STATjournal_2-2026_barrierefrei.pdf

Type: Document | Status: ready

STATISTIK AUSTRIA Unabhängige Statistiken für faktenbasierte Entscheidungen NR. 2 2026 EIN BLICK AUF DIE GEMEINDE
Zwischenwasser
SEITE 13
Wasserverbrauch
in der Industrie
SEITE 51
2STATjournal 2 – 2026 Impressum Medieninhaberin, Herausgeberin und Redaktion: STATISTIK AUSTRIA Bundesanstalt Statistik Österreich
1110 Wien, Guglgasse 13
Redaktion: Pia Hapt, Sandra Schön Telefon: +43 1 711 28 – 7154 bzw. 7028 E-Mail: [email protected] Schriftleitung: Dr. Richard Gisser
Gestaltung und Satz: Julia Wenhardt
Grafiken: Johanna Preisinger, Julia Wenhardt
Infografiken: Johann Zuschnegg
Bildnachweis: Portraitfotos Generaldirektion: Klaus Ranger Portraitfotos Autor:innen: Herbert Ebenwaldner Portraitfotos Wegscheider-Pichler / Psick: Foto Nitsche Portraitfoto Strasser: Fotostudio R.Michael Schuster Mockups, S. 72: © hokagata / © Mockupia – stock.adobe.com STATjournal Nr. 2 –  2026 (Statistische Nachrichten, 81. Jahrgang) Wien, April 2026 Das Produkt und die darin enthaltenen Daten sind ur heberrechtlich geschützt. Alle Rechte sind der Bundesanstalt Statistik Österreich (STATISTIK AUSTRIA) vorbehalten. Bei richtiger Wieder gabe und mit korrekter Quellenangabe » STATISTIK AUSTRIA « ist es gestattet, die Inhalte zu verviel fältigen, verbreiten, öffentlich zugänglich zu machen und sie zu bearbeiten. Bei auszugsweiser Verwendung, Darstellung von Teilen oder sonstiger Veränderung von Dateninhalten wie Tabel­ len, Grafiken oder Texten ist an geeigneter Stelle ein Hinweis anzu ­ bringen, dass die verwendeten Inhalte bearbeitet wurden. Die Bundesanstalt Statistik Österreich sowie alle Mitwirkenden an der Publikation haben deren Inhalte sorgfältig recherchiert und erstellt. Fehler können dennoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die Genannten übernehmen daher keine Haftung für die Richtigkeit, Voll­ ständigkeit und Aktualität der Inhalte, insbesondere übernehmen sie keinerlei Haftung für eventuelle unmittelbare oder mittelbare Schäden, die durch die direkte oder indirekte Nutzung der angebotenen Inhalte entstehen. Korrekturhinweise senden Sie bitte an die Redaktion. © STATISTIK AUSTRIA Zeichenerklärung für Tabellen ‒ Zahlenwert ist null . Daten (noch) nicht verfügbar 0 eine Größe, die kleiner als die Hälfte der ausgewiesenen Einheit ist () stark zufallsbehafteter Wert (x) nicht interpretierbarer Wert G Geheimhaltung: Wert wird aufgrund gesetzlicher Bestimmungen nicht veröffentlicht ⌀ Durchschnitt (arithmetisches Mittel) < kleiner als

größer als ≤ kleiner gleich ≥ größer gleich Inhalt 2 Impressum 4 Vorwort 5 Standpunkt 6 Kennzahlen zur Wirtschaftslage 9 Statistik Austria in Kürze 13 Ein Blick auf die Gemeinde  Zwischenwasser 14 Auf den Punkt gebracht  Energiearmut 19 Einst und heute  Statistische Bibliothek 28 Austrian Socio-Economic Panel (ASEP) Marc Plate  •  Luisa Dangl  •  Valentina Kropfreiter  •  Angelika ­Grabher-Wusche  •  Patrick Lazarevic  |  Georg Kanitsar  •  Monika Mühlböck 39 Stieffamilien Christoph Waldner  •  Valerie Holzer 51 Wasserverbrauch in der Industrie Christian Psick  •  Hanna Freundl 61 Fluorierte Treibhausgase in Österreich Manuela Strasser 72 Neuerscheinungen 73 STATservices Fachartikel

