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Glossar Arbeitslose  Nach dem ILO-Konzept gelten jene Personen zwischen 15 und 74 Jahren als arbeitslos, die • nicht erwerbstätig im Sinne der ILO sind, • während der Referenzwoche und den drei Wochen davor aktiv eine Arbeit gesucht haben oder bereits eine Stelle gefunden haben und diese in maximal drei Monaten antreten • und innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit auf­ nehmen können.   Zu beachten ist, dass arbeitssuchende Personen, die ansonsten die Kriterien der Arbeitslosigkeit erfüllen (aktive Arbeitssuche, Verfügbarkeit), nach dieser Definition nicht als arbeitslos ­gelten, wenn sie eine oder wenige Stunden in der Referenzwoche gearbeitet haben. Die Teilnahme an Schulungsmaßnahmen und Ausbildungen wird nicht als Form der Arbeitssuche betrachtet. Erwerbstätige  Nach dem ILO-Konzept gelten Personen dann als erwerbstätig, wenn sie in der Referenzwoche mindestens eine Stunde als Unselbständige, Selbständige oder mithelfende Familienangehörige gearbeitet haben. Haben sie nur aufgrund von Urlaub, Zeitausgleich, Alters­ teilzeit, anderer Arbeitszeitregelung, Krankheit, beruflicher Aus- und Weiterbildung oder Mutter­ schutz/Papamonat nicht gearbeitet, gehen aber ansonsten einer Arbeit nach, gelten sie ebenfalls als erwerbstätig. Personen in Elternkarenz mit Kinderbetreuungsgeldbezug und Rückkehrrecht zum:zur Arbeitgeber:in bzw. jene, deren Karen­ zierung nicht länger als drei Monate dauert, ­Personen, die aus sonstigen Gründen maximal drei Monate nicht arbeiten, Saisonarbeitskräfte, die zwar saisonbedingt in der Referenzwoche nicht gearbeitet haben, aber in der Nebensaison regelmäßig für den Betrieb tätig sind, sowie Lehr­ linge zählen ebenfalls zu den Erwerbstätigen. ­Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen. 40 Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten STATjournal 3 – 2024 Meraner, A. / Gumprecht, D. / Kowarik, A. (Wien 2016): »Weighting Procedure of the Austrian Microcen­ sus using Administrative Data«, in Österreichische Statistische Gesellschaft: »Austrian Journal of Statistics«, Vol. 45 Nr. 3, S. 3 –14. ­Erwerbsverhältnissen in die Arbeitslosigkeit bzw. die Erwerbsinaktivität wechseln. In einigen ­Gruppen verstärkten sich diese Strukturen tenden­ ziell mit dem Wirtschaftsabschwung 2023, wobei davon besonders Personen mit maximal Pflicht­ schulabschluss, Arbeiter:innen und Hilfsarbeits­ kräfte betroffen waren. Literaturvezeichnis Forster, J. / Gumprecht, D. (Wien 2022): »Erwerbs­ status – internationale Definition ab 2021; Änderungen der internationalen Definitionen von Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit«, in: Statistik Austria: »Statistische Nachrichten« 10/2022, S. 736 –746. Gumprecht, D. / Langer, V. (Wien 2022): »Dynami­ ken des österreichischen Arbeitsmarktes 2020; Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Bewegungen am Arbeitsmarkt 2020 unter Nutzung der Längsschnittdaten der Mikrozen­ sus-Arbeitskräfteerhebung«, in: Statistik Austria: »Statistische Nachrichten« 04/2022, S. 252–267. Gumprecht D. / Langer, V. (Wien 2023): »Dynami­ ken des österreichischen Arbeitsmarktes 2021 und 2022; Jahresdurchschnitte und Quartals­ übergänge von Erwerbstätigen, Arbeitslosen und Nicht-Erwerbspersonen unter Nutzung der Längsschnittdaten der Mikrozensus- Arbeitskräfteerhebung«, in Statistik Austria: »­Statistische Nachrichten« 12/2023, S. 930 – 939. Gumprecht, D. / Meraner, A. / Baierl, A. (Wien 2018): »Mikrozensus-Längsschnittdaten; Nut­ zung der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung für die Analyse der Dynamik des österreichi­ schen Arbeitsmarktes – Aufbau der zugrunde­ liegenden Datenbestände«, in: Statistik Austria: »Statistische Nachrichten« 07/2018, S. 588 –599.

Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung (MZ-AKE)  In Österreich wird die AKE im Rahmen des MZ durchgeführt. Der MZ ist eine Stichproben­ erhebung, bei der pro Quartal Informationen von ungefähr 45 000 Personen erhoben werden. Die österreichische AKE ist Teil der europäi­ schen AKE, die in allen Mitgliedsländern der EU durchgeführt wird. Dabei werden in zufällig aus­ gewählten privaten Haushalten Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitsuche in standar­ disierter Form erhoben. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet. Die MZ-AKE ist eine kontinuierliche Befragung, die alle Wochen eines Jahres in gleicher Weise abdeckt. Die Stichprobe ist eine nach Bundes­ ländern geschichtete Zufallsauswahl von Haus­ halten. Ein gezogener Haushalt bleibt in fünf aufeinanderfolgenden Quartalen Teil der Stich­ probe und wird in jedem Quartal befragt. Pro Quartal scheidet ein Fünftel der Haushalte aus und wird durch neu gezogene Haushalte ersetzt (Fünftel-­Rotation). Mikrozensus-Flow-Datenbestand (MZ-Flow- Bestand)  Die Flow-Bestände werden aus MZ-Quartalsbeständen erzeugt und beinhalten ausgewählte persönliche und jobbezogene Informationen über alle Personen, die in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen Teil der Stich­ probenauswahl waren und in zumindest einem der beiden Quartale erfolgreich befragt wurden. Diese Flow-Bestände werden eigens imputiert und gewichtet. Durch diese eigenständige Ge­ wichtung und Datenaufbereitung weichen die MZ-Flow-Ergebnisse, also etwa die Zahl der Arbeitslosen oder Erwerbstätigen, in geringem Umfang von den MZ-Quartalsergebnissen ab. Die Fehlerrechnung für die MZ-Flow-Bestände wird, wie bei den MZ-AKE-Quartalsbeständen, mit Hilfe von Replikationsgewichten aus einem Bootstrapverfahren durchgeführt. Für jede Person des MZ-Flow-Bestandes werden zusätz­ lich zu den Längsschnittgewichten 500 Boots­ trapgewichte berechnet (Meraner et al, 2016). Als Faustregel für die Interpretierbarkeit von MZ-Quartalsergebnissen gilt: Werte mit einem Variationskoeffizienten über 17 % sind sehr stark zufallsbehaftet und Werte mit einem Variations­ koeffizienten über 25 % sind statistisch nicht interpretierbar. Gesamtfluktuationsrate  Sie gibt den Anteil aller Veränderungen bzw. aller Übergänge an der Gesamtbevölkerung (15–64 Jahre) an. Alle Über­ gänge aus der Übergangsmatrix werden auf­ summiert und als Anteil der Gesamtbevölkerung berechnet: ((E → A) + (E → NE) + (A → E) + (A → NE)

  • (NE → E) + (NE → A)) / (E + A + NE) ILO-Konzept  Beim ILO-Konzept (auch Labour Force-Konzept bzw. LFK) basiert die Zuordnung von Personen zu Erwerbstätigen, Arbeitslosen und Nicht-Erwerbspersonen auf den Richtlinien der internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Als erwerbstätig gilt eine Person, wenn sie in der Referenzwoche mindestens eine Stunde ge­ arbeitet hat, als arbeitslos, wenn sie in ­diesem Sinne nicht erwerbstätig war, aktuell aktive Schritte zur Arbeitssuche getätigt hat und kurz­ fristig zu arbeiten beginnen könnte. Die genauen definitorischen Kriterien finden sich im Glossar unter den