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33 Zum Thema  Freiwilligentätigkeit STATjournal 3 – 2024 ÖNACE  »NACE« steht für »nomenclature générale des activités économiques dans les communautés européennes« ÖNACE ist die österreichische Version der europäischen Klassi­ fikation der Wirtschaftstätigkeiten, die in allen EU-Mitgliedstaaten in der Wirtschaftsstatistik verbindlich anzuwenden ist. Sie umfasst alle Wirtschaftstätigkeiten und hat fünf Gliederungs­ ebenen: Abschnitte, Abteilungen, Gruppen, Klas­ sen und Unterklassen (= nationale Erweiterung). Die übergeordnete Gliederungsebene besteht dabei jeweils aus einem oder mehreren Elemen­ ten der untergeordneten Ebene. Statistisches Unternehmensregister (URS)  Hauptaufgabe des URS ist die systematische, möglichst zeitnahe Erfassung von Informationen zu allen in Österreich ansässigen und wirtschaft­ lich aktiven Einheiten und Organisationen, die für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen von Bedeutung sind. Große Wichtigkeit hat es als Grundlage für die Festlegung der Grund­ gesamtheit aller Unternehmenserhebungen von Statistik Austria. Es dient als Auswahlrahmen für Stichprobenziehungen und Hochrechnungen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Führung von Klassifikationen (z. B. ÖNACE). WEITERFÜHRENDES Bericht ▶ Freiwilliges Engagement ▶ Satellitenkonto für den NPO-Bereich Publikation ▶ Zeitverwendung Standard-Dokumentation ▶ Freiwilligentätigkeit ▶ Zeitverwendungserhebung Statistische Nachrichten ▶ Beteiligung an ­Freiwilligentätigkeiten | STATjournal 1 – 2024

34 Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten STATjournal 3 – 2024 Daniela Gumprecht
ist seit mehr als 15 Jahren bei Statistik Austria in der Direktion Bevölkerung tätig, wo sie sich mit verschie- denen Themen im Bereich der Arbeitsmarktstatistik beschäftigt. Veronika Langer
ist seit 2019 als Sozialwis- senschaftlerin im Bereich Arbeitsmarkt tätig und arbeitet unter anderem an der Mikrozensus-Arbeits- kräfteerhebung mit. Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten Der Artikel zeigt die Dynamik am österreichischen Arbeitsmarkt in den Jahren 2021 bis 2023. Dabei liegt der Fokus auf der Frage, ob bestimmte Gruppen von Erwerbstätigen hinsichtlich ihrer Erwerbsstatuswechsel stärker von den sehr unterschiedlichen kon- junkturellen Bedingungen – von starkem Wachstum bis zur Rezession – und arbeits - marktpolitischen Herausforderungen – Stichwort Fach- und Arbeitskräftemangel – beeinflusst waren. Betrachtet werden dafür die Übergangsraten von Erwerbstätigen nach verschiedenen soziodemographischen und erwerbsstatistischen Merkmalen in den Jahren 2021, 2022 und 2023. eine Reihe von Fragen beantwortet werden, z. B. wie viele und welche Personen waren erwerbstätig und wurden arbeitslos? Bleiben Frauen eher Nicht- Erwerbspersonen als Männer? Welche Branchen verzeichneten besonders viele Zu- oder Abgänge von Erwerbstätigen? Die MZ-Flow-Datenbestände werden aus den MZ-Quartalsbeständen unter Nutzung der Längsschnittdimension der MZ-AKE erstellt. Sie beinhalten arbeitsmarktstatistisch rele- vante Informationen über die befragten Personen in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Damit kann für jede Person festgestellt werden, wie sich ihre Stellung am Arbeitsmarkt von einem Quartal zum nächsten verändert hat. Außerdem kann ein Jahresdurchschnitt aller vier Quartalsübergänge [2]
