Menschen-mit-Behinderungen-in-Oesterreich_Erhebungsdaten_2024.pdf

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144 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Tabelle 57 zeigt, dass E-Government-Angebote besonders häufig verwendet wurden, um Daten zur eigenen Person abzufragen (Personen mit Behinderungen: 66,1 %; Personen ohne Behinderungen: 69,6 %). Ein weiterer häufig genannte Zweck war die Informations- suche (Personen mit Behinderungen: 62,8 %; Personen ohne Behinderungen: 57,7 %). Zudem nutzte in allen Referenzgruppen mehr als jede:r Zweite derlei Services zum Herunterladen oder Drucken von Formularen. Das Beantragen von Leistungen oder von Ansprüchen wurde von Personen mit Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten mit 35,0 % und insbesondere Personen mit starken Einschränkungen mit 40,9 % häufiger als Zweck angeführt als von Personen ohne Behinderungen mit 31,1 %. Tabelle 57: Nutzungszwecke der E-Government-Nutzer:innen in den letzten 12 Monaten nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2024 (in Prozent) Zweck der E- Government- Nutzung Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Abfrage von Daten zur eigenen Person 69,1 69,6 66,1 59,6 67,5 Informationssuche 58,5 57,7 62,8 54,5 64,5 Herunterladen oder Drucken von Formularen 55,1 55,5 54,5 51,7 55,1 Terminvereinbarung oder Reservierung 33,8 34,7 29,2 30,7 28,9 Beantragen offizieller Dokumente 23,6 24,9 17,7 (12,5) 18,8 Beantragen von Leistungen oder Ansprüchen 31,8 31,1 35,0 40,9 33,8 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erhebung über den IKT-Einsatz in Haushalten 2024. – Bevölkerung in Privat- haushalten im Alter von 16 bis 74 Jahren. – Mehrfachangaben möglich. – ( ) Werte, für die in der Rand- verteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Bei 52,9 % der E-Government-Nutzer:innen mit Behinderungen kam es zu keinen Proble- men bei der Inanspruchnahme dieser Angebote (Tabelle 58).

Menschen mit Behinderungen in Österreich 145 von 202 Tabelle 58: Probleme bei der E-Government-Nutzung in den letzten zwölf Monaten nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2024 (in Prozent) Probleme bei E- Government Nutzung Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Website oder App zu schwierig zu nutzen 20,7 18,2 28,7 28,1 28,8 Technische Probleme 18,4 16,9 22,2 24,3 21,8 Probleme mit ID Austria, Handy- Signatur bzw. Bürgerkarte 24,4 23,2 26,1 28,2 25,7 keine Option online zu bezahlen
6,6 5,9 8,6 (9,7) 8,3 Nutzung über Smartphone oder Tablet nicht möglich 8,9 8,3 10,0 16,7 8,6 Andere Probleme 8,3 7,2 11,2 (14,4) 10,6 Keine Probleme 60,3 63,0 52,9 48,5 53,8 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erhebung über den IKT-Einsatz in Haushalten 2024. – Bevölkerung in Privathaus- halten im Alter von 16 bis 74 Jahren. – Mehrfachangaben möglich. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Von Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen hatte mit 48,5 % knapp jede:r Zweite keine Probleme, unter Personen ohne Einschränkungen verlief für 63,0 % die Nutzung problemlos. Sofern Probleme auftraten, waren dies für Nutzer:innen mit Behinderungen am häufigsten die folgenden: „Website oder App zu schwierig zu nutzen“ (28,7 %), „Probleme mit ID-Austria, Handy-Signatur bzw. Bürgerkarte“ (26,1 %) sowie „technische Probleme“ (22,2 %). Aspekte der Barrierefreiheit wurden hierbei nicht gesondert abgefragt. Für Personen ohne Behinderungen stellte der Aspekt „Probleme mit ID-Austria, Handy-Signatur bzw. Bürgerkarte“ das meistgenannte Problem dar (23,2 %). Personen, die in den letzten zwölf Monaten keine E-Government-Angebote in Anspruch genommen hatten, gaben zu 85,3 % an, keinen Bedarf daran gehabt zu haben (Tabelle 59). Abgesehen davon wurde sowohl von Menschen mit Behinderungen (8,8 %) als auch von Menschen ohne Behinderungen (6,0 %) als zweithäufigster Grund für die Nicht-Nutzung

