33 Zum Thema Freiwilligentätigkeit STATjournal 3 – 2024 ÖNACE »NACE« steht für »nomenclature générale des activités économiques dans les communautés européennes« ÖNACE ist die österreichische Version der europäischen Klassi fikation der Wirtschaftstätigkeiten, die in allen EU-Mitgliedstaaten in der Wirtschaftsstatistik verbindlich anzuwenden ist. Sie umfasst alle Wirtschaftstätigkeiten und hat fünf Gliederungs ebenen: Abschnitte, Abteilungen, Gruppen, Klas sen und Unterklassen (= nationale Erweiterung). Die übergeordnete Gliederungsebene besteht dabei jeweils aus einem oder mehreren Elemen ten der untergeordneten Ebene. Statistisches Unternehmensregister (URS) Hauptaufgabe des URS ist die systematische, möglichst zeitnahe Erfassung von Informationen zu allen in Österreich ansässigen und wirtschaft lich aktiven Einheiten und Organisationen, die für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen von Bedeutung sind. Große Wichtigkeit hat es als Grundlage für die Festlegung der Grund gesamtheit aller Unternehmenserhebungen von Statistik Austria. Es dient als Auswahlrahmen für Stichprobenziehungen und Hochrechnungen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Führung von Klassifikationen (z. B. ÖNACE). WEITERFÜHRENDES Bericht ▶ Freiwilliges Engagement ▶ Satellitenkonto für den NPO-Bereich Publikation ▶ Zeitverwendung Standard-Dokumentation ▶ Freiwilligentätigkeit ▶ Zeitverwendungserhebung Statistische Nachrichten ▶ Beteiligung an Freiwilligentätigkeiten | STATjournal 1 – 2024
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Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten
STATjournal
3 – 2024
Daniela Gumprecht
ist seit mehr als 15 Jahren
bei Statistik Austria in der
Direktion Bevölkerung tätig,
wo sie sich mit verschie-
denen Themen im Bereich
der Arbeitsmarktstatistik
beschäftigt.
Veronika Langer
ist seit 2019 als Sozialwis-
senschaftlerin im Bereich
Arbeitsmarkt tätig und
arbeitet unter anderem an
der Mikrozensus-Arbeits-
kräfteerhebung mit.
Arbeitsmarktstatuswechsel
in bewegten Zeiten
Der Artikel zeigt die Dynamik am österreichischen Arbeitsmarkt in den Jahren 2021 bis
2023. Dabei liegt der Fokus auf der Frage, ob bestimmte Gruppen von Erwerbstätigen
hinsichtlich ihrer Erwerbsstatuswechsel stärker von den sehr unterschiedlichen kon-
junkturellen Bedingungen – von starkem Wachstum bis zur Rezession – und arbeits -
marktpolitischen Herausforderungen – Stichwort Fach- und Arbeitskräftemangel –
beeinflusst waren. Betrachtet werden dafür die Übergangsraten von Erwerbstätigen
nach verschiedenen soziodemographischen und erwerbsstatistischen Merkmalen in
den Jahren 2021, 2022 und 2023.
eine Reihe von Fragen beantwortet werden, z. B.
wie viele und welche Personen waren erwerbstätig
und wurden arbeitslos? Bleiben Frauen eher Nicht-
Erwerbspersonen als Männer? Welche Branchen
verzeichneten besonders viele Zu- oder Abgänge
von Erwerbstätigen? Die MZ-Flow-Datenbestände
werden aus den MZ-Quartalsbeständen unter
Nutzung der Längsschnittdimension der MZ-AKE
erstellt. Sie beinhalten arbeitsmarktstatistisch rele-
vante Informationen über die befragten Personen
in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen. Damit
kann für jede Person festgestellt werden, wie sich
ihre Stellung am Arbeitsmarkt von einem Quartal
zum nächsten verändert hat. Außerdem kann ein
Jahresdurchschnitt aller vier Quartalsübergänge [2]
betrachtet werden. Dies ermöglicht es, strukturelle
Unterschiede bestimmter Personengruppen unab-
hängig von unterjährigen Mustern zu erkennen.
2 Der Jahresdurchschnitt berechnet sich aus den Übergän-
gen von Quartal 1 zu Quartal 2 (Q1–Q2), Q2–Q3, Q3–Q4 und
Q4 –Q1 (wobei Q1 bereits das 1. Quartal des Folgejahres ist).
