Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I
An die Mangusten schließen sich ferner einige Tiere an, deren Hauptunterschied in der Fußbildung liegt, da die vorderen Füße fünf, die hinteren vier Zehen haben und die Sohlen teilweise behaart sind.
Die Fuchsmanguste oder das Hundsfrett (Cynictis penicillata, typica und steedmanni, Herpestes penicillatus, Mangusta penicillata und levaillantii, Ichneumonia albescens und ruber), ein in unseren Museen noch seltenes Tier, erreicht an Länge gegen 70 cm, wovon etwa 30 cm auf den Schwanz kommen. Der Pelz ist glatt, der Schwanz buschig. Die ziemlich gleichmäßige hellrote oder gelbbraune Färbung dunkelt am Kopfe sowie an den Gliedmaßen und wird heller an der Bauchseite, die Schwanzhaare mischen sich mit Silbergrau und bilden eine weiße Spitze. Lange, schwarze Schnurren stehen über den Augen und auf den Lippen. | Sie lebt vom Kap der Guten Hoffnung an nördlich, in den Sandgegenden Südafrikas, wohnt in Erdlöchern, nährt sich von Mäusen, Vögeln und Kerbtieren, ist wild und bissig, listig und gewandt, wird aber wenig oder nicht gejagt und hat deshalb noch keine Beobachter gefunden, welche uns über ihr Leben und Treiben ausführlich berichten konnten.
Das Scharrtier oder die Surikate (Suricata tetradactyla, Rhyzaena tetradactyla, typica, capensis und suricata, Viverra tetradactyla und suricata, Suricata zenick c.), bis jetzt die einzige Art ihrer Gattung, welche den Forschern bekannt wurde, bewohnt Afrika vom Tsadsee an bis zum Vorgebirge der Guten Hoffnung. Der rüsselschnäuzige Kopf, die hohen Beine, die vierzehigen Füße, der gleichmäßig dünn behaarte Schwanz und das Gebiß, in welchem der erste Lückzahn fehlt, unterscheiden die Surikate von den ihr ähnlichen Mangusten. Die Füße, das beste Merkmal des Tieres, welches nicht umsonst den Namen Scharrtier erhielt, sind mit langen und starken Krallen bewaffnet, und namentlich die Vorderfüße zeigen diese Krallen in einer Ausbildung, wie sie in der ganzen Familie
nicht wieder vorkommt. Mit ihrer Hilfe wird es der Surikate leicht, ziemlich tiefe Gänge auszugraben. Das Weibchen hat ein paar Drüsensäcke in der Nähe des Afters.
In seiner äußeren Gestaltung erscheint das Scharrtier als ein Mittelglied zwischen den Mangusten und Mardern. Es ist ein kleines, hochbeiniges Geschöpf von 50—60 em Länge, wovon der Schwanz beinahe die Hälfte wegnimmt. Der ziemlich rauhe Pelz erscheint im Grunde graubraun, mit gelblichem Anfluge; von dieser Färbung heben sich auf dem hinteren Teile des Rückens 8—10 dunklere Binden ab. Diese Binden entstehen auf dieselbe Weise wie bei der Zebramanguste (S. 575), denn die Rückenhaare der Surikate sind im unteren Drittel hellgrau, im mittleren dunkelbraun, im oberen hellfahlgrau gefärbt und stehen so abwechselnd dichter und dünnerin Querbinden, daß in jeder Binde die unteren Haardrittel von den oberen Haardritteln der vorhergehenden Querbinde bedeckt werden, während die dunkeln mittleren Drittel überall unbedeckt bleiben. Die Glieder sind lichter, fahl bis silberfarben, die Lippen, das Kinn und die Backen weißlich, die Schnauzenspitze, ein Ring um die Augen, die Ohren und das Schwanzende schwarz. Das Auge zeigt eine große runde Pupille und braune bis silberhelle Iris. g f
Beim Gehen tritt die Surikate fast mit der ganzen Sohle auf, hält sich aber dennoch hoch. Um zu lauschen, richtet sie sich auf den Hinterbeinen auf und macht einen Kegel; manchmal macht sie dann auch ein paar kleine Schritte. Unter den Sinnen scheint der Geruch am meisten ausgebildet zu sein; das Gehör ist schlecht, das Gesicht nicht besonders gut. Ihre Nahrung spürt sie aus und schnüffelt deshalb fortwährend in allen Winkeln und Ecken umher. Findet sie etwas Auffallendes, so wird es mit der Vorderpfote gefaßt, berochen, oftmals herumgedreht, wieder berochen und dann nach Befinden verzehrt. Dabei nimmt das Tier seine Speise mit den Vorderpfoten und führt die Nahrung zum Munde. Milch, welche es sehr liebt, nimmt es, wie alle Flüssigkeiten, lappend zu sich. Während des Umherlaufens läßt es fortwährend ein leises „Ui, Ui“ hören.
