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Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I

PDF document794 original pagesPublished 1890
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in ganz kleinen Gehölzen viele derartige Burgen in geringer Entfernung voneinander, deren Insassen sich gegenseitig zurufen und antworten. Beim Nahen von Menschen gerät dann die ganze Kolonie in Aufruhr, und alle Thorlöcher besetzen sich mit den keifenden Tieren. Haltung und Bewegungen sind sehr zierlich, und die Tiere halten sich stets äußerst reinlich. Von den Wagalla wird ihr Fleisch gern gegessen.“ Bezüglich der Stimme fügt Noack hinzu, daß gewisse Töne unter anderem täuschend ähnlich denen des Regenpfeifers sind.

In Westafrika wird die Zebramanguste recht häufig in Faktoreien, Missionen und manchmal auf Postdampfern gehalten. Sie genießt völlige Freiheit, denkt aber nicht daran, in die Wildnis zu entfliehen. Ihr drolliges Wesen macht sie zum allgemeinen Lieblinge; sie scheint jedoch, gleich den Hauskatzen, mehr an Haus und Gehöft als an die Menschen sich anzuschließen, obwohl sie nicht selten für einzelne Personen große Anhänglichkeit zeigt, ihnen nachläuft, auf ihren Schoß klettert und sich von ihnen gern krauen und hätscheln läßt, wobei sie ihr Wohlbehagen durch mancherlei Töne kundgibt. Eier öffnet sie, indem sie diese mit den Vorderpfoten aufstößt, noch häufiger aber zwischen den Hinterbeinen hindurch rückwärts gegen einen widerstandsfähigen Körper schleudert. Im Spiele behandelt sie auch andere kleine und rundliche Gegenstände in dieser Weise, und es ist geraten, wertvolle Dinge vor ihr sorgsam zu sichern. Pechuel-Loesche fand eine starke Glasflasche, welche das Quecksilber für den künstlichen Horizont enthielt, zertrümmert an einem Blechkoffer liegen, und E. Teusz erzählte ihm, daß einst eine Zebramanguste in Malandsche ein unter diesen Umständen unersetzliches Chronometer schon mehrmals tüchtig gegen Kasten und Wände geworfen hatte, bevor man entdeckte, mit welchem Spielzeuge sie sich vergnügte.

Man kann die Zebramanguste ebenso leicht zähmen wie die anderen Arten. Gegen ihresgleichen zeigt sie sich manchmal sehr verträglich, oft aber auch höchst unleidig, gegen andere Tiere übermütig; den sich ihr nahenden Menschen greift sie mit Mut und Geschick an. Bei Spielereien mit anderen ihrer Art, welche sie gern stundenlang fortsetzt, geht sie nicht selten zu Thätlichkeiten über: im Londoner Tiergarten bissen sich einige, welche zusammenwohnten und spielten, in aller Gemütlichkeit gegenseitig die Schwänze ab. Ihre nahe Ber: wandtschaft mit „dem Aufspürer“ zeigt sie bei jeder Gelegenheit. Sie ist überaus neugierig und muß jedes Ding, auf das sie stößt, so genau wie möglich untersuchen. Dazu benutzt sie hauptsächlich ihre Vorderpfoten, welche sie mit wahrhaft belustigender Geschicklichkeit und Gewandtheit wie Hände zu gebrauchen weiß. Das glänzende, rotbraune Auge funkelt und rollt umher und nimmt jedes Ding wahr; blitzschnell geht's an dem Eisengitter oder an den Asten im Käfig hinauf und hernieder; überall und nirgends ist das geschäftige Tier, und wehe dem kleinen Wesen, welches sich solchem Auge, solcher Gewandtheit preisgibt: es ist ein Kind des Todes, gepackt mit dem ersten Satze, getötet mit dem ersten Bisse.

