Menschen-mit-Behinderungen-in-Oesterreich_Erhebungsdaten_2024.pdf

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Menschen mit Behinderungen in Österreich 159 von 202 In allen Quartalen des Jahres 2024 gaben Menschen mit Behinderungen rund dreimal so häufig an, immer oder meistens solche Gefühle zu empfinden. Im ersten Quartal des Jahres 2024 beantworteten rund 23,7 % der Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten die Frage nach den negativen Gefühlen mit „immer“ bzw. „meistens“. Im Vergleich dazu waren es unter jenen ohne gesundheits- bedingte Einschränkungen 7 %. Ende des Jahres 2024 lag der Anteil der Menschen mit Aktivitätseinschränkungen, die „immer“ bzw. „meistens“ antworteten, bei 20,1 % und der Anteil bei Menschen ohne Einschränkungen bei 6,3 %. Nur etwa die Hälfte der Menschen mit Behinderungen gab an, selten oder nie negative Gefühlen wie Angst, Traurigkeit, Verzweiflung oder Depressionen in den letzten zwei Wochen empfunden zu haben. Bei Menschen ohne Behinderungen war dies ein Anteil von rund drei Viertel. Im Zuge der Zeitverwendungserhebung 2021/22 haben alle Respondent:innen Fragen zu ihrem subjektivem Zeitempfinden beantwortet. Dies ermöglicht einen Blick darauf, wie häufig Personen in Privathaushalten ab zehn Jahren Stress empfanden, sich unter Zeit- druck fühlten bzw. sich Zeit für andere Tätigkeiten wünschten. Im Folgenden wird näher auf diese ebenfalls mit dem individuellen Wohlbefinden verbundenen Aspekte einge- gangen. Die Basis bilden folgende Fragen der Zeitverwendungserhebung zum subjektiven Zeitempfinden: • Wie oft haben Sie sich in den letzten 4 Wochen gehetzt und unter Zeitdruck gefühlt? • Wie oft haben Sie sich in den letzten 4 Wochen mehr Zeit für sich selbst gewünscht? • Wie oft haben Sie sich in den letzten 4 Wochen mehr Zeit für Ihre Familie gewünscht?

Auf jede dieser Fragen gab es jeweils fünf Antwortmöglichkeiten: „immer“, „fast immer“, „nur manchmal“, „fast nie“ und „nie“. In den folgenden Tabelle 68 bis Tabelle 70 wird gezeigt, wie hoch der Anteil jener Personen innerhalb der verschiedenen Vergleichsgruppen war, die die oben genannten Fragen jeweils mit „immer“ bzw. „fast immer“ beantworteten. Tabelle 68 zeigt den Anteil der Personen, der sich immer oder fast immer mehr Zeit für sich selbst wünschte, differenziert nach Alter und Geschlecht. Menschen mit Behinde- rungen (21,6 %) wünschten sich seltener mehr Zeit für sich selbst als Menschen ohne Behinderungen (26,4 %). Besonders ausgeprägt war hier der Unterschied zwischen jenen, die stark eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten waren (12,2 %), und jenen, die etwas eingeschränkt waren (24,9 %). Frauen mit Aktivitätseinschränkungen (24,2 %) wünschten

160 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich sich etwas häufiger mehr Zeit für sich selbst als Männer mit Aktivitätseinschränkungen (18,8 %). Differenziert nach Alter wird deutlich, dass es innerhalb der einzelnen Altersgruppen kaum Unterschiede zwischen Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen gab, was den Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst betraf. Hingegen gab es große Unterschiede zwischen jenen im Haupterwerbsalter und jenen über 64 Jahren. Rund ein Viertel der 10- bis 24-Jährigen mit Behinderungen und etwa ein Drittel der Menschen mit Behinderungen im Haupterwerbsalter wünschten sich mehr Zeit für sich. Für Menschen mit Behinderungen ab 65 Jahren war der Anteil mit 7,7 % deutlich geringer. Tabelle 68: Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst in den letzten 4 Wochen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten, Geschlecht und Alter 2021/2022 (in Prozent) Geschlecht Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen 25,1 26,4 21,6 12,2 24,9 Männer 23,9 25,7 18,8 (9,5) 22,0 Frauen 26,3 27,1 24,2 (14,7) 27,6 Alter 10–24 Jahre 26,8 27,0 (24,1) (x) (26,1) 25–64 Jahre 30,6 30,2 32,2 20,7 35,3 65 Jahre und älter 7,5 7,3 (7,7) (x) (8,9) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Zeitverwendung 2021/22. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 10 Jahren. – Frage: „Wie oft haben Sie sich in den letzten 4 Wochen mehr Zeit für sich selbst gewünscht?“ mit „Immer“ oder „Fast immer“ beantwortet. – ( ) Werte, für die in der Zelle weniger als 50 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, für die in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Ähnliche Tendenzen wie beim Merkmal „Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst“ sind auch beim Merkmal „Wunsch nach mehr Zeit für Familie“ (Tabelle 69) sichtbar. Innerhalb der Altersgruppen wurde auch hier von Menschen mit Behinderungen wie auch von Men- schen ohne Behinderungen ähnlich häufig mit „(fast) immer“ geantwortet: 23,8 % der 10- bis 24-Jährigen, die aus gesundheitlichen Gründen bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt waren, wünschten sich mehr Zeit für die Familie, 36,9 % der 25- bis 64-Jährigen und 8 %

