mittelasien, sein Verbreitungsgebiet nach Osten hin bis zur Mündung des Amur, nach Südosten hin mindestens bis in die nordwestlichen Teile des Himalaja ausdehnend. Blanford ist sogar im Zweifel, ob zu seinem Wohngebiete nicht auch Indien überhaupt zu rechnen sei, da eine der dort vorkommenden Arten (Lutra nair, indica) im allgemeinen zwar von etwas geringerer Größe als unser Tier ist, aber nicht Merkmale aufweist, die beständig genug wären, um beim Vergleichen vieler Stücke eine Trennung gerechtfertigt erscheinen zu lassen. In den Polarländern scheint unser Fischotter nicht weit nach Norden vorzudringen, obwohl er einzeln noch in Lappland lebt; in Sibirien geht er nur bis gegen den Polarkreis hinauf. In Indien, China und Japan wird er durch nahe verwandte Arten vertreten, in Afrika und Amerika durch solche, welche man besonderen Untergattungen zugezählt hat. In Mittel- und Südeuropa haust er in jedem nahrungversprechenden Gewässer, auch in Flüssen und Bächen der bewohntesten Teile stark bevölkerter Staaten, in Mittelasien fehlt er an geeigneten Orten ebensowenig. Der erwähnte indische Otter geht, laut Blanford, sogar in das Brack- und Seewasser, lebt in Flußmündungen, die unter der Herrschaft der Gezeiten stehen, in Priehlen, und besucht gelegentlich das Meer.

Der Fischotter liebt vor allem Flüsse, deren Ufer auf große Strecken hin mit Wald bedeckt sind. Hier wohnt er in unterirdischen Gängen, welche ganz nach seinem Geschmacke und im Einklange mit seinen Sitten angelegt werden. Die Mündung befindet sich stets unter der Oberfläche des Wassers, gewöhnlich in einer Tiefe von / m. Von hier aus steigt ein etwa 2 m langer Gang schief nach aufwärts und führt zu dem geräumigen Kessel, wel: cher regelmäßig mit Gras ausgepolstert und stets trocken gehalten wird. Ein zweiter schmaler Gang läuft vom Kessel aus nach der Oberfläche des Ufers und vermittelt den Luftwechsel. Gewöhnlich benutzt der Fischotter die vom Wasser ausgeschwemmten Löcher und Höhlungen im Ufer, welche er einfach durch Wühlen und Zerbeißen der Wurzeln verlängert und erweitert; in seltenen Fällen bezieht er auch verlassene Fuchs- oder Dachsbaue, wenn solche nicht weit vom Wasser liegen. Unter allen Umständen besitzt er mehrere Wohnungen, es sei denn, daß ein Gewässer außerordentlich reich an Fischen ist, er also nicht genötigt wird, größere Streifereien auszuführen. Bei hohem Wasser, welches seinen Bau überschwemmt, flüchtet er sich auf nahestehende Bäume oder in hohle Stämme und verbringt hier die Zeit der Ruhe und Erholung nach seinen Jagdzügen im Wasser.

So viel Arger ein Fischotter seiner großen Schädlichkeit wegen Besitzern von Fischereien und leidenschaftlichen Anglern verursacht, so anziehend wird er für den Forscher. Sein Leben ist so eigentümlicher Art, daß es eine eigene Beobachtung verlangt und deshalb jeden an der schädlichen Wirksamkeit des Tieres unbeteiligten Naturfreund fesseln muß. An dem Fischotter ist alles merkwürdig, sein Leben und Treiben im Wasser, seine Bewegungen, sein Nahrungserwerb und seine geistigen Fähigkeiten. Er gehört unbedingt zu den anziehendsten Tieren unseres Erdteiles. Daß er ein echtes Wassertier ist, sieht man bald, auch wenn man ihn auf dem Lande beobachtet. Sein Gang ist der kurzen Beine wegen schlangenartig kriechend, aber keineswegs langsam. Auf Schnee oder Eis rutscht er oft ziemlich weit dahin, wobei ihm das glatte Fell gut zu statten kommt und selbst der kräftige Schwanz zuweilen Hilfe gewähren muß. Dabei wird der breite Kopf gesenkt getragen, der Rücken nur wenig gekrümmt, und so gleitet und huscht er in wirklich sonderbarer Weise seines Weges fort. Doch darf man nicht glauben, daß er ungeschickt wäre; denn die Geschmeidigkeit seines Leibes zeigt sich auch auf dem Lande. Er kann den Körper mit unglaublicher Leichtigkeit drehen und wenden, wie er will, und ist im stande, ohne Beschwerde sich aufzurichten, minutenlang in dieser Stellung zu verweilen und, ohne aus dem Gleichgewichte zu kommen, sich vor- und rückwärts zu wenden, zu drehen oder auf- und niederzubeugen. Nur im höchsten Notfalle

macht er auch noch von einer anderen Fertigkeit landlebender Tiere Gebrauch, indem er durch Einhäkeln seiner immer noch ziemlich scharfen Krallen an schiefstehenden Bäumen, aber freilich so tölpisch und ungeschickt als möglich, emporklettert.

