STATISTIK AUSTRIA Unabhängige Statistiken für faktenbasierte Entscheidungen
NR. 2
2026
EIN BLICK AUF DIE GEMEINDE
Zwischenwasser
SEITE 13
Wasserverbrauch
in der Industrie
SEITE 51
2STATjournal
2 – 2026
Impressum
Medieninhaberin, Herausgeberin und Redaktion:
STATISTIK AUSTRIA
Bundesanstalt Statistik Österreich
1110 Wien, Guglgasse 13
Redaktion:
Pia Hapt, Sandra Schön
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E-Mail: [email protected]
Schriftleitung:
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Gestaltung und Satz:
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Grafiken:
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Infografiken:
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Portraitfotos Autor:innen: Herbert Ebenwaldner
Portraitfotos Wegscheider-Pichler / Psick: Foto Nitsche
Portraitfoto Strasser: Fotostudio R.Michael Schuster
Mockups, S. 72: © hokagata / © Mockupia – stock.adobe.com
STATjournal Nr. 2 – 2026
(Statistische Nachrichten, 81. Jahrgang)
Wien, April 2026
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geschützt. Alle Rechte sind der Bundesanstalt Statistik Österreich
(STATISTIK AUSTRIA) vorbehalten. Bei richtiger Wieder gabe und mit
korrekter Quellenangabe » STATISTIK AUSTRIA « ist es gestattet, die
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und sie zu bearbeiten. Bei auszugsweiser Verwendung, Darstellung
von Teilen oder sonstiger Veränderung von Dateninhalten wie Tabel
len, Grafiken oder Texten ist an geeigneter Stelle ein Hinweis anzu
bringen, dass die verwendeten Inhalte bearbeitet wurden.
Die Bundesanstalt Statistik Österreich sowie alle Mitwirkenden an der
Publikation haben deren Inhalte sorgfältig recherchiert und erstellt.
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© STATISTIK AUSTRIA
Zeichenerklärung für Tabellen
‒ Zahlenwert ist null
. Daten (noch) nicht verfügbar
0 eine Größe, die kleiner als die Hälfte
der ausgewiesenen Einheit ist
() stark zufallsbehafteter Wert
(x) nicht interpretierbarer Wert
G
Geheimhaltung: Wert wird aufgrund
gesetzlicher Bestimmungen nicht
veröffentlicht
⌀ Durchschnitt (arithmetisches Mittel)
< kleiner als
größer als ≤ kleiner gleich ≥ größer gleich Inhalt 2 Impressum 4 Vorwort 5 Standpunkt 6 Kennzahlen zur Wirtschaftslage 9 Statistik Austria in Kürze 13 Ein Blick auf die Gemeinde Zwischenwasser 14 Auf den Punkt gebracht Energiearmut 19 Einst und heute Statistische Bibliothek 28 Austrian Socio-Economic Panel (ASEP) Marc Plate • Luisa Dangl • Valentina Kropfreiter • Angelika Grabher-Wusche • Patrick Lazarevic | Georg Kanitsar • Monika Mühlböck 39 Stieffamilien Christoph Waldner • Valerie Holzer 51 Wasserverbrauch in der Industrie Christian Psick • Hanna Freundl 61 Fluorierte Treibhausgase in Österreich Manuela Strasser 72 Neuerscheinungen 73 STATservices Fachartikel
VORWORT
Liebe Leser:innen,
Wasser prägt unser Leben – sichtbar, wenn es knapp
wird, unbemerkt, wenn es wie selbstverständlich fließt.
Der Welttag des Wassers am 22. März erinnert jährlich
daran, wie eng Verfügbarkeit, Verbrauch und Verant
wortung verknüpft sind. Ein guter Anlass, um zu erkun
den, wie dieses essenzielle Gut in Österreich genutzt
wird und welche Rolle Daten dabei spielen, verborgene
Zusammenhänge offenzulegen. Die aktuelle Güterein
satzstatistik erlaubt erstmals eine detaillierte Sicht auf
Herkunft und Verwendung des Wassers in Betrieben –
und zeigt, wie sich gesellschaftliche Diskussionen
durch Fakten einordnen lassen.
