Menschen-mit-Behinderungen-in-Oesterreich_Erhebungsdaten_2024.pdf

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128 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich 7 Zugang zu Dienstleistungen Dieses Kapitel behandelt den Zugang von Menschen mit Behinderungen zu zwei Formen von Dienstleistungen. Im ersten Abschnitt geht es um Dienstleistungen im privaten Bereich in Form von professionellen mobilen Pflegediensten und Heim- hilfe. Zunächst wird der bestehende Bedarf an Pflege oder Alltagshilfe dargestellt, danach wird darauf eingegangen, inwiefern diese Art von Dienstleistungen auch tatsächlich genutzt werden. Dies umfasst auch Fragen zur Finanzierung dieser Leistungen und zu Gründen für Nichtinanspruchnahme trotz vorhandenem Unter- stützungsbedarf. Der zweite Abschnitt des Kapitels befasst sich mit der Nutzung von Dienstleistungen im öffentlichen Raum in Bezug auf öffentliche Verkehrsmittel. Es wird gezeigt, in welchem Ausmaß diese verwendet werden, sowie auf Gründe für die Nicht-Nutzung dieser Dienstleistungen eingegangen. Die den Analysen zugrundeliegenden Daten entstammen dem „Access to Services“-Modul der Statis- tik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) 2024. Das „Access to Ser- vices“-Modul wurde mit einem etwas anderen Indikatorenset bereits 2016 in EU- SILC eingesetzt und wird beginnend mit 2024 regelmäßig alle sechs Jahre abgefragt. Bedarf und Inanspruchnahme von Pflege und Alltagshilfe zu Hause In EU-SILC 2024 wurde erhoben, ob innerhalb des Haushalts eine Person aufgrund einer dauerhaften körperlichen, geistigen oder altersbedingten Einschränkung Pflege oder Alltagshilfe benötigte. Die Ergebnisse sind in Tabelle 46: Anteil der Haushalte mit Bedarf an Pflege- oder Alltagshilfe nach Haushaltstyp und -zusammensetzung 2024 (in Prozent) abgebildet. Insgesamt gab es 2024 in 6,8 % der Haushalte in Österreich eine oder mehrere Personen, die Pflege oder Alltagshilfe benötigten. Lediglich 1,2 % der Haushalte, in denen keine Person mit Behinderungen lebte, meldeten einen solchen Unterstützungsbedarf. Dagegen wurde in 13,7 % jener Haushalte, in denen mindestens eine Person gesundheitsbedingt bei Alltagsaktivitäten etwas oder stark eingeschränkt war, derlei Unterstützung benötigt. In 31,3 % der Haushalte, in denen mindestens eine Person mit

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starken Einschränkungen lebte,40 wurde Pflege oder Alltagshilfe gebraucht. Haushalte, in denen mindestens eine Person etwas eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten war, verzeichneten zu 8,5 % Bedarf an Pflege und Alltagshilfe. Um den Bedarf an Pflege und Alltagshilfe durch haushaltsfremde Personen besser erfassen zu können, wird in Tabelle 46 zwischen Einpersonen- und Mehrpersonenhaus- halten differenziert. Insgesamt benötigten 7,8 % der Einpersonenhaushalte und 6,1 % der Mehrpersonenhaushalte in ihrem Haushalt Pflege bzw. Alltagshilfe. Haushalte, in denen zumindest eine Person lebte, die etwas oder stark bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt war, hatten häufiger Bedarf an diesen Formen von Unterstützungsleistungen: Es waren 17,7 % der Einpersonenhaushalte und 11,5 % der Mehrpersonenhaushalte. War mindestens ein Haushaltsmitglied stark bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt, lagen die Anteile wiederum deutlich höher: In 36,4 % der Einpersonenhaushalte und 28,3 % der Mehrpersonenhaushalte wurde Pflege bzw. Alltagshilfe benötigt. Tabelle 46: Anteil der Haushalte mit Bedarf an Pflege- oder Alltagshilfe nach Haushaltstyp und -zusammensetzung 2024 (in Prozent) Haushaltstyp Haushalte insgesamt Keine Person mit Einschränkung Min. 1 Person stark oder etwas eingeschränkt Min. 1 Person stark einge- schränkt Min. 1 Person etwas einge- schränkt Alle Kategorien 6,8 1,2 13,7 31,3 8,5 Einpersonen- haushalte 7,8 (1,1) 17,7 36,4 8,1 Mehrpersonen- haushalte 6,1 1,2 11,5 28,3 8,7 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Privathaushalte. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Tabelle 47 zeigt, ob in Haushalten mit Pflege- oder Hilfebedarf im Jahr 2024 professionelle Dienstleistungen in Form von mobiler Pflege oder Heimhilfe erbracht wurden. Von allen Haushalten, in denen derlei Unterstützungsbedarf bestand, erhielten 28,0 % profes- sionelle Unterstützung durch mobile Pflegedienste oder Heimhilfe – weniger als drei von zehn Haushalten mit Bedarf an Pflege oder Alltagshilfe. Haushalte mit stark 40 Dies umfasst auch Haushalte, in denen neben einer oder mehreren Personen mit starken Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten zusätzlich auch Personen lebten, die etwas eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten waren.