Stichworten »Erwerbstätige«, »Arbeits­ lose«, »Nicht-Erwerbspersonen« und bilden die Grundlage für die internationale Vergleichbarkeit. Sie sind international maßgebend für Statistiken der Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit. ISCO-08  Die internationale Standardklassifi­ kation der Berufe (ISCO – International ­Standard Classification of Occupations) ist die internatio­ nale Berufsklassifikation, derzeit gültig in der ­Fassung von 2008. Sie umfasst vier Gliederungs­ tiefen: Berufshauptgruppen, Berufsgruppen, Berufsuntergruppen und Berufsgattungen. 41 Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten STATjournal 3 – 2024

Übergangsraten  Sie geben den Anteil an ­Personen, die ihren Erwerbsstatus vom Vor­ quartal zum aktuellen Quartal geändert haben, an der jeweiligen Erwerbsstatusgruppe an. Die Übergangsraten bilden die Gegenstücke zu den Stabilitätsraten. • Übergangsrate der Erwerbstätigen: ((E → A) + (E → NE)) / E • Übergangsrate der Arbeitslosen: ((A → E) + (A → NE)) / A • Übergangsrate der Nicht-Erwerbspersonen: ((NE → E) + (NE → A)) / NE Nicht-Erwerbspersonen  Nach dem ILO-­ Konzept zählen zu den Nicht-Erwerbspersonen all jene, die nach der jeweiligen Definition weder erwerbstätig noch arbeitslos sind. ÖNACE 2008  ÖNACE ist die österreichische Version der europäischen Klassifikation der Wirtschaftstätigkeiten, die in allen EU-Mitglied­ staaten in der Wirtschaftsstatistik verbindlich anzuwenden ist (»NACE« steht für »nomencla­ ture générale des activités économiques dans les communautés européennes«). Sie umfasst alle Wirtschaftstätigkeiten und hat fünf Gliederungs­ ebenen: Abschnitte, Abteilungen, Gruppen, Klas­ sen und Unterklassen (= nationale Erweiterung). Stabilitätsraten  Sie geben den Anteil an Personen an, die ihren jeweiligen Erwerbsstatus vom Vorquartal zum aktuellen Quartal nicht ver­ ändert haben, die also »stabil« geblieben sind. Sie finden sich in der Diagonale der Übergangs­ matrix. (E → E) / E, (A → A) / A, (NE → NE) / NE. Übergangsmatrix bzw. 3x3-Matrix  Diese Matrix beinhaltet alle möglichen Übergangs­ kombinationen zwischen den Erwerbsstatus­ gruppen: Erwerbstätigkeit (E), Arbeitslosigkeit (A) und Nicht-Erwerbsperson bzw. Erwerbsinaktivität (NE). Die Übergänge können in absoluten Zahlen oder in Prozent (Übergangsraten) der jeweili­ gen Erwerbsstatusgruppe dargestellt sein und prinzipiell in zwei Richtungen erfolgen. Es kann erstens danach gefragt werden, was z. B. aus den Erwerbstätigen im Folgequartal wird, oder zwei­ tens, welchen Erwerbsstatus die Erwerbstätigen des aktuellen Quartals im Vorquartal hatten. Die hier behandelten und hier dargestellten Über­ gangsraten beziehen sich immer auf den zuerst genannten Fall (»Zeilenprozent«). Erwerbs­ tätige Arbeits­ lose Nicht- Erwerbs­ personen Erwerbstätige ( E → E ) ( E → A ) ( E → NE ) Arbeitslose ( A → E ) ( A → A ) ( A → NE ) Nicht-Erwerbs­ personen ( NE → E ) ( NE → A ) ( NE → NE ) 42 Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten STATjournal 3 – 2024 WEITERFÜHRENDES STATergebnisse ▶ Erwerbsstatus

43STATjournal 3 – 2024 Wie haben sich die Löhne und Gehälter in Öster- reich entwickelt? Wie unterscheiden sich die Verdienstmöglichkeiten nach Branche und Beruf? Welchen Einfluss haben Geschlecht, Alter, Dauer der Beschäftigung oder der Bildungsabschluss auf das Verdienstniveau? Diese und weitere Fragen stehen im Fokus des folgenden Beitrags auf Basis der Daten der Verdienststrukturerhebung. Die Erhebung gibt Auskunft über die Verdienste von unselbständig Beschäftigten in Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten im Produzierenden Bereich sowie
im Dienstleistungsbereich (Abschnitte B–N und P–S der Wirtschaftsklassifikation ÖNACE 2008). Die Daten bieten detaillierte Informationen zu Löhnen und Gehältern sowie zur Arbeitszeit und ermögli- chen umfangreiche Analysen nach Merkmalen wie Branche, Beruf, Alter, Geschlecht, Ausbildung, Voll- und Teilzeit, Dauer der Unternehmenszugehörig- keit, Region oder Staatsangehörigkeit. Zur Verfü- gung stehen sowohl Bruttostundenverdienste als auch Bruttomonats- und Bruttojahresverdienste. Methodischer Hintergrund Die Verdienststrukturerhebung wird in Abständen von vier Jahren nach harmonisierten Standards durchgeführt. Im Rahmen einer Stich- probenerhebung wurden zuletzt bei rund 11 000 Unternehmen Informationen zu mehr als 200 000 Beschäftigten erhoben. Die Teilnahme an der Befragung war für die Unternehmen gemäß der Verdienststrukturstatistik-Verordnung [1] gesetzlich verpflichtend. Die Rücklaufquote betrug 98 %. Um den Aufwand für die Unternehmen so gering wie möglich zu halten, wurde die Befragung auf jene Merkmale eingeschränkt, die nicht aus Register- oder Verwaltungsdaten gewonnen werden konnten. Hochgerechnet repräsentiert die Verdienst- strukturerhebung 2022 rund 2,8 Mio. unselbständig Beschäftigte (ohne Lehrlinge) in den erfassten Wirtschaftsbereichen. Laut EU-Recht ausgenommen 1 Verdienststrukturstatistik-Verordnung 2007
(BGBl. II Nr. 66/2007) i. d. g. F. ▶ RIS Unselbständig Beschäftigte in Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten in der Privatwirtschaft verdienten 2022 im Mittel (Median) 17,49 Euro brutto pro Stunde. Inflationsbereinigt stiegen die Bruttostundenverdienste ausgehend vom Basis - jahr 2006 bis zum Jahr 2022 um insgesamt 5,7 %. Das Wachstum war jedoch durch konjunkturelle Schwankungen unterbrochen. Das Verhältnis zwischen hohen und niedrigen Erwerbseinkommen blieb insgesamt annähernd stabil. Große Lohnunter - schiede bestehen weiterhin nach Branchen und Berufen sowie zwischen Frauen und Männern. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Verdienststrukturerhebung. Tamara Geisberger
ist Projektleiterin der Verdienststruktur- und
der Gender-Statistik
bei Statistik Austria und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit unterschied- lichen Aspekten der Einkommensverteilung. Bernhard Hoser
ist als Sozialwissenschaftler im Bereich Soziales und Lebensbedingungen bei Statistik Austria tätig und Projektmitarbeiter der Verdienststruktur erhebung. Verdienststrukturerhebung Analysen zur Entwicklung und Verteilung
der Löhne und Gehälter

44 Verdienststrukturerhebung STATjournal 3 – 2024 sanken die Verdienste im Produzierenden Bereich zwischen 2010 und 2014 um 0,9 %, im Dienst- leistungsbereich betrug der Rückgang nur 0,4 %. Zwischen 2014 und 2018 war der Zuwachs im Produzierenden Bereich dagegen mit 3,5 % stärker als im Dienstleistungsbereich mit 2,0 %. In der Periode 2018 bis 2022 flachte sich der Anstieg mit 0,6 % im Produzierenden Bereich wiederum stärker ab als im Dienstleistungsbereich mit 1,1 %. Zwischen den einzelnen Wirtschaftsabschnitten zeigen sich ebenfalls deutliche Verdienstunter- schiede. Bezogen auf die letzte Periode zwischen 2018 und 2022 war der Anstieg im Produzierenden Bereich vor allem getragen durch ein Plus von 1,4 % in der beschäftigungsstärksten Branche, der Herstellung von Waren. In den kleineren Wirt- schaftsabschnitten zeigt sich im Bergbau (+4,8 %) sowie in der Wasserversorgung und Abfall- entsorgung (+2,0 %) real ein Zuwachs. Dem steht sind die ÖNACE-Abschnitte A Land- und Forst- wirtschaft, Fischerei und O Öffentliche Ver- waltung, Verteidigung; Sozialversicherung. [2]
Lehrlinge werden zwar in der Verdienststrukturer- hebung erfasst, wurden zur besseren Vergleichbar- keit der Ergebnisse jedoch nicht einbezogen. Für einen tiefergehenden Einblick in die Meta- daten steht auf der Website von Statistik Austria die ▶ Standard-Dokument ation zur Verfügung, wobei sich die Methodik gegenüber der letzten Erhebung nicht verändert hat. Detaillierte Tabellen zur Verdienststruktur- erhebung 2022 sind ebenfalls über die ▶ Website abrufbar. Darüber hinaus werden die Datensätze über ▶ STATcube und für die wissenschaft liche Nutzung im ▶ Austrian Micro Data Center (AMDC) zur Verfügung gestellt. Zeitvergleich Von 2006 bis 2022 stiegen die Bruttostunden- verdienste inflationsbereinigt um 5,7 %, wie in ▶ Grafik 1 ersichtlich. Das Wachstum war jedoch durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 unterbrochen. Zwischen 2006 und 2010 nahmen die Bruttostundenverdienste real um 3,3 % zu und gingen nach dem Einsetzen der Wirtschaftskrise
in den Jahren 2010 bis 2014 um 1,1 % zurück.
Mit einem Plus von 2,6 % war im Zeitraum 2014 bis 2018 dagegen wieder ein Zuwachs zu verzeichnen. Zwischen 2018 und 2022, der Zeit der Coronapan- demie und dem Beginn der Phase hoher Inflation, war der Anstieg mit real 0,8 % deutlich geringer. Im Produzierenden Bereich lag der Verdienst- zuwachs zwischen 2006 und 2022 mit real 7,6 % über jenem im Dienstleistungsbereich mit 5,9 %, aber auch die Schwankungen waren größer.
Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 2 Aufgrund der Ausnahme des Abschnitts O werden auch öffentliche Einrichtungen in anderen Wirtschaftsabschnit- ten nicht erfasst; dies betrifft vor allem die Abschnitte P Erziehung und Unterricht, Q Gesundheits- und Sozial- wesen sowie R Kunst, Unterhaltung und Erholung. Grafik 1 Entwicklung der Bruttostundenverdienste Inflationsbereinigt, in Prozent 100 105 110

2006 2010 2014 2018 2022 103,1 102,7 104,8 105,9 104,3 103,3 106,9 107,6 103,3 102,1 104,8 105,7 Real insgesamt Produzierender Bereich Dienstleistungsbereich
Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebungen 2006 bis 2022. – Ohne Lehrlinge. – Inflationsbereinigt anhand des Verbraucherpreisindex (VPI) 2005. 45 Verdienststrukturerhebung STATjournal 3 – 2024 zu beobachten. Am stärksten war das Minus im Bereich Finanz- und Versicherungsdienst­ leistungen mit 4,7 %. Trotz der Unterschiede in der Entwicklung zeigen sich kaum strukturelle Veränderungen. Wie in den Jahren davor waren die Bruttostun­ denverdienste auch 2022 in den Abschnitten Energie­versorgung (27,12 Euro), Informa­ tion und Kommunikation (24,63 Euro) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (24,42 Euro) am höchsten. Am niedrigsten waren die Verdienste wiederum in der Beherbergung und Gastro­nomie mit 11,16 Euro brutto pro Stunde (ohne Trink­gelder). ▶ Tabelle 1 ein Rückgang in der Energieversorgung (–4,7 %) und im Bau (–0,5 %) gegenüber. Im Dienstleistungsbereich erreichte der ­Handel als größter Wirtschaftsabschnitt inflationsberei­ nigt ein Plus von 1,0 %. Die Abschnitte sonstige Dienstleistungen (+3,5 %), freiberufliche und technische Dienstleistungen (+3,0 %) sowie Information und Kommunikation (+1,5 %) verzeichneten einen stärkeren Zuwachs. Weitge­ hend stabil blieb die Entwicklung in den ­Bereichen Kunst, ­Unterhaltung und Erholung (+0,5 %), Beherbergung und Gastronomie (+0,3 %) sowie Gesundheits- und Sozialwesen (+0,0 %). In allen anderen Wirtschaftsabschnitten war ein Rückgang Tabelle 1 Entwicklung der Bruttostundenverdienste nach Wirtschaftstätigkeit Wirtschaftsabschnitt Bruttostundenverdienste (Median) in Euro Inflationsbereinigte Veränderung in % 2010 2014 2018 2022 2010/2014 2014/2018 2018/2022 B–S (ohne O)  Gesamt 12,79 13,87 15,09 17,49 −1,1 2,6 0,8 B–F  Produzierender Bereich 13,98 15,19 16,66 19,28 − 0,9 3,5 0,6 B Bergbau 13,53 15,00 15,75 18,98 1,1 −1,0 4,8 C Herstellung von Waren 14,28 15,48 16,96 19,77 −1,2 3,3 1,4 D Energieversorgung 21,33 22,60 24,75 27,12 −3,4 3,3 − 4,7 E Wasserversorgung und Abfallentsorgung 11,53 12,78 13,48 15,82 1,1 − 0,5 2,0 F Bau 13,19 14,51 15,96 18,26 0,3 3,8 − 0,5 G–N, P–S  Dienstleistungsbereich 12,01 13,12 14,19 16,49 − 0,4 2,0 1,1 G Handel 11,07 12,32 13,17 15,30 1,5 0,9 1,0 H Verkehr 12,57 13,26 14,24 15,90 − 3,8 1,3 −2,9 I Beherbergung und Gastronomie 7,89 8,67 9,67 11,16 0,1 5,3 0,3 J Information und Kommunikation 18,55 19,37 21,10 24,63 − 4,8 2,8 1,5 K Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 18,86 20,40 22,29 24,42 −1,4 3,1 − 4,7 L Grundstücks- und Wohnungswesen 13,40 14,96 16,48 18,70 1,8 3,9 −1,4 M Freiberufliche/Technische Dienstleistungen 15,43 16,86 18,01 21,33 − 0,3 0,7 3,0 N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen 10,00 11,00 12,13 13,78 0,3 4,1 −1,3 P Erziehung und Unterricht 14,20 15,10 16,35 18,13 − 3,0 2,1 − 3,6 Q Gesundheits- und Sozialwesen 13,00 14,16 15,73 18,08 − 0,6 4,8 0,0 R Kunst, Unterhaltung und Erholung 11,29 11,92 12,90 14,91 − 3,7 2,1 0,5 S Sonstige Dienstleistungen 12,01 12,92 14,03 16,70 −1,9 2,4 3,5 Q: STATISTIK AUSTRIA, Verdienststrukturerhebungen 2006 bis 2022. – Ohne Lehrlinge. – Wirtschaftsabschnitte gemäß ÖNACE 2008. – Inflationsbereinigt anhand des Verbraucherpreisindex (VPI) 2005.