Menschen mit Behinderungen in Österreich 41 von 202 Die Altersverteilungen von Männern und Frauen glichen sich bei Personen ohne Behinde- rungen mehr als bei Personen mit Behinderungen. Bei Personen mit Behinderungen ver- zeichneten Männer in allen Altersgruppen bis 64 Jahre höhere Anteile als Frauen. Bei den 75- bis 89-Jährigen lag jedoch der Anteil bei Frauen mit Behinderungen über dem von Männern mit Behinderungen (27,1 % gegenüber 20,5 %). Noch größer war dieser Unter- schied bei Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen: Hier befanden sich 37,6 % der Frauen und 25,9 % der Männer in der höchsten Altersgruppe. Staatsangehörigkeit Wie bereits im Jahr 2022 war auch 2024 der Teil der Wohnbevölkerung, der die österrei chische Staatsangehörigkeit innehatte, zu einem größeren Ausmaß von Behinderungen betroffen als Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit (Tabelle 3). Für die Interpre tation der folgenden Ergebnisse ist allerdings relevant, dass die Altersverteilungen der Be völkerungsgruppen je nach Staatsangehörigkeit unterschiedlich ausfallen. Während 26,1 % der Österreicher:innen mit Behinderungen lebten, waren es bei Dritt- staatsangehörigen nur 21,2 % und bei Personen mit einem Pass aus anderen EU- bzw. EFTA-Staaten mit 16,7 % nochmals deutlich weniger. Die letztgenannte Gruppe unter- schied sich zudem in einem weiteren Aspekt von Österreicher:innen und von Personen mit Drittstaatsangehörigkeit: Weniger als ein Viertel aller EU-/EFTA-Staatsangehörigen mit Behinderungen gab an, stark bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt zu sein; mehr als drei Viertel beschrieben sich als etwas eingeschränkt. Bei Österreicher:innen wie auch bei Drittstaatsangehörigen mit Behinderungen war hingegen jeweils knapp ein Drittel stark und gut zwei Drittel etwas eingeschränkt. Wie zuvor angeführt, lebte 2024 in Österreich ein größerer Anteil der Frauen als der Männer mit Behinderungen (25,4 % gegenüber 23,9 %). Betrachtet man die Wohnbevöl- kerung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit, ergibt sich ein differenziertes Bild: Bei Personen mit österreichischer sowie mit anderer EU- oder EFTA-Staatsangehörigkeit gab jeweils ein etwas größerer Anteil an Frauen (Österreich: 27,0 %, EU/EFTA: 17,2 %) als an Männern (Österreich: 25,2 %, EU/EFTA: 16,2 %) an, mit Behinderungen zu leben. Anders verhielt es sich bei Drittstaatsangehörigen: Hier waren 21,5 % der Männer und 20,9 % der Frauen stark oder etwas bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt.
42 von 202
Menschen mit Behinderungen in Österreich
Tabelle 3: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags-
aktivitäten, Geschlecht und Staatsangehörigkeit 2024 (in Prozent)
Geschlecht,
Staatsangehörigkeit
Personen
insgesamt
(in 1 000)
Nicht
eingeschränkt
Stark & etwas
eingeschränkt
zusammen
Stark
eingeschränkt
Etwas
eingeschränkt
Männer und Frauen
7 661,1
75,3
24,7
7,8
16,9
Österreich
6 190,9
73,9
26,1
8,3
17,7
EU-, EFTA-Staaten
764,8
83,3
16,7
4,1
12,6
Drittstaaten
705,3
78,8
21,2
6,7
14,5
Männer
3 758,4
76,1
23,9
7,6
16,3
Österreich
3 038,3
74,8
25,2
8,0
17,1
EU-, EFTA-Staaten
368,9
83,8
16,2
4,7
11,5
Drittstaaten
351,2
78,5
21,5
6,9
14,7
Frauen
3 902,7
74,6
25,4
7,9
17,5
Österreich
3 152,6
73,0
27,0
8,6
18,3
EU-, EFTA-Staaten
395,9
82,8
17,2
(3,5)
13,6
Drittstaaten
354,2
79,1
20,9
6,5
14,4
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89
Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls-
behaftet.
