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50 STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik  Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert ­Bezugsbevölkerung dabei durch eine frei wählbare, fiktive oder reale Bevölkerungsstruktur (Standard­ bevölkerung) ersetzt. Damit gilt für alle zu verglei­ chenden Zeitpunkte bzw. Regionen dieselbe Alters­ struktur der Bevölkerung. Die altersstandardisierten Raten können im Sinne eines Erkrankungs­risikos interpretiert werden, da sie die Häufigkeit von Neu­ erkrankungen auf eine einheitliche Bevölkerung beziehen. Dadurch spiegeln sie das Risiko wider, das bestünde, wenn alle Vergleichsgruppen die­ selbe Größe und Altersverteilung hätten. Die Raten sind nur im Vergleich interpretierbar, nicht jedoch in ihrer absoluten Höhe. Der Wert der Rate ist ab­ hängig von der verwendeten Standardbevölkerung. Je näher die Altersstruktur der gewählten Standard­ bevölkerung der Altersstruktur der tatsächlichen Bevölkerung ist, desto besser stimmt die alters­ standardisierte Rate mit der rohen Rate überein. Standardbevölkerungen in der Gesundheitsstatistik Derzeit sind im Bereich der Gesundheitsstatistik international drei verschiedene Standardbevölkerun­ gen in Gebrauch. Dies sind die Weltstandardbevöl­ kerung (WSP 1966, nach Segi und Doll [1]), die Euro­ päische Standardbevölkerung aus 1976 [2] und die Europäische Standardbevölkerung aus 2013 [3] (ESP 2013). Diese Standardbevölkerungen unterscheiden sich im Altersaufbau und geben damit ­verschiedenen Altersgruppen unterschiedliche Gewichte. Die ­Zahlen je Standardbevölkerung und die der normierten österreichischen Bevölkerung werden in ▶ Grafik 1 und der ▶ Webtabelle 1 gezeigt. Von ▶ Eurostat wurde im Jahr 2013 eine neue europäische Standardbevölkerung veröffentlicht. Vom ▶ Joint ­Research ­Centre der europäischen 1 Doll et al. (1966): »Cancer incidence in five continents« und Ahmad et al. (2001): »Age standardization of rates«. 2 Waterhouse et al. (1976): »Cancer incidence in five continents«. 3 European Commission (2013): »Revision of the European Standard Population«. Grafik 1 Standardbevölkerungen und die auf 100 000 Personen normierte österreichische Bevölkerung WSP 1966 ESP 1976 0 bis < 1 5 bis < 10 15 bis < 20 25 bis < 30 35 bis < 40 45 bis < 50 55 bis < 60 65 bis < 70 75 bis < 80 85 bis < 90 95 und älter ESP 2013 0 2 000 4 000 6 000 8 000 10 000 0 2 000 4 000 6 000 8 000 10 000 0 2 000 4 000 6 000 8 000 10 000 0 2 000 4 000 6 000 8 000 10 000 Normierte Bevölkerung Österreichs 0 bis < 1 5 bis < 10 15 bis < 20 25 bis < 30 35 bis < 40 45 bis < 50 55 bis < 60 65 bis < 70 75 bis < 80 85 bis < 90 95 und älter 0 bis < 1 5 bis < 10 15 bis < 20 25 bis < 30 35 bis < 40 45 bis < 50 55 bis < 60 65 bis < 70 75 bis < 80 85 bis < 90 95 und älter 0 bis < 1 5 bis < 10 15 bis < 20 25 bis < 30 35 bis < 40 45 bis < 50 55 bis < 60 65 bis < 70 75 bis < 80 85 bis < 90 95 und älter Q: STATISTIK AUSTRIA, Statistik des Bevölkerungsstandes. – Österreichische Wohnbevölkerung im Jahresdurch­ schnitt 2023, auf 100 000 Personen normiert. – Rundungsdifferenzen nicht ausgeglichen. Kommission wurde den europäischen Krebsregis­ tern empfohlen, diese ESP 2013 zu verwenden, um durch einen gemeinsamen Bevölkerungsstandard die Vergleichbarkeit der Daten zu erhöhen bzw. Fehlinterpretationen durch den Vergleich von Daten aus Berechnungen mit ­verschiedenen Standard­ bevölkerungen zu vermeiden. [4] Die ­europäische 4 Crocetti et al. (2016): »The need for a rapid and com­ prehensive adoption«.

