48 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich
Fokussiert man auf den Kreis der Personen mit starken Einschränkungen bei Alltagsaktivi-
täten, deren Bevölkerungsanteil 2024 österreichweit bei 7,8 % lag, ist festzustellen, dass
die Anteile dieser Untergruppe im Burgenland mit 9,5 % und in Wien mit 9,4 % vergleichs-
weise hoch ausfielen. Auch in Kärnten und Oberösterreich lebten mit 9,1 % respektive
8,3 % überdurchschnittlich viele Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen. Niedri-
ger lagen die Werte in Niederösterreich und der Steiermark (je 6,9 %). Die geringsten
Anteile von Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen verzeichnete wiederum
Westösterreich (Tirol und Vorarlberg: je 6,2 %; Salzburg: 6,1 %).
Tabelle 7: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten
und Bundesland 2024 (in Prozent)
Bundesland
Personen
insgesamt
(in 1 000)
Nicht
eingeschränkt
Stark & etwas
eingeschränkt
zusammen
Stark
eingeschränkt
Etwas
eingeschränkt
Burgenland
256,2
71,3
28,7
9,5
19,2
Kärnten
482,1
72,6
27,4
9,1
18,3
Niederösterreich
1 444,9
77,1
22,9
6,9
16,0
Oberösterreich
1 268,8
73,8
26,2
8,3
17,9
Salzburg
474,5
77,8
22,2
6,1
16,1
Steiermark
1 071,6
74,0
26,0
6,9
19,1
Tirol
648,1
78,2
21,8
6,2
15,6
Vorarlberg
337,2
77,8
22,2
6,2
16,0
Wien
1 677,7
74,8
25,2
9,4
15,8
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89
Jahren.
Urbanisierungsgrad
Geographisch-strukturelle Unterschiede in der Wohnbevölkerung lassen sich auch mithilfe
des Merkmals „Urbanisierungsgrad“ analysieren. Bei der hier verwendeten Typologie25
wird je nach Besiedlungsdichte bzw. Grad der Urbanisierung zwischen drei Kategorien
25 In diesem Bericht wird für die Bemessung der Besiedlungsdichte die Typologie DEGURBA von Eurostat
verwendet, siehe „Urbanisierungsgrad“ im Glossar.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 49 von 202 unterschieden: dicht besiedeltes bzw. städtisches Gebiet, mitteldicht besiedeltes bzw. halbstädtisches Gebiet, d. h. Vororte und Kleinstädte, sowie dünn besiedeltes bzw. ländliches Gebiet. Der mit 38,3 % größte Teil aller Personen mit Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten im Alter von 15 bis 89 Jahren, die 2024 ihren Hauptwohnsitz in einem Privathaushalt in Österreich hatten, wohnte in dünn besiedelten ländlichen Gebieten (Abbildung 3). Weitere 29,4 % lebten in Gebieten mit mittlerer Besiedlungsdichte, also in Kleinstädten oder Vororten. 32,3 % der Personen mit Aktivitätseinschränkungen lebten in dicht besiedelten Gebieten bzw. Städten, was in etwa dem Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung entsprach. Personen mit starken Einschränkungen wohnten allerdings mit 35,6 % etwas häufiger in dicht besiedelten Gegenden als Personen, die etwas eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten waren (30,8 %). Abbildung 3: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten und Urbanisierungsgrad 2024 (in Prozent)
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren.