130 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich eingeschränkten Personen erhielten häufiger professionelle Unterstützung durch mobile Pflege oder Heimhilfe (28,3 %) als solche, in denen Personen nur leicht bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt waren (22,1 %). In Einpersonenhaushalten mit Pflegebedarf wurden allgemein häufiger Leistungen durch mobile Pflegedienste oder Heimhilfen erbracht als in Mehrpersonenhaushalten (36,4 % versus 21,4 %). Auch bei Haushalten, in denen mindestens eine Person etwas oder stark bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt war, wurde bei vorhandenem Bedarf an Pflege oder Alltagshilfe in Einpersonenhaushalten eher Unterstützung durch externe Dienstleister:innen geleistet als in Mehrpersonenhaushalten (34,4 % versus 21,7 %). Tabelle 47: Anteil der Haushalte mit Leistungen durch mobile Pflegedienste oder Heim- hilfe an allen Haushalten mit Pflegebedarf nach Haushaltstyp und Haushaltszusammen- setzung 2024 (in Prozent) Haushaltstyp Haushalte insgesamt Keine Person mit Einschränkung Min. 1 Person stark oder etwas eingeschränkt Min. 1 Person stark einge- schränkt Min. 1 Person etwas einge- schränkt Alle Kategorien 28,0 (34,0) 27,4 28,3 22,1 Einpersonen- haushalte 36,4 (x) 34,4 32,7 (38,4) Mehrpersonen- haushalte 21,4 (19,2) 21,7 25,0 15,5 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Privathaushalte. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, die auf Randverteilungen mit weniger als 20 ungewichteten Fällen beruhen. Haushalte, die 2024 mobile Pflege oder Heimhilfe nutzten, wurden zusätzlich gefragt, wer die Kosten dafür übernahm. Die Hälfte der Haushalte, in denen mobile Pflegedienste oder Heimhilfen 2024 Unterstützung leisteten, trug diese anfallenden Kosten zur Gänze selbst (Tabelle 48). Ein weiteres gutes Drittel der Haushalte kam für einen Teil der Kosten selbst auf. Lediglich in 14,1 % der leistungsbeziehenden Haushalte übernahm die Krankenkasse bzw. eine private Versicherung sämtliche Kosten für mobile Pflege oder Heimhilfe. Im Vergleich zu allen Haushalten mit Bedarf an Pflege oder Alltagshilfe übernahmen Haushalte, in denen mindestens eine Person mit Behinderungen und einem solchen Bedarf lebte, etwas häufiger einen Teil der Kosten (38,3 % versus 35,2 %), sie kamen aber