Zwei von mir gepflegte Zebramangusten vertrugen sich mit einem Mungo und einer Goldstaubmanguste im ganzen vortrefflich, obgleich der Futterneid sich zuweilen bemerklich machte. Ich beherbergte sie in einem Zwinger und gestattete ihnen öfters, nach Belieben im Haufe und selbst im Hofe umherzulaufen. Da wußten fie bald prächtig Bescheid. Sie kannten mich sehr genau, hatten erfahren, daß ich ihnen gern einige Freiheit gewährte, und meldeten sich deshalb regelmäßig durch Scharren an ihrer Thür und bittendes Knurren, wenn sie meine Stimme vernahmen. Sobald sie sich in Freiheit sahen, streiften sie trippelnden Ganges durch das ganze Gebäude und hatten, dank ihrer Behendigkeit, binnen wenigen Minuten alles ausgekundschaftet, untersucht und berochen, was sich vorfand. Ihr erster Gang richtete sich nach dem Milcheimer, und sie verstanden es sehr gut, dessen Deckel mit der spitzen Schnauze aufzuheben und so zu der von ihnen außerordentlich geliebten Flüssigkeit zu gelangen. Es sah allerliebst aus, wenn zu jeder Seite des Eimers eins dieser Tiere hing und sich nach Herzenslust erlabte. Auch andere genießbare Dinge, welche sich fanden,

Brehm, Tierleben. 3. Auflage. I. 37

wurden nicht verschmäht, und zumal die Knochen trugen sie sich aus allen Winkeln und Ecken zusammen. Knochenmark gehörte zu ihren besonderen Leckerbissen, und sie gaben sich deshalb viel Mühe, desselben sich zu bemächtigen. Zuerst förderten sie durch Kratzen und Scharren mit den Nägeln ihrer Vorderpfoten so viel Mark zu Tage, wie möglich; dann faßten sie den Knochen mit beiden Pfoten, erhoben sich auf die Hinterbeine und schleuderten ihn rückwärts, gewöhnlich zwischen den hinteren Beinen durch, auf das Pflaster oder gegen die Wand ihres Zwingers mit solcher Heftigkeit und so großem Geschicke, daß sie ihren Zweck, durch die Erschütterung das die Knochenröhre erfüllende Mark herauszubekommen, vollständig erreichten. Bei ihren Wanderungen quiekten und murrten sie fortwährend.

Gegen mich waren die gefangenen gewöhnlich sehr liebenswürdig. Sie ließen sich berühren und streicheln, kamen auf den Ruf herbei und zeigten sich meist sehr folgsam. Demungeachtet wollten sie sich ungern bevormunden lassen, und namentlich wenn man sie beim Fressen störte, wiesen sie selbst ihren Freunden die Zähne und fuhren mit schnellem Bisse auf dieselben los. Sie thaten dies aber mit vollem Bewußtsein, sich einer Strafe auszusetzen; denn sofort nach dem Beißen nahmen sie die demütige und verlegene Stellung eines Hundes an, welcher von seinem Herrn Prügel erwartet. Daß sie sehr klug waren und sich mit vielem Geschicke in veränderte Umstände zu finden wußten, bekundeten sie tagtäglich, bewiesen es namentlich, als sie mit fünf Nasenbären zusammenleben mußten. Im Anfange war ihnen die Gesellschaft der langnasigen Burschen höchst unangenehm, zumal wenn diese sie einer gewissenhaften Beschnüffelung zu unterziehen beliebten. Die Umstände änderten sich, sobald die Mangusten erkannten, daß sie es mit geistesärmeren Geschöpfen, als sie sind, zu thun hatten. Sie lernten bald die Nasenbären beurteilen und gebärdeten sich zuletzt unbestritten als die Gebieter im Käfig.