50 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Wie leben Personen mit Behinderungen in Österreich? Familienstand Tabelle 8 zeigt das Merkmal Familienstand von Personen mit und ohne Behinderungen, gegliedert nach breiten Altersgruppen. Tabelle 8: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten, Alter und Familienstand 2024 (in Prozent) Alter, Familienstand Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt 15–24 Jahre (in 1 000) 928,3 855,6 72,6 17,2 55,5 Ledig 96,7 96,5 98,2 98,7 98,1 Verheiratet 3,3 3,4 (x) (x) (x) Verwitwet
Geschieden (x) (x)
25–64 Jahre (in 1 000) 5 027,6 4 018,8 1 008,8 275,0 733,8 Ledig 35,3 36,0 32,5 36,1 31,2 Verheiratet 53,6 54,3 51,0 44,9 53,2 Verwitwet 1,5 1,3 2,6 (2,4) 2,6 Geschieden 9,5 8,4 13,9 16,7 12,9 65–89 Jahre (in 1 000) 1 705,2 895,1 810,1 302,7 507,4 Ledig 6,5 6,8 6,2 7,7 5,4 Verheiratet 59,8 63,8 55,4 52,2 57,3 Verwitwet 21,8 17,2 26,8 28,5 25,8 Geschieden 11,9 12,2 11,6 11,7 11,6 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – Verheiratet inkl. eingetragene Partner:innenschaft. Verwitwet inkl. hinterbliebene:r eingetragene:r Partner:in. Geschieden inkl. aufgelöste eingetragene Partner:innenschaft. – ( ) Werte mit weniger als hoch- gerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufallsbehaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 51 von 202 Es zeigt sich, dass 2024 in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen sowohl unter Personen mit Behinderungen als auch unter Personen ohne Behinderungen der Anteil der Ledigen sehr hoch war (98,2 % und 96,5 %). Bei den 25- bis 64-Jährigen gab es etwas deutlichere Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Aktivitätseinschränkungen. So waren Per- sonen mit Behinderungen etwas seltener ledig oder verheiratet, aber häufiger verwitwet oder geschieden. Ferner ist anzumerken, dass innerhalb der Gruppe von Personen mit Behinderungen zwischen 25 und 64 Jahren diejenigen, die etwas eingeschränkt bei All- tagsaktivitäten waren, zu 53,2 % und damit ähnlich häufig wie Personen ohne Behinde- rungen gleichen Alters verheiratet waren. Personen mit starken Aktivitätseinschränkun- gen in dieser Altersgruppe waren hingegen lediglich zu 44,9 % verheiratet. Ältere Personen zwischen 65 und 89 Jahren waren im Vergleich zu den anderen Altersgruppen generell wesentlich seltener ledig und wesentlich häufiger verwitwet. Personen mit Behin- derungen in dieser Altersgruppe waren allerdings mit einem Anteil von 26,8 % häufiger verwitwet als Personen ohne Behinderungen (17,2 %). Haushaltstyp Die in diesem Bericht veröffentlichten Ergebnisse beziehen sich auf Angaben von Perso- nen, die zum Befragungszeitpunkt ihren Hauptwohnsitz in Privathaushalten hatten. Privat- haushalte lassen sich anhand des entsprechenden Haushaltstyps grob in „Familienhaus- halte“ und „Nichtfamilienhaushalte“ untergliedern. Die sogenannten „Familienhaushalte“ umfassen folgende Haushaltstypen: „Paare ohne Kinder“, „Paare mit Kindern“, „Ein- Eltern-Haushalte“ sowie „Zwei- und Mehrfamilienhaushalte“. Die sogenannten „Nicht- familienhaushalte“ sind entweder „Einpersonenhaushalte“ oder „Mehrpersonen-Nicht- familienhaushalte“. In letztgenannte Kategorie fallen zum Beispiel Wohngemeinschaften. Rund ein Drittel aller Personen mit Behinderungen lebte 2024 in einem Nichtfamilienhaus- halt (Tabelle 9). Die meisten dieser Personen lebten allein (30,4 %). Die restlichen 2,7 % in Nichtfamilienhaushalten wohnenden Personen lebten in einem Mehrpersonen-Nichtfami- lienhaushalt. Personen ohne Behinderungen lebten anteilig seltener, nämlich zu circa 20 % in Nichtfamilienhaushalten, darunter gut 18 % in Einpersonenhaushalten. Bei den Famili- enhaushalten ergibt sich ein differenziertes Bild: Personen mit Behinderungen gehörten häufiger als Personen ohne Behinderungen dem Haushaltstyp „Paare ohne Kinder“ an (35,8 % gegenüber 28,0 %). Umgekehrt gab es anteilig deutlich weniger Personen mit Behinderungen als ohne Behinderungen, die in der Konstellation „Paare mit Kindern“ lebten (21,6 % gegenüber 40,4 %).
52 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich In Bezug auf Geschlechtsunterschiede ist festzustellen, dass mehr als jede dritte Frau mit Behinderungen allein lebte (34,6 %). Bei Männern mit Behinderungen war es mit 25,8 % etwa jeder Vierte. Auch bei Personen mit starken gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten war der Unterschied zwischen Frauen und Männern markant: Vier von zehn Frauen gegenüber drei von zehn Männern lebten allein. Diese Unterschiede sind insofern relevant, als in Einpersonenhaushalten nötige Unterstützungsleistungen jeden- falls nicht innerhalb des Haushalts abgedeckt werden können, sondern von haushalts- fremden Angehörigen, Freund:innen oder mittels professioneller Dienstleistung erbracht werden müssen. Wenngleich auch in Mehrpersonenhaushalten externe Unterstützung nötig sein kann, ist es hier prinzipiell möglich, dass ein Teil oder auch der volle Umfang der benötigten Unterstützung durch andere Haushaltsmitglieder erbracht wird. Unter Personen ohne Behinderungen war der diesbezügliche Unterschied sehr gering: 19,0 % der Männer und 17,6 % der Frauen lebten allein im Haushalt. Tabelle 9: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten, Geschlecht und Haushaltstyp 2024 (in Prozent) Geschlecht, Haushaltstyp Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen (in 1 000) 7 661,1 5 769,5 1 891,6 594,8 1 296,7 Paare ohne Kinder 29,9 28,0 35,8 36,3 35,6 Paare mit Kindern 35,8 40,4 21,6 15,2 24,5 Ein-Eltern-Haushalte 7,8 8,0 7,2 8,1 6,7 Zwei- und Mehr- familienhaushalte 2,1 2,0 2,3 (1,9) 2,5 Einpersonenhaushalte 21,3 18,3 30,4 35,3 28,2 Mehrpersonen-Nicht- familienhaushalte 3,2 3,4 2,7 3,2 2,5 Männer (in 1 000) 3 758,4 2 858,5 899,8 286,0 613,9 Paare ohne Kinder 30,3 27,7 38,5 40,0 37,8 Paare mit Kindern 37,8 41,7 25,5 18,0 28,9 Ein-Eltern-Haushalte 5,5 5,7 4,7 6,2 4,0 Zwei- und Mehr- familienhaushalte 2,0 1,9 2,6 (1,9) 2,9
Menschen mit Behinderungen in Österreich 53 von 202 Geschlecht, Haushaltstyp Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Einpersonenhaushalte 20,7 19,0 25,8 30,9 23,5 Mehrpersonen-Nicht- familienhaushalte 3,8 4,0 3,0 (3,0) 2,9 Frauen (in 1 000) 3 902,7 2 911,0 991,7 308,8 682,9 Paare ohne Kinder 29,6 28,3 33,4 32,9 33,6 Paare mit Kindern 33,8 39,2 18,0 12,6 20,5 Ein-Eltern-Haushalte 10,0 10,2 9,4 9,8 9,2 Zwei- und Mehr- familienhaushalte 2,1 2,1 2,1 (1,8) 2,2 Einpersonenhaushalte 21,9 17,6 34,6 39,5 32,4 Mehrpersonen-Nicht- familienhaushalte 2,6 2,7 2,5 (3,4) 2,1 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls- behaftet. Differenziert man bei der Betrachtung der Haushaltstypen nach Alter (Tabelle 10), wird ersichtlich, dass Angehörige der jüngsten Generation zwischen 15 und 24 Jahren am häufigsten im Haushaltstyp „Paare mit Kindern“ lebten, gefolgt vom Haushaltstyp „Ein- Eltern-Haushalte“. Dabei befanden sich Menschen mit Behinderungen allerdings seltener als Menschen ohne Behinderungen im Haushaltstyp „Paare mit Kindern“ (46,0 % gegen- über 59,0 %) und häufiger in Ein-Eltern-Haushalten (23,4 % gegenüber 16,2 %). Es ist zu beachten, dass hier nichts darüber ausgesagt werden kann, ob die Person mit Behinderun- gen jeweils ein Elternteil oder selbst ein Kind im Haushalt war. In der Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen lebten sowohl unter Menschen mit als auch unter Menschen ohne Behin- derungen anteilig die meisten Personen in der Konstellation „Paar mit Kindern“ (Personen mit Behinderungen: 31,0 %, Personen ohne Behinderungen: 43,9 %). Den zweithäufigsten Haushaltstyp bildete in beiden Gruppen „Paare ohne Kinder“ (Personen mit Behinde- rungen: 28,5 %, Personen ohne Behinderungen: 25,9 %). Jedoch lebte auch mehr als ein Viertel (26,1 %) der Personen mit Behinderungen allein in Einpersonenhaushalten. Die älteste Generation zwischen 65 und 89 Jahren wohnte größtenteils im Haushaltstyp „Paare ohne Kinder“ (Personen mit Behinderungen: 47,3 %, Personen ohne Behinderun- gen: 56,7 %) oder in Einpersonenhaushalten (Personen mit Behinderungen: 37,5 %, Personen ohne Behinderungen: 29,9 %).
54 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Tabelle 10: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten, Alter und Haushaltstyp 2024 (in Prozent) Alter, Haushaltstyp Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt 15–24 Jahre (in 1 000) 928,3 855,6 72,6 17,2 55,5 Paare ohne Kinder 7,8 7,8 (8,2) (x) (x) Paare mit Kindern 58,0 59,0 46,0 (35,0) 49,4 Ein-Eltern-Haushalte 16,8 16,2 23,4 (32,6) (20,5) Zwei- und Mehrfamilienhaushalte 2,0 2,0 (x) (x) (x) Einpersonenhaushalte 8,4 8,1 (11,9) (x) (9,2) Mehrpersonen- Nichtfamilienhaushalte 7,0 6,9 (9,2) (x) (10,7) 25–64 Jahre (in 1 000) 5 027,6 4 018,8 1 008,8 275,0 733,8 Paare ohne Kinder 26,4 25,9 28,5 27,2 29,0 Paare mit Kindern 41,3 43,9 31,0 24,3 33,5 Ein-Eltern-Haushalte 7,5 7,2 8,5 9,6 8,0 Zwei- und Mehrfamilienhaushalte 2,2 2,1 2,8 (2,1) 3,1 Einpersonenhaushalte 19,5 17,9 26,1 32,1 23,8 Mehrpersonen- Nichtfamilienhaushalte 3,1 3,0 3,1 (4,6) 2,5 65–89 Jahre (in 1 000) 1 705,2 895,1 810,1 302,7 507,4 Paare ohne Kinder 52,3 56,7 47,3 46,3 48,0 Paare mit Kindern 7,2 6,9 7,6 5,8 8,7 Ein-Eltern-Haushalte 3,7 3,3 4,1 5,3 3,4 Zwei- und Mehrfamilienhaushalte 1,8 1,7 1,8 (1,7) (1,9) Einpersonenhaushalte 33,5 29,9 37,5 39,1 36,6 Mehrpersonen- Nichtfamilienhaushalte 1,5 (1,4) (1,6) (1,9) (1,5) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls- behaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar.