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6 Einkommen, Armut und Benach- teiligung In diesem Kapitel stehen die finanzielle Situation von Menschen mit Behinderungen und die damit in Verbindung stehenden Themen Armut und Benachteiligung36 im Vordergrund. Zunächst werden Einkommensverhältnisse mittels des äquivalisierten Haushaltseinkommens sowie anhand einer Klassifikation von Einkommensgruppen beschrieben. Danach geht das Kapitel auf Einkommensverluste und deren Gründe ein. Auch Schwierigkeiten, mit dem Haushaltseinkommen auszukommen, werden dargestellt. Materielle und soziale Benachteiligung sowie Armuts- und Ausgren- zungsgefährdung können mit niedrigen Einkommen einhergehen und werden ebenfalls diskutiert. Im letzten Teil beschäftigt sich das Kapitel mit Erwartungen an die eigene finanzielle Zukunft, insbesondere mit der Frage, ob von Verbesserungen oder Verschlechterungen der finanziellen Situation im nächsten Jahr ausgegangen wird. Alle in diesem Kapitel verwendeten Indikatoren stammen aus der Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) 2024. Einkommen Äquivalenzeinkommen Das zur Verfügung stehende Einkommen bestimmt die finanzielle Situation einer Person maßgeblich und wird hier mittels des sogenannten „Äquivalenzeinkommens“, auch als „äquivalisiertes Nettohaushaltseinkommen“ bezeichnet, ausgewiesen. Hierbei handelt es sich um das gewichtete verfügbare Haushaltseinkommen. Die Gewichtung dient der Vergleichbarkeit unterschiedlich großer Haushalte, dabei werden auch Einsparungseffekte in Mehrpersonenhaushalten berücksichtigt, die sich durch eine geteilte Haushaltsführung ergeben. Auch der Altersstruktur eines Haushaltes wird dabei Rechnung getragen (siehe 36 Der in diesem Bericht verwendete Begriff der „Benachteiligung“ ist inhaltlich deckungsgleich mit dem im Bericht „Menschen mit Behinderungen in Österreich I“ verwendeten Begriff „Deprivation“.
112 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich auch Glossar). Die folgenden Auswertungen beziehen sich auf die äquivalisierten Netto- haushaltseinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. Insgesamt verfügten Personen mit Behinderungen 2024 über ein äquivalisiertes Netto- haushaltseinkommen von 34 572 Euro pro Jahr, wobei dieses bei Personen mit starker Ak tivitätseinschränkung durchschnittlich 30 763 Euro betrug und damit um rund 5 300 Euro niedriger war als bei etwas eingeschränkten Personen (Tabelle 38). Tabelle 38: Mittleres Äquivalenzeinkommen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Haushaltstypen 2024 (in Euro) Haushaltstyp Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Alle Haushaltstypen 38 119 39 636 34 572 30 763 36 061 Haushaltstyp Paare ohne Kinder 42 395 43 788 39 810 34 577 41 704 Paare mit Kindern 36 791 37 755 32 281 27 111 33 379 Ein-Eltern-Haushalte 26 317 27 701 23 049 (18 018) 24 523 Einpersonenhaushalte 33 110 36 647 27 732 25 130 29 065 Sonstige Mehrpersonenhaushalte 40 033 40 799 38 072 36 718 38 719 Einpersonenhaushalte Unter 65 Jahren 32 870 35 682 26 896 22 038 28 980 65 Jahre und älter 33 531 39 058 28 641 27 780 29 171 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Personen ohne Behinderungen verfügten im Mittel über ein deutlich höheres äquivalisiertes Nettohaushaltseinkommen (39 636 Euro). Besonders deutlich ist der Unterschied für Einpersonenhaushalte. Die äquivalisierten Nettohaushaltseinkommen von Personen mit Behinderungen in Einpersonenhaushalten lagen bei durchschnittlich 27 732 Euro und damit um rund 8 900 Euro unter dem von alleinlebenden Personen ohne Behinderungen. Anders ausgedrückt: Hier waren die äquivalisierten
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Nettohaushaltseinkommen von Menschen ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen
bei Alltagsaktivitäten im Durchschnitt um rund ein Drittel (32,1 %) höher als jene von
Menschen mit Behinderungen.