Menschen mit Behinderungen in Österreich 131 von 202 etwas seltener für die kompletten Kosten selbst auf (47,4 % versus 50,7 %). Haushalte, in denen mindesten eine Person mit starken Aktivitätseinschränkungen und Bedarf an diese Formen der Unterstützung lebte, trugen besonders häufig sämtliche anfallenden Kosten selbst (58,3 %). Tabelle 48: Finanzierung der mobilen Pflegedienste oder Heimhilfe nach Haushaltszusam- mensetzung 2024 (in Prozent) Art der Finanzierung Haushalte insgesamt Keine Per- son mit Ein- schränkung Min. 1 Person stark oder etwas eingeschränkt Min. 1 Person stark einge- schränkt Min. 1 Person etwas einge- schränkt Krankenkasse oder private Versiche- rung übernahm die gesamten Kosten 14,1 (x) (14,3) (8,1) (21,1) Der Haushalt übernahm einen Teil der Kosten 35,2 (x) 38,3 33,6 (53,5) Der Haushalt übernahm die gesamten Kosten 50,7 (x) 47,4 58,3 (25,4) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Privathaushalte. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, die auf Randverteilungen mit weniger als 20 ungewichteten Fällen beruhen. Des Weiteren wurde die Leistbarkeit der Kosten für mobile Pflegedienste bzw. Heimhilfe erhoben. Haushalte, die im Jahr 2024 derlei Dienstleistungen in Anspruch nahmen und die anfallenden Kosten zum Teil oder gänzlich selbst zahlten, wurden gebeten, auf einer sechsstufigen Skala anzugeben, wie leicht oder schwer es für sie war, für diese Kosten aufzukommen. Insgesamt konnten sich 28,3 % der Haushalte die für sie anfallenden Kos- ten der mobilen Pflege bzw. Heimhilfe nur schwer oder sehr schwer leisten. Bei Haushal- ten, in denen mindestens ein Haushaltsmitglied mit schweren Aktivitätseinschränkungen lebte, lag die Quote noch etwas höher. Hier gaben 31,1 % an, dass die Kosten für profes- sionelle Dienstleitungen für sie schwer oder sehr schwer leistbar waren (Abbildung 23).

132 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Abbildung 23: Haushalte, die sich die Kosten für mobile Pflegedienste oder Heimhilfe schwer oder sehr schwer leisten konnten, nach Haushaltszusammensetzung 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Privathaushalte. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, die auf Randverteilungen mit weniger als 20 ungewichteten Fällen beruhen. Abbildung 24 zeigt den Anteil der Haushalte, in denen benötigte Pflege oder Alltagshilfe durch mobile Dienste entweder gar nicht oder nicht in ausreichendem Umfang verfügbar war. Insgesamt erhielten 22,5 % der Haushalte mit Pflegebedarf keine oder zu wenig Unterstützung durch mobile Pflegedienste und Heimhilfe. Haushalte, in denen eine Person mit starken Aktivitätseinschränkungen lebte, verzeichneten mit 27,7 % einen noch höheren Anteil an ungedecktem Bedarf.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 133 von 202 Abbildung 24: Anteil der Haushalte mit ungedecktem Bedarf an Pflege und Alltagshilfe nach Haushaltszusammensetzung 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Privathaushalte. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Respondent:innen aus Haushalten mit ungedecktem Bedarf an mobiler Pflege oder Heim- hilfe wurden in EU-SILC nach dem wichtigsten Grund für die Nichtinanspruchnahme gefragt. Circa vier von zehn Haushalten mit ungedecktem Bedarf an professioneller Unter- stützung durch Heimhilfe oder mobile Pflegedienste nannten finanzielle Aspekte als Hauptgrund (Tabelle 49). Die restlichen rund 60 % gaben andere Gründe für die Nichtin- anspruchnahme an. Für Haushalte, in denen mindestens eine Person mit Aktivitätsein- schränkung lebte, waren mit 42,2 % etwas häufiger finanzielle Gründe und mit 57,8 % etwas seltener andere Gründe ausschlaggebend. In der Kategorie „andere Gründe“ sind die folgenden Antwortkategorien zusammengefasst: • wird von betroffener Person nicht gewünscht, • kein Pflegedienst bzw. Heimhilfe verfügbar, • Qualität der Pflege oder Alltagshilfe nicht zufriedenstellend, • anderer Grund.