Schließlich will ich noch eine Art unserer Gattung, die Krabbenmanguste oder Urva, wie fie in Nepal genannt wird (Herpestes urva, H. cancrivorus, Urva cancrivora, Gulo urva), anführen, weil fie als eigentümliches Mittelglied zwischen den wahren Mangusten und den Vielfraßen erscheint. Gestalt und Gebiß der Urva unterscheiden sich von den der übrigen Mangusten nicht wesentlich, erstere erinnert aber mehrfach an den Vielfraß. Die Schnauze ist gestreckt und zugespitzt, der Leib gedrungen und kräftig. Die Zehen, welche sich dadurch auszeichnen, daß die Innenzehen vorn und hinten hochgestellt sind, haben große Spannhäute, und die Afterdrüsen sind auffallend entwickelt. In der Gesamtfärbung des Pelzes ähnelt die Urva den übrigen Mangusten. Sie ist oben schmutzig eisengrau und graubraun gemischt, die Unterseite und Beine sind gleichmäßig dunkelbraun, letztere nach unten oft schwarz. Über den Oberkörper verlaufen manchmal dunklere Streifen; von dem Auge zur Schulter herab zieht sich eine weiße, scharf abstechende Binde; auch der Schwanz, welcher an der Wurzel sehr stark behaart ist, zeigt einige Querbänder. In der Größe wird die Urva kaum von einer anderen Art ihres Geschlechtes übertroffen; erwachsene Männchen werden 80 —90 em lang, wovon ungefähr 30 cm auf den Schwanz kommen.

Hodgson entdeckte die Urva in den sumpfigen Thälern Nepals. Ihre Verbreitung erstreckt sich auf nicht bedeutende Höhen des südöstlichen Himalajas, auf Assam, Arakan, Tenasserim, Barma und Südchina. Laut ihrem Entdecker ist fie teilweise als ein Wassertier zu betrachten, das sich vornehmlich von Fröschen und Krabben ernährt. Aus zwei etwa kirschengroßen Afterdrüsen vermag die Urva eine stinkende Flüssigkeit ziemlich kräftig rüd-wärts zu spritzen. Sie haust wie ihre Verwandten in Erdlöchern.

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Ein mangustenähnliches Tier ist der Kusimanse (Crossarchus obscurus, C. typicus und dubius), ein Bewohner Westafrikas, zumal Oberguineas. Die Schnauze und die Aftertasche hat das Tier mit der Surikate, die Anzahl der Zehen aber mit den echten Mangusten gemein. Der Leib ist gedrungen, der runde Kopf spitzschnauzig, der Schwanz mittellang; die Beine sind ziemlich hoch, alle Füße fünfzehig; das Gebiß hat oben 2, unten 3 Lückzähne. Kleine runde Ohren, rundsternige Augen mit einem dritten, unvollkommenen Lide, eine lange Zunge und eine verschließbare Aftertasche sind weitere Kennzeichen des Tieres.

Der Kusimanse ist die einzige sicher unterschiedene Art seiner Gattung. Er ist etwa 55 em lang, wovon ungefähr 20 em auf den Schwanz kommen. Der rauhe Pelz erscheint einfarbig braun, am Kopfe blässer, vorn gelblich; seine Haare sind heller und dunkler geringelt.

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Krabbenmanguste (Herpestes urva). ½ natürl. Größe.

Über das Freileben dieses Tieres schweigen die Reisenden. In Liberia ist es, laut Büttikofer, nicht selten und wird Du genannt. „Um Käfern, deren Larven und Würmern nachzustellen, bohrt es in die Erde kreisrunde Löcher, die man sehr oft an Waldwegen findet. In der Gefangenschaft läßt es sonderbar knurrende Laute hören, ähnlich dem europäischen Siebenschläfer. Sein Gang und seine hastigen Bewegungen, offenbar Furcht verratend, erinnern lebhaft an den europäischen Igel. Diese Tierchen werden oft zahm in Häusern gehalten; ich kenne kein wildes Tier, das so zahm und anhänglich an den Menschen wird wie dieses. Sie sind sehr munter und reinlich. Auch im domestizierten Zustande können sie die angeborene Neigung, mit dem Rüssel zu bohren, nicht lassen und bohren in Spalten der Fußböden und zwischen den Zehen barfüßiger Menschen. Sie scheinen sehr die Wärme zu lieben und legen sich einem mit Vorliebe auf die Füße, sobald man sich irgendwo niedersetzt oder stillesteht. Sie scheinen mehr Tag- als Nachttiere zu fein.” Neuerdings gelangt es zuweilen lebend nach Europa. Ein Pariser Kusimanse wurde zahm wie ein Hund, ließ sich gern liebkosen und war sehr reinlich. Der struppige Pelz, welcher aussah wie das Haarkleid kranker Tiere, wurde beständig gekämmt und geleckt, der Kot nur auf ein bestimmtes Plätzchen abgesetzt. 37

Krabbenmanguſte (Herpestes urva). ½ natürl. Größe.