Personen mit Behinderungen, die in Ein-Eltern-Haushalten lebten, mussten im
Durchschnitt mit einem äquivalisierten Nettohaushaltseinkommen von 23 049 Euro pro
Jahr auskommen, das waren um rund 4 700 Euro weniger als Personen ohne
Behinderungen in Ein-Eltern-Haushalten. Die mit rund 4 000 Euro geringsten Unterschiede
zwischen den Einkommen von Personen mit und ohne Aktivitätseinschränkungen gab es
bei Menschen, die als Paare ohne Kinder lebten (mit Behinderungen: 39 810 Euro; ohne
Behinderungen: 43 788 Euro). Diese Einkommen waren auch die höchsten unter allen
Haushaltstypen.
Differenziert man alleinlebende Personen nach ihrem Alter, so zeigt sich, dass sowohl bei
Menschen unter 65 Jahren sowie bei jenen ab 65 Jahren die Einkommen von Personen mit
Behinderungen deutlich unter jenen von Personen ohne Behinderungen lagen. Bei der
jüngeren der beiden Gruppen machte 2024 dieser Unterschied rund 8 800 Euro aus, bei
der älteren Gruppe waren es sogar 10 400 Euro.
Im Vergleich zum Jahr 2022 sind die mittleren äquivalisierten Nettohaushaltseinkommen
für alle dargestellten Gruppen nominell gestiegen. Für Personen ohne Behinderungen
betrug dieser Anstieg 21,1 %, für Personen mit Behinderungen war er insgesamt mit
21,7 % nahezu gleich groß. Für Personen, die sich als stark eingeschränkt bei
Alltagsaktivitäten identifizierten, betrug die nominelle Erhöhung des durchschnittlichen
äquivalisierten Nettohaushaltseinkommens allerdings nur 17,6 %.
Einkommensgruppen
Die Unterteilung der Bevölkerung in Einkommensgruppen anhand des äquivalisierten
Haushaltseinkommens erfolgt in drei Stufen: niedrig, mittel und hoch. Personen mit einem
Einkommen unter 60 % des äquivalisierten Medianeinkommens (2024: unter 19 926 Euro
pro Jahr)37 haben ein niedriges Einkommen. Liegt das Einkommen über 60 % und unter
180 % des äquivalisierten Medianeinkommens (2024: 19 926 bis unter 59 778 Euro pro
Jahr), spricht man von einem mittleren Einkommen. Ein hohes Einkommen haben
37 60 % des äquivalisierten Medianeinkommens bildet zugleich den Schwellenwert für Armutsgefährdung.
Die Berechnung dieses Schwellenwerts sowie die Einteilung in die drei Einkommensgruppen beruhen auf
den äquivalisierten Haushaltseinkommen aller Personen ohne Alterseinschränkungen.
