Krebserkrankungen
in Österreich
2024
STATISTIK AUSTRIA
Impressum
Rev. 1, 15.01.2025
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in der Überschrift sowie das Datum des Datenstandes korrigiert.
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Print-Publikation: Artikelnummer: 20-1625-24 Verkaufspreis: 35,00 Euro
Wien 2024
Krebserkrankungen in Österreich 2024
Krebserkrankungen in Österreich 2024
Jedes Jahr erkranken etwa 45 000 Menschen in
Österreich an Krebs. Derzeit leben rund 400 000
Personen mit einer Krebsdiagnose – und ihre Zahl
wird in den kommenden Jahren aufgrund des
steigenden Anteils älterer Menschen weiter zu -
nehmen. Krebs ist zudem die zweithäufigste To -
desursache in Österreich. Zugleich spiegeln sich
die Fortschritte in der Diagnostik, in der Pharma -
kologie sowie in der operativen und strahlenthe -
rapeutischen Behandlung onkologischer Erkran -
kungen in den Ergebnissen der Krebsstatistik
wider: Die Überlebenschancen steigen und gehö -
ren mit zu den höchsten in Europa.
Die Grundlage für die jährliche Krebsstatistik bil -
det das Österreichische Nationale Krebsregister.
Es erfasst auf gesetzlicher Grundlage systema -
tisch alle Neuerkrankungen in Österreich und
erlaubt es, Entwicklungen und Trends im Zeitver-
lauf zu verfolgen. Dank der Zusammenarbeit mit
regionalen und klinischen Tumorregistern sowie
den Krankenanstalten werden die Daten konti -
nuierlich aktualisiert und erfüllen höchste Quali -
tätsstandards.
Die vorliegende Broschüre „Krebserkrankungen
in Österreich“ liegt nunmehr in der neunten Aus -
gabe vor. Sie stellt die Entwicklung von 23 aus -
gewählten Krebsarten auf Basis der aktuellen
Maßzahlen zu Inzidenz, Prävalenz, Überleben und
Mortalität dar.
Mit dieser Broschüre trägt Statistik Austria dazu
bei, das Krebsgeschehen in Österreich transpa -
rent zu machen und eine evidenzbasierte Grund -
lage für Forschung, Prävention und gesundheits -
politische Maßnahmen zu liefern. Die Zahlen und
Analysen des Österreichischen Nationalen Krebs -
registers sind dabei nicht nur für Österreich selbst
von Bedeutung, sondern auch ein wichtiger Bei -
trag für die internationale Krebsforschung.
So wie die Versorgung von Krebspatient:innen auf
ein multiprofessionelles Team angewiesen ist, er-
fordert auch die Erstellung und Auswertung der
Krebsstatistik Teamarbeit. Es benötigt nicht nur
die Expertise von Statistik Austria bei der Regis -
terführung und der Erstellung wissenschaftlich
hochwertiger Statistiken und Analysen, sondern
auch Strukturen in den Spitälern, die die Daten -
lieferung ermöglichen und vereinfachen – Stich -
wort Digitalisierung und Interoperabilität –, und
Menschen, die die Krebsfälle präzise dokumentie-
ren. Ihnen möchten wir an dieser Stelle herzlich
für ihren Beitrag zur Qualität des Krebsregisters
und damit auch zur österreichischen Krebsstatis -
tik danken.
Prof. Dr. Tobias Thomas
Fachstatistischer Generaldirektor
von STATISTIK AUSTRIA
Wien, im November 2024
Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Einleitung Ziel der Publikation 6 Das Österreichische Nationale Krebsregister als Datenbasis der Krebsstatistik 6 Historische Wurzeln der Krebsstatistik 7 Strukturierte Datenübermittlung aus regionalen und klinischen Tumorregistern, über Krankenanstaltenträger oder direkt aus der Krankenanstalt 8 Neue Rechtsgrundlage für eine zeitgemäße Krebsregistrierung 8 Onkologiebeirat und das „Nationale Krebsrahmenprogramm Österreich“ 9 Teil A: Ergebnisse im Überblick Krebserkrankungen in Österreich 12 Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen 28 Krebsdiagnosen in einem frühen Erkrankungsstadium – In-situ-Tumore 32 Krebserkrankungen im internationalen Vergleich 34 Teil B: Ergebnisse im Detail Bösartige Neubildungen einzelner Lokalisationen Kopf und Hals (C00–C14) 40 Speiseröhre (C15) 46 Magen (C16) 52 Darm (C18–C21) 58 Leber (C22) 64 Bauchspeicheldrüse (C25) 70 Kehlkopf (C32) 76 Lunge (C33–C34) 82 Melanom (C43) 88 Brust (C50) 94 Gebärmutterhals (C53) 100 Gebärmutterkörper (C54) 106 Eierstock (C56) 112 Prostata (C61) 118 Hoden (C62) 124 Niere (C64) 130 Harnblase (C67) 136 Gehirn (C70–C72) 142 Schilddrüse (C73) 148 Hodgkin-Lymphom (C81) 154 Non-Hodgkin-Lymphom (C82–C86, C96) 160 Plasmozytom und Myelom (C90) 166 Leukämie (C91–C95) 172
Inhaltsverzeichnis Teil C: Weiterführende Informationen Methodische Hinweise 180 Umsetzung der Krebsstatistikverordnung 2019 190 Verwendung der Krebsregisterdaten 192 Glossar 194 Weiterführende Literatur 198 Österreichischer Krebsreport 2023 202
Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Einleitung
6
Einleitung
Ziel der Publikation
Epidemiologische Krebsregister gewährleisten
eine systematische Dokumentation des Krebsge -
schehens einer Bevölkerung und liefern Antwor -
ten auf verschiedene Fragen, wie z. B.:
• Wie viele Personen der österreichischen
Wohnbevölkerung erkranken jährlich an
Brust- oder Prostatakrebs, wie viele an
Lungenkrebs, Darmkrebs oder an malignen
hämatologischen Erkrankungen?
• Wie viele Personen leben mit einer
bestimmten Krebsdiagnose?
• Wie verändern sich Krebssterblichkeit und
Überlebenswahrscheinlichkeiten?
Die vorliegende neunten Auflage der Broschü -
re „Krebserkrankungen in Österreich“ (früher
„Krebsinzidenz und Krebsmortalität in Öster -
reich“) fasst die Ergebnisse der Krebsstatistik bis
zum Diagnosejahr 2022 in kompakter und über -
sichtlicher Form zusammen und liefert damit die
Grundlage zur Beantwortung dieser und weiterer
Fragen. Erkrankungshäufigkeiten und -risiken,
Sterblichkeit, Prävalenz und Überlebenswahr -
scheinlichkeiten werden für alle Malignome zu -
sammen und für 23 ausgewählte Tumorlokalisa -
tionen dargestellt. Die Publikation wendet sich an
Fachleute in Medizin und Forschung ebenso wie
in Gesundheitspolitik und -verwaltung. Sie bietet
aber auch allen interessierten Laien die Möglich -
keit, sich aus erster Hand über die Krebsbelastung
der österreichischen Bevölkerung zu informieren.
Ergänzend zu den in dieser Publikation präsen -
tierten Ergebnissen stehen die kompletten Zeit -
reihen der Krebsinzidenz und -mortalität auf den
Webseiten von Statistik Austria zur Verfügung
(statistik.at > Statistiken > Bevölkerung und Sozia-
les > Gesundheit > Krebserkrankungen). In dieser
Publikation wurden alle altersstandardisierten
Raten anhand der Europäischen Standardbevöl -
kerung 2013 berechnet. Die online verfügbaren
Tabellen enthalten zusätzlich Berechnungen der
altersstandardisierten Inzidenz- und Mortalitäts -
raten unter Verwendung der Weltbevölkerung
nach Segi (1961). Altersstandardisierte Raten
eignen sich besonders für einen zeitlichen oder
regionalen Vergleich der Krebsneuerkrankungen
und der Krebssterbefälle. Diese Maßzahlen be -
rücksichtigen, dass sowohl das Erkrankungs- als
auch das Mortalitätsrisiko mit dem Lebensalter
stark ansteigen und daher in einer Bevölkerung
mit vielen älteren Menschen auch mehr Neuer -
krankungs- und Todesfälle auftreten.
Das Österreichische Nationale Krebsregister als Datenbasis der Krebsstatistik
Das Österreichische Nationale Krebsregister
wird von Statistik Austria geführt. Grundlage für
die Registrierung und Klassifikation der Krebs -
erkrankungen im Österreichischen Nationalen
Krebsregister sind systematische Meldungen
zu Krebsbefunden aus den Krankenanstalten.
Das Österreichische Nationale Krebsregister ist
einzigartig in Österreich, da es auf gesetzlicher
Grundlage Daten zu Krebserkrankungen für ganz
Österreich erfasst und auswertet. Die Bezugsbe -
völkerung sind alle Personen mit Wohnsitz in Ös -
terreich (rund 9 Millionen im Jahresdurchschnitt
2022). Das Resultat steht der Öffentlichkeit als so-
genannte Krebsstatistik zur Verfügung.
Die Krebsstatistik bietet einen umfassenden
Überblick über verschiedene Krebserkrankun -
gen, gegliedert nach verschiedenen Tumorarten
und Merkmalen der erkrankten Personen wie Ge -
schlecht, Alter und Wohnbundesland.
Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Einleitung
7
Die wichtigsten Kennzahlen der Krebsstatistik
sind:
• Inzidenz (Anzahl der neu diagnostizierten
Krebsfälle je Kalenderjahr),
• Mortalität (Anzahl der Krebssterbefälle),
• Prävalenz (Anzahl der mit einer Krebs-
diagnose lebenden Personen) und
• Überlebenswahrscheinlichkeiten von
Krebspatient:innen.
Die Krebsstatistik liefert damit eine Grundlage für
faktenorientierte öffentliche Debatten, die empi -
rische Forschung und evidenzbasierte Entschei -
dungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.
Die Daten sind der Beitrag Österreichs bei inter -
nationalen Vergleichen und zu internationalen
wissenschaftlichen Studien zum Thema Krebs.
Die Führung des Österreichischen Nationalen
Krebsregisters ist eng an internationale Empfeh -
lungen geknüpft. Internationale Vergleichbarkeit
steht bei diesen Empfehlungen der „International
Association of Cancer Registries “ (IACR) und des
„European Network of Cancer Registries “ (ENCR)
im Vordergrund. Im internationalen Vergleich gibt
es nur wenige epidemiologische Register, die eine
vergleichbare oder noch größere Bevölkerung ab-
decken als das Österreichische Nationale Krebs -
register. Es ist seit langer Zeit Mitglied der IACR
und des ENCR. Die Daten des Österreichischen
Krebsregisters sind international anerkannt und
werden seit dem Diagnosejahr 1997 in der Pu -
blikation „ Cancer Incidence in Five Continents
(CI5)“ der „ International Agency for Research on
Cancer“ (IARC) veröffentlicht.
Historische Wurzeln der Krebsstatistik
Durch die Verbesserung der Volksgesundheit und
das Zurückdrängen der Infektionskrankheiten
im vorigen Jahrhundert wurde Krebs zu einer
wesentlichen Todesursache für die Bevölkerung.
In der Zeitschrift „Der Krebsarzt“ aus dem Jahr
1957 beschreiben Kretz und Stur die „Krebskran -
kenstatistik der Österreichischen Krebsgesell -
schaft“ und bezeichnen die Krebsstatistik bereits
als einen etablierten und anerkannten Zweig
der Krebsforschung. Sie wiesen darauf hin, dass
Daten einzelner Ärzte, Abteilungen oder Kranken-
häuser meist zahlenmäßig zu gering sind, um all -
gemeine Probleme zu erkennen, und jedenfalls
eine Auslese darstellen, die möglicherweise das
Ergebnis verfälscht. Daher wurden bereits 1932
statistische Erhebungen durchgeführt, die über
einzelne Abteilungen und Kliniken hinausreich -
ten. 1957 wurde erstmals versucht, die Erhebun -
gen, die bis dahin für einen Großteil der Wiener
Krankenhäuser und in einzelnen Kliniken der
Landeshauptstädte durchgeführt wurden, auf
das gesamte Bundesgebiet auszudehnen: „Diese
Arbeit soll in enger Zusammenarbeit zwischen
dem Österreichischen Zentralamt für Statistik,
als dem berufenen Träger jeder gesamtösterrei -
chischen statistischen Erhebung, mit dem Sozial -
ministerium, als dem Träger der Gesundheitsver -
waltung, und der hieran speziell interessierten
Österreichischen Krebsgesellschaft durchgeführt
werden.“ Die freiwillige Teilnahme der Kranken -
häuser sollte mit einer Vergütung für die ausfer -
tigenden Ärzt:innen von 3,– Schilling für jedes
entsprechend sorgfältig ausgefüllte Krebsmelde -
blatt gekoppelt werden.
Das Österreichische Nationale Krebsregister hat
eine lange Tradition, wie der Artikel von Kretz und
Stur (1957) und das Krebsstatistikgesetz aus dem
Jahr 1969 zeigen, und eine moderne Ausgestal -
tung durch die Krebsstatistikverordnung 2019.
Die stabile, langjährige Kompetenz der Daten -
sammlung wurde durch diese Verordnung auf eine
digitale, moderne Basis gestellt. Seit Jänner 2020
werden Krebsregistermeldungen ausschließlich
elektronisch, strukturiert und entsprechend den
Regeln der Europäischen Datenschutzgrundver -
ordnung von den meldepflichtigen Stellen an Sta-
tistik Austria übermittelt. Die Krebsstatistik ent -
hält neben Informationen zur Krebserkrankung
auch Angaben zu Alter, Geschlecht und Wohnre -
gion der Patient:innen.
Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Einleitung
8
Strukturierte Datenübermittlung aus regionalen und klinischen Tumor-
registern, über Krankenanstaltenträger oder direkt aus der Krankenanstalt
In den vier Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Salz -
burg und Kärnten existieren regionale Tumor -
register, die in enger Zusammenarbeit mit den
Krankenanstalten die Datensammlung und -auf -
bereitung im jeweiligen Bundesland durchfüh -
ren. Als Dienstleister für die Krankenanstalten
verwalten diese regionalen Register die Daten
der Krebspatient:innen und sorgen für die struk -
turierte Übermittlung an Statistik Austria. Die
Datensammlung in den anderen Bundesländern
erfolgt zum Teil ebenfalls über zwischengeschal -
tete Register wie z. B. das klinische Register des
Tumorzentrums Oberösterreich oder das Onko -
logische Informationssystem (das Arbeits- und
Dokumentationstool) der Niederösterreichischen
Landesgesundheitsagentur sowie zum Teil über
den Krankenhausträger wie z. B. die KAGES für
Teile der Steiermark und die KRAGES für Teile des
Burgenlands. In Wien stehen der Wiener Gesund -
heitsverbund und sein IT-Dienstleister, Wien Di -
gital, ihren Krankenanstalten unterstützend zur
Seite. Darüber hinaus bestehen, vor allem für jene
Krankenanstalten, die in keine der oben beschrie-
benen Meldesysteme eingebunden sind, nach
wie vor direkte Kontakte zu Statistik Austria. Je
strukturierter die Dokumentation vor Ort bzw. je
höher das Engagement der beteiligten Personen
und je intensiver die Nutzung der Daten innerhalb
der Krankenanstalt, des Verbunds oder Trägers
ist, desto höher ist die Qualität der an Statistik
Austria gelieferten Daten.
Neue Rechtsgrundlage für eine zeitgemäße Krebsregistrierung
Im Mai 2019 wurde im BGBl. II Nr. 124/2019 die
Krebsstatistikverordnung 2019 veröffentlicht, wel-
che die Vorgaben der europäischen Datenschutz -
grundverordnung (Verordnung (EU) 2016/679 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom
27. April 2016) umsetzt. Sie löste die Verordnung
aus 1978 ab und bildet mit dem Krebsstatistik -
gesetz 1969 die aktuelle Rechtsgrundlage für das
Krebsregister und die Krebsstatistik bei Statistik
Austria.
Damit wurde eine langjährige Forderung von Sta-
tistik Austria erfüllt: Anstelle der Namen der Be -
troffenen werden seither nur noch eindeutige,
nicht rückführbare Pseudonyme verspeichert,
wie dies im E-Government-Gesetz vorgesehen ist.
Die ausschließlich elektronische Übermittlung
der Daten hat auch zu einer Verbesserung der
Qualität der Krebsstatistik geführt und dient da -
mit auch dem strategischen Ziel Nr. 5 des Krebs -
rahmenprogramms 2014 („Hochwertige Daten
und verbesserte evidenzbasierte Information zur
Entscheidungsfindung von Gesunden, Patientin -
nen und Patienten, Leistungserbringern und poli-
tischen Entscheidungsträgern“).
Die wesentlichen Neuerungen umfassen folgende
drei Punkte:
• Krebsregistermeldungen werden ausschließ-
lich elektronisch und strukturiert übermittelt.
• Nutzung des „bereichsspezifischen Personen-
kennzeichens Amtliche Statistik“ (vbPK-AS)
statt Namen und Sozialversicherungsnum-
mer zur Registerführung
• Meldung nach ausreichend gesicherter Erst-
diagnose, Wegfall der Folgemeldungen, Mel-
deverpflichtung im Sterbefall bleibt aufrecht
Von Statistik Austria werden seit dem Jahr 2019
den Respondent:innen drei Möglichkeiten der
Datenmeldung zur Verfügung gestellt: Webfor -
mular via eQuest, Datei-Upload via eQuest, Datei-
Übermittlung via SFTP (für automatisierte Daten-
übertragungen aus Datenbanken).
Weitere Informationen zu den Rechtsgrundlagen
und rund um die Organisation der Krebsregister -
meldung finden Sie auf den Webseiten von Statistik
Austria unter statistik.at/ krebsregistermeldung.
Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Einleitung
9
Seit der Umstellung des Krebsregisters entspre -
chend der Krebsstatistikverordnung 2019 gibt es
im Krebsregister keinen Datensatz mit Namen,
Sozialversicherungsnummer oder Adresse, auch
nicht in den Altbeständen. Bei neu einlangenden
Krebsregistermeldungen werden angelieferte So-
zialversicherungsnummern oder Namen bei der
Einlagerung in die Datenbank durch das bPK-AS
ersetzt.
Melanom und nicht-melanotischer Hautkrebs
Für die Dokumentation der meisten Tumorar -
ten spielt die Einschränkung der Meldepflicht
auf Krankenanstalten keine große Rolle, da die
Tumordiagnose und -behandlung in der Regel in
Spitälern durchgeführt wird – nicht so beim bös -
artigen Melanom. Wie eine Studie von Monshi et
al. (2015) zeigt, wird das bösartige Melanom da -
durch im Österreichischen Nationalen Krebsre -
gister untererfasst.
Für den nicht-melanotischen Hautkrebs (NMSC)
steht der Nutzen der Daten in keinem Verhältnis
zum Aufwand der Erfassung. Daher werden, im
internationalen Einklang, Daten zum nicht-mela -
notischen Hautkrebs (NMSC) nicht publiziert. Bei
Tabellen zur Gesamtkrebsinzidenz wird das mit
dem Hinweis „ohne sonstige bösartige Neubil -
dungen der Haut (C44)“ verdeutlicht.
Onkologiebeirat und das „Nationale Krebsrahmenprogramm Österreich“
Das Bundesministerium für Gesundheit hat im
Oktober 2014 das „Nationale Krebsrahmenpro -
gramm Österreich“ veröffentlicht. Dieses strategi-
sche Papier wurde vom Onkologie-Beirat erarbei-
tet, einem multiprofessionell und interdisziplinär
zusammengesetzten Expertengremium, das die
Bundesministerin für Gesundheit in allen Angele -
genheiten rund um das Thema Krebs berät und in
dem auch Statistik Austria vertreten ist. Durch die
starke evidenzbasierte Ausrichtung des Program-
mes liegt ein Schwerpunkt auf der Datensamm -
lung im Krebsregister: Auf Basis der Vorarbeiten
des Onkologiebeirates wurde im Sommer 2019
die Krebsstatistikverordnung 2019 erlassen. Sie
ist ein wichtiger Meilenstein bei der Modernisie -
rung des Österreichischen Nationalen Krebsregis-
ters. Die Verordnung bildet die Rechtsgrundlage
für die elektronische Datenübermittlung von den
Krankenanstalten an Statistik Austria. Entspre -
chend der europäischen Datenschutzgrundver -
ordnung wurde auch die Pseudonymisierung der
personenbezogenen Daten umgesetzt. Damit
kommt man dem strategischen Ziel Nr. 5 des Ös -
terreichischen Krebsrahmenprogramms, „Hoch -
wertige Daten und verbesserte evidenzbasierte
Information zur Entscheidungsfindung von Ge -
sunden, Patientinnen und Patienten, Leistungser-
bringern und politischen Entscheidungsträgern“,
einen Schritt näher.
Nähere Information dazu können auf der Seite
des Bundesministerium fürs Soziales, Gesund -
heit, Pflege und Konsumentenschutz gefunden
werden: sozialministerium.at > Gesundheit >
Nicht übertragbare Krankheiten > Krebs > Natio -
nales Krebsrahmenprogramm.
Im ersten Teilabschnitt werden die Entwicklungen aller
Krebsneuerkrankungen und Sterbefälle an Krebserkran-
kungen in Österreich dargestellt. Die Verteilung der Krebs-
neuerkrankungen wird nach Bundesländern, Stadium
bei Diagnose, Geschlecht und Alter dargestellt und kurz
kommentiert. Es folgt ein Überblick für die Tumore im
Frühstadium ( In-situ-Tumore). Danach werden speziell die
Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen näher
beleuchtet. Abschließend folgt ein internationaler Vergleich
der Daten zu Krebserkrankungen.
Teil A:
Ergebnisse
im Überblick
Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Krebserkrankungen in Österreich
12
Krebserkrankungen in Österreich
In Österreich erkranken jährlich etwa 45 000 Men-
schen an Krebs. „Krebs“ bezeichnet in dieser Pu -
blikation des Österreichischen Nationalen Krebs -
registers alle bösartigen (malignen), invasiven
Neubildungen einschließlich Lymphomen und
Leukämien. „Hautkrebs“ bezieht sich nur auf das
maligne Melanom, „ non melanoma skin cancer “
zählt nicht zur Krebsinzidenz. In-situ-Tumore wer-
den separat ausgewiesen.
Die zeitliche Entwicklung der Krebserkrankun -
gen lässt sich anhand verschiedener Maßzahlen
und Raten darstellen. Die Krebsinzidenz be -
zieht sich auf Neuerkrankungen pro Kalenderjahr.
Alters spezifische und altersstandardisierte Raten
(Europäische Standardbevölkerung 2013) werden
für die Beschreibung der zeitlichen Entwicklung
und regionaler Unterschiede verwendet.
Die Prävalenz – die Anzahl der Personen, die
zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb
einer bestimmten Periode an Krebs erkrankt und
am Leben sind – wird auf Basis der im Österrei -
chischen Nationalen Krebsregister registrier -
ten Erkrankungsfälle berechnet (Stichtag ist der
31.12.2022).
Um das Überleben nach einer Krebsdiagnose
zu beschreiben, erfolgte ein Follow-up zum Über-
lebensstatus (End of Follow-up 31.12.2023). Die
Ergebnisse werden nach Zeitpunkt bzw. Zeitraum
der Diagnose und Zeitraum der Nachbeobach -
tung sowie Geschlecht, Alter und Tumorstadium
bei Diagnose gegliedert.
Zeitliche Entwicklungen
Im Jahr 2022 wurden in Österreich bei 44 764
Menschen Krebsneuerkrankungen dokumen -
tiert, 24 081 bei Männern und 20 683 bei Frauen.
Bei 11 290 Männern und 9 715 Frauen führte eine
Krebserkrankung im Jahr 2022 zum Tod. Damit
sind Krebserkrankungen für etwa ein Fünftel
(22,5 %) der jährlichen Todesfälle verantwortlich.
Tendenziell gehen aber sowohl das Risiko einer
Neuerkrankung als auch das Sterblichkeitsrisiko
zurück. Zum Jahresende 2022 lebten in Öster -
reich 402 805 Personen mit der Diagnose Krebs.
Im Jahr 2022 gab es etwas weniger Inzidenzfäl -
le als 2021 (45 194 Neuerkrankungen) und um
10,4 % mehr als vor zehn Jahren (40 561 Neu -
erkrankungen). Bei beiden Geschlechtern gab es
geringfügige Änderungen der Zahl an Neuerkran -
kungen von 2021 auf 2022 (Männer: −1,0 %, Frau -
en: −1,3 %); im Vergleich mit 2012 kam es bei den
Männern zu einem Anstieg um 14,3 % und bei den
Frauen um 6,1 %.
In den zehn Jahren bis 2022 ging bei den Männern
die um den Altersstruktureffekt bereinigte Neu -
erkrankungsrate der bösartigen Tumore um 5,1 %
auf 566,7 Fälle pro 100 000 Männer zurück; für die
Altersstandardisierung wurde die Europäische
Standardbevölkerung 2013 verwendet. Ebenso
sank die Krebssterberate im gleichen Zeitraum
um 14,7 %. Auch bei den Frauen lag die alters -
standardisierte Neuerkrankungsrate 2022 unter
den Werten von 2012, die Differenz betrug 6,0 %
(408,8 pro 100 000 Frauen); die Krebssterberate
sank in diesem Zeitraum um 10,9 %. Das Risiko,
bis zum 75. Lebensjahr an Krebs zu erkranken, war
unter Zugrundelegung der altersspezifischen Er -
krankungsverhältnisse von 2022 bei den Männern
1,3-mal so hoch wie bei den Frauen. Das Risiko für
Männer, bis zu ihrem 75. Lebensjahr an einem bös-
artigen Tumor zu erkranken, erreichte 2000 mit
39,8 % seinen höchsten Wert und ging in den dar -
auffolgenden Jahren bis zum aktuellen Diagnose-
jahr 2022 auf 31,6 % zurück. Das Risiko für Frauen,
bis zu ihrem 75. Lebensjahr an einem bösartigen
Tumor zu erkranken, blieb im selben Zeitraum mit
etwa 25 % gleich; 2022 war es 23,7 %.
Krebserkrankungen in Österreich 2024 – Krebserkrankungen in Österreich
13
Entwicklung der Inzidenz und Mortalität
Alle Malignome (C00–C96, ohne C44), 2012 bis 2022
Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. – Altersstandardisierte Raten:
jeweils bezogen auf 100 000 Männer/Frauen, Europäische Standardbevölkerung 2013.
0
100
200
300
400
500
600
700
2012
2014
2016
2018
2020
2022
0 5 000 10 000 15 000 20 000 25 000 30 000 2012 2014 2016 2018 2020 2022
Inzidenz Männer Inzidenz Frauen Mortalität Männer Mortalität Frauen Absolute Zahlen – Inzidenz und Mortalität Altersstandardisierte Raten – Inzidenz und Mortalität Entwicklung der Inzidenz und Mortalität Alle Malignome (C00–C96, ohne C44), 1990 bis 2022 Jahr Inzidenz Mortalität absolute Zahlen altersstandardisierte Raten1 absolute Zahlen altersstandardisierte Raten1 insg. m w insg. m w insg. m w insg. m w 1990 31 294 14 886 16 408 510,7 649,6 441,7 19 226 9 607 9 619 323,6 447,0 258,5 1995 34 498 17 056 17 442 539,6 694,2 458,1 19 072 9 576 9 496 309,4 427,7 247,2 2000 37 606 19 622 17 984 556,7 722,1 455,0 18 693 9 493 9 200 288,0 391,4 230,4 2005 38 329 20 334 17 995 526,4 665,4 432,8 19 075 9 971 9 104 271,5 366,2 214,9 2010 39 687 20 725 18 962 505,8 614,3 431,5 19 672 10 419 9 253 256,2 338,9 204,1 2012 40 561 21 072 19 489 501,8 597,4 434,7 20 178 10 673 9 505 253,7 330,0 205,0 2013 40 196 20 923 19 273 490,0 580,9 425,6 19 982 10 758 9 224 247,7 327,0 196,7 2014 41 431 21 750 19 681 496,3 592,1 428,2 20 392 10 829 9 563 247,2 317,8 200,7 2015 41 925 22 388 19 537 494,9 596,7 420,2 20 209 10 865 9 344 240,9 311,3 193,3 2016 42 686 22 836 19 850 496,8 597,1 422,5 20 060 10 708 9 352 235,2 300,0 191,3 2017 43 042 23 421 19 621 493,0 600,1 411,8 20 148 10 933 9 215 232,4 300,8 185,8 2018 42 552 22 900 19 652 480,3 573,7 408,0 20 431 11 058 9 373 231,8 295,7 186,5 2019 43 640 23 663 19 977 485,3 583,2 409,6 20 406 10 959 9 447 227,4 288,5 185,6 2020 43 114 23 443 19 671 472,8 569,4 397,9 20 816 11 306 9 510 227,8 290,8 183,3 2021 45 194 24 387 20 807 489,5 581,6 417,9 20 549 11 154 9 395 222,5 282,4 180,1 2022 44 764 24 081 20 683 477,6 566,7 408,8 21 005 11 290 9 715 223,4 281,4 182,6 Q: STATISTIK AUSTRIA, Österreichisches Krebsregister (Stand 09.01.2024) und Todesursachenstatistik. – 1) Jeweils bezogen auf 100 000 Männer/Frauen, Europäische Standardbevölkerung 2013.