VORWORT Liebe Leser:innen, Wasser prägt unser Leben – sichtbar, wenn es knapp wird, unbemerkt, wenn es wie selbstverständlich fließt. Der Welttag des Wassers am 22. März erinnert jährlich daran, wie eng Verfügbarkeit, Verbrauch und Verant­ wortung verknüpft sind. Ein guter Anlass, um zu erkun­ den, wie dieses essenzielle Gut in Österreich genutzt wird und welche Rolle Daten dabei spielen, verborgene Zusammenhänge offenzulegen. Die aktuelle Güterein­ satzstatistik erlaubt erstmals eine detaillierte Sicht auf Herkunft und Verwendung des Wassers in Betrieben – und zeigt, wie sich gesellschaftliche Diskussionen durch Fakten einordnen lassen. Ebenfalls um den Umgang mit unserer Umwelt geht es im Fachartikel zu fluorierten Treibhausgasen. Diese künstlichen Gase sind stark klimaschädlich, weshalb ihre Verwendung sukzessive eingeschränkt wird. Welche Maßnahmen gesetzt wurden und wie sich diese auf die Emissionsentwicklung auswirken, lesen Sie ab Seite 61. Von den Ressourcen der Gegenwart führt die Ausgabe zu sozialen Fragen: Ein neuer Energiearmuts­ indikator, gemeinsam mit der Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut (kea) entwickelt und nun gesetzlich verankert, bietet ein präziseres Bild der betroffenen Haushalte. Ein weiterer Beitrag beleuchtet erstmals registerbasiert Stieffamilien und erklärt, wie diese statistisch identifiziert werden können. Wer Daten selbst erhebt oder nutzt, findet im Artikel zum Austrian Socio Economic Panel Einblicke in Prin­ zipien, Themen und das Potenzial dieser neuen Daten­ quelle. Schließlich reisen wir zurück zu den Anfängen: Die Historie unserer Bibliothek zeigt, wie Wissen be­ wahrt wird und wie historische Publikationen heute zugänglich sind. Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen. DDr.
Franz Haslauer Kaufmännischer Generaldirektor Mag.a
Manuela Lenk Fachstatistische Generaldirektorin 5STATjournal 2 – 2026 STANDPUNKT Manuela Lenk ÖSG: Brücke zwi- schen Forschung und Praxis Wie können amtliche Statistik, angewandte Statistik und Forschung künftig noch besser voneinander profitieren? Für mich steht fest: Dafür brauchen wir starke Brücken zwischen Wissenschaft, Verwal­ tung und Praxis. Die Österreichische Statistische Gesellschaft (ÖSG) spielt dabei eine wichtige Rolle – sie schafft Räume für kritischen Austausch, in einer Zeit, in der Datenmengen rasant wachsen und methodische Anforderungen steigen. Statistik Austria war im März Gastgeberin der Hauptversammlung 2026 der ÖSG – eine besondere Veranstaltung für mich, da ich zur Präsidentin gewählt wurde und mir diese Aufgabe ein großes Anliegen ist. Ich freue mich darauf, auf der erfolgreichen Arbeit meines Vor­ gängers Andreas Futschik aufzubauen. Die Strategie 2030 von Statistik Austria betont Methodenkom­ petenz und Innovation. Auch vor diesem Hintergrund will ich die Zusammenarbeit zwischen amtlicher Statistik, angewandter Statistik und Forschung weiter vertiefen. Die ÖSG unterstützt die statistische Community durch Arbeitskreise, Publikationen und öffentliche Ver­ anstaltungen. Es freut mich, dass die jährlichen ÖSG­Statistiktage von 7. bis 9. September 2026 bei Statistik Austria zu Gast sein werden – ein Highlight, das sich heuer unter anderem der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) und dem Update des System of National Accounts (SNA) widmet. Ein Call for Abstracts lädt alle interessierten Statistiker:innen ein, ihre Forschung zu präsentieren. Besonders wichtig ist mir die Förderung des Nachwuchses. Mit ihren Preisen für Abschlussarbeiten aus der Welt der Statistik setzt die ÖSG hier bereits starke Akzente. Zudem vernetzt die neue Initia­ tive youngSTAT Studierende, junge Akademiker:innen und Berufs­ einsteiger:innen, eröffnet Einblicke in Projekte und stärkt den fach­ lichen Austausch. Dieses Angebot möchte ich in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Viele internationale Statistikämter profitieren von starken statisti­ schen Gesellschaften – so auch Statistik Austria. Wir brauchen wissen­ schaftlichen Diskurs, methodische Weiterentwicklung und kritische Reflexion – all das wird in der ÖSG gelebt. Dieses Netzwerk weiter zu stärken und Nachwuchs dafür zu begeistern, sehe ich als meine wich­ tigste Aufgabe als ÖSG­Präsidentin. Weitere Informationen zur ÖSG finden Sie unter ▶ www.osg.or.at. Die wachsenden Datenmengen
machen Netzwerke wichtiger.
Die ÖSG verbindet Wissenschaft, Verwaltung und Praxis. Als ÖSG- Präsidentin will ich den Austausch
und die Nachwuchsförderung stärken.

6STATjournal 2 – 2026 Q: STATISTIK AUSTRIA, Außenhandelsstatistik, Konjunkturerhebung im produzierenden Bereich, Konjunkturstatistik Handel und Dienstleistungen,
Verbraucherpreisindex, Kfz ­Statistik, Zivilluftfahrtstatistik, Beherbergungsstatistik. Zahl der Nächtigungen nach Herkunft der Gäste
in Mio. 0 5 10 15 20 25 Österreich Insgesamt Feb. Mär. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov. Dez. Jän. Feb. Mär. Apr. Mai Jun. Jul. Aug. Sep. Okt. Nov. Dez. 2024 2025 Jän. Feb. 2026 Q: STATISTIK AUSTRIA, Beherbergungsstatistik. Kennzahlen zur Wirtschaftslage Konjunkturmonitor Jänner 2026 Veränderung zum Vorjahresmonat in Prozent Einfuhren insgesamt in Euro −3,0 Ausfuhren insgesamt in Euro −2,2 Produktionsindex BAU −8,2 Umsatzindex BAU −7,5 Beschäftigtenindex BAU −2,6 Umsatzindex HANDEL −1,9 Beschäftigtenindex HANDEL −1,3 Produktionsindex INDUSTRIE +1,2 Umsatzindex INDUSTRIE −4,0 Beschäftigtenindex INDUSTRIE −1,6 Verbraucherpreisindex +2,0 Pkw-Neuzulassungen +12,1 Beförderte Personen Luftverkehr +2,4 Nächtigungen +2,9 7STATjournal 2 – 2026 Kennzahlen zur Wirtschaftslage Arbeitslosenquote im EU-Vergleich
Februar 2026, in Prozent 0 2 4 6 8 10 Finnland Spanien Griechenland Schweden Dänemark Frankreich Luxemburg Le�land Litauen Österreich Belgien EU−27 Estland Portugal Rumänien Slowakei Italien Kroa�en Ungarn Zypern Irland Niederlande Deutschland Slowenien Polen Bulgarien Malta Tschechien 12 Q: Eurostat. – Arbeitslose in Prozent der Erwerbspersonen lt. ILO ­Konzept. – Unbereinigte Daten.
Erwerbstätigenquote
4. Quartal 2025 74,6 % 15 bis 64 Jahre Offene-Stellen-Quote
4. Quartal 2025 2,8 % Zahl der Arbeitslosen
in Tausend 100 150 200 250 300 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q4 Q3 Q1 Q2 2025 2024 2023 Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus ­Arbeitskräfteerhebung. – Bevölkerung in Privat ­ haushalten ohne Präsenz ­ und Zivildiener. – Nach internationalem Konzept (ILO). Zahl der Erwerbstätigen
in Tausend Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q4 Q3 Q1 Q2 2025 2024 2023 4 000 4 200 4 400 4 600 4 800 Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus ­Arbeitskräfteerhebung. – Bevölkerung in Privat ­ haushalten ohne Präsenz ­ und Zivildiener. – Nach internationalem Konzept (ILO). Zahl der Insolvenzen 1 000 1 250 1 500 1 750 2 000 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 2023 2024 2025 Q: STATISTIK AUSTRIA, Statistik der Insolvenzen. – Die Daten zu Insolvenzen basieren auf den gerichtlichen Insolvenzverfahren. – Die Werte für die letzten 4 Quartale sind vorläufig. 8STATjournal 2 – 2026 Kennzahlen zur Wirtschaftslage Inflationsrate im EU-Vergleich
Februar 2026, in Prozent 0 2 4 6 8 10 Rumänien Slowakei Kroatien Litauen Estland Griechenland Slowenien Irland Spanien Polen Lettland Malta Niederlande Österreich EU−27 Bulgarien Portugal Deutschland Luxemburg Finnland Schweden Ungarn Italien Belgien Frankreich Tschechien Zypern Dänemark Q: Eurostat. – Veränderung des Harmonisierten Verbraucher ­ preisindex zum Vorjahresmonat. – Vorläufige Werte. Der Verbraucherpreisindex misst die Verän de run- gen der Konsument:innenpreise über die Zeit. Der Großhandelspreisindex bildet die monatliche Preisentwicklung der vom Großhandel abgesetzten Waren ab, indem der Großhandelsverkaufspreis (ohne MwSt.) als Preisbasis herangezogen wird. Öffentliches Defizit
4. Quartal 2025 3,8 Mrd. Euro Bruttoinlandsprodukt
laufende Preise, in Mio. Euro 80 000 100 000 120 000 140 000 160 000 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Q: STATISTIK AUSTRIA, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. – Unbereinigte Daten. Öffentliche Schuldenquote
in Prozent des BIP Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3 Q4 2020 2021 2022 2023 2024 2025 70 75 80 85 90 Q: STATISTIK AUSTRIA, Öffentliche Finanzen. – Bruttoinlandsprodukt (BIP): Summe der jeweils letzten 4 Quartale. – Daten gemäß ESVG 2010. Verbraucher- und Großhandelspreisindex
(2015 = 100) 100 110 120 130 140 150 2026 2021 2022 2023 2024 2025 GHPI VPI Mär. Jun. Sep. Dez. Mär. Jun. Sep. Dez. Mär. Jun. Sep. Dez. Mär. Jun. Sep. Dez. Mär. Jun. Sep. Dez. Mär. Q: STATISTIK AUSTRIA, Verbraucherpreisindex, Großhandelspreisindex. –
Verbraucherpreisindex: Der letzte Indexwert ist vorläufig. 9STATjournal 2 – 2026 2005 2025 8,10 9,03 3,75 4,50 Bevölkerung Erwerbstätige

  • 11,5 %
  • 20,1 % ARBEITSMARKT 750 000 mehr Erwerbstätige als vor 20 Jahren Innerhalb von 20 Jahren ist die Zahl der Erwerbstätigen in Österreich um rund 750 000 auf 4,5 Mio. im Jahr 2025 angewachsen. Besonders Frauen, ältere Menschen und nicht­österreichische Staatsangehörige haben zu diesem Plus beigetragen. Dennoch sind die tatsächlich in einem Jahr geleisteten Arbeitsstunden nur geringfügig gestiegen. Eine Ursache dafür ist die starke Ausweitung der Teilzeitarbeit. Rund die Hälfte (49,8 %) aller erwerbstätigen Frauen arbeitete 2025 in Teilzeit, 2005 waren es noch 39,5 %. Bei Männern hat sich die Teilzeitquote auf 14 % mehr als verdoppelt. Hinzu kommt ein markanter Rückgang von Über­ und Mehrstunden: Ihre Zahl halbierte sich von über 354 Mio. Stunden im Jahr 2005 auf rund 170 Mio. Stunden im Jahr 2025. In der Folge sank die durchschnittliche tatsächlich geleistete Wochenarbeits­ zeit seit 2005 um 5,3 Stunden auf 29,4 Stunden. Mittelfristig ist aus der­ zeitiger Sicht auch kein deutlicher Anstieg des Arbeitsvolumens aufgrund individueller Arbeitszeit präferenzen zu erwarten: 2025 gaben rund 80 % aller Erwerbstätigen an, ihre Normalarbeitszeit unverändert lassen zu wollen. Schon seit Langem verlagert sich die österreichische Wirtschaft zuneh­ mend hin zu Dienstleistungen, in denen die meisten neuen Jobs entstehen. Hatten 2005 noch 67,2 % aller Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor gearbeitet, waren es 20 Jahre später bereits 73,1 %. Besonders stark gewach­ sen sind die Beschäftigungsanteile im Gesundheits- und Sozialwesen, in der Bildung, bei freiberuflichen Tätigkeiten sowie in IT und Kommunikation. Seit 2005 ist der Anteil der Erwerbstätigen in Industrie und Gewerbe von 27,6 % auf nunmehr 24,1 % gesunken. Ebenfalls deutlich geschrumpft ist der Beschäftigtenanteil in der Land­ und Forstwirtschaft: von 5,3 % im Jahr 2005 auf 2,8 % 20 Jahre später. Zur Übersichtsseite ▶ Arbeitsmarkt Statistik Austria
    in Kürze Erwerbstätige 2005 und 2025 im Vergleich in Mio. Q: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung. 10STATjournal 2 – 2026 Statistik Austria in Kürze Männer Frauen 1 563 2 620 Pensionslücke 40,3 % BEVÖLKERUNG UND SOZIALES Geburtenbilanz zum 6. Mal in Folge negativ Im Jahr 2025 wurden in Österreich laut vorläufigen Ergebnissen 75 718 Kinder lebend geboren, um 2,0 % weniger als 2024. Niedriger war die Zahl der Neugeborenen zuletzt 2001, damals war die Gesamtbevölkerung aber auch um mehr als eine Million kleiner als 2025. Demgegenüber stehen 86 766 verstorbene Personen, um 1,9 % weniger als 2024. Somit starben um 11 048 Menschen mehr als geboren wurden. Eine erste Schätzung der Lebenserwartung bei der Geburt ergab für das Jahr 2025 ein Ansteigen um 0,3 Jahre gegenüber 2024 und damit neue Höchstwerte: bei den Männern 80,17 Jahre und bei den Frauen 84,63 Jahre. Die vorläufige Anzahl der im 1. Lebensjahr Gestorbenen lag im Jahr 2025 bei 235, die daraus resultierende Säuglingssterberate betrug 3,1 ‰. Zur Übersichtsseite ▶ Bevölkerung Gender Pay Gap in Österreich bei 17,6 % Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in der Privatwirtschaft hat sich in Österreich von 22,2 % im Jahr 2014 auf 17,6 % im Jahr 2024 ver­ ringert. Im EU­Vergleich war Österreich dennoch das Land mit dem dritt­ höchsten Gender Pay Gap, nur in Tschechien (18,5 %) und Estland (18,8 %) war die Lohndifferenz noch größer. Im EU­Schnitt betrug der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern 11,1 %. In Summe führen die Unterschiede im Erwerbsleben und die niedrigeren Erwerbseinkommen von Frauen zu einer geschlechts­ spezifischen Pensionslücke von 40,3 %. Zur Themenseite ▶ Einkommen Monatliche Haushaltsausgaben Die durchschnittlichen monatlichen Verbrauchsausgaben privater Haushalte in Österreich liegen laut der Konsumerhebung 2024/25 bei rund 4 170 Euro. Die Äquivalenzausgaben, also die bedarfsgewichteten Pro­Kopf­Ausgaben eines