40STATjournal
6 – 2025
»Willst du mit mir gehen?« lautet der Slogan der
Initiative ▶ »Österreich zu Fuß« des Bundes
ministeriums für Innovation, Mobilität und Infra
struktur (▶ BMIMI ). Die Initiative setzt sich für
mehr Mobilität zu Fuß in Städten und Gemeinden
ein. In der örtlichen Raumplanung gibt es unter
schiedliche Konzepte, die sich mit der Planung
von kurzen Wegen in der Nachbarschaft beschäfti
gen: etwa die ▶ 15-Minuten-Stadt, [1] ▶ Compact
Cities [2] oder auch der ▶ kommunale Wohnbau
im Roten Wien. Auch im ländlichen Raum werden
Konzepte zur Wieder belebung von Ortskernen und
kompakter Orts planung entwickelt, um attraktive
und kurze Fußwege für die Bevölkerung zu bieten
(u. a. ▶ »Innen vor Außen«, oder ▶ »Leerstand
mit Aussicht«).
1 Pozoukidou / Chatziyiannaki (2021): »15Minute City«.
2 Abdullahi et al. (2015): »GISbased modeling for the
spatial measurement«.
Darüber hinaus gibt es in Österreich Studien
und Initiativen zur gemeinde und bundesländer
übergreifenden Raumplanung, zur Stärkung regio
naler Zentren und zum Entgegenwirken von Zer
siedlung und Flächenverbrauch. [3] Alle Konzepte
verfolgen das gleiche Ziel: Städte und Gemeinden
inklusiver, lebenswerter, effizienter und ökologi
scher zu gestalten und dabei kurze Wege zu wichti
gen Einrichtungen zu berücksichtigen.
Doch wohin kann man in den jeweiligen öster
reichischen Gemeinden überall zu Fuß gehen? Sind
Einkaufsmöglichkeiten, Bildungs und Gesundheits
einrichtungen fußläufig erreichbar? Diese Fragen
stehen im Fokus des folgenden Beitrags. Dafür
wurden die Distanzen von den Wohngebäuden zu
den jeweiligen Einrichtungen berechnet und ein
Median pro Gemeinde ausgegeben. Die Datengrund
lage bildet hierbei die Registerzählung 2021.
3 Beispielsweise ÖROK 2024: ▶ »17. Raumordnungs-
bericht«, sowie PGO (2024): ▶ »Monitoring Siedlungs-
entwicklung in der Stadtregion+ 2023«.
Zu Fuß unterwegs in
Österreichs Gemeinden
Eine Analyse von Gehdistanzen
Wie weit ist der nächste Arzt, das nächste Geschäft oder die Schule zu Fuß entfernt?
Dieser Beitrag untersucht, wie gut Österreichs Gemeinden fußläufig zu wichtigen Ein
richtungen der Nahversorgung, Bildung und Gesundheit erschlossen sind. Auf Basis
der Registerzählung 2021 wurden die Distanzen zwischen Wohngebäuden und diesen
Einrichtungen berechnet und pro Gemeinde dargestellt. Die Ergebnisse zeigen nicht
nur deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land, sondern charakterisieren auch
einige Gemeinden außerhalb der Ballungsräume, in denen zentrale Einrichtungen
besonders gut fußläufig erreichbar sind.
Bernhard Hoser
Ewald Strasser
Katrin Schöber
bei Statistik Austria tätig
bis Juni 2025
Maria Wurster
41
STATjournal
6 – 2025
Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen
deren Schulbesuch mit der Berufstätigkeit der Eltern
kollidieren kann. Damit ist dieser Bereich aus Sicht
einer »Stadt der kurzen Wege« besonders relevant.
Zwar kann die Schulpflicht auch an Unterstufen
gymnasien erfüllt werden; diese unterliegen jedoch
häufig Zugangsbeschränkungen und befinden sich
überwiegend in urbanen Räumen, die bereits eine
gute Abdeckung durch Mittelschulen und Polytech
nische Lehrgänge aufweisen. Ihr Ausschluss führte
daher nicht zu einer Verzerrung, sondern erhöhte
vielmehr die Trennschärfe der Kategorie.
Zur Validierung wurde die vom Bundesminis
terium für Bildung (▶ BMB ) vergebene Schul
kennzahl, die auch den Schultyp kennzeichnet,
herangezogen. Ziel war es, systematische und
quantitativ relevante Abweichungen zwischen
ÖNACE-Zuordnung und Schulkennzahl aufzudecken.
Eine eingehende Prüfung ergab jedoch keine sys
tematischen Abweichungen.
Gesundheit
Im Bereich Gesundheit wurden Kranken
häuser (Q 86100) und Arztpraxen für Allgemein
medizin (Q 86210) berücksichtigt. Alltägliche
Anliegen können in der Regel durch Hausärzt:innen
abgedeckt werden; bei Nicht-Erreichbarkeit steht
im Bedarfsfall ein Krankenhaus zur Verfügung.
