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Menschen mit Behinderungen in Österreich 55 von 202

Hauptaktivität Ein weiteres Kriterium, anhand dessen man die österreichische Wohnbevölkerung in Privathaushalten betrachten und Gruppen miteinander vergleichen kann, ist die Haupt- aktivität nach dem Lebensunterhaltskonzept (siehe Glossar). Im Mikrozensus werden die Respondent:innen gebeten, sich einer der folgenden Gruppen zuzuordnen: „erwerbstätig oder Lehrling“, „arbeitssuchend, arbeitslos“, „in Pension“, „dauerhaft arbeitsunfähig aus gesundheitlichen Gründen“, „in Ausbildung“, „haushaltsführend“ oder „sonstiges“26. Hierbei ist zu beachten, dass keine Mehrfachantworten möglich sind und es um eine Selbsteinschätzung bezüglich der hauptsächlichen Tätigkeit geht. Darüber hinaus kann eine Person verschiedenen weiteren Tätigkeiten nachgehen. So kann sie etwa primär arbeitssuchend und als arbeitslos gemeldet sein, daneben aber geringfügig in Beschäfti- gung stehen, also zusätzlich erwerbstätig sein.27 Auch ist es beispielsweise möglich, dass Personen, die hier eine andere Hauptaktivität angeben, darüber hinaus einen Haushalt führen und/oder eine berufsbegleitende Ausbildung absolvieren. 13,3 % der Erwerbstätigen und Lehrlinge sowie 7,5 % der in Ausbildung befindlichen Personen waren 2024 etwas oder stark bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt (Abbildung 4). Unter arbeitssuchenden und arbeitslosen Personen lebte ein Drittel mit Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten (33,8 %, darunter 11,5 % mit starken Einschränkungen). Bei dauer- haft arbeitsunfähigen Personen waren es 93,3 %, wovon zwei Drittel starke Einschränkun- gen anführten. Von allen haushaltsführenden Personen hatten 21,5 % und von allen Pensionist:innen 46,1 % Behinderungen. 26 Die Kategorie „sonstiges“ kann von Respondent:innen gewählt werden, wenn sie eine Zuordnung zu einer der zuvor angeführten, konkreteren Antwortkategorien nicht für zutreffend halten.
27 Dies erklärt auch allfällige Unterschiede zwischen den hier angeführten Werten hinsichtlich Arbeitsmarkt - beteiligung und den in Kapitel 3 präsentierten Daten zur Erwerbstätigenquote, die sich an den Definitionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) orientieren (siehe Glossar).

56 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Abbildung 4: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten und Hauptaktivität 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls- behaftet. Bei der Analyse, wie sich der Kreis der Personen mit Behinderungen im Jahr 2024 anteilig auf die angeführten Hauptaktivitäten verteilte (Tabelle 11), ergibt sich ein ähnliches Bild wie 2022: Die Hälfte (50,0 %) aller Personen mit Behinderungen befand sich 2024 in Pension (2022: 49,5 %). Unter Personen mit starken Einschränkungen bei Alltagsaktivitä- ten lag der Pensionist:innen-Anteil bei 58,7 %, unter Personen ohne Behinderungen bei 19,2 %. 29,2 % der Personen mit Behinderungen waren Erwerbstätige oder Lehrlinge (2022: 30,9 %), wobei Personen, die sich als etwas eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten einstuften, zu einem wesentlich größeren Teil (37,0 %) erwerbstätig oder in einer Lehre waren als Personen mit starken Einschränkungen (12,1 %). 7,9 % waren dauerhaft arbeitsunfähig aus gesundheitlichen Gründen (2022: 6,9 %). Hier bestand erneut ein deutlicher Unterschied zwischen stark eingeschränkten und etwas eingeschränkten Personen: Erstere waren zu 16,6 %, letztere lediglich zu 3,9 % dauerhaft arbeitsunfähig. Weitere 6,3 % der Personen mit Behinderungen befanden sich auf Arbeitssuche oder waren arbeitslos (2022: 5,6 %).

Menschen mit Behinderungen in Österreich 57 von 202 Frauen mit Behinderungen waren mit 52,6 % etwas häufiger in Pension als Männer mit Behinderungen mit 47,2 %, wobei auch hier die höhere Lebenserwartung sowie Unterschiede im Regelpensionsalter von Frauen zu berücksichtigen sind.
Tabelle 11: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten, Geschlecht und Hauptaktivität 2024 (in Prozent) Geschlecht, Hauptaktivität Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen
(in 1 000) 7 661,1 5 769,5 1 891,6 594,8 1 296,7 Erwerbstätig oder Lehrling 54,2 62,4 29,2 12,1 37,0 Arbeitssuchend, arbeitslos 4,6 4,1 6,3 6,8 6,1 In Pension 26,8 19,2 50,0 58,7 46,1 Dauerhaft arbeitsunfähig aus gesundheitlichen Gründen 2,1 (0,2) 7,9 16,6 3,9 In Ausbildung 7,0 8,6 2,1 (1,2) 2,5 Haushaltsführend 4,0 4,2 3,5 3,4 3,5 Sonstiges 1,3 1,4 1,0 (1,3) (0,8) Männer (in 1 000) 3 758,4 2 858,5 899,8 286,0 613,9 Erwerbstätig oder Lehrling 59,8 68,4 32,8 14,0 41,6 Arbeitssuchend, arbeitslos 5,3 4,5 7,8 8,3 7,5 In Pension 24,1 16,9 47,2 55,5 43,4 Dauerhaft arbeitsunfähig aus gesundheitlichen Gründen 2,3 (0,2) 8,8 18,9 4,0 In Ausbildung 6,9 8,4 2,1 (x) 2,3 Haushaltsführend 0,2 (0,2) (x) (x) (x) Sonstiges 1,3 1,4 (1,1) (x) (1,0)

58 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Geschlecht, Hauptaktivität Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Frauen (in 1 000) 3 902,7 2 911,0 991,7 308,8 682,9 Erwerbstätig oder Lehrling 48,8 56,6 25,9 10,4 32,9 Arbeitssuchend, arbeitslos 4,0 3,6 5,1 5,4 4,9 In Pension 29,3 21,4 52,6 61,6 48,5 Dauerhaft arbeitsunfähig aus gesundheitlichen Gründen 1,9 (x) 7,1 14,4 3,7 In Ausbildung 7,1 8,8 2,1 (x) 2,7 Haushaltsführend 7,6 8,0 6,4 6,3 6,5 Sonstiges 1,3 1,4 (0,9) (x) (x) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls- behaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar. Männer mit Behinderungen waren zu 32,8 % erwerbstätig oder absolvierten eine Lehre, bei Frauen mit Behinderungen waren es 25,9 %. Gleichzeitig waren Männer mit Behinderungen etwas häufiger arbeitssuchend oder arbeitslos (7,8 % gegenüber 5,1 %). Die Anteile der gesundheitsbedingt dauerhaft arbeitsunfähigen Personen lagen bei Menschen mit Behinderungen bei beiden Geschlechtern auf ähnlichem Niveau (8,8 % bzw. 7,1 %). Jeweils 2,1 % der Männer und Frauen mit Behinderungen befanden sich in Ausbildung. Die Mehrheit der Personen mit wie auch ohne Behinderungen in der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre befand sich im Jahr 2024 in Ausbildung (Tabelle 12). Bei Personen mit Behinderungen waren dies 39,8 %, bei Personen ohne Behinderungen 45,7 %. Bei der Betrachtung verschiedener Altersgruppen fällt auf, dass junge Personen mit Behinderungen zwischen 15 und 24 Jahren zwar seltener als Personen ohne Behinderungen derselben Altersgruppe Erwerbstätige oder Lehrlinge waren (31,8 % gegenüber 42,8 %), dass hier der Unterschied aber deutlich geringer war als in der Gruppe der 25- bis 64-Jährigen, in der die Werte bei 51,8 % respektive 79,9 % lagen. 25- bis 64- Jährige mit Behinderungen waren hingegen mehr als doppelt so häufig arbeitssuchend oder arbeitslos wie Personen ohne Behinderungen (10,9 % gegenüber 4,5 %). 12,6 % der

Menschen mit Behinderungen in Österreich 59 von 202 Personen mit Behinderungen in dieser Altersgruppe waren arbeitsunfähig aus gesundheitlichen Gründen, unter Personen mit starken Einschränkungen waren dies sogar 29,8 %. Fast alle Personen mit und ohne Behinderungen zwischen 65 und 89 Jahren waren zum Befragungszeitpunkt in Pension. Tabelle 12: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten, Alter und Hauptaktivität 2024 (in Prozent) Alter, Hauptaktivität Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt 15–24 Jahre (in 1 000) 928,3 855,6 72,6 17,2 55,5 Erwerbstätig oder Lehrling 42,0 42,8 31,8 (x) 36,7 Arbeitssuchend, arbeitslos 6,8 6,3 (13,3) (x) (14,6) In Pension 0,0 (x)

Dauerhaft arbeitsunfähig aus gesundheitlichen Gründen 0,8

(10,7) (36,4) (x) In Ausbildung 45,2 45,7 39,8 (34,0) 41,6 Haushaltsführend 1,2 (1,2) (x)

(x) Sonstiges 3,9 3,9 (x) (x) (x) 25–64 Jahre (in 1 000) 5 027,6 4 018,8 1 008,8 275,0 733,8 Erwerbstätig oder Lehrling 74,3 79,9 51,8 24,7 62,0 Arbeitssuchend, arbeitslos 5,8 4,5 10,9 14,2 9,6 In Pension 9,2 6,7 19,1 25,6 16,6 Dauerhaft arbeitsunfähig aus gesundheitlichen Gründen 2,7 (0,2) 12,6 29,8 6,1 In Ausbildung 2,3 2,6 (1,1) (x) (1,3) Haushaltsführend 4,6 4,9 3,3 (3,3) 3,3 Sonstiges 1,2 1,2 (1,2) (1,8) (1,0)

60 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Alter, Hauptaktivität Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt 65–89 Jahre (in 1 000) 1 705,2 895,1 810,1 302,7 507,4 Erwerbstätig oder Lehrling 1,7 2,6 (0,8) (x) (1,0) Arbeitssuchend, arbeitslos 0,1 (x) (x)

(x) In Pension 93,3 93,5 93,1 92,0 93,7 Dauerhaft arbeitsunfähig aus gesundheitlichen Gründen 0,9 (x) 1,8 (3,4) (x) In Ausbildung 0,0 (x)

Haushaltsführend 3,7 3,5 3,9 (3,6) 4,1 Sonstiges 0,2 (x) (x) (x) (x) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls- behaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 61 von 202 3 Wohnen Dieses Kapitel beleuchtet die Wohnsituation von Personen mit Behinderungen in Österreich aus verschiedenen Blickwinkeln. Zunächst wird dargestellt, in welchen Rechtsverhältnissen Personen mit Behinderungen in Österreich und in den Bundes- ländern leben und wie groß ihre Haushalte sind. Der zweite Abschnitt geht auf finanzielle Aspekte des Wohnens ein, insbesondere auf die Höhe von Mietkosten und darauf, wie stark Wohnkosten subjektiv als Belastung wahrgenommen werden. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit der Wohnqualität von Personen mit Behin- derungen, wobei die Wohnausstattung und Wohnprobleme in den Fokus genom- men werden. Die Datenbasis für dieses Kapitel bilden einerseits die Mikrozensus- Wohnungserhebung 2024 und andererseits EU-SILC 2024. Erneut sei an dieser Stel- le angemerkt, dass sich diese Daten aufgrund der Erhebungskriterien ausschließlich auf die Wohnverhältnisse von in Privathaushalten lebenden Personen beschränken. Personen, die mit Hauptwohnsitz in institutionellen Settings lebten, wurden nicht befragt und ihre Wohnsituation kann daher hier nicht beschrieben werden. Wohnsituation Rechtsverhältnis Der Begriff Rechtsverhältnis bezieht sich auf die wohnrechtliche Situation von Haushalten, also auf die rechtliche Basis für die Nutzung eines Wohnobjektes. Das Rechtsverhältnis stellt eines der wichtigsten Merkmale der Wohnsituation dar. In der Mikrozensus- Wohnungserhebung, aus der die hier präsentierten Daten stammen, wird bezüglich des Rechtsverhältnisses von Haushalten zwischen den folgenden Kategorien differenziert: • Eigentum: Diese Kategorie untergliedert sich weiter in Hauseigentum und Wohnungseigentum. • Hauptmietwohnungen: Hier kann weiter zwischen Gemeindewohnungen, Genossenschaftswohnungen und andere Hauptmieten unterschieden werden. • Sonstige Rechtsverhältnisse: Diese Kategorie umfasst Untermieten, Dienst- und Naturalwohnungen sowie unentgeltliche und mietfreie Wohnverhältnisse.

62 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Die folgende Darstellung der rechtlichen Wohnverhältnissen von Personen mit Behinde- rungen im Alter von 15 bis 89 Jahren, die österreichweit in Privathaushalten leben, glie- dert diese drei Rechtsverhältnisse weiter auf. Für die anschließende Analyse auf Bundes- länderebene werden aufgrund niedrigerer Fallzahlen und damit erhöhten Schwankungs- breiten nur die drei übergeordneten Kategorien dargestellt. Abbildung 5: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten und Rechtsverhältnis des Hauptwohnsitzes 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. Abbildung 5 zeigt die ungleiche Verteilung von Personen, die angaben, seit mindestens sechs Monaten bei Aktivitäten des Alltagslebens gesundheitsbedingt eingeschränkt zu sein, nach den Rechtsverhältnissen ihres Haushalts im Vergleich zu Personen ohne Behinderungen. Im Jahr 2024 gaben 24,7 % der in österreichischen Privathaushalten mit Hauptwohnsitz lebenden Personen an, gesundheitsbedingt bei Alltagsaktivitäten ein- geschränkt zu sein. Unter jenen, die 2024 in Haus- bzw. Wohnungseigentum wohnten, waren insgesamt 22,4 % bzw. 20,3 % gesundheitsbedingt bei Alltagsaktivitäten ein- geschränkt. Bei Mietverhältnissen war diese Personengruppe einerseits bei Gemeinde- wohnungen (37,9 %) und Genossenschaftswohnungen (27,5 %) überrepräsentiert, ande- rerseits bei „anderen Hauptmieten“ (19,5 %) unterrepräsentiert. Mit 40,5 % war der Anteil der Menschen, die mit Behinderungen lebten, in „sonstigen Rechtsverhältnissen“ – zu denen mietfrei oder unentgeltlich, zur Untermiete oder in Dienst- und Naturalwohnungen