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Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I

PDF document794 original pagesPublished 1890
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Bauch aber weiß und ungefleckt; auch die Flecken sind etwas anders, und die Spitze des Schwanzes ist weiß anstatt schwarz. Der Tüpfelgepard unterscheidet sich vom Fahhad durch etwas dunklere Grundfärbung und kleinere Fleckung sowie, laut Noack, durch sehr starke Nackenmähne und lang behaarten Scheitel. Der wollige Gepard ist ausgezeichnet durch plumpen Leibes- und Gliederbau, durch die dunkelfahlen Flecken auf hellisabellfarbenem Grunde und durch seinen einfarbigen Kopf.

Der Tschita findet sich im ganzen südwestlichen Asien und, wenn man, mit Noack, den Tüpfelgepard mit ihm vereinigen will, mindestens auch im nordöstlichen Afrika. „Der Jagd—

Gepard oder Fahhad (Cynailurus guttatus). Yo natürl. Größe.

leopard“, schreibt uns A. Walter, „ist durch Persien, Turkmenien und Turkistan häufig. Seine feste nordwestliche Grenze erhält er am Ostufer des Kaspi und im nördlichen Ustjurt zwischen Aral und Kaspi. Die Gebirge und Wälder Nordwestpersiens verschlossen ihm den Eintritt in die transkaukasischen Steppen.“ Er findet sich im größten Teile Vorderindiens, nach Blanford aber wahrscheinlich nicht nördlich vom Ganges und sicherlich auch nicht an der Malabarküste; laut Sanderson ist er schon in Maisur fast unbekannt. Daß er auf Ceylon vorkomme, wird von Jerdon stark bezweifelt. Der Tschita ist ein echtes Steppentier, welches sich seinen Unterhalt weniger durch seine Kraft als durch seine Behendigkeit erwerben muß. Entsprechend seiner Zwittergestalt zwischen Hund und Katze bewegt sich der Gepard in einer von den Katzen nicht unwesentlich verschiedenen Weise. Zwar versteht auch er

Gepard oder Fahhad (Cynailurus guttatus). Yo natürl. Größe.

es noch, dicht an den Boden geschmiegt, die langen Beine förmlich zusammengeknickt, zu schleichen; doch geschieht dies eher nach Art eines Fuchses oder Wolfes als nach Art der Katze. Mit dieser verglichen, tritt der Gepard derb auf und schreitet weit aus; beschleunigt er seine Bewegung, so läuft er nach Art eines Windhundes dahin, und an diesen erinnert er auch, wenn er weitere Sprünge ausführt, da er nicht bloß wenig Sätze macht und dann vom Weiterlaufen absteht, sondern unter Umständen größere Strecken mit gewaltigen Sprüngen durchmißt. Eine Fähigkeit der meisten Katzen geht ihm gänzlich ab: er ist nicht im stande zu klettern und muß, wenn er einen höheren Gegenstand erreichen will, mit einem gewaltigen Sprunge, welcher ihn allerdings in verhältnismäßig bedeutende Höhen bringt, sich behelfen. Ob er auch zu schwimmen versteht, ist aus keiner Quelle zu ersehen. Auch seine Stimme hat etwas durchaus Eigentümliches. Der Gepard spinnt und zwar mit großer Ausdauer wie unsere Hauskatze, nur etwas gröber und tiefer, faucht, gereizt, wie seine Verwandten, fletscht auch ebenso ingrimmig die Zähne und läßt dabei ein dumpfes, unausgesprochenes Knurren hören, außerdem aber ganz eigentümliche klagende Laute vernehmen, die N mit einem Blöken vergleicht. Die Nahrung der Jagdleoparden besteht hauptsächlich in den mitkelgonsen und kleineren Wiederkäuern, welche in seinem Gebiete leben, und ihrer weiß er sich mit vielem Geschicke zu bemächtigen. Seine liebste Beute sind Antilopen, und in der Nachbarschaft der von diesen bevorzugten Gegenden ist er auch am häufigsten zu finden; gewöhnlich haust er im Gefelse niedriger Hügel. Kenner stimmen darin überein, daß für eine nicht zu große Strecke der Tschita das schnellste aller Säugetiere ist. Er gebraucht aber auch Schlauheit und List, um zu seiner Beute zu gelangen. Sobald er ein Rudel weidender Antilopen oder Hirsche bemerkt, drückt er sich auf die Erde und kriecht nun schlangengleich, leise, aber behende auf dem Boden hin, um sich vor den wachsamen Augen des Wildes zu verbergen. Dabei berücksichtigt er alle Eigentümlichkeiten des letzteren und kommt z. B. niemals über dem Winde angeschlichen, liegt auch still und regungslos, sobald das Leittier des Rudels seinen Kopf erhebt, um zu sichern. So stiehlt er sich möglichst nahe heran, sucht das bestgestellte Tier aus und stürmt nun in rasender Eile darauf los, dem flüchtenden nach, bringt es in der Regel durch Tatzenschläge gegen die Läufe zum Falle und packt es an der Kehle. Kann er sich nur auf gute Büchsenschußweite anschleichen, jo zögert er nicht, seiner Schnelligkeit vertrauend, das flüchtigste Wild zu verfolgen. Me Master erzählt als Augenzeuge, daß ein Tschita, der sich einer Antilope auf kaum 200 Schritt unbemerkt zu nähern vermochte, diese trotzdem innerhalb einer Strecke von nicht 500 Schritt einholte und niederwarf. Derselbe Gewährsmann sowie Baldwin berichten aber auch nach eigener Erfahrung, daß der anfangs pfeilschnelle Jagdleopard bei längerem Laufe rasch ermattet und von einem Pferde bald eingeholt wird. Er sucht sich dann zu verstecken und zeigt nur selten ernstliche Gegenwehr, wenn die Reiter ihn vom Sattel aus speeren.

