36STATjournal
2 – 2026
Austrian Socio-Economic Panel (ASEP) Langfristige Forschungsdaten für Österreich
Dadurch werden differenzierte und kleinräumige
Auswertungen möglich, etwa zum Bildungs und
Arbeitsmarktstatus auf Bezirksebene. Diese können
wiederum als Grundlage für gezielte Maßnahmen
und zur kausalen Analyse von Interventionen mit
regionalen Unterschieden dienen.
Der Mehrwert der Verknüpfung von Register
und Befragungsdaten geht dabei in beide Richtun
gen. Die Registermerkmale können die erhobenen
Surveydaten bereichern, indem sie beispielsweise
Erwerbs, Bildungs und Einkommensverläufe rück
wirkend und mit hohem Detailgrad abbilden. Auch
Lebensepisoden und ereignisse, wie Eheschlie
ßungen, Scheidungen oder Umzüge lassen sich so
exakter rekonstruieren. Umgekehrt helfen Survey
daten, die zugrundeliegenden Mechanismen der in
den Registerdaten gefundenen Zusammenhänge zu
verstehen, indem sie beispielsweise Informationen
zu intervenierenden sozialen, psychologischen und
verhaltensbezogenen Faktoren liefern.
methodische Analysen bietet. Als wissenschafts
geleitetes Panel integriert der ASEPSurvey zudem
regelmäßig methodische Experimente, die einer
seits als empirische Grundlage zur Optimierung
des Erhebungsdesigns dienen und andererseits
eine hohe Relevanz für die internationale Metho
denforschung aufweisen.
Öffentlichkeit und Verwaltung
Das Potenzial von Haushaltspanels wie von
ASEP ist nicht nur auf die wissenschaftliche
Forschung begrenzt. ASEP kann als empirische
Grundlage für politische und gesellschaftliche
Debatten dienen. Dadurch werden die Ergebnisse
von ASEP für die gesamte Bevölkerung relevant
und führen zu einem tieferen Verständnis für die
Lebensrealität der Menschen und dafür, wie poli
tische Maßnahmen diese prägen. Die Inhalte von
ASEP fokussieren auf zentrale gesellschaftliche
Herausforderungen, wie etwa auf die Entwick
lung von Wohnkosten, die Nutzung erneuerbarer
Energien, das Pensionsantrittsalter, plurale Fami
lienstrukturen, intergenerationale Mobilität, die
Bereitschaft zur Weiterbildung oder Problemlagen
im Gesundheits und Pflegesystem. ▶ Grafik 6
zeigt exemplarisch einen ASEPInhalt auf und gibt
einen Überblick über die Sorgen in Hinblick auf
verschiedene ökologische, soziale und wirtschaft
liche Entwicklungen.
Mehrwert durch Verknüpfung von
Register und Befragungsdaten
Im internationalen Vergleich hebt sich ASEP
von Referenzumfragen dadurch ab, dass es die Ver
bindung der Befragungsdaten mit ausgewählten
Registerdaten (ADCOL) für die Gesamtheit aller in
Österreich lebenden Menschen rückwirkend bis ins
Jahr 2015 ermöglicht. Durch diese Verknüpfung
und die hohen Fallzahlen lassen sich Analysen für
eine Vielzahl relevanter Subgruppen realisieren.
Grafik 6
Sorgen hinsichtlich aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen
in Prozent
30,3
32,4
33,8
39,2
32,2
43,8
27,9
55,7
13,7
57,2
53,2
45,3
42,9
55,1
37,5
54,2
39,8
47,1
12,5
14,4
21,0
17,9
12,7
18,7
17,9
4,5
39,2
Schutz der Umwelt
Folgen des Klimawandels
Erhaltung des Friedens
in Österreich
Entwicklung der Kriminalität
in Österreich
Sozialer Zusammenhalt
der Gesellschaft
Zuwanderung nach Österreich
Ausländerfeindlichkeit
in Österreich
Entwicklung der Preise
Auswirkungen neuer
Technologien
Große Sorgen Einige Sorgen Keine Sorgen
Q: STATISTIK AUSTRIA, ASEPPilotwelle 1. – Gewichtet. – Gesamt 2 004 bis 2 016 Personen mit entsprechenden
Angaben zu den einzelnen gesellschaftlichen Herausforderungen in der Befragung.
37
STATjournal
2 – 2026
Austrian Socio-Economic Panel (ASEP)
Langfristige Forschungsdaten für Österreich
CATI Computer-Assisted Telephone Inter
viewing. Bei dieser Erhebungsform führt eine
Erhebungsperson die Befragung per Telefon
durch und gibt die Antworten des:der Befragten
auf einem Computer, Tablet o. Ä. ein.