Tabelle 4 zeigt die Altersverteilungen von österreichischen und nicht-österreichischen
Staatsangehörigen 2024 nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsakti-
vitäten. Generell unterschied sich die Altersverteilung von österreichischen Staatsange-
hörigen mit und auch ohne Behinderungen insofern von den Verteilungen der EU-/EFTA-
Angehörigen sowie der Drittstaatsangehörigen, als bei Österreicher:innen deutlich
größere Anteile in den höheren Altersgruppen zu finden waren. So waren 11,9 % der
Österreicher:innen, aber nur 2,7 % der Personen mit einem anderen EU-/EFTA-Pass und
2,1 % der Personen mit Drittstaatsangehörigkeit im Alter zwischen 75 und 89 Jahren.
Menschen mit Behinderungen in Österreich
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Tabelle 4: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags-
aktivitäten, Staatsangehörigkeit und Alter 2024 (in Prozent)
Staatsangehörigkeit,
Alter
Personen
insgesamt
Nicht
eingeschränkt
Stark & etwas
eingeschränkt
zusammen
Stark
eingeschränkt
Etwas
eingeschränkt
Österreich (in 1 000)
6 190,9
4 576,8
1 614,1
516,3
1 097,8
15–24 Jahre
11,7
14,5
3,8
2,7
4,3
25–34 Jahre
13,7
16,6
5,4
3,8
6,1
35–44 Jahre
14,5
16,9
7,6
5,3
8,7
45–54 Jahre
15,4
16,4
12,6
11,0
13,4
55–64 Jahre
19,0
17,4
23,7
22,0
24,5
65–74 Jahre
13,7
11,6
19,9
19,6
20,0
75–89 Jahre
11,9
6,6
27,1
35,5
23,1
EU-, EFTA-Staaten
(in 1 000)
764,8
637,1
127,7
31,4
96,4
15–24 Jahre
13,4
15,2
(4,4)
(x)
(x)
25–34 Jahre
24,3
26,9
11,5
(x)
(12,4)
35–44 Jahre
22,8
23,7
18,3
(x)
20,3
45–54 Jahre
18,2
17,7
20,7
(16,0)
22,2
55–64 Jahre
13,4
10,9
25,5
(34,2)
22,7
65–74 Jahre
5,2
3,9
11,7
(x)
(11,4)
75–89 Jahre
2,7
(1,7)
(8,0)
(x)
(5,7)
Drittstaaten
(in 1 000)
705,3
555,6
149,7
47,2
102,6
15–24 Jahre
14,5
17,4
(3,7)
(x)
(x)
25–34 Jahre
24,1
28,0
9,7
(x)
(10,1)
35–44 Jahre
24,6
26,9
16,4
(x)
19,9
45–54 Jahre
17,4
15,1
26,0
(20,9)
28,4
55–64 Jahre
11,5
7,7
25,6
36,7
20,5
65–74 Jahre
5,7
3,3
14,3
(14,9)
14,0
75–89 Jahre
2,1
(1,5)
(4,2)
(x)
(x)
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89
Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls-
behaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar.