betrachtet werden. Dies ermöglicht es, strukturelle Unterschiede bestimmter Personengruppen unab- hängig von unterjährigen Mustern zu erkennen. 2 Der Jahresdurchschnitt berechnet sich aus den Übergän- gen von Quartal 1 zu Quartal 2 (Q1–Q2), Q2–Q3, Q3–Q4 und Q4 –Q1 (wobei Q1 bereits das 1. Quartal des Folgejahres ist). Über den österreichischen Arbeitsmarkt können
aus den Quartals- und Jahresergebnissen der Mikro zensus-Arbeitskräfteerhebung (MZ-AKE) wich- tige Erkenntnisse gewonnen werden. Kennzahlen aus den Querschnittsbeständen geben u. a. Aus- kunft über die Anzahl von Erwerbstätigen, Arbeits- losen und Nicht-Erwerbspersonen (Arbeitsmarkt- status: Erwerbsinaktivität) in einem bestimmten Zeitraum. Ein Vergleich dieser Größen über die Zeit zeigt, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt. Inte- ressiert man sich für die Dynamik am Arbeitsmarkt, sollten zusätzlich zu den Bestandsgrößen und ihren Veränderungen auch die Bewegungen, die hinter diesen Veränderungen stehen, betrachtet werden. Mit Hilfe der Mikrozensus-Flow-Bestände [1] können 1 Kurz MZ-Flow-Bestände. Ältere Ausgaben der Statistischen Nachrichten liefern weitere Informationen zu den MZ- Flow-Beständen. Grundlegendes zum Aufbau findet sich in Heft 07/2018. Methodische Anpassungen, die sich durch das Inkrafttreten gesetzlicher Änderungen ab 01.01.2021 ergaben, sind in Heft 12/2023 beschrieben. Allgemeine Informationen zu den Änderungen im Jahr 2021 und den Auswirkungen auf die Bestimmung des Erwerbsstatus finden sich in Heft 10/2022. 35 Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten STATjournal 3 – 2024 erneut auf 8,8 %. Diese Entwicklung zeigte sich
bei Männern und Frauen in gleichen Maßen. Die Analyse der MZ-Flow-Bestände zeigt inte- ressante Bewegungen hinter diesen Bestands- größen und lässt vermuten, dass die gestiegene Dynamik im Jahr 2023 auch auf mehr Ausstiege aus dem Arbeitsmarkt zurückzuführen ist. Die Daten legen nahe, dass im Jahr 2023 die Wahr- scheinlichkeit für einen Wechsel von der Arbeits- losigkeit in die Erwerbsinaktivität größer (2022: 18,6 %, 2023: 19,1 %), die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels von der Arbeitslosigkeit in eine Beschäf- tigung hingegen kleiner wurde (2022: 35,6 %, 2023: 34,9 %). Die Stabilitätsrate der Arbeitslosen, d. h. der Anteil der Personen, die sowohl im aktuellen wie auch im Vorquartal arbeitslos waren, blieb de facto unverändert (2022: 45,9 %, 2023: 46,0 %). Das bedeutet, Arbeitslose zogen sich tendenziell öfter vom Arbeitsmarkt zurück bzw. konnten seltener in der Erwerbstätigkeit Fuß fassen. Gleichzeitig sank die Stabilitätsrate der Nicht- Erwerbspersonen um einen Prozentpunkt (2022: 86,6 %, 2023: 85,6 %). Die Wahrscheinlichkeit für einen Wechsel aus der Erwerbsinaktivität in die Arbeitslosigkeit stieg (von 4,2 % im Jahr 2022 auf 4,8 % im Jahr 2023). Die Wahrscheinlichkeit aus der Erwerbsinaktivität in eine Erwerbstätigkeit zu wechseln, lag im Jahr 2023 bei 9,7 % (2022: 9,2 %). Es sind also mehr Nicht-Erwerbspersonen in den Arbeitsmarkt eingetreten und zwar sowohl in die Arbeitslosigkeit als auch in die Erwerbstätigkeit. ▶ Grafik Arbeitslose und Erwerbsinaktive weisen in Hinblick auf die Stabilitätsrate große Geschlechter- unterschiede auf. Diese unterschieden sich 2023 um etwa vier Prozentpunkte, wobei die Arbeits- losenstabilitätsrate der Männer mit 47,8 % über