146 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich genannt, dass sie keine ID Austria, Handy-Signatur oder Bürgerkarte besitzen. Weitere mögliche Gründe, wie etwa die Erledigung der Anliegen durch eine andere Person oder Datenschutzbedenken, wurden, trotz der Möglichkeit von Mehrfachangaben, vergleichs- weise selten angegeben. Den größten Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen gab es in Hinblick auf mangelnde Fähigkeiten oder Wissen als Motiv für die Nicht-Inanspruchnahme von E-Government-Services: 6,6 % der Menschen mit Behinderungen gegenüber 2,5 % der Menschen ohne Behinderungen führten dies als Grund an. Tabelle 59: Gründe für Nicht-Nutzung von E-Government-Angeboten nach gesundheits- bedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2024 (in Prozent) Grund für Nicht- Nutzung Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Kein Bedarf 85,3 86,2 82,8 86,9 81,7 Mangelnde Fähigkei- ten oder Wissen 3,7 2,5 6,6 (5,8) 6,8 Datenschutzbedenken 2,9 2,3 3,8 (4,3) 3,7 Keine ID Austria, Handy-Signatur oder Bürgerkarte 6,3 6,0 8,8 (7,5) 9,1 Erledigt jemand anderes 2,1 1,3 3,6 (1,0) 4,3 Amtsweg online nicht möglich 6,0 5,7 7,0 (4,9) 7,6 Andere Gründe 4,0 3,7 4,4 (3,6) 4,6 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erhebung über den IKT-Einsatz in Haushalten 2024. – Bevölkerung in Privathaus- halten im Alter von 16 bis 74 Jahren. – Mehrfachangaben möglich. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 147 von 202 9 Zeitverwendung Das folgende Kapitel gibt einen Einblick, wie Menschen mit Behinderungen ihre Zeit verwenden: welchen Tätigkeiten nachgegangen wird und wie viel Zeit Menschen allein, zu Hause oder mit dem Zurücklegen von Wegen verbringen. Als Datengrund- lage dafür wird die Zeitverwendungserhebung 2021/22 herangezogen. In dieser Erhebung haben die befragten Personen mit Hilfe eines Zeittagebuchs möglichst detailliert ihre Tagesverläufe aufgezeichnet. Die Zeitverwendungserhebung (ZVE) ermöglicht damit einen ausführlichen Einblick in die Tagesabläufe von Menschen und zeigt, wie viel Zeit für bestimmte Tätigkeiten aufgewendet wird und wer welchen Tätigkeiten in welchem Ausmaß nachgeht. Die Zeitverwendungserhebung beleuchtet, wie viel Zeit in Österreich wohnhafte Personen für unterschiedliche Tätigkeiten, z. B. für Erwerbstätigkeit, Bildung, Freizeitaktivitäten, persönliche Tätigkeiten oder für unbezahlte Arbeit, aufwenden. Für die Erfassung der Tätigkeiten im Zeittagebuch wurden allen bei der Erhebung 2021/22 teilnehmenden Personen je zwei Tage zugeordnet (ein Wochentag und ein Wochenend- oder Feiertag), an denen sie mit Hilfe eines Papiertagebuchs oder eines digitalen Tagebuchs in der ZVE-App sämtliche Aktivitäten in Zehn-Minuten-Intervallen protokollieren sollten. Neben der Hauptaktivität zum jeweiligen Zeitpunkt konnten auch eine Nebenaktivität angegeben werden und eine zusätzliche Information dazu, wo dieser Aktivität nachgegangen wurde und wer währenddessen anwesend war. Die Angaben wurden systematisch kodiert, zusammengefasst und ausgewertet, sodass Aussagen über die durchschnittliche Zeit- verwendung der Bevölkerung ab zehn Jahren für bestimmte Tätigkeitsbereiche getroffen bzw. für bestimmte Bevölkerungsgruppen Analysen durchgeführt werden können. Im Folgenden wird zwischen Menschen je nach gesundheitsbedingten Einschränkungen unterschieden. Das Ausmaß der aufgewendeten Zeit unterschied sich bei den meisten Tätigkeiten stark abhängig vom Alter. Tabelle 60 zeigt die durchschnittliche Zeitverwendung pro Tag für acht verschiedene Tätig- keitsbereiche für Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivi- täten und Menschen ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten. Die durchschnittliche Zeitverwendung pro Tag bezeichnet die durchschnittliche Dauer, welche für eine bestimmte Tätigkeit, bezogen auf alle Personen der betrachteten Gruppe,

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an einem durchschnittlichen Tag aufgewendet wird. Von den 24 Stunden eines Tages verbrachte eine durchschnittliche Person (ab zehn Jahren) an einem durchschnittlichen Tag 8 Stunden und 49 Minuten mit Schlafen. Bei Betrachtung der Menschen ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen sind es 6 Minuten weniger, bei Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen 16 Minuten mehr. Für Sorgearbeit in Haushalt und Familie, also Hausarbeit und Betreuungstätigkeiten für Kinder und andere Haushalts- mitglieder, wendeten Menschen mit Behinderungen mit 3 Stunden und 10 Minuten pro Tag etwas mehr Zeit auf als Menschen ohne Behinderungen (2 Stunden und 46 Minuten). Darüber hinaus verbrachten Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten etwas mehr Zeit mit Schlafen, Essen und persönlicher Versorgung, beispielsweise Körperpflege, ärztlichen Besuchen und Ähnlichem. Auch wurde im Durchschnitt mehr Zeit mit Aktivitäten verbracht, die in den Bereich soziale Kontakte und Freizeit fallen (Menschen mit Behinderungen: 6 Stunden, 13 Minuten; Menschen ohne Behinderungen: 5 Stunden, 21 Minuten). Menschen mit starken gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten verbrachten 6 Stunden und 53 Minuten mit sozialen Kontakten und Freizeit und damit mehr als Menschen, die etwas eingeschränkt waren, mit 6 Stunden. Menschen mit Behinderungen wendeten im Durchschnitt41 weniger Zeit für Erwerbs- tätigkeit sowie Aus- und Weiterbildung auf als Menschen ohne gesundheitsbedingte Ein- schränkungen bei Alltagsaktivitäten. Durchschnittlich verbrachten Menschen mit gesund- heitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 15 Minuten pro Tag für Aus- und Weiterbildung, Menschen ohne Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 49 Minuten pro Tag. Mit Erwerbstätigkeit verbrachten Menschen mit Behinderungen 1 Stunde und 45 Minuten pro Tag, Menschen ohne Behinderungen 3 Stunden und 18 Minuten. Für Menschen mit starken Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten war hier der Unterschied noch deutlicher: sie wendeten im Durchschnitt 47 Minuten pro Tag für Erwerbstätigkeit auf. 41 Bei der Interpretation der in Folge präsentierten Werte ist zu beachten, dass es sich hier um Durchschnittswerte handelt, die sich auf die gesamte Woche von Montag bis Sonntag beziehen und auch alle Personen einschließen, die zum Befragungszeitpunkt nicht erwerbstätig bzw. in Aus- und Weiterbildung waren.