51 STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik  Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Inzidenz von Gebärmutterhalskrebs bei 8,8 ­Fällen pro 100 000 Frauen für das Berichtsjahr 2023 (Stand: 10.01.2025). Die unterschiedlichen Werte sind unter ande­ rem auf die Wahl der Standardbevölkerung zurück­ zuführen. Aussagen zu tatsächlichen Unterschie­ den im Krankheitsgeschehen sind nur sinnvoll, wenn den verglichenen Daten dieselbe Standard­ bevölkerung zugrunde liegt. Während die WHO die WSP 1966 verwendet, publiziert Statistik Austria die Daten der Krebsinzidenz auf Basis der ESP 2013. Unter Verwendung der WSP 1966 liegt die Inzidenz von Gebärmutterhalskrebs für Österreich bei 6,0 pro 100 000 Frauen. [8] Dieses Beispiel verdeutlicht die Bedeutung der Normierungsgrundlage für eine korrekte Inter­ pretation und internationale Vergleichbarkeit. Datengrundlage Für die vorliegende Analyse wurden Daten aus dem, von Statistik Austria geführten, ▶ Öster­ reichischen Nationalen Krebsregister für die Diagnosejahre 2003 bis 2023 verwendet (Stand: 10.01.2025). Grundlage für die Registrierung und Klassifikation der Krebserkrankungen sind syste­ matische Meldungen zu Krebsbefunden aus den Krankenanstalten. Basierend auf gesetzlicher Grundlage werden im Österreichischen Nationa­ len Krebsregister Daten zu Krebserkrankungen für ganz Österreich erfasst und anschließend ausgewertet. Das Resultat steht der Öffentlich­ keit als Krebsstatistik zur Verfügung. Gesammelt werden Daten zu allen bösartigen Tumoren (in-situ und invasiv) der österreichi­ schen Wohnbevölkerung für alle Altersgruppen (bevölkerungsbezogenes Krebsregister). In die Standardanalysen zur Krebsstatistik werden die ­bösartigen, invasiven Tumoren mit Ausnahme der nicht melanotischen Hauttumoren einbezogen. Für die Krebsstatistik wird eine Vollzähligkeit von 8 MSD (2025): »HPV-Elimination in Österreich«. Plattform für Krebsregisterdaten ▶ European Cancer Information System (ECIS) verwendet die ESP 2013. Diese hat eine der österreichischen Wohnbevölke­ rung sehr ähnliche Altersstruktur. Internationaler Vergleich Aufgrund der unterschiedlichen verwendeten Standardbevölkerungen ist die Vergleichbarkeit der österreichischen Krebsstatistikdaten über den euro­ päischen Kontext hinaus nur nach Anpassung an eine internationale Standardbevölkerung gegeben. Die wichtigste weltweite Quelle für Krebsregister­ daten ist GLOBOCAN, das globale Krebsdatenprojekt der ▶ International Agency for Research on Cancer (IARC). Das Projekt liefert Schätzungen zur weltwei­ ten Krebsinzidenz und -mortalität für 36 Krebsarten und alle Krebsarten kombiniert in 185 Ländern, bereitgestellt über das ▶ ­Global ­Cancer Observa­ tory. Für die Berechnung der altersstandardisierten Inzidenz- und Mortalitäts­raten wird die WSP 1966 verwendet. Diese wurde erstmals 1960 von Segi et al. vorgeschlagen, [5] 1966 von Doll et al. modi­ fiziert [6] und ist z. B. in ▶ Cancer Incidence in Five Continents Volume X publiziert. Fallbeispiel Ein gutes Beispiel für die Bedeutung der ver­ wendeten Standardbevölkerung und die damit ver­ bundenen Auswirkungen auf die Höhe der Krebs­ inzidenzraten zeigt sich bei der HPV-assoziierten Krebsprävention: Die ▶ WHO [7] empfiehlt eine Zielinzidenz von maximal vier Fällen pro 100 000 Frauen für Gebär­ mutterhalskrebs. In Österreich liegt die auf der Website von ▶ Statistik Austria veröffentlichte 5 Segi (1960): »Cancer Mortality for Selected Sites in 24 Countries«. 6 Doll et al. (1966): »Cancer incidence in five continents«. 7 WHO (2020): »Global strategy to accelerate the elimination of cervical cancer as a public health problem«.

52STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Ergebnisse Die altersstandardisierten Krebsinzidenzraten waren unter Verwendung der ESP 2013 etwa dop- pelt so hoch wie unter Verwendung der WSP 1966. ▶ Grafik 2 rund 95 % geschätzt. [9] Die Bezugsbevölkerung für die Dokumentation der Krebsfälle ist die österrei- chische Wohnbevölkerung. Methode Für die Berechnung der altersstandardisierten Krebsinzidenzraten wurde für alle Berichtsjahre eine einheitliche, fiktive Altersstruktur verwendet. Dabei kamen zwei Varianten der Standardbevölke- rung zum Einsatz – die Weltstandardbevölkerung (WSP 1966) und die Europäische Standardbevölke- rung (ESP 2013). Zum Vergleich der Ergebnisse der Alters- standardisierung unter Verwendung zweier ver- schiedener Standardbevölkerungen wurden Änderungsfaktoren und Indexwerte berechnet. Als Änderungsfaktor wird der Quotient aus der altersstandardisierten Rate unter Verwendung der ESP 2013 und der altersstandardisierten Rate unter Verwendung der WSP 1966 bezeichnet. Ein Änderungsfaktor von 2 bedeutet, dass die altersstandardisierte Rate auf Basis der ESP 2013 doppelt so hoch ist wie auf Basis der WSP 1966. Für die Berechnung des Indexwertes wurde die alters standardisierte Rate des Ausgangspunktes der jeweiligen Zeitreihe (Berichtsjahr 2003) auf 100 gesetzt. Die Raten der folgenden Berichtsjahre wurden darauf bezogen. Ein Wert von 110 ent- spricht somit einer Zunahme der Rate um 10 % von 2003 zum jeweiligen Berichtsjahr. Ein Wert von 95 entspricht einem Rückgang von 5 % von 2003 zum jeweiligen Berichtsjahr. Das durchschnittliche Erkrankungsalter bei Diagnosestellung wurde in der Datenanalyse- Software SAS berechnet. 9 Hackl / Waldhör (2013): »Estimation of completeness of case ascertainment of Austrian cancer incidence data using the flow method«. Grafik 2
Einfluss der Standardbevölkerung auf die altersstandardisierten Krebsinzidenzraten im Jahresdurchschnitt von 2019 bis 2023 Überblick 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 Prostata (C61) Brust (C50) Lunge (C33 – C34) Darm (C18 – C21) Bauchspeicheldrüse (C25) Gebärmutterkörper (C54) Malignes Melanom (C43) Non-Hodgkin Lymphom (C82– C85, C96) Harnblase (C67) Niere (C64) Kopf, Hals (C00 – C14) Eierstock (C56) Leukämie (C91– C95) Magen (C16) Leber (C22) Schilddrüse (C73) Hoden (C62) Gebärmutterhals (C53) Gehirn (C70 – C72) Plasmozytom, Myelom (C90) Speiseröhre (C15) Kehlkopf (C32) Hodgkin Lymphom (C81) ESP 2013 WSP 1966 Männer Frauen ESP 2013 WSP 1966 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand: 10.01.2025) und Todesursachenstatistik. –
ESP 2013 = Europäische Standardbevölkerung 2013, WSP 1966 = Weltstandardbevölkerung 1966. 53STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Für Männer waren die Raten nach ESP 2013 für alle Malignome zusammen im Jahresdurch- schnitt von 2019 bis 2023 um das 2,2-fache höher als nach WSP 1966, für Frauen um das 1,9-fache. ▶ Tabellen 1 und 2 Der Änderungsfaktor ist im Zeitverlauf von 2003 bis 2023 sowohl für alle Malignome zusammen als auch für die einzelnen Tumorlokalisationen relativ stabil. Für die Tumorlokalisationen Harnblase, Bauchspeicheldrüse, Plasmozytom/Myelom, Leber, Prostata, Magen, Darm, Lunge und Speiseröhre lag der Änderungsfaktor zwischen 2,5 und 2,0 und damit über dem Wert für alle Malig- nome zusammen (2,0). Änderungsfaktoren knapp unter dem Wert für alle Malignome zusammen wurde für folgende Tumorlokalisationen beobach- tet: Kehlkopf, Non-Hodgkin Lymphom, Niere, Gebärmutterkörper, malignes Melanom, Eier- stock, Kopf/Hals, Leukämie und Brust. Deut- lich unter dem zweifachen Wert (1,5 bis 1,1) war der Änderungsfaktor bei den Tumorlokalisationen Gehirn, Gebärmutterhals, Schild drüse, Hodg- kin Lymphom und Hoden. Tabelle 1
Altersstandardisierte Krebsinzidenzraten im Jahresdurchschnitt 2019 bis 2023 nach Lokalisation Lokalisation (ICD-10) Altersstandardisierte Krebsinzidenzraten 2019 –2023 WSP 1966 ESP 2013 Männer u. Frauen Männer Frauen Männer u. Frauen Männer Frauen Alle Malignome (C00–C96, ohne C44) 242,2 270,3 220,1 491,4 582,2 421,4 Kopf, Hals (C00–C14) 7,6 11,3 4,1 14,3 21,7 7,9 Speiseröhre (C15) 2,4 4,0 0,9 5,1 8,7 2,0 Magen (C16) 6,0 8,1 4,1 13,5 18,7 9,2 Darm (C18–C21) 22,6 27,2 18,6 50,3 62,4 40,6 Leber (C22) 4,7 7,4 2,4 11,0 17,3 5,7 Bauchspeicheldrüse (C25) 8,7 10,0 7,6 21,1 24,1 18,7 Kehlkopf (C32) 1,8 3,1 0,6 3,5 6,4 1,0 Lunge (C33–C34) 25,5 30,5 21,2 55,6 68,6 45,0 Malignes Melanom (C43) 10,3 11,5 9,5 19,9 24,1 16,9 Brust (C50) 37,0 0,8 71,0 68,7 1,8 127,6 Gebärmutterhals (C53) . . 6,2 . . 8,8 Gebärmutterkörper (C54) . . 10,7 . . 20,8 Eierstock (C56) . . 7,4 . . 14,1 Prostata (C61) . 72,5 . . 165,5 . Hoden (C62) . 8,9 . . 9,7 . Niere (C64) 7,6 10,7 4,8 14,9 21,2 9,4 Harnblase (C67) 6,2 10,2 2,8 15,6 26,6 7,2 Gehirn (C70–C72) 5,5 6,2 4,8 8,3 9,7 7,1 Schilddrüse (C73) 7,3 4,4 10,3 9,9 6,3 13,5 Hodgkin Lymphom (C81) 1,9 2,1 1,7 2,1 2,4 1,9 Non-Hodgkin Lymphom (C82–C85, C96) 8,2 9,7 6,8 16,1 19,4 13,5 Plasmozytom, Myelom (C90) 2,5 3,1 2,0 5,9 7,3 4,7 Leukämie (C91–C95) 7,4 9,3 5,8 14,0 18,3 10,6 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand: 10.01.2025) und Todesursachenstatistik. – Anzahl maligner invasiver Tumoren inkl. Death Certificate Only-Falle (DCO-Fälle) auf 100 000 Personen. 54STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Der Einfluss der ESP 2013 auf die Höhe der Inzi- denzraten war nicht nur von der Tumorlokalisation, sondern auch vom Geschlecht abhängig. Für alle Malignome zusammen war der Änderungsfaktor bei Männern etwas höher als bei Frauen; für die meisten Tumorlokalisationen zeigen sich aber keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Auf Bundeslandebene waren keine Unterschie- de im Änderungsfaktor zu erkennen. Die einzelnen Werte liegen nur minimal über oder unter dem Österreichwert von 2,0. In ▶ Tabelle 3 werden die altersstandardisierten Raten für alle Malignome zusammen nach Bundesland gezeigt. Tabelle 2
Änderungfaktor zwischen WSP 1966 und ESP 2013 sowie durchschnittliches Erkrankungsalter nach Lokalisation Lokalisation (ICD-10) Durchschnittlicher Änderungsfaktor 2019–2023 Durchschnittliches Erkrankungsalter 2019–2023 Männer u. Frauen Männer Frauen Männer u. Frauen Männer Frauen Alle Malignome (C00–C96, ohne C44) 2,0 2,2 1,9 67,2 67,8 66,5 Kopf, Hals (C00–C14) 1,9 1,9 1,9 65,1 64,7 66,1 Speiseröhre (C15) 2,1 2,2 2,2 68,3 67,9 69,9 Magen (C16) 2,3 2,3 2,2 70,1 69,4 71,2 Darm (C18–C21) 2,2 2,3 2,2 69,7 69,2 70,3 Leber (C22) 2,3 2,3 2,3 70,9 70,3 72,2 Bauchspeicheldrüse (C25) 2,4 2,4 2,5 72,0 70,6 73,3 Kehlkopf (C32) 2,0 2,1 1,9 66,6 66,8 65,7 Lunge (C33–C34) 2,2 2,3 2,1 69,1 69,1 69,0 Malignes Melanom (C43) 1,9 2,1 1,8 65,4 66,5 64,2 Brust (C50) 1,9 2,3 1,8 64,1 69,0 64,0 Gebärmutterhals (C53) . . 1,4 . . 54,4 Gebärmutterkörper (C54) . . 1,9 . . 66,6 Eierstock (C56) . . 1,9 . . 66,2 Prostata (C61) . 2,3 . . 69,6 . Hoden (C62) . 1,1 . . 40,2 . Niere (C64) 2,0 2,0 2,0 66,2 65,3 67,9 Harnblase (C67) 2,5 2,6 2,5 72,9 72,5 74,1 Gehirn (C70–C72) 1,5 1,6 1,5 59,0 58,3 59,8 Schilddrüse (C73) 1,4 1,4 1,3 52,2 54,1 51,4 Hodgkin Lymphom (C81) 1,1 1,2 1,1 46,2 46,9 45,3 Non-Hodgkin Lymphom (C82–C85, C96) 2,0 2,0 2,0 66,8 65,7 68,1 Plasmozytom, Myelom (C90) 2,3 2,3 2,4 70,7 69,7 71,9 Leukämie (C91–C95) 1,9 2,0 1,8 66,9 66,3 67,7 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand: 10.01.2025) und Todesursachenstatistik. – Für die Berechnung des durchschnittlichen Erkrankungsalter bzw. des durchschnittlichen Änderungsfaktors werden alle malignen invasiven Tumoren inkl. DCO-Fälle berücksichtigt.
55STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Einfluss des Erkrankungsalters Die unterschiedliche Höhe des Änderungs- faktors je nach Tumorlokalisation wird durch das unterschiedliche durchschnittliche Erkrankungs- alter erklärt. Die ESP 2013 hat eine ältere Bevölke- rungsstruktur als die WSP 1966. Das bedeutet, dass bei der Berechnung der altersstandardisierten Rate durch Summierung der altersspezifischen Raten die älteren Altersgruppen höher gewichtet werden. ▶ Tabelle 2 zeigt den Zusammenhang zwischen der Höhe des Änderungsfaktors und dem durchschnitt- lichen Erkrankungsalter. Die Reihenfolge der Tumorlokalisationen, sor- tiert nach dem durchschnittlichen Erkrankungs- alter, war nahezu dieselbe wie die Reihenfolge nach der Höhe des Änderungsfaktors. Bei Harn- blasenkrebs ist die Auswirkung der verschiedenen Standard bevölkerungen am größten (Änderungs- faktor = 2,5), das durchschnittliche Erkrankungs- alter mit 73 Jahren ist ebenfalls bei dieser Loka- lisation am höchsten. Die Tumorlokalisationen Bauchspeichel drüse, Leber, Plasmozytom/ Myelom und Magen wiesen einen Änderungsfaktor Diskussion Altersstandardisierte Krebsinzidenzraten werden verwendet, um das Risiko für Krebsneuerkrankun- gen, unabhängig von der Bevölkerungsgröße und der Altersstruktur der Bevölkerung der jeweiligen Region, zu vergleichen. Sie sind allerdings nur im Verhältnis interpretierbar – nicht in ihrer absoluten Höhe. Beim Vergleich dieser Kennzahlen muss stets die verwendete Standardbevölkerung berücksich- tigt werden. Im Berichtsjahr 2023 betrug die alters- standardisierte Rate unter Verwendung der ESP 2013 etwa das Doppelte der Rate nach WSP 1966 (ESP 2013: 488,6 je 100 000 Personen, WSP 1966: 241,0 je 100 000 Personen). Die deutlichen Unter- schiede zwischen den beiden Krebsinzidenzraten sind nur durch die verschiedenen Standardbevölke- rungen bedingt und nicht im Sinne eines höheren bzw. niedrigeren Risikos zu interpretieren. Tabelle 3
Altersstandardisierte Krebsinzidenzraten nach Bundesland im Jahresdurchschnitt 2019 bis 2023 nach Lokalisation Region Altersstandardisierte Raten 2019–2023 WSP 1966 ESP 2013 Männer u. Frauen Männer Frauen Männer u. Frauen Männer Frauen Österreich 242,2 270,3 220,1 491,4 582,2 421,4 Burgenland 229,7 259,6 203,5 460,7 553,7 384,0 Kärnten 281,3 315,4 254,0 557,3 665,5 472,5 Oberösterreich 243,6 273,2 219,0 498,7 593,3 422,5 Niederösterreich 249,5 286,6 218,4 508,3 617,7 421,1 Salzburg 211,2 232,8 194,9 419,3 489,5 366,1 Steiermark 260,5 288,1 239,7 518,9 612,6 447,9 Tirol 266,9 297,4 242,1 526,3 620,7 450,5 Vorarlberg 242,7 269,4 220,2 490,7 575,8 421,3 Wien 210,6 226,2 201,4 440,9 505,5 399,1 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand: 10.01.2025) und Todesursachenstatistik. – Anzahl maligner invasiver
Tumoren inkl. Death Certificate Only-Fälle (DCO-Falle) auf 100 000 Personen. 56STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Zeitliche Entwicklung Die Inzidenzraten auf Basis der ESP 2013 für alle Malignome zusammen waren im Zeitverlauf von 2003 bis 2023 etwa doppelt so hoch wie die Inzidenzraten auf Basis der WSP 1966. Für alle Malignome zusammen wurde ein Indexwert der altersstandardisierten Raten berechnet, um die Auswirkung der Auswahl der unterschiedlichen Standardbevölkerungen im Zeitverlauf sichtbar zu machen. Die Entwicklung des Krankheitsrisikos wird bei beiden Standardbevölkerungen sehr ähn- lich abgebildet. ▶ Grafik 3 und ▶ Webtabelle 2 ▶ Grafik 4 und ▶ Webtabelle 3 von knapp über zwei und ein durchschnittliches Erkrankungsalter von mindestens 70 Jahren auf. Bei den Erkrankungen mit einem niedrigeren Durchschnittsalter wirkt sich der unterschied- liche Altersaufbau der Standardbevölkerungen weniger aus. Diese betreffen vor allem die Loka- lisationen Gehirn, Gebärmutterhals, Schild- drüse, Hodg kin Lymphom und Hoden mit einem durchschnittlichen Erkrankungsalter von unter 60 Jahren. Beim Hodgkin Lymphom und bei Hodenkrebs (durchschnittliches Erkran- kungsalter 46 bzw. 40 Jahre) hat die Wahl der Standardbevölkerung (ESP 2013 bzw. WSP 1966) nahezu keinen Einfluss auf die Höhe der alters- standardisierten Krebsinzidenzraten. Grafik 3
Index der altersstandardisierten Krebsinzidenzraten auf 100 000 Personen für alle Malignome insgesamt, 2003 = 100 0 20 40 60 80 100 120 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 ESP 2013 WSP 1966 Männer Frauen ESP 2013 WSP 1966 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand: 10.01.2025) und Todesursachenstatistik. 57STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Grafik 4a
Einfluss der Standardbevölkerung auf den Trend der altersstandardisierten Krebsinzidenzrate
sortiert nach Änderungsfaktor beider Geschlechter zusammen im Jahresdurchschnitt 2019–2023 0 10 20 30 40 50 60 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Harnblase (C67) | ÄF: 2,5 | EA: 72,9 0 5 10 15 20 25 30 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Bauchspeicheldrüse (C25) | ÄF: 2,4 | EA: 72,0 0 2 4 6 8 10 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Plasmozytom/Myelom (C90) | ÄF: 2,3 | EA: 70,7 0 5 10 15 20 25 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Leber (C22 ) | ÄF: 2,3 | EA: 70,9 0 50 100 150 200 250 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Prostata (C61) | ÄF: 2,3 | EA: 69,6 0 5 10 15 20 25 30 35 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Magen (C16) | ÄF: 2,3 | EA: 70,1 Frauen Altersstandardisierte Raten auf 100 000 Männer bzw. Frauen Standardbevölkerung: ESP 2013 WSP 1966 Männer Männer Frauen Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand: 10.01.2025) und Todesursachenstatistik. – ÄF = Änderungfaktor. – EA = durchschnittliches Erkrankungsalter 58STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Grafik 4b
Einfluss der Standardbevölkerung auf den Trend der altersstandardisierten Krebsinzidenzrate
sortiert nach Änderungsfaktor beider Geschlechter zusammen im Jahresdurchschnitt 2019–2023 0 200 400 600 800 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Malignome, insgesamt (C00−C96, ohne C44) | ÄF: 2,0 | EA: 67,2 0 20 40 60 80 100 120 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Darm (C18−C21) | ÄF: 2,2 | EA: 69,7 0 20 40 60 80 100 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Lunge (C33−C34) | ÄF 2,2 | EA: 69,1 0 2 4 6 8 10 12 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Speiseröhre (C15) | ÄF: 2,1 | EA: 68,3 0 2 4 6 8 10 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Kehlkopf (C32) | ÄF: 2,0 | EA: 66,6 0 5 10 15 20 25 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Non-Hodgkin Lymphom (C82−C85,C96) | 2,0 | EA: 66,8 Frauen Altersstandardisierte Raten auf 100 000 Männer bzw. Frauen Standardbevölkerung: ESP 2013 WSP 1966 Männer Männer Frauen Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand: 10.01.2025) und Todesursachenstatistik. – ÄF = Änderungfaktor. – EA = durchschnittliches Erkrankungsalter. 59STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Grafik 4c
Einfluss der Standardbevölkerung auf den Trend der altersstandardisierten Krebsinzidenzrate
sortiert nach Änderungsfaktor beider Geschlechter zusammen im Jahresdurchschnitt 2019–2023 0 6 12 18 24 30 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Niere (C64) | ÄF: 2,0 | EA: 66,2 0 6 12 18 24 30 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Gebärmutterkörper (C54) | ÄF: 1,9 | EA: 66,6 0 5 10 15 20 25 30 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Malignes Melanom (C43) | ÄF: 1,9 | EA: 65,4 0 5 10 15 20 25 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Eierstock (C56) | ÄF: 1,9 | EA: 66,2 0 5 10 15 20 25 30 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Kopf, Hals (C00−C14) | ÄF: 1,9 | EA: 65,1 0 5 10 15 20 25 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Leukämie (C91−C95) | ÄF 1,9 | EA: 66,9 Frauen Altersstandardisierte Raten auf 100 000 Männer bzw. Frauen Standardbevölkerung: ESP 2013 WSP 1966 Männer Männer Frauen Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand: 10.01.2025) und Todesursachenstatistik. – ÄF = Änderungfaktor. – EA = durchschnittliches Erkrankungsalter 60STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Grafik 4d