CAWI Computer-Assisted Web Interviewing. Bei
dieser Erhebungsform füllt der:die Befragte den
Fragebogen selbst online auf einem Computer,
Tablet o. Ä. aus.
Erhebungsperson Diese Person befragt die
im Rahmen einer Erhebung zu befragenden
Personen persönlich oder telefonisch.
Fragebogenitem Als Item ist eine Frage oder
Aussage eines Fragebogens zu verstehen, auf die
eine einzelne Antwort gegeben werden kann.
Metadaten Diese strukturierten Daten be
schreiben Konzepte der Erhebung und sind
essentiell, um die Befragungsdaten zu verstehen.
Beispiele für Metadaten sind Variablennamen,
-labels und -klassen sowie Fragetexte und
Antwortmöglichkeiten.
Mixed-Mode-Befragung Bei diesem Survey
design wird eine Kombination von verschiede
nen Erhebungsformen (persönlich, telefonisch
oder online) im Rahmen einer einzelnen Er
hebung zur Datenerhebung genutzt.
Panelerhebung Bei dieser Erhebungsform
werden dieselben Untersuchungseinheiten (z. B.
Haushalte oder Personen) wiederholt befragt.
Paradaten Diese Daten geben Auskunft über
den Prozess der Fragebogenbeantwortung und
des Erhebungsablaufs. Beispiele für Paradaten
sind Anzahl und Datum von Kontaktversuchen,
Datum von Fragebogenbeginn und -abschluss
sowie Antwortdauern pro Fragebogen oder Frage.
Post-Incentive Den befragten Personen wird,
um sie zur Teilnahme zu motivieren, im Vor
hinein ein Anreiz in Aussicht gestellt, den sie
nach der erfolgreichen Teilnahme erhalten.
Fazit
Ungeachtet des langfristigen Potenzials eines
Haushaltspanels wie ASEP bieten die bereits vor
liegenden Daten aus den Pilotwellen schon heute
eine solide Basis für wissenschaftliche Projekte. Die
Bandbreite der möglichen Forschungsfragen wurde
im Rahmen der AMDC- und ASEP-Nutzer:innenkon
ferenzen 2024 und 2025 demonstriert. Die präsen
tierten Arbeiten nutzten ASEP-Daten unter anderem
für Analysen zur subjektiven Beschäftigungsfähig
keiten rund um das Erreichen des Pensionsantritts
alters, zu den Auswirkungen von beruflicher Über-
und Unterqualifikation auf diverse Einstellungen
sowie zur Inanspruchnahme von Wahlärzt:innen.
Weitere Themen umfassten Sorgen um Umwelt
und Klima, Bildungsaspirationen der Eltern für
ihre Kinder sowie den Zusammenhang zwischen
Zukunftserwartungen und Kinderwunsch.
Mit jeder weiteren Welle wächst der wissen
schaftliche Ertrag des Panels. Die enge Verzahnung
von Survey- und Registerdaten setzt auch im inter
nationalen Vergleich einen neuen Standard. ASEP
wird so zu einem zentralen Referenzpunkt für die
Analyse gesellschaftlichen Wandels und zu einer
tragfähigen Basis für fundierte Forschung und evi
denzorientierte Politikgestaltung in Österreich.
WEITERFÜHRENDES
Themenseite
▶ Austrian Socio-Economic
Panel (ASEP)
Dokumentationen
▶ Codebook und User Guide
▶ ADCOL-Variablenliste
Datenzugang
▶ AMDC – ASEP und ADCOL
Full Edition Files
▶ AUSSDA – ASEP Scientific
Use File
Glossar
Befragungsdaten Hierbei handelt es sich um
Daten, die im Rahmen einer Erhebung, etwa
mithilfe eines Fragebogens, erhoben werden.
CAPI Computer-Assisted Personal Interviewing.
Bei dieser Erhebungsform führt eine Erhebungs
person persönlich vor Ort die Befragung durch
und gibt die Antworten des:der Befragten auf
einem Computer, Tablet o. Ä. ein.