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Tabelle 60: Durchschnittliche Zeitverwendung pro Tag für zusammengefasste Hauptaktivitäten nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten (Montag‒Sonntag) 2021/22 (in Stunden und Minuten) Hauptaktivität Personen insgesamt Nicht
eingeschränkt Stark & etwas
eingeschränkt zusammen Schlafen 08:49 08:43 09:05 Essen und andere persönliche Tätigkeiten 02:42 02:35 03:03 Erwerbstätigkeit 02:53 03:18 01:45 Aus- und Weiterbildung 00:40 00:49 00:15 Sorgearbeit in Haushalt und Familie 02:53 02:46 03:10 Freiwilligentätigkeiten 00:20 00:19 00:22 Soziale Kontakte und Freizeit 05:35 05:21 06:13 Nicht näher bestimmte Zeitverwendung 00:08 00:09 00:07 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Zeitverwendung 2021/22. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 10 Jahren. Neben der Hauptaktivität wurde im Zeittagebuch auch erfasst, wer bei der Ausübung der jeweiligen Aktivität anwesend war (Tabelle 61).42 Damit konnten nicht nur Aussagen darüber getroffen werden, mit welchen Aktivitäten Personen ihren Tag füllten, sondern auch darüber, wie viel Zeit sie mit anderen Haushaltsmitgliedern oder Bekannten bzw. auch allein, also mit keiner anderen bekannten Person, verbrachten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass für die Zeit, in der geschlafen wurde, keine Angaben zur Anwesenheit von weiteren Personen gemacht werden konnten. Die hier angeführten Auswertungen sind rein deskriptiv und beziehen sich ausschließlich auf die Dauer der allein verbrachten Zeit pro Tag. Es können weder Aussagen darüber getroffen werden, ob Personen auf eigenen Wunsch allein waren, noch darüber, inwiefern sie das Alleinsein als positiv oder negativ empfanden. 42 Antwortoptionen bei der Kontextinformation zu den anwesenden Personen in einem bestimmten Timeslot: Ich war allein; mein:e Partner:in; meine Eltern oder ein Elternteil (die bei mir leben oder die woanders leben); mein/e Kind/er unter 18 Jahre (die bei mir leben oder die woanders leben); anderes Haushaltsmitglied; andere bekannte Person/en.

150 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Große Differenzen in Bezug auf die Zeit, die allein verbracht wurde, gab es im Zusammen- hang mit der Haushaltsgröße. Personen, die allein lebten, verbrachten im Durchschnitt mehr als doppelt so viel Zeit allein als Personen, die mit anderen in einem Haushalt lebten. Menschen mit Behinderungen, die allein in einem Haushalt lebten, waren im Durchschnitt 10 Stunden und 4 Minuten pro Tag allein. Die Unterschiede nach Altersgruppen waren bei den Einpersonenhaushalten mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivi- täten eher gering. In Mehrpersonenhaushalten verbrachten Menschen mit gesundheits- bedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 5 Stunden pro Tag allein, wobei 10- bis 24-Jährige und Personen ab 65 Jahren etwas weniger Zeit allein verbrachten als Personen zwischen 25 und 64 Jahren. Menschen mit Behinderungen zwischen 10 bis 24 Jahren und ab 65 Jahren verbrachten im Durchschnitt auch weniger Zeit pro Tag allein als Menschen ohne Behinderungen, unabhängig davon, ob sie allein oder in einem Mehrpersonenhaus- halt lebten. Für Personen mit Behinderungen zwischen 25 und 64 Jahren war das Verhält- nis umgekehrt: Sie waren im Durchschnitt länger pro Tag allein als Personen ohne Behin- derungen im selben Alter. Tabelle 61: Durchschnittliche Zeit pro Tag, die allein verbracht wurde, nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten, Haushaltstyp und Alter (Montag‒Sonntag) 2021/22 (in Stunden und Minuten) Haushaltstyp, Alter Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas
eingeschränkt zusammen Einpersonenhaushalte 09:30 09:10 10:04 10–24 Jahre1 07:32 07:53 (x) 25–64 Jahre 09:08 08:40 10:17 65 Jahre und älter 10:19 10:43 09:59 Mehrpersonenhaushalte 04:41 04:35 05:00 10–24 Jahre 04:27 04:29 04:14 25–64 Jahre 04:43 04:34 05:15 65 Jahre und älter 04:51 04:55 04:47 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Zeitverwendung 2021/22. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 10 Jahren. – 1) In der zugrundeliegenden Stichprobe war die jüngste Person in einem Einpersonenhaushalt 18 Jahre alt. – (x) Werte, für die in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind.