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Menschen mit Behinderungen in Österreich 93 von 202 Zeitplan (53,3 %) und andere persönliche Gründe (53,2 %) eine entscheidende Rolle. Gesundheit wurde hier mit 42,2 % zwar seltener genannt als bei Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen, jedoch fast fünfmal so oft wie bei Personen ohne Behinde- rungen (8,6 %). Für Personen ohne Behinderungen war die häufigste Ursache für nicht umgesetzte Bildungsabsichten der Zeitplan (71,6 %), gefolgt von anderen persönlichen Gründen (46,3 %) sowie Familienpflichten (41,6 %).

94 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich 5 Teilhabe am Erwerbsleben Dieses Kapitel geht auf den Lebensbereich der Erwerbsarbeit ein. Anhand der Erwerbstätigenquote, der Arbeitslosenquote und des NEETs-Anteils (siehe Glossar) wird zunächst die Arbeitsmarktbeteiligung von Menschen mit Behinderungen im Vergleich zu Menschen ohne Behinderungen dargestellt. Des Weiteren werden Ergebnisse über die berufliche Stellung, das Beschäftigungsausmaß (Vollzeit versus Teilzeit) sowie die Beschäftigungsdauer von erwerbstätigen Menschen mit und ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten genauer be- trachtet. Im letzten Abschnitt des Kapitels wird nach der Dauer sowie der Art der Arbeitssuche von Erwerbstätigen gefragt, aber auch untersucht, ob sich Menschen mit und ohne Behinderungen ohne Erwerbsarbeit dahingehend unterscheiden, ob sie einen Wunsch nach einer Erwerbsarbeit hegen. Für alle in diesem Kapitel beschriebenen Indikatoren bildet der Mikrozensus 2024 die Datenbasis. Im Jahr 2024 wohnten in Österreichs Privathaushalten insgesamt rund 4 488 800 erwerbs- tätige Personen im Alter von 15 bis 89 Jahren, 13,5 % von ihnen lebten mit Behinderungen (siehe Tabelle 30). Die Gruppe der Erwerbstätigen mit Behinderungen setzte sich zu 14,0 % aus Personen mit starken gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivi- täten und zu 86,0 % aus etwas bei Alltagsaktivitäten eingeschränkten Personen zusammen.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 95 von 202 Aspekte der Erwerbstätigkeit Erwerbstätigenquote Die hier angewandte Definition von Erwerbstätigkeit entspricht jener der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Ihr zufolge gelten Personen als erwerbstätig, sofern sie in der Referenzwoche mindestens eine Stunde als Unselbstständige, Selbstständige oder mithel- fende Familienangehörige gearbeitet haben (für Details siehe Glossar). Die Erwerbstäti- genquote bezieht sich auf den Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung in Privathaus- halten (ohne Präsenz- und Zivildiener). Wie Abbildung 11 zeigt, lag 2024 die Erwerbstätigenquote der Personen ohne Behinderungen zwischen 15 und 64 Jahren in österreichischen Privathaushalten bei 78,7 %. Bei Menschen mit Behinderungen fiel sie mit 54,1 % deutlich geringer aus, wobei es große Unterschiede zwischen Personen mit starken Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten (27,8 %) und etwas eingeschränkten Personen (63,9 %) gab. Auffällig ist, dass die Erwerbstätigenquote 2024 für Personen ohne Behinderungen im Vergleich zu 2022 relativ stabil geblieben ist (2022 lag sie bei 78,4 % und damit 0,3 Prozentwerte unter dem Wert von 2024). Für Personen mit Behinderungen betrug sie 55,6 % im Jahr 2022 und war damit um 1,5 Prozentpunkte geringer als im Jahr 2024. Generell war die Erwerbstätigenquote 2024 von Frauen niedriger als jene von Männern. Bei Personen mit Behinderungen lag die Quote der Frauen um 4,7 Prozentpunkte unter jener der Männer. Bei Personen ohne Behinderungen war dieser Geschlechterunterschied mit 7,5 Prozentpunkten etwas höher.

96 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Abbildung 11: Erwerbstätigenquote nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Geschlecht 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 64 Jahren. Bei einer Betrachtung nach Altersgruppen (Abbildung 12) zeigt sich, dass Menschen mit Behinderungen im Alter von 25 bis 54 Jahren mit 66,3 % mit Abstand die höchste Erwerbs- tätigenquote aufweisen, während die Anteile der Erwerbstätigen in der jüngsten und ältesten Gruppe mit 41,4 % bzw. 41,3 % deutlich niedriger und fast auf gleichem Niveau lagen. Im Vergleich dazu war bei Personen ohne Behinderungen zwar ebenfalls die höchs- te Quote in der mittleren Altersgruppe (88,8 %) zu finden, die Gruppe der 55- bis 64-Jäh- rigen war jedoch mit 68,6 % deutlich häufiger erwerbstätig als jene der 15- bis 24-Jährigen (52,2 %). In der ältesten Gruppe unterschieden sich die Erwerbstätigenquoten von Men- schen mit und ohne Behinderungen auch am stärksten: Hier war die Quote der Personen ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten um 27,3 Prozentpunkte höher als jene der Personen mit solchen Einschränkungen.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 97 von 202 Abbildung 12: Erwerbstätigenquote nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Alter 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 64 Jahren. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar. Abbildung 13 zeigt die Erwerbstätigenquoten 2024 für alle neun Bundesländer. Insgesamt waren die Anteile der Erwerbstätigen in Tirol (78,4 %) und Salzburg (78,3 %) am höchsten und in Wien (67,5 %) gefolgt vom Burgenland (72,2 %) am niedrigsten. Personen, die mit Behinderungen lebten, waren allerdings in Oberösterreich anteilsmäßig am häufigsten erwerbstätig (58,7 %). Personen ohne Behinderungen hatten den höchsten Anteil an Erwerbstätigen in Salzburg (82,7 %). Für beide Gruppen war Wien das Bundesland mit der niedrigsten Erwerbstätigenquote. Die größten Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Behinderungen waren in Kärnten bzw. Salzburg zu finden: Hier waren die Erwerbs- tätigenquoten von Personen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsakti- vitäten um 27,6 bzw. 27,2 Prozentpunkte niedriger als jene von Personen ohne Einschrän- kungen. Am geringsten waren diese Unterschiede in der Steiermark (22,4 Prozentpunkte) und im Burgenland (20,6 Prozentpunkte).

98 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Abbildung 13: Erwerbstätigenquote nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Bundesland 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 64 Jahren. Berufliche Stellung Von den rund 4,5 Millionen in Privathaushalten wohnenden Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 89 Jahren lebten 2024 insgesamt 13,5 % mit Behinderungen, 1,9 % identifizierten sich als stark eingeschränkt bei Aktivitäten des Alltags (Tabelle 30). Diese Anteile waren sowohl unter unselbstständig als auch selbstständig Erwerbstätigen ähnlich. Im Jahr 2022 war der Anteil der Menschen mit Behinderungen unter den Erwerbstätigen mit 14,3 % bzw. der bei Alltagsaktivitäten stark eingeschränkten Personen mit 1,8 % in etwa gleich hoch ausgefallen wie 2024. In den verschiedenen beruflichen Stellungen sind Personen mit Behinderungen unter- schiedlich stark vertreten. Innerhalb der Gruppe der unselbstständig Erwerbstätigen gab es unter Angestellten und freien Dienstnehmer:innen mit 18,7 % anteilsmäßig die meisten Personen mit Behinderungen. Unter Vertragsbediensteten bzw. Beamt:innen war dieser Anteil mit 14,4 % etwas niedriger. Angestellte und freie Dienstnehmer:innen machten insgesamt die größte Gruppe unter den Unselbstständigen aus, hier lag der Anteil jener, die mit Behinderungen lebten, bei 11,6 %. Unter Arbeiter:innen betrug dieser Anteil

Menschen mit Behinderungen in Österreich 99 von 202 18,7 %. Bei selbstständig Erwerbstätigen machte es einen Unterschied, ob diese mit oder ohne Arbeitnehmer:innen tätig waren: Selbstständige ohne Arbeitnehmer:innen lebten zu 15,8 % mit Behinderungen, Selbstständige mit Arbeitnehmer:innen nur zu 9,8 %. Den größten Anteil an Personen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten gab es unter Mithelfenden in Betrieben von Familienangehörigen, allerdings ist hier die geringe Fallzahl bei der Interpretation zu berücksichtigen. Tabelle 30: Berufliche Stellung der Erwerbstätigen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2024 (in Prozent) Berufliche Stellung Personen insgesamt (in 1 000) Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Erwerbstätige gesamt 4 488,8 86,5 13,5 1,9 11,6 Unselbstständige 3 979,1 86,6 13,4 1,9 11,5 Lehrlinge 102,4 94,8 (5,2) (x) (x) Arbeiter:innen 923,5 81,3 18,7 2,9 15,8 Angestellte und freie Dienstnehmer:innen 2563,4 88,4 11,6 1,6 10,0 Vertragsbedienstete und Beamt:innen 389,8 85,6 14,4 (1,8) 12,6 Selbstständige 509,7 85,2 14,8 (2,0) 12,8 Selbstständige ohne Arbeitnehmer:innen 292,9 84,2 15,8 (2,4) 13,4 Selbstständige mit Arbeitnehmer:innen 184,8 90,2 9,8 (x) 8,7 Mithelfende1 31,9 65,0 (35,0) (x) (31,7) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Erwerbstätige Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. 1) Mithelfende Familienangehörige oder Mithelfende sind Personen, die unbezahlt im Betrieb von Familienangehörigen mithelfen. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufallsbehaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar.

