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40STATjournal 6 – 2025 »Willst du mit mir gehen?« lautet der Slogan der Initiative ▶ »Österreich zu Fuß« des Bundes­ ministeriums für Innovation, Mobilität und Infra­ struktur (▶ BMIMI ). Die Initiative setzt sich für mehr Mobilität zu Fuß in Städten und Gemeinden ein. In der örtlichen Raumplanung gibt es unter­ schiedliche Konzepte, die sich mit der Planung von kurzen Wegen in der Nachbarschaft beschäfti­ gen: etwa die ▶ 15-Minuten-Stadt, [1] ▶ Compact Cities [2] oder auch der ▶ kommunale Wohnbau im Roten Wien. Auch im ländlichen Raum werden Konzepte zur Wieder belebung von Ortskernen und kompakter Orts planung entwickelt, um attraktive und kurze Fußwege für die Bevölkerung zu bieten (u. a. ▶ »Innen vor Außen«, oder ▶ »Leerstand mit Aussicht«). 1 Pozoukidou / Chatziyiannaki (2021): »15­Minute City«. 2 Abdullahi et al. (2015): »GIS­based modeling for the spatial measurement«. Darüber hinaus gibt es in Österreich Studien und Initiativen zur gemeinde­ und bundesländer­ übergreifenden Raumplanung, zur Stärkung regio­ naler Zentren und zum Entgegenwirken von Zer­ siedlung und Flächenverbrauch. [3] Alle Konzepte verfolgen das gleiche Ziel: Städte und Gemeinden inklusiver, lebenswerter, effizienter und ökologi­ scher zu gestalten und dabei kurze Wege zu wichti­ gen Einrichtungen zu berücksichtigen. Doch wohin kann man in den jeweiligen öster­ reichischen Gemeinden überall zu Fuß gehen? Sind Einkaufsmöglichkeiten, Bildungs­ und Gesundheits­ einrichtungen fußläufig erreichbar? Diese Fragen stehen im Fokus des folgenden Beitrags. Dafür wurden die Distanzen von den Wohngebäuden zu den jeweiligen Einrichtungen berechnet und ein Median pro Gemeinde ausgegeben. Die Datengrund­ lage bildet hierbei die Registerzählung 2021. 3 Beispielsweise ÖROK 2024: ▶ »17. Raumordnungs- bericht«, sowie PGO (2024): ▶ »Monitoring Siedlungs- entwicklung in der Stadtregion+ 2023«. Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen Wie weit ist der nächste Arzt, das nächste Geschäft oder die Schule zu Fuß entfernt? Dieser Beitrag untersucht, wie gut Österreichs Gemeinden fußläufig zu wichtigen Ein­ richtungen der Nahversorgung, Bildung und Gesundheit erschlossen sind. Auf Basis der Registerzählung 2021 wurden die Distanzen zwischen Wohngebäuden und diesen Einrichtungen berechnet und pro Gemeinde dargestellt. Die Ergebnisse zeigen nicht nur deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land, sondern charakterisieren auch einige Gemeinden außerhalb der Ballungsräume, in denen zentrale Einrichtungen besonders gut fußläufig erreichbar sind. Bernhard Hoser Ewald Strasser Katrin Schöber
bei Statistik Austria tätig bis Juni 2025 Maria Wurster

41 STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in ­Österreichs Gemeinden  Eine Analyse von Gehdistanzen deren Schulbesuch mit der Berufstätigkeit der Eltern kollidieren kann. Damit ist dieser Bereich aus Sicht einer »Stadt der kurzen Wege« besonders relevant. Zwar kann die Schulpflicht auch an Unterstufen­ gymnasien erfüllt werden; diese unterliegen jedoch häufig Zugangsbeschränkungen und befinden sich überwiegend in urbanen Räumen, die bereits eine gute Abdeckung durch Mittelschulen und Polytech­ nische Lehrgänge aufweisen. Ihr Ausschluss führte daher nicht zu einer Verzerrung, sondern erhöhte vielmehr die Trennschärfe der Kategorie. Zur Validierung wurde die vom Bundes­minis­ terium für Bildung (▶ BMB ) vergebene Schul­ kenn­zahl, die auch den Schultyp kennzeichnet, heran­gezogen. Ziel war es, systematische und quantitativ relevante Abweichungen zwischen ÖNACE-­Zuordnung und Schulkennzahl aufzu­decken. Eine eingehende Prüfung ergab jedoch keine sys­ tematischen Abweichungen. Gesundheit Im Bereich Gesundheit wurden Kranken­ häuser (Q 86100) und Arztpraxen für Allgemein­ medizin (Q 86210) berücksichtigt. Alltägliche Anliegen können in der Regel durch Hausärzt:innen abgedeckt werden; bei Nicht-Erreichbarkeit steht im Bedarfsfall