Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I
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Langschwanzkatze (Felis macrura). ½ natürl. Größe.
noides) zu sein. Ihre Größe kommt der einer starken Hauskatze etwa gleich; ihre Pfoten find jedoch viel stärker als bei letzterer. Die Gesamtlänge beträgt 90— 100 em, wovon 30-35 em auf den Schwanz kommen, die Schulterhöhe 25—30 cm. Vom Tiehati unter: scheiden sie der kleine Kopf, die großen Augen, die lanzettförmig abgerundeten Ohren und die stark gekrümmten, weißlichen Krallen. Ihre Grundfärbung ist rötlich braungrau, an den Seiten heller, unten weiß. Der ganze Leib ist längsreihig graubraun oder schwarzbraun gefleckt; einzelne Flecken umschließen einen lichteren Hof. Auf dem Oberkörper verlaufen fünf Längsreihen, an der Stirne zwei schwarze Streifen, dazwischen Punkte, an den Seiten des Kopfes zwei dunkle Längsstreifen, unter der Kehle ein dunkler Querstreifen. Die Fußsohlen sind graubraun. „Die Langschwanzkatze“, sagt Prinz von Wied, „lebt in allen von mir bereisten Gegenden. Anfänglich wurde sie von mir für eine Mbaracaya gehalten, bis ich beide Tiere genauer verglich. Von dem Marguay und dem Ozelot ist sie verschieden. Ihre schlanke Gestalt, das bunte Fell, welches übrigens mit dem der Mbaracaya höchst übereinstimmend gezeichnet ist, machen sie zu einem der schönsten Tiere der Katzenfamilie. Meine Jäger fanden sie an verschiedenen Orten, und ich kann deshalb sagen, daß sie fast in allen großen Urwäldern Brasiliens lebt. Bei den Brasilianern trägt sie den Namen der gefleckten Wildkatze und
wird von ihnen ihres schönen Felles wegen oft geschossen. Da sie weit leichter und behender ist als die Mbaracaya, steigt sie besonders gern an den Schlinggewächsen auf und ab, durd)- sucht die Bäume nach mancherlei Tieren und Vogelnestern und erhascht und verzehrt dabei alle kleineren Tiere, welche sie erreichen und bewältigen kann. Wilden und gezähmten Hühnern wird sie ebenfalls sehr gefährlich und kommt deshalb häufig genug an die Wohnungen heran, um Federvieh zu rauben. Ihr Lager schlägt sie in hohlen Stämmen, Felsenklüften oder Erdhöhlen auf und bringt dort auch ganz nach Art unserer Wildkatze ihre Jungen zur Welt. „Gewöhnlich fängt man sie in Schlagfallen. Ich erhielt in den großen Urwäldern am Mukuri auf diese Art in 14 Tagen drei solche Katzen. Eine vierte schoß einer meiner Jäger von einem Baume herab und wollte sie ergreifen, allein sie entsprang, da sie nur leicht verwundet war. Ein Hund, welcher sie findet, treibt sie augenblicklich auf einen Baum, und dann kann man sie leicht herabschießen. Nur der Zufall bringt den Jäger in Besitz des schönen Tieres, weil man ihm auf seinen Streifzügen, welche es ebensowohl bei Tage als bei Nacht unternimmt, nicht gut folgen kann.“ Hensel weiß Vorstehendem wenig hinzuzufügen. „Wie alle Katzen“, bemerkt er, „lebt die Langschwanzkatze stets auf der Erde und besteigt die Bäume nur dann, wenn sie von den Hunden verfolgt wird, oder nach Regenwetter, wenn der Grund des Waldes zu naß geworden ist. Dann liegt sie ausgestreckt auf einem wagerechten Aste, um sich den wärmenden Strahlen der Sonne auszusetzen. Wie man an den Fährten sehen kann, besucht sie jede Nacht die Pflanzungen der Waldbewohner.“;
In der neueren Zeit kommt eine oder die andere dieser Katzen lebend zu uns herüber, immer selten und einzeln. Von denen, welche ich sah, hatte sich keine mit dem Menschen befreundet; alle waren im Gegenteile äußerst boshafte und wütende Geschöpfe, welche zischten und fauchten, wenn man sich ihnen nahete. Richtete man den Blick fest auf sie, so knurrten sie ingrimmig und peitschten dabei höchst verständlich mit dem Schwanze; näherte man sich einen Schritt weiter, so fuhren sie fauchend bis an das Gitter heran und stellten sich trotzig zur Wehr, ganz nach Art unserer ebenfalls fast stets übelgelaunten Wildkatze. Demungeachtet bin ich weit entfernt, behaupten zu wollen, daß sie unzähmbar seien.
Unter allen Katzen besitzt die Pampaskatze (Felis pajeros, Pajeros pampanus, Leopardus pajeros) die ausgesprochenste Längsstreifung, weshalb wir mit ihr die Schilderung der eigentlichen Katzen beschließen. Von dem vorherrschend schön silbergrau gefärbten Pelze heben sich blasser oder dunkler rostbraunrote Streifen, welche über den Rumpf schief von vorn und oben nach hinten und unten verlaufen, lebhaft ab, um so mehr, als sie auch auf Kehle und Brust als Gürtelbänder, auf den Beinen als Ringbänder sich wiederholen. Die einzelnen Haare des Pelzes sind an der Wurzel grau, hierauf lichtgelb und an der Spitze silbergrau, die der Streifen aber hier blaßrostgelb. Auf der Rückenmitte mischen sich schwarze und dunkelrostrote Haare; auf dem Kopfe sind sie fahlgrau, sodann schwarz und an der Spitze weiß. Über die fast einfarbig fahlgelben Wangen verläuft ein schmaler rostroter Streifen. Die Ohren sind außen hell-, am Rande dunkelrostbraun, innen fahlweiß gefärbt. Der Schwanz hat die Farbe des Rückens und zeigt gegen die Spitze hin 4—6 dunklere Ringbinden; die Beine find auf gilblichem Grunde 6—7mal breit und regelmäßig rostrot, die Unterteile auf weißlich fahlgelbem Grunde unregelmäßig hellrostgelbrot gebändert. Diese Färbung und Zeichnung macht die Pampaskatze trotz der Stumpfheit der Farben zu einer der schönsten Arten der Gruppe. Starke Kater mögen eine Gesamtlänge von 120— 130 cm erreichen, wovon der Schwanz etwa 30 em wegnimmt; die Schulterhöhe beträgt 30-35 em.
Die Pampaskatze findet sich inden Steppen Südamerikas, durch Patagonien bis zur Magalhsäesstraße herab, und ist namentlich an den Ufern des Rio Negro zu finden. Sie lebt von kleinen Nagern, welche namentlich die Pampas in Menge bevölkern. Man schildert sie als ein harmloses Tier, dessen Nutzen anerkannt wird. Über ihr Gefangenleben weiß ich nichts zu berichten. In die europäischen Tiergärten gelangt sie äußerst selten; soviel mir bekannt, hat man sie bisher nur in London gefangen gehalten.
Fast alle Naturforscher stimmen darin überein, daß man die Luchse (Lynx) als eine von den übrigen Katzen wohl unterschiedene Gattung betrachten und demgemäß gesondert
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Pampaskatze (Felis pajeros). ½ natürl. Größe.
aufführen darf. Sie kennzeichnet der mäßig große Kopf mit bepinselten Ohren und, bei den meisten Arten, starkem Backenbarte, der seitlich verschmächtigte, aber kräftige Leib, welcher auf hohen Beinen ruht, sowie der kurze, bei der Mehrzahl stummelhafte Schwanz. Auch ist der letzte Unterbackenzahn nicht dreispitzig, wie bei den Katzen, sondern zweispitzig.
Alle Erdteile, mit Ausnahme des katzenlosen Australien, beherbergen Luchse, Europa allein zwei wohl unterschiedene Arten. Sie bewohnen vorzugsweise geschlossene Waldungen und in ihnen die am schwersten zugänglichen Orte, finden sich jedoch auch in Steppen und Wüsten und kommen selbst in angebauten Gegenden vor. Alle ohne Ausnahme dürfen als hochentwickelte Katzen angesehen werden, sind ebenso raublustig und blutdürstig wie Leopard und Panther, dabei ernst wie Löwe und Tiger, gefährden den Bestand des Wildes und der Haustiere in hohem Grade und müssen als Raubtiere, welche mehr Schaden als Nutzen bringen, bezeichnet werden. Ihre Lebensweise, die Art, in welcher sie zur Jagd ausgehen und rauben, unterscheidet sich, genau entsprechend ihrer Ausrüstung und ihren Begabungen, in mancher Hinsicht nicht unwesentlich von dem Gebaren der bis jetzt geschilderten Verwandten, wie überhaupt ihr ganzes Auftreten etwas Absonderliches hat.
Der Sumpfluchs, die Dschangelkatze englischer Forscher (Lynx chaus, Felis chaus, libyca, catolynx, affinis, dongolensis, jacquemontii, katas, ruepellii, marginata und chaligata), erreicht ungefähr 90 cm Länge, wovon 22 —27 cm auf den Schwanz kommen; die Schulterhöhe beträgt 35—40 em, das Gewicht 6—9 kg. Der ziemlich reiche Pelz hat eine mannigfaltig von Gelbgrau bis Graubraun wechselnde Grundfärbung; die einzelnen Haare sind an der Wurzel ockergelb, in der Mitte schwarzbraun geringelt, an der Spitze weiß oder grauweiß und hin und wieder schwarz gefärbt. Die Zeichnung besteht aus dunkleren Querstreifen, welche besonders am Vorderhalse, an den Seiten und Beinen deutlicher hervortreten, so, wie auf unserer Abbildung ersichtlich wird. Über die Stirnmitte verläuft ein kurzer, ziemlich breiter Streifen, welcher zu beiden Seiten von schmäleren und kürzeren begleitet wird; über und neben den Augen bemerkt man andere Schmitzstreifen. Den Schwanz zeichnen oben 6—9 dunkle Halbringe und die schwarze Spitze. Die Ohren sind außen graugelb, innen rötlichgelb, oft von längeren weißlichen Haaren überstrahlt, die Füße braunrötlich, die Unterteile hellockergelb gefärbt. Der Augenstern sieht grünlichgelb aus. Die Streifen sind bei manchen Tieren recht undeutlich und scheinen besonders im Alter gänzlich zu schwinden. In Indien kommen gelegentlich auch ganz schwarze Tiere vor.
Der Sumpfluchs hat eine weite Verbreitung. Er bewohnt den größten Teil Afrikas und Süd- und Westasien, insbesondere Süd- und Ostafrika, Nubien, Agypten, Persien, Syrien, die Länder um das Kaspische Meer und Indien ostwärts bis nach Barma sowie vom Himalaja bis nach Ceylon. Eine von Tickell auf den Andamanen gefundene Wildkatze könnte nach Blanford wohl F. chaus sein. Im Himalaja steigt er bis zu 2500 m und vielleicht noch höher empor, trägt aber dort einen dichteren und längeren Pelz. Den alten Agyptern war er wohl bekannt, wurde auch wie die Hauskatze einbalsamiert und sein Leichnam an heiligen Orten beigesetzt. Einzelne Naturforscher neigen zu der Meinung, daß man in ihm einen der Stammväter unserer Hauskatze zu erkennen habe, und wollen gewisse Far: benspielarten unseres Hinz als Kreuzungserzeugnisse von ihm und der Haus- oder aber der Urmutter Falbkatze selbst abgeleitet wissen. Daß der Sumpfluchs in Indien und Agypten oder Syrien sich mit der Hauskatze paart, darf nach den gesammelten Erfahrungen nicht mehr in Abrede gestellt werden; gegen eine unmittelbare Abstammung der Hauskatze von unserem Luchse aber sprechen gewichtige Gründe, vor allem die bereits genügend hervorgehobene Ahnlichkeit von Falbkatze und Hinz. Auf die Verehrung, welche die alten Agypter dem Sumpf: luchse angedeihen ließen, wird, betreffs der Abstammungsfrage unserer Hauskatze, kein bejon-deres Gewicht gelegt werden können; ihre Katzenfreundlichkeit beschränkte sich wohl kaum auf die eine Art, sondern erstreckte sich über alle kleineren, ihnen bekannten Verwandten des als heilig erachteten Tieres. Ich bin dem Sumpfluchse im Nilthale mehrere Male begegnet. Er ist in Agypten eben keine seltene Erscheinung; man bemerkt ihn nur nicht oft. In jenem Lande fehlen größere Waldungen, in denen ein Raubtier sich verbergen könnte, fast gänzlich, und dieses ist des: halb auf andere Schlupfwinkel angewiesen. Wie die Hyäne, welche eigentlich zwischen dem Geklüfte der Wüste ihre Höhle hat, oft lange Zeit im Röhricht lebt, wie Schakal und Fuchs Riedgras und Getreide bewohnen, so lebt auch der Sumpfluchs ruhig an ähnlichen Orten, ohne befürchten zu müssen, leicht aufgestört zu werden. Die ausgedehnten Getreidefelder, welche auf dem vom überwogenden Nile getränkten Erdreiche angelegt wurden, also nicht zeitweilig künstlich überrieselt werden, sind vorzugsweise sein Aufenthalt. Außerdem aber bewohnt er die großen Flächen, welche dichter oder dünner mit einem ziemlich hohen, scharfschneidigen Grase bedeckt sind, und endlich bieten ihm die trockenen Stellen im Röhricht oder auch schon die Schilfhorste, welche an den Ufern der Kanäle sich hinziehen und manche Felder umzäunen, erwünschte Aufenthaltsorte. Das Nämliche wird über ihn aus Indien
berichtet. Als ich einmal nahe bei der Stadt Esneh durch einen Garten schlenderte, fiel mir eine in dem dichten Grase dahinschleichende Katze nur ihres großen Kopfes wegen auf; denn der übrige Körper war in dem schossenden Getreide versteckt. Mehr, um zu untersuchen, als in der Meinung, eine wilde Katze vor mir zu haben, schoß ich auf das Tier, welches mich seiner Beachtung nicht würdig hielt. Es verendete nach wenigen, verzweiflungsvollen Sätzen, und ich fand zu meiner Überraschung, daß ich den Sumpfluchs, und zwar ein ziemlich ausgewachsenes Männchen, erlegt hatte. Von nun an wurde ich aufmerksam und bemerkte deshalb unser Raubtier öfter. Einen großen Luchs fand ich ruhig sich sonnend in einem
Sumpfluchs (Lynx chaus). ½ natürl. Größe.
Rohrgebüsche liegen; er entkam mir aber trotz einer starken Verwundung, welche ich ihm beigebracht hatte. Die übrigen, welche ich bemerkte, entflohen regelmäßig, noch ehe ich in Schußweite an sie herangekommen war.
Der Sumpfluchs schleicht ebensowohl bei Tag wie bei Nacht umher, um Beute zu machen. Dabei kommt er dreist bis dicht an die Dörfer heran, und die größeren Gärten in der Nähe derselben scheinen ihm sogar besondere Lieblingsplätze zu sein. Um ihn oder wenigstens seine Spuren zu bemerken, braucht man eben nicht lange auf der Jagd herumzustreifen. Wenn man an den Rändern von Getreidefeldern, auf Rainen und Wegen, welche durch dieselben führen, achthaben will, gewahrt man ihn häufig genug. Er schleicht nach echter Katzenart leise und unhörbar zwischen den Pflanzen dahin, welche ihn gewöhnlich zum größten Teile verstecken. Von Zeit zu Zeit bleibt er stehen und lauscht. Dabei bewegt er, wie unsere Hauskatzen, die Ohren nach allen Richtungen hin, beschreibt mit dem Schwanze die