100 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Beschäftigungsausmaß In der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung wird gefragt, ob erwerbstätige Personen in einer typischen Arbeitswoche ohne Urlaub, Krankenstand oder andere Fehlzeiten Vollzeit oder Teilzeit arbeiten. Eine Angabe, ab wie vielen Wochenstunden eine Arbeitsstelle als Vollzeit einzustufen ist, gibt es nicht; vorrangig ist dabei die Selbsteinschätzung der Respondent:innen. Erwerbstätige Personen, die mit Behinderungen lebten, waren insgesamt mit 35,2 % anteilmäßig etwas häufiger teilzeitbeschäftigt. Bei Personen, die sich als stark eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten identifizierten, betrug dieser Anteil 39,4 %. Abbildung 14: Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Geschlecht 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Erwerbstätige Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. Bei erwerbstätigen Männern mit Behinderungen lag der Teilzeitanteil bei 19,6 %, bei Frauen mit Behinderungen war mehr als die Hälfte (52,5 %) aller Erwerbstätigen teilzeit- beschäftigt (Abbildung 14). Der Geschlechtsunterschied fiel hier somit geringer aus als bei

Menschen mit Behinderungen in Österreich 101 von 202 den Erwerbstätigen insgesamt bzw. bei Personen ohne Behinderungen. Zudem ist anzumerken, dass erwerbstätige Frauen mit starken Aktivitätseinschränkungen zu einem geringeren Anteil teilzeitbeschäftigt waren als erwerbstätige Frauen, die etwas bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt waren (47,7 % gegenüber 53,2 %). Während bei Erwerbstätigen ohne Behinderungen der Anteil der Teilzeitbeschäftigten mit der Altersgruppe anstieg (Tabelle 31), zeichnete sich für erwerbstätige Personen mit Behinderungen ein etwas anderes Bild ab: Hier war der Teilzeitanteil in der jüngsten und ältesten Altersgruppe mit 40,0 % bzw. 39,3 % annähernd gleich groß und bei 25- bis 54- Jährigen mit 32,5 % am geringsten. Allerdings ist hier auf die teilweise geringen Fallzahlen zu achten. Tabelle 31: Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Alter 2024 (in Prozent) Alter, Beschäftigungsausmaß Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Erwerbstätige 15–24 Jahre (in 1 000) 465,5 435,4 30,1 4,3 25,8 Vollzeit 71,6 72,4 60,0 (x) 62,5 Teilzeit 28,4 27,6 (40,0) (x) (37,5) Erwerbstätige 25–54 Jahre (in 1 000) 3 128,3 2 760,4 367,9 44,9 322,9 Vollzeit 70,6 71,0 67,5 62,3 68,3 Teilzeit 29,4 29,0 32,5 37,7 31,7 Erwerbstätige 55–89 Jahre (in 1 000) 895,1 685,2 209,9 35,7 174,1 Vollzeit 66,4 68,1 60,7 60,5 60,8 Teilzeit 33,6 31,9 39,3 39,5 39,2 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Erwerbstätige Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufallsbehaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar.

102 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Warum jemand in Teilzeit oder Vollzeit arbeitet, kann unterschiedliche Gründe haben. Teilzeitbeschäftigte wurden in der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung nach dem wich- tigsten Grund befragt, warum sie 2024 in Teilzeit arbeiteten (Tabelle 32). Tabelle 32: Teilzeitbeschäftigte nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten und Gründen für Teilzeit 2024 (in Prozent) Grund für Teilzeitbeschäftigung Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Teilzeitbeschäftigte
(in 1 000) 1 352,0 1 138,1 213,9 33,4 180,5 Betreuung von Kindern/Angehörigen 34,3 37,1 19,7 (x) 21,2 Aus- oder Weiterbildung 11,5 12,7 (5,4) (x) (5,7) Krankheit/ Behinderung 3,9 (1,0) 19,1 (38,0) 15,5 Konnte keine Vollzeitarbeit finden 7,2 7,1 8,1 (x) 8,7 Möchte keine Vollzeitarbeit 22,4 22,5 22,3 (21,5) 22,5 Anderer familiärer Grund 2,7 2,6 (3,6) (x) (3,8) Anderer persönlicher Grund 5,0 4,8 (6,1) (x) (6,4) Sonstiger Grund 12,9 12,3 15,8 (x) 16,1 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Mikrozensus 2024. – Erwerbstätige Bevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 89 Jahren. – ( ) Werte mit weniger als hochgerechnet 14 000 Personen für Österreich sind sehr stark zufallsbehaftet. – (x) Werte mit weniger als 5 000 Personen für Österreich sind statistisch nicht interpretierbar. Für in Teilzeit arbeitende Menschen mit Behinderungen waren die Aspekte, keine Vollzeit- arbeit zu wünschen (22,3 %) und die Betreuung von Kindern bzw. Angehörigen (19,7 %) auf den ersten beiden Plätzen zu finden. An dritter Stelle als Grund für Teilzeit rangierte