44 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Sowohl für Österreicher:innen als auch für Nicht-Österreicher:innen galt, dass Personen mit Behinderungen in den höheren Altersgruppen stärkere Anteile aufwiesen als die Referenzgruppe ohne Behinderungen. So waren etwa von allen Österreicher:innen, die ohne Behinderungen lebten, lediglich 6,6 % zwischen 75 und 89 Jahre alt; unter Österrei- cher:innen mit Behinderungen befanden sich hingegen 27,1 % in dieser Altersgruppe. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass bei Personen mit Behinderungen mit nicht-österreichi- scher Staatsangehörigkeit die jüngeren Altersgruppen deutlich stärker vertreten waren als bei Personen mit Behinderungen mit österreichischer Staatsangehörigkeit. Die Gruppe der Österreicher:innen mit Behinderungen war also älter als jene der EU-/EFTA-Angehörigen mit Behinderungen und der Drittstaatsangehörigen mit Behinderungen. Migrationshintergrund Zusätzlich zur Staatsangehörigkeit lässt sich das demographische Merkmal Migrations- hintergrund betrachten. Als Person mit Migrationshintergrund gilt man, wenn beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Im Jahr 2024, wie auch schon 2022, gab es in Österreich Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund in Hinblick auf Behinderung (Tabelle 5): Während 25,8 % der Personen ohne Migrationshintergrund entweder stark oder etwas bei Alltags- aktivitäten eingeschränkt waren, belief sich der Anteil unter Personen mit Migrationshin tergrund auf lediglich 21,7 %. Personen ohne Migrationshintergrund deklarierten sich da bei zu 8,2 % als stark und 17,6 % als etwas eingeschränkt, bei Personen mit Migrationshin tergrund lagen die Werte bei 6,5 % (stark eingeschränkt) und 15,2 % (etwas einge- schränkt). Unterschiede zwischen den Geschlechtern waren generell gering.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 45 von 202 Tabelle 5: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten, Geschlecht und Migrationshintergrund 2024 (in Prozent) Geschlecht, Migrationshintergrund Personen insgesamt (in 1 000) Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen 7 661,1 75,3 24,7 7,8 16,9 Kein Migrationshintergrund 5 556,4 74,2 25,8 8,2 17,6 Migrationshintergrund 2 104,6 78,3 21,7 6,5 15,2 Männer 3 758,4 76,1 23,9 7,6 16,3 Kein Migrationshintergrund 2 750,1 74,9 25,1 8,0 17,1 Migrationshintergrund 1 008,2 79,1 20,9 6,5 14,4 Frauen 3 902,7 74,6 25,4 7,9 17,5 Kein Migrationshintergrund 2 806,3 73,4 26,6 8,5 18,1 Migrationshintergrund 1 096,4 77,6 22,4 6,5 15,9 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. Betrachtet man Personen mit und ohne Migrationshintergrund anhand ihrer Altersvertei lung (Tabelle 6), zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim Merkmal Staatsangehörigkeit. Un abhängig davon, ob sie mit oder ohne Behinderung lebten, waren Personen mit Migrati onshintergrund jünger als Personen ohne Migrationshintergrund. Weniger als 12 % aller Personen mit Migrationshintergrund waren im Alter zwischen 65 und 89 Jahren. Bei Per sonen ohne Migrationshintergrund belief sich der Anteil der 65- bis 89-Jährigen dagegen auf etwas mehr als 26 %. Auch bei Personen mit Behinderungen gab es anteilig wesentlich weniger ältere Personen bei Personen mit Migrationshintergrund gegenüber Personen ohne Migrationshintergrund: Bei Personen mit Migrationshintergrund, die mit Einschrän kungen bei Alltagsaktivitäten lebten, befanden sich knapp 27 % in den beiden höchsten Altersgruppen; bei Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen waren es gut 30 %. Bei Personen mit Behinderungen ohne Migrationshintergrund war mit 48 % nahezu die Hälfte zwischen 65 und 89 Jahre alt, bei Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen lag der Anteil mit gut 57 % noch darüber.
