Menschen-mit-Behinderungen-in-Oesterreich_Erhebungsdaten_2024.pdf

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78 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Tabelle 21: Bevölkerung mit Wohnproblemen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Haushaltstyp 2024 (in Prozent) Haushaltstyp Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränk t Alle Haushaltstypen 35,6 33,0 41,5 39,3 42,3 Paare ohne Kinder 29,1 26,2 36,4 36,9 36,2 Paare mit Kindern 30,1 27,9 36,6 32,9 37,9 Ein-Eltern-Haushalte 55,5 50,5 62,8 60,6 64,1 Einpersonenhaushalte 44,4 42,8 49,3 36,0 54,1 Sonstige Mehr- personenhaushalte 34,6 33,1 36,4 35,4 36,9 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 16 Jahren.

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4 Bildung Dieses Kapitel befasst sich mit dem Bildungsstand und den Bildungsaktivitäten von Personen mit Behinderungen. Im ersten Abschnitt des Kapitels wird basierend auf Daten der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2024 der Bildungsstand dieses Personenkreises analysiert und zu den Ergebnissen von 2022 in Bezug gesetzt. Des Weiteren können für diesen Bericht Daten der jüngsten Erwachsenenbildungs- erhebung (Adult Education Survey, AES) von 2022/23 herangezogen werden, um die Aus- und Weiterbildungsaktivitäten von Personen mit Behinderungen im Erwachsenenalter zu beleuchten. Es wird gezeigt, an welchen Formen von Bildungs- angeboten Personen mit Behinderungen teilnahmen, ob sich ihre Bildungspartizi- pation von der von Personen ohne Behinderungen unterschied, welche Informa- tionsquellen zu Aus- und Weiterbildung sie nutzten und warum zum Teil keine Aus- und Weiterbildung realisiert werden konnte.28 Höchste abgeschlossene Ausbildung Die Analysen der höchsten Bildungsabschlüsse 2024 zeigten wie bereits jene für Bildungs- abschlüsse 2022 deutliche Unterschiede zwischen Personen ohne Behinderungen und Per- sonen mit Behinderungen. 2024 hatten ähnlich viele Personen mit Behinderungen wie im Jahr 2022 maximal einen Pflichtschulabschluss: 2024 waren dies 29,7 % (Tabelle 22), 2022 waren es 30,0 % gewesen. Unter Menschen mit starken Einschränkungen bei Alltagsaktivi- täten verfügten 38,6 % (2022: 38,3 %) maximal über einen Pflichtschulabschluss, unter Personen ohne Behinderungen waren es demgegenüber 17,0 % (2022: 17,7 %). Anteilig mehr Menschen mit Behinderungen als ohne Behinderungen hatten 2024, wie bereits 2022, eine Lehre als höchste Bildungsqualifikation (37,2 % gegenüber 30,6 %, 2022: 38,7 % gegenüber 31,5 %). Einen Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule hatten im Jahr 28 Im Bericht „Menschen mit Behinderungen in Österreich I“ wurden im Teilkapitel „Teilnahme an Aus -, Fort- und Weiterbildungen im Erwachsenenalter“ ebenfalls Ergebnisse zur Bildungsteilnahme von Erwachsenen präsentiert. Die Daten stammten dabei aus einem kleinen Modul des Mikrozensus, welches alle zwei Jahre eingesetzt wird und somit eine höhere Frequenz aufweist als die wesentlich umfangreichere und auf Weiter - bildungsaktivitäten fokussierte Erwachsenenbildungserhebung. Die Befragungen unterscheiden sich in wesentlichen Aspekten wie etwa der Länge des Referenzzeitraumes, der Fragestellung und der befragten Altersgruppen. Dies ist einer Gegenüberstellung der Daten stets zu berücksichtigen.