Ebenfalls um den Umgang mit unserer Umwelt geht
es im Fachartikel zu fluorierten Treibhausgasen. Diese
künstlichen Gase sind stark klimaschädlich, weshalb
ihre Verwendung sukzessive eingeschränkt wird. Welche
Maßnahmen gesetzt wurden und wie sich diese auf die
Emissionsentwicklung auswirken, lesen Sie ab Seite 61.
Von den Ressourcen der Gegenwart führt die
Ausgabe zu sozialen Fragen: Ein neuer Energiearmuts
indikator, gemeinsam mit der Koordinierungsstelle zur
Bekämpfung von Energiearmut (kea) entwickelt und
nun gesetzlich verankert, bietet ein präziseres Bild der
betroffenen Haushalte. Ein weiterer Beitrag beleuchtet
erstmals registerbasiert Stieffamilien und erklärt, wie
diese statistisch identifiziert werden können.
Wer Daten selbst erhebt oder nutzt, findet im Artikel
zum Austrian Socio Economic Panel Einblicke in Prin
zipien, Themen und das Potenzial dieser neuen Daten
quelle. Schließlich reisen wir zurück zu den Anfängen:
Die Historie unserer Bibliothek zeigt, wie Wissen be
wahrt wird und wie historische Publikationen heute
zugänglich sind.
Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen.
DDr.
Franz Haslauer
Kaufmännischer
Generaldirektor
Mag.a
Manuela Lenk
Fachstatistische
Generaldirektorin
5STATjournal
2 – 2026
STANDPUNKT
Manuela Lenk
ÖSG: Brücke zwi-
schen Forschung
und Praxis
Wie können amtliche Statistik, angewandte Statistik und Forschung
künftig noch besser voneinander profitieren? Für mich steht fest:
Dafür brauchen wir starke Brücken zwischen Wissenschaft, Verwal
tung und Praxis. Die Österreichische Statistische Gesellschaft (ÖSG)
spielt dabei eine wichtige Rolle – sie schafft Räume für kritischen
Austausch, in einer Zeit, in der Datenmengen rasant wachsen und
methodische Anforderungen steigen.
Statistik Austria war im März Gastgeberin der Hauptversammlung
2026 der ÖSG – eine besondere Veranstaltung für mich, da ich zur
Präsidentin gewählt wurde und mir diese Aufgabe ein großes Anliegen
ist. Ich freue mich darauf, auf der erfolgreichen Arbeit meines Vor
gängers Andreas Futschik aufzubauen.
Die Strategie 2030 von Statistik Austria betont Methodenkom
petenz und Innovation. Auch vor diesem Hintergrund will ich die
Zusammenarbeit zwischen amtlicher Statistik, angewandter Statistik
und Forschung weiter vertiefen. Die ÖSG unterstützt die statistische
Community durch Arbeitskreise, Publikationen und öffentliche Ver
anstaltungen. Es freut mich, dass die jährlichen ÖSGStatistiktage von
7. bis 9. September 2026 bei Statistik Austria zu Gast sein werden –
ein Highlight, das sich heuer unter anderem der Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung (VGR) und dem Update des System of National
Accounts (SNA) widmet. Ein Call for Abstracts lädt alle interessierten
Statistiker:innen ein, ihre Forschung zu präsentieren.
Besonders wichtig ist mir die Förderung des Nachwuchses. Mit
ihren Preisen für Abschlussarbeiten aus der Welt der Statistik setzt
die ÖSG hier bereits starke Akzente. Zudem vernetzt die neue Initia
tive youngSTAT Studierende, junge Akademiker:innen und Berufs
einsteiger:innen, eröffnet Einblicke in Projekte und stärkt den fach
lichen Austausch. Dieses Angebot möchte ich in den kommenden
Jahren weiter ausbauen.
Viele internationale Statistikämter profitieren von starken statisti
schen Gesellschaften – so auch Statistik Austria. Wir brauchen wissen
schaftlichen Diskurs, methodische Weiterentwicklung und kritische
Reflexion – all das wird in der ÖSG gelebt. Dieses Netzwerk weiter zu
stärken und Nachwuchs dafür zu begeistern, sehe ich als meine wich
tigste Aufgabe als ÖSGPräsidentin.
Weitere Informationen zur ÖSG finden Sie unter ▶ www.osg.or.at.
Die wachsenden Datenmengen
machen Netzwerke wichtiger.
Die ÖSG verbindet Wissenschaft,
Verwaltung und Praxis. Als ÖSG-
Präsidentin will ich den Austausch
und die Nachwuchsförderung stärken.
6STATjournal
2 – 2026
Q: STATISTIK AUSTRIA, Außenhandelsstatistik, Konjunkturerhebung im produzierenden Bereich, Konjunkturstatistik Handel und Dienstleistungen,
Verbraucherpreisindex, Kfz Statistik, Zivilluftfahrtstatistik, Beherbergungsstatistik.
Zahl der Nächtigungen nach Herkunft der Gäste
in Mio.
0
5
10
15
20
25
Österreich
Insgesamt
Feb. Mär. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov. Dez. Jän. Feb. Mär. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov. Dez.
2024 2025
Jän. Feb.
2026
Q: STATISTIK AUSTRIA, Beherbergungsstatistik.
Kennzahlen zur Wirtschaftslage
Konjunkturmonitor Jänner 2026
Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent
Einfuhren insgesamt in Euro −3,0
Ausfuhren insgesamt in Euro −2,2
Produktionsindex BAU −8,2
Umsatzindex BAU −7,5
Beschäftigtenindex BAU −2,6
Umsatzindex HANDEL −1,9
Beschäftigtenindex HANDEL −1,3
Produktionsindex INDUSTRIE +1,2
Umsatzindex INDUSTRIE −4,0
Beschäftigtenindex INDUSTRIE −1,6
Verbraucherpreisindex +2,0
Pkw-Neuzulassungen +12,1
Beförderte Personen Luftverkehr +2,4
Nächtigungen +2,9
7STATjournal
2 – 2026
Kennzahlen zur Wirtschaftslage
Arbeitslosenquote im EU-Vergleich
Februar 2026, in Prozent
0 2 4 6 8 10
Finnland
Spanien
Griechenland
Schweden
Dänemark
Frankreich
Luxemburg
Le�land
Litauen
Österreich
Belgien
EU−27
Estland
Portugal
Rumänien
Slowakei
Italien
Kroa�en
Ungarn
Zypern
Irland
Niederlande
Deutschland
Slowenien
Polen
Bulgarien
Malta
Tschechien
12
Q: Eurostat. – Arbeitslose in Prozent der Erwerbspersonen lt. ILO Konzept. –
Unbereinigte Daten.
Erwerbstätigenquote
4. Quartal 2025
74,6 %
15 bis 64 Jahre
Offene-Stellen-Quote
4. Quartal 2025
2,8 %
Zahl der Arbeitslosen
in Tausend
100
150
200
250
300
Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q4 Q3 Q1 Q2
2025 2024 2023
Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus Arbeitskräfteerhebung. – Bevölkerung in Privat
haushalten ohne Präsenz und Zivildiener. – Nach internationalem Konzept (ILO).
Zahl der Erwerbstätigen
in Tausend
Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q4 Q3 Q1 Q2
2025 2024 2023
4 000
4 200
4 400
4 600
4 800
Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus Arbeitskräfteerhebung. – Bevölkerung in Privat
haushalten ohne Präsenz und Zivildiener. – Nach internationalem Konzept (ILO).
Zahl der Insolvenzen
1 000
1 250
1 500
1 750
2 000
Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4
2023 2024 2025
Q: STATISTIK AUSTRIA, Statistik der Insolvenzen. – Die Daten zu Insolvenzen basieren auf
den gerichtlichen Insolvenzverfahren. – Die Werte für die letzten 4 Quartale sind vorläufig.