38 STATjournal 2 – 2026 Austrian Socio-Economic Panel (ASEP) Langfristige Forschungsdaten für Österreich Pre-Incentive Die zu befragenden Personen erhalten gemeinsam mit der Einladung zur Erhebung einen Anreiz, um sie zur Teilnahme zu motivieren. Pre-Test In einem Pre-Test wird der Frage bogen vor der eigentlichen Datenerhebung getestet. Dazu werden oft sogenannte Friendly User herangezogen. Dies sind Personen außer halb des Projektteams, die von diesem aus gewählt werden, wie bspw. Kolleg:innen. Sie füllen den Fragebogen aus und geben Feedback. Proxyinterview Bei einem Proxyinterview wird eine 3. Person befragt, die stellvertretend für die Zielperson antwortet. Eingesetzt werden Proxyinterviews, wenn Zielpersonen nicht ver fügbar sind oder im Falle von Fragebögen, die an Kinder gerichtet sind. Querschnitterhebung Bei dieser Erhebungs form werden dieselben Untersuchungseinheiten (z. B. Haushalte oder Personen) zu einem ein zigen Zeitpunkt befragt. Registerdaten Registerdaten werden durch Behörden und andere öffentliche Institutionen im Zuge von Verwaltungsakten erhoben, z. B. das Zentrale Melderegister, welches Wohnsitze erfasst, und das Zentrale Personenstandsregister, welches Geburten, Ehen, eingetragene Partner schaften und Todesfälle erfasst. Tailored-Mode-Design Bei dieser Erhebungs methode wird die Erhebungsform (persönlich, telefonisch, online) an die zu befragenden Per sonen angepasst und entsprechend ausgewählt, um die Teilnahmen zu maximieren und die Messfehler zu minimieren.
39STATjournal
2 – 2026
In Österreich sind Stieffamilien seit 2007 in den
jährlichen Ergebnissen der MikrozensusArbeits
kräfteerhebung (MZAKE) [1] enthalten und waren
auch Teil der Erhebung EUSILC 2021. [2] Auf inter
nationaler Ebene behandelt die Erhebung »Genera
tions and Gender Programme« (GGP) der Vereinten
Nationen (UNECE) dieses Thema.
Die CES Recommendations 2030 der Vereinten
Nationen schlagen vor, Stieffamilien auch in Volks
zählungen zu berücksichtigen. Als Voll erhebungen
bieten Volkszählungen den Vorteil gegenüber
Stichprobenerhebungen, Ergebnisse auch klein
1 Klapfer (2008): »Stieffamilien. Ergebnisse für das Jahr 2007«.
2 Im Rahmen eines AdhocModuls der EUSILC 2021. Siehe
Blüher (2023): ▶ »Wohnsituation und Lebensbedingun-
gen von Kindern in getrennten und Patchwork-Familien«.
räumig und detailliert auswerten zu können.
Manche Länder erheben bereits im Zensus Daten
zum Thema Stieffamilien. Dabei kommen unter
schiedliche Methoden zum Einsatz. Beispielsweise
erfragt Statistics Canada Stieffamilien im traditio
nellen Zensus, während Statistics Sweden sie im
registerbasierten Zensus abbildet.
In Österreich werden Daten zu Haushalten und
Familien sowohl in der MikrozensusArbeitskräfte
erhebung durch Befragung erhoben als auch in
den Volkszählungen sowie in der jährlich erschei
nenden Abgestimmten Erwerbsstatistik (AEST) [3]
3 Diese folgt dem Konzept der Volkszählung, welches in der
▶ Durchführungsverordnung (EU) 2017/543 sowie in den
▶ CES Recommendations for the 2030 Round of Popula-
tion and Housing Censuses festgelegt ist.
Stieffamilien
Ein neues Merkmal in der Abgestimmten
Erwerbsstatistik
Christoph Waldner
promovierte im Fach
Mathe matik und arbei-
tet seit 2010 bei Statistik
Austria. Sein Arbeitsfokus
liegt bei den Themen
Haushalte und Familien.
Valerie Holzer
studierte Statistik und
Wirtschaftsmathematik.
Seit 2021 ist sie für Statistik
Austria tätig und beschäf-
tigt sich schwerpunkt-
mäßig mit Haushalten und
Familien sowie demogra-
phischen Indikatoren.
Die statistische Darstellung von Stieffamilien erfolgte bislang ausschließlich mit
Daten, die auf Befragungen einer Stichprobe der Bevölkerung basieren. Eine andere
Möglichkeit der Erfassung bieten Registerdaten, die die gesamte Bevölkerung um
fassen. Die Registerzählung und die Abgestimmte Erwerbsstatistik (AEST) bieten
hier wertvolle Erfahrungswerte und Anknüpfungspunkte. Ausgehend von der AEST
2023 wurde erstmals der Versuch unternommen, die Stieffamilien auch durch
Register daten abzubilden. Die Ergebnisse wurden zur Plausibilisierung und Quali
tätssicherung mit den bereits bestehenden Familienstatistiken aus der Mikrozensus
Arbeitskräfteerhebung (MZAKE) verglichen. Der vorliegende Beitrag beschreibt die
Vorgehensweise der Erstellung der Stieffamilien in der AEST , die daraus abgeleiteten
Ergebnisse sowie den Vergleich dieser Ergebnisse mit der MZAKE. Es zeigt sich, dass
Registerdaten allen Einschränkungen zum Trotz gut geeignet sind, um Stieffamilien
realitätsnah statistisch abzubilden.
Begutachtet von
Isabella Buber-Ennser •
Maria Winkler-Dworak
ÖAW
Alexia
Fürnkranz- Prskawetz
TU Wien
40
STATjournal
2 – 2026
Stieffamilien
Ein neues Merkmal in der Abgestimmten Erwerbsstatistik
berücksichtigt. Kinder werden zwar unabhängig
von ihrem Alter definiert, jedoch verlieren sie
diesen Status, falls sie mit ihrem:ihrer Partner:in
oder einem eigenen Kind im Haushalt zusammen
leben. Kinder benötigen stets zumindest einen
leiblichen oder Adoptiv-Elternteil im Haushalt.
Kinder, die bereits aus dem Elternhaus ausgezo
gen sind, werden ebenfalls nicht berücksichtigt.
Pflegekinder werden dieser Definition zufolge
nicht als Kinder gezählt.
Die CES Recommendations enthalten weiters
auch eine Definition von »Stieffamilie« (englisch:
»reconstituted family«, also wörtlich »wiederher
gestellte Familie«):
»Reconstituted family«: A family nucleus com
posed of a couple with children in which at least
one child is the biological or adopted child of only
one spouse or partner in the couple.
Zwischen leiblichen Kindern und Adoptivkindern
wird dabei nicht unterschieden. Handelt es sich um
eine Familie mit ausschließlich leiblichen Kindern,
spricht man zur Unterscheidung von Stieffamilien
von einer »leiblichen Familie«. Gleichgeschlechtli
che Paare [6] mit Kindern können somit sowohl eine
leibliche Familie als auch eine Stieffamilie bilden.
Der:Die Partner:in, der:die nicht der leibliche Eltern
teil ist, wird als »Stiefelternteil« bezeichnet.
Im Unterschied zu der Definition der CES
Recommendations beschränken sich die Stief
familien in der AEST auf jene Paarfamilien, in
denen zumindest ein Kind unter 25 Jahren lebt,
welches das leibliche (oder adoptierte) Kind ledig
lich eines:einer (Ehe-)Partner:in ist. Diese Alters
einschränkung ergibt sich aus der abnehmenden
Datenabdeckung der Eltern-Kind-Beziehungen von
Kindern in höheren Altersgruppen wie auch aus
der gewünschten Kohärenz zu den Definitionen
von Stieffamilien in der MZ-AKE.
6
2023 gab es 849 gleichgeschlechtliche Ehepaare oder ein
getragene Partner:innenschaften mit jüngstem Kind unter
25 Jahren.
auf Basis von Registerdaten erfasst. [4] Die Sub
gruppe der Stieffamilien wurde bislang jedoch
nicht aus Registerdaten abgebildet. Durch genaue
Auswertungen der Meldehistorie von in einem
Haushalt zu einem bestimmten Zeitpunkt gemein
sam gemeldeten Personen gelang es nun, auch in
der AEST erstmals Stieffamilien zu identifizieren.
Für das Jahr 2023 wurden so 79 440 Stieffamilien
identifiziert – dies entspricht einem Anteil von
8, 7 % an allen Paarfamilien mit Kindern unter
25 Jahren.
Was ist eine Stieffamilie?
Eine »Familie« im statistischen Sinn wird in der
Volkszählung beziehungsweise der Abgestimmten
Erwerbsstatistik durch das sogenannte »Kernfami
lienkonzept« definiert. In den CES Recommenda
tions for the 2030 Round of Population and Housing
Censuses [5] findet sich dazu folgende Definition:
»Family nucleus«: Two or more persons living
in the same private household who together form
a couple (with or without children) or a one-parent
family. Within a family nucleus, all inter-person
relationships are limited to direct (first-degree)
relationships, that is, between spouses or partners
or between parent(s) and children.
»Child«: A person who lives in the same private
household as at least one of their biological or
adoptive parents and who does not have a spouse,
partner or child(ren) of their own living in the same
household. The child in a family nucleus may be
of any age or marital status.
Nach dieser Definition werden ausschließlich
Privathaushalte betrachtet. Anstaltshaushalte, wie
beispielsweise Einrichtungen für sozial Bedürftige
sowie Wohnungslose, können zwar Paare oder
Eltern mit Kindern enthalten, werden aber in der
Familienstatistik gemäß dieser Definition nicht
4
Volkszählungen bis einschließlich 2001 wurden noch
durch Befragung erhoben.
5
UNECE (2025): ▶ »CES Recommendations«.