Solche angeborene List und Jagdfähigkeit mußte den achtsamen Bewohnern seiner Heimat auffallen und fie zu dem Versuche reizen, die Jagdkunst des Tieres für sich zu benutzen. Durch einfache Abrichtung wird der Jagdleopard zu einem trefflichen Jagdtiere, welches in seiner Art dem Edelfalken kaum nachsteht. In ganz Ostindien betrachtet man ihn allgemein als einen geachteten Jagdgehilfen. Der Schah von Persien läßt ihn sich aus Arabien kommen und hält ihn in einem eigenen Haufe. Joseph Barbaro sah im Jahre 1474 bei dem Fürsten von Armenien 100 Stück Jagdleoparden. Auch in Europa ist der Gepard als Jagdtier benutzt worden. Der „hochgeleert Doktor Kunrat Gesner“ hat es von einem vernommen, „daß der König in Franckreich zweyerley Arten der Leoparden zu halten pflegte, welche allein der Grösse nach unterschieden waren. Die grössere Art vergliche sich einem Kalbe, war nur etwas niedriger von Beinen, hingegen ein wenig länger

von Leibe: Die kleinere Art aber war so groß wie ein Hund. Dieser kleinere Leopard wurde bißweilen, wann der König seine Lust sehen wolte, von dem Wärter hinten auff dem Pferde auff einem Küssen, mit einer Ketten angebunden, mit auff die Jagt geführt, da man ihn dann von der Ketten loß- und ihm einen Haasen vorlauffen liesse, welchen er alßbald mit etlichen grossen Sprüngen erhaschte, und ihn in Stücken zerrisse. Wann aber der Jäger, oder Wärter, den Leopard wieder anbinden wolte, gieng er rücklings, damit er sein Angesicht nicht sehen mögte, auff ihn zu, both ihm, zwischen den Beinen durch, ein Stücklein Fleisch dar, und machte ihn also wieder gut, band ihn hernach mit der Kette, streichelte und führte ihn zu dem Pferde, auff welches er von sich selbsten, ohne Müh, auff seinen Platz sprang.“ Daß diese Schilderung sich nur auf den Gepard beziehen kann, unterliegt keinem Zweifel. Auch Leopold J., Kaiser von Deutschland, erhielt vom türkischen Sultan zwei abgerichtete Tschitas, mit denen er oftmals jagte. Die Herrscher der Mongolen trieben so großen Luxus mit unseren Tieren, daß sie oft gegen 1000 Stück mit auf die großen Jagdzüge nahmen. Noch heutigestags sollen die Meuten dieser Katzenhunde bei einigen einheimischen Fürsten Indiens einen nicht geringen Aufwand erfordern. Ihre Abrichtung muß von besonderen Leuten besorgt werden, und auch ihr Jagdgebrauch setzt die Begleitung sehr geübter Jäger voraus, welche ungefähr die geachtete Stellung unserer früheren Falkner bekleiden: man kann sich also denken, daß dieses Jagdvergnügen eben nicht billig ist.

Heuglin bestätigt die Angabe älterer Reisenden, daß der Gepard in früherer Zeit auch in Abessinien zur Jagd abgerichtet wurde, und Hartmann gedenkt einer Abbildung, welche einen Beduinen Algeriens mit seinem gezähmten Gepard darstellt, im Begriffe, letzteren auf ein in der Ferne weidendes Gazellenrudel loszulassen. Auch von der Decken versicherte mir, bei den Arabern der nördlichen Sahara gezähmte und eingeschulte Jagdleoparden gesehen zu haben. In Nordostafrika wird das Tier nach meinen und anderer Reisenden Erfahrungen gegenwärtig nicht mehr zur Erbeutung von Wild benutzt.

In Indien wird der Gepard behufs solcher Jagd behaubt, mittels einer dünnen Leine gehalten und auf einen leichten, zweiräderigen Karren gesetzt, wie sie dem Lande eigentümlich sind. Man zieht nach den Wildplätzen hinaus und sucht sich einem Rudel Wild soviel als möglich zu nähern. Wie überall, läßt auch das scheueste asiatische Wild einen Karren weit näher an sich herankommen als gehende Leute. Deshalb kann man mit dem Gepard bis auf 200 oder 300 Schritt an das Rudel heranfahren. Sobald die Jäger nahe genug sind, enthauben sie den Tschita und machen ihn durch sehr ausdrucksvolle Winke und leise Aufmunterungen auf seine Beute aufmerksam. Kaum hat das vortreffliche Tier diese ersehen, so erwacht in ihm das ganze Jagdfeuer, und all seine natürliche List und Schlauheit gelangt zur Geltung. Zierlich, ungesehen und ungehört schlüpft er von dem Wagen, schleicht in der angegebenen Weise vorsichtig an das Rudel heran, bis das Wild flüchtig wird, oder er seines Fanges sicher zu sein glaubt. Glückt ihm der Anlauf, so drückt er das Opfer am Halse nieder. Der Abrichter eilt herbei, durchschneidet die Kehle, sammelt das ausfließende Blut in einer hölzernen Schale, gibt es dem Tschita zu trinken und schiebt ihm danach wieder die Haube über. Nach Vignes und Hamiltons Beobachtungen beschleichen übrigens keineswegs alle Tschitas ihre Beute; sie gehen auch offen darauf los und richten ihre Bewegungen nach denen des Wildes ein, traben oder galoppieren wie dieses, bis sie endlich das entscheidende Rennen wagen. Über 500 Schritt weit scheint auch der beste Tschita die Verfolgung nicht auszudehnen; die meisten laufen wohl nur halb so weit, halten dann an und gehen, leidenschaftlich erregt, einige Minuten lang hin und her, worauf der Wärter sich ihrer bemächtigt. Nicht immer wird das erwählte Wild erbeutet. Als der Prinz von Wales 1875 —76 Indien bereiste, sind ihm gewiß die besten Jagdleoparden vorgeführt worden, und dennoch

werden Fehljagden verzeichnet. Zwei von den Wagen gelöste Tschitas rissen allerdings je eine Antilope nieder, aber ein dritter, der auf 60 Schritt an eine Herde herangebracht war, gab die Hetze auf, nachdem er einen Bock an 500 Schritt weit vergeblich verfolgt hatte. Den Verlauf einer späteren Staatsjagd schildert Russell, ein Begleiter des Prinzen, kurz wie folgt: „Ein Tschita, auf eine Antilope losgelassen, jagte statt dieser einem Hunde nach. Der Hund wandte sich, und der Tschita flüchtete. Ein Luchs (wahrscheinlich ein Karakal, S. 517) wurde auf einen Fuchs gehetzt; Reineke aber zeigte sich kampflustig und wehrhaft; da einigten sich Luchs und Fuchs und trennten sich in Güte. Nicht einmal den aufgestoßenen Hasen wollten die Luchse regelrecht folgen; die Falken dagegen schlugen kunstgerecht jeden Lampe, auf den sie gelöst wurden.“

Sehr auffallend muß es erscheinen, daß man von dem Freileben dieser so oft gezähmten Katze noch überaus wenig weiß; auch über ihre Fortpflanzung ist gar nichts bekannt. Ich habe mich in Afrika sogar bei den Nomaden vergebens hiernach erkundigt; diese Leute, welche das Tier ganz genau kennen, konnten mir eben bloß sagen, daß man es in Schlingen fängt und trotz seiner ursprünglichen Wildheit binnen kurzer Zeit zähmt. Nur Sterndale berichtet etwas mehr aus Indien. Nach ihm sind die Jungen, mit Ausnahme eines schwarzen Striches auf der Nase, durchaus einfach grau gefärbt, doch ist die künftige Tüpfelung nach Entfernung des Oberhaares schon deutlich wahrzunehmen. Ferner sagt er, und alle Gewährsmänner stimmen mit ihm überein, daß man niemals Junge zu Jagdtieren aufziehe, sondern bloß erwachsene Tschitas dazu einfange, da sie nach Ansicht der Inder nur in voller Freiheit und unter Anleitung der Alten sich zu guten Jägern auszubilden vermögen. Jerdons Erfahrungen sprechen jedenfalls nicht dagegen. Er hatte seinen von Jugend an aufgezogenen sehr zahmen Tschita (der bald auf eigene Faust Schafe und Esel angriff, nicht ohne oftmals schlecht dabei zu fahren) mit Glück auf zu diesem Zwecke herbeigeschaffte Antilopen angelernt. Der Tschita hetzte sie zwar, holte auch das flüchtige Wild ein, nahm aber die Jagd nicht ernsthaft, warf das verfolgte Stück nicht immer nieder und hielt es namentlich nicht fest. Vielleicht hätte ihm das noch beigebracht werden können, aber sein Herr mußte, weil der Dienst ihn rief, die Erziehung aufgeben.

Nach Angabe der Eingeborenen sättigt sich der Tschita bloß jeden dritten Tag, aber im Übermaße, und verkriecht sich dann in seinem Verstecke, um zu schlafen und zu verdauen. Am dritten Tage begibt er sich zu einem bestimmten Baume, wohin auch andere seiner Art kommen sollen, um dort zu spielen, die Borke zu zerkratzen und seine Klauen zu schärfen. Etwas Wahres muß schon an dieser Erzählung sein, denn an solchen wohlbekannten Bäumen wird er auch gefangen und zwar in einer Weise, die Sterndale nach einem Augenzeugen schildert. Der englische Jäger begleitete Eingeborene zu dem bestimmten Baume. Dort wurden im Umkreise von einem Dutzend Schritt eine Menge Schlingen, wie man sie sonst zum Fangen von Antilopen benutzt, mittels Pflöcken am Boden hergerichtet. Dann versteckten sich die Jäger hinter einem 80 Schritt entfernten, aus Zweigen gebildeten Schirm und hielten scharfen Auslug. Als die Sonne zu sinken begann, erschienen wirklich, in etwa 500 Schritt Entfernung sich jagend und miteinander spielend, vier Tschitas: zwei starke und zwei schwächere, wahrscheinlich eine Familie. Bald jagten sie auf den Baum los, die beiden starken weit voran, und diese hingen auchim Nu mit den Läufen in den Schlingen. Die Eingeborenen liefen hinzu, warfen den Gefangenen Decken über die Köpfe, banden ihnen die Läufe zusammen und stülpten ihnen dann die Lederhauben über, wobei freilich ein Ungeschickter tüchtig in die Hand gebissen wurde. Das Weibchen erwies sich viel ungebärdiger als das Männchen. Die Gefangenen wurden auf den herangekommenen Ochsenkarren nach dem Dorfe gefahren. Dort begann ihre Erziehung damit, daß Frauen und Kinder Tag für Tag schwatzend und lachend in ihrer Nähe sich aufhielten, um sie zunächst an Menschenstimmen

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