Menschen-mit-Behinderungen-in-Oesterreich_Erhebungsdaten_2024.pdf

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Sozialministeriumservices und der Bundesländer auch der Österreichische Behindertenrat, die Behindertenanwältin, der unabhängige Monitoringausschuss sowie Wissenschaft- ler:innen verschiedener Fachrichtungen vertreten sind. Entscheidungen über die Weiter- entwicklung der Datenbasis und der inhaltlichen Orientierung der Behinderungs- und Teilhabestatistiken und auch die Schwerpunktsetzung für die jährlichen Projektberichte erfolgen im Rahmen der Steuerungsgruppe. Die Projektberichte werden ab 2025 alternie- rend Analysen zu Befragungsdaten (ungerade Kalenderjahre) und zu Verwaltungs- und Registerdaten zu Personen mit „registrierter Behinderung“ (gerade Kalenderjahre) präsentieren. Inhaltlicher Fokus Der vorliegende Bericht „Menschen mit Behinderungen in Österreich: Erhebungsdaten“ knüpft inhaltlich und methodisch an den ersten Bericht des Pilotprojekts an. Ebenso wie in jenem ersten Projektbericht mit dem Titel „Menschen mit Behinderungen in Österreich I: Erhebungsübergreifende Datenauswertung aktueller Befragungen anhand des GALI-Indi- kators zu gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten als Stellvertreter- variable für Behinderung“ werden auch hier Daten aus verschiedenen von Statistik Austria durchgeführten Personen- und Haushaltsbefragungen zusammengefasst, um die Lebens- bedingungen von Personen mit Behinderungen in Österreich anhand eines möglichst breiten Themenspektrums analytisch erfassen und beschreiben zu können. Dabei werden zum einen Daten aktualisiert, indem zentrale Indikatoren des ersten Pro- jektberichts aus den Bereichen Demographie, Wohnen, Erwerbstätigkeit sowie Einkom- men, Armut und Benachteiligung7 für das Erhebungsjahr 2024 erneut ausgewertet werden. Zum anderen kann dieser Bericht inhaltlich auch neue Wege beschreiten und weitere Lebensbereiche beleuchten, für die zur Zeit der Erstellung des Vorberichts noch keine Daten vorlagen, da bei einigen Befragungen erst mit der letzten Erhebungswelle die GALI-Frage als Proxy-Variable für Behinderung aufgenommen wurde. So beinhaltete etwa die Zeitverwendungserhebung erstmals 2021/2022 die GALI-Frage. Zwar war die Daten- erhebungsphase zum Entstehungszeitpunkt des Berichts „Menschen mit Behinderungen in Österreich I“ bereits abgeschlossen, doch war die Datenaufbereitung noch im Gange, wes- wegen Daten dieser vergleichsweise selten durchgeführten Erhebung erst im diesjährigen 7 Der in diesem Bericht verwendete Begriff der „Benachteiligung“ ist inhaltlich deckungsgleich mit dem im Bericht „Menschen mit Behinderungen in Österreich I“ verwendete Begriff „Deprivation“.