Über den österreichischen Arbeitsmarkt können
aus den Quartals- und Jahresergebnissen der
Mikro zensus-Arbeitskräfteerhebung (MZ-AKE) wich-
tige Erkenntnisse gewonnen werden. Kennzahlen
aus den Querschnittsbeständen geben u. a. Aus-
kunft über die Anzahl von Erwerbstätigen, Arbeits-
losen und Nicht-Erwerbspersonen (Arbeitsmarkt-
status: Erwerbsinaktivität) in einem bestimmten
Zeitraum. Ein Vergleich dieser Größen über die Zeit
zeigt, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt. Inte-
ressiert man sich für die Dynamik am Arbeitsmarkt,
sollten zusätzlich zu den Bestandsgrößen und ihren
Veränderungen auch die Bewegungen, die hinter
diesen Veränderungen stehen, betrachtet werden.
Mit Hilfe der Mikrozensus-Flow-Bestände [1] können
1 Kurz MZ-Flow-Bestände. Ältere Ausgaben der Statistischen
Nachrichten liefern weitere Informationen zu den MZ-
Flow-Beständen. Grundlegendes zum Aufbau findet sich
in Heft 07/2018. Methodische Anpassungen, die sich durch
das Inkrafttreten gesetzlicher Änderungen ab 01.01.2021
ergaben, sind in Heft 12/2023 beschrieben. Allgemeine
Informationen zu den Änderungen im Jahr 2021 und den
Auswirkungen auf die Bestimmung des Erwerbsstatus
finden sich in Heft 10/2022.
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Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten
STATjournal
3 – 2024
erneut auf 8,8 %. Diese Entwicklung zeigte sich
bei Männern und Frauen in gleichen Maßen.
Die Analyse der MZ-Flow-Bestände zeigt inte-
ressante Bewegungen hinter diesen Bestands-
größen und lässt vermuten, dass die gestiegene
Dynamik im Jahr 2023 auch auf mehr Ausstiege
aus dem Arbeitsmarkt zurückzuführen ist. Die
Daten legen nahe, dass im Jahr 2023 die Wahr-
scheinlichkeit für einen Wechsel von der Arbeits-
losigkeit in die Erwerbsinaktivität größer (2022:
18,6 %, 2023: 19,1 %), die Wahrscheinlichkeit eines
Wechsels von der Arbeitslosigkeit in eine Beschäf-
tigung hingegen kleiner wurde (2022: 35,6 %, 2023:
34,9 %). Die Stabilitätsrate der Arbeitslosen, d. h.
der Anteil der Personen, die sowohl im aktuellen
wie auch im Vorquartal arbeitslos waren, blieb
de facto unverändert (2022: 45,9 %, 2023: 46,0 %).
Das bedeutet, Arbeitslose zogen sich tendenziell
öfter vom Arbeitsmarkt zurück bzw. konnten
seltener in der Erwerbstätigkeit Fuß fassen.
Gleichzeitig sank die Stabilitätsrate der Nicht-
Erwerbspersonen um einen Prozentpunkt (2022:
86,6 %, 2023: 85,6 %). Die Wahrscheinlichkeit für
einen Wechsel aus der Erwerbsinaktivität in die
Arbeitslosigkeit stieg (von 4,2 % im Jahr 2022 auf
4,8 % im Jahr 2023). Die Wahrscheinlichkeit aus
der Erwerbsinaktivität in eine Erwerbstätigkeit zu
wechseln, lag im Jahr 2023 bei 9,7 % (2022: 9,2 %).
Es sind also mehr Nicht-Erwerbspersonen in den
Arbeitsmarkt eingetreten und zwar sowohl in die
Arbeitslosigkeit als auch in die Erwerbstätigkeit.
▶ Grafik
Arbeitslose und Erwerbsinaktive weisen in
Hinblick auf die Stabilitätsrate große Geschlechter-
unterschiede auf. Diese unterschieden sich 2023
um etwa vier Prozentpunkte, wobei die Arbeits-
losenstabilitätsrate der Männer mit 47,8 % über
jener der Frauen (43,7 %) lag, während die Nicht-
Erwerbspersonenstabilitätsrate der Frauen mit
87,4 % höher war als jene der Männer (82,9 %). [6]
In den Jahren 2021 und 2022 waren diese
6 Hier zeigen sich u. a. die längeren Abwesenheiten vom
Arbeitsplatz aufgrund von Betreuungsaufgaben und
das frühere Pensionsantrittsalter der Frauen.