134 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Tabelle 49: Hauptgrund für Nichtinanspruchnahme mobiler Dienste oder Heimhilfe nach Haushaltszusammensetzung 2024 (in Prozent) Hauptgrund für Nichtinanspruch- nahme Haushalte insgesamt Keine Per- son mit Ein- schränkung Min. 1 Person stark oder etwas eingeschränkt Min. 1 Person stark ein- geschränkt Min. 1 Person etwas ein- geschränkt Finanzielle Gründe 39,4 (x) 42,2 40,7 (25,2) Andere Gründe 60,6 (x) 57,8 59,3 (74,8) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Privathaushalte. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, die auf Randverteilungen mit weniger als 20 ungewichteten Fällen beruhen. Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel Eine gegenüber mobiler Pflege und Heimhilfe andere Art der Dienstleistung stellt das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln dar, deren Nutzung ebenfalls im „Access to Services“-Modul von EU-SILC 2024 abgefragt wurde. Für die persönliche Mobilität, welche für eine selbstbestimmte Lebensführung eine zentrale Voraussetzung bildet, spielen unter anderem die Verfügbarkeit, die barrierefreie Zugänglichkeit sowie die Leistbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln eine Rolle. In Abbildung 25 ist ersichtlich, wie häufig Personen, die in österreichischen Privathaus- halten lebten, 2024 öffentliche Verkehrsmittel nutzten. Insgesamt waren 15,8 % der Personen ab 16 Jahren täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Dabei war der Anteil unter Personen ohne Behinderungen mit 17,6 % etwa 1,5-mal so hoch wie unter Personen mit Behinderungen mit 11,6 %. Umgekehrt verwendeten weniger Personen ohne Behinderungen (31,0 %) als Personen mit Behinderungen (43,8 %) nie öffentliche Verkehrsmittel. Unter Personen mit starken Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten lag der Anteil der Nicht-Nutzer:innen sogar bei 52,2 %. Mehr als jede zweite Person mit starken Einschränkungen legte somit keinerlei Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 135 von 202 Abbildung 25: Häufigkeit der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln nach gesundheits- bedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2024 (in Prozent)

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. Die Häufigkeit der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln steht bei Menschen mit wie bei Menschen ohne Behinderungen in Zusammenhang mit ihrer Wohnumgebung. Tabelle 50 gliedert die Inanspruchnahme öffentlicher Verkehrsmittel nach Urbanisierungsgrad in Städte, Kleinstädte bzw. Vororte und ländliche Gebiete. In den am dichtesten besiedelten Gebieten nutzten mehr als dreimal so viele Personen (31,9 %) wie in Gebieten mittlerer Besiedlungsdichte (10,1 %) und mehr als fünfmal so viele wie in ländlichen Regionen (5,9 %) täglich öffentliche Verkehrsmittel. Auch bei Personen, die zumindest wöchentlich öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nahmen, gab es ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Der Anteil derer, die nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren, lag bei 10,3 % in Städten gegenüber 52,9 % in ländlichen Gebieten. In Städten lag der Anteil von Personen mit Behinderungen, die öffentliche Verkehrsmittel täglich nutzten, deutlich unter dem Wert für Personen ohne Behinderungen (25,9 % gegenüber 34,3 %). Auch in ländlichen Gebieten fiel der Unterschied markant aus, auch wenn sich die Anteile insgesamt auf wesentlich niedrigerem Niveau bewegten (2,7 % gegenüber 7,3 %). In jeder der drei Be- siedlungskategorien gab es anteilig mehr Menschen mit Behinderungen als ohne Behin- derungen, die nie öffentliche Verkehrsmittel benutzten. Zudem fand sich jeweils ein höherer Anteil an Nicht-Nutzer:innen bei Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen als bei Personen, die etwas eingeschränkt waren. Trotzdem schien auch bei Personen mit