Es scheint, daß die Surikate leicht gezähmt werden kann. Sie findet sich bald in die Verhältnisse und lernt nach kurzer Zeit ihr wohlwollende Menschen von unfreundlichen Leuten unterscheiden. Laut Noack richtet sie sich auch gern auf den Hinterfüßen empor und streckt die Hände bettelnd dem Beschauer entgegen. Außerordentlich empfänglich gegen Liebkosungen, zeigt sie sich leicht verletzt, wenn sie hart behandelt wird; ihrem Pfleger vertrauend und Liebe mit Liebe vergeltend, beißt sie nach dem, welcher sie neckt und beunruhigt. Man sagt, daß sie, einmal ordentlich gezähmt und an das Haus gewöhnt, hier durch Wegfangen der Mäuse, Ratten und anderen Ungeziefers, in Afrika namentlich durch Ausrottung der Schlangen und anderen Geschmeißes, gute Dienste leiste.
Über ihr Freileben ist leider noch nichts bekannt. Gefangene gelangen nur vereinzelt in unsere Tiergärten. 1
Als Vertreter der Schleichkatzen in der Neuen Welt kann man das Katzenfrett oder, wie es bereits Hernandez im Jahre 1651 nannte, den Cacamizli der Mexikaner (Bassaris astuta, B. sumichrasti) ansehen. Die Gattung, welche von diesem Tiere gebildet wird, wird indessen auch zu den Bären gestellt und ähnelt in anderer Hinsicht den Mardern. Das Gebiß, welches aus 40 Zähnen besteht, ist ausgezeichnet durch den doppelten Höcker am oberen Fleischzahne, den beträchtlich großen Unterkauzahn und verschiedene geringfügige Merkmale; der Cacamizli ist ein Zehengänger, und die kurzen Krallen der fünf Zehen jedes Fußes sind halb zurückziehbar.
Obgleich das Katzenfrett seit länger als zwei Jahrhunderten bekannt ist, haben wir doch erst in der Neuzeit eine genaue Schilderung seines Leibes und Lebens erhalten. Lichtenstein beschrieb und benannte es zuerst wissenschaftlich, die amerikanischen Forscher Charlesworth, Clark, Baird und vor allen Audubon sammelten Beobachtungen über Lebensweise und Betragen. Das erwachsene Männchen erreicht eine Gesamtlänge von etwa 95 em, wovon zwei Fünftel auf den Schwanz zu rechnen sind. In der Gestalt erinnert das Tier an einen kleinen Fuchs, in der Färbung an die Nasenbären. „Es sieht aus“, sagt Baird, „als ob es ein Blendling des Fuchses und des Waschbären wäre. Von dem einen hat es die Gestalt und den listigen Blick, von dem anderen den geringelten Schwanz. Der Leib ist schlanker als der des Fuchses, aber gedrungener als der des Wiesels; er hat fast die Verhältnisse des Nörz. Das ziemlich weiche, mit einigen längeren Grannen untermengte Haar ist fast so lang wie das eines Fuchsbalges, der Kopf zugespitzt, die nackte Schnauze lang, das Auge groß, die außen nackten, innen kurz behaarten, gut entwickelten, zugespitzten Ohren stehen aufrecht.“ Die Oberseite deckt ein dunkles Braungrau, in welches sich schwarze Haare mischen; Wangen und Unterbauch sind gelblichweiß oder roströtlich, die Augen von derselben Färbung und hierauf dunkler umrandet, die Seiten lichter. Längs des Halses herab und über die Beine verlaufen einige verwaschene Binden; der Schwanz ist weiß, achtmal schwarz geringelt.