Einfluss der Standardbevölkerung auf den Trend der altersstandardisierten Krebsinzidenzrate
sortiert nach Änderungsfaktor beider Geschlechter zusammen im Jahresdurchschnitt 2019–2023 0 40 80 120 160 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Brust (C50) | ÄF: 1,9 | EA: 64,1 0 2 4 6 8 10 12 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Gehirn (C70−C72) | ÄF: 1,5 | EA: 59,0 0 4 8 12 16 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Gebärmutterhals (C53) | ÄF: 1,4 | EA: 54,4 0 3 6 9 12 15 18 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Schilddrüse (C73) | ÄF: 1,4 | EA: 52,2 0 1 2 3 4 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Hodgkin Lymphom (C81) | ÄF: 1,1 | EA: 46,2 0 2 4 6 8 10 12 2003 2005 2007 2009 2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 Hoden (C62) | ÄF: 1,1 | EA: 40,2 Frauen Altersstandardisierte Raten auf 100 000 Männer bzw. Frauen Standardbevölkerung: ESP 2013 WSP 1966 Männer Männer Frauen Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand: 10.01.2025) und Todesursachenstatistik. – ÄF = Änderungfaktor. – EA = durchschnittliches Erkrankungsalter. 61STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Crocetti, E. / Dyba, T . / Martos, C. / Randi, G. / Rooney, R. / Bettio, M. (2016): ▶ »The need for a rapid and comprehensive adoption of the revised European standard population in cancer inci- dence comparisons«, in »European Journal of Cancer Prevention« Jg. 26, H. 5, S. 447– 452. Doll, R. / Payne, P . / Waterhouse, J. A. H. (Hg.) / Union Internationale Contre le Cancer (Genf 1966): »Cancer incidence in five continents«, Vol. I. Ellison, L. (2016): ▶ »Updating the standard population and its effect on cancer incidence and mortality rates«, in: Statistics Canada: »Health at a Glance« Nr. 82-624-X. European Commission (Luxembourg 2013): » ▶ Revision of the European Standard Popula- tion; Report of Eurostat’s task force«. Segi, M. / Tohoku University School of Public Health ( Sendai 1960): »Cancer Mortality for Selected Sites in 24 Countries (1950 –1957)«. Forman, D. / Bray, F. / Brewster, D. H. / Gombe Mbalawa, C. / Kohler, B. / Piñeros, M. / Steliarova- Foucher, E. / Swaminathan, R. / Ferlay, J. (2014):
▶ »Cancer Incidence in Five Continents«, Volume X. IARC Scientific Publication Nr. 164. Hackl, M. / Waldhör, T . (2013): ▶ »Estimation of completeness of case ascertainment of Austrian cancer incidence data using the flow method«, in »European Journal of Public Health« Jg. 23, H. 5, S. 889 – 893. MSD Österreich (2025): » ▶ HPV-Elimination in Österreich; 16 Handlungsvorschläge für den besseren Umgang mit HPV«. Fazit Zusammenfassend wird festgehalten, dass die grundlegenden deskriptiven Aussagen der österreichischen Krebsinzidenzraten von der Ver- wendung der gewählten Standardbevölkerung (ESP 2013 bzw. WSP 1966 ) unabhängig sind. Die Verwendung der ESP 2013 führt de facto nur zu einer Niveau verschiebung der Krebsinzidenzraten. Der Faktor der Niveauverschiebung hängt stark von den Erkrankungshäufigkeiten in den einzel- nen Altersgruppen und damit vom durchschnitt- lichen Erkrankungsalter ab. Diese Ergebnisse entsprechen auch den Ergebnissen internationaler Untersuchungen. [10]
Es ist zu beachten, dass die Darstellung der altersstandardisierten Inzidenzrate in den Publika- tionen von Statistik Austria rein deskriptiv erfolgt. Daher wurde auch in diesem Artikel auf die Analy- se von Trendänderungen unter Verwendung eines linearen Modells verzichtet. Literaturverzeichnis Ahmad, O. B. / Boschi-Pinto, C. / Lopez, A. D. / Murray, C. JL / Lozano, R. / Inoueet, M. (2001): »Age standardization of rates; A new WHO standard«, in: World Health Organization: »GPE zDiscussion Paper Series« Nr. 31. Bray, F. / Guilloux, A. / Sankila, R. / Parkin, D. M. (2002): »Practical implications of imposing a new world standard population«, in: »Cancer Causes Control« Jg. 13, H. 3, S. 175 –182. 10 European Commission (2013): »Revision of the European Standard Population«, Crocetti et al. (2016): »The need for a rapid and comprehensive adoption«, Bray et al. (2002): »Practical implications of imposing a new world standard population« sowie Ellison (2016): »Updating the standard population and its effect on cancer incidence and mortal- ity rates«. WEITERFÜHRENDES STATergebnisse ▶ Bevölkerung im Jahres- durchschnitt ▶ Krebserkrankungen Standard-Dokumentationen ▶ Statistik des Bevölkerungs- standes ▶ Krebsstatistik 62 STATjournal 6 – 2025 Krebsstatistik  Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Glossar Altersstandardisierte Rate  Dabei handelt es sich um eine durch Altersstandardisierung ­erzeugte Rate. Die standardisierte Rate gibt an, wie viele Erkrankungs- bzw. Sterbefälle aufgrund der jeweils herrschenden Gesundheitsverhält­ nisse auf 100 000 Personen entfallen wären, wenn der Altersaufbau der Bevölkerung (gleichen Geschlechts) in der betreffenden Berichtsperiode dem der Standardbevölkerung entsprochen hätte. Der vergleichsstörende Einfluss der Besonder­ heiten des jeweiligen Altersaufbaues ist dadurch ausgeschaltet. ESP  Die Abkürzung steht für europäische Stan­ dardbevölkerung (european standard population). Death Certificate Only-Fall (DCO-Fall)  Wenn eine Krebserkrankung nicht im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Krebsregister­ meldung an das Krebsregister gemeldet wurde, die Person an der Erkrankung verstarb und diese Erkrankung auf dem amtlichen Totenschein ver­ merkt wurde, wird eine Ersatzmeldung angelegt (Death Certificate Notified, DCN-Fall). Darüber hinaus erfolgt eine Kontaktaufnahme mit der Krankenanstalt, die den Totenschein ausgestellt hat. Kann auf diesem Weg weitere Information zu dem Krebsfall gewonnen werden (z. B. Diagnose­ datum, Morphologie, Tumorstadium bei Diagnose­ stellung), wird die Ersatzmeldung durch eine regu­ läre Krebsregistermeldung abgelöst. Kann keine weitere Information ermittelt werden, geht die Ersatzmeldung als DCO-Fall mit unvollständigen Informationen in die Krebsstatistik ein. Waterhouse, J. A. H. / Muir. C. S. / Correa, P. / Powell, J. (Hg.) (Lyon 1976): »Cancer incidence in five continents«, Vol 3. IARC Scientific Publica­ tion Nr. 15. World Health Organization (Genf 2020): ▶ »Global strategy to accelerate the elimination of cervical cancer as a public health problem«. ICD-10 (International Classification of Diseases, 10th revision / Internationale statistische Klassi­ fikation der Krankheiten und verwandter Gesund­heitsprobleme, 10. Revision)  Die ICD ist als eine Systematik von Krankheitsgruppen definiert, der Krankheitsbilder nach feststehen­ den Kriterien zugeordnet werden. Zweck der ICD ist das Ermöglichen von systematischen Auf­ zeichnungen, Analysen, Interpretationen und Vergleichen der Mortalitäts- und Morbiditätsdaten verschiedener Länder, Gebiete und Zeiträume. Inzidenz  Die Krebsinzidenz gibt die Anzahl der Neuerkrankungen an bösartigen Neubildungen pro Kalenderjahr, einschließlich der Sterbefälle an Krebs, die zuvor nicht dem Krebsregister ge­ meldet wurden (DCO-Fälle), an. Fälle an »nicht- melanotischen Hautkrebsen« sowie Carcinoma- in-situ-Fälle (also Karzinome im Vorstadium) gehen nicht in die Ergebnistabellen ein. Mortalität  Die Krebssterblichkeit bezeichnet die Häufigkeit von Sterbefällen innerhalb einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, eines be­ stimmten Zeitraums oder bezogen auf eine be­ stimmte Todesursache. Quotient  Ein Quotient ist das Ergebnis einer Division, also die Zahl, die man erhält, wenn man eine Zahl (Dividend) durch eine andere Zahl (Divisor) teilt. WSP  Die Abkürzung steht für Weltbevölkerung (world standard population). Standardbevölkerung  Eine Standard­ bevölkerung ist eine fiktive, festgelegte Alters­ struktur, die zur Altersstandardisierung von Gesundheitskennzahlen wie Inzidenz- oder Mortalitätsraten verwendet wird. Sie ermöglicht den Vergleich von Raten zwischen Populationen mit unterschiedlicher Altersverteilung oder über Zeiträume hinweg. Durch die Anwendung einer Standardbevölkerung werden altersbedingte Unterschiede in der Krankheitslast ausgeglichen, sodass Unterschiede in den Raten nicht durch demographische Effekte verzerrt werden.