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Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Krebserkrankungen in Österreich 23 Überleben mit Krebs Obwohl die absolute Zahl der Krebsneuerkran - kungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten stieg, hat sich die Krebssterblichkeit verringert. Frühere Diagnosestellungen und neue Thera - piemethoden führten zu einer Verlängerung der Überlebensdauer von an Krebs erkrankten Personen in Österreich. Im Rahmen der Euro - care-Studie, der internationalen Studie zum Überleben von Krebspatient:innen, wurden Ös - terreich wiederholt Überlebensdauern über dem europäischen Durchschnitt bescheinigt. Nach den Berechnungen der Eurocare-Studie für die Diagnosejahre 2000 bis 2007 liegt Österreich mit einem relativen 5-Jahres-Überleben von 60,1 % nach Schweden (64,8 %), Finnland (61,4 %), Island (61,2 %) und Belgien (60,4 %) an fünfter Stelle. Die Schlusslichter bilden Polen (40,6 %) und Bul - garien (38,7 %). Für Österreich stehen durch die Überlebensdaueranalysen von Statistik Austria wesentlich aktuellere Ergebnisse zur Verfügung. Das relative 5-Jahres-Überleben nahm in den ver- gangenen Jahrzenten deutlich zu. Während nach einer Diagnosestellung in der Periode 1994–1998 das relative 5-Jahres-Überleben eines Krebspa - tienten bei 55,4 % lag, stieg es mit der Diagnose - periode 2014–2018 auf 62,0 %. Dabei entspricht ein Wert von 100 % der Überlebenswahrschein - lichkeit der Gesamtbevölkerung. Je höher das relative Überleben von Krebspatient:innen ist, desto eher gelten für sie dieselben Sterbewahr - scheinlichkeiten wie für die übrige Bevölkerung. Anders ausgedrückt, verglichen mit der allgemei - nen Überlebenswahrscheinlichkeit für einen Zeit- raum von fünf Jahren war die Überlebenswahr - scheinlichkeit von in den Jahren 1994–1998 an Krebs erkrankten Personen nur 0,55-mal so hoch, von 2014–2018 an Krebs erkrankten Personen dagegen 0,62-mal so hoch. Für Männer stieg der Wert von 52,6 % in der Diagnoseperiode 1994– 1998 auf 60,5 % in der Periode 2014–2018 und für Frauen im selben Zeitraum von 58,1 % auf 63,7 %. Die weitaus schlechteren Überlebensbedingun - gen für Männer vor knapp 30 Jahren und die posi- tive Entwicklung sind zu einem Großteil auf die verschiedenen Arten der Tumorerkrankungen und deren Anteil an den gesamten Neuerkran - kungen zurückzuführen. So tritt zum Beispiel Lungenkrebs, der eine sehr schlechte Prognose hat, bei Männern nicht mehr so häufig auf wie es früher der Fall war. Für Krebspatient:innen, die bei der Diagnose jünger als 45 Jahre waren, betrug das relative 5-Jahres-Überleben 84,6 % (Diagnoseperiode 2014–2018 ). Im Vergleich dazu betrug es für die älteste Patientengruppe, mit einer Diagnosestel - lung erst nach dem 75. Geburtstag, nur 48,9 %. Die generell höhere Sterbewahrscheinlichkeit für ältere Menschen wird durch die Methode des rela- tiven Überlebens berücksichtigt. Die Überlebens - wahrscheinlichkeiten werden denen der Grup - pe der Gesamtbevölkerung gleichen Alters und Geschlechts gegenübergestellt. Bei den unter 45-jährigen Männern betrug das relative 5-Jah - res-Überleben 81,4 %, bei den Frauen 86,9 %. Da - hingegen betrug das relative 5-Jahres-Überleben der über 75-jährigen Männer sowie der Frauen 50,0 % bzw. 47,8 %. Bei einem Vergleich der Dia - gnoseperioden 1994–1998 und 2014–2018 