Die lange Nase, welche etwa 1 em über die Unterkinnlade vorragt, war stets in Bewegung. Oft rieb sich der Gefangene am Gitter des Käfigs, um sich einer stinkenden Absonderung zu entledigen, welche die Aftertasche füllte. Bei Fleischnahrung befand er sich sehr wohl.

Über gefangene des Frankfurter Tiergartens berichtet Haacke: „Im Sommer 1888 erwarb ich zwei Kusimanses, die sich in ihrem Benehmen sehr voneinander unterschieden. Während der kleinere, etwa viertelwüchsige äußerst zahm und zuthulich war, lohnte der größere, etwa halbwüchsige jeden Annäherungsversuch mit einem tüchtigen Bisse und ist auch im Verlaufe von nahezu einem Jahre nicht viel zahmer geworden, obwohl er, gleich dem

Kusimanse (Crossarchus obscurus). ½ natürl. Größe.

lleineren, von Anfang an keineswegs scheu war. Dieser letztere ist so zutraulich, daß er den Besucher stets durch sanftes Knurren einlädt, ihn zu krauen, sich auch an dem Käfiggitter zu ihm aufrichtet, mit den Vorderpfoten nach ihm greift und fast auf den ersten Ruf aus seinem Schlafkästchen kommt, um sich liebkosen zu lassen. Nachdem er einige Monate in Frankfurt war, wurde er von einer heftigen Krankheit befallen. Sein Haar wurde unrein und unansehnlich, Fußsohlen und Zehen wurden wund und fingen an zu eitern, und aus Nase und Augen floß Schleim. Die Freßlust schwand fast gänzlich, und bald war er bis zum Skelett abgemagert. Ich fürchtete das Schlimmste für meinen Liebling, der tagelang bewegungslos in seinem Schlafkasten lag und nur selten durch lange fortgesetztes Zureden zu bewegen war, ans Käfiggitter zu kommen und sich krauen zu lassen. Aber allmählich trat wieder Freßlust und damit Besserung ein, und heute ist das Tier wieder kerngesund und munter wie früher, im Wachstum allerdings, wie es scheint, etwas zurückgeblieben, aber sonst tadellos. Obwohl unsere Kusimanses ein Pärchen sind, so lassen sie sich doch nicht aneinander gewöhnen. Der Versuch, fie in gemeinsamem Käfig zu halten, ist jedesmal mißglückt. Mit wütendem Gezeter fuhren sie aufeinander los und mußten, da der größere dem kleineren überlegen war und alles Futter für sich in Anspruch nahm, jedesmal wieder getrennt werden. Schlecht wurde auch ein Mungo behandelt, den ich zu dem kleineren setzte.

Kuſimanſe (Crossarchus obscurus). ½ natürl. Größe.

Das Zorngezeter des Kusimanse ist ganz ähnlich dem des Mungos und anderer Mangusten; Entsprechendes gilt von dem sanften Knurren, womit der Kusimanse gleich dem Mungo den Beschauer einlädt, sich mit ihm zu beschäftigen. Jenes kann annähernd durch leck, keck, keck, keck, dieses durch, urr, urr, urr“ wiedergegeben werden. Unsere beiden Kusimanses patschen gern mit den Vorderfüßen im Wasser umher, baden sich auch bei warmem Wetter. Ich habe den größeren in unserem zeitweilig leerstehenden Fischotterbehälter unterbringen lassen, in welchem er, nach Versicherung eines Wärters, Taucherkünste übte. Selbst habe ich dergleichen noch nicht beobachten können.“

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Fuchs manguste (Cynictis penicil lata). ½ natürl. Größe.

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