46 von 202
Menschen mit Behinderungen in Österreich
Tabelle 6: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags-
aktivitäten, Migrationshintergrund und Alter 2024 (in Prozent)
Migrationshinter-
grund, Alter
Personen
insgesamt
Nicht
eingeschränkt
Stark & etwas
eingeschränkt
zusammen
Stark
eingeschränkt
Etwas
eingeschränkt
Kein Migrations-
hintergrund
(in 1 000)
5 556,4
4 121,5
1 434,9
457,5
977,4
15–24 Jahre
11,4
14,0
3,8
(2,7)
4,4
25–34 Jahre
13,4
16,1
5,3
3,7
6,1
35–44 Jahre
14,5
16,9
7,5
5,1
8,6
45–54 Jahre
15,1
16,3
11,9
10,0
12,8
55–64 Jahre
19,4
18,0
23,5
21,5
24,4
65–74 Jahre
13,9
11,9
19,8
20,1
19,7
75–89 Jahre
12,3
6,8
28,2
37,0
24,1
Migrationshinter-
grund (in 1 000)
2 104,6
1 648,0
456,6
137,3
319,3
15–24 Jahre
14,0
16,9
3,8
(x)
(4,0)
25–34 Jahre
22,0
25,7
8,6
(6,8)
9,4
35–44 Jahre
21,0
23,0
13,9
(8,9)
16,1
45–54 Jahre
17,7
16,7
21,5
18,9
22,7
55–64 Jahre
13,5
10,2
25,4
31,6
22,8
65–74 Jahre
7,5
5,1
16,0
14,8
16,4
75–89 Jahre
4,2
2,4
10,7
15,5
8,7
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89
Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls-
behaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 47 von 202 Wo leben Personen mit Behinderungen in Österreich? Bundesland Eine Vielzahl von Unterstützungsleistungen für Menschen mit Behinderungen wird im Rahmen der „Behindertenhilfe“ der Bundesländer finanziert und umgesetzt. Um derlei Unterstützungsangebote treffsicher planen und umsetzen zu können, ist es wichtig zu eruieren, wie groß die Population von Personen mit Behinderungen in den einzelnen Bundesländern ist. In Gesamtösterreich lebten 2024 hochgerechnet 1 891 600 Personen mit Behinderungen im Alter zwischen 15 und 89 Jahren in Privathaushalten. Tabelle 7 zeigt, wie sich diese über die neun Bundesländer verteilen. Das Bundesland, in dem in absoluten Zahlen bei Weitem die meisten Personen mit Behinderungen lebten, war, wie bereits 2022, Wien (hochgerechnet 422 600 Personen, darunter 156 900 mit starken Einschränkungen), gefolgt von Oberösterreich (332 400 Personen, darunter 105 700 mit starken Einschränkungen) und Niederösterreich (330 800 Personen, darunter 100 200 mit starken Einschränkungen). In der Steiermark lebten 278 700 Personen mit Behinderungen (darunter 74 000 mit starken Einschränkungen). Etwa halb so viele waren es in Tirol mit 141 400 Personen mit Behinderungen (darunter 40 000 mit starken Einschränkungen). In Kärnten lebten 132 200 Personen mit Behinderungen (darunter 43 900 mit starken Ein- schränkungen) und in Salzburg 105 500 Personen mit Behinderungen (darunter 28 900 mit starken Einschränkungen). Die beiden Bundesländer, in denen die wenigsten Personen mit Behinderungen lebten, waren Vorarlberg (74 700, darunter 20 700 mit starken Einschrän- kungen) und das Burgenland (73 600, darunter 24 400 mit starken Einschränkungen). Die Bundesländer unterschieden sich dahingehend, wie hoch der Bevölkerungsanteil von Personen mit (starken) gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2024 jeweils ausfiel. Österreichweit lebten 24,7 % aller Personen zwischen 15 und 89 Jahren mit Aktivitätseinschränkungen. Diesem Wert am nächsten kam das Bundesland Wien mit 25,2 %. Am höchsten fiel der Bevölkerungsanteil mit 28,7 % im Burgenland aus, gefolgt von Kärnten (27,4 %), Oberösterreich (26,2 %) und der Steiermark (26,0 %). Unter dem österreichweiten Wert lagen Niederösterreich (22,9 %) sowie Salzburg und Vorarlberg (je 22,2 %). Den niedrigsten Anteil an Personen mit Behinderungen verzeichnete Tirol mit 21,8 %. Auffällig ist, dass ebenso wie 2022 auch 2024 westösterreichische Bundesländer die niedrigsten Bevölkerungsanteile von Menschen mit Behinderungen aufwiesen.