Dynamiken am Arbeits-
markt 2021–2023
Nach den von der COVID-19-Pandemie gepräg-
ten Jahren 2020, in dem die österreichische Wirt-
schaftsleistung ein Minus von 6,2 % zum Vorjahr
verzeichnen musste, und 2021, in dem das reale
Bruttoinlandsprodukt bereits wieder ein Plus von
4,8 % aufwies, folgte mit 2022 ein weiteres Jahr
mit einem deutlichen Wirtschaftswachstum von
5,3 %. Aber schon im darauffolgenden Jahr 2023
änderte sich die wirtschaftliche Lage markant
und Österreichs Wirtschaft schrumpfte mit einem
Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts von
1,0 % erneut. [3]
Die Rezession kam auch am Arbeitsmarkt an,
wenngleich sich das nicht in einem starken Anstieg
bei den Arbeitslosen zeigte. Betrachtet man die
Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen, so stieg die
Zahl der Arbeitslosen von 2022 auf 2023 laut MZ-
AKE nur um knapp 20 000 auf 240 000 an, während
aber gleichzeitig die Zahl der Erwerbstätigen um
zirka 35 000 auf 4,4 Mio. anstieg und die Zahl der
Nicht-Erwerbspersonen um gut 20 000 auf 1,3 Mio.
zurückging. [4]
Betrachtet man die Dynamik am Arbeitsmarkt
in diesem Zeitraum, zeigen sich große Verände-
rungen. Waren die Jahre 2020 und 2021 noch von
hohen Gesamtfluktuationsraten geprägt (2020:
9,2 %, 2021: 9,4 %), sank diese im Jahr 2022 wieder
auf 8,4 % und damit auf ein ähnliches Niveau wie
vor der pandemiebedingten Krise. [5] Im Jahr 2023
allerdings gab es wieder mehr Bewegungen am
Arbeitsmarkt, die Gesamtfluktuationsrate stieg
3 Statistik Austria: ▶ »Bruttoinlandsprodukt und Haupt-
aggregate«. VGR-Revisionsstand: September 2024.
4 Hier handelt es sich um Jahresdurchschnitte aus den MZ-
Flow-Beständen, d. h. es fließen in Summe fünf Quartals-
bestände ein und es werden eigene Hochrechnungsge-
wichte verwendet, die Ergebnisse weichen von den Jahres-
ergebnissen auf Basis der MZ-Querschnittsbestände ab.
5 Für das Jahr 2020 siehe Statistische Nachrichten
Heft 04/2022, für die Jahre 2021 und 2022 Statistische
Nachrichten Heft 12/2023.
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Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten
STATjournal
3 – 2024
Unterschiede zwischen Männern und Frauen
etwas geringer als 2023.
Bei den Erwerbstätigen gab es kleinere Unter
schiede zwischen Männern und Frauen. Im Jahr
2023 lag die Stabilitätsrate der erwerbstätigen
Männer bei 95,4 %, die der Frauen lag bei 95,2 %.
Die Übertrittswahrscheinlichkeit von erwerbstätig
zu arbeitslos war bei Männern (1,6 %) größer als
bei Frauen (1,4 %), die Übertrittswahrscheinlichkeit
von erwerbstätig zu erwerbsinaktiv war hingegen
bei Frauen (3,4 %) größer als bei Männern (3,0 %).
Die Personenanzahlen je Übergang sind in den
3x3- bzw. Übergangsmatrizen der einzelnen Jahre
ausgewiesen. ▶ Tabelle
Erwerbstätigenwechsel
nach Merkmalen
Vergleicht man die Erwerbsstatuswechsel von
Erwerbstätigen nach soziodemographischen Merk
malen, zeigt sich, dass jene Gruppen, die es am
Arbeitsmarkt tendenziell schwerer haben, wie z. B.
junge Menschen, die erst am Beginn ihrer Erwerbs
karrieren stehen und am Arbeitsmarkt erst Fuß
fassen müssen, häufiger zwischen Erwerbstätig
keit, Arbeitslosigkeit und Erwerbsinaktivität wech
seln. Dies scheint aber unabhängig von der gene
rellen wirtschaftlichen Lage zu sein. Dieses Bild
zeigt sich sowohl 2022 in Zeiten des Wirtschafts
wachstums als auch 2023 während der Rezession.