Die ÖNACE-basierten Informationen zu Kran
kenhäusern wurden zusätzlich mit der Liste der
österreichischen Krankenanstalten des Bundes
ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit,
Pflege und Konsumentenschutz (▶ BMASGPK )
abgeglichen. Da eine sehr hohe Übereinstimmung
bestand, wurde für die weitere Analyse ausschließ
lich auf die ÖNACE-basierten Daten aus der Arbeits
stättenzählung zurückgegriffen.
Methodischer Hintergrund
Die Auswahl der Analysekategorien basierte
sowohl auf praktischen als auch auf theoretischen
Überlegungen. Auf theoretischer Ebene wurden
verschiedene Lebensbereiche berücksichtigt, die
für das Konzept der »Stadt der kurzen Wege« [4]
von Bedeutung sind. Gleichzeitig schränkte die zu
grunde liegende Datenbasis die Auswahl ein oder
hätte in einzelnen Bereichen zu wenig reliablen
Ergebnissen geführt.
Für die Berechnung der mittleren Distanzen
(Median) wurden zwei Datenquellen von Statistik
Austria kombiniert. Aus der jährlichen Gebäude-
und Wohnungszählung wurden die Standort
adressen der Wohngebäude genommen. Für die
Lokalisierung der Infrastruktureinrichtungen
wurde das Endergebnis der ebenfalls jährlich
durchgeführten Arbeitsstättenzählung mit ihren
Arbeitsstättenadressen herangezogen. Unter den
potenziell relevanten Lebensbereichen wurden
Bildung, Gesundheit und Nahversorgung aus
gewählt, da sie einerseits zentral für das Konzept
sind und sich andererseits gut operationalisie
ren lassen. Die Zuordnung erfolgte anhand der
▶ ÖNACE-Klassifikation. [5]
Bildung
Im Rahmen der Analyse wurde die ÖNACE-
Klassifikation der jeweiligen Arbeitsstätte heran
gezogen, wobei ausschließlich die Haupttätigkeit
berücksichtigt wurde. Im Bereich Bildung wurden
ausschließlich Volksschulen (P 85200) sowie
Mittelschulen und Polytechnische Lehrgänge
(P 85311) einbezogen. Diese Auswahl wurde ge
troffen, weil diese Schulformen eng mit der gesetz
lichen Schulpflicht in Österreich verbunden sind
und sich auf minderjährige Kinder konzentrieren,
4
Bukow et al. (2023): »(Re-) Konstruktion«.
5
Österreichische Systematik der Wirtschaftstätigkeiten;
ÖNACE 2008.
42STATjournal
6 – 2025
Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen
Geodaten in ein gemeinsames Koordinatensystem
zu überführen. Diese Berechnung nennt man »Pro-
jektion« und sie stellt sicher, dass alle räumlichen
Informationen im selben Bezugssystem vorliegen
und miteinander verglichen werden können.
Ergebnisse
Die Entfernungen zu einzelnen Einrichtun
gen wurden aus praktischen und anschaulichen
Gründen in Kategorien unterteilt. Die gewählten
Kategorien orientieren sich sowohl an den in der
einschlägigen Literatur üblichen Distanzgrenzen [6]
als auch an offensichtlichen praktischen Über
legungen. Eine Strecke von 500 m dauert zu Fuß
ungefähr 10 min. 1 000 m stellen einen Fußweg
von ca. 20 min dar, und bei 2 000 m sind 40 min
einzurechnen, wobei diese Strecke auch mit dem
Fahrrad in 15 min gefahren werden kann. In den im
Folgenden abgebildeten Österreichkarten wurden
daher diese Distanzklassen herangezogen. Zur Ver
feinerung wurde die Grenze von 3 000 m ergänzt.
6 Richter et al. (2016): »Analyse von Wegdistanzen in Städten«.
Nahversorgung
Die Kategorie Nahversorgung umfasst verschie
dene Einzelhandelsformen mit dem Schwerpunkt
Lebensmittel:
● mit Waren verschiedener Art – vorrangig
Nahrungs und Genussmittel, Getränke und
Tabakwaren (G 47110)
● mit Obst, Gemüse und Kartoffeln (G 47210)
● mit Fleisch und Fleischwaren (G 47220)
● mit Fisch und Meeresfrüchten (G 47230)
● mit Back und Süßwaren (G 47240)
Im Gegensatz zum selektiv eingegrenzten Bildungs
bereich, wurde die Nahversorgung breiter gefasst.
Schon eine teilweise wohnortnahe Verfügbarkeit
von Produkten des täglichen Bedarfs kann die sub
jektive Lebensqualität spürbar erhöhen.
Distanzberechnung
Nach der Definition und Operationalisierung
der Kategorien wurde für jedes Wohnhaus in jeder
Gemeinde die minimale Distanz zu einer rele
vanten Einrichtung berechnet. Dazu wurden die
Ko ordinaten von Gebäuden und Einrichtungen in
ein gemeinsames Bezugssystem projiziert, an
schließend die Luftlinienentfernung zu sämtlichen
Einrichtungen einer Kategorie ermittelt und der
jeweilige Minimalwert pro Wohnhaus gespeichert.
INF0
Im Gebäude- und Wohnungsregister (▶ GWR ) wird
die Lageinformation von Gebäuden als Koordinate,
definiert durch Rechts- und Hochwert, gespeichert.
Durch diese beiden Werte ist eine genaue Verortung
eines Punktes auf der Erdoberfläche möglich. In
Österreich beziehen sich diese Koordinaten auf
das Bundesmeldenetz (BMN) des Bundesamts für
Eich- und Vermessungswesen (▶ BEV ), das das
österreichische Bundesgebiet in mehrere Meridian-
streifen unterteilt.
Um die Koordinaten aus dem GWR mit anderen
Lagekoordinaten auswerten und Entfernungen
korrekt berechnen zu können, ist es notwendig, alle
Karte 1
Gesundheitseinrichtungen
Distanz in Meter
Eisenstadt
Klagenfurt
St.PöltenLinz
Salzburg
Graz
Innsbruck
Bregenz
Wien
0 50 25 km
3 000 und mehr
2 000 bis unter 3 000
1 000 bis unter 2 000
500 bis unter 1 000
bis unter 500
Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021.
43STATjournal
6 – 2025
Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen
Gesundheitseinrichtungen
▶ Karte 1 zeigt, wie weit Wohngebiete von
Gesund heitseinrichtungen wie Krankenhäusern
und Arztpraxen für Allgemeinmedizin entfernt sind.
Für jede Gemeinde wurde dafür ein Median be
rechnet. Die Karte veranschaulicht, dass Wien und
die Landes hauptstädte (im Folgenden kurz »Haupt
städte«) eine gute gesundheitliche Versorgung
inner halb kurzer Distanzen bieten. Überall beträgt
der Median bis 500 m. Auch manche Gemeinden,
die im Umland von Hauptstädten liegen, wie
z. B. Kor neu burg, Leonding und Völs, zeigen kurze
Wege (bis 500 m) zu gesundheitlichen Einrichtun
gen. Grundsätzlich zeichnen sich die meisten Ge
meinden Österreichs durch eine gute Infrastruktur
bezüglich Allgemeinmedizin bzw. Krankenhäuser
aus: Einrichtungen der Gesundheitsversorgung sind
im Mittel innerhalb von 2 000 m erreichbar.
Nahversorgung
Ein ähnliches Bild ist auch bei der Nahver
sorgung in ▶ Karte 2 zu sehen. Die Hauptstädte
zeigen auch hier wieder einen Median bis 500 m.
Die Gemeinden im Einzugsbereich der Hauptstädte
verhalten sich wie die meisten anderen Gemeinden
im ländlichen Bereich und weisen einen Median
bis 2 000 m auf. Eine Ausnahme bilden einige Ge
meinden im Burgenland wie Illmitz, Pamhagen und
Parndorf, mit geringeren Distanzen bis 500 m.
Pflichtschulen
Anders verhält es sich bei den Distanzen von
Wohnhäusern zu Bildungseinrichtungen. Hierbei
wurden nur Bildungseinrichtungen der allgemein
bildenden Pflichtschulen ausgewählt. Wie aus
▶ Karte 3 hervorgeht, haben Bewohner:innen in
Bregenz, Innsbruck und Wien im Durchschnitt auch
hier geringe Distanzen bis 500 m zurückzulegen.
In den Hauptstädten Klagenfurt, Linz und Salzburg
Karte 2
Nahversorgung
Distanz in Meter
Eisenstadt
Klagenfurt
St.PöltenLinz
Salzburg
Graz
Innsbruck
Bregenz
Wien
3 000 und mehr
2 000 bis unter 3 000
1 000 bis unter 2 000
500 bis unter 1 000
bis unter 500
0 50 25 km
Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021.
Karte 3
Pflichtschulen
Distanz in Meter
Eisenstadt
Klagenfurt
St.PöltenLinz
Salzburg
Graz
Innsbruck
Bregenz
Wien
0 50 25 km
3 000 und mehr
2 000 bis unter 3 000
1 000 bis unter 2 000
500 bis unter 1 000
bis unter 500
Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021.
sind von der Wohnung bis zur Bildungseinrichtung
Distanzen bis 1 000 m zu überwinden, während die
Stadt Graz eine mittlere Distanz bis 2 000 m auf
weist und das Bundesland Burgenland sogar einen
Median von über 2 000 m hat. Hierbei ähnelt das
Burgenland den meisten Gemeinden in Österreich.
44STATjournal
6 – 2025
Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen
an den Nachbarstaat Slowenien angrenzen, sind
beim zusammengefassten Indikator Distanzen
über 3 000 m zu sehen. Die Österreichkarte zeigt
aber auch ländliche Gemeinden, die ähnlich kurze
Gehdistanzen wie die Haupt städte bieten. So sind
in den Tourismusgebieten von Tirol und Salzburg
ebenfalls Gemeinden vorhanden, die Distanzen bis
zu 500 m bzw. 1 000 m aufweisen. Auffällig ist, dass
im westlichen Oberösterreich gelegene Gemein
den sowohl im Pflichtschulbereich als auch bei
Gesundheit und Nah versorgung eine Distanz bis
500 m aufweisen.
Kombinierte Indikatoren
▶ Karte 4 kombiniert die jeweils drei berechne
ten Mediane zu Gesundheitsversorgung, Nahver
sorgung und Pflichtschulen zu einem Indikator. Die
Grafik verdeutlicht, dass kurze Wege, wie zu erwar
ten, vor allem in den Hauptstädten und deren
Umgebung zu finden sind. Je weiter die Gemein
den von der Hauptstadt entfernt sind, umso länger
werden die Distanzen. So weisen etwa Waldviertler
Gemeinden im Mittel sehr weite Fußwege von
3 000 m oder mehr auf. Auch bei Gemeinden, die
Karte 4
Kombinierte Indikatoren
Distanz in Meter
0 40 20 km
3 000 und mehr
2 000 bis unter 3 000
1 000 bis unter 2 000
500 bis unter 1 000
bis unter 500
Wien
Eisenstadt
Klagenfurt
St.Pölten
Linz
Salzburg
Graz
Innsbruck
Bregenz
Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021.
0 40 20 km
3 000 und mehr
2 000 bis unter 3 000
1 000 bis unter 2 000
500 bis unter 1 000
bis unter 500
0 40 20 km
3 000 und mehr
2 000 bis unter 3 000
1 000 bis unter 2 000
500 bis unter 1 000
bis unter 500
0 40 20 km
3 000 und mehr
2 000 bis unter 3 000
1 000 bis unter 2 000
500 bis unter 1 000
bis unter 500
0 40 20 km
3 000 und mehr
2 000 bis unter 3 000
1 000 bis unter 2 000
500 bis unter 1 000
bis unter 500
Kaprun (Sbg.)
Mannersdorf
am Leithagebirge (NÖ)
Kalwang (Stmk.)
Aspach und Nachbar-
gemeinden (OÖ)
45STATjournal
6 – 2025
Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen
Mannersdorf
am Leithagebirge
Die rund 4 250 Einwohner:in
nen zählende Stadtgemeinde
Manners dorf am Leithagebirge
ist ein Beispiel für gute Fußläufigkeit in Bezug auf
die untersuchten Einrichtungen. Die in Bruck an der
Leitha gelegene Gemeinde hat von den vier be
schriebenen mit 78 % den höchsten Anteil an Aus
pendler:innen [7] (Österreich: 54 %). In Mannersdorf
leben 238 Menschen pro Quadratkilometer Dauer
siedlungsraum; die Stadt liegt damit im oberen Mittel
feld der ausgewählten Gemeinden. Sie verfügt über
eine Volksschule und eine Mittelschule sowie eine
Reihe von niedergelassenen Ärzt:innen. ▶ Tabelle
Nahversorgung und Gesundheitseinrichtungen
sind in Mannersdorf innerhalb von 500 m erreich
bar, Pflichtschulen innerhalb von 1 000 m. Ähnlich
kurze Fußwege können die unmittelbaren Nachbar
gemeinden nicht bieten, sehr wohl aber solche in der
benachbarten Region, konkret Mörbisch und Neu
siedl am See, die schon zum Burgenland gehören.
7 Anteil der Auspendler:innen an den aktiv Erwerbstätigen
am Wohnort.
Fallbeispiele:
Gemeinden im Fokus
▶ Karte 4 zeigt nach den drei Indikatoren Pflicht
schulen, Nahversorgung und Gesundheitsversor
gung besonders gut ausgestattete Gemeinden bzw.
Gruppen von benachbarten Gemeinden. Im Folgen
den werden bewusst vier Gemeinden näher be
schrieben, die nicht in einem Ballungsraum liegen.
Bei diesen Beispielen mit kurzen Wegen zu Ver
sorgungseinrichtungen handelt es sich um recht
unterschiedliche Markt und Stadtgemeinden. Die
Auswahl soll die Vielseitigkeit der österreichischen
Gemeinden mit kurzen Wegen zu Einrichtungen
der Grundversorgung verdeutlichen. Es gibt je
doch noch eine ganze Reihe weiterer Gemeinden
in Österreich, die ähnlich kurze Wege bieten.
Rückschlüsse auf Faktoren, die eine Gemeinde
mit kurzen Wegen ausmacht, sind durch die Aus
wertung nicht bzw. nur sehr bedingt möglich.
Darüber hinaus gibt diese Auswertung keine Aus
kunft über die Qualität der Fußwege bzw. die Art
der Versorgungseinrichtungen.
Tabelle
Ausgewählte Merkmale der beschriebenen Gemeinden 2021
Merkmal Mannersdorf am
Leithagebirge (30716) Aspach (40402) Kalwang (61105) Kaprun (50606)
Bevölkerungsstand (31.10.2021) 4 150 2 591 957 3 085
Anteil der Personen unter 15 Jahren in % 15 16 11 12
Wohnbevölkerung je km2 Dauersiedlungsraum 238 98 159 312
Wohnbevölkerung je km2 Katasterfläche 139 82 14 31
Anteil des Dauersiedlungsraums an Katasterfläche in % 58 84 9 10
Nebenwohnsitzrate in % 16 8 16 33
Arbeitsstätten 276 249 68 413
Arbeitsstätten auf 100 Einwohner:innen 7 10 7 13
Anteil der Arbeitsstätten in Beherbergung und Gastronomie1 in % 6 3 6 33
Beschäftigte 1 090 990 522 2 667
Beschäftigte auf 100 Einwohner:innen 26 38 55 86
Anteil der Beschäftigten in Beherbergung und Gastronomie1 in % 4 4 3 35
Anteil der Auspendler:innen an den aktiv Erwerbstätigen am Wohnort in % 78 70 56 43
Q: STATISTIK AUSTRIA, Registerzählung 2021; Blick auf die Gemeinde.
- Abschnitt I der ÖNACE 2008.
0 40 20 km
3 000 und mehr
2 000 bis unter 3 000
1 000 bis unter 2 000
500 bis unter 1 000
bis unter 500
46STATjournal
6 – 2025
Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen
und der andere im Bezirk Ried im Innkreis befindet,
weisen hinsichtlich der drei untersuchten Indikato
ren eine gute Versorgung auf. Die Gemeinden Eitzing
und Aurolzmünster bilden auf der ▶ Karte eine
Brücke zur Bezirkshauptstadt Ried im Innkreis, die
2021 rund 12 400 Einwohner:innen hatte.
Aspach und seine Nachbarn bilden keinen
gemeinsamen Siedlungsraum, wie etwa die zusam
mengewachsenen Gemeinden südlich von Wien.
Sie können auch nicht zur Agglomeration Ried im
Innkreis gezählt werden. So ist es umso bemer
kenswerter, dass sie in der Analyse in die oberste
Kategorie (bis 500 Meter) fallen. Gemeinsam hatten
die elf zusammenliegenden Gemeinden 2021 rund
13 700 Einwohner:innen, wobei Aspach mit 2 591
(2025: 2 650) knapp vor Mettmach und Lohnsburg
am Kobernaußerwald die größte ist. [9]
Aspach verfügt über eine Volks und eine Mittel schule sowie ein Ärzt:innen und ein Rehabilita tionszentrum. Der Anteil der Auspendler:innen liegt mit 70 % weit über dem österreichischen Durch schnitt von 54 %. Der Anteil an Nebenwohnsitzen ist mit 8 % dagegen eher niedrig. Die Gemeinde ist die am dünnsten besiedelte in der Auswahl: Auf einem Quadratkilometer Dauersiedlungsfläche leben im Durchschnitt 98 Menschen. Trotzdem bietet Aspach sehr kurze Wege zu den drei aus gewerteten Versorgungstypen. ▶ Tabelle Aspach und die umliegenden Gemeinden fallen bei allen drei Indikatoren in die oberste Kategorie (bis 500 Meter). In Bezug auf die Nahversorgung und insbesondere die Gesundheitsversorgung gesellen sich noch weitere benachbarte Gemeinden dazu. Bei den Pflichtschulen bildet Aspach gemeinsam mit Mettmach, Kirchheim im Innkreis, Wippenham und Gurten einen Kern mit guter fußläufiger Ver sorgung. Ob diese Gruppe eine Zentrumsfunktion für die weiter umliegenden Gemeinden einnimmt, kann aus dieser Betrachtung nicht geklärt werden. 9 Aurolzmünster (größer als Aspach) wurde ausgenommen, da es zum Einzugsgebiet von Ried gehört und der Artikel Gemeinden außerhalb von Ballungsräumen behandelt. Kalwang Die Marktgemeinde Kalwang im politischen Bezirk Leoben in der Steiermark ist – nach den drei untersuchten Kriterien – eben falls ein gutes Beispiel einer Gemeinde der kurzen Wege. Nahversorger und Gesundheitseinrichtungen sind im Mittel ( Median) für die Bevölkerung inner halb von 500 m erreichbar; eine Pflichtschule inner halb von 1 000 m. Kalwang verfügt über eine Volksschule sowie ein Unfallkrankenhaus, ein Heim für betreutes Wohnen sowie ein Pflegezentrum. Der Anteil der Auspendler:innen lag 2021 mit 56 % etwa im ös terreichischen Durchschnitt von 54 %. Auf einem Quadratkilometer Dauersiedlungsraum leben durchschnittlich 159 Menschen. Verglichen mit den anderen hier näher beschriebenen Gemeinden ist Kalwang somit eher dünn besiedelt. ▶ Tabelle Im Jahr 2021 zählte Kalwang 957 Einwoh ner:innen. Vor allem aufgrund der Einstellung des Kupferbergbaus im Jahr 1928 verzeichnete die Gemeinde seit 1923 einen Bevölkerungsrückgang. Ab dem Jahr 2022 wurde jedoch wieder ein leich tes Wachstum verzeichnet. Anfang 2025 betrug die Bevölkerungszahl 1 040 Personen. In ▶ Karte 4 sticht Kalwang durch die gute Erreichbarkeit von Versorgungs einrichtungen regelrecht aus der Region heraus. Aspach und Nachbargemeinden Die Gemeinde Aspach an der öst lichen Grenze des Bezirks Brau nau ist nach den untersuchten Indikatoren ebenfalls sehr gut für Fuß gänger:innen erschlossen. Aspach und seine Nachbargemein den, [8] von denen sich ein Teil im Bezirk Braunau 8 Braunau: Höhnhart, Roßbach, Polling; Ried im Innkreis: Schildorn, Lohnsburg am Kobernaußerwald, Mettmach, Geinberg, Gurten, Wippenham, Kirchheim im Innkreis. 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 47STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen Fazit Der Artikel zeigt ein Beispiel für eine Untersu chung von fußläufigen Verbindungen zu wichtigen Infrastruktureinrichtungen in Österreichs Gemein den. Auf Basis von Daten der Registerzählung von Statistik Austria (Gebäude und Wohnungszählung, Arbeitsstättenzählung) konnte ein Überblick zu den Fußwegen in den Gemeinden und Städten zu Ein richtungen der Gesundheits und Nahversorgung sowie zu Bildungseinrichtungen (Pflichtschulen) gezeigt werden. Obwohl es bei der Auswertung der Daten einige Herausforderungen gab, konnten in dieser Studie die Koordinaten der Objekte sowie die relevanten ÖNACECodes ermittelt und genutzt werden. Die ÖNACEDaten ließen sich im Fall von Pflichtschulen und Krankenhäusern mithilfe er gänzender externer Quellen (Schulkennzahlen vom BMB, Liste der Krankenanstalten vom BMASGPK) zusätzlich validieren. Mithilfe von Geoinformatik Methoden wurden schließlich die Distanzen jedes einzelnen Wohnhauses zur jeweils nächstgelegenen relevanten Einrichtung berechnet. Anhand der drei Kategorien konnten besonders gut versorgte Gemeinden und Regionen sichtbar gemacht werden. Die hier vorgestellten Ergebnisse stellen einen ersten Schritt dar, auf welche Weise die Daten der Gebäude und Wohnungszählung sowie der Arbeitsstättenzählung für eine Unter suchung kurzer Fußwege in Gemeinden verwendet werden können. Für eine genauere Untersuchung der Fußwege in den Gemeinden bietet sich eine umfassendere Analyse an. Eine Erweiterung der Indikatoren um Kennzahlen zur Anbindung an den öffentlichen Verkehr, an Grün und Erholungs flächen sowie Kultureinrichtungen würde das Bild in Bezug auf kurze Wege in den Gemeinden ver tiefen. [10] Ein statistisches Modell könnte darüber hinaus Aufschluss geben, welche Faktoren kurze Wege begünstigen. Weiters kann überlegt werden, welche Indikatoren für eine Bewertung der Qualität von Fußwegen herangezogen werden können. 10 Ogrodnik (2019): »Indicators of the Compact City Concept«. Kaprun Das im Bezirk Zell am See ge legene 3 085 Einwohner:innen (2021) zählende Kaprun ist die am stärksten vom Touris mus geprägte Gemeinde in dieser Auswahl. Rund ein Drittel der Arbeitsstätten in Kaprun zählen zu ÖNACEAbschnitt I Beherbergung und Gastro nomie; ebenso arbeitet rund ein Drittel der Be schäftigten in diesem Wirtschaftsbereich. Bei den drei anderen Beispielgemeinden liegen die Anteile zwischen 3 % und 6 %. Darüber hinaus war die Zahl der Nebenwohnsitze 2021 mit rund 33 % deutlich über dem österreichischen Mittelwert von 9 %. Der Anteil der Auspendler:innen lag mit knapp 43 % dagegen deutlich unter dem bundesweiten Durch schnitt von 54 %. In Kaprun gibt es eine Volksschule und eine Mittelschule sowie einige Ärzt:innen und ein Am bulatorium. Der größte Teil des Gemeinde gebiets besteht aus Gebirge; mit einer Besiedlungsdichte von 312 Bewohner:innen pro Quadratkilometer Dauersiedlungsraum ist Kaprun eher dicht ver baut. ▶ Tabelle Die Auswertung nach den drei Kriterien ergab, dass Nahversorger und Gesundheitseinrichtungen im Mittel (Median) innerhalb von 500 m erreich bar sind, Pflichtschulen innerhalb von 1 000 m. Im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden ist die Nahversorgung in Kaprun ebenso wie im benach barten Piesendorf besonders gut. Ähnlich gut ist die Erreichbarkeit von Pflichtschulen in den drei Nach bargemeinden Niedernsill, Uttendorf und Fusch. Mit der fußläufigen Erreichbarkeit von Gesundheits einrichtungen ist Kaprun ebenso wie Piesendorf, Niedernsill und die Bezirkshauptstadt Zell am See bestens versorgt. 0 40 20 km 3 000 und mehr 2 000 bis unter 3 000 1 000 bis unter 2 000 500 bis unter 1 000 bis unter 500 48STATjournal 6 – 2025 Zu Fuß unterwegs in Österreichs Gemeinden Eine Analyse von Gehdistanzen Glossar ÖNACE ÖNACE ist die österreichische Version der europäischen Klassifikation der Wirtschafts tätigkeiten, die in allen EUMitgliedstaaten in der Wirtschaftsstatistik verbindlich anzuwenden ist (»NACE« steht für »nomenclature générale des activités économiques dans les communau tés européennes«). Sie umfasst alle Wirtschafts tätigkeiten und hat fünf Gliederungsebenen: Abschnitte, Abteilungen, Gruppen, Klassen und Unterklassen (= nationale Erweiterung). Die übergeordnete Gliederungsebene besteht dabei jeweils aus einem oder mehreren Elementen der untergeordneten Ebene. Median Der Median wird ermittelt, indem alle Werte der Höhe nach sortiert werden. Der Median ist jener Wert, unter bzw. über dem jeweils die Hälfte der Werte liegt. Er bezeichnet somit den Zentralwert. Im Unterschied zum arithmetischen Mittel, das den Durchschnitt aller Werte angibt, wird der Median weniger stark von extrem großen bzw. kleinen Werten beeinflusst und ist dadurch robuster gegenüber sogenannten Ausreißern. Planungsgemeinschaft OST (Wien 2024): » ▶ Monitoring Siedlungsentwicklung in der Stadtregion+ 2023«. Pozoukidou, G. / Chatziyiannaki, Z. (Thessaloniki 2021): » ▶ 15-Minute City; Decomposing the New Urban Planning Eutopia«, in: MDPI Sustainabiltiy Foundation: »Sustainability« Jg. 13, H. 2, Art. 928. Richter, B. et al. (Dresden 2016): ▶ »Analyse von Wegdistanzen in Städten zur Verifizierung des Ökosystemleistungsindikators ›Erreichbar- keit städtischer Grünflächen‹ «, in: Universtität Salzburg: »AGIT; Journal für Angewandte Geo informatik« Jg. 2, S. 472– 481. Stumfol, I. et al. (Wien 2023): »Leerstand mit Aussicht; Erhebung und Aktivierung im Orts und Stadtkern«. Auf Basis der oben genannten Weiterent wicklung dieses Themas könnten BestPractice Beispiele und/oder eine Typologie von Gemeinden und Städten mit kurzen Wegen anhand von Fall beispielen erarbeitet werden. Nicht zuletzt wäre es interessant diese Fallbeispiele im Rahmen von Begehungen genauer zu erforschen. Literaturverzeichnis Abdullahi, S. et al. (2015): ▶ »GIS-based modeling for the spatial measurement and evaluation of mixed land use development for a compact city«, in: Taylor & Francis: »GIScience & Remote Sens ing« Jg. 52, H. 1, S. 18 –39. Bukow, W.-D. et al. (Hg.) (Wiesbaden 2023):
»(Re) Konstruktion von lokaler Urbanität«. Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur / klimaaktiv mobil:
▶ »Die Idee der 15-Minuten-Stadt«. Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur / Österreich zu Fuß:
▶ »Willst du mit mir gehen?« Mobilitätsagentur Wien: ▶ Wien zu Fuß Ogrodnik, K. (Bialystok 2019): » ▶ Indicators of the Compact City Concept; Necessary Data and the Possibility of Application«, in: Silesian Uni versity of Technology: »Architecture Civil Engi neering Environment« Jg. 12, H. 4, S. 23 –36. Österreichische Raumordnungskonferenz
(Wien 2024): » ▶ 17. Raumordnungsbericht; Analysen und Berichte zur räumlichen Ent wicklung Öster reichs 2021–2023«. WEITERFÜHRENDES Ein Blick auf die Gemeinde ▶ Aspach ▶ Kalwang ▶ Kaprun ▶ Mannersdorf / Leithagebirge Erhebungsinfos ▶ Registerzählung Interaktive Karten ▶ Regionale Gliederungen Österreichs Publikationen ▶ Arbeitsstättenzählung 2021 ▶ Gebäude- und Wohnungs- zählung 2021 Services ▶ Regionale Gliederungen ▶ Regionalstatistisches Datenangebot STATergebnisse ▶ Wohnen StandardDokumentation ▶ Registerzählung 2021 Berichte ▶ ÖROK – Erreichbarkeits- analyse 2024 49STATjournal 6 – 2025 Die Hauptaufgabe eines bevölkerungsbezogenen Krebsregisters ist die Publikation verschiedener Kennzahlen zur Beschreibung der Belastung einer Bevölkerung durch Krebserkrankungen. Diese epi- demiologischen Kennzahlen sind Inzidenz, Über- lebenswahrscheinlichkeiten und Prävalenz. Daten zur Krebsmortalität liefert in Österreich die amt- liche Todesursachenstatistik. Das ▶ Österreichische Nationale Krebsregister (OeNKR) von Statistik Austria stellt jährlich die genannten ▶ Kennzahlen der Krebsstatistik zur Verfügung. Die Krebsinzidenz, welche die Krebs- neuerkrankungen pro Kalenderjahr angibt, wird einerseits in absoluten Zahlen und andererseits als Rate, d. h. bezogen auf die österreichische Wohn- bevölkerung dargestellt. Absolute Zahlen zu den jährlichen Krebsneuerkrankungen sind vor allem in der Planung der Gesundheitsversorgung not- wendig. Ist man allerdings an der Entwicklung des Krebsrisikos im Zeitvergleich oder an regionalen Vergleichen interessiert, so ist es notwendig, die absoluten Zahlen in Relation zur Wohnbevölkerung der Bezugsregion zu setzen. Dies kann in Form roher Raten oder altersstandardisierter Raten erfolgen. Während rohe Raten nur den Umfang der jeweili- gen Gesamtbevölkerung einbeziehen, wird bei der Altersstandardisierung auch deren Altersstruktur be- rücksichtigt. Dadurch wird die Kennzahl um Effekte einer sich im Zeitverlauf ändernden Altersstruktur bzw. unterschiedlicher Alterszusammensetzungen der jeweiligen Bezugs bevölkerungen adjustiert. Technisch vereinfacht gesprochen wird die jeweilige Krebsstatistik Wie die Wahl der Standardbevölkerung die Krebsinzidenzraten verändert Altersstandardisierte Krebsinzidenzraten sind eine zentrale Kennzahl, um Erkrankungs- risiken zwischen verschiedenen Regionen, unabhängig von der Bevölkerungsgröße und der Altersstruktur der Bevölkerung, zu vergleichen. Sie ermöglichen Aussagen über zeitliche Entwicklungen und regionale Unterschiede, sind jedoch nur im Verhältnis in- terpretierbar – nicht in ihrer absoluten Höhe. Das Österreichische Nationale Krebsregis- ter von Statistik Austria verwendet die Europäische Standardbevölkerung 2013 für die Altersstandardisierung, einer Empfehlung für Krebsregister in Europa folgend. In welt- weiten Publikationen zur Krebsinzidenz wird hingegen eine Weltstandardbevölkerung genutzt. Die Verwendung verschiedener Standardbevölkerungen führt bei gleichem zugrunde liegendem Krebsrisiko zu unterschiedlich hohen Krebsinzidenzraten. Die Höhe der Rate hängt stark von Tumorlokalisation und mittlerem Erkrankungsalter ab. Der folgende Beitrag erläutert die Hinter gründe der Altersstandardisierung und zeigt die Auswirkungen unterschiedlicher Standard bevölkerungen auf die Krebsinzidenzraten. Petra Ihle
ist seit mehr als 15 Jahren bei Statistik Austria in der Direktion Bevölkerung tätig und beschäftigt sich als Allrounderin der Gesund- heitsstatistik vorwiegend mit der Krebsstatistik. Martin Kropik
ist Diplomierter Gesund- heits- und Krankenpfleger und verstärkt seit 2023 das Team des Österreichischen Nationalen Krebsregisters. Monika Hackl
ist Psychologin und Medizin- wissenschaftlerin und leitet seit 2002 das Österreichische Nationale Krebsregister bei Statistik Austria.