80 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich 2024 in allen Vergleichsgruppen ähnlich viele Personen (Personen mit Behinderungen: 12,9 %, Personen ohne Behinderungen: 11,5 %, 2022: 12,9 % respektive 12,5 %). Bei den höheren Bildungsabschlüssen gab es hingegen weiterhin große Unterschiede. 2024 hatten 10,5 % der Personen mit Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten die Matura. 2022 hatte der Anteil bei 9,9 % gelegen. Bei Menschen ohne Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten waren es 19,3 % im Jahr 2024 und 18,4 % im Jahr 2022. Einen Hochschulabschluss hatten 9,7 % (2022: 8,4 %) der Personen mit Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten erlangt. Der Anteil an Hochschulabsolvent:innen unter Personen ohne Aktivitätseinschränkungen lag bei 21,4 % (2022: 19,9 %). In der Analyse der höchsten abgeschlossenen Ausbildung hatten sich für 2022 deutliche Geschlechtsunterschiede gezeigt. Diese waren auch 2024 weiterhin in ähnlich starken Ausprägungen gegeben. Unter Frauen mit Behinderungen hatte im Jahr 2024 mit 35,4 % mehr als jede Dritte maximal einen Pflichtschulabschluss, bei den Männern war es mit 23,4 % knapp jeder Vierte. Demgegenüber hatte beinahe die Hälfte der Männer mit Behinderungen (48,3 %), aber nur ein gutes Viertel der Frauen mit Behinderungen (27,1 %) eine Lehre als höchsten Bildungsabschluss. Eine berufsbildende mittlere Schule hatte unter Frauen mit Behinderungen ein mehr als doppelt so hoher Anteil abgeschlos- sen wie unter Männern mit Behinderungen (17,1 % gegenüber 8,4 %). Bei Menschen ohne Behinderungen fielen die Geschlechtsunterschiede bei Abschlüssen unter Maturaniveau jeweils deutlich geringer aus. Keine geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen mit Behinderungen gab es bei der Matura als höchstem Bildungs- abschluss: Diese hatte etwa jede zehnte Frau und jeder zehnte Mann mit Behinderungen erlangt (jeweils 10,5 %). Die Quote der Hochschulabsolvent:innen lag bei 10,0 % bei Frauen mit Behinderungen und bei 9,4 % bei Männern mit Behinderungen. Bei Menschen ohne Behinderungen gab es hier einen ausgeprägteren Unterschied zugunsten von Frauen (23,4 %) gegenüber Männern (19,4 %).

Menschen mit Behinderungen in Österreich 81 von 202 Tabelle 22: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten, Geschlecht und höchster abgeschlossener Ausbildung 2024 (in Prozent) Geschlecht, höchste abgeschlossene Ausbildung Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen
(in 1 000) 7 661,1 5 769,5 1 891,6 594,8 1 296,7 Maximal Pflichtschule 20,2 17,0 29,7 38,6 25,5 Lehre 32,3 30,6 37,2 36,2 37,6 BMS 11,9 11,5 12,9 11,4 13,6 AHS, BHS, Kolleg 17,2 19,3 10,5 7,2 12,1 Akademie, Hochschule 18,5 21,4 9,7 6,5 11,2 Männer (in 1 000) 3 758,4 2 858,5 899,8 286,0 613,9 Maximal Pflichtschule 17,7 15,9 23,4 30,0 20,3 Lehre 40,1 37,5 48,3 48,9 48,0 BMS 8,5 8,5 8,4 7,6 8,7 AHS, BHS, Kolleg 16,8 18,7 10,5 7,2 12,1 Akademie, Hochschule 17,0 19,4 9,4 6,2 10,9 Frauen (in 1 000) 3 902,7 2 911,0 991,7 308,8 682,9 Maximal Pflichtschule 22,5 18,2 35,4 46,6 30,3 Lehre 24,7 23,9 27,1 24,5 28,3 BMS 15,2 14,5 17,1 15,0 18,0 AHS, BHS, Kolleg 17,5 19,9 10,5 7,1 12,0 Akademie, Hochschule 20,0 23,4 10,0 6,8 11,4 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. Tabelle 23 zeigt die höchste abgeschlossene Ausbildung der Bevölkerung zwischen 15 und 89 Jahren gegliedert nach breiten Altersgruppen. 53,0 % der 15- bis 24-Jährigen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten hatten maximal die Pflicht- schule abgeschlossen. Unter Personen ohne Behinderungen lag der Wert bei 46,0 %. Hier ist allerdings zu erwarten, dass sich viele Personen in dieser Altersgruppe zum Zeitpunkt der Erhebung noch in einer laufenden Ausbildung befanden und/oder im weiteren Lebensverlauf höhere Qualifikationen erwerben werden. In der Gruppe der 25- bis 64-