wurde der stärkste Zugewinn bei Männern im Alter zwi - schen 45 und 59 Jahren beobachtet (+13,3 Pro- zentpunkte). Das Tumorstadium bei Diagnose ist ein wichtiger Parameter für die Einschätzung der Überlebens - chancen. Je später ein Tumor entdeckt wird, desto schlechter ist seine Prognose. In der Diag - noseperiode 2014–2018 betrug das relative 5-Jah- res-Überleben für alle Tumorstadien zusammen 62,0 %. Werden Tumore in einem Stadium ent - deckt, in dem die Organgrenzen noch nicht durch- brochen sind (lokalisiert), liegt die Überlebensra - te bei 87,9 %. Sind bereits Lymphknoten befallen (regionalisiert), liegt die relative Überlebensrate nach fünf Jahren bei 62,3 %, wenn bereits Metas - tasen vorhanden sind (disseminiert), sind es nur mehr 13,4 %. Systemische Tumore weisen ein re - latives 5-Jahres-Überleben von 62,3 % auf. Krebserkrankungen in Österreich 2024  –  Krebserkrankungen in Österreich 24 Relatives 5-Jahres-Überleben nach Lokalisationen im Vergleich 2004 bis 2008 mit 2014 bis 2018 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. – Ende des Follow-up 31.12.2023. – CRS: cumulative relative survival. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Kopf, Hals (C00–C14) Speiseröhre (C15) Magen (C16) Darm (C18–C21) Leber (C22) Bauchspeicheldrüse (C25) Kehlkopf (C32) Lunge (C33–C34) Haut (C43) Brust (C50) Eierstock (C56) Prostata (C61) Hoden (C62) Niere (C64) Harnblase (C67) Gehirn (C70–C72) Schilddrüse (C73) Hodgkin-Lymphom (C81) Non-Hodgkin-Lymphom (C82–C86, C96) Plasmozytom, Myelom (C90) Leukämie (C91–C95) 1994–1998 2014–2018 Zugewinn Männer Frauen 2014–2018 Rückgang 2014–2018 Rückgang 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Kopf, Hals (C00–C14) Speiseröhre (C15) Magen (C16) Darm (C18–C21) Leber (C22) Bauchspeicheldrüse (C25) Kehlkopf (C32) Lunge (C33–C34) Haut (C43) Brust (C50) Gebärmutterhals (C53) Gebärmutterkörper (C54) Eierstock (C56) Prostata (C61) Hoden (C62) Niere (C64) Harnblase (C67) Gehirn (C70–C72) Schilddrüse (C73) Hodgkin-Lymphom (C81) Non-Hodgkin-Lymphom (C82–C86, C96) Plasmozytom, Myelom (C90) Leukämie (C91–C95) 1994–1998 2014–2018 Zugewinn Gebärmutterhals (C53) Gebärmutterkörper (C54)

Krebserkrankungen in Österreich 2024  –  Krebserkrankungen in Österreich 25 Entwicklung des relativen Überlebens (CRS) Alle Malignome (C00–C96, ohne C44), 1990 bis 2022 Jahr Relatives 1-Jahres-Überleben Relatives 5-Jahres-Überleben insgesamt Männer Frauen insgesamt Männer Frauen in % unteres KI1 oberes KI1 in % in % unteres KI1 oberes KI1 in % 1990 67,4 66,8 68,0 63,9 70,5 49,5 48,8 50,3 45,0 53,6 1995 72,9 72,4 73,5 70,2 75,6 55,7 55,1 56,4 52,6 58,8 2000 74,0 73,6 74,5 73,1 75,1 58,2 57,6 58,8 57,4 59,0 2005 75,9 75,4 76,4 75,1 76,9 60,4 59,9 61,0 59,5 61,5 2010 77,2 76,8 77,7 75,5 79,1 61,2 60,6 61,7 58,9 63,6 2012 77,6 77,1 78,0 75,8 79,5 60,8 60,2 61,4 58,1 63,7 2013 77,4 76,9 77,8 75,4 79,5 60,9 60,3 61,4 58,4 63,5 2014 77,1 76,7 77,5 75,4 78,9 60,7 60,1 61,3 58,3 63,3 2015 77,1 76,6 77,5 75,4 79,0 60,7 60,2 61,3 58,7 63,1 2016 77,8 77,4 78,3 76,9 79,0 62,0 61,4 62,5 60,3 63,8 2017 78,5 78,1 78,9 77,8 79,3 62,9 62,3 63,4 61,7 64,2 2018 79,1 78,6 79,5 78,5 79,8 63,6 63,0 64,1 63,0 64,3 2019 80,9 80,5 81,3 80,1 81,9 . . . . . 2020 80,0 79,5 80,4 79,3 80,8 . . . . . 2021 81,5 81,1 81,9 80,9 82,2 . . . . . 2022 82,5 82,1 82,9 81,8 83,3 . . . . . Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. – Ende des Follow-up 31.12.2023. – CRS: cumulative relative survival. – 1) Unteres bzw. oberes Konfidenzintervall (95 %). Entwicklung des relativen Überlebens (CRS) Alle Malignome (C00–C96, ohne C44), nach Geschlecht in Prozent Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. – Ende des Follow-up 31.12.2023. – CRS: cumulative relative survival. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 Männer Frauen Männer Frauen 5y CRS 1y CRS

Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Krebserkrankungen in Österreich 26 Relatives 5-Jahres-Überleben
Alle Malignome (C00–C96, ohne C44), in Prozent Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. – Ende des Follow-up 31.12.2023. 0 20 40 60 80 100 0–44 Jahre 45–59 Jahre 60–74 Jahre 75 Jahre u. älter 2004–2008 2014–2018Diagnosezeitraum: 95 %-Konfidenzintervall Alter bei Diagnose 0 20 40 60 80 100 Lokalisiert Regionalisiert Disseminiert Systemerkrankung Unbekannt Tumorstadium bei Diagnose Qualitätsmerkmale Da die Validität der Daten eines bevölkerungsbe - zogenen Krebsregisters maßgeblich vom Erfas - sungsgrad aller Krebsneuerkrankungen abhängt, sind Analysen zur Vollzähligkeit der Krebsregis - trierung nötig. Dies geschieht einerseits mittels der sog. DCO-Fälle, also Sterbefällen mit der To - desursache Krebs, die nicht zuvor im Krebsregis - ter aufscheinen. Die DCO-Rate als Anteil an allen Krebsfällen konnte in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden und liegt im Jahres - durchschnitt 2020–2022 etwa bei 9,3 %. Daneben sind auch der Prozentsatz der histologisch verifi - zierten Fälle und die „Mortalität/Inzidenz-Ratio“ Maßzahlen für die Qualität der Daten eines Krebs- registers. Der Prozentsatz der mikroskopisch verifizierten Fälle dient einerseits als Indikator für die Validi - tät, andererseits aber auch zur Überprüfung der Vollzähligkeit. Ein hoher Prozentsatz an mikros - kopisch verifizierten Fällen spricht für eine hohe Qualität der Meldungen – durch die mikroskopi - sche Untersuchung wird der Tumor bestätigt, und die fälschliche Aufnahme von Metastasen als Pri - märtumor kann ausgeschlossen werden. Ein sehr hoher Prozentsatz zeigt allerdings auch, dass im Zuge von Recherchen möglicherweise zu viel Ge - wicht auf Pathologien gelegt wurde und daher Fälle, die auf anderem Weg diagnostiziert wer - den, unterrepräsentiert sein könnten. Im Öster - reichischen Nationalen Krebsregister lag der Pro - Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Krebserkrankungen in Österreich 27 Qualitätsmerkmale
Alle Malignome (C00–C96, ohne C44), Jahresdurchschnitt 2020–2022 Qualitätsmerkmal Männer und Frauen Männer Frauen Mortalität/Inzidenz-Ratio 0,47 0,47 0,47 DCO-Rate in % 9,3 9,0 9,7 Unspezifische Morphologie in % 15,9 14,2 17,8 Unbekanntes Stadium in % 17,4 18,9 15,8 Mikroskopisch verifiziert in % 82,4 81,5 83,3 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. zentsatz im Jahresdurchschnitt 2020–2022 bei 82,4 %. Bei einer Aufgliederung der Tumore nach verschiedenen Lokalisationen ergibt sich bei Lo - kalisationen mit einer hohen DCO-Rate ein niedri- gerer Prozentsatz an mikroskopisch verifizierten Fällen, da die Anzahl dieser Fälle immer in Bezug zur Gesamtinzidenz gesetzt wird. Ein weiteres Kriterium zur Beurteilung der Voll - ständigkeit eines