Teilt man die Erwerbstätigen nach erwerbsstatis
tischen Merkmalen ein, z. B. nach Branche oder
beruflicher Hierarchie, zeigen sich auch hier
unterschiedliche Dynamiken zwischen einzelnen
Gruppen, wobei man bei einigen von ihnen auch
Veränderungen über die Zeit erkennen kann.
Grafik
Übergangsraten von Erwerbstätigen, Arbeitslosen
und Nicht-Erwerbspersonen
in Prozent
2021 2022 2023 2021 2022 2023 2021 2022 2023 95,3 95,4 95,3 35,7 47,6 16,7 1,4 1,5 1,5 35,6 45,9 18,6 34,9 46,0 19,1 10,5 4,5 85,0 9,2 4,2 86,6 9,7 4,8 85,6 Arbeitslose Nicht-Erwerbspersonen 3,3 3,2 3,1 Arbeitslose Erwerbstätige Nicht-Erwerbs- personen Q: STATISTIK AUSTRIA, MZ-Flow-Bestände. – Jahresdurchschnitte der Quartalsübergänge 2021, 2022 und 2023. – Personen von 15 bis 64 Jahren. – Lesebeispiel: 2023 blieben 46,0 % der Arbeitslosen bei diesem Status, während 19,1 % der Arbeitslosen zu Nicht-Erwerbspersonen und 34,9 % zu Erwerbstätigen wurden. Tabelle Übergangsmatrizen für die Jahre 2021, 2022 und 2023 in Tausend Erwerbsstatus im Vorquartal Erwerbsstatus im Referenzquartal erwerbstätig arbeitslos erwerbsinaktiv 2021 Erwerbstätig 4 039,1 57,6 141,4 Arbeitslos 101,5 135,5 47,6 Erwerbsinaktiv 142,9 61,5 1 155,0 2022 Erwerbstätig 4 161,2 65,8 133,5 Arbeitslos 78,8 101,6 41,1 Erwerbsinaktiv 123,3 56,2 1 160,4 2023 Erwerbstätig 4 188,1 65,7 140,8 Arbeitslos 83,7 110,3 45,9 Erwerbsinaktiv 127,5 62,7 1 126,7 Q: STATISTIK AUSTRIA, MZ-Flow-Bestände. – Jahresdurchschnitte der Quartalsübergänge 2021, 2022 und 2023. – Personen von 15 bis 64 Jahren.
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Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten
STATjournal
3 – 2024
Höchster Bildungsabschluss
Personen mit niedrigem Bildungsabschluss
weisen eine größere Instabilität auf. Das wird
insbesondere beim Vergleich des niedrigsten mit
dem höchsten Bildungsniveau deutlich. Perso-
nen mit höchstens Pflichtschulabschluss weisen
eine besonders hohe Fluktuation auf. [8] Im Jahr
2023 betrug die Gesamtfluktuationsrate in dieser
Gruppe 13,9 %, bei Personen mit akademischem
Abschluss nur 5,7 %.
Die Stabilitätsraten der Erwerbstätigen zeigen
dasselbe Bild. Bei Personen mit maximal Pflicht-
schulabschluss lag die Stabilitätsrate 2023 bei
90 %, Personen mit akademischem Abschluss
blieben deutlich häufiger auch im Folgequartal
erwerbstätig (98 %).
Von 2022 auf das von der Rezession geprägte
Jahr 2023 sank die ohnehin niedrige Stabilitäts-
rate der Erwerbstätigen mit maximal Pflichtschul-
abschluss nochmals leicht. Die Übergangsrate
zur Erwerbsinaktivität stieg um fast einen Pro-
zentpunkt auf 7 %. Bei Personen mit höheren
Bildungsabschlüssen blieben die Stabilitätsraten
der Erwerbstätigen nahezu unverändert, auch
bei den Übergangsraten in die Arbeitslosigkeit
bzw. Erwerbsinaktivität zeigten sich nur minimale
Änderungen. Mit dem wirtschaftlichen Abschwung
im Jahr 2023 schied somit die ohnehin am Arbeits-
markt benachteiligte Gruppe der Personen mit
niedrigem Bildungsniveau vermehrt aus der
Erwerbstätigkeit aus, während die Erwerbstätigen
am anderen Rand des Bildungsspektrums tenden-
ziell sogar höhere Stabilitätsraten aufwiesen.
8 Bei den Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss
sind naturgemäß auch viele Jüngere und z. T . noch in Aus-
bildung stehende Personen enthalten, dies ist Mitgrund
für die höhere Wechselwahrscheinlichkeit von erwerbs-
tätig zu erwerbsinaktiv. Schließt man diese Gruppe aus
und betrachtet die Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen,
zeigt sich aber auch hier bei den Personen mit höchstens
Pflichtschulabschluss die größte Dynamik (Jahr 2023:
Wechsel von erwerbstätig zu arbeitslos 3 %, Wechsel von
erwerbstätig zu erwerbsinaktiv: 6 %).
Altersgruppen
Der Vergleich nach zehnjährigen Altersgruppen
zeigte in den Jahren 2021 bis 2023 das typische
Muster einer besonders hohen Fluktuation bei
jüngeren Erwerbstätigen, die mit steigendem Alter
abnimmt und nur in der höchsten Altersgruppe
wieder zunimmt. Im Jahr 2023 lag die Gesamt-
fluktuationsrate der 15- bis 24-Jährigen bei 17,4 %,
im Alter von 45 bis 54 Jahren erreichte sie ihren
Tiefststand mit 5,9 % und stieg in der ältesten
Gruppe der 55- bis 64-Jährigen auf 6,4 % an. Diese
Muster blieben über die Jahre 2021 bis 2023 relativ
stabil, nur die Gesamtfluktuationsrate der 15- bis
24-Jährigen stieg von 2022 auf 2023 um fast einen
Prozentpunkt (2022: 16,5 %).
Die eher niedrige Stabilitätsrate der jüngsten
Erwerbstätigen von rund 89 % und die recht hohe
Übergangsrate in die Erwerbsinaktivität von rund
8 % sind darauf zurückzuführen, dass sich ein Teil
dieser jungen Erwerbstätigen noch in Ausbildung
befindet und (zeitlich befristete) Nebenjobs, bezahl-
te Praktika oder Sommerjobs ausübt und somit
öfters zwischen Erwerbsinaktivität und Erwerbs-
tätigkeit wechselt. [7] Nach Beendigung dieser
Tätigkeit gelten diese Personen zumeist wieder als
erwerbsinaktiv. Einen zusätzlichen Faktor stellen
junge Eltern dar, die aufgrund von Betreuungs-
aufgaben ihre Erwerbstätigkeit beenden.
Bei der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen zeigte
sich im Jahr 2023 ebenfalls eine etwas höhere
Fluktuation und eine niedrigere Stabilitätsrate
der Erwerbstätigen von 94 %. Das ist auf eine
vergleichsweise hohe Übergangsrate der Erwerbs-
tätigen in die Erwerbsinaktivität aufgrund von
Pensionierungen zurückzuführen: Rund 5 % der
Erwerbstätigen dieser Altersgruppe wechselten
im Jahr 2023 von einem Quartal zum nächsten
in den Status der Erwerbsinaktivität.
7 Üben Personen neben der Ausbildung eine Nebentätigkeit
oder ein bezahltes Praktikum aus, zählen sie laut ILO-
Definition zu den Erwerbstätigen.
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Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten
STATjournal
3 – 2024
Erwerbsinaktivität reduzierten sich, während die
Wechsel in die Arbeitslosigkeit in etwa gleich blie-
ben. 2023 verringerte sich die Stabilität allerdings
wieder um rund einen Prozentpunkt.
Eine vergleichsweise hohe Stabilität gibt es in
der Produktion (ÖNACE-Abschnitt Herstellung von
Waren). Hier betrug die Stabilitätsrate der Erwerbs-
tätigen in den Jahren 2021 bis 2023 rund 96 %. Im
Handel [9] entsprach die Stabilitätsrate von rund
95 % in etwa dem Durchschnitt über alle Branchen.
In diesen zwei Wirtschaftsabschnitten zeigte sich
auch über die Jahre 2021 bis 2023 wenig Bewegung.
Berufliche Stellung
Hinsichtlich der beruflichen Stellung war auch
im Jahr 2023 die übliche Struktur erkennbar.
Arbeiter:innen wiesen eine hohe Mobilität auf
(Stabilitätsrate: 92 %), Beamt:innen und Vertrags-
bedienstete blieben von Quartal zu Quartal hin-
gegen sehr stabil (Stabilitätsrate: 98 %). Im Verlauf
der Jahre 2021 bis 2023 nahm die Diskrepanz zwi-
schen den beiden Gruppen zu. Bei Arbeiter:innen
verringerte sich die Stabilitätsrate von 93 % im
Jahr 2021 um rund einen Prozentpunkt auf 92 %
im Jahr 2023, während die der Beamt:innen und
Vertragsbediensteten über die Jahre hinweg in
etwa gleich blieb. Die Stabilitätsrate der Angestell-
ten und freien Dienstnehmer:innen verblieb mit
rund 96 % ebenfalls auf etwa gleich hohem Niveau.
Auch hier finden sich Anzeichen dafür, dass sich
der Wirtschaftsabschwung am ehesten bei den
Erwerbstätigen bemerkbar macht, die ohnehin
häufiger in die Nicht-Erwerbstätigkeit wechseln.
Selbständige und unbezahlt mithelfende Per-
sonen im Familienbetrieb gewannen im Verlauf
der Jahre 2021 bis 2023 deutlich an Stabilität, ihre
Stabilitätsrate erhöhte sich von 95 % im Jahr 2021
um insgesamt rund 2 Prozentpunkte auf 97 % in
den Jahren 2022 und 2023.
9 ÖNACE-Abschnitt G Handel; Instandhaltung und
Reparatur von Kraftfahrzeugen.
Migrationshintergrund
Personen mit Migrationshintergrund weisen
eine höhere Fluktuation auf. Im Jahr 2023 betrug
die Gesamtfluktuationsrate dieser Gruppe 12,9 %,
bei Personen ohne Migrationshintergrund lag sie
mit 7,1 % deutlich darunter. Das zeigt sich auch
bei der Stabilitätsrate der Erwerbstätigen. Sie lag
über die Jahre 2021 bis 2023 konstant bei rund
93 % (Migrationshintergrund) bzw. 96 % (kein
Migrationshintergrund).
Branchen
Nach Branche betrachtet, zeigte sich erwar-
tungsgemäß die geringste Stabilität der Erwerbs-
tätigen im Tourismus (ÖNACE-Abschnitt Beher-
bergung und Gastronomie) mit 89 % im Jahr
2023. Eine etwas niedrigere Stabilität als der
Durchschnitt (95 %) wies auch die zweite klassische
Saisonbranche, der Bau, mit 93 % auf. Während
das Bauwesen durch ein Beschäftigungshoch
im Sommer und ein Beschäftigungstief im Winter
gekennzeichnet ist, gibt es im Tourismus eine
Doppel saison, d. h. viele Arbeitsaufnahmen im
Sommer und Winter. Saisonarbeitskräfte im Touris-
mus sind somit typischerweise im Sommer und
Winter beschäftigt und im Frühling und Herbst
arbeitslos oder erwerbsinaktiv. Dementsprechend
wechseln sie in der Regel viermal im Jahr ihren
Status, im Bau hingegen nur zweimal im Jahr.
In den Jahren 2021 bis 2023 blieben die Über-
gangsraten im Bau relativ stabil, der Trend zeigt
allerdings eine geringer werdende Stabilität bei
Erwerbstätigen. Das kann als Folge des Wirtschafts-
abschwungs interpretiert werden. Der Tourismus
war im Jahr 2021 noch stark von der Pandemie
geprägt, nur 88 % der Erwerbstätigen waren auch
im Folgequartal erwerbstätig, 9 % wechselten in die
Erwerbsinaktivität und 3 % in die Arbeitslosigkeit.
Im Jahr 2022 zeigte sich mit einer größeren Stabili-
tät von 90 % eine Verbesserung der Beschäftigung
im Tourismus. Insbesondere die Wechsel in die
39
Arbeitsmarktstatuswechsel in bewegten Zeiten
STATjournal
3 – 2024
mit Befristung sind die mit 11 % bis 12 % hohen
Übertrittswahrscheinlichkeiten in die Erwerbs
inaktivität. Darin spiegeln sich u. a. die Wechsel
zur Erwerbsinaktivität aufgrund eines befristeten
Ferialjobs wider, aber auch saisonbedingt befristete
Beschäftigungen wie beispielsweise im Tourismus.