8STATjournal
2 – 2026
Kennzahlen zur Wirtschaftslage
Inflationsrate im EU-Vergleich
Februar 2026, in Prozent
0 2 4 6 8 10
Rumänien
Slowakei
Kroatien
Litauen
Estland
Griechenland
Slowenien
Irland
Spanien
Polen
Lettland
Malta
Niederlande
Österreich
EU−27
Bulgarien
Portugal
Deutschland
Luxemburg
Finnland
Schweden
Ungarn
Italien
Belgien
Frankreich
Tschechien
Zypern
Dänemark
Q: Eurostat. – Veränderung des Harmonisierten Verbraucher
preisindex zum Vorjahresmonat. – Vorläufige Werte.
Der Verbraucherpreisindex misst die Verän de run-
gen der Konsument:innenpreise über die Zeit.
Der Großhandelspreisindex bildet die monatliche
Preisentwicklung der vom Großhandel abgesetzten
Waren ab, indem der Großhandelsverkaufspreis
(ohne MwSt.) als Preisbasis herangezogen wird.
Öffentliches Defizit
4. Quartal 2025
3,8 Mrd. Euro
Bruttoinlandsprodukt
laufende Preise, in Mio. Euro
80 000
100 000
120 000
140 000
160 000
Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4
2020 2021 2022 2023 2024 2025
Q: STATISTIK AUSTRIA, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. – Unbereinigte Daten.
Öffentliche Schuldenquote
in Prozent des BIP
Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4
2020 2021 2022 2023 2024 2025
70
75
80
85
90
Q: STATISTIK AUSTRIA, Öffentliche Finanzen. – Bruttoinlandsprodukt (BIP): Summe der jeweils letzten 4 Quartale. –
Daten gemäß ESVG 2010.
Verbraucher- und Großhandelspreisindex
(2015 = 100)
100
110
120
130
140
150
2026 2021 2022 2023 2024 2025
GHPI
VPI
Mär.
Jun.
Sep.
Dez.
Mär.
Jun.
Sep.
Dez.
Mär.
Jun.
Sep.
Dez.
Mär.
Jun.
Sep.
Dez.
Mär.
Jun.
Sep.
Dez.
Mär.
Q: STATISTIK AUSTRIA, Verbraucherpreisindex, Großhandelspreisindex. –
Verbraucherpreisindex: Der letzte Indexwert ist vorläufig.
9STATjournal
2 – 2026
2005 2025
8,10
9,03
3,75
4,50
Bevölkerung
Erwerbstätige
- 11,5 %
- 20,1 %
ARBEITSMARKT
750 000 mehr Erwerbstätige als vor 20 Jahren
Innerhalb von 20 Jahren ist die Zahl der Erwerbstätigen in Österreich um
rund 750 000 auf 4,5 Mio. im Jahr 2025 angewachsen. Besonders Frauen,
ältere Menschen und nichtösterreichische Staatsangehörige haben zu
diesem Plus beigetragen.
Dennoch sind die tatsächlich in einem Jahr geleisteten Arbeitsstunden
nur geringfügig gestiegen. Eine Ursache dafür ist die starke Ausweitung
der Teilzeitarbeit. Rund die Hälfte (49,8 %) aller erwerbstätigen Frauen
arbeitete 2025 in Teilzeit, 2005 waren es noch 39,5 %. Bei Männern hat sich
die Teilzeitquote auf 14 % mehr als verdoppelt. Hinzu kommt ein markanter
Rückgang von Über und Mehrstunden: Ihre Zahl halbierte sich von über
354 Mio. Stunden im Jahr 2005 auf rund 170 Mio. Stunden im Jahr 2025.
In der Folge sank die durchschnittliche tatsächlich geleistete Wochenarbeits
zeit seit 2005 um 5,3 Stunden auf 29,4 Stunden. Mittelfristig ist aus der
zeitiger Sicht auch kein deutlicher Anstieg des Arbeitsvolumens aufgrund
individueller Arbeitszeit präferenzen zu erwarten: 2025 gaben rund 80 % aller
Erwerbstätigen an, ihre Normalarbeitszeit unverändert lassen zu wollen.