Ganz anders bewegt er sich im Wasser, seiner eigentlichen Heimat, welche er bei der geringsten Veranlassung flüchtend zu erreichen sucht, um der ihm auf dem feindlichen Lande drohenden Gefahr zu entgehen. Der Bau seines Körpers befähigt ihn in unübertrefflicher Weise zum Schwimmen und Tauchen: der schlangengleiche, breite Leib mit den kurzen, durch große Schwimmhäute zu kräftigen Rudern umgewandelten Füßen, der starke und ziemlich lange Schwanz, welcher als treffliches Steuer benutzt werden kann, und der glatte, schlüpfrige Pelz vereinigen alle Eigenschaften in sich, welche ein rasches Durchgleiten und Zerteilen der Wellen ermöglichen. Zur Ergreifung der Beute dient ihm das scharfe, vortreffliche und kräftige Gebiß, welches das einmal Erfaßte, und sei es noch so glatt und schlüpfrig, niemals wieder fahren läßt. In den hellen Fluten der Alpenseen oder des Meeres hat man zuweilen Gelegenheit, sein Treiben im Wasser zu beobachten. Er schwimmt so meisterhaft nach allen Richtungen hin, daß er die Fische, denen er nachfolgt, zu den größten Anstrengungen zwingt, falls sie ihm entgehen wollen; und wenn er nicht von Zeit zu Zeit auf die Oberfläche kommen müßte, um Atem zu schöpfen, würde wohl schwerlich irgend welcher Fisch schnell genug sein, ihm zu entrinnen. Dem Fischotter ist vollkommen gleichgültig, ob er auf- oder niedersteigt, seitwärts sich wenden, rückwärts sich drehen muß; denn jede nur denkbare Bewegung fällt ihm leicht. Gleichsam spielend tummelt er sich im Wasser umher. Wie ich an Gefangenen beobachtete, schwimmt er manchmal auf einer Seite, und oft dreht er sich, scheinbar zu seinem Vergnügen, so herum, daß er auf den Rücken zu liegen kommt, zieht hierauf die Beine an die Brust und treibt sich noch ein gutes Stück mit dem Schwanze fort. Dabei ist der breite Kopf in ununterbrochener Bewegung, und die Schlangenähnlichkeit des Tieres wird besonders auffallend. Auch bei langem Aufenthalte im Wasser bleibt das Fell glatt und trocken. Zur Nachtzeit will man bemerkt haben, daß es bei raschen Bewegungen einen elektrischen Schein von sich gibt. Die Wasserschicht, in welcher ein Fischotter schwimmt, ist leicht festzustellen, weil von ihm beständig Luftblasen aufsteigen, und auch das ganze Fell eine Art Umhüllung von feinen Luftbläschen wahrnehmen läßt. Zur Zeit des Winters sucht er, wenn die Gewässer zugefroren sind, die Löcher im Eise auf, steigt durch sie unter das Wasser und kehrt auch zu ihnen zurück, um Luft zu schöpfen. Solche Eislöcher weiß er mit unfehlbarer Sicherheit wieder aufzufinden, und ebenso geschickt ist er, andere, welche er auf seinem Zuge trifft, zu entdecken. Ein Eisloch braucht bloß so groß zu sein, daß er seine Nase durchstecken kann, um zu atmen: dann ist das zugefrorene Gewässer vollkommen geeignet, von ihm bejagt zu werden.

Im Freien vernimmt man die Stimme des Fischotters viel seltener als in der Gefangenschaft, wo man ihn weit leichter aufregen kann. Wenn er sich recht behaglich fühlt, läßt er ein leises Kichern vernehmen; verspürt er Hunger, oder reizt man seine Freßgier, so stößt er ein lautes Geschrei aus, welches wie die oft und rasch nacheinander wiederholte Silbe „girrk“ klingt und so gellend ist, daß es die Ohren beleidigt; im Zorne kreischt er laut auf; verliebt, pfeift er hell und wohlklingend.

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