26 von 202 Menschen mit Behinderungen in Österreich Bericht präsentiert werden können. Ähnlich verhält es sich mit der Erwachsenenbildungs- erhebung 2022/2023, die noch im Feld war, als der erste Bericht zu Menschen mit Behin- derungen in Österreich konzipiert wurde. Ferner ergeben sich inhaltliche Erweiterungen auch dadurch, dass periodisch durchgeführte Befragungen zusätzlich zu einem fixen Set an Fragen auch rotierende Module oder Zusatzmodule enthalten, sodass das Set verfügbarer Indikatoren von einer Erhebungswelle zur nächsten variiert. Ein für die Behinderungs- und Teilhabestatistiken besonders relevantes Fragenset bildet das „Access to Services“-Modul, das in der Erhebung zu Einkommens- und Lebensbedingungen (EU-SILC) seit 2024 in drei- jährigem Rhythmus eingesetzt wird. Ein weiterer Grund der inhaltlichen Erweiterung liegt in der Tatsache begründet, dass für einen erhebungsübergreifenden Bericht stets eine Auswahl und Priorisierung von Themen und Indikatoren unumgänglich ist, da niemals alle Aspekte der einzelnen Befragungen behandelt werden können. Für diesen Bericht wurden gezielt Variablen aus der „So geht’s uns heute“-Krisenfolgenbefragung ausgewählt, die Einblick in das individuelle Wohlbefinden der Befragten geben, indem etwa die Häufigkeit von Gefühlen wie Angst und Traurigkeit untersucht werden. Viele relevante Informationen zu Personen mit Behinderungen können nur aus Befragungsdaten gewonnen werden. Fragen nach der Lebenszufriedenheit, nach den persönlichen Gründen für Teilzeitbeschäftigung oder nach der wahrgenommenen finan- ziellen Belastung durch Wohnkosten sind in Statistiken, die sich wie die Analysen zu Per- sonen mit „registrierter Behinderung“ (siehe die Berichte „Menschen mit Behinderungen in Österreich II“ und „Menschen mit Behinderungen in Österreich III“) aus Registerinfor- mationen speisen, nicht abbildbar. Gleichzeitig sind die dadurch gewonnenen Informatio- nen essenziell, wenn es darum geht, die Lebenswirklichkeit und die Lebensqualität von Personen mit Behinderungen in Österreich zu beschreiben. Aus diesem Grund wurden in diesen Bericht gezielt neue Variablen aufgenommen, die die gelebte Realität von Befrag- ten beleuchten. Beispielhaft sind hier Fragen aus EU-SILC zu Diskriminierungserfahrungen und zur Zufriedenheit in verschiedenen Lebensbereichen sowie das bereits erwähnte Set an Variablen zum subjektiven Wohlbefinden aus der „So geht’s uns heute“-Krisenfolgen- befragung zu nennen (siehe Kapitel 10). Zugleich ist anzumerken – und dies wurde von Vertreter:innen der Begleit- und Steuerungsgremien kritisch hervorgehoben –, dass mit den hier vorgestellten Indikatoren bei Weitem nicht alle Aspekte des Lebens mit Behinde- rungen untersucht werden können. Insbesondere die nach wie vor als unzureichend ange- sehene Abdeckung von teilhabebezogenen Fragestellungen wurde kritisiert. Es herrschte indes Einigkeit darüber, dass einige wichtige Themen im Zuge einer eigenen Zielgruppen- befragung adressiert werden müssten.

Menschen mit Behinderungen in Österreich 27 von 202 Gemeinsam mit diesem Projektbericht wird ein zugehöriger Annex zu den im Bericht präsentierten Variablen in Form eines Tabellenbandes veröffentlicht. Der Umfang dieser Tabellen geht über die zentralen Ergebnisse, auf die im vorliegenden Projektbericht eingegangen werden kann, hinaus. Der Annex ist so strukturiert, dass die Anordnung der Tabellen der Reihenfolge der Kapitel im Bericht folgt. Erfassung von Behinderung in Stichprobenerhebungen In diesem Abschnitt wird beschrieben, wie Behinderung in diesem Bericht definiert ist. Eine Kernfrage bei der Erstellung von Statistiken zum Thema Behinderung ist, wer zum Personenkreis der Menschen mit Behinderungen zu rechnen ist und wer nicht. Eine grundlegende Unterscheidung hinsichtlich der Definitionen kann dabei zwischen Selbst- bericht und Fremdklassifizierung getroffen werden. Fremdklassifizierung findet sich in der Regel in Verwaltungsdaten, etwa wenn Personen aufgrund von – oft medizinischen – Begutachtungsverfahren eine Leistung oder einen Status, wie z. B. eine bestimmte Pflegestufe oder die Einstufung als „begünstigt behin- dert“, zuerkannt bekommen. Diese Art von Daten über diverse Formen „registrierter Behinderung“, die im Zuge administrativer Prozesse erzeugt werden und den jeweils geltenden amtlichen Definitionen von Behinderung entsprechen, standen im Zentrum des zweiten und dritten Berichts des Pilotprojekts und werden auch weiterhin im Rahmen der Behinderungs- und Teilhabestatistiken bearbeitet werden. Der vorliegende Bericht beruht hingegen auf der erstgenannten Form von Daten, die mittels Selbsteinschätzung bei Befragungen erhoben werden. Auch hier existieren ver- schiedene, jeweils mit gewissen Vor-, aber auch Nachteilen behaftete Instrumente zur Identifikation von Personen mit Behinderungen in Befragungsdaten. Behinderung ist, wie eingangs erwähnt, ein komplexes und mehrdimensionales Konzept. Bei dem Versuch, Personen mit Behinderungen in Befragungen zu erfassen, müssen viele Perspektiven berücksichtigt werden. Anders als bei eigens für die Thematik Behinderung und Teilhabe konzipierten Befragungen ist es bei der Operationalisierung des Konzepts Behinderung in breit angelegten Bevölkerungsbefragungen in der Regel nicht möglich, alle diese Perspek- tiven mittels eines umfassenden multidimensionalen Fragensets angemessen zu berück-

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sichtigen. Stattdessen muss bei der Erstellung von Variablen zur Erfassung von Behinde- rung in derlei Bevölkerungsbefragungen notwendigerweise ein pragmatischer Ansatz gewählt werden.8
Die den hier präsentierten Auswertungen zugrunde liegende GALI-Frage ist eine von mehreren Möglichkeiten, sich der komplexen Thematik Behinderung in Erhebungen zu nähern. Zusammen mit zwei weiteren Fragen bildet GALI das sogenannte Mindestmodul Gesundheit (Minimum European Health Module, MEHM). Entwickelt wurde die Frage im Rahmen des von der Europäischen Kommission initiierten Euro-REVES-2-Projekts. Ziel jenes Projekts war die Schaffung eines kohärenten Sets von Indikatoren zur Überwachung der Gesundheit in ganz Europa. In diesem Rahmen wurde der Globale Indikator für Aktivi- tätseinschränkungen (GALI) vorgeschlagen, um einen Überblick über Behinderungen zu liefern, der über den Nutzen detaillierterer Instrumente hinausgeht.9 Wichtig erschien dabei ein Höchstmaß an Analysemöglichkeiten bei gleichzeitiger Sparsamkeit in der Erhebungsarbeit. Konzeptuelle Ansprüche an einen geeigneten Indikator waren:
• ein einziges Item, • Bezugnahme auf langanhaltende Aktivitätseinschränkungen (sechs Monate oder länger), • Bezugnahme nur auf allgemeine Gesundheitsprobleme, • Bezugnahme auf Aktivitäten, die Menschen normalerweise ausüben, • Einbeziehung von mindestens drei Schweregraden, • keine Screening-Frage zu Gesundheitsproblemen vorab, um Selektion zu vermeiden.10 Als theoretisch-konzeptioneller Hintergrund diente bei der Entwicklung die damals aktu- elle Beta-Version der „Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ („International Classification of Functioning, Disability and Health“, ICF).11 Die ICF repräsentiert ein biopsychosoziales Verständnis von Behinderung. Demnach 8 EUROSTAT: Disability Statistics Introduced. 9 van Oyen, Herman / van der Heyden, Johan / Perenboom, Rom / Jagger, Carol. Monitoring population disability: evaluation of a new Global Activity Limitation Indicator (GALI). Sozial- und Präventivmedizin / Medecine Sociale et Preventive 2006, 51(3), S. 153–161. 10 Robine, Jean-Marie / Jagger, Carol / Euro-REVES Group: Creating a Coherent Set of Indicators to Monitor Health across Europe: The Euro-REVES 2 Project. The European Journal of Public Health 2003, 13, S. 6–14. 11 Van Oyen, Herman / Bogaert, Petronille / Yokota, Renata T.C. / Berger, Nicolas. Measuring disability: a systematic review of the validity and reliability of the Global Activity Limitations Indicator (GALI). Arch Public Health 2018, 76(25).

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werden Behinderung und „Funktionsfähigkeit“ als Ergebnis von Interaktionen zwischen Gesundheit und Kontextfaktoren definiert. Kontextfaktoren umfassen sowohl externe Umweltfaktoren als auch Personenfaktoren wie etwa Geschlecht, Alter oder sozialer Hin- tergrund. Diese Faktoren haben einen Einfluss darauf, wie Behinderung vom Individuum erlebt wird. Die ICF unterscheidet ferner zwischen Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten sowie Partizipation (Teilhabe), die allesamt von der Wechselwirkung zwischen gesundheitlichen und kontextuellen Faktoren gefördert oder eingeschränkt werden können.12 Wenngleich Behinderung nicht mit Krankheit bzw. Nicht-Gesundheit gleichgesetzt werden kann, ermöglicht die GALI-Frage es, sowohl in allgemeinen als auch in spezifischen Popula- tionen Personen zu identifizieren, die selbst bei ihren üblichen Aktivitäten seit längerem gesundheitsbedingte Einschränkungen wahrnehmen und deren Partizipation dadurch gemindert ist. Beim Einsatz von GALI wird mittels Selbsteinschätzung erfasst, ob und wie stark sich die Befragten bei Alltagsaktivitäten als gesundheitsbedingt eingeschränkt wahrnehmen. Inzwischen wird die GALI-Frage in Österreich einheitlich in einer zweistufigen Version gestellt, welche deren inhaltliche Komponenten auf zwei Teilfragen aufteilt und so einem besseren Verständnis im Vergleich zur vorherigen einstufigen Variante dienen soll. Auf diese Weise sollen Fehlinterpretationen vermieden und somit Verzerrungen in den Antworten verhindert werden. Der erste Teil der Frage lautet: Sind Sie durch ein gesundheitliches Problem bei Tätigkeiten des normalen Alltags eingeschränkt? Würden Sie sagen, Sie sind …
• stark eingeschränkt • etwas eingeschränkt • nicht eingeschränkt Personen, die die Antwortoptionen „stark eingeschränkt“ oder „etwas eingeschränkt“ auswählen, erhalten die zweite Teilfrage: 12 World Health Organization. Towards a common language for functioning, disability and health: ICF. Geneva: World Health Organization 2002.

