50 Verdienststrukturerhebung STATjournal 3 – 2024 (2,8 %), Gesundheits- und Sozialwesen (3,2 %) sowie Beherbergung und Gastronomie (5,2 %). Insgesamt verdienten Frauen 2022 gemessen am Median 15,73 Euro und Männer 18,69 Euro brutto pro Stunde. Die mittleren Bruttostunden verdienste der Frauen lagen somit um 15,8 % unter jenen der Männer. ▶ Tabelle 6 Berufsgruppen In allen Berufshauptgruppen laut ÖISCO-08 waren die mittleren Bruttostundenverdienste der Frauen niedriger als jene der Männer. Bei den Führungskräften war der Verdienstunterschied zwischen den Geschlechtern mit 24,9 % am höchs ten. Zudem stiegen Frauen seltener in Führungs positionen auf. Nur 3,5 % der Frauen, aber 6,6 % der Männer zählten laut Verdienststrukturerhebung 2022 zu den Führungskräften. Allgemein lagen die Bruttostundenverdienste von Führungskräften mit 34,64 Euro erwartungs gemäß an der Spitze, gefolgt von Beschäftigten in akademischen Berufen mit 24,39 Euro und Fachkräften in technischen und gleichrangi gen nichttechnischen Berufen mit 20,82 Euro. Bürokräfte und verwandte Berufe verdienten mit 17,21 Euro etwas weniger als Personen in Handwerks- und verwandten Berufen mit 17,93 Euro. Am niedrigsten waren die Verdienste von Beschäftigten in Dienstleistungsberufen sowie von Verkäufer:innen mit 13,16 Euro bzw. von Hilfsarbeitskräften mit 12,30 Euro brutto pro Stunde. ▶ Tabelle 7 Tabelle 6 Bruttostundenverdienste nach Wirtschaftstätigkeit 2022 Median in Euro Wirtschaftsabschnitt Männer und Frauen Männer Frauen B–S (ohne O) Gesamt 17,49 18,69 15,73 B–F Produzierender Bereich 19,28 19,78 17,06 B Bergbau 18,98 19,08 18,54 C Herstellung von Waren 19,77 20,66 16,94 D Energieversorgung 27,12 28,19 24,10 E Wasserversorgung und Abfallentsorgung 15,82 16,03 15,03 F Bau 18,26 18,42 17,20 G–N, P–S Dienstleistungsbereich 16,49 17,66 15,47 G Handel 15,30 17,24 14,10 H Verkehr 15,90 16,15 15,06 I Beherbergung und Gastronomie 11,16 11,50 10,91 J Information und Kommunikation 24,63 26,42 21,34 K Finanz- und Versicherungsleistungen 24,42 27,79 22,07 L Grundstücks- und Wohnungswesen 18,70 20,12 17,61 M Freiberufliche/Technische Dienstleistungen 21,33 24,11 19,08 N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen 13,78 15,01 11,73 P Erziehung und Unterricht 18,13 21,06 17,28 Q Gesundheits- und Sozialwesen 18,08 18,58 17,98 R Kunst, Unterhaltung und Erholung 14,91 15,71 14,06 S Sonstige Dienstleistungen 16,70 18,97 15,51 Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebung 2022. – Ohne Lehrlinge. – Wirtschaftsabschnitte gemäß ÖNACE 2008. Tabelle 7 Bruttostundenverdienste nach Beruf 2022 Median in Euro Berufshauptgruppe Männer und Frauen Männer Frauen Führungskräfte 34,64 37,30 28,02 Akademische Berufe 24,39 26,74 21,89 Techniker:innen und gleichrangige nichttechnische Berufe 20,82 22,28 19,15 Bürokräfte und verwandte Berufe 17,21 17,89 16,87 Dienstleistungsberufe, Verkäufer:innen 13,16 13,42 13,12 Handwerks- und verwandte Berufe 17,93 18,08 14,66 Bediener:innen Anlagen und Maschinen, Montageberufe 15,94 16,31 14,10 Hilfsarbeitskräfte 12,30 13,57 11,11 Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebung 2022. – Ohne Lehrlinge. – Berufsklassifikation gemäß ÖISCO-08.
