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15STATjournal 2 – 2026 Auf den Punkt gebracht Energiearmut der Berechnung von durch Energiearmut betroffenen Haushalten berücksichtigt werden sollten. Diese Indikatoren können auf natio­ naler Ebene durch weitere Energiearmutsindikatoren ergänzt oder auch ersetzt werden. Das aktuelle ▶ Energiearmuts-Definitions-Gesetz – EnDG, welches im Dezember 2025 erlassen wurde, liefert zentrale Grundlagen für die zukünftige statistische Erfassung und Beobachtung von Energie­ armut. In § 5 Abs 1 werden mehrere objektive und subjektive Einzel­ indikatoren genannt. Der neue Gesamtindikator von Statistik Austria konnte noch rechtzeitig ins EnDG aufgenommen werden und stellt damit den zentralen Indikator für die Messung der Energiearmut dar. Warum erst jetzt? Dass erst 10 Jahre nach der erstmaligen Messung von Energiearmut in Österreich ein Gesamtindikator für dieses Phänomen entwickelt wurde, lässt sich hauptsächlich durch 3 Gründe erklären.

  1. Grund: Wahl der Datenquelle Zu Beginn der Arbeiten zur Energiearmut wurde ausschließlich mit Daten des ▶ Mikrozensus Energieeinsatz der Haushalte gearbeitet, welcher umfassende Daten zu Energiemengen und Energiekosten liefert. Üblich war zudem vor 10 Jahren die alleinige Betrachtung des Aspekts der hohen Energiekosten bei niedrigem Einkommen. Der dafür herangezogene Indikator folgt einer Definition der E­Control Die 4 Einzelindikatoren im Detail Als energiearm gelten u. a. Haushalte, deren äquivalisierte Ausga­ ben für Energie bei mehr als 140 % des Medianwertes aller Haushalte liegen und die gleichzeitig ein Haushaltseinkommen unterhalb der Ar­ mutsgefährdungsschwelle von 60 % des äquivalisierten Median­Haus­ haltseinkommens aufweisen. Das bedeutet, hier treffen überdurch­ schnittlich hohe Kosten auf ein unterdurchschnittliches Einkommen. Die tatsächlich gemessenen Ausgaben für Energie können jedoch auch deshalb niedrig sein, weil unfreiwillig auf Energie verzich­ tet wurde, um Kosten zu sparen. Haushalte, die dies tun, sind laut Definition ebenfalls energiearm. Für die Messung des unfreiwilligen Verzichts wird die subjektiv erhobene Variable »Können Sie es sich leisten, die Wohnung angemessen warmzuhalten?« herangezogen. Weitere Indikatoren messen, ob der Haushalt aus finanziellen Gründen bei den Zahlungen für Heizenergie oder Strom in Verzug ist, sowie ob die Hauptwohnsitzwohnung in schlechtem Zustand ist. Konkret geht es hier um das Vorhandensein eines undichten Daches, von Fäulnis oder von Feuchtigkeit in den Räumen. Der letzte Faktor wird wieder auf Haushalte beschränkt, die ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle haben. Rechtliche Basis der Definition Die Definition des Gesamtindikators beruht auf Vorschlägen der ▶ Energieeffizienzrichtlinie EED III. Diese gibt unter Kapitel III, Art 8, Abs 3, 3. UAbs mehrere Indikatoren auf Basis von EU­SILC an, die bei Grafik 1
    Zusammensetzung des kombinierten Gesamtindikators zur Energiearmut 2024 betroffene Haushalte in Prozent