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Sind Sie seit zumindest einem halben Jahr eingeschränkt? • Ja • Nein Personen, die die zweite Frage erhalten und mit „Ja“ beantworten, leben gemäß diesem Schema mit Behinderungen, wobei sich weiterhin zwischen „stark eingeschränkt“ und „etwas eingeschränkt“ differenzieren lässt. In der Formulierung der Frage wird der Begriff „gesundheitliches Problem“ bewusst nicht näher definiert oder anhand von Beispielen erläutert. Auf diese Weise werden keine Personengruppen direkt oder indirekt ausge- schlossen. Auch wird keine vordefinierte Liste an „Tätigkeiten des normalen Alltags“ genannt oder die eigene Altersgruppe als Referenz angeführt. Auf diese Weise wird das dahinterstehende Konzept der Partizipation nicht vorab auf gewisse Lebensbereiche oder Altersstandards eingegrenzt.13 Die GALI-Frage wird seit 2004 in einer sukzessive ansteigenden Zahl an europäischen Erhebungen eingesetzt.14 Seit 2021 gibt es mit der Verordnung (EU) 2019/1700 des Europäischen Parlaments und des Rates eine Rahmenverordnung für die Sozialstatistik („Integrated European Social Statistics – IESS“), welche die Verpflichtung zur Verwendung der GALI-Frage in sozialstatistischen Erhebungen regelt. Seitdem ist die GALI-Frage zusätzlich zu EU-SILC (jährlich) und der Gesundheitsbefragung (alle sechs Jahre) auch Teil folgender Erhebungen: Mikrozensus-Wohnungs- und Arbeitskräfteerhebung (alle zwei Jahre), Erhebung zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in Haushalten (alle zwei Jahre), Konsumerhebung (alle fünf Jahre), Erhebung über Erwachse- nenbildung (alle fünf/sechs Jahre) und Zeitverwendungserhebung (unregelmäßig). Zudem wird die GALI-Frage in Österreich in der „So geht’s uns heute“-Krisenfolgenbefragung quartalsweise erhoben. Dies soll dazu dienen, die Situation von Menschen mit Behinderungen in den verschiedenen Lebensbereichen, die durch diese Erhebungen abgedeckt werden, durch statistische Daten abzubilden und über die Zeit zu beobachten. Ein und dieselbe Frage in all diesen Surveys abzufragen, macht es möglich, die Daten 13 European Commission: Standardised key social variables. Implementing guidelines. 2020. Abrufbar unter: https://ec.europa.eu/eurostat/documents/54431/1966394/Standardised-key-social-variables.pdf. 14 Cambois, Emmanuelle / Grobon, Sébastien / van Oyen, Herman / Robine, Jean-Marie. Impact of Question Wording on the Measurement of Activity Limitation: Evidence From a Randomized Test in France. Journal of Aging and Health 2016, 28 (7), S. 1315–1338.

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lebensbereichsübergreifend zu analysieren.15 Die Reliabilität und Validität der GALI-Frage wurde in diversen Studien bestätigt.16 Die Frage gilt daher als gute Stellvertretervariable für Behinderung.17 Auch wenn sie – für sich genommen – nicht alle Aspekte von Behin- derung abdeckt, kann sie mit anderen Variablen kombiniert werden, um tiefgreifendere Informationen sowohl zur „Funktionsfähigkeit“ als auch zu Barrieren oder Unterstützungs- bedarfen von Menschen mit Aktivitätseinschränkungen zu erlangen. Wie eingangs erwähnt, stellt die GALI-Frage eine von mehreren Möglichkeiten dar, Behin- derung in Bevölkerungsbefragungen zu messen. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass Vertreter:innen der Steuerungsgruppe der Verwendung von GALI als Indikator für Behinderung nach wie vor teils kritisch gegenüberstehen, da sie dessen Vereinbarkeit mit dem menschenrechtsbasierten Ansatz der UN-BRK als unzureichend gegeben ansehen.