Menschen mit Behinderungen in Österreich 161 von 202 der über 64-Jährigen. Hier ist allerdings zu beachten, dass die Ergebnisse teilweise auf geringen Fallzahlen beruhen. Bei Alltagsaktivitäten stark eingeschränkte Personen gaben in jeder Altersgruppe etwas seltener einen Wunsch nach mehr Zeit für die Familie an als etwas eingeschränkte Personen. In Bezug auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen ergab sich ein komplexes Bild: Bei Personen ohne Behinderungen waren es häufiger die Männer, die die Antwortkategorien „immer“ oder „fast immer“ wählten. Bei Personen mit Behinderungen wünschten sich hingegen Frauen häufiger „(fast) immer“ mehr Zeit für die Familie, wobei dieser Geschlechtsunterschied von der Untergruppe der Personen herrührt, die etwas eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten waren, denn bei Personen mit starken Einschränkungen fiel der Anteil bei Männern ähnlich hoch aus wie bei Frauen. Tabelle 69: Wunsch nach mehr Zeit für die Familie in den letzten 4 Wochen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten, Geschlecht und Alter 2021/2022 (in Prozent) Geschlecht Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen 28,1 29,5 24,2 14,5 27,6 Männer 29,0 31,1 22,9 (14,9) 25,7 Frauen 27,2 27,9 25,4 (14,1) 29,3 Alter 10–24 Jahre 21,6 21,4 (23,8) (x) (25,4) 25–64 Jahre 36,9 36,8 36,9 24,6 40,2 65 Jahre und älter 7,5 (7,0) (8,0) (x) (8,7) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Zeitverwendung 2021/22. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 10 Jahren. – Frage: „Wie oft haben Sie sich in den letzten 4 Wochen mehr Zeit für Ihre Familie gewünscht?“ mit „Immer“ oder „Fast immer“ beantwortet. – ( ) Werte, für die in der Zelle weniger als 50 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, für die in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Tabelle 70 zeigt die Unterschiede nach Alter und Geschlecht, was das Zeitdruckempfinden von Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen betrifft. In allen Altersgruppen gaben Menschen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltags- aktivitäten ähnlich häufig oder häufiger als Personen ohne Einschränkungen in derselben Altersgruppe an, (fast) immer unter Zeitdruck zu stehen. Der niedrigere Anteil bei Betrach- tung aller Menschen mit Aktivitätseinschränkungen im Vergleich zu allen Personen ohne

162 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Aktivitätseinschränkungen ist somit vor allem mit der Altersverteilung der jeweiligen Personengruppe zu begründen. Frauen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten (24,0 %) äußerten häufiger einen (fast) dauerhaften Zeitdruck als Männer mit gesundheitsbedingten Einschränkungen (19,0 %), was auch der Tendenz unter Personen ohne Behinderungen entsprach. Tabelle 70: Verspürter Zeitdruck in den letzten 4 Wochen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten, Geschlecht und Alter 2021/2022 (in Prozent) Geschlecht Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen 24,0 24,9 21,6 15,7 23,7 Männer 22,1 23,1 19,0 (12,2) 21,4 Frauen 26,0 26,7 24,0 19,0 25,8 Alter 10–24 Jahre 21,7 20,7 (31,5) (x) (28,9) 25–64 Jahre 30,9 30,5 32,4 24,5 34,5 65 Jahre und älter 5,6 (4,6) (6,4) (x) (6,2) Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Zeitverwendung 2021/22. – Bevölkerung in Privathaushalten ab einem Alter von 10 Jahren. – Frage: „Wie oft haben Sie sich in den letzten 4 Wochen gehetzt und unter Zeitdruck gefühlt?“ mit „Immer“ oder „Fast immer“ beantwortet. – ( ) Werte, für die in der Zelle weniger als 50 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, für die in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 163 von 202 Diskriminierungserfahrung Im Zuge des alle sechs Jahre eingesetzten „Access to Services“-Moduls in EU-SILC wurden 2024 neben dem Zugang zu Dienstleistungen auch Diskriminierungserfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen abgefragt. Mit Diskriminierungserfahrung ist in diesem Modul eine Benachteiligung hinsichtlich der Versorgung mit Dienstleistungen oder eine ungleiche Behandlung im direkten Kontakt auf Basis persönlicher Merkmale wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion, sexueller Orientierung oder Behinderung gemeint. Auch gemeint sind Diskriminierungen, die aufgrund der finanziellen Situation, des Bildungsabschlusses, des Berufs oder des äußeren Erscheinungsbildes erlebt werden. Tabelle 71 zeigt den Anteil der in Privathaushalten lebenden Bevölkerung ab 16 Jahren mit Diskriminierungserfahrungen in den letzten zwölf Monaten bei Kontakt mit Behörden oder beim Besuch öffentlicher Einrichtungen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten. 11,8 % der Menschen mit Behinderungen, die Kontakt mit Behörden hatten oder öffentliche Einrichtungen besuchten, erlebten dabei Diskriminierung. Menschen mit starken Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten bejahten die Frage nach Diskriminierungserfahrungen häufiger (16,0 %) als jene, die sich etwas eingeschränkt fühlten (10,3 %), oder jene, die keine Aktivitätseinschränkungen hatten (6,2 %). Tabelle 71: Diskriminierungserfahrung in den letzten 12 Monaten bei Kontakt mit Behörden oder beim Besuch öffentlicher Einrichtungen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Geschlecht 2024 (in Prozent) Geschlecht Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen 7,8 6,2 11,8 16,0 10,3 Männer 7,5 6,0 11,5 15,0 10,2 Frauen 8,1 6,3 12,1 16,7 10,4 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. Tabelle 72 zeigt die Diskriminierungserfahrungen in den letzten zwölf Monaten von Personen mit und ohne gesundheitsbedingten Aktivitätseinschränkungen im öffentlichen Raum. 10,1 % der Menschen mit Behinderung hatten in den letzten zwölf Monaten vor

164 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich der Befragung im öffentlichen Raum Diskriminierung erfahren. Bei Personen, die keine gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten hatten, waren es 6,9 %. Über alle Gruppen hinweg erfuhren Frauen anteilig häufiger Diskriminierung als Männer. Im Vergleich zu den Diskriminierungserfahrungen beim Kontakt mit Behörden oder öffentlichen Einrichtungen war bei den Erfahrungen im öffentlichen Raum keine größere Betroffenheit von Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen zu beobachten (stark eingeschränkt: 9,7 %, etwas eingeschränkt: 10,3 %). Tabelle 72: Diskriminierungserfahrung in den letzten 12 Monaten im öffentlichen Raum nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Geschlecht 2024 (in Prozent) Geschlecht Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen 7,9 6,9 10,1 9,7 10,3 Männer 6,3 5,7 7,9 7,2 8,1 Frauen 9,4 8,1 12,1 11,6 12,2 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. Neben den Diskriminierungserfahrungen beim Kontakt mit Behörden und öffentlichen Einrichtungen sowie im öffentlichen Raum wurden in EU-SILC 2024 auch Erfahrungen bei der Wohnungssuche in den letzten 5 Jahren abgefragt. Tabelle 73 zeigt den Anteil jener, die in den letzten 5 Jahren auf Wohnungssuche waren und dabei Diskriminierung erlebt haben. Diskriminierungserfahrungen bei der Wohnungssuche wurden von 6,3 % der Menschen mit Aktivitätseinschränkungen angegeben, wobei Frauen (7,9 %) etwas häufi- ger von Diskriminierungserfahrungen berichteten als Männer (4,7 %). 4,5 % der Menschen ohne Behinderungen, die in den letzten 5 Jahren auf Wohnungssuche waren, erfuhren dabei Diskriminierung.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 165 von 202 Tabelle 73: Diskriminierungserfahrung in den letzten 5 Jahren bei der Wohnungssuche nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Geschlecht 2024 (in Prozent) Geschlecht Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen 5,0 4,5 6,3 (6,5) 6,3 Männer 4,4 4,4 4,7 (4,5) (4,7) Frauen 5,5 4,6 7,9 (8,1) 7,8 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. In Tabelle 74 wird auf Diskriminierungserfahrungen in einem weiteren Bereich eingegan- gen: den Erfahrungen als Elternteil, Schüler:in oder Student:in im Kontakt mit Schulen, Universitäten oder Fachhochschulen.
Tabelle 74: Diskriminierungserfahrung in den letzten 12 Monaten als Elternteil, Schüler:in oder Student:in im Kontakt mit Schulen, Universitäten oder Fachhochschulen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Geschlecht 2024 (in Prozent) Geschlecht Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Männer und Frauen 5,1 4,8 6,2 (5,5) 6,4 Männer 4,0 3,8 4,7 (6,2) (4,4) Frauen 6,2 5,8 7,4 (5,0) 8,2 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, EU-SILC 2024. – Bevölkerung in Privathaushalten im Alter ab 16 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, die auf Randverteilungen mit weniger als 20 ungewichteten Fällen beruhen. Von jenen Menschen, die in den letzten zwölf Monaten in Kontakt mit derlei Institutionen waren, erfuhren rund 5 % Diskriminierung. Unter den Menschen, die bei Alltagsaktivitäten