51
Verdienststrukturerhebung
STATjournal
3 – 2024
Arbeitsrechtliche Stellung
Das Merkmal arbeitsrechtliche Stellung zeigt,
dass Arbeiter:innen 2022 mit 15,12 Euro insgesamt
um 25,9 % weniger verdienten als Angestellte
mit 20,40 Euro brutto pro Stunde. Die Verdienste
der geringfügig Beschäftigten lagen im Mittel bei
11,63 Euro und damit um 43,0 % unter jenen der
Angestellten.
Die Bruttostundenverdienste der weiblichen
Angestellten waren mit 17,82 Euro um 25,5 %
geringer als jene der männlichen Angestellten mit
23,90 Euro brutto pro Stunde. Bei den Arbeiter:in-
nen war der relative Lohnunterschied zwischen
Frauen und Männern mit 28,3 % noch größer: Die
Bruttostundenverdienste der Arbeiterinnen lagen
bei 11,64 Euro, während die Arbeiter 16,24 Euro
verdienten. Bei den geringfügig Beschäftigten ver-
dienten Frauen im Mittel 11,41 Euro und Männer
12,00 Euro brutto pro Stunde. Der Verdienstunter-
schied zwischen Frauen und Männern war mit
4,9 % in dieser Gruppe deutlich geringer.
Frauen (70,4 %) arbeiteten dabei wesentlich
häufiger in einem Angestelltenverhältnis als
Männer (49,2 %), während der Anteil der Arbeiter
(47,2 %) jenen der Arbeiterinnen (22,0 %) übertraf.
▶ Tabelle 8
Atypisch Beschäftigte
Im Jahr 2022 waren insgesamt 58,6 % der
Frauen und 21,3 % der Männer atypisch beschäf-
tigt. Der Frauenanteil unter den atypisch Beschäf-
tigten lag bei 66,7 %.
Atypisch Beschäftigte verdienten mit 15,27 Euro
brutto pro Stunde um insgesamt 18,3 % weniger
als Beschäftigte mit einem Normalarbeitsverhältnis
mit 18,68 Euro. Bei den Frauen war der Verdienst-
unterschied zwischen Normalarbeitsverhältnis
und atypischer Beschäftigung mit 10,4 % geringer,
während er bei den Männern mit 18,3 % genau
dem Gesamtwert entsprach.
Tabelle 8
Bruttostundenverdienste nach arbeitsrechtlicher Stellung 2022
Median in Euro
Arbeitsrechtliche Stellung
Männer
und
Frauen
Männer Frauen
Angestellte 20,40 23,90 17,82
Arbeiter:innen 15,12 16,24 11,64
Geringfügig Beschäftigte 11,63 12,00 11,41
Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebung 2022. – Ohne Lehrlinge.
Die Bruttostundenverdienste der (ausschließ-
lich) Teilzeitbeschäftigten lagen mit 16,15 Euro
um 13,6 % und die der befristet Beschäftigten mit
15,60 Euro um 16,5 % unter den Verdiensten der
Beschäftigten mit einem Normalarbeitsverhältnis.
Am geringsten waren die Verdienste der gering-
fügig Beschäftigten, die um 37,8 % unter jenen der
Beschäftigten mit einem Normalarbeitsverhältnis
lagen. Im stark männlich dominierten Bereich der
Leih- und Zeitarbeit betrug der Abstand zu den
Beschäftigten mit einem Normalarbeitsverhältnis
16,7 %. ▶ Grafik 3
Höchste abgeschlossene
Schulbildung
Einen eindeutig positiven Einfluss auf die Höhe
der Verdienste hat die Ausbildung. Im Jahr 2022
verdienten Beschäftigte mit höchstens Pflicht-
schulabschluss 13,15 Euro brutto pro Stunde,
während die mittleren Bruttostundenverdienste
von Personen mit Lehrabschluss mit 17,08 Euro
um 29,8 % darüber lagen. Beschäftigte mit BHS-
Matura verdienten mit 20,42 Euro um 19,6 % mehr
als jene mit abgeschlossener Lehre. Der Abschluss
einer Universität oder Fachhochschule brachte mit
24,17 Euro im Mittel ein Plus von 18,4 % gegenüber
einem BHS-Abschluss.