Schon seit Langem verlagert sich die österreichische Wirtschaft zuneh
mend hin zu Dienstleistungen, in denen die meisten neuen Jobs entstehen.
Hatten 2005 noch 67,2 % aller Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor
gearbeitet, waren es 20 Jahre später bereits 73,1 %. Besonders stark gewach
sen sind die Beschäftigungsanteile im Gesundheits- und Sozialwesen,
in der Bildung, bei freiberuflichen Tätigkeiten sowie in IT und
Kommunikation.
Seit 2005 ist der Anteil der Erwerbstätigen in Industrie und Gewerbe
von 27,6 % auf nunmehr 24,1 % gesunken. Ebenfalls deutlich geschrumpft
ist der Beschäftigtenanteil in der Land und Forstwirtschaft: von 5,3 % im
Jahr 2005 auf 2,8 % 20 Jahre später.
Zur Übersichtsseite ▶ Arbeitsmarkt
Statistik Austria
in Kürze Erwerbstätige 2005 und 2025 im Vergleich in Mio. Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung. 10STATjournal 2 – 2026 Statistik Austria in Kürze Männer Frauen 1 563 2 620 Pensionslücke 40,3 % BEVÖLKERUNG UND SOZIALES Geburtenbilanz zum 6. Mal in Folge negativ Im Jahr 2025 wurden in Österreich laut vorläufigen Ergebnissen 75 718 Kinder lebend geboren, um 2,0 % weniger als 2024. Niedriger war die Zahl der Neugeborenen zuletzt 2001, damals war die Gesamtbevölkerung aber auch um mehr als eine Million kleiner als 2025. Demgegenüber stehen 86 766 verstorbene Personen, um 1,9 % weniger als 2024. Somit starben um 11 048 Menschen mehr als geboren wurden. Eine erste Schätzung der Lebenserwartung bei der Geburt ergab für das Jahr 2025 ein Ansteigen um 0,3 Jahre gegenüber 2024 und damit neue Höchstwerte: bei den Männern 80,17 Jahre und bei den Frauen 84,63 Jahre. Die vorläufige Anzahl der im 1. Lebensjahr Gestorbenen lag im Jahr 2025 bei 235, die daraus resultierende Säuglingssterberate betrug 3,1 ‰. Zur Übersichtsseite ▶ Bevölkerung Gender Pay Gap in Österreich bei 17,6 % Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in der Privatwirtschaft hat sich in Österreich von 22,2 % im Jahr 2014 auf 17,6 % im Jahr 2024 ver ringert. Im EUVergleich war Österreich dennoch das Land mit dem dritt höchsten Gender Pay Gap, nur in Tschechien (18,5 %) und Estland (18,8 %) war die Lohndifferenz noch größer. Im EUSchnitt betrug der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern 11,1 %. In Summe führen die Unterschiede im Erwerbsleben und die niedrigeren Erwerbseinkommen von Frauen zu einer geschlechts spezifischen Pensionslücke von 40,3 %. Zur Themenseite ▶ Einkommen Monatliche Haushaltsausgaben Die durchschnittlichen monatlichen Verbrauchsausgaben privater Haushalte in Österreich liegen laut der Konsumerhebung 2024/25 bei rund 4 170 Euro. Die Äquivalenzausgaben, also die bedarfsgewichteten ProKopfAusgaben eines Haushalts, betragen rund 2 760 Euro pro Monat. Mit mehr als einem Viertel entfällt der größte Anteil der monatlichen Verbrauchsausgaben auf den Bereich Wohnen und Energie. An 2. Stelle stehen mit 13,6 % Ausgaben für Verkehr. Beinahe gleichauf liegen die Anteile für Ernährung und alkoholfreie Getränke mit 11,6 % sowie für Freizeit, Sport und Kultur mit 11,4 %. Unter der 10 %Marke bewegen sich die Aus gabenanteile für Konsumation in der Gastronomie (6,6 %), Wohnungs- ausstattung (6,2 %), Gesundheit (4,8 %), Versicherungen, Finanzdienst- leistungen (4,7 %), andere Waren und Dienstleistungen (4,5 %) sowie für Bekleidung, Schuhe (4,2 %). Die geringsten Anteile an den Verbrauchs ausgaben haben Kommunikation, Information (2,8 %), alkoholische Getränke, Tabak (2,2 %) und Bildung (1,1 %). Zur Themenseite ▶ Ausgaben Q: STATISTIK AUSTRIA, Dachverband der Sozialversicherungsträger. – Durchschnittliche Alterspensionen (Auszahlung 14-mal pro Jahr) ohne zwischenstaatliche Teilleistungen. Unterschiede bei Arbeitszeit und Einkommen führen zu Pensionslücke
durchschnittliche monatliche Alterspension 2024, in Euro, brutto Wohnen macht mehr als ein Viertel der Ausgaben aus
Ausgabenverteilung in Prozent Q: STATISTIK AUSTRIA, Konsumerhebung 2024/2025. 11STATjournal 2 – 2026 Statistik Austria in Kürze TOURISMUS UND VERKEHR Allzeithoch bei Fluggästen 2025 brachte für die österreichische Luftfahrt einen Fluggastrekord. Auf den 6 heimischen Flughäfen wurden 36,5 Mio. Passagier:innen befördert, das sind fast 1 Mio. mehr als 2024 und ist die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1955. Damit wurde der bisherige Rekord des Vor Corona Jahres 2019 um 0,8 % überschritten. Mit 279 677 Flugbewegungen im Linien und Gelegenheitsverkehr wurden 2025 auf den Flughäfen Wien, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg um 3,0 % mehr Starts und Landungen als 2024 durchgeführt. Pro Flug wurden durchschnittlich 131 Personen befördert, mit einem Minus von 0,3 % nur geringfügig weniger als im Jahr davor (2024: 131 Personen). Das Frachtaufkommen verringerte sich um 3,7 % auf 248 211 t, die Luft post verbuchte einen Rückgang um 4,5 % auf 5 147 t. Zur Themenseite
▶ Personenverkehr Luftfahrt INTERNATIONALER HANDEL Österreich 2025 mit negativer Handelsbilanz 2025 stiegen Österreichs Importe um 4,1 % auf 196,72 Mrd. Euro, während die Exporte um 0,5 % auf 190,14 Mrd. Euro zurückgingen. Der Einfuhrüberschuss entspricht dem langfristigen Bild der letzten 30 Jahre. Der Warenhandel mit den EUPartnerländern blieb insgesamt weitgehend ausgeglichen. Rund zwei Drittel aller österreichischen Im und Exporte entfielen erneut auf den EUBinnenmarkt. Deutschland behauptete auch 2025 seine Rolle als wichtigster Handelspartner. Der zweitwichtigste Handelspartner im Hin blick auf die Exporte blieben die USA, obwohl es verglichen mit 2024 hier einen Rückgang um mehr als ein Fünftel gab. Nachdem sich die Importe aus den USA jedoch weiterhin auf deutlich niedrigerem Niveau als die Exporte bewegten, hatte Österreich mit den USA den höchsten Handelsbilanzüber schuss. Bei den Importen war Österreichs zweitwichtigster Handelspartner erneut China. Zur Themenseite
▶ Importe und Exporte von Gütern 25 000 000 000 und mehr bis unter 25 000 000 000 bis unter 2 000 000 000 bis unter 200 000 000 bis unter 100 000 000 0 5 000 km 2 500 Schon gewusst? 32,6 Mio.
Fluggäste zählte der Flughafen Wien im Jahr 2025. Q: STATISTIK AUSTRIA, Zivilluftfahrtstatistik. Deutschland ist Österreichs wichtigster Exportpartner Exporte Österreichs in Euro Q: STATISTIK AUSTRIA, Außenhandel 2025. – Vorläufige Ergebnisse. 12STATjournal 2 – 2026 Statistik Austria in Kürze VOLKSWIRTSCHAFT UND ÖFFENTLICHE FINANZEN Öffentliches Defizit mit 4,2 % weiterhin hoch Österreichs Budgetdefizit lag 2025 mit 21,5 Mrd. Euro bzw. 4,2 % des Brutto inlandsprodukts weiterhin über der MaastrichtGrenze von 3 %. Im Vergleich zu 2024 hat sich das Defizit um 1,5 Mrd. Euro verringert. Ausschlaggebend dafür war, dass die Staatseinnahmen (+4,5 %) 2025 kräftiger gestiegen sind als die Ausgaben (+3,6 %). Der moderatere Anstieg der Staatsausgaben war geprägt durch eine geringere inflationsbedingte Anpassung der Löhne und Gehälter im öffentli chen Dienst und Rückgänge krisenbedingter Maßnahmen. Die Investitionen, die sich bereits auf einem hohen Niveau befanden, zeigten einen leichten Anstieg, der vor allem auf Investitionen in militärische Güter bzw. in Kranken anstalten zurückgeht, während Investitionen in den Verkehrsbereich rückläu fig waren. Einen starken anteilsmäßigen Zuwachs zeigten die Zinsausgaben. Sie erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um 12,6 %. Die Staatseinnahmen stammten im Jahr 2025 zu 86,6 % aus Steuern und Sozialbeiträgen. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhten sich diese um 4,9 %. Vor allem der Zuwachs der Sozialbeiträge stützte 2025 die Einnahmenseite. Die Einnahmen aus Produktions und Importabgaben zeigten einen deutlichen Anstieg. Gründe dafür waren u. a. die Erhöhung der Energieabgaben, aber auch die Wiedereinführung der ErneuerbarenFörderpauschale und des ErneuerbarenFörderbetrags. Bei den Einkommens und Vermögenssteuern kamen unterschiedliche Einflussfaktoren zum Tragen: Einerseits erhöhten sich v. a. die Lohnsteuer sowie die Kapitalertragssteuern, andererseits gab es etwa bei der Körperschaftsteuer erneut einen Rückgang. Der öffentliche Schuldenstand belief sich am Jahresende 2025 auf 418,1 Mrd. Euro, dies sind 23,0 Mrd. Euro mehr als am Ende des Jahres 2024. Die Schuldenquote – das Verhältnis der Staatsschulden zur nominellen Wirt schaftsleistung – stieg von 80,0 % auf 81,5 %. Zur Themenseite
▶ Einnahmen und Ausgaben des Staates 0 20 40 60 80 100 120 140 160 Estland Luxemburg Bulgarien Dänemark Irland Schweden Litauen Tschechien Niederlande Malta Lettland Kroatien Zypern Rumänien Polen Slowakei Deutschland Slowenien Ungarn Österreich Finnland Portugal Spanien Belgien Frankreich Italien Griechenland Schuldenquote im EU-Vergleich
Bruttoschuldenstand in Prozent des BIP 2025 Q: STATISTIK AUSTRIA, Europäische Kommission. – Andere EU Staaten: Quoten laut Herbstprognose von November 2025 der Europäischen Kommission. – Österreich: Quote laut von Statistik Austria publizierten Daten vom 31.03.2026. 13STATjournal 2 – 2026 Bevölkerung:
3 419 per 01.01.2025 Ein Blick auf die Gemeinde
Zwischenwasser Interesse geweckt? ▶ Ein Blick auf die Gemeinde im Web Grafik 2
Familien nach Typ
in Prozent Ehepaar ohne Kind(er) Ehepaar mit Kind(ern) Lebensgemeinschaft ohne Kind(er) Lebensgemeinschaft mit Kind(ern) Ein-Eltern-Familie 10,1 8,5 8,8 36,9 35,7 Q: STATISTIK AUSTRIA, Bundesamt für Eich und Vermessungswesen. – Stichtag 31.12.2025. Den bildhaften Namen verdankt
die vorarlbergische Gemeinde dem
Fluss Frutz und dem Frödischbach.