114 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Personen, deren Einkommen 180 % des äquivalisierten Medianeinkommens (2024: 59 778 Euro) erreicht bzw. übersteigt. Abbildung 17 macht deutlich, dass 2024 die Einkommen zwischen Personen mit und ohne Behinderungen zu Ungunsten von Personen mit Behinderungen ungleich verteilt waren. In der niedrigsten Einkommensgruppe befanden sich 17,7 % aller Personen mit Behinderungen (23,7 % der Personen, die sich als stark eingeschränkt identifizierten) und mit 11,9 % vergleichsweise weniger Personen ohne Behinderungen. In der höchsten Einkommensgruppe war das Bild umgekehrt: Hier waren 5,6 % der Personen mit Behinderungen zu finden (stark eingeschränkt: 3,6 %); mit 10,8 % war der Anteil der Personen ohne Behinderungen beinahe doppelt so hoch. Abbildung 17: Bevölkerung 2024 nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Einkommensgruppe (in Prozent)
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 115 von 202 Bei einer Unterscheidung nach Haushaltstypen (Tabelle 39) zeigt sich, dass 2024 insgesamt die größten Anteile der höchsten Einkommensgruppe bei Paaren ohne Kinder zu finden waren. Das galt sowohl für Personen mit als auch ohne Behinderungen, allerdings auf sehr unterschiedlichem Niveau: Personen mit gesundheitsbedingten Aktivitätseinschränkungen, die in einem Paarhaushalt ohne Kinder lebten, verfügten zu 8,1 % über ein hohes äquivalisiertes Haushaltseinkommen, bei Personen ohne Einschränkung waren es 16,1 %. Bei Ein-Eltern-Haushalten waren hingegen die größten Anteile der niedrigsten Einkommensgruppe zu finden. Auch hier waren Personen mit Behinderungen ökonomisch deutlich schlechter gestellt, denn bei ihnen lag dieser Anteil bei 42,3 %, bei Personen ohne Behinderungen bei vergleichsweise niedrigen 29,9 %. Personen, die sich als stark eingeschränkt identifizierten, waren bei allen Haushaltstypen häufiger in der niedrigen Einkommensgruppe zu finden als etwas eingeschränkte Personen. Hier ist bei der Interpretation aber die mitunter geringe Fallzahl der Personengruppen zu beachten. Auch unter Einpersonenhaushalten gab es tendenziell hohe Anteile von Personen in der niedrigen Einkommensgruppe. Bei Personen mit Behinderungen machte dieser Anteil rund ein Drittel aus (32,9 %), während sich nur 3,7 % der alleinlebenden Personen mit Behinderungen in der höchsten Einkommensgruppe befanden. Bei Personen ohne Behinderungen war diese Verteilung zugunsten jener mit hohen Einkommen verschoben (20,9 % versus 8,2 %) (Tabelle 39). Tabelle 39: Bevölkerung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten, Haushaltstyp und Einkommensgruppe 2024 (in Prozent) Haushaltstyp, Einkommens- gruppe Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark ein- geschränkt Etwas ein- geschränkt Paare ohne Kinder Niedrig (<60 %) 8,9 7,9 10,8 15,2 9,2 Mittel (60 % bis <180 %) 77,7 75,9 81,1 79,7 81,6 Hoch (>=180 %) 13,3 16,1 8,1 5,1 9,2 Paare mit Kindern Niedrig (<60 %) 11,7 10,8 16,2 (25,6) 14,2 Mittel (60 % bis <180 %) 80,0 80,0 79,9 71,7 81,7 Hoch (>=180 %) 8,3 9,2 3,9 (2,7) 4,1
116 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Haushaltstyp, Einkommens- gruppe Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark ein- geschränkt Etwas ein- geschränkt Ein-Eltern-Haushalte Niedrig (<60 %) 33,7 29,9 42,3 (80,0) (31,3) Mittel (60 % bis <180 %) 63,0 65,8 56,8 (20,0) 67,6 Hoch (>=180 %) (3,3) (4,3) (0,9)
