Menschen mit Behinderungen in Österreich 85 von 202 53,8 %). Hingegen bildeten sich 25- bis 64-Jährige ohne Behinderungen etwa einein- halbmal so oft wie Personen mit Behinderungen derselben Altersgruppe im formalen Bildungswesen (7,5 % gegenüber 5,1 %). Nicht-formale Bildung Als nicht-formale Bildung (auch Weiterbildung) sind Lernaktivitäten zu verstehen, die zwar in einem institutionalisierten Rahmen stattfinden, aber nicht der im vorigen Abschnitt angeführten Definition von formaler Bildung entsprechen. Nicht-formale Bildungsaktivitä- ten schließen diverse Formen der Weiterbildung ein, z. B. Kurse, Vorträge, Workshops oder Einzelschulungen am Arbeitsplatz. 55,6 % aller 18- bis 64-Jährigen nahmen in den zwölf Monaten vor der Befragung an nicht- formaler Bildung teil (Tabelle 25). Die Beteiligungsrate von Menschen mit Behinderungen lag mit 44,2 % deutlich unter jener von Menschen ohne Behinderungen (58,6 %). Zudem gab es Unterschiede unter Menschen mit Behinderungen nach Ausmaß der Aktivitäts- einschränkung: Personen, die etwas eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten waren, nahmen nicht-formale Bildungsangebote rund eineinhalbmal so oft wie Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen wahr. Tabelle 25: Teilnahme an nicht-formaler Bildung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Alter 2022/23 (in Prozent) Alter Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Alle Altersgruppen 55,6 58,6 44,2 32,8 47,0 18–24 Jahre 56,6 57,4 52,4 (39,6) 55,0 25–64 Jahre 55,5 58,8 43,5 32,3 46,3 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23. – Bevölkerung in Privathaushal- ten im Alter von 18 bis 64 Jahren – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Deutliche Geschlechtsunterschiede gab es lediglich bei Personen, die stark bei Alltags- aktivitäten eingeschränkt waren: Hier beteiligten sich 41,0 % der Männer gegenüber 26,1 % der Frauen. Vergleicht man die Inanspruchnahme von nicht-formaler Bildung von
86 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) mit der von Personen im Haupterwerbsalter (25 bis 64 Jahre), so zeigen sich für Personen ohne Behinderungen kaum Unterschiede. Hingegen lagen die Beteiligungsraten von jungen Erwachsenen mit Behinderungen merklich über denen von 25- bis 64-Jährigen mit Behinderungen (52,4 % gegenüber 43,5 %). Mit 32,3 % im Vergleich besonders niedrig lag die Quote bei Personen mit starken Aktivitätsein- schränkungen im Haupterwerbsalter. Wie in Tabelle 26 ersichtlich, stiegen die Teilnahmeraten an nicht-formaler Bildung mit dem formalen Bildungsniveau der Befragten sukzessive an. Dies galt sowohl bei Personen mit als auch ohne gesundheitsbedingte Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten, wobei die letztgenannte Gruppe jeweils häufiger an nicht-formalen Bildungsaktivitäten teilnahm. Bei Personen mit Aktivitätseinschränkungen bewegten sich die Beteiligungsquoten zwischen 25,4 % unter jenen mit maximal Pflichtschulabschluss bis hin zu 66,9 % unter jenen mit Hochschulabschluss, bei Personen ohne Aktivitätseinschränkungen zwischen 34,3 % und 73,2 %. Tabelle 26: Teilnahme an nicht-formaler Bildung nach gesundheitsbedingten Einschrän- kungen bei Alltagsaktivitäten und höchster abgeschlossener Ausbildung 2022/23 (in Prozent) Höchste abgeschlossene Ausbildung Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Maximal Pflichtschule 31,6 34,3 25,4 (25,2) 25,4 Lehre 50,4 53,5 39,6 28,9 42,5 Berufsbildende Mittlere Schule 60,1 61,5 54,7 (x) 58,1 Höhere Schule 63,1 64,1 57,2 (36,3) 62,7 Universität, Fachhochschule 72,1 73,2 66,9 (65,2) 67,3 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23. – Bevölkerung in Privathaushal- ten im Alter von 18 bis 64 Jahren – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. – (x) Werte, für dir in der Zelle weniger als 5 ungewich- tete Fälle vorhanden sind.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 87 von 202 In Tabelle 27 sind die Anteile aller Teilnehmenden an nicht-formaler Bildung gegliedert nach vier Weiterbildungsarten angeführt. Von allen Personen mit Behinderungen zwi- schen 18 und 64 Jahren, die sich in den zwölf der Befragung vorangegangenen Monaten weitergebildet hatten, hatten 64,0 % Seminare, Workshops oder Vorträge besucht. Bei Personen ohne Behinderungen lag der Anteil der Seminarteilnahmen mit 70,6 % noch darüber. Etwa gleich oft hatten Personen mit und ohne Behinderungen an Kursen teilge- nommen (63,1 % bzw. 63,2 %). Einzelschulungen am Arbeitsplatz hatten insgesamt deut- lich seltener stattgefunden (Menschen mit Behinderungen: 37,9 %, Menschen ohne Behinderungen: 36,4 %). Noch seltener hatten Respondent:innen Privatunterricht gegen Bezahlung in Anspruch genommen (Menschen mit Behinderungen: 14,2 %; Menschen ohne Behinderungen: 11,9 %). Tabelle 27: Art der besuchten nicht-formalen Bildungsaktivitäten nach gesundheits- bedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2022/23 (in Prozent) Weiterbildungsart Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt
Seminare, Work-
shops oder Vorträge
69,5 70,6 64,0 65,2 63,8
Kurse 63,2 63,2 63,1 65,0 62,7
Einzelschulungen am
Arbeitsplatz
36,7 36,4 37,9 (23,0) 40,5
Privatunterricht
gegen Bezahlung
12,2 11,9 14,2 (8,8) 15,1
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23. – Bevölkerung in Privathaushal-
ten im Alter von 18 bis 64 Jahren, die in den 12 Monaten vor der Befragung an nicht-formalen Bildungs-
aktivitäten teilgenommen hatten. – Mehrfachantworten möglich – ( ) Werte, für die in der Randverteilung
weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind .
Informelles Lernen
Informelles Lernen ist ein Prozess, mit dem bewusst der Zweck verfolgt wird, zu lernen.
Derlei Lernaktivitäten, wie etwa das Lernen aus Sachbüchern oder durch Familienange-
hörige, sind nicht institutionalisiert, können nahezu an jedem Ort stattfinden und sind
weniger strukturiert als formale und nicht-formale Bildung.
88 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Wie Tabelle 28 zeigt, fand bei circa drei Viertel aller 18- bis 64-Jährigen in den zwölf Monaten vor der Befragung informelles Lernen statt, bei Personen ohne Behinderungen etwas häufiger (76,5 %) als bei Personen mit Behinderungen (72,3 %) und insbesondere als bei Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen (64,2 %). In allen Vergleichsgrup- pen gab es eine höhere Quote des informellen Lernens bei den 18- bis 24-Jährigen als bei den 25- bis 64-Jährigen. Der Unterschied zwischen den beiden Altersgruppen war bei Menschen mit Behinderungen mit 14,9 Prozentpunkten größer als bei Menschen ohne Behinderungen mit 11,4 Prozentpunkten. Beim informellen Lernen gab es keine wesentlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Tabelle 28: Teilnahme an informellem Lernen nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Alter 2022/23 (in Prozent) Alter Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Alle Altersgruppen 75,6 76,5 72,3 64,2 74,3 18–24 Jahre 86,2 86,5 86,0 (82,7) 86,6 25–64 Jahre 74,2 75,1 71,1 62,8 73,2 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23. – Bevölkerung in Privathaushal- ten im Alter von 18 bis 64 Jahren – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. In allen Vergleichsgruppen wurde informelles Lernen am häufigsten, zu gut 80 %, durch Lernen mit Hilfe elektronischer Geräte wie Fernseher, Computer oder Handy praktiziert (Abbildung 8). Die mit 61,9 % zweithäufigste Form des informellen Lernens bei Personen mit Aktivitätseinschränkungen bildete das Lernen von Familienangehörigen, Freund:innen oder Kolleg:innen, wohingegen bei Personen ohne Behinderungen mit 65,3 % und auch bei Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen mit 61,2 % Lernen aus schriftlichen Unterlagen wie Sachbüchern oder Fachzeitschriften an zweiter Stelle stand. Weitaus seltener wurde informelles Lernen durch Führungen in Museen, in Betrieben oder an historischen Orten und Naturschauplätzen oder durch den Besuch von Bibliotheken oder Lernzentren realisiert, wobei die Beteiligungsraten von Menschen mit Behinderungen bei diesen Formen des Lernens nahe an denen von Menschen ohne Behinderungen lagen.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 89 von 202 Abbildung 8: Teilnehmende an informeller Aus- und Weiterbildung nach gesundheits- bedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten und Art des informellen Lernens 2022/23 (in Prozent)
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23. – Bevölkerung in Privathaus- halten im Alter von 18 bis 64 Jahren. – Mehrfachantworten möglich. Informationsquellen, umgesetzte Bildungsabsichten und Gründe für Nicht-Teilnahme Neben der Teilnahme an Bildungsaktivitäten wird in der Erwachsenenbildungserhebung auch erfragt, welche Art von Informationsquellen bzw. Beratungsleistungen zu möglichen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen die Respondent:innen genutzt haben, ob sie künftig eine Aus- und Weiterbildung planen und welche Schwierigkeiten sie im Bildungsbereich erfahren haben. Tabelle 29 bezieht sich auf die von Menschen mit und ohne Behinderungen genutzten Informationsquellen bzw. Beratungsstellen. Personen mit Behinderungen, die im Referenzzeitraum Informations- und Beratungsleistungen in Anspruch nahmen, erhielten diese seltener als Personen ohne Behinderungen von (potenziellen) Arbeitgeber:innen (40,8 % gegenüber 50,8 %) oder von Bildungseinrichtungen wie etwa Schulen, Hochschu- len, Universitäten oder Erwachsenenbildungsinstitutionen (35,4 % gegenüber 45,2 %). Hingegen nannten Personen mit Behinderungen deutlich häufiger das Arbeitsmarktservice (AMS) als genutzte Informationsquelle (27,9 % gegenüber 17,9 %). Personen, die stark bei Alltagsaktivitäten eingeschränkt waren, nahmen bei der Informationssuche sogar zu
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43,0 % Informations- und Beratungsleistungen des AMS in Anspruch. Darüber hinaus erhielten alle Vergleichsgruppen häufig und in ähnlichem Ausmaß (zwischen 44,8 % und 46,1 %) von anderen Institutionen oder Organisationen Informationen oder Beratung zu Aus- und Weiterbildung. Tabelle 29: Verwendete Informationsquellen bzw. aufgesuchte Beratungsstellen für Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2022/23 (in Prozent) Informationsquellen bzw. Beratungsstellen Personen insgesamt Nicht eingeschränkt Stark & etwas eingeschränkt zusammen Stark eingeschränkt Etwas eingeschränkt Bildungseinrichtungen 43,4 45,2 35,4 (17,9) 38,8 Arbeitsmarktservice (AMS) 19,8 17,9 27,9 43,0 24,9 Arbeitgeber:in oder potenzielle Arbeitgeber:in 49,0 50,8 40,8 (38,4) 41,3 Andere Institutionen oder Organisationen 45,3 45,2 45,9 44,8 46,1 Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23. – Bevölkerung in Privathaus- halten im Alter von 18 bis 64 Jahren. – Mehrfachangaben möglich. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Abbildung 930 zeigt, zu welchen Anteilen Personen mit bzw. ohne Behinderungen in den zwölf Monaten vor der Befragung an formaler und nicht-formaler Bildung teilgenommen hatten in Abhängigkeit davon, ob sie gerne an einer (zusätzlichen) Aus- oder Weiterbil- dung teilgenommen hätten. 27,3 % der Personen mit Aktivitätseinschränkungen hatten an einer formalen oder nicht-formalen Bildungsaktivität teilgenommen und hätten darüber hinaus keine weitere Aus- oder Weiterbildung machen wollen. Dieser Anteil war unter Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen nur etwa halb so hoch (13,9 %), unter Personen ohne Aktivitätseinschränkungen dagegen höher (40,2 %). Ein umgekehrtes Bild zeigte sich bei denjenigen, die zwar an keiner Aus- und Weiterbildung teilgenommen, dies 30 Anders als in den anderen Auswertungen der Erwachsenenbildungserhebung wird bei dieser Variable die Kategorie „keine Angabe“ ausgewiesen, da diese Antwortkategorie hier mit über 3 % wesentlich häufiger von Respondent:innen gewählt wurde.
Menschen mit Behinderungen in Österreich 91 von 202 aber auch nicht geplant hatten. Dies traf auf 38,1 % der Personen mit Behinderungen bzw. auf 46,0 % der Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen, aber lediglich auf 27,8 % der Personen ohne Einschränkungen zu. Eine Aus- und Weiterbildung gewünscht oder beabsichtigt, aber nicht realisiert hatten 11,1 % der Personen mit Behinderungen und 7,4 % der Personen ohne Behinderungen. Bei jeweils rund einem Fünftel der Personen mit bzw. ohne Aktivitätseinschränkungen fand zwar eine Bildungsteilnahme statt, aber die Person hätte gerne eine weitere Aus- oder Weiterbildung wahrgenommen. Abbildung 9: Tatsächliche und beabsichtigte Teilnahme an formaler und nicht-formaler Bildung nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2022/23 (in Prozent)
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23. – Bevölkerung in Privathaus- halten im Alter von 18 bis 64 Jahren. – ( ) Werte, für die in der Randverteilung weniger als 50 oder in der Zelle weniger als 20 ungewichtete Fälle vorhanden sind. Diejenigen Personen mit Behinderungen, die den Wunsch nach einer (weiteren) Aus- oder Weiterbildung nicht realisiert hatten, nannten am häufigsten folgende Gründe für die Nichtteilnahme, wobei Mehrfachangaben möglich waren (Abbildung 10): Gesundheit (48,8 %), Zeitplan (45,4 %), Kosten (37,6 %) und die Voraussetzungen oder Bedingungen der Aus- bzw. Weiterbildung (32,1 %) und andere persönliche Gründe (55,3 %).
92 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Abbildung 10: Gründe für Nicht-Teilnahme an beabsichtigten (weiteren) Bildungsakti- vitäten nach gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten 2022/23 (in Prozent)
Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Erwachsenenbildungserhebung (AES) 2022/23. – Bevölkerung in Privathaus- halten im Alter von 18 bis 64 Jahren. – Mehrfachangaben möglich. Bei Personen mit starken Aktivitätseinschränkungen waren Gesundheit (68,6 %) und andere persönliche Gründe (61,9 %) die mit Abstand meistgenannten Faktoren. Bei Personen, die etwas eingeschränkt bei Alltagsaktivitäten waren, spielten insbesondere der