Soviel jetzt bekannt, bewohnt der Cacamizli Mexiko und Texas, dort in Felsenklüften und verlassenen Gebäuden, hier hauptsächlich in Baumhöhlen hausend. In Mexiko findet er sich häufig in der Hauptstadt selbst, und Charlesworth nimmt sogar an, daß er sein Lager niemals weit von menschlichen Wohnungen aufschlage, weil gerade der Mensch durch seine Hühnerställe die Jagd des Räubers besonders begünstige. Auch Clark gibt Stallungen und verlassene Gebäude als Wohnungen des Katzenfretts an, obwohl bloß nach Hörensagen, während er es selbst im Geklüfte der Felsen und auf Bäumen fand. Audubon scheint es nur auf Bäumen beobachtet zu haben, und zwar in jenen parkartigen Gegenden von Texas, in denen der Grasbestand ab und zu unterbrochen wird durch ein dichtes Unterholz, aus welchem alte, größere Bäume einzeln sich erheben. Viele von ihnen sind hohl, und solche, deren Höhlungen von obenher Schutz gegen den Regen bieten, werden vom Katzenfrett bevorzugt. Hier lebt es einzeln, scheu und zurückgezogen vor dem zudringlichen Menschen,
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Katzenfrett (Bassaris astuta). ½ natürl. Größe.
durch die Beschaffenheit des Unterwuchses besonders geschützt. Clark behauptet, daß es nirgends selten ist, wegen seines nächtlichen Treibens aber nur nicht oft bemerkt und demzufolge auch selten erlangt wird, obgleich die Landeigentümer, erbost durch die vielfachen Räubereien, welche das Tier begeht, kein Mittel unversucht lassen, es auszurotten. Treu hängt es an dem einmal gewählten Baume, und selten entfernt es sich weit von seiner Höhle, solange es nicht mit Gewalt aus derselben vertrieben wird, schlüpft auch sofort wieder in dieselbe zurück, wenn die Störungen vorüber sind. Nach Audubons Beobachtungen hat es die sonderbare Gewohnheit, die Borke rings um den Ausgang seiner Höhle abzunagen. Der Jäger, welcher keine Späne oder Bruchstücke von dieser Arbeit unter dem Baume liegen sieht, darf sicher sein, daß das Tier nicht mehr in der früheren Wohnung haust. Das Innere der Höhle ist mit Gras und Moos ausgebettet, dazwischen findet man aber auch Nußschalen, deren Inhalt zweifelsohne vom Katzenfrett geleert wurde, obwohl seine Hauptnahrung in allerhand kleinen Säugetieren, Vögeln und Kerbtieren besteht.
Der Cacaminzli ist ein lebendiges, spiellustiges und munteres Geschöpf, welches in seinen Bewegungen und Stellungen vielfach an das Eichhörnchen erinnert und deshalb von den Mexikanern „Katzeneichhorn“ genannt wird. Wenn man es aus feiner Höhle aufstört, nimmt es ganz die anmutigen Stellungen jenes Nagers an, indem es den Schwanz über den Rücken legt, doch kann es nicht wie das Hörnchen sich auf die Hinterfüße setzen. Es klettert vorzüglich,
vermag aber nicht mit der Sicherheit und Gewandtheit des Eichhörnchens von einem Aste zum anderen zu springen, sondern läuft, wenn es erschreckt wird, so lange wie möglich auf einem Aste hin und versucht, von dessen Gezweige aus einen anderen zu erreichen, dabei sich mit den Klauen einhäkelnd. Zuweilen sieht man es, auf der Oberseite eines Astes gelagert, sich sonnen. Es liegt dann, halb aufgerollt, bewegungslos da, anscheinend schlafend; bei dem geringsten Zeichen der Gefahr aber schlüpft es so eilig wie möglich in seine Höhle und erscheint dann erst nach Sonnenuntergang wieder. Audubon glaubt, daß immer nur eins auf ein und demselben Baume wohne, hält es daher für ungesellig, und auch die übrigen Beobachter scheinen seine Ansicht zu bestätigen. Clark stöberte ein Weibchen auf, welches in einer Felsspalte seine 4 oder 5 Jungen säugte. Diese hingen so fest an den Zitzen der Alten, daß sie losgerissen werden mußten, und zwar geschah dies erst einige Stunden nach dem Tode der Mutter. Bis dahin hatten die Jungen kein Zeichen von Unbehagen gegeben. Die Alte schlief, als sie zuerst bemerkt wurde, bekundete aber bei ihrem Erwachen keine Scheu und Furcht vor den herannahenden Menschen, sondern verteidigte ihre Heimstätte gegen diese mit Zähnen und Krallen.
Sehr dürftig sind die Angaben über die Gefangenschaft; nur Audubon berichtet einiges. „Ungeachtet der Scheu und Zurückgezogenheit des Cacamizlis“, sagt er, „kann er ziemlich zahm gemacht werden, und wenn man ihn längere Zeit im Käfig gehalten hat, darf man ihn sogar frei und im Hause umherlaufen lassen. Er wird oft zum Schoßtierchen der Mexikaner und durch seine Mäuse- und Rattenjagd sehr nützlich. Wir haben einen zahmen gesehen, welcher in den Straßen eines kleinen mexikanischen Fleckens umherlief, und haben von einem anderen erzählen hören, welcher so niedlich war, daß er sogar won den Indianern besucht und angestaunt wurde.“
Nach Europa ist das Tier meines Wissens lebend nur ein einziges Mal und zwar im Jahre 1853 gekommen.
Reicher an Arten und Formen als die Familie der Schleichkatzen ist die der Marder (Mustelidae). Es hält sehr schwer, eine allgemein gültige Beschreibung derselben zu geben; der Leibesbau, das Gebiß und die Fußbildung schwanken mehr als bei allen übrigen Fleischfressern, und man kann deshalb nur sagen, daß die Mitglieder der Abteilung mittelgroße oder kleine Raubtiere sind, deren Leib sehr gestreckt ist und auf sehr niedrigen Beinen ruht, und deren Füße 4 oder 5 Zehen tragen. In der Nähe des Afters finden sich ebenfalls Drüsen wie bei den meisten Schleichkatzen; niemals aber sondern sie einen wohlriechenden Stoff ab wie jene, vielmehr gehören gerade die ärgsten Stänker den Mardern an. Die Behaarung des Leibes ist gewöhnlich eine sehr reichliche und feine, und deshalb finden wir in unserer Familie die geschätztesten aller Pelztiere.
Das Gerippe zeichnet sich durch zierliche Formen aus. Die Brust umschließen 11 oder 12 rippentragende Wirbel, 8 oder 9 bilden den Lendenteil, 3, welche gewöhnlich verwachsen, das Kreuzbein und 12— 26 den Schwanz. Das Schulterblatt ift breit, das Schlüsselbein fehlt regelmäßig. Im Gebisse sind die Eckzähne sehr entwickelt. Die Krallen sind meistens nicht zurückziehbar. Die Marder traten zuerst in der Tertiärzeit auf. Gegenwärtig bewohnen sie alle Erdteile mit Ausnahme von Australien, alle Klimate und Höhengürtel, die Ebenen wie die Gebirge. Ihre Aufenthaltsorte sind Wälder oder felsige Gegenden, aber auch freie, offene Felder, Gärten und die Wohnungen der Menschen. Die einen sind Erdtiere, die anderen bewohnen das Wasser; jene können gewöhnlich auch vortrefflich klettern, und alle verstehen