ein Krankenhaus zur Verfügung. Die ÖNACE-basierten Informationen zu Kran­ kenhäusern wurden zusätzlich mit der Liste der österreichischen Krankenanstalten des Bundes­ ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (▶ BMASGPK ) abgeglichen. Da eine sehr hohe Übereinstimmung bestand, wurde für die weitere Analyse ausschließ­ lich auf die ÖNACE-­basierten Daten aus der Arbeits­ stättenzählung zurückgegriffen. Methodischer Hintergrund Die Auswahl der Analysekategorien basierte sowohl auf praktischen als auch auf theoretischen Überlegungen. Auf theoretischer Ebene wurden verschiedene Lebensbereiche berücksichtigt, die für das Konzept der »Stadt der kurzen Wege« [4] von Bedeutung sind. Gleichzeitig schränkte die zu­ grunde liegende Datenbasis die Auswahl ein oder hätte in einzelnen Bereichen zu wenig reliablen Ergebnissen geführt. Für die Berechnung der mittleren Distanzen (Median) wurden zwei Datenquellen von Statistik Austria kombiniert. Aus der jährlichen ­Gebäude- und Wohnungszählung wurden die Standort­ adressen der Wohngebäude genommen. Für die Lokalisierung der Infrastruktureinrichtungen wurde das Endergebnis der ebenfalls jährlich durchgeführten Arbeitsstättenzählung mit ihren Arbeitsstättenadressen herangezogen. Unter den potenziell relevanten Lebensbereichen wurden Bildung, Gesundheit und Nahversorgung aus­ gewählt, da sie einerseits zentral für das Konzept sind und sich andererseits gut operationalisie­ ren lassen. Die Zuordnung erfolgte anhand der ▶ ÖNACE-Klassifikation. [5]
Bildung Im Rahmen der Analyse wurde die ÖNACE- Klassifikation der jeweiligen Arbeitsstätte heran­ gezogen, wobei ausschließlich die Haupttätigkeit berücksichtigt wurde. Im Bereich Bildung wurden ausschließlich Volksschulen (P 85200) sowie Mittelschulen und Polytechnische Lehrgänge (P 85311) einbezogen. Diese Auswahl wurde ge­­ troffen, weil diese Schulformen eng mit der gesetz­ lichen Schulpflicht in Österreich verbunden sind und sich auf minderjährige Kinder konzentrieren, 4 Bukow et al. (2023): »(Re-) Konstruktion«. 5 Österreichische Systematik der Wirtschaftstätigkeiten; ÖNACE 2008.

42STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen Geodaten in ein gemeinsames Koordinatensystem zu überführen. Diese Berechnung nennt man »Pro- jektion« und sie stellt sicher, dass alle räumlichen Informationen im selben Bezugssystem vorliegen und miteinander verglichen werden können. Ergebnisse Die Entfernungen zu einzelnen Einrichtun­ gen wurden aus praktischen und anschaulichen Gründen in Kategorien unterteilt. Die gewählten Kategorien orientieren sich sowohl an den in der einschlägigen Literatur üblichen Distanzgrenzen [6]
als auch an offensichtlichen praktischen Über­ legungen. Eine Strecke von 500 m dauert zu Fuß ungefähr 10 min. 1 000 m stellen einen Fußweg von ca. 20 min dar, und bei 2 000 m sind 40 min einzurechnen, wobei diese Strecke auch mit dem Fahrrad in 15 min gefahren werden kann. In den im Folgenden abgebildeten Österreichkarten wurden daher diese Distanzklassen herangezogen. Zur Ver­ feinerung wurde die Grenze von 3 000 m ergänzt. 6 Richter et al. (2016): »Analyse von Wegdistanzen in Städten«. Nahversorgung Die Kategorie Nahversorgung umfasst verschie­ dene Einzelhandelsformen mit dem Schwerpunkt Lebensmittel: ● mit Waren verschiedener Art – vorrangig Nahrungs­ und Genussmittel, Getränke und Tabakwaren (G 47110) ● mit Obst, Gemüse und Kartoffeln (G 47210) ● mit Fleisch und Fleischwaren (G 47220) ● mit Fisch und Meeresfrüchten (G 47230) ● mit Back­ und Süßwaren (G 47240) Im Gegensatz zum selektiv eingegrenzten Bildungs­ bereich, wurde die Nahversorgung breiter gefasst. Schon eine teilweise wohnortnahe Verfügbarkeit von Produkten des täglichen Bedarfs kann die sub­ jektive Lebensqualität spürbar erhöhen. Distanzberechnung Nach der Definition und Operationalisierung der Kategorien wurde für jedes Wohnhaus in jeder Gemeinde die minimale Distanz zu einer rele­ vanten Einrichtung berechnet. Dazu wurden die Ko ordinaten von Gebäuden und Einrichtungen in ein gemeinsames Bezugssystem projiziert, an­ schließend die Luftlinienentfernung zu sämtlichen Einrichtungen einer Kategorie ermittelt und der jeweilige Minimalwert pro Wohnhaus gespeichert. INF0   Im Gebäude- und Wohnungsregister (▶ GWR ) wird die Lageinformation von Gebäuden als Koordinate, definiert durch Rechts- und Hochwert, gespeichert. Durch diese beiden Werte ist eine genaue Verortung eines Punktes auf der Erdoberfläche möglich. In Österreich beziehen sich diese Koordinaten auf das Bundesmeldenetz (BMN) des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen (▶ BEV ), das das österreichische Bundesgebiet in mehrere Meridian- streifen unterteilt. Um die Koordinaten aus dem GWR mit anderen Lagekoordinaten auswerten und Entfernungen korrekt berechnen zu können, ist es notwendig, alle Karte 1
Gesundheitseinrichtungen Distanz in Meter Eisenstadt Klagenfurt St.PöltenLinz Salzburg Graz Innsbruck Bregenz Wien 0 50 25 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021. 43STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen Gesundheitseinrichtungen ▶ Karte 1 zeigt, wie weit Wohngebiete von Gesund heitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Arztpraxen für Allgemeinmedizin entfernt sind. Für jede Gemeinde wurde dafür ein Median be­ rechnet. Die Karte veranschaulicht, dass Wien und die Landes hauptstädte (im Folgenden kurz »Haupt­ städte«) eine gute gesundheitliche Versorgung inner halb kurzer Distanzen bieten. Überall beträgt der Median bis 500 m. Auch manche Gemeinden, die im Umland von Hauptstädten liegen, wie z. B. Kor neu burg, Leonding und Völs, zeigen kurze Wege (bis 500 m) zu gesundheitlichen Einrichtun­ gen. Grundsätzlich zeichnen sich die meisten Ge­ meinden Österreichs durch eine gute Infrastruktur bezüglich Allgemeinmedizin bzw. Krankenhäuser aus: Einrichtungen der Gesundheitsversorgung sind im Mittel innerhalb von 2 000 m erreichbar. Nahversorgung Ein ähnliches Bild ist auch bei der Nahver­ sorgung in ▶ Karte 2 zu sehen. Die Hauptstädte zeigen auch hier wieder einen Median bis 500 m. Die Gemeinden im Einzugsbereich der Hauptstädte verhalten sich wie die meisten anderen Gemeinden im ländlichen Bereich und weisen einen Median bis 2 000 m auf. Eine Ausnahme bilden einige Ge­ meinden im Burgenland wie Illmitz, Pamhagen und Parndorf, mit geringeren Distanzen bis 500 m. Pflichtschulen Anders verhält es sich bei den Distanzen von Wohnhäusern zu Bildungseinrichtungen. Hierbei wurden nur Bildungseinrichtungen der allgemein­ bildenden Pflichtschulen ausgewählt. Wie aus ▶ Karte 3 hervorgeht, haben Bewohner:innen in Bregenz, Innsbruck und Wien im Durchschnitt auch hier geringe Distanzen bis 500 m zurückzulegen. In den Hauptstädten Klagenfurt, Linz und Salzburg Karte 2
Nahversorgung Distanz in Meter Eisenstadt Klagenfurt St.PöltenLinz Salzburg Graz Innsbruck Bregenz Wien 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 0 50 25 km Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021. Karte 3
Pflichtschulen Distanz in Meter Eisenstadt Klagenfurt St.PöltenLinz Salzburg Graz Innsbruck Bregenz Wien 0 50 25 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021. sind von der Wohnung bis zur Bildungseinrichtung Distanzen bis 1 000 m zu überwinden, während die Stadt Graz eine mittlere Distanz bis 2 000 m auf­ weist und das Bundesland Burgenland sogar einen Median von über 2 000 m hat. Hierbei ähnelt das Burgenland den meisten Gemeinden in Österreich. 44STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen an den Nachbarstaat Slowenien angrenzen, sind beim zusammengefassten Indikator Distanzen über 3 000 m zu sehen. Die Österreichkarte zeigt aber auch ländliche Gemeinden, die ähnlich kurze Gehdistanzen wie die Haupt städte bieten. So sind in den Tourismusgebieten von Tirol und Salzburg ebenfalls Gemeinden vorhanden, die Distanzen bis zu 500 m bzw. 1 000 m aufweisen. Auffällig ist, dass im westlichen Oberösterreich gelegene Gemein­ den sowohl im Pflichtschulbereich als auch bei Gesundheit und Nah versorgung eine Distanz bis 500 m aufweisen. Kombinierte Indikatoren ▶ Karte 4 kombiniert die jeweils drei berechne­ ten Mediane zu Gesundheitsversorgung, Nahver­ sorgung und Pflichtschulen zu einem Indikator. Die Grafik verdeutlicht, dass kurze Wege, wie zu erwar­ ten, vor allem in den Hauptstädten und deren Umgebung zu finden sind. Je weiter die Gemein­ den von der Hauptstadt entfernt sind, umso länger werden die Distanzen. So weisen etwa Waldviertler Gemeinden im Mittel sehr weite Fußwege von 3 000 m oder mehr auf. Auch bei Gemeinden, die Karte 4
Kombinierte Indikatoren Distanz in Meter 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 Wien Eisenstadt Klagenfurt St.Pölten Linz Salzburg Graz Innsbruck Bregenz Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021. 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 Kaprun (Sbg.) Mannersdorf
am Leithagebirge (NÖ) Kalwang (Stmk.) Aspach und Nachbar- gemeinden (OÖ) 45STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen Mannersdorf am Leithagebirge Die rund 4 250 Einwohner:in­ nen zählende Stadtgemeinde Manners dorf am Leithagebirge ist ein Beispiel für gute Fußläufigkeit in Bezug auf die untersuchten Einrichtungen. Die in Bruck an der Leitha gelegene Gemeinde hat von den vier be­ schriebenen mit 78 % den höchsten Anteil an Aus­ pendler:innen [7] (Österreich: 54 %). In Mannersdorf leben 238 Menschen pro Quadratkilometer Dauer­ siedlungsraum; die Stadt liegt damit im oberen Mittel­ feld der ausgewählten Gemeinden. Sie verfügt über eine Volksschule und eine Mittelschule sowie eine Reihe von niedergelassenen Ärzt:innen. ▶ Tabelle Nahversorgung und Gesundheitseinrichtungen sind in Mannersdorf innerhalb von 500 m erreich­ bar, Pflichtschulen innerhalb von 1 000 m. Ähnlich kurze Fußwege können die unmittelbaren Nachbar­ gemeinden nicht bieten, sehr wohl aber solche in der benachbarten Region, konkret Mörbisch und Neu­ siedl am See, die schon zum Burgenland gehören. 7 Anteil der Auspendler:innen an den aktiv Erwerbstätigen am Wohnort. Fallbeispiele:
Gemeinden im Fokus ▶ Karte 4 zeigt nach den drei Indikatoren Pflicht­ schulen, Nahversorgung und Gesundheitsversor­ gung besonders gut ausgestattete Gemeinden bzw. Gruppen von benachbarten Gemeinden. Im Folgen­ den werden bewusst vier Gemeinden näher be­ schrieben, die nicht in einem Ballungsraum liegen. Bei diesen Beispielen mit kurzen Wegen zu Ver­ sorgungseinrichtungen handelt es sich um recht unterschiedliche Markt­ und Stadtgemeinden. Die Auswahl soll die Vielseitigkeit der österreichischen Gemeinden mit kurzen Wegen zu Einrichtungen der Grundversorgung verdeutlichen. Es gibt je­ doch noch eine ganze Reihe weiterer Gemeinden in Österreich, die ähnlich kurze Wege bieten. Rückschlüsse auf Faktoren, die eine Gemeinde mit kurzen Wegen ausmacht, sind durch die Aus­ wertung nicht bzw. nur sehr bedingt möglich. Darüber hinaus gibt diese Auswertung keine Aus­ kunft über die Qualität der Fußwege bzw. die Art der Versorgungseinrichtungen. Tabelle
Ausgewählte Merkmale der beschriebenen Gemeinden 2021 Merkmal Mannersdorf am
Leithagebirge (30716) Aspach (40402) Kalwang (61105) Kaprun (50606) Bevölkerungsstand (31.10.2021) 4 150 2 591 957 3 085 Anteil der Personen unter 15 Jahren in % 15 16 11 12 Wohnbevölkerung je km2 Dauersiedlungsraum 238 98 159 312 Wohnbevölkerung je km2 Katasterfläche 139 82 14 31 Anteil des Dauersiedlungsraums an Katasterfläche in % 58 84 9 10 Nebenwohnsitzrate in % 16 8 16 33 Arbeitsstätten 276 249 68 413 Arbeitsstätten auf 100 Einwohner:innen 7 10 7 13 Anteil der Arbeitsstätten in Beherbergung und Gastronomie1 in % 6 3 6 33 Beschäftigte 1 090 990 522 2 667 Beschäftigte auf 100 Einwohner:innen 26 38 55 86 Anteil der Beschäftigten in Beherbergung und Gastronomie1 in % 4 4 3 35 Anteil der Auspendler:innen an den aktiv Erwerbstätigen am Wohnort in % 78 70 56 43 Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021; Blick auf die Gemeinde.

  1. Abschnitt I der ÖNACE 2008. 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 46STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen und der andere im Bezirk Ried im Innkreis befindet, weisen hinsichtlich der drei untersuchten Indikato­ ren eine gute Versorgung auf. Die Gemeinden Eitzing und Aurolzmünster bilden auf der ▶ Karte eine Brücke zur Bezirkshauptstadt Ried im Innkreis, die 2021 rund 12 400 Einwohner:innen hatte. Aspach und seine Nachbarn bilden keinen gemeinsamen Siedlungsraum, wie etwa die zusam­ mengewachsenen Gemeinden südlich von Wien. Sie können auch nicht zur Agglomeration Ried im Innkreis gezählt werden. So ist es umso bemer­ kenswerter, dass sie in der Analyse in die oberste Kategorie (bis 500 Meter) fallen. Gemeinsam hatten die elf zusammenliegenden Gemeinden 2021 rund 13 700 Einwohner:innen, wobei Aspach mit 2 591 (2025: 2 650) knapp vor Mettmach und Lohnsburg am Kobernaußerwald die größte ist. [9]
    Aspach verfügt über eine Volks­ und eine Mittel­ schule sowie ein Ärzt:innen­ und ein Rehabilita­ tionszentrum. Der Anteil der Auspendler:innen liegt mit 70 % weit über dem österreichischen Durch­ schnitt von 54 %. Der Anteil an Nebenwohnsitzen ist mit 8 % dagegen eher niedrig. Die Gemeinde ist die am dünnsten besiedelte in der Auswahl: Auf einem Quadratkilometer Dauersiedlungsfläche leben im Durchschnitt 98 Menschen. Trotzdem bietet Aspach sehr kurze Wege zu den drei aus­ gewerteten Versorgungstypen. ▶ Tabelle Aspach und die umliegenden Gemeinden fallen bei allen drei Indikatoren in die oberste Kategorie (bis 500 Meter). In Bezug auf die Nahversorgung und insbesondere die Gesundheitsversorgung gesellen sich noch weitere benachbarte Gemeinden dazu. Bei den Pflichtschulen bildet Aspach gemeinsam mit Mettmach, Kirchheim im Innkreis, Wippenham und Gurten einen Kern mit guter fußläufiger Ver­ sorgung. Ob diese Gruppe eine Zentrumsfunktion für die weiter umliegenden Gemeinden einnimmt, kann aus dieser Betrachtung nicht geklärt werden. 9 Aurolzmünster (größer als Aspach) wurde ausgenommen, da es zum Einzugsgebiet von Ried gehört und der Artikel Gemeinden außerhalb von Ballungsräumen behandelt. Kalwang Die Marktgemeinde Kalwang im politischen Bezirk Leoben in der Steiermark ist – nach den drei untersuchten Kriterien – eben­ falls ein gutes Beispiel einer Gemeinde der kurzen Wege. Nahversorger und Gesundheitseinrichtungen sind im Mittel ( Median) für die Bevölkerung inner­ halb von 500 m erreichbar; eine Pflichtschule inner­ halb von 1 000 m. Kalwang verfügt über eine Volksschule sowie ein Unfallkrankenhaus, ein Heim für betreutes Wohnen sowie ein Pflegezentrum. Der Anteil der Auspendler:innen lag 2021 mit 56 % etwa im ös­ terreichischen Durchschnitt von 54 %. Auf einem Quadratkilometer Dauersiedlungsraum leben durchschnittlich 159 Menschen. Verglichen mit den anderen hier näher beschriebenen Gemeinden ist Kalwang somit eher dünn besiedelt. ▶ Tabelle Im Jahr 2021 zählte Kalwang 957 Einwoh­ ner:innen. Vor allem aufgrund der Einstellung des Kupferbergbaus im Jahr 1928 verzeichnete die Gemeinde seit 1923 einen Bevölkerungsrückgang. Ab dem Jahr 2022 wurde jedoch wieder ein leich­ tes Wachstum verzeichnet. Anfang 2025 betrug die Bevölkerungszahl 1 040 Personen. In ▶ Karte 4 sticht Kalwang durch die gute Erreichbarkeit von Versorgungs einrichtungen regelrecht aus der Region heraus. Aspach und Nachbargemeinden Die Gemeinde Aspach an der öst­ lichen Grenze des Bezirks Brau­ nau ist nach den untersuchten Indikatoren ebenfalls sehr gut für Fuß gänger:innen erschlossen. Aspach und seine Nachbargemein­ den, [8] von denen sich ein Teil im Bezirk Braunau 8 Braunau: Höhnhart, Roßbach, Polling; Ried im Innkreis: Schildorn, Lohnsburg am Kobernaußerwald, Mettmach, Geinberg, Gurten, Wippenham, Kirchheim im Innkreis. 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 47STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen Fazit Der Artikel zeigt ein Beispiel für eine Untersu­ chung von fußläufigen Verbindungen zu wichtigen Infrastruktureinrichtungen in Österreichs Gemein­ den. Auf Basis von Daten der Registerzählung von Statistik Austria (Gebäude­ und Wohnungszählung, Arbeitsstättenzählung) konnte ein Überblick zu den Fußwegen in den Gemeinden und Städten zu Ein­ richtungen der Gesundheits­ und Nahversorgung sowie zu Bildungseinrichtungen (Pflichtschulen) gezeigt werden. Obwohl es bei der Auswertung der Daten einige Herausforderungen gab, konnten in dieser Studie die Koordinaten der Objekte sowie die relevanten ÖNACE­Codes ermittelt und genutzt werden. Die ÖNACE­Daten ließen sich im Fall von Pflichtschulen und Krankenhäusern mithilfe er­ gänzender externer Quellen (Schulkennzahlen vom BMB, Liste der Krankenanstalten vom BMASGPK) zusätzlich validieren. Mithilfe von Geoinformatik­ Methoden wurden schließlich die Distanzen jedes einzelnen Wohnhauses zur jeweils nächstgelegenen relevanten Einrichtung berechnet. Anhand der drei Kategorien konnten besonders gut versorgte Gemeinden und Regionen sichtbar gemacht werden. Die hier vorgestellten Ergebnisse stellen einen ersten Schritt dar, auf welche Weise die Daten der Gebäude­ und Wohnungszählung sowie der Arbeitsstättenzählung für eine Unter­ suchung kurzer Fußwege in Gemeinden verwendet werden können. Für eine genauere Untersuchung der Fußwege in den Gemeinden bietet sich eine umfassendere Analyse an. Eine Erweiterung der Indikatoren um Kennzahlen zur Anbindung an den öffentlichen Verkehr, an Grün­ und Erholungs­ flächen sowie Kultureinrichtungen würde das Bild in Bezug auf kurze Wege in den Gemeinden ver­ tiefen. [10] Ein statistisches Modell könnte darüber hinaus Aufschluss geben, welche Faktoren kurze Wege begünstigen. Weiters kann überlegt werden, welche Indikatoren für eine Bewertung der Qualität von Fußwegen herangezogen werden können. 10 Ogrodnik (2019): »Indicators of the Compact City Concept«. Kaprun Das im Bezirk Zell am See ge­ legene 3 085 Einwohner:innen (2021) zählende Kaprun ist die am stärksten vom Touris­ mus geprägte Gemeinde in dieser Auswahl. Rund ein Drittel der Arbeitsstätten in Kaprun zählen zu ÖNACE­Abschnitt I Beherbergung und Gastro­ nomie; ebenso arbeitet rund ein Drittel der Be­ schäftigten in diesem Wirtschaftsbereich. Bei den drei anderen Beispielgemeinden liegen die Anteile zwischen 3 % und 6 %. Darüber hinaus war die Zahl der Nebenwohnsitze 2021 mit rund 33 % deutlich über dem österreichischen Mittelwert von 9 %. Der Anteil der Auspendler:innen lag mit knapp 43 % dagegen deutlich unter dem bundesweiten Durch­ schnitt von 54 %. In Kaprun gibt es eine Volksschule und eine Mittelschule sowie einige Ärzt:innen und ein Am­ bulatorium. Der größte Teil des Gemeinde gebiets besteht aus Gebirge; mit einer Besiedlungsdichte von 312 Bewohner:innen pro Quadratkilometer Dauersiedlungsraum ist Kaprun eher dicht ver­ baut. ▶ Tabelle Die Auswertung nach den drei Kriterien ergab, dass Nahversorger und Gesundheitseinrichtungen im Mittel (Median) innerhalb von 500 m erreich­ bar sind, Pflichtschulen innerhalb von 1 000 m. Im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden ist die Nahversorgung in Kaprun ebenso wie im benach­ barten Piesendorf besonders gut. Ähnlich gut ist die Erreichbarkeit von Pflichtschulen in den drei Nach­ bargemeinden Niedernsill, Uttendorf und Fusch. Mit der fußläufigen Erreichbarkeit von Gesundheits­ einrichtungen ist Kaprun ebenso wie Piesendorf, Niedernsill und die Bezirkshauptstadt Zell am See bestens versorgt. 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 48STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen Glossar ÖNACE ÖNACE ist die österreichische Version der europäischen Klassifikation der Wirtschafts­ tätigkeiten, die in allen EU­Mitgliedstaaten in der Wirtschaftsstatistik verbindlich anzuwenden ist (»NACE« steht für »nomenclature générale des activités économiques dans les communau­ tés européennes«). Sie umfasst alle Wirtschafts­ tätigkeiten und hat fünf Gliederungsebenen: Abschnitte, Abteilungen, Gruppen, Klassen und Unterklassen (= nationale Erweiterung). Die übergeordnete Gliederungsebene besteht dabei jeweils aus einem oder mehreren Elementen der untergeordneten Ebene. Median Der Median wird ermittelt, indem alle Werte der Höhe nach sortiert werden. Der Median ist jener Wert, unter bzw. über dem jeweils die Hälfte der Werte liegt. Er bezeichnet somit den Zentralwert. Im Unterschied zum arithmetischen Mittel, das den Durchschnitt aller Werte angibt, wird der Median weniger stark von extrem großen bzw. kleinen Werten beeinflusst und ist dadurch robuster gegenüber sogenannten Ausreißern. Planungsgemeinschaft OST (Wien 2024): » ▶  Monitoring Siedlungsentwicklung in der Stadtregion+ 2023«. Pozoukidou, G. / Chatziyiannaki, Z. (Thessaloniki 2021): » ▶ 15-Minute City; Decomposing the New Urban Planning Eutopia«, in: MDPI Sustainabiltiy Foundation: »Sustainability« Jg. 13, H. 2, Art. 928. Richter, B. et al. (Dresden 2016): ▶ »Analyse von Wegdistanzen in Städten zur Verifizierung des Ökosystemleistungsindikators ›Erreichbar- keit städtischer Grünflächen‹ «, in: Universtität Salzburg: »AGIT; Journal für Angewandte Geo­ informatik« Jg. 2, S. 472– 481. Stumfol, I. et al. (Wien 2023): »Leerstand mit Aussicht; Erhebung und Aktivierung im Orts­ und Stadtkern«. Auf Basis der oben genannten Weiterent­ wicklung dieses Themas könnten Best­Practice­ Beispiele und/oder eine Typologie von Gemeinden und Städten mit kurzen Wegen anhand von Fall­ beispielen erarbeitet werden. Nicht zuletzt wäre es interessant diese Fallbeispiele im Rahmen von Begehungen genauer zu erforschen. Literaturverzeichnis Abdullahi, S. et al. (2015): ▶ »GIS-based modeling for the spatial measurement and evaluation of mixed land use development for a compact city«, in: Taylor & Francis: »GIScience & Remote Sens­ ing« Jg. 52, H. 1, S. 18 –39. Bukow, W.-D. et al. (Hg.) (Wiesbaden 2023):
    »(Re­) Konstruktion von lokaler Urbanität«. Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur / klimaaktiv mobil:
    ▶ »Die Idee der 15-Minuten-Stadt«. Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur / Österreich zu Fuß:
    ▶ »Willst du mit mir gehen?« Mobilitätsagentur Wien: ▶ Wien zu Fuß Ogrodnik, K. (Bialystok 2019): » ▶ Indicators of the Compact City Concept; Necessary Data and the Possibility of Application«, in: Silesian Uni­ versity of Technology: »Architecture Civil Engi­ neering Environment« Jg. 12, H. 4, S. 23 –36. Österreichische Raumordnungskonferenz
    (Wien 2024): » ▶ 17. Raumordnungsbericht; Analysen und Berichte zur räumlichen Ent­ wicklung Öster reichs 2021–2023«. WEITERFÜHRENDES Ein Blick auf die Gemeinde ▶ Aspach ▶ Kalwang ▶ Kaprun ▶ Mannersdorf / Leithagebirge Erhebungsinfos ▶ Registerzählung Interaktive Karten ▶ Regionale Gliederungen Österreichs Publikationen ▶ Arbeitsstättenzählung 2021 ▶ Gebäude- und Wohnungs- zählung 2021 Services ▶ Regionale Gliederungen ▶ Regionalstatistisches Datenangebot STATergebnisse ▶ Wohnen Standard­Dokumentation ▶ Registerzählung 2021 Berichte ▶ ÖROK – Erreichbarkeits- analyse 2024 49STATjournal 6 – 2025 Die Hauptaufgabe eines bevölkerungsbezogenen Krebsregisters ist die Publikation verschiedener Kennzahlen zur Beschreibung der Belastung einer Bevölkerung durch Krebserkrankungen. Diese epi- demiologischen Kennzahlen sind Inzidenz, Über- lebenswahrscheinlichkeiten und Prävalenz. Daten zur Krebsmortalität liefert in Österreich die amt- liche Todesursachenstatistik. Das ▶ Österreichische Nationale Krebsregister (OeNKR) von Statistik Austria stellt jährlich die genannten ▶ Kennzahlen der Krebsstatistik zur Verfügung. Die Krebsinzidenz, welche die Krebs- neuerkrankungen pro Kalenderjahr angibt, wird einerseits in absoluten Zahlen und andererseits als Rate, d. h. bezogen auf die österreichische Wohn- bevölkerung dargestellt. Absolute Zahlen zu den jährlichen Krebsneuerkrankungen sind vor allem in der Planung der Gesundheitsversorgung not- wendig. Ist man allerdings an der Entwicklung des Krebsrisikos im Zeitvergleich oder an regionalen Vergleichen interessiert, so ist es notwendig, die absoluten Zahlen in Relation zur Wohnbevölkerung der Bezugsregion zu setzen. Dies kann in Form roher Raten oder altersstandardisierter Raten erfolgen. Während rohe Raten nur den Umfang der jeweili- gen Gesamtbevölkerung einbeziehen, wird bei der Altersstandardisierung auch deren Altersstruktur be- rücksichtigt. Dadurch wird die Kennzahl um Effekte einer sich im Zeitverlauf ändernden Altersstruktur bzw. unterschiedlicher Alterszusammensetzungen der jeweiligen Bezugs bevölkerungen adjustiert. Technisch vereinfacht gesprochen wird die jeweilige Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Altersstandardisierte Krebsinzidenzraten sind eine zentrale Kennzahl, um Erkrankungs- risiken zwischen verschiedenen Regionen, unabhängig von der Bevölkerungsgröße und der Altersstruktur der Bevölkerung, zu vergleichen. Sie ermöglichen Aussagen über zeitliche Entwicklungen und regionale Unterschiede, sind jedoch nur im Verhältnis in- terpretierbar – nicht in ihrer absoluten Höhe. Das Österreichische Nationale Krebsregis- ter von Statistik Austria verwendet die Europäische Standardbevölkerung 2013 für die Altersstandardisierung, einer Empfehlung für Krebsregister in Europa folgend. In welt- weiten Publikationen zur Krebsinzidenz wird hingegen eine Weltstandardbevölkerung genutzt. Die Verwendung verschiedener Standardbevölkerungen führt bei gleichem zugrunde liegendem Krebsrisiko zu unterschiedlich hohen Krebsinzidenzraten. Die Höhe der Rate hängt stark von Tumorlokalisation und mittlerem Erkrankungsalter ab. Der folgende Beitrag erläutert die Hinter gründe der Altersstandardisierung und zeigt die Auswirkungen unterschiedlicher Standard bevölkerungen auf die Krebsinzidenzraten. Petra Ihle
    ist seit mehr als 15 Jahren bei Statistik Austria in der Direktion Bevölkerung tätig und beschäftigt sich als Allrounderin der Gesund- heitsstatistik vorwiegend mit der Krebsstatistik. Martin Kropik
    ist Diplomierter Gesund- heits- und Krankenpfleger und verstärkt seit 2023 das Team des Österreichischen Nationalen Krebsregisters. Monika Hackl
    ist Psychologin und Medizin- wissenschaftlerin und leitet seit 2002 das Österreichische Nationale Krebsregister bei Statistik Austria.