jener der Frauen (43,7 %) lag, während die Nicht- Erwerbspersonenstabilitätsrate der Frauen mit 87,4 % höher war als jene der Männer (82,9 %). [6]
In den Jahren 2021 und 2022 waren diese 6 Hier zeigen sich u. a. die längeren Abwesenheiten vom Arbeitsplatz aufgrund von Betreuungsaufgaben und das frühere Pensionsantrittsalter der Frauen. Dynamiken am Arbeits- markt 2021–2023 Nach den von der COVID-19-Pandemie gepräg- ten Jahren 2020, in dem die österreichische Wirt- schaftsleistung ein Minus von 6,2 % zum Vorjahr verzeichnen musste, und 2021, in dem das reale Bruttoinlandsprodukt bereits wieder ein Plus von 4,8 % aufwies, folgte mit 2022 ein weiteres Jahr mit einem deutlichen Wirtschaftswachstum von 5,3 %. Aber schon im darauffolgenden Jahr 2023 änderte sich die wirtschaftliche Lage markant und Österreichs Wirtschaft schrumpfte mit einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,0 % erneut. [3] Die Rezession kam auch am Arbeitsmarkt an, wenngleich sich das nicht in einem starken Anstieg bei den Arbeitslosen zeigte. Betrachtet man die Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen, so stieg die Zahl der Arbeitslosen von 2022 auf 2023 laut MZ- AKE nur um knapp 20 000 auf 240 000 an, während aber gleichzeitig die Zahl der Erwerbstätigen um zirka 35 000 auf 4,4 Mio. anstieg und die Zahl der Nicht-Erwerbspersonen um gut 20 000 auf 1,3 Mio. zurückging. [4]
Betrachtet man die Dynamik am Arbeitsmarkt in diesem Zeitraum, zeigen sich große Verände- rungen. Waren die Jahre 2020 und 2021 noch von hohen Gesamtfluktuationsraten geprägt (2020: 9,2 %, 2021: 9,4 %), sank diese im Jahr 2022 wieder auf 8,4 % und damit auf ein ähnliches Niveau wie vor der pandemiebedingten Krise. [5] Im Jahr 2023 allerdings gab es wieder mehr Bewegungen am Arbeitsmarkt, die Gesamtfluktuationsrate stieg 3 Statistik Austria: ▶ »Bruttoinlandsprodukt und Haupt- aggregate«. VGR-Revisionsstand: September 2024. 4 Hier handelt es sich um Jahresdurchschnitte aus den MZ- Flow-Beständen, d. h. es fließen in Summe fünf Quartals- bestände ein und es werden eigene Hochrechnungsge- wichte verwendet, die Ergebnisse weichen von den Jahres- ergebnissen auf Basis der MZ-Querschnittsbestände ab. 5 Für das Jahr 2020 siehe Statistische Nachrichten Heft 04/2022, für die Jahre 2021 und 2022 Statistische Nachrichten Heft 12/2023. 36 Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten STATjournal 3 – 2024 ­Unterschiede zwischen Männern und Frauen etwas geringer als 2023. Bei den Erwerbstätigen gab es kleinere Unter­ schiede zwischen Männern und Frauen. Im Jahr 2023 lag die Stabilitätsrate der erwerbstätigen Männer bei 95,4 %, die der Frauen lag bei 95,2 %. Die Übertrittswahrscheinlichkeit von erwerbstätig zu arbeitslos war bei Männern (1,6 %) größer als bei Frauen (1,4 %), die Übertrittswahrscheinlichkeit von erwerbstätig zu erwerbsinaktiv war hingegen bei Frauen (3,4 %) größer als bei Männern (3,0 %). Die Personenanzahlen je Übergang sind in den 3x3- bzw. Übergangsmatrizen der einzelnen Jahre ausgewiesen. ▶ Tabelle Erwerbstätigenwechsel nach Merkmalen Vergleicht man die Erwerbsstatuswechsel von Erwerbstätigen nach soziodemographischen Merk­ malen, zeigt sich, dass jene Gruppen, die es am Arbeitsmarkt tendenziell schwerer haben, wie z. B. junge Menschen, die erst am Beginn ihrer Erwerbs­ karrieren stehen und am Arbeitsmarkt erst Fuß ­fassen