Frauen verfügten öfter über höhere Bildungs-
abschlüsse als Männer. 18,9 % der Frauen, aber nur
52
Verdienststrukturerhebung
STATjournal
3 – 2024
15,7 % der Männer, die in der Verdienststrukturer-
hebung 2022 erfasst wurden, hatten einen Univer-
sitäts- oder Fachhochschulabschluss. Im Gegen-
satz dazu verfügten deutlich mehr Männer (38,9 %)
als Frauen (25,4 %) über einen Lehrabschluss.
Die Verdienste der Frauen waren 2022 jedoch
in allen Ausbildungskategorien niedriger als die
der Männer. So verdienten Frauen mit Hoch-
schulabschluss im Median 21,58 Euro und damit
um 21,0 % weniger als Männer mit 27,32 Euro.
Am höchsten war der Verdienstunterschied bei
Frauen und Männern mit BHS-Matura; hier lagen
die Verdienste der Frauen mit 17,92 Euro um 24,2 %
unter jenen der Männer mit 23,66 Euro.
Mit einem BMS-Abschluss verdienten Frauen
um 18,6 % weniger als Männer. Etwas größer war
der Geschlechterunterschied bei Beschäftigten mit
Lehrabschluss mit 20,0 %. Die Differenz zwischen
Frauen und Männern mit Pflichtschulabschluss lag
bei 18,9 %. ▶ Tabelle 9
Alter
Bezogen auf das Alter stiegen die Verdienste
speziell bei den jüngeren Beschäftigten in den
Altersgruppen von 15 bis 39 Jahren im Mittel stark
an. Dies hängt auch mit der unterschiedlichen
Dauer der Bildungswege zusammen. Beschäf-
tigte zwischen 30 und 39 Jahren verdienten bei-
spielsweise mit 18,00 Euro um 18,8 % mehr als
20- bis 29-Jährige mit 15,15 Euro. Gleichzeitig
erhöhte sich der Anteil der Beschäftigten mit dem
Abschluss einer Universität oder Fachhochschule
von 14,1 % auf 24,4 %.
In den mittleren Altersgruppen von 40 bis 59
Jahren war der Zuwachs zwischen den Gruppen
deutlich schwächer und der Anteil der Beschäftig-
ten mit dem Abschluss einer Universität oder Fach-
hochschule geringer. In der Gruppe der Beschäf-
tigten ab 60 Jahren lagen die Verdienste mit 1,4 %
sogar leicht unter jenen der 50- bis 59-Jährigen.
Bei den Frauen stiegen die Bruttostunden-
verdienste in den mittleren Altersgruppen weni-
Tabelle 9
Bruttostundenverdienste nach Ausbildung 2022
Median in Euro
Höchste abgeschlossene Schulbildung
Männer
und
Frauen
Männer Frauen
Höchstens Pflichtschulabschluss 13,15 14,42 11,69
Lehrabschluss 17,08 18,24 14,58
Berufsbildende mittlere Schule, Meisterprüfung 18,75 20,87 16,99
Allgemeinbildende höhere Schule 15,46 16,56 14,60
Berufsbildende höhere Schule 20,42 23,66 17,92
Kolleg, Akademie, hochschulverwandte Lehranstalt 20,22 23,52 19,36
Universität, Fachhochschule 24,17 27,32 21,58
Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebung 2022. – Ohne Lehrlinge.
Grafik 3
Bruttostundenverdienste nach Beschäftigungsverhältnis 2022
Median in Euro
Normalarbeits-
verhältnis
Atypische
Beschäftigung
Ausschließlich
Teilzeit
BefristetGeringfügig Leih- und
Zeitarbeit
18,68 15,27 16,15 15,60 11,61 15,56
19,45
15,89
17,82
16,22
12,00
15,91
16,75
15,01 15,74 15,02
11,41
14,47
Formen atypischer Beschäftigung:
Männer Frauen Männer und Frauen
Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebung 2022. – Ohne Lehrlinge.
53
Verdienststrukturerhebung
STATjournal
3 – 2024
ger stark als bei den Männern, und auch das
Verdienstniveau nahm bereits früher ab. Der
Abstand zwischen den Bruttostundenverdiensten
von Frauen und Männern stieg in den höheren
Altersgruppen daher tendenziell an. Die Differenz
zwischen den mittleren Bruttostundenverdiensten
von Frauen und Männern betrug in der Altersgrup-
pe 20 bis 29 Jahre 14,0 %, in der Gruppe 30 bis 39
Jahre 17,4 % und bei Beschäftigten in der Gruppe
60 Jahre und älter 25,5 %. ▶ Grafik 4
Dauer der Unternehmens-
zugehörigkeit
Eine Zunahme der Verdienste sowohl für Män-
ner als auch für Frauen bewirkt dagegen die Dauer
der Zugehörigkeit zum Unternehmen. [5] Im Unter-
schied zu Beschäftigten mit einer Zugehörigkeits-
dauer von unter einem Jahr (14,04 Euro) verdien-
ten jene mit einer Unternehmens zugehörigkeit
von 15 bis 19 Jahren mit 21,51 Euro insgesamt um
rund die Hälfte mehr. Beschäftigte mit 30 und mehr
Jahren verdienten mit 25,69 Euro das 1,8-fache der
Gruppe unter einem Jahr.
Bei den Frauen stiegen die Verdienste ebenso
wie bei den Männern mit der Dauer der Unter-
nehmenszugehörigkeit an. Insgesamt erreichten
jedoch nur 9,6 % der Frauen und 14,6 % der Männer
eine Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen
von mehr als 20 Jahren. Mehr als 30 Jahre schafften
nur 2,6 % der Frauen und 6,3 % der Männer. Insge-
samt waren Frauen im Durchschnitt sieben Jahre
und Männer acht Jahre im selben Unternehmen
beschäftigt, sodass Frauen insgesamt weniger vom
Senioritätsprinzip profitierten. ▶ Grafik 5
5 Die Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen misst die
Beschäftigungsdauer seit dem Eintritt in das Unternehmen
in vollen Jahren. Unterbrechungen von über einem Jahr
werden abgezogen.
Grafik 4
Bruttostundenverdienste nach Altersgruppe 2022
Median in Euro
15 bis 19 Jahre 20 bis 29 Jahre 30 bis 39 Jahre 40 bis 49 Jahre 50 bis 59 Jahre 60 Jahre u. älter
11,25 15,15 18,00 18,72 19,00 18,74
12,07
16,05
18,95
20,38 20,83 20,37
10,89
13,81
16,61 16,84 16,65
15,16
Männer Frauen Männer und Frauen
Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebung 2022. – Ohne Lehrlinge.
Grafik 5
Bruttostundenverdienste nach Unternehmenszugehörigkeit 2022
Median in Euro
Unter
1 Jahr
1 bis
5 Jahre
6 bis
9 Jahre
10 bis
14 Jahre
15 bis
19 Jahre
20 bis
29 Jahre
30 und mehr
Jahre
14,04 16,54 18,40 20,26 21,51 22,93 25,69
15,14
17,56
19,45
21,66
23,13
24,72
26,30
12,75
15,16
17,08
18,50 19,63 20,79
24,27
Männer Frauen Männer und Frauen
Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebung 2022. – Ohne Lehrlinge.
54
Verdienststrukturerhebung
STATjournal
3 – 2024
Staatsangehörigkeit
Der Bruttostundenverdienst von Beschäftigten
mit österreichischer Staatsbürgerschaft lag 2022 im
Mittel (Median) bei 18,58 Euro. Beschäftigte ohne
österreichische Staatsbürgerschaft verdienten mit
14,59 Euro im Mittel um 21,5 % weniger. Eine Aus-
nahme bildeten Beschäftigte aus den alten EU-Mit-
gliedstaaten (Beitritt vor 2004), die mit 18,82 Euro
geringfügig höhere Verdienste erzielten als öster-
reichische Staatsangehörige. Diese Gruppe bestand
2022 zu rund 70 % aus Deutschen.
Die Bruttostundenverdienste von Beschäftigten
aus den neuen Beitrittsländern (Beitritt ab 2004)
lagen mit 14,12 Euro um 24,0 % unter jenen von
österreichischen Staatsangehörigen. Beschäftigte
mit einer Staatsbürgerschaft, die dem ehemaligen
Jugoslawien zuzurechnen ist (ohne Slowenien und
Kroatien), verdienten mit 14,44 Euro um 22,3 %
weniger als österreichische Staatsangehörige.
Bei türkischen Staatsangehörigen lagen die Ver-
dienste mit 13,69 Euro sogar um 26,3 % darunter.
Die niedrigsten Verdienste verzeichneten Frauen
mit türkischer Staatsangehörigkeit. Diese lagen mit
11,31 Euro um 28,1 % unter jenen der türkischen
Männer mit 15,73 Euro und hatten damit den größ-
ten geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied
nach Staatsangehörigkeit. Die geringste Differenz
Regionale Unterschiede
Unter allen Bundesländern waren die Ver-
dienste in Vorarlberg mit 19,48 Euro am höchsten
und im Burgenland mit 15,40 Euro am niedrigsten.
Im Vergleich zu den Bruttostundenverdiensten
insgesamt lagen die Verdienste in Vorarlberg damit
um 11,3 % über dem Mittel und jene im Burgenland
um 12,0 % darunter.
Nach Geschlecht erzielten die Männer in Vorarl-
berg mit 21,40 Euro brutto pro Stunde die höchsten
Verdienste. Die mittleren Bruttostundenverdienste
der Frauen lagen in Vorarlberg mit 16,60 Euro um
22,4 % unter jenen der Männer. Vorarlberg war
2022 damit auch das Bundesland mit den höchsten
geschlechtsspezifischen Verdienstunterschieden.
Die Verdienste der Frauen erreichten dagegen
in Wien mit 16,89 Euro den höchsten Wert, jene
der Männer lagen bei 19,04 Euro. Somit war Wien
mit 11,3 % das Bundesland mit dem geringsten
Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern.
▶ Tabelle 10
Tabelle 10
Bruttostundenverdienste
nach Bundesland 2022
Median in Euro
Bundesland
Männer
und
Frauen
Männer Frauen
Burgenland 15,40 16,34 14,14
Kärnten 16,93 17,94 15,35
Niederösterreich 16,74 17,70 15,12
Oberösterreich 18,03 19,34 15,66
Salzburg 17,68 18,84 15,86
Steiermark 17,23 18,63 14,97
Tirol 17,24 18,66 15,51
Vorarlberg 19,48 21,40 16,60
Wien 17,89 19,04 16,89
Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebung 2022. –
Ohne Lehrlinge.
Tabelle 11
Bruttostundenverdienste nach Staatsangehörigkeit 2022
Median in Euro
Staatsangehörigkeit
Männer
und
Frauen
Männer Frauen
Österreich 18,58 20,20 16,67
Nicht-Österreich 14,59 15,59 12,72
EU-27 (ohne Österreich) bzw. EWR/Schweiz/UK 15,09 15,92 13,23
EU-14 (Mitgliedstaaten vor 2004) bzw. EWR/Schweiz/UK 18,82 19,75 17,63
EU-13 Beitrittsstaaten ab 2004 14,12 15,12 12,12
Ehemaliges Jugoslawien (außerhalb der EU) 14,44 16,06 12,10
Türkei 13,69 15,73 11,31
Andere 12,78 13,44 11,75
Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebung 2022. – Ohne Lehrlinge. – Zum EWR zählen neben
den EU-Mitgliedstaaten auch Liechtenstein, Norwegen und Island.
55
Verdienststrukturerhebung
STATjournal
3 – 2024
Glossar
Atypische Beschäftigung Atypische Beschäf-
tigung enthält die Gruppen Teilzeit, Befristung,
geringfügige Beschäftigung sowie Leih- und
Zeitarbeit. Für die Darstellung der einzelnen
Beschäftigungsformen wurden überschneidungs-
freie Gruppen gebildet: Befristete Beschäftigung
wurde dabei sowohl bei Voll- als auch bei Teilzeit
als solche gezählt. Geringfügige Beschäftigung
wurde ebenfalls als eigene Beschäftigungsform
definiert, auch wenn diese befristet war. Leih- und
Zeitarbeitskräfte wurden generell ohne Beachtung
weiterer Merk male der entsprechenden Gruppe
zugeteilt, sodass Teilzeitbeschäftigung letztlich
nur die Kategorie ausschließlich Teilzeit umfasst.
Berufe laut ÖISCO Die Internationale Standard-
klassifikation der Berufe 2008 (ISCO-08) ist ein
System, mit dem man Informationen über Berufe
klassifizieren und aggregieren kann. Durch
die Ausnahme des Abschnitts O Öffentliche Ver-
waltung, Landesverteidigung; Sozialversicherung
wurden in der Verdienststrukturerhebung Be-
schäftigte öffentlicher Einrichtungen nicht erfasst,
dies betrifft auch die Ergebnisse für Lehrkräfte an
öffentlichen Schulen oder das Personal in öffent-
lichen Kindergärten, aber z. T. auch Ärzt:innen
sowie Gesundheitsfachkräfte.
Teilzeitbeschäftigung Als Teilzeitbeschäftigte
gelten alle Personen, deren vertraglich vereinbarte
Arbeitszeit nicht dem vollen Ausmaß der gemäß
Arbeitszeitgesetz oder Kollektivvertrag geltenden
Normalarbeitszeit entspricht. Geringfügig Be-
schäftigte sind – wenn nicht anders ausgewiesen –
bei den Teilzeitbeschäftigten inkludiert.
verzeichneten Frauen und Männer aus den alten
EU-Mitgliedstaaten mit 10,7 %. Bei Frauen aus den
neuen EU-Beitritts ländern lagen die Bruttostunden-
verdienste um 19,8 % unter jenen der Männer.
Bei den Beschäftigten mit einer österreichischen
Staatsangehörigkeit waren es 17,5 %. ▶ Tabelle 11
Fazit
Die Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung
zeigen ein differenziertes Bild zur Verteilung der
Löhne und Gehälter in Österreich. Zwar sind die
Verdienste ausgehend vom Basisjahr 2006 bis 2022
gestiegen, die Entwicklung war jedoch in den ein-
zelnen Branchen sehr unterschiedlich und durch
die Wirtschafts- und Finanzkrise unterbrochen.
Strukturell blieb der Abstand zwischen hohen
und niedrigen Verdiensten weitgehend stabil.
Die Verdienstunterschiede zwischen Branchen
und Berufen sowie zwischen Frauen und Männern
blieben ebenso markant. Zudem waren die Brutto-
stundenverdienste von Teilzeitbeschäftigten und
atypisch Beschäftigten deutlich niedriger als jene
von Vollzeitbeschäftigten bzw. Beschäftigten
in Normalarbeitsverhältnissen. Arbeiter:innen
verdienten deutlich weniger als Angestellte und
Beschäftigte ohne österreichische Staatsbürger-
schaft weniger als Beschäftigte mit einer öster-
reichischen Staatsangehörigkeit.
Die größten Verdienstunterschiede ergaben sich
in den Berufsgruppen: 2022 verdienten Führungs-
kräfte beinahe dreimal so viel wie Hilfskräfte.
Nach Branche waren die Verdienste in der Energie-
versorgung im Mittel 2,4-mal so hoch wie jene in
der Beherbergung und Gastronomie. Beschäf-
tigte mit Hochschulabschluss verdienten 1,8-mal so
viel pro Stunde wie jene mit höchstens Pflichtschul-
abschluss. Nach Altersgruppe war der Anstieg bei
den Frauen nicht so stark wie bei den Männern.
Eine starke Zunahme sowohl für Frauen als auch
für Männer bewirkte dagegen das Senioritätsprin-
zip, wonach mit der Dauer der Zugehörigkeit zum
Unternehmen die Verdienste steigen.
56
Verdienststrukturerhebung
STATjournal
3 – 2024
Verdienste Die Bruttostundenverdienste und
die Bruttomonatsverdienste beziehen sich auf
den Oktober 2022 und werden ohne Mehr- und
Überstunden ausgewiesen (enthalten sind hin-
gegen Zuschläge für Nacht-, Schicht-, Sonn- und
Feiertagsarbeit). Monatsverdienste, die sich
nicht auf einen ganzen Monat beziehen, wurden
auf die volle Periode umgerechnet.
Die Bruttojahresverdienste beziehen sich auf
das Kalenderjahr 2022 und enthalten jährliche
Sonderzahlungen, Mehr- und Überstunden
sowie Zuschläge für Nacht-, Schicht-, Sonn- und
Feiertagsarbeit. Auch hier wurden Verdienste,
die sich nicht auf ein ganzes Jahr beziehen, auf
ein volles Jahr umgerechnet.
Wirtschaftstätigkeit nach ÖNACE (» Branche«)
Die ÖNACE ist die österreichische Version der
internationalen Klassifikation der Wirtschafts-
zweige. Mit ihrer Hilfe kann jeder Wirtschaftstätig-
keit in Österreich ein Code zugewiesen werden.
Infolge der grundlegenden Revision der Klassi-
fikation im Jahr 2008 ist ein detaillierter Vergleich
nach einzelnen Wirtschaftsabschnitten in der
Verdienststrukturerhebung erst ab 2010 möglich.
Der Abschnitt O Öffentliche Verwaltung, Ver-
teidigung; Sozialversicherung ist nicht enthalten,
dies betrifft auch Beschäftigte öffentlicher Ein-
richtungen in anderen Wirtschaftsabschnitten,
speziell in den Bereichen P Erziehung und
Unterricht, Q Gesundheits- und Sozialwesen
und R Kunst, Unterhaltung und Erholung.
WEITERFÜHRENDES
STATergebnisse
▶ Verdienststruktur
▶ Gender-Statistiken –
Einkommen
Datenbank STATcube
▶ Bruttoverdienste ÖNACE
▶ Stundenverdienste
Beschäftigten merkmale
▶ Stundenverdienste
soziale Stellung
▶ Stundenverdienste Staats-
angehörigkeit, Bundesland,
Beschäftigtenverhältnis
▶ Stundenverdienste
Unternehmensmerkmale
Standard-Dokumentation
▶ Verdienststrukturerhebung
57STATjournal
3 – 2024
Kathrin Lais
Thomas Reich
Johannes Chalupa
Thomas Schachl
Roswitha Grabner-Trieb
u. a. eine Änderung der Darstellungseinheit auf
Unternehmens ebene. [1] Für die VGR hat dies zur
Konsequenz, dass sich die Bruttowertschöpfung
zwischen einzelnen Wirtschaftsbereichen ver-
schiebt. Eine Änderung des Bruttoinlandsprodukts
(BIP) ergibt sich daraus nicht. Allerdings wurden
im Zuge der daraus resultierenden Überarbeitung
weitere Änderungen implementiert, die Auswir-
kungen auf das Niveau einzelner Bestandteile der
VGR und damit auch des BIP haben. Dabei handelt
es sich um die Integration neuer Datenquellen
und adaptierter Methoden auf Basis umfassender
Evaluierungen einzelner Bestandteile des VGR-
Rechenwerks. Die Hintergründe und Auswirkungen
dieser Änderungen sind Gegenstand des vorliegen-
den Artikels. [2]
1 Bachleitner et al. (2023): ▶ »Leistung- und Struktur-
statistik 2021«.
2 Änderungen von Konzepten und Definitionen spielen
bei der beschriebenen Revision keine Rolle, da sich
die Rechtsgrundlage der VGR (»Europäisches System
Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen« – ESVG 2010)
nicht geändert hat.
Von einer Revision spricht man in den Volkswirt-
schaftlichen Gesamtrechnungen (VGR), wenn
bisher publizierte Ergebnisse überarbeitet werden.
Übliche Ursachen für diese Überarbeitungen sind
die Integration neuer oder aktualisierter Daten-
quellen, adaptierte methodische Herangehens-
weisen und/oder die Integration von Konzept-
und Definitionsänderungen auf Basis geänderter
Rechtsgrundlagen. Generell wird zwischen laufen-
den Revisionen und Zeitreihenrevisionen unter-
schieden. Während bei laufenden Revisionen nur
die drei letztpublizierten Jahre aufgrund aktuali-
sierter Datengrundlagen und darauf basierenden
Strukturinformationen revidiert werden, wird
bei Zeitreihenrevisionen die Datenreihe bis 1995
zurück überarbeitet. Zeitreihenrevisionen finden in
der Regel alle fünf Jahre und auf EU-Ebene akkor-
diert statt. Dadurch bleibt die länderübergreifen de
Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet.
Bei den im September 2024 publizierten
Daten der VGR fand eine Zeitreihenrevision
statt. Die Notwendigkeit dieser Revision geht
auf die Umstellung der Leistungs- und Struktur-
statistik (LSE) – eine der zentrale Datenquellen
für die VGR – zurück. Damit verbunden war
Im Jahr 2024 fand in Österreich eine europaweit harmonisierte umfassende Revision
der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) statt. Dadurch ändern sich zen -
trale volkswirtschaftliche Größen – allen voran das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – bis
1995 zurück. Der Artikel erläutert den Hintergrund sowie Ursachen und Auswirkungen
der Revision und liefert Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2023.
Großrevision der VGR
Europaweit koordinierte Anpassung
der Zeitreihen 1995 –2023