Krebsregisters ist die „Mortali - tät/Inzidenz-Ratio“ (M/I-Ratio). Die M/I-Ratio, also der Quotient von Inzidenz und Mortalität, gibt das Verhältnis der Anzahl der an einem bestimm - ten Tumor Gestorbenen zu der Neuerkrankungs - häufigkeit im selben Zeitraum an eben diesem Tumor wieder. Die M/I-Ratio ist eine Methode der unabhängigen Fallbestätigung und damit die einzige Methode zur Vollzähligkeitsbeurtei - lung, für die keine Einzeldaten aus einem Regis - ter erforderlich sind, sondern mit der sogar aus bereits tabellierten Daten auf die Vollzähligkeit geschlossen werden kann. Wäre die Todesursa - chenstatistik absolut genau, entspräche die M/I- Ratio dem Wert 1 abzüglich der Überlebensrate. Für Tumorlokalisationen mit einer ungünstigen Prognose wie z. B. Lunge, Speiseröhre, Leber und Pankreas werden Werte nahe bei eins erwartet. Für Tumore mit einer günstigen Prognose wie z. B. Hoden, Schilddrüse, Gebärmutterkörper und Haut werden deutlich niedrigere Werte erwartet. Dieses Muster ist im Österreichischen Nationalen Krebsregister sehr gut zu erkennen. Die Werte der Tumore mit einer schlechten Prognose lagen im Jahresdurchschnitt 2020–2022 zwischen 0,8 und 1, die der Tumore mit günstiger Prognose liegen zwischen 0 und 0,2. Die M/I-Ratio kann in bestimmten Fällen auch den Wert 1 übersteigen, was entweder auf einen Fehlbestand im Register oder auf Ungenauigkeiten bei der Spezifizierung der Todesursache hindeutet. Das Krebsregister verfügt oft über wesentlich genauere Information über die Tumorerkrankung, als am Totenschein, der die Grundlage der Todesursachenstatistik dargestellt, vermerkt ist. Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen 28 Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen Krebserkrankungen sind bei Kindern und Ju - gendlichen sehr selten. In Österreich werden jedes Jahr etwa 200 Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr und etwa 100 Jugendliche (vom 15. bis zum vollendeten 19. Lebensjahr) mit einer Krebsdiagnose konfrontiert. (< 1 % aller Krebs - kranken in Österreich). Rund 25 bis 30 Kinder und 10 bis 15 Jugendliche sterben jährlich an Krebs. Die Inzidenz der Krebserkrankungen ist über die Zeit relativ stabil, wobei die Ergebnisse aufgrund der sehr kleinen Zahlen schwierig zu interpretie - ren sind. Bei Kindern ist die Inzidenz bei Buben etwas höher als bei Mädchen. Um die Besonderheit der Verteilung der kindli - chen Tumore entsprechend abbilden zu können, sind die in der Erwachsenendiagnostik übliche Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10, International Classification of Diseases, Version 10) und auch die Internationale Klassi - fikation der Krankheiten für die Onkologie (ICD- O-3, International Classification of Diseases for Oncology, Version 3) nicht geeignet. Internationa- ler Standard zur Klassifizierung und Darstellung von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugend- lichen ist die, auf einer besonderen Zusammen - fassung von Morphologien und Topographien der ICD-O-3 basierende, Internationale Klassifikation von Kinderkrebs (ICCC-3, International Classifica - tion of Childhood Cancer in der Version 3) . Tumorlokalisationen im Kindes- und Jugendalter
Österreich (Jahresdurchschnitt 2013–2022), ohne malignes Melanom Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. – Revidierte Version vom 15.01.2025: Der angegebene Zeitraum in der Überschrift sowie das Datum des Datenstandes waren falsch und wurden nun korri- giert.– Internationale Klassifikation von Kinderkrebserkrankungen, ICCC-3. I Leukämien II Lymphome III Tumore des zentralen Nervensystems IV Neuroblastome und Tumore der peripheren Nerven VI Nierentumore VII Lebertumore VIII Knochentumore IX Muskel- und Bindegewebstumore X Keimzelltumore XI Karzinome (ohne malignes Melanom) XII Andere und unspezifische Tumore 12 24 8 0 0 1 0 8 6 11 21 4 23 14 6 11 11 13 4 6 8 6 e r h a J 9 1 s i b 5 1 n o v e h c i l d n e g u Je r h a J 4 1 s i b 0 n o v r e d n i K 57 36 V Retinoblastome Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen 29 Neuerkrankungen Generell ist das Diagnosespektrum bei Kindern anders als bei Erwachsenen. Die häufigsten Er - krankungsarten im Kindesalter sind Leukämien, Lymphome und Tumore des Zentralnervensys - tems (ZNS). Diese machen gemeinsam etwa 30 % aller Krebserkrankungen bei Kindern und etwa 12 % bei Jugendlichen aus und sind auch für mehr als die Hälfte aller Krebssterbefälle von Kindern und Jugendlichen (jeweils rund 60 %) verant - wortlich. Leukämien sind mit etwa 60 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigsten Krebserkrankungen bei den Kindern (29 %). Bei Jugendlichen ist Leukä - mie die dritthäufigste Krebsdiagnose: Jedes Jahr erkranken in Österreich rund 12 Jugendliche an einer Leukämie. Die lymphatische Leukämie ist die häufigste Form mit rund 80 % der Leukämien bei Kindern und nahezu 50 % der Leukämien bei Jugendlichen. Bösartige Lymphome sind im Kin - desalter die dritthäufigste (23 Neuerkrankungen, 12 %). Im Jugendalter sind Lymphome für ein Viertel aller Krebserkrankungen verantwortlich (24 Neuerkrankungen, 25 %) und damit die häu - figste Krebserkrankung bei Jugendlichen. Primäre Tumore des Zentralnervensystems (ZNS) sind solide Tumore, die im Gehirn oder Rücken - mark entstehen. Sie sind nach den Leukämien die zweithäufigste Krebserkrankung im Kindesalter (36 Neuerkrankungen pro Jahr). Bei Jugendlichen sind diese Tumore nicht so häufig (rund 8 Neu - erkrankungen pro Jahr). Tumore des ZNS, die auf- grund ihres biologischen Verhaltens als gutartig oder mit unsicherem Verhalten einzustufen sind, sind hier nicht gezählt. Neuroblastome zählen bei Kindern ebenfalls zu den häufigeren Tumoren (14 Neuerkrankungen, 7 %), bei den Jugendlichen sind sie hingegen sehr selten. Das Retinoblastom kommt nur bei Kin - dern unter 10 Jahren vor und ist mit rund sechs Neuerkrankungen pro Jahr für 3 % aller Neu - erkrankungen bei Kindern verantwortlich. Nie - rentumore (meist Nephroblastome) machen bei Kindern rund 6 % aus. Karzinome, d. h. Krebserkrankungen, die von Zel - len im Deckgewebe von Haut oder Schleimhaut (Epithel) ausgehen, sind bei Kindern sehr selten (4 %). Im Jugendalter nehmen die Karzinome auf 22 % zu, bei Erwachsenen sind über 80 % der Tu - more Karzinome. In der Gruppe der Karzinome sind bei den Jugendlichen besonders Tumore der Schilddrüse und das maligne Melanom relevant. Neuerkrankungen im internationalen Vergleich Die Prozentverteilung der Tumorentitäten ent - spricht sowohl bei den Kindern als auch bei den Jugendlichen der internationalen Verteilung. In West-Europa waren in den Jahren 2001 bis 2010 Leukämien für 31 % der kindlichen Krebserkran - kungen verantwortlich, Lymphome für 11 % und Tumore des ZNS für 24 %. Die häufigsten Er - krankungen bei Jugendlichen waren Lymphome (24 %), gefolgt von Karzinomen (22 % inkl. mali - gnen Melanomen) und Tumoren des Zentralner - vensystems (14 %). Die Werte für Tumore des ZNS sind in Österreich niedriger als in der internatio - nalen Studie, da diese auch gutartige Hirntumore umfasst. Keimzelltumore und Leukämien mach - ten bei Jugendlichen jeweils 12 % bis 13 % aus (Steliarova-Foucher et. al 2017). Neuerkrankungen nach Bundesländern Das Erkrankungsrisiko für Kinder je Bundesland unterscheidet sich nicht signifikant vom Öster - reichwert. In jedem Bundesland wurden etwa ebenso viele Krebserkrankungen verzeichnet, wie aufgrund der Gesamtanzahl der Erkrankungen in Österreich und der Einwohnerzahl des jeweiligen Bundeslandes zu erwarten waren (Hackl/Ihle, 2019). Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen 30 Überleben Die Überlebenswahrscheinlichkeiten haben in den letzten zehn Jahren zugenommen. Wäh - rend nach einer Diagnosestellung in den Jahren 2004–2008 das beobachtete 5-Jahres-Überleben eines an Krebs erkrankten Kindes oder Jugend - lichen bei etwa 85 % lag, stieg es bei Jugendli - chen bis zum Diagnosezeitraum 2014–2018 auf 90 %. Dieser Anstieg ist jedoch sehr vorsichtig zu interpretieren, da sich die Konfidenzintervalle überlappen. Durch die Zunahme von Langzeit - überlebenden rückt die langfristige Beobachtung ehemaliger pädiatrischer Krebspatient:innen zu - nehmend in den Blickpunkt. Das österreichische Krebsregister stellt eine geeignete Datenbasis für eine zeitlich uneingeschränkte Langzeitnachbe - obachtung und die Erforschung von Folgetumo - ren bereit. Sterbefälle Der Anteil der pädiatrischen Krebserkrankungen an den Sterbefällen ist stark von der jeweiligen Altersgruppe abhängig. Bei den unter 5-Jähri - gen ist Krebs nur zu etwa 3 % die Todesursache, bedingt durch die vergleichsweise hohe Zahl an Sterbefällen durch perinatale Affektionen bzw. angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien. Bei den 5- bis 14-Jäh - rigen sind etwa 30 % aller Sterbefälle durch Krebs bedingt. Bei den 15-Jährigen und Älteren ist mehr als die Hälfte der Sterbefälle durch Unfälle und Selbstmord verursacht, Krebserkrankungen ma - chen etwa 8 % aus. Die meisten Sterbefälle von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendli - chen ereignen sich durch Leukämien und Tumore des ZNS. Entwicklung der bösartigen Neubildungen im Kindes- und Jugendalter
Österreich ab 1, ohne malignes Melanom, absolute Zahlen Jahre Krebsneuerkrankungen Krebssterbefälle Kinder (0–14 Jahre) Jugendliche (15–19 Jahre) Kinder (0–14 Jahre) Jugendliche (15–19 Jahre) Insge- samt Buben Mädchen Insge- samt Buben Mädchen Insge- samt Buben Mädchen Insge- samt Buben Mädchen 1990 179 95 84 84 52 32 38 16 22 19 14 5 1995 185 102 83 104 52 52 33 16 17 22 12 10 2000 203 104 99 116 68 48 35 21 14 16 8 8 2005 203 107 96 117 57 60 27 18 9 11 6 5 2010 179 85 94 114 67 47 21 8 13 12 7 5 2012 211 105 106 114 68 46 25 14 11 10 6 4 2013 189 100 89 112 69 43 25 13 12 12 4 8 2014 203 115 88 94 46 48 28 15 13 18 8 10 2015 265 131 134 114 69 45 30 14 16 9 5 4 2016 234 122 112 105 63 42 30 13 17 9 6 3 2017 210 117 93 103 58 45 31 17 14 11 8 3 2018 187 103 84 102 53 49 29 16 13 12 7 5 2019 180 102 78 109 55 54 29 17 12 9 5 4 2020 193 104 89 89 44 45 29 20 9 22 15 7 2021 205 109 96 111 56 55 11 8 3 12 9 3 2022 152 84 68 99 60 39 27 13 14 14 9 5 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. – Internationale Klassifikation von Kinderkrebserkrankungen, ICCC-3. Krebserkrankungen in Österreich 2024  –  Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen 31 Bösartige Neubildungen im Kindes- und Jugendalter Österreich (Jahresdurchschnitt 2013–2022), ohne malignes Melanom Krebslokalisation (ICCC‑3)1 Krebsneuerkrankungen Rohe Raten 0–14 Jahre 15–19 Jahre 0–14 Jahre2 15–19 Jahre3 Insge­ samt Buben Mäd­ chen Insge­ samt Buben Mäd­ chen Insge­ samt Buben Mäd­ chen Insge­ samt Buben Mäd­ chen Malignome, insgesamt (ohne malignes Melanom) 201,8 108,7 93,1 103,8 57,3 46,5 198,2 209,7 186,3 260,8 284,0 236,9 I Leukämien 57,4 31,6 25,8 11,9 7,1 4,8 56,4 61,0 51,6 29,9 35,2 24,5 Ia Lymphatische Leukämien 44,6 25,3 19,3 4,9 3,5 1,4 43,8 48,8 38,6 12,3 17,3 7,1 Ib Akute myeloische Leukämien 9,6 5,0 4,6 4,0 2,0 2,0 9,4 9,6 9,2 10,1 9,9 10,2 II Lymphome 23,3 13,3 10,0 23,5 12,8 10,7 22,9 25,7 20,0 59,0 63,4 54,5 IIa Hodgkin-Lymphome 8,1 4,2 3,9 14,2 7,7 6,5 8,0 8,1 7,8 35,7 38,2 33,1 IIb Non-Hodgkin- Lymphome 8,2 4,7 3,5 7,8 3,8 4,0 8,1 9,1 7,0 19,6 18,8 20,4 IIc Burkitt-Lymphome 5,5 3,3 2,2 1,0 0,9 0,1 5,4 6,4 4,4 2,5 4,5 0,5 III Tumore des zentralen Nerven­systems 35,8 19,8 16,0 8,3 4,2 4,1 35,2 38,2 32,0 20,9 20,8 20,9 IIIa Ependymome und Plexus-­Chorideus- Tumore 4,3 2,2 2,1 0,7 0,5 0,2 4,2 4,2 4,2 1,8 2,5 1,0 IIIb Astrozytome 11,6 7,6 4,0 2,8 1,2 1,6 11,4 14,7 8,0 7,0 6,0 8,2 IIIc Intracranielle u. intra­ spinale ­embryonale Tumore 10,2 5,0 5,2 1,2 0,9 0,3 10,0 9,6 10,4 3,0 4,5 1,5 IV Neuroblastome und Tumore der peripheren Nerven 14,2 8,0 6,2 0,3 0,3 0,0 14,0 15,4 12,4 0,8 1,5 0,0 IVa Neuroblastome und ­Ganglioneuroblastome 13,8 7,8 6,0 0,1 0,1 0,0 13,6 15,1 12,0 0,3 0,5 0,0 V Retinoblastome 5,6 2,4 3,2 0,0 0,0 0,0 5,5 4,6 6,4 0,0 0,0 0,0 VI Nierentumore 11,1 5,4 5,7 1,3 1,0 0,3 10,9 10,4 11,4 3,3 5,0 1,5 VIa Nephroblastome (inkl. Wilms-­Tumor) 10,2 4,8 5,4 0,2 0,1 0,1 10,0 9,3 10,8 0,5 0,5 0,5 VII Lebertumore 3,5 2,5 1,0 0,1 , 0,1 3,4 4,8 2,0 0,3 0,0 0,5 VIII Knochentumore 11,1 5,9 5,2 8,3 5,4 2,9 10,9 11,4 10,4 20,9 26,8 14,8 VIIIa Osteosarkome 3,7 1,8 1,9 4,4 2,9 1,5 3,6 3,5 3,8 11,1 14,4 7,6 VIIIc Ewing-Sarkome 5,4 3,1 2,3 2,7 1,8 0,9 5,3 6,0 4,6 6,8 8,9 4,6 IX Muskel- und Binde­ gewebstumore 13,4 7,2 6,2 5,9 3,3 2,6 13,2 13,9 12,4 14,8 16,4 13,3 IXa Rhabdomyosarkome 6,7 4,3 2,4 1,5 0,9 0,6 6,6 8,3 4,8 3,8 4,5 3,1 X Keimzelltumore 6,3 2,9 3,4 11,4 9,6 1,8 6,2 5,6 6,8 28,6 47,6 9,2 XI Karzinome (ohne malignes ­Melanom) 8,4 3,5 4,9 21,0 7,2 13,8 8,3 6,8 9,8 52,8 35,7 70,3 XIb Karzinome der Schilddrüse 1,5 0,5 1,0 9,1 2,6 6,5 1,5 1,0 2,0 22,9 12,9 33,1 XII Andere und unspezifi­ sche Tumore 3,5 1,9 1,6 7,5 4,3 3,2 3,4 3,7 3,2 18,8 21,3 16,3 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. – Revidierte Version vom 15.01.2025: Der angegebene Zeitraum in der Überschrift sowie das Datum des Datenstandes waren falsch und wurden nun korrigiert.

  1. Internationale Klassifikation von Kinderkrebserkrankungen, ICCC-3. – 2) Altersstandardisierte Inzidenzraten, jeweils bezogen auf 1 Mio. Kinder, Europäische Standardbevölkerung 2013. – 3) Altersspezifische Inzidenzraten, jeweils bezogen auf 1 Mio. Jugendliche.