müssen, häufiger zwischen Erwerbstätig­ keit, Arbeitslosigkeit und Erwerbsinaktivität wech­ seln. Dies scheint aber unabhängig von der gene­ rellen wirtschaftlichen Lage zu sein. Dieses Bild zeigt sich sowohl 2022 in Zeiten des Wirtschafts­ wachstums als auch 2023 während der Rezession. Teilt man die Erwerbstätigen nach erwerbsstatis­ tischen Merkmalen ein, z. B. nach Branche oder beruflicher Hierarchie, zeigen sich auch hier ­unterschiedliche Dynamiken zwischen einzelnen Gruppen, wobei man bei einigen von ihnen auch Veränderungen über die Zeit erkennen kann. Grafik Übergangsraten von Erwerbstätigen, Arbeitslosen und Nicht-Erwerbspersonen in Prozent

2021 2022 2023 2021 2022 2023 2021 2022 2023 95,3 95,4 95,3 35,7 47,6 16,7 1,4 1,5 1,5 35,6 45,9 18,6 34,9 46,0 19,1 10,5 4,5 85,0 9,2 4,2 86,6 9,7 4,8 85,6 Arbeitslose Nicht-Erwerbspersonen 3,3 3,2 3,1 Arbeitslose Erwerbstätige Nicht-Erwerbs- personen Q: STATISTIK AUSTRIA, MZ-Flow-Bestände. – Jahresdurchschnitte der Quartalsübergänge 2021, 2022 und 2023. – Personen von 15 bis 64 Jahren. – Lesebeispiel: 2023 blieben 46,0 % der Arbeitslosen bei diesem Status, während 19,1 % der Arbeitslosen zu Nicht-Erwerbspersonen und 34,9 % zu Erwerbstätigen wurden. Tabelle Übergangsmatrizen für die Jahre 2021, 2022 und 2023 in Tausend Erwerbsstatus im Vorquartal Erwerbsstatus im Referenzquartal erwerbstätig arbeitslos erwerbsinaktiv 2021 Erwerbstätig 4 039,1 57,6 141,4 Arbeitslos 101,5 135,5 47,6 Erwerbsinaktiv 142,9 61,5 1 155,0 2022 Erwerbstätig 4 161,2 65,8 133,5 Arbeitslos 78,8 101,6 41,1 Erwerbsinaktiv 123,3 56,2 1 160,4 2023 Erwerbstätig 4 188,1 65,7 140,8 Arbeitslos 83,7 110,3 45,9 Erwerbsinaktiv 127,5 62,7 1 126,7 Q: STATISTIK AUSTRIA, MZ-Flow-Bestände. – Jahresdurchschnitte der Quartalsübergänge 2021, 2022 und 2023. – Personen von 15 bis 64 Jahren.

37 Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten STATjournal 3 – 2024 Höchster Bildungsabschluss Personen mit niedrigem Bildungsabschluss weisen eine größere Instabilität auf. Das wird insbesondere beim Vergleich des niedrigsten mit dem höchsten Bildungsniveau deutlich. Perso- nen mit höchstens Pflichtschulabschluss weisen eine besonders hohe Fluktuation auf. [8] Im Jahr 2023 betrug die Gesamtfluktuationsrate in dieser Gruppe 13,9 %, bei Personen mit akademischem Abschluss nur 5,7 %. Die Stabilitätsraten der Erwerbstätigen zeigen dasselbe Bild. Bei Personen mit maximal Pflicht- schulabschluss lag die Stabilitätsrate 2023 bei 90 %, Personen mit akademischem Abschluss blieben deutlich häufiger auch im Folgequartal erwerbstätig (98 %). Von 2022 auf das von der Rezession geprägte Jahr 2023 sank die ohnehin niedrige Stabilitäts- rate der Erwerbstätigen mit maximal Pflichtschul- abschluss nochmals leicht. Die Übergangsrate zur Erwerbsinaktivität stieg um fast einen Pro- zentpunkt auf 7 %. Bei Personen mit höheren Bildungsabschlüssen blieben die Stabilitätsraten der Erwerbstätigen nahezu unverändert, auch bei den Übergangsraten in die Arbeitslosigkeit bzw. Erwerbsinaktivität zeigten sich nur minimale Änderungen. Mit dem wirtschaftlichen Abschwung im Jahr 2023 schied somit die ohnehin am Arbeits- markt benachteiligte Gruppe der Personen mit niedrigem Bildungsniveau vermehrt aus der Erwerbstätigkeit aus, während die Erwerbstätigen am anderen Rand des Bildungsspektrums tenden- ziell sogar höhere Stabilitätsraten aufwiesen. 