Vollzeiterwerbstätige weisen gegenüber Teilzeit
erwerbstätigen eine höhere Stabilität auf. In den
Jahren 2021 bis 2023 blieben rund 96 % der Voll
zeiterwerbstätigen auch im Folgequartal erwerbs
tätig. Die Stabilitätsrate der in Teilzeit arbeitenden
Personen lag mit rund 94 % in den Jahren 2021 bis
2023 auf etwas niedrigerem Niveau. Ein weiterer
Unterschied zwischen den beiden Gruppen zeigt
sich bei der Übergangsrate in die Erwerbsinaktivi
tät, diese ist bei Teilzeiterwerbstätigen höher als
bei Vollzeiterwerbstätigen. Eine Rolle dabei spielen
auch Wechsel von der Altersteilzeit in die Pension.
Beide Gruppen zeigen nur geringe Veränderungen
im Zeitverlauf 2021 bis 2023.
Zusammenfassung
Die Jahre 2021, 2022 und 2023 unterscheiden
sich in ihrer Gesamtsituation in vielerlei Hinsicht.
War der Beginn noch stark von den Ausläufern der
COVID-19-Pandemie und den damit einhergehen
den Einschränkungen geprägt, folgte dann eine
Zeit des Wirtschaftswachstums, die allerdings auch
mit einem Fach- und Arbeitskräftemangel einher
ging. Gleichzeitig traten neue Krisen auf, vom Krieg
in der Ukraine bis zur Rekordinflation. Im Jahr 2023
schrumpfte die Wirtschaft schließlich wieder.
Diese sich ändernden Verhältnisse zeigen
sich auch am Arbeitsmarkt, sowohl bei den
Bestands- als auch bei den Bewegungsgrößen.
Die Gesamtdynamik ging 2022 stark zurück – der
Arbeitsmarkt stabilisierte sich – und stieg dann
2023 wieder merklich an. Dabei zeigte sich einmal
mehr, dass Gruppen mit ohnehin benachteiligter
Stellung am Arbeitsmarkt wie junge Menschen,
Personen mit Migrationshintergrund und Erwerbs
tätige in atypischer Beschäftigung vermehrt von
Berufliche Hierarchie
Wie beim Bildungsabschluss zeigt sich auch
bei der beruflichen Hierarchie [10], dass niedrig
qualifizierte Tätigkeiten durch eine höhere Insta
bilität geprägt sind, die sich im Verlauf der Jahre
2021 bis 2023 auch noch verstärkt hat. Personen
mit hochqualifizierten Tätigkeiten und Führungs
kräfte blieben 2023 von Quartal zu Quartal zu 98 %
erwerbstätig, Hilfsarbeitskräfte wiesen hingegen
eine Stabilitätsrate von nur 91 % auf. Diese sank
zudem im Zeitverlauf von 2021 bis 2023 um rund
einen Prozentpunkt (2021: 92 %), während hoch
qualifizierte oder Führungskräfte sogar etwas an
Stabilität gewannen.
Atypische Beschäftigung
Auch Erwerbstätige in atypischen Beschäftigungs
verhältnissen weisen eine deutlich höhere Instabi
lität auf. Es gibt verschiedene Formen atypischer
Beschäftigung, hier werden Leiharbeit, Befristungen
und Teilzeit (nach Selbstzuordnung) betrachtet.
Besonders große Unterschiede zwischen den
Stabilitätsraten zeigen sich bei Personen in Leih
arbeit und Personen, die nicht in Leiharbeitsver
hältnissen stehen. So waren im Jahr 2023 nur 89 %
der Personen in Leiharbeit auch im Folgequartal
erwerbstätig, während 95 % der Personen mit
einer direkten Anstellung bei ihrem:ihrer Arbeit
geber:in auch im Folgequartal erwerbstätig waren.
Außerdem zeigen die Stabilitätsraten der Perso
nen in Leiharbeit über die Jahre hinweg größere
Schwankungen (von 86 % bis 92 %).
Ebenfalls große Unterschiede zeigen sich
zwischen Erwerbstätigen mit befristeten Beschäf
tigungsverhältnissen (ohne Lehre) und jenen mit
unbefristeten. Die Stabilitätsrate bei Befristung lag
im Jahr 2023 bei 83 % (2022: 82 %, 2021: 83 %), die
ohne Befristung lag über die Jahre hinweg stabil bei
96 %. Auffällig bei der Gruppe der Erwerbstätigen
10 Skill Levels auf Basis der ISCO-08-Berufsklassifikation.