Haushalts, betragen rund 2 760 Euro pro Monat. Mit mehr als einem Viertel entfällt der größte Anteil der monatlichen Verbrauchsausgaben auf den Bereich Wohnen und Energie. An 2. Stelle stehen mit 13,6 % Ausgaben für Verkehr. Beinahe gleichauf liegen die Anteile für Ernährung und alkoholfreie Getränke mit 11,6 % sowie für Freizeit, Sport und Kultur mit 11,4 %. Unter der 10 %­Marke bewegen sich die Aus­ gabenanteile für Konsumation in der Gastronomie (6,6 %), Wohnungs- ausstattung (6,2 %), Gesundheit (4,8 %), Versicherungen, Finanzdienst- leistungen (4,7 %), andere Waren und Dienstleistungen (4,5 %) sowie für Bekleidung, Schuhe (4,2 %). Die geringsten Anteile an den Verbrauchs­ ausgaben haben Kommunikation, Information (2,8 %), alkoholische Getränke, Tabak (2,2 %) und Bildung (1,1 %). Zur Themenseite ▶ Ausgaben Q: STATISTIK AUSTRIA, Dachverband der Sozialversicherungsträger. – Durchschnittliche Alterspensionen (Auszahlung 14-mal pro Jahr) ohne zwischenstaatliche Teilleistungen. Unterschiede bei Arbeitszeit und Einkommen führen zu Pensionslücke
    durchschnittliche monatliche Alterspension 2024, in Euro, brutto Wohnen macht mehr als ein Viertel der Ausgaben aus
    Ausgabenverteilung in Prozent Q: STATISTIK AUSTRIA, Konsumerhebung 2024/2025. 11STATjournal 2 – 2026 Statistik Austria in Kürze TOURISMUS UND VERKEHR Allzeithoch bei Fluggästen 2025 brachte für die österreichische Luftfahrt einen Fluggastrekord. Auf den 6 heimischen Flughäfen wurden 36,5 Mio. Passagier:innen befördert, das sind fast 1 Mio. mehr als 2024 und ist die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1955. Damit wurde der bisherige Rekord des Vor­ Corona­ Jahres 2019 um 0,8 % überschritten. Mit 279 677 Flugbewegungen im Linien­ und Gelegenheitsverkehr wurden 2025 auf den Flughäfen Wien, Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg um 3,0 % mehr Starts und Landungen als 2024 durchgeführt. Pro Flug wurden durchschnittlich 131 Personen befördert, mit einem Minus von 0,3 % nur geringfügig weniger als im Jahr davor (2024: 131 Personen). Das Frachtaufkommen verringerte sich um 3,7 % auf 248 211 t, die Luft­ post verbuchte einen Rückgang um 4,5 % auf 5 147 t. Zur Themenseite
    ▶ Personenverkehr Luftfahrt INTERNATIONALER HANDEL Österreich 2025 mit negativer Handelsbilanz 2025 stiegen Österreichs Importe um 4,1 % auf 196,72 Mrd. Euro, während die Exporte um 0,5 % auf 190,14 Mrd. Euro zurückgingen. Der Einfuhrüberschuss entspricht dem langfristigen Bild der letzten 30 Jahre. Der Warenhandel mit den EU­Partnerländern blieb insgesamt weitgehend ausgeglichen. Rund zwei Drittel aller österreichischen Im­ und Exporte entfielen erneut auf den EU­Binnenmarkt. Deutschland behauptete auch 2025 seine Rolle als wichtigster Handelspartner. Der zweitwichtigste Handelspartner im Hin­ blick auf die Exporte blieben die USA, obwohl es verglichen mit 2024 hier einen Rückgang um mehr als ein Fünftel gab. Nachdem sich die Importe aus den USA jedoch weiterhin auf deutlich niedrigerem Niveau als die Exporte bewegten, hatte Österreich mit den USA den höchsten Handelsbilanzüber­ schuss. Bei den Importen war Österreichs zweitwichtigster Handelspartner erneut China. Zur Themenseite
    ▶ Importe und Exporte von Gütern 25 000 000 000 und mehr bis unter 25 000 000 000 bis unter 2 000 000 000 bis unter 200 000 000 bis unter 100 000 000 0 5 000 km 2 500 Schon gewusst? 32,6 Mio.
    Fluggäste zählte der Flughafen Wien im Jahr 2025. Q: STATISTIK AUSTRIA, Zivilluftfahrtstatistik. Deutschland ist Österreichs wichtigster Exportpartner Exporte Österreichs in Euro Q: STATISTIK AUSTRIA, Außenhandel 2025. – Vorläufige Ergebnisse. 12STATjournal 2 – 2026 Statistik Austria in Kürze VOLKSWIRTSCHAFT UND ÖFFENTLICHE FINANZEN Öffentliches Defizit mit 4,2 % weiterhin hoch Österreichs Budgetdefizit lag 2025 mit 21,5 Mrd. Euro bzw. 4,2 % des Brutto­ inlandsprodukts weiterhin über der Maastricht­Grenze von 3 %. Im Vergleich zu 2024 hat sich das Defizit um 1,5 Mrd. Euro verringert. Ausschlaggebend dafür war, dass die Staatseinnahmen (+4,5  %) 2025 kräftiger gestiegen sind als die Ausgaben (+3,6 %). Der moderatere Anstieg der Staatsausgaben war geprägt durch eine geringere inflationsbedingte Anpassung der Löhne und Gehälter im öffentli­ chen Dienst und Rückgänge krisenbedingter Maßnahmen. Die Investitionen, die sich bereits auf einem hohen Niveau befanden, zeigten einen leichten Anstieg, der vor allem auf Investitionen in militärische Güter bzw. in Kranken­ anstalten zurückgeht, während Investitionen in den Verkehrsbereich rückläu­ fig waren. Einen starken anteilsmäßigen Zuwachs zeigten die Zinsausgaben. Sie erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um 12,6 %. Die Staatseinnahmen stammten im Jahr 2025 zu 86,6 % aus Steuern und Sozialbeiträgen. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhten sich diese um 4,9 %. Vor allem der Zuwachs der Sozialbeiträge stützte 2025 die Einnahmenseite. Die Einnahmen aus Produktions­ und Importabgaben zeigten einen deutlichen Anstieg. Gründe dafür waren u. a. die Erhöhung der Energieabgaben, aber auch die Wiedereinführung der Erneuerbaren­Förderpauschale und des Erneuerbaren­Förderbetrags. Bei den Einkommens­ und Vermögenssteuern kamen unterschiedliche Einflussfaktoren zum Tragen: Einerseits erhöhten sich v. a. die Lohnsteuer sowie die Kapitalertragssteuern, andererseits gab es etwa bei der Körperschaftsteuer erneut einen Rückgang. Der öffentliche Schuldenstand belief sich am Jahresende 2025 auf 418,1 Mrd. Euro, dies sind 23,0 Mrd. Euro mehr als am Ende des Jahres 2024. Die Schuldenquote – das Verhältnis der Staatsschulden zur nominellen Wirt­ schaftsleistung – stieg von 80,0 % auf 81,5 %. Zur Themenseite
    ▶ Einnahmen und Ausgaben des Staates 0 20 40 60 80 100 120 140 160 Estland Luxemburg Bulgarien Dänemark Irland Schweden Litauen Tschechien Niederlande Malta Lettland Kroatien Zypern Rumänien Polen Slowakei Deutschland Slowenien Ungarn Österreich Finnland Portugal Spanien Belgien Frankreich Italien Griechenland Schuldenquote im EU-Vergleich
    Bruttoschuldenstand in Prozent des BIP 2025 Q: STATISTIK AUSTRIA, Europäische Kommission. – Andere EU ­Staaten: Quoten laut Herbstprognose von November 2025 der Europäischen Kommission. – Österreich: Quote laut von Statistik Austria publizierten Daten vom 31.03.2026. 13STATjournal 2 – 2026 Bevölkerung:
    3 419 per 01.01.2025 Ein Blick auf die Gemeinde
    Zwischenwasser Interesse geweckt? ▶ Ein Blick auf die Gemeinde im Web Grafik 2
    Familien nach Typ
    in Prozent Ehepaar ohne Kind(er) Ehepaar mit Kind(ern) Lebensgemeinschaft ohne Kind(er) Lebensgemeinschaft mit Kind(ern) Ein-Eltern-Familie 10,1 8,5 8,8 36,9 35,7 Q: STATISTIK AUSTRIA, Bundesamt für Eich­ und Vermessungswesen. – Stichtag 31.12.2025. Den bildhaften Namen verdankt
    die vorarlbergische Gemeinde dem
    Fluss Frutz und dem Frödischbach.
    Über große Strecken bilden sie
    die Gemeinde grenzen, bevor sie sich ver einigen und einige Kilometer entfernt in den
    Rhein einmünden. Tabelle
    Viehbestand
    in Gemeinde, Bezirk und Bundesland Tierart Zwischenwasser Feldkirch Vorarlberg Rinder 536 11 847 63 853 Schweine 17 1 580 6 681 Schafe 61 1 860 13 086 Ziegen 157 1 000 5 942 Einhufer 22 595 2 255 Hühner 387 66 735 164 676 Geflügel insg. 394 67 515 169 510 Q: STATISTIK AUSTRIA, Agrarstrukturerhebung 2020. –
    Einhufer = Pferde, Esel, Muli etc. Grafik 1
    Flächennutzung
    in Gemeinde und Bundesland, in Prozent 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 VorarlbergZwischenwasser Bauflächen Landw. Nutzflächen Gärten Alpen Wald Gewässer Sonstige Flächen Q: STATISTIK AUSTRIA, Bundesamt für Eich ­ und Vermessungs­ wesen. – Stichtag 31.12.2025. 14STATjournal 2 – 2026 AUF DEN PUNKT GEBRACHT

Energiearmut Was kann der neue Gesamtindikator? Energiearmut ist ein komplexes Phänomen, es handelt sich dabei um ein Zusammenspiel aus niedrigem Einkommen, hohen Energiekosten und einer geringen Energieeffizienz im Wohnbereich. Einerseits geht es also um die Nicht­Leistbarkeit und damit Vermeidung einer notwen­ digen Menge an Haushaltsenergie, andererseits um den Zusammen­ hang zwischen niedrigem Einkommen und hohen Energieausgaben. Zusätzliche Aspekte wie eine schlechte Gebäudequalität und damit eine niedrige Energieeffizienz können den notwendigen Energieeinsatz erhöhen und damit die Energiearmut verstärken. Statistik Austria misst seit 2017 die jeweiligen Teilaspekte von Energiearmut mittels verschie­ dener Indikatoren. [1] Solange jedoch unklar ist, ob ein Haushalt von einem oder von mehreren Aspekten betroffen ist, kann keine Gesamt­ zahl der von Energiearmut belasteten Haus halte abgeleitet werden. Im Rahmen des Projekts »Indikatoren für die Messung von Energie­ armut 2025« [2] wurde deshalb in Zusammenarbeit mit der zentralen 1 Zuletzt: Statistik Austria (Hg.) / Wegscheider-Pichler et al. (2024):
▶ »Dimensionen der Energiearmut in Österreich 2021/22«. 2 Statistik Austria (Hg.) / Wegscheider-Pichler (2025): ▶ »Indikatoren für die Messung von Energiearmut 2025«. ▶ »Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energie armut« (kea), im Juni 2025 ein neuer Gesamtindikator entwickelt, der erstmals mehrere Aspekte von Energiearmut kombiniert betrachtet. Der Indi­ kator verknüpft 4 einzelne Energiearmutsindikatoren und wird aus der Erhebung ▶ EU-SILC – Statistiken zu Einkommen und Lebens- bedingungen berechnet. Wie lautet die Definition? Insgesamt fließen 4 verschiedene Aspekte in den Gesamtindikator für Energiearmut ein: Als energiearm gelten Haushalte mit überdurchschnittlich hohen, äquivalisierten Energiekosten, welche auch armutsgefährdet sind und/oder Haushalte, die angeben, die Wohnung nicht angemessen warmhalten zu können und/oder Haushalte mit finanziell bedingten Zahlungsrückständen bei Energiekosten und/oder armutsgefährdete Haushalte mit schlechten Wohnverhältnissen (undichtes Dach, Fäulnis oder Feuchtigkeit). ▶ Grafik 1 Österreich fragt sich … Wann gilt man als von Energiearmut betroffen?
Wie viele Haushalte in Österreich leiden unter hohen
Energiekosten, oder können sich nicht leisten, ihre Wohnung
angemessen warmzuhalten?
Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders von
Energiearmut betroffen?
Antworten gibt … Alexandra Wegscheider-Pichler
Sie arbeitet als Sozialwissenschaft- lerin bei Statistik Austria. Neben ihrer Aufgabe als SDG-Koordina- torin ist sie auch für die Erfassung von Energiearmut zuständig.

Page 1 of 12