4,2 4,4 4,6 2,5 15,7 12,5 Hohe Energiekosten u. Armutsgefährdung Wohnung nicht warm- halten können Zahlungs- rückstände Schlechte Wohnverhältnisse Summe (inkl. Doppelzählungen) Gesamtindikator (exkl. Doppelzähl.) Q: STATISTIK AUSTRIA, EU­SILC 2024. – Haushalte, die von mehr als einem Aspekt betroffen sind, werden im Gesamtindikator nur einmal gezählt. 16 STATjournal 2 – 2026 Auf den Punkt gebracht  Energiearmut Was bringt das? Bis zur Entwicklung des Gesamtindikators war es üblich, mehrere Energiearmutsindikatoren zu berechnen und getrennt voneinander zu betrachten. Damit fehlte das Gesamtbild, da die Ergebnisse nicht einfach summiert werden konnten. Durch den Gesamtindikator können Doppelerfassungen von mehrfach betroffenen Haushalten vermieden werden. Damit wird Energiearmut einfacher messbar und übersichtlicher, sowohl was die Betroffenheit verschiedener Haus­ haltsgruppen als auch was die zeitliche Entwicklung anbelangt. ▶ Grafik 2 Bereits die Auswertungen von einzelnen Aspekten der Energie­ armut zeigten, dass zwischen energiearmen und nicht-energiearmen Haushalten zahlreiche strukturelle Unterschiede bestehen. [1] Diffe­ renzen ergaben sich beispielsweise nach der Schulbildung oder der Haushaltsgröße und der Betroffenheit durch hohe Energiekosten bei niedrigem Einkommen. Nach der Wohnsituation (z. B. der Woh­ nungsgröße) zeigte sich ein Zusammenhang mit der Möglichkeit, die Wohnung nicht angemessen warmhalten zu können. Betrachtet man diese Merkmale mit dem neuen Gesamtindikator zur Energiearmut, werden die Unterschiede in den sozialen Gruppen sehr viel ­deutlicher sichtbar, weil sich die einzelnen Energiearmutsaspekte über alle Haushalte betrachtet zumeist verstärken. 1 Statistik Austria (Hg.) / Wegscheider-Pichler et al. (2024): »Dimensionen der Energiearmut in Österreich 2021/22«, Kapitel 3. zur Energiearmut in Österreich. [1] Erst später wurde der Aspekt der Nicht-Leistbarkeit und damit Energievermeidung immer wichtiger. Als am besten geeignet zur Messung wurde ein Indikator aus EU-SILC angesehen, der zeigt, welche Haushalte es sich nicht leisten können, die Wohnung angemessen warmzuhalten. Durch die Verwendung von 2 unterschiedlichen Datenquellen war von vornherein eine Aggregie­ rung der beiden Indikatoren ausgeschlossen. Entsprechend wurden beide Indikatoren parallel dargestellt und auch in Hinblick auf sozio­ demographische Merkmale getrennt analysiert. [2] 2. Grund: Dashboard ist international üblich Auch international war und ist ein Dashboard mehrerer Indika­ toren zur Energiearmut üblich. Die ▶ Empfehlung (EU) 2020/1563 der Kommission zur Energiearmut vom 14. Oktober 2020 gibt im Anhang einen Überblick über potenzielle Energiearmutsindikatoren, die EU-weit verwendet werden können. Es existiert bisher auf euro­ päischer Ebene keine allgemeingültige Definition eines Gesamtindi­ kators zur Energiearmut. 3. Grund: rechtliche Vorgaben fehlten Bezogen auf Energieverbrauch und Energiekosten stellt der Mikro­zensus Energieeinsatz der Haushalte im Vergleich zu EU-SILC die umfassendere Datenquelle dar. Um einen Gesamtindikator zur Energie­armut zu entwickeln, mussten jedoch die Daten von EU-SILC herangezogen werden, da nur hier die unfreiwillige Energievermei­ dung mit einbezogen werden konnte. Die Verpflichtung der natio­ nalen Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie EED III lieferte 2025 den Anstoß für den Wechsel von der ursprünglichen Datenquelle des Mikrozensus Energie hin zu EU-SILC. 1 E-Control (2013): ▶ »Energiearmut in Österreich«, S. 7 ff. 2 Statistik Austria (Hg.) / Wegscheider-Pichler et al. (2024): ▶ »Dimensionen der Energiearmut in Österreich 2021/22«, Kapitel 3. Grafik 2 Entwicklung 2018 –2024 Anteil der energiearmen Haushalte in Prozent

8,6 8,6 8,1 7,8 9,6 12,1 12,5 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Q: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC.

17STATjournal 2 – 2026 Auf den Punkt gebracht Energiearmut Energiearmut haben. 18,8 % der Haus halte in älteren Gebäuden mit Baujahr bis 1960, 17,3 % der Haus halte in Mietwohnungen, 16,8 % der Haushalte in kleinen Wohnungen bis 80 Quadratmeter oder 16,1 % jener in Mehrfamilien häusern sind überdurchschnittlich durch Energie armut belastet. Österreichweit betrachtet liegt die Energie­ armut in dicht besiedelten Gebieten mit vorwiegend mehrgeschos­ sigem Wohnbau mit 17,3 % über dem Durchschnitt von 12,5 %. Dem folgend ist in Ostösterreich das Risiko, von Energiearmut betroffen zu sein, mit 16,8 % deutlich höher als in Südösterreich (11,0 %) oder Westösterreich (7,7 %), wo die Bevölkerungsdichte niedriger ist. Auf den Punkt gebracht Hohe Energiekosten bei gleichzeitiger Armuts gefähr­ dung, die Nicht­Leistbarkeit von Energie, Zahlungs­ rückstände bei ihren Kosten sowie schlechte Wohn­ verhältnisse – all diese Sachverhalte fließen in den von Statistik Austria neu entwickelten Gesamt­ indikator für Energiearmut ein. Dass es gelungen ist, einen solchen Gesamtindikator zu erstellen, ver­ bessert die Datenlage deutlich. Es ist nun möglich, die konkrete Zahl der Haushalte anzugeben, die an Energie armut leiden, wobei Doppelzählungen aus­ geschlossen sind. Durch die kombinierte Betrachtung wird außerdem noch deutlicher, welche Gruppen vermehrt betroffen sind und wie sich die Zahl der energiearmen Haushalte im Zeitvergleich entwickelt. Welche Haushalte sind
besonders betroffen? Im Jahr 2024 waren insgesamt 12,5 % der Haushalte in Österreich von Energiearmut betroffen. Bei Haushalten mit niedrigem Ein­ kommen und/oder niedriger Erwerbsbeteiligung lag der Anteil deut­ lich höher: Betrachtet man nur die armutsgefährdeten Haushalte, lag der Anteil der Energiearmutsbetroffenen bei 45,8 %. Analysiert man das untere Einkommensfünftel (1. Quintil), sind 34,1 % der Haus­ halte durch Energiearmut belastet. 42,7 % der Haushalte ohne oder mit nahezu keiner Erwerbsbeteiligung (▶ Grafik 3), 42,1 % der Haus­ halte mit zumindest einer Person in Langzeitarbeitslosigkeit, 41,0 % der Working­ poor­Haushalte und 38,8 % jener mit der Hauptein­ nahme quelle aus Sozial­ oder Versicherungsleistungen (z. B. Kinder­ betreu ungs­, Arbeitslosen­ oder Pflegegeld) sind von Energie armut betroffen. Mit 31,1 % haben auch Haushalte mit einem niedrigen Bildungsabschluss (höchster Abschluss aller Personen im Haushalt Pflichtschule) ein hohes Risiko, von Energiearmut betroffen zu sein. Nach der Haushaltsstruktur betrachtet sind vor allem Ein­Eltern­ Haushalte mit einem Anteil von 25,0 %, Haushalte mit 3 oder mehr Kindern (21,9 %) oder Ein­Personen­Haushalte (17,3 %) stark über­ durchschnittlich durch Energiearmut belastet. Teilt man die Haus halte nach dem Geschlecht des Hauptverdienenden ein, sind Haus halte mit einer weiblichen Hauptverdienerin mit einem Anteil von 15,5 % deutlich häufiger betroffen als Haushalte mit männlichem Haupt­ verdiener (10,5 %). Nach dem Alter des ältesten Haushalts mitglieds gibt es dagegen keine wesentlichen Differenzen. Merkmale, die die Wohnsituation betreffen, können einen wesent­ lichen Einfluss auf den Energieverbrauch und die Betroffenheit von Grafik 3
Anteil der energiearmen Haushalte nach Erwerbsbeteiligung in Prozent

12,7 42,7 13,1 6,9 12,5 Niemand unter 65 bzw. Teil der Erwerbsbevölk. Keine / Nahezu keine Erwerbsbeteiligung Teilweise Erwerbs- beteiligung Volle Erwerbs- beteiligung Haushalte insgesamt Q: STATISTIK AUSTRIA, EU­SILC 2024. – Ausmaß der Erwerbstätigkeit der Haushaltsmitglieder im erwerbsfähigen Alter (18 bis 64 Jahre). WEITERFÜHRENDES Websites ▶ kea – Koordinierungs - stelle zur Bekämpfung von Energie armut ▶ kea Dashboard Energie armut 18 STATjournal 2 – 2026 Auf den Punkt gebracht  Energiearmut Glossar Äquivalisierung  Ausgaben und Einkommen von Haushalten werden häufig äquivalisiert, um die Beträge von Haushalten mit unterschiedlicher Zusammensetzung und Größe vergleichen zu können. Die Gewichtung wird auf Basis der sogenannten EU-Skala berechnet. Der Betrag wird dabei durch die Summe der Gewichte je Haushalt dividiert. Unterstellt wird, dass mit zunehmender Haus­ haltsgröße und abhängig vom Alter der Kinder eine Kostenerspar­ nis durch gemeinsames Wirtschaften erzielt wird (Skaleneffekte). Die erste erwachsene Person eines Haushalts erhält ein Gewicht von 1. Jede weitere erwachsene Person erhält ein Gewicht von 0,5 und Kinder unter 14 Jahren ein Gewicht von 0,3. EU-SILC  SILC steht für »Community Statistics on Income and Living Conditions« – auf Deutsch bedeutet das »Gemeinschaftsstatistiken zu Einkommen und Lebensbedingungen«. EU-SILC ist eine Erhebung über die Lebensbedingungen in der Europäischen Union. Seit 2003 nehmen auch Haushalte in Österreich an der SILC-Befragung teil. Ziele sind u. a., Lebensbedingungen zu erfassen, Armut sichtbar zu machen und Haushaltseinkommen über die Jahre hinweg zu be­ obachten. Die Kerninhalte der SILC-Befragung sind: Einkommen, Wohnen, ­Bildung, Gesundheit und Zufriedenheit. Haushalte ohne Personen unter 65 Jahren bzw. ohne Personen der Erwerbsbevölkerung  Diese Kategorie der Erwerbs­beteiligung umfasst Haushalte mit ausschließlich Personen, die keine Erwerbs­ beteiligung haben, entweder weil alle Haushaltsmitglieder über 64 Jahre alt oder nach der Hauptaktivität bzw. der Haupteinkom­ mensquelle bereits in Pension sind. Zusätzlich fallen in diese Kate­ gorie Personen bis 24 Jahre, die gemäß ihrer derzeitigen Haupt­ aktivität eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren. Haushalte mit keiner / nahezu keiner ­Erwerbsbeteiligung  Diese Kategorie summiert Haushalte mit Personen im erwerbs­ fähigen Alter, die keine oder eine sehr niedrige Erwerbsintensität aufweisen. Konkret gilt als solche eine Erwerbsintensität von weniger als 20 %, das entspricht in einem Einpersonenhaushalt einer ganz­ jährigen Erwerbstätigkeit von maximal 7 Stunden pro Woche. Haushalte mit teilweiser Erwerbsbeteiligung  Eine mittlere Er­ werbsintensität bedeutet mindestens 20 % und weniger als 85 % Er­ werbsintensität im Haushalt. Das entspricht in einem Einpersonen­ haushalt einer ganzjährigen Erwerbsbeteiligung von weniger als 30 Stunden pro Woche. Haushalte mit voller Erwerbsbeteiligung  Eine hohe Erwerbs­ intensität entspricht 85 % bis 100 % Erwerbsintensität im Haushalt, in einem Einpersonenhaushalt sind dies mindestens 30 Stunden pro Woche bei einer ganzjährigen Erwerbsbeteiligung. Mikrozensus  Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung, im Zuge derer pro Quartal etwa 22 500 zufällig ausgewählte Privathaus­ halte zu den Themen Erwerbstätigkeit und Wohnen befragt werden. Der Mikrozensus ist ein rotierendes Sample, wobei jeder Haus­ halt für insgesamt 5 Quartale in der Stichprobe bleibt; d. h., jedes Quartal scheiden jene Haushalte, die bereits zum 5. Mal befragt wurden, aus der Erhebung aus, und etwa 4 500 Haushalte kommen neu in die Stichprobe. Durch ihn sind aktuelle und international vergleichbare Informationen in den Bereichen Erwerbsstatistik und Wohnungsstatistik verfügbar und die wichtigsten Veränderungen der wirtschaftlichen und sozialen Lage der österreichischen Wohn­ bevölkerung können zeitnah festgestellt werden. Mikrozensus Energie  Der Energieverbrauch der privaten Haus­ halte wird alle 2 Jahre als Zusatzmodul zur Mikrozensus-­Wohnungs- und Arbeitskräfteerhebung erhoben. Die erhobenen Daten um­ fassen Informationen zum Energieverbrauch in Wohnräumen und von Kraftfahrzeugen sowie zu Sanierungen und Heizsystemen. Die Publikation der Daten erfolgt ebenfalls im Zweijahresrhythmus und betrifft jeweils den Zeitraum von Juli des Vorjahres bis Juni des Erhebungsjahres. Weiters fließen die Daten in die Energiebilanzen Österreichs und der Bundesländer ein. Literaturverzeichnis Energie-Control Austria (Wien 2013): ▶ »Energiearmut in Öster­ reich; Definitionen und Indikatoren«. Statistik Austria (Hg.) / Wegscheider-Pichler, A. (Wien 2025): ▶ »­Indikatoren für die Messung von Energiearmut 2025; Ergebnisse aus EU-SILC 2023 unter Berücksichtigung der Energieeffizienz­ richtlinie EED III«. Statistik Austria (Hg.) / Wegscheider-Pichler, A. / Lamei, N. / Gußen­ bauer, J. (Wien 2024): ▶ »Dimensionen der Energiearmut in Öster­ reich 2021/22; Indikatorenüberblick und detaillierte Betrachtung«.