Über große Strecken bilden sie
die Gemeinde grenzen, bevor sie sich ver einigen und einige Kilometer entfernt in den
Rhein einmünden. Tabelle
Viehbestand
in Gemeinde, Bezirk und Bundesland Tierart Zwischenwasser Feldkirch Vorarlberg Rinder 536 11 847 63 853 Schweine 17 1 580 6 681 Schafe 61 1 860 13 086 Ziegen 157 1 000 5 942 Einhufer 22 595 2 255 Hühner 387 66 735 164 676 Geflügel insg. 394 67 515 169 510 Q: STATISTIK AUSTRIA, Agrarstrukturerhebung 2020. –
Einhufer = Pferde, Esel, Muli etc. Grafik 1
Flächennutzung
in Gemeinde und Bundesland, in Prozent 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 VorarlbergZwischenwasser Bauflächen Landw. Nutzflächen Gärten Alpen Wald Gewässer Sonstige Flächen Q: STATISTIK AUSTRIA, Bundesamt für Eich und Vermessungs wesen. – Stichtag 31.12.2025. 14STATjournal 2 – 2026 AUF DEN PUNKT GEBRACHT
Energiearmut
Was kann der neue Gesamtindikator?
Energiearmut ist ein komplexes Phänomen, es handelt sich dabei um
ein Zusammenspiel aus niedrigem Einkommen, hohen Energiekosten
und einer geringen Energieeffizienz im Wohnbereich. Einerseits geht
es also um die NichtLeistbarkeit und damit Vermeidung einer notwen
digen Menge an Haushaltsenergie, andererseits um den Zusammen
hang zwischen niedrigem Einkommen und hohen Energieausgaben.
Zusätzliche Aspekte wie eine schlechte Gebäudequalität und damit
eine niedrige Energieeffizienz können den notwendigen Energieeinsatz
erhöhen und damit die Energiearmut verstärken. Statistik Austria misst
seit 2017 die jeweiligen Teilaspekte von Energiearmut mittels verschie
dener Indikatoren. [1] Solange jedoch unklar ist, ob ein Haushalt von
einem oder von mehreren Aspekten betroffen ist, kann keine Gesamt
zahl der von Energiearmut belasteten Haus halte abgeleitet werden.
Im Rahmen des Projekts »Indikatoren für die Messung von Energie
armut 2025« [2] wurde deshalb in Zusammenarbeit mit der zentralen
1 Zuletzt: Statistik Austria (Hg.) / Wegscheider-Pichler et al. (2024):
▶ »Dimensionen der Energiearmut in Österreich 2021/22«.
2 Statistik Austria (Hg.) / Wegscheider-Pichler (2025): ▶ »Indikatoren für
die Messung von Energiearmut 2025«.
▶ »Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energie armut« (kea),
im Juni 2025 ein neuer Gesamtindikator entwickelt, der erstmals
mehrere Aspekte von Energiearmut kombiniert betrachtet. Der Indi
kator verknüpft 4 einzelne Energiearmutsindikatoren und wird aus
der Erhebung ▶ EU-SILC – Statistiken zu Einkommen und Lebens-
bedingungen berechnet.
Wie lautet die Definition?
Insgesamt fließen 4 verschiedene Aspekte in den Gesamtindikator
für Energiearmut ein:
Als energiearm gelten Haushalte mit überdurchschnittlich hohen,
äquivalisierten Energiekosten, welche auch armutsgefährdet sind
und/oder Haushalte, die angeben, die Wohnung nicht angemessen
warmhalten zu können und/oder Haushalte mit finanziell bedingten
Zahlungsrückständen bei Energiekosten und/oder armutsgefährdete
Haushalte mit schlechten Wohnverhältnissen (undichtes Dach, Fäulnis
oder Feuchtigkeit). ▶ Grafik 1
Österreich fragt sich …
Wann gilt man als von Energiearmut betroffen?
Wie viele Haushalte in Österreich leiden unter hohen
Energiekosten, oder können sich nicht leisten, ihre Wohnung
angemessen warmzuhalten?
Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders von
Energiearmut betroffen?
Antworten gibt …
Alexandra
Wegscheider-Pichler
Sie arbeitet als Sozialwissenschaft-
lerin bei Statistik Austria. Neben
ihrer Aufgabe als SDG-Koordina-
torin ist sie auch für die Erfassung
von Energiearmut zuständig.