(1,2) Einpersonenhaushalte Niedrig (<60 %) 25,7 20,9 32,9 36,6 31,0 Mittel (60 % bis <180 %) 67,9 70,9 63,3 61,3 64,4 Hoch (>=180 %) 6,4 8,2 3,7 (2,2) 4,6 Sonstige Mehrpersonenhaushalte Niedrig (<60 %) 7,7 8,6 (5,4) (10,1) (3,2) Mittel (60 % bis <180 %) 84,6 82,8 89,0 85,6 90,7 Hoch (>=180 %) 7,7 8,5 5,5 (4,3) (6,1) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Menschen mit Behinderungen in Einpersonenhaushalten im erwerbsfähigen Alter (16 bis 64 Jahre) befanden sich zu 39,0 % in der niedrigsten, zu 57,2 % in der mittleren und zu 3,8 % in der höchsten Einkommensgruppe (Tabelle 40). Bei alleinlebenden Personen mit Behinderungen in einem Alter ab 65 Jahren war der Anteil in der niedrigsten Einkommens- gruppe mit 26,2 % vergleichsweise niedrig, dafür jener in der mittleren Einkommensgrup- pe mit 70,1 % deutlich höher. Es fällt auch auf, dass bei Personen ab 65 Jahren in allen drei Einkommensgruppen die Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Behinderungen nicht mehr so groß waren wie bei Personen im Erwerbsalter.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 117 von 202 Tabelle 40: Einpersonenhaushalte nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten, Einkommensgruppe und Alter 2024 (in Prozent) Haushaltstyp, Einkommensgruppe Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Einpersonenhaushalte unter 65 Jahren Niedrig (<60 %) 25,2 18,5 39,0 49,4 34,6 Mittel (60 % bis <180 %) 67,6 72,6 57,2 48,7 60,8 Hoch (>=180 %) 7,2 8,8 3,8 (1,9) 4,6 Einpersonenhaushalte 65 Jahre und älter Niedrig (<60 %) 26,4 26,7 26,2 25,6 26,6 Mittel (60 % bis <180 %) 68,5 66,7 70,1 72,1 68,8 Hoch (>=180 %) 5,1 6,7 3,7 (2,4) (4,5) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind.
118 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Einkommensverluste Im Folgenden werden subjektiv wahrgenommene Einkommensverluste im Jahr 2024 in Bezug auf die der Befragung vorangegangenen zwölf Monate dargestellt. Personen mit Behinderungen trafen diese Verluste mit 14,9 % ähnlich häufig wie Personen ohne Behinderungen mit 14,1 % (Abbildung 18). Die Gruppe der Personen, die sich als stark eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten identifizierten, verspürten allerdings zu 16,9 % einen Einkommensverlust. Abbildung 18: Personen mit Einkommensverlusten nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2024 (in Prozent)
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 16 Jahren. Personen mit Behinderungen führten diese Einkommensverluste am häufigsten (26,6 %) auf einen Jobverlust, bestehende Arbeitslosigkeit bzw. den Konkurs des eigenen Unter- nehmens zurück, als zweithäufigster Grund wurde die Pensionierung genannt (15,9 %) (Abbildung 19). Diese beiden Gründe rangierten bei Personen ohne Behinderungen erst an dritter (Jobverlust: 14,5 %) und fünfter Stelle (Pensionierung: 11,6 %). Für sie waren der Rückgang der Arbeitszeit oder des Einkommens am gleichen Arbeitsplatz (24,0 %) und die Beanspruchung von Karenz bzw. Kinderbetreuung oder Pflegetätigkeiten (18,9 %) relevan- ter als Erklärung für die verspürten Einkommensverluste.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 119 von 202 Abbildung 19: Hauptursachen für Einkommensverluste nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2024 (in Prozent)
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Schwierigkeiten, mit dem Einkommen auszukommen Im Folgenden werden subjektive Einschätzungen dazu vorgestellt, wie schwer es für Personen 2024 war, mit dem zur Verfügung stehenden Nettohaushaltseinkommen auszukommen. In Summe empfanden es 18,8 % der Personen mit Behinderungen als schwer oder sehr schwer, dieses Auskommen zu finden (Tabelle 41). Für ein Viertel (25,7 %) war es hingegen leicht oder sehr leicht. Bei stark eingeschränkten Personen verschoben sich diese Anteile hin zu einer größeren Gruppe, die es (sehr) schwer fand (28,4 %). Personen ohne Behinderungen verspürten weniger Schwierigkeiten (schwer oder sehr schwer: 10,1 %; leicht oder sehr leicht: 37,3 %).