8 Bei den Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss sind naturgemäß auch viele Jüngere und z. T . noch in Aus- bildung stehende Personen enthalten, dies ist Mitgrund für die höhere Wechselwahrscheinlichkeit von erwerbs- tätig zu erwerbsinaktiv. Schließt man diese Gruppe aus und betrachtet die Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen, zeigt sich aber auch hier bei den Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss die größte Dynamik (Jahr 2023: Wechsel von erwerbstätig zu arbeitslos 3 %, Wechsel von erwerbstätig zu erwerbsinaktiv: 6 %). Altersgruppen Der Vergleich nach zehnjährigen Altersgruppen zeigte in den Jahren 2021 bis 2023 das typische Muster einer besonders hohen Fluktuation bei jüngeren Erwerbstätigen, die mit steigendem Alter abnimmt und nur in der höchsten Altersgruppe wieder zunimmt. Im Jahr 2023 lag die Gesamt- fluktuationsrate der 15- bis 24-Jährigen bei 17,4 %, im Alter von 45 bis 54 Jahren erreichte sie ihren Tiefststand mit 5,9 % und stieg in der ältesten Gruppe der 55- bis 64-Jährigen auf 6,4 % an. Diese Muster blieben über die Jahre 2021 bis 2023 relativ stabil, nur die Gesamtfluktuationsrate der 15- bis 24-Jährigen stieg von 2022 auf 2023 um fast einen Prozentpunkt (2022: 16,5 %). Die eher niedrige Stabilitätsrate der jüngsten Erwerbstätigen von rund 89 % und die recht hohe Übergangsrate in die Erwerbsinaktivität von rund 8 % sind darauf zurückzuführen, dass sich ein Teil dieser jungen Erwerbstätigen noch in Ausbildung befindet und (zeitlich befristete) Nebenjobs, bezahl- te Praktika oder Sommerjobs ausübt und somit öfters zwischen Erwerbsinaktivität und Erwerbs- tätigkeit wechselt. [7] Nach Beendigung dieser Tätigkeit gelten diese Personen zumeist wieder als erwerbsinaktiv. Einen zusätzlichen Faktor stellen junge Eltern dar, die aufgrund von Betreuungs- aufgaben ihre Erwerbstätigkeit beenden. Bei der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen zeigte sich im Jahr 2023 ebenfalls eine etwas höhere Fluktuation und eine niedrigere Stabilitätsrate der Erwerbstätigen von 94 %. Das ist auf eine vergleichsweise hohe Übergangsrate der Erwerbs- tätigen in die Erwerbsinaktivität aufgrund von Pensionierungen zurückzuführen: Rund 5 % der Erwerbstätigen dieser Altersgruppe wechselten
im Jahr 2023 von einem Quartal zum nächsten
in den Status der Erwerbsinaktivität. 7 Üben Personen neben der Ausbildung eine Nebentätigkeit oder ein bezahltes Praktikum aus, zählen sie laut ILO- Definition zu den Erwerbstätigen. 38 Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten STATjournal 3 – 2024 Erwerbsinaktivität reduzierten sich, während die Wechsel in die Arbeitslosigkeit in etwa gleich blie- ben. 2023 verringerte sich die Stabilität allerdings wieder um rund einen Prozentpunkt. Eine vergleichsweise hohe Stabilität gibt es in der Produktion (ÖNACE-Abschnitt Herstellung von Waren). Hier betrug die Stabilitätsrate der Erwerbs- tätigen in den Jahren 2021 bis 2023 rund 96 %. Im Handel [9] entsprach die Stabilitätsrate von rund 95 % in etwa dem Durchschnitt über alle Branchen. In diesen zwei Wirtschaftsabschnitten zeigte sich auch über die Jahre 2021 bis 2023 wenig Bewegung. Berufliche Stellung Hinsichtlich der beruflichen Stellung war auch im Jahr 2023 die übliche Struktur erkennbar. Arbeiter:innen wiesen eine hohe Mobilität auf (Stabilitätsrate: 92 %), Beamt:innen und Vertrags- bedienstete blieben von Quartal zu Quartal hin- gegen sehr stabil (Stabilitätsrate: 98 %). Im Verlauf der Jahre 2021 bis 2023 nahm die Diskrepanz zwi- schen den beiden Gruppen zu. Bei Arbeiter:innen verringerte sich die Stabilitätsrate von 93 % im Jahr 2021 um rund einen Prozentpunkt auf 92 % im Jahr 2023, während die der Beamt:innen und Vertragsbediensteten über die Jahre hinweg in etwa gleich blieb. Die Stabilitätsrate der Angestell- ten und freien Dienstnehmer:innen verblieb mit rund 96 % ebenfalls auf etwa gleich hohem Niveau. Auch hier finden sich Anzeichen dafür, dass sich der Wirtschaftsabschwung am ehesten bei den Erwerbstätigen bemerkbar macht, die ohnehin häufiger in die Nicht-Erwerbstätigkeit wechseln. Selbständige und unbezahlt mithelfende Per- sonen im Familienbetrieb gewannen im Verlauf der Jahre 2021 bis 2023 deutlich an Stabilität, ihre Stabilitätsrate erhöhte sich von 95 % im Jahr 2021 um insgesamt rund 2 Prozentpunkte auf 97 % in den Jahren 2022 und 2023. 9 ÖNACE-Abschnitt G Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen. Migrationshintergrund Personen mit Migrationshintergrund weisen eine höhere Fluktuation auf. Im Jahr 2023 betrug die Gesamtfluktuationsrate dieser Gruppe 12,9 %, bei Personen ohne Migrationshintergrund lag sie mit 7,1 % deutlich darunter. Das zeigt sich auch bei der Stabilitätsrate der Erwerbstätigen. Sie lag über die Jahre 2021 bis 2023 konstant bei rund 93 % (Migrationshintergrund) bzw. 96 % (kein Migrationshintergrund). Branchen Nach Branche betrachtet, zeigte sich erwar- tungsgemäß die geringste Stabilität der Erwerbs- tätigen im Tourismus (ÖNACE-Abschnitt Beher- bergung und Gastronomie) mit 89 % im Jahr 2023. Eine etwas niedrigere Stabilität als der Durchschnitt (95 %) wies auch die zweite klassische Saisonbranche, der Bau, mit 93 % auf. Während das Bauwesen durch ein Beschäftigungshoch
im Sommer und ein Beschäftigungstief im Winter gekennzeichnet ist, gibt es im Tourismus eine Doppel saison, d. h. viele Arbeitsaufnahmen im Sommer und Winter. Saisonarbeitskräfte im Touris- mus sind somit typischerweise im Sommer und Winter beschäftigt und im Frühling und Herbst arbeitslos oder erwerbsinaktiv. Dementsprechend wechseln sie in der Regel viermal im Jahr ihren Status, im Bau hingegen nur zweimal im Jahr. In den Jahren 2021 bis 2023 blieben die Über- gangsraten im Bau relativ stabil, der Trend zeigt allerdings eine geringer werdende Stabilität bei Erwerbstätigen. Das kann als Folge des Wirtschafts- abschwungs interpretiert werden. Der Tourismus war im Jahr 2021 noch stark von der Pandemie geprägt, nur 88 % der Erwerbstätigen waren auch im Folgequartal erwerbstätig, 9 % wechselten in die Erwerbsinaktivität und 3 % in die Arbeitslosigkeit. Im Jahr 2022 zeigte sich mit einer größeren Stabili- tät von 90 % eine Verbesserung der Beschäftigung im Tourismus. Insbesondere die Wechsel in die 39 Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten STATjournal 3 – 2024 mit Befristung sind die mit 11 % bis 12 % hohen Übertrittswahrscheinlichkeiten in die Erwerbs­ inaktivität. Darin spiegeln sich u. a. die Wechsel zur Erwerbsinaktivität aufgrund eines befristeten Ferialj­obs wider, aber auch saisonbedingt befristete Beschäftigungen wie beispiels­weise im Tourismus. Vollzeiterwerbstätige weisen gegenüber Teilzeit­ erwerbstätigen eine höhere Stabilität auf. In den Jahren 2021 bis 2023 blieben rund 96 % der Voll­ zeiterwerbstätigen auch im Folgequartal erwerbs­ tätig. Die Stabilitätsrate der in Teilzeit arbeitenden Personen lag mit rund 94 % in den Jahren 2021 bis 2023 auf etwas niedrigerem Niveau. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Gruppen zeigt sich bei der Übergangsrate in die Erwerbsinaktivi­ tät, diese ist bei Teilzeiterwerbstätigen höher als bei Vollzeiterwerbstätigen. Eine Rolle dabei spielen auch Wechsel von der Altersteilzeit in die Pension. Beide Gruppen zeigen nur geringe Veränderungen im Zeitverlauf 2021 bis 2023. Zusammenfassung Die Jahre 2021, 2022 und 2023 unterscheiden sich in ihrer Gesamtsituation in vielerlei Hinsicht. War der Beginn noch stark von den Ausläufern der COVID-19-Pandemie und den damit einhergehen­ den Einschränkungen geprägt, folgte dann eine Zeit des Wirtschaftswachstums, die allerdings auch mit einem Fach- und Arbeitskräftemangel einher­ ging. Gleichzeitig traten neue Krisen auf, vom Krieg in der Ukraine bis zur Rekordinflation. Im Jahr 2023 schrumpfte die Wirtschaft schließlich wieder. Diese sich ändernden Verhältnisse zeigen sich auch am Arbeitsmarkt, sowohl bei den Bestands- als auch bei den Bewegungsgrößen. Die Gesamtdynamik ging 2022 stark zurück – der Arbeitsmarkt stabilisierte sich – und stieg dann 2023 wieder merklich an. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass Gruppen mit ohnehin benachteiligter Stellung am Arbeitsmarkt wie junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und Erwerbs­ tätige in atypischer Beschäftigung vermehrt von Berufliche Hierarchie Wie beim Bildungsabschluss zeigt sich auch bei der beruflichen Hierarchie [10], dass niedrig qualifizierte Tätigkeiten durch eine höhere Insta­ bilität geprägt sind, die sich im Verlauf der Jahre 2021 bis 2023 auch noch verstärkt hat. Personen mit hochqualifizierten Tätigkeiten und Führungs­ kräfte blieben 2023 von Quartal zu Quartal zu 98 % erwerbstätig, Hilfsarbeitskräfte wiesen hingegen eine Stabilitätsrate von nur 91 % auf. Diese sank zudem im Zeitverlauf von 2021 bis 2023 um rund einen Prozentpunkt (2021: 92 %), während hoch­ qualifizierte oder Führungskräfte sogar etwas an Stabilität gewannen. Atypische Beschäftigung Auch Erwerbstätige in atypischen Beschäftigungs­ verhältnissen weisen eine deutlich höhere Instabi­ lität auf. Es gibt verschiedene Formen atypischer Beschäftigung, hier werden Leiharbeit, Befristungen und Teilzeit (nach Selbstzuordnung) betrachtet. Besonders große Unterschiede zwischen den Stabilitätsraten zeigen sich bei Personen in Leih­ arbeit und Personen, die nicht in Leiharbeitsver­ hältnissen stehen. So waren im Jahr 2023 nur 89 % der Personen in Leiharbeit auch im Folgequartal erwerbstätig, während 95 % der Personen mit einer direkten Anstellung bei ihrem:ihrer Arbeit­ geber:in auch im Folgequartal erwerbstätig waren. Außerdem zeigen die Stabilitätsraten der Perso­ nen in Leiharbeit über die Jahre hinweg größere Schwankungen (von 86 % bis 92 %). Ebenfalls große Unterschiede zeigen sich zwischen Erwerbstätigen mit befristeten Beschäf­ tigungsverhältnissen (ohne Lehre) und jenen mit unbefristeten. Die Stabilitätsrate bei Befristung lag im Jahr 2023 bei 83 % (2022: 82 %, 2021: 83 %), die ohne Befristung lag über die Jahre hinweg stabil bei 96 %. Auffällig bei der Gruppe der Erwerbstätigen 10 Skill Levels auf Basis der ISCO-08-Berufsklassifikation.