Ein anderes Instrument zum Einsatz in Befragungen wurde von der Washington Group on Disability Statistics entwickelt. Die Washington Group on Disability Statistics ist eine Initiative der Vereinten Nationen. Die Washington Group nutzt das Konzept „Funktions- fähigkeit“. Es gibt dabei verschiedene Versionen des Fragensets, die funktionale Beein- trächtigungen wie etwa Probleme beim Sehen oder Probleme bei der Erinnerung und der Konzentration erheben und sich in Umfang sowie der erfassten Bandbreite an Funktions- beeinträchtigungen unterscheiden.18 Die Europäische Kommission weist auf die Schwierig- keit hin, aus mehreren Items bestehende Fragensets wie die der Washington Group in vorhandene sozialstatistische Erhebungen mit eingeschränktem Platz für behinderungs- spezifische Variablen zu integrieren. Aus diesem Grund hat sich Eurostat im Falle von regelmäßigen sozialstatistischen Erhebungen für die Beibehaltung der GALI-Frage entschieden, da diese die „Aktivitätsfähigkeit“ statt der „Funktionsfähigkeit“ erfasst. Laut Eurostat kommt GALI dem Policy-Ziel der EU, „Partizipationseinschränkungen“ zu erfassen, näher. Allerdings seien die Fragensets zu funktionalen Beeinträchtigungen eine gute Ergänzung zu GALI.19 Aktuell werden Kurzversionen des Washington-Group- 15 EUROSTAT: Disability statistics introduced: How data on functioning and disability can be collected . 16 Van Oyen, Herman / Bogaert, Petronille / Yokota, Renata T.C. / Berger, Nicolas. Measuring disability: a systematic review of the validity and reliability of the Global Activity Limitations Indicator (GALI). Arch Public Health 2018, 76(25). 17 EUROSTAT: Disability Statistics Introduced; European Commission (EUROSTAT): Item 4.3. Global Activity Limitation Indicator (GALI) as a core variable. Luxemburg: Meeting of the European directors of social statistics 2015. 18 Die verschiedenen Fragensets sind auf der Webseite der Washingtongroup einzusehen: https://www.washingtongroup-disability.com/question-sets/wg-short-set-on-functioning-wg-ss/.
19 European Commission (EUROSTAT): Item 4.3. Global Activity Limitation Indicator (GALI) as a core variable. Luxemburg: Meeting of the European directors of social statistics 2015.

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Fragensets in der Gesundheitsbefragung und seit 2022 in dreijährigem Zyklus in EU-SILC zusätzlich zur GALI-Frage gestellt. Einführung in die Datenquellen Der vorliegende Bericht bildet eine Synthese aus Daten, die sechs verschiedenen Personen- und Haushaltserhebungen entstammen, welche in Österreich sowie EU-weit teils in regelmäßigen, teils in unregelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Eine solche Synthese wird dadurch möglich, dass die GALI-Frage mittlerweile in allen sozial- statistischen Erhebungen auf europäischer Ebene eingesetzt wird. Durch den Einsatz derselben, gleichlautenden Frage in verschiedenen Stichprobenerhebungen können Ergebnisse zu Personen mit gesundheitsbedingten Einschränkungen bei Alltagsaktivitäten erhebungsübergreifend zusammengeführt werden. Folgende Erhebungen und inhaltliche Schwerpunkte sind in diesen Bericht eingeflossen: • Mikrozensus (2024): Erwerbstätigkeit, Bildung, Wohnen20 • Statistik über Einkommens- und Lebensbedingungen (EU-SILC) (2024): Wohnen, Einkommen, Armut und Benachteiligung, Diskriminierungserfahrungen, Zugang zu Dienstleistungen, Lebensqualität • Erwachsenenbildungserhebung (AES) (2022/23): formale, nicht-formale und informelle Bildungsaktivitäten nach Vollendung des 18. Lebensjahres • Erhebung zum Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Haushalten (2024): Nutzung des Internets und von E-Government-Angeboten • Krisenfolgenbefragung „So geht’s uns heute“ (1. Quartal 2024 bis 4. Quartal 2024): Wohlbefinden • Zeitverwendungserhebung (ZVE) (2021/2022): Erfassung der für verschiedene Tätigkeiten aufgewendeten Zeiten Da es sich bei all diesen Datenquellen um Stichprobenerhebungen handelt, beruhen die Ergebnisse auf Hochrechnungen. In den präsentierten Tabellen und Grafiken werden jegliche Werte, welche bestimmte statistische Fehlergrenzen unterschreiten und somit 20 Die GALI-Frage wird im Mikrozensus seit 2022 bei allen Haushalten gestellt, die in einem der vier Erhebungsquartale eines geraden Kalenderjahres erstmals befragt werden. Es handelt sich bei den hier verwendeten Daten daher um eine Teilstichprobe des Mikrozensus, die sich aus den Ersterhebungen aller vier Quartale 2024 zusammensetzt.