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Menschen mit Behinderungen in Österreich 69 von 202 Finanzielle Aspekte Wohnkosten machen oft einen hohen Anteil der Lebenshaltungskosten aus. Insbesondere bei niedrigen Einkommen kann sich das als große finanzielle Belastung auswirken. Für Informationen zu Mietkosten wird in den folgenden Analysen auf Daten der Mikrozensus- Wohnungserhebung zurückgegriffen, für Informationen zur finanziellen Belastung auf Daten der EU-SILC-Erhebung. Wohnkosten für Hauptmietwohnungen Wie Abbildung 6 veranschaulicht, bezahlten im Jahr 2024 Haushalte, in denen Menschen mit gesundheitsbedingten Aktivitätseinschränkungen lebten, in allen Arten der Hauptmie- te durchschnittlich etwas geringere Mieten (inklusive Betriebskosten) pro Quadratmeter als Haushalte von Menschen ohne Einschränkungen. Bei der Interpretation dieser Ergeb- nisse ist allerdings zu beachten, dass, wie im Abschnitt Wohnqualität noch erläutert wird, Personen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten häufiger in schlechter ausgestatteten Wohnungen lebten als Personen ohne Aktivitätseinschränkun- gen und darüber hinaus über ein geringeres Haushaltseinkommen verfügten (siehe Abschnitt Einkommen). Für Gemeindewohnungen, deren Mietkosten sich insgesamt auf dem geringsten Niveau bewegten, bezahlten Personen mit Behinderungen im Durchschnitt 7,6 Euro pro Quadrat- meter und damit um durchschnittlich 0,6 Euro weniger als Personen ohne Behinderungen. Bei Genossenschaftswohnungen belief sich dieser Unterschied auf 0,3 Euro bei einer durchschnittlichen Miete von 8,3 Euro pro Quadratmeter bei Personen mit Behinderun- gen. Bei anderen Hauptmieten, die insgesamt auch die teuersten Mieten darstellten, lagen die Mietkosten bei Personen mit Behinderungen bei durchschnittlich 10,6 Euro pro Quadratmeter und damit um 1,2 Euro unter jenen von Personen ohne Behinderungen.

70 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Abbildung 6: Miete mit Betriebskosten für Hauptmietwohnungen pro Quadratmeter nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Hauptmietart 2024 (in Euro)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. Finanzielle Belastung durch Wohnkosten Die subjektiv wahrgenommene Belastung durch Wohnkosten wird im Rahmen von EU-SILC erhoben. Dazu wird gefragt, inwieweit die gesamten Wohnkosten für den Haushalt eine finanzielle Belastung darstellen. Zu Wohnkosten zählen hier Miete, Kreditrückzahlungen sowie auch sämtliche Wohnnebenkosten (inklusive Heizung, Strom, Betriebskosten und Instandhaltungskosten). Wohnkosten wurden 2024 von Personen mit Behinderungen als eine höhere Belastung empfunden als von Personen ohne Behinderungen (Abbildung 7). Nur 17,8 % der erstgenannten Gruppe verspürten keine Belastung, 47,0 % eine gewisse Belastung und über ein Drittel (35,2 %) sogar eine starke Belastung. Im Vergleich dazu erlebte gut ein Fünftel (21,7 %) der Personen ohne gesundheitsbedingte Aktivitätseinschränkungen keine finanzielle Belastung durch Wohnkosten, rund die Hälfte (51,8 %) empfand eine gewisse finanzielle Belastung, weitere 26,4 % eine starke Belastung.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 71 von 202 Bemerkenswert ist der Unterschied zu den Ergebnissen von 2022. Damals erlebte noch fast ein Drittel (31,7 %) der Personen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten keine finanzielle Belastung durch Wohnkosten, wohingegen 17,8 % eine starke Belastung wahrnahmen. Dies bedeutet, dass sich diese Anteile zwischen 2022 und 2024 fast umgekehrt haben, die Belastung durch Wohnkosten war 2024 somit deutlich höher als 2022. Auch bei Personen ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen war 2022 der Anteil jener, die von einer starken finanziellen Belastung durch Wohnkosten betroffen waren, deutlich kleiner als 2024 (2022: keine Belastung: 38,1 %; starke Belastung: 10,6 %). Abbildung 7: Finanzielle Belastung durch Wohnkosten nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 16 Jahren.

72 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Tabelle 17: Finanzielle Belastung durch Wohnkosten nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Rechtsverhältnis 2024 (in Prozent) Rechtsverhältnis, finanzielle Belastung durch Wohnkosten Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Hauseigentum Keine Belastung 18,4 19,0 16,8 19,9 15,8 Gewisse Belastung 54,5 54,9 53,5 43,0 56,8 Starke Belastung 27,1 26,1 29,7 37,0 27,4 Wohnungseigentum Keine Belastung 24,4 26,4 18,5 19,0 18,3 Gewisse Belastung 56,1 56,1 55,9 51,7 57,4 Starke Belastung 19,6 17,6 25,6 29,4 24,3 Gemeindewohnung Keine Belastung 16,5 17,6 14,0 (12,2) 15,1 Gewisse Belastung 36,4 39,1 32,6 20,6 39,9 Starke Belastung 47,0 43,3 53,4 67,2 45,0 Genossenschafts-wohnung Keine Belastung 20,6 23,1 16,3 16,8 16,1 Gewisse Belastung 45,6 48,9 39,7 35,4 41,6 Starke Belastung 33,8 28,0 44,0 47,8 42,3 Andere Hauptmiete Keine Belastung 16,8 18,5 11,6 (14,4) 10,6 Gewisse Belastung 46,9 49,3 39,7 21,0 46,3 Starke Belastung 36,3 32,2 48,7 64,6 43,1 Sonstiges Keine Belastung 35,4 37,3 32,8 30,5 34,0 Gewisse Belastung 47,2 47,6 46,5 42,0 48,8 Starke Belastung 17,4 15,1 20,7 27,6 17,1 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 16 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 73 von 202 Unterschiede in der subjektiv wahrgenommen finanziellen Belastung durch Wohnkosten zwischen Wohnrechtsverhältnissen zeigt Tabelle 17. Für Personen, die 2024 in Gemeindewohnungen lebten, stellten Wohnkosten anteilsmäßig am häufigsten eine starke finanzielle Belastung dar. Dies traf auf mehr als die Hälfte (53,4 %) der Personen mit Behinderungen in Gemeindewohnungen zu, bei Personen ohne Behinderungen waren es 43,3 %. Für Menschen, die in Eigentum lebten, war der Anteil jener, die eine starke finanzielle Belastung verspürten, vergleichsweise niedrig. Menschen mit Behinderungen, die in Haus- (29,7 %) oder Wohnungseigentum (25,6 %) lebten, hatte hier dennoch höhere Anteile als Menschen ohne Behinderungen (Hauseigentum: 26,1 %; Wohnungseigentum: 17,6 %). Am seltensten verspürten aber Personen in „sonstigen“ Wohnrechtsverhältnissen starke finanzielle Belastungen durch Wohnkosten (Personen mit Behinderungen: 20,7 %; Personen ohne Behinderungen: 15,1 %). Die finanzielle Belastung durch Wohnkosten wurde auch unterschiedlich wahrgenommen, je nachdem in welcher Haushaltskonstellation man lebte. Es galt aber für alle Haushaltstypen, dass Personen mit Behinderungen anteilsmäßig häufiger eine starke Belastung erlebten (Tabelle 18). Fast zwei Drittel (65,6 %) der Menschen mit gesundheits- bedingten Aktivitätseinschränkungen, die 2024 in Ein-Eltern-Haushalten wohnten, ver- spürten eine starke finanzielle Belastung durch die anfallenden Wohnkosten. Für Perso- nen ohne Behinderungen im gleichen Haushaltstyp betrug dieser Anteil 48,9 %. Paare ohne Kinder gaben am seltensten eine starke Belastung an; bei Personen mit Behinde- rungen war dies bei 26,3 % der Fall, bei Personen ohne Behinderungen mit 17,4 % noch seltener.

74 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Tabelle 18: Finanzielle Belastung durch Wohnkosten nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Haushaltstyp 2024 (in Prozent) Haushaltstyp, finanzielle Belastung durch Wohnkosten Personen insgesamt Nicht ein- geschränkt Stark & etwas eingeschränk t zusammen Stark ein- geschränkt Etwas ein- geschränkt Paare ohne Kinder Keine Belastung 23,6 24,8 21,4 23,2 20,8 Gewisse Belastung 55,9 57,8 52,3 40,3 56,6 Starke Belastung 20,5 17,4 26,3 36,5 22,6 Paare mit Kindern Keine Belastung 16,8 17,7 12,4 (13,6) 12,1 Gewisse Belastung 51,0 52,0 45,9 32,5 48,8 Starke Belastung 32,2 30,2 41,7 53,9 39,1 Ein-Eltern-Haushalte Keine Belastung 11,8 14,0 (6,7)

(8,7) Gewisse Belastung 34,2 37,1 27,7 (18,1) 30,5 Starke Belastung 53,9 48,9 65,6 (81,9) 60,8 Einpersonenhaushalte Keine Belastung 27,2 31,3 20,8 19,8 21,4 Gewisse Belastung 42,1 45,3 37,5 30,5 41,1 Starke Belastung 30,7 23,5 41,6 49,7 37,5 Sonstige Mehrpersonenhaushalte Keine Belastung 14,2 15,4 11,1 (15,2) 9,1 Gewisse Belastung 51,6 50,5 54,6 46,0 58,7 Starke Belastung 34,2 34,1 34,3 38,8 32,2 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 16 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 75 von 202 Wohnqualität Die Qualität der Wohnungsausstattung (etwa ob sich das WC in der Wohnung oder am Gang befindet oder ob es eine Bade- oder Duschgelegenheit in der Wohnung gibt) trägt zur allgemeinen Lebensqualität bei. Daten dazu werden im Rahmen der Mikrozensus- Wohnungserhebung erfasst. Informationen über Wohnprobleme – wie etwa Feuchtigkeit der Wohnung, Lärmbelastung oder Kriminalität in der Wohngegend – sind Teil der EU- SILC-Befragung. Wohnungsausstattung Ein wichtiges Merkmal der Wohnqualität ist die Güte der Wohnausstattung. Die Klassifi- zierung der Wohnausstattung in der Mikrozensus-Wohnungserhebung erfolgt ähnlich den Ausstattungskategorien des österreichischen Mietrechtsgesetzes. Es wird zwischen vier Ausstattungskategorien differenziert: • Kategorie A: mit Bad/Dusche, WC und Zentralheizung oder Fernwärme
• Kategorie B: mit Bad/Dusche, WC und keine Zentralheizung oder Fernwärme
• Kategorie C: mit WC und Wasserentnahme, keine Bade- oder Duschgelegenheit, Heizungsart nicht relevant
• Kategorie D: kein WC, Heizungsart nicht relevant. Der Großteil der Bevölkerung in Privathaushalten (94,7 %) lebte 2024 in Wohnungen der besten Ausstattungskategorie (A). Wie Tabelle 19 zeigt, war dieser Anteil für Personen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten allerdings etwas niedriger (92,4 %) als für Personen ohne Einschränkungen (95,5 %). In der aufgrund der fehlenden Zentralheizung oder Fernwärme schlechteren Ausstattungskategorie B war dieses Ver- hältnis umgedreht: hier lebten 6,8 % der Menschen mit Behinderungen und 4,1 % der Personen ohne Behinderungen. In den Kategorien C und D waren insgesamt nur 0,5 % der Bevölkerung in Privathaushalten zuhause.

76 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Tabelle 19: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten und Wohnungsausstattung 2024 (in Prozent) Wohnungs- ausstattung Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Alle Kategorien
(in 1 000) 7 661,1 5 769,5 1 891,6 594,8 1 296,7 Kategorie A 94,7 95,5 92,4 91,2 93,0 Kategorie B 4,8 4,1 6,8 7,8 6,4 Kategorie C und D 0,5 0,3 0,8 (1,0) (0,7) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls- behaftet. Wohnprobleme In der EU-SILC Befragung werden Informationen zu diversen Wohnproblemen erhoben. Die Haushalte geben Auskunft über das Vorliegen der folgenden Probleme in ihrer Wohnsituation: • Feuchtigkeit, Fäulnis, Undichtheit in Haus oder Wohnung, • dunkle Räume, • Lärmbelästigung durch Nachbarn oder Straße, • Luft-, Wasserverschmutzung, Ruß durch Verkehr/Industrie, • Kriminalität, Gewalt oder Vandalismus in der Wohngegend, • keine Badewanne oder Dusche in der Wohnung bzw. im Haus, • kein WC in der Wohnung bzw. im Haus. Tabelle 20 zeigt die Anteile jener Menschen, die sich 2024 mit einem oder mehreren dieser Wohnprobleme konfrontiert sahen. Über alle Personen hinweg waren dies 35,6 %, d. h. die überwiegende Mehrheit (64,4 %) hatte keines dieser Probleme. Allerdings gab es teils große Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Behinderungen, auch in Abhän- gigkeit davon, in welchem Wohnrechtsverhältnis sie lebten. Die höchsten Anteile an Personen mit Wohnproblemen waren bei jenen zu finden, die in Gemeindewohnungen zuhause waren. Bei Bewohner:innen von Gemeindewohnungen gab es mit 62,8 % der Personen mit Behinderungen und 50,5 % der Personen ohne Behinderungen auch den

Menschen mit Behinderungen in Österreich 77 von 202 größten Unterschied im Hinblick auf Wohnprobleme zwischen Personen mit und ohne Behinderungen. Am seltensten gab es Wohnprobleme bei Personen, die in Hauseigentum lebten. Hier hatten 36,4 % der Menschen mit Behinderungen und 26,2 % der Menschen ohne Behinderungen zumindest eines der angeführten Probleme. Bei in Wohnungs- eigentum lebenden Personen waren diese Anteile auf sehr ähnlichem Niveau. Tabelle 20: Bevölkerung mit Wohnproblemen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Rechtsverhältnis 2024 (in Prozent) Rechtsverhältnis Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Alle Rechtsverhältnisse 35,6 33,0 41,5 39,3 42,3 Hauseigentum 29,1 26,2 36,4 36,9 36,2 Wohnungseigentum 30,1 27,9 36,6 32,9 37,9 Gemeindewohnung 55,5 50,5 62,8 60,6 64,1 Genossenschafts- wohnung 40,0 39,0 41,9 38,4 43,5 Andere Hauptmiete 44,4 42,8 49,3 36,0 54,1 Sonstiges 34,6 33,1 36,4 35,4 36,9 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 16 Jahren. Bei der Unterscheidung verschiedener Haushaltstypen (Tabelle 21) zeigt sich, dass Per- sonen in Ein-Eltern-Haushalten 2024 anteilsmäßig am meisten von Wohnproblemen betroffen waren. Bei Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten war dies zu 62,8 % der Fall, bei Personen ohne Einschränkungen traf es auf etwa die Hälfte (50,5 %) zu. Unter allen Rechtsverhältnissen zeigte sich damit hier die größte Diskrepanz zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen. Auch bei Einpersonenhaushalten waren die Anteile der von Wohnproblemen Betroffenen mit 49,3 % bei Personen mit und 42,8 % bei Personen ohne Behinderungen vergleichsweise hoch. Personen, die in einer Partner:innenschaft ohne Kinder lebten, waren am seltensten von Wohnproblemen betroffen, wobei der Anteil bei Personen mit Behinderungen immer noch mehr als ein Drittel (36,4 %) ausmachte, bei Personen ohne Behinderungen gut ein Viertel (26,2 %).