82 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Jährigen lag die Quote jener mit maximal Pflichtschulabschluss insgesamt deutlich niedri- ger: Bei Menschen mit Behinderungen waren es 24,7 %, bei Menschen ohne Behinderun- gen 10,6 %. Die häufigste höchste Bildungsqualifikation war in dieser Altersgruppe der Lehrabschluss (Menschen mit Behinderungen: 38,1 %, Menschen ohne Behinderungen: 31,8 %). Tabelle 23: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten, Alter und höchster abgeschlossener Ausbildung 2024 (in Prozent) Alter, höchste abgeschlossene Ausbildung Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt 15–24 Jahre (in 1 000) 928,3 855,6 72,6 17,2 55,5 Maximal Pflichtschule 46,6 46,0 53,0 (71,2) 47,4 Lehre 15,2 15,0 (17,2) (x) (20,7) BMS 6,0 6,1 (x) (x) (x) AHS, BHS, Kolleg 28,0 28,7 20,1 (x) (23,4) Akademie, Hochschule 4,2 4,2 (x) (x) (x) 25–64 Jahre (in 1 000) 5 027,6 4 018,8 1 008,8 275,0 733,8 Maximal Pflichtschule 13,4 10,6 24,7 34,8 20,9 Lehre 33,1 31,8 38,1 36,4 38,8 BMS 11,6 11,5 12,0 10,9 12,4 AHS, BHS, Kolleg 17,8 19,1 12,6 8,8 14,0 Akademie, Hochschule 24,0 26,9 12,6 9,0 13,9 65–89 Jahre (in 1 000) 1 705,2 895,1 810,1 302,7 507,4 Maximal Pflichtschule 25,6 18,2 33,7 40,3 29,8 Lehre 39,1 40,3 37,8 37,8 37,8 BMS 15,8 16,8 14,8 12,2 16,4 AHS, BHS, Kolleg 9,3 11,2 7,1 5,5 8,0 Akademie, Hochschule 10,2 13,5 6,6 (4,2) 8,0 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufalls- behaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar.

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Während Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen jenes Alters zu ähnlichen Anteilen eine berufsbildende mittlere Schule abgeschlossen hatten, hatten Menschen mit Behinderungen deutlich seltener die Matura und weniger als halb so oft einen Hochschulabschluss erlangt. Gleichzeitig ist festzustellen, dass das Bildungsniveau von Menschen mit Behinderungen in dieser Altersgruppe im Vergleich zur älteren Generation ab 65 Jahren deutlich höher lag: Bei den 25- bis 64-Jährigen mit Behin- derungen hatte etwa jede vierte Person einen Abschluss auf Maturaniveau oder darüber. Bei Personen ab 65 Jahren mit Behinderungen hatte nur etwa jede achte Person einen Matura- oder Hochschulabschluss. Die häufigste höchste Bildungsqualifikation war auch bei Personen zwischen 65 und 89 Jahren der Lehrabschluss (Personen mit Behinderungen: 37,8 %, Personen ohne Behinderungen: 40,3 %). Zudem verfügten 33,7 % der Personen mit Behinderungen und 18,2 % der Personen ohne Behinderungen in dieser Altersgruppe maximal über einen Pflichtschulabschluss. Weiterbildungsaktivitäten im Erwachsenenalter Zwischen Oktober 2022 und März 2023 wurde die Erhebung über Erwachsenenbildung (Adult Education Survey, AES) durchgeführt. Die Erwachsenenbildungserhebung erfasst sowohl Formen der institutionalisierten Aus- und Weiterbildung als auch nicht-institutio- nalisierte Lernaktivitäten der Bevölkerung, die sowohl aus beruflichen wie aus privaten Zwecken erfolgen können. Sie stellt insofern einen wichtigen Bestandteil für den Bereich der Bildungsstatistik dar, als sie sehr ausführlich Bildungs- und Lernaktivitäten bei Erwach- senen erhebt und damit wichtige Erkenntnisse über lebensbegleitendes Lernen bzw. lebenslanges Lernen ermöglicht.29 Befragt wurden 2022/23 in Privathaushalten ansässige Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren zu ihren Bildungsaktivitäten in den zwölf Monaten, die dem Befragungszeitraum vorangingen. Die hier präsentierten Analysen beziehen sich auf die Aus- und Weiterbildungsaktivitäten von Personen im Erwerbsalter zwischen 18 und 64 Lebensjahren.

29 Die zugrundeliegenden Konzeptionen von „formaler Bildung“, „nicht-formaler Bildung“ und „informellem Lernen“ fußen auf der Internationalen Standardklassifikation des Bildungswesens ISCED 2011 (UNESCO, 2011), dem Handbuch „Classification of Learning Activities (CLA)“ (Eurostat, 2016) sowie dem Handbuch zur Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23 (Eurostat, 2023).

84 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Formale Bildung Formale Bildung schließt all jene Lernaktivitäten von Schüler:innen und Studierenden im regulären Schul- und Hochschulwesen sowie von Lehrlingen ein, die zu anerkannten Abschlüssen (z. B. Lehrabschluss, Matura, Universitätsabschluss) führen. Charakteristisch für formale Bildung ist, dass sie institutionalisiert, intentional und geplant ist. 12,5 % der Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren nahmen in den zwölf Monaten vor dem Befragungszeitpunkt an einer Ausbildung im regulären Schul- oder Hochschulwesen teil (Tabelle 24). Menschen mit Behinderungen partizipierten seltener als Menschen ohne Behinderungen an dieser Form der Aus- und Weiterbildung (9,0 % gegenüber 13,4 %). Nochmals geringer war die Teilnahme bei Personen mit starken Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten (5,3 %). Tabelle 24: Teilnahme an formaler Bildung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Alter 2022/23 (in Prozent) Alter Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Alle Altersgruppen 12,5 13,4 9,0 5,3 9,9 18–24 Jahre 54,5 54,8 53,8 (47,9) 55,0 25–64 Jahre 7,0 7,5 5,1 (x) 5,8 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23. – Bevölkerung in Privathaushal- ten im Alter von 18 bis 64 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, für dir in der Zelle weniger als 5 ungewich- tete Fälle vorhanden sind. Allgemein fielen die Geschlechtsunterschiede gering aus; in der Vergleichsgruppe der Per- sonen mit Behinderungen lag die Teilnahmequote unter Männern bei 8,8 % und unter Frauen bei 9,2 %. Die Teilnahme an formaler Bildung war unter den 18- bis 24-Jährigen erwartungsgemäß deutlich höher als unter Personen im Haupterwerbsalter (25 bis 64 Jahre). Von allen Personen im Erwerbsalter, die sich formal bildeten, entfielen etwa 50 % auf die Altersgruppe 18 bis 24 Jahre und die übrigen 50 % auf die numerisch weitaus größere Gruppe 25 bis 64 Jahre. Bei jungen Erwachsenen bestand kaum ein Unterschied zwischen Personen ohne und Personen mit Behinderungen (Teilnahmeraten 54,8 % bzw.