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Brehms Tierleben, Band 9: Die Insekten, Tausendfüßer und Spinnen

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1) Gemeine Gallapfelweſpe (Cynips folii), 2) Torymus regius, ein Schmarotzer derjelben, 6) jene vergrößerte, 7) ihr durchſchnittene Galle mit der Larve. 3) Galle der Eichenzapfen-Gallweſpe (Cynips gemmae), 4) die Larvenkammer ge— ſchloſſen und geöffnet, 5) letztere vergrößert. Oben links das Viereichenfalterchen (Thecla quercus) mit ſeiner Raupe.

An sonnigen Tagen erfolgt die Paarung, und das befruchtete Weibchen sucht sich möglichst zarte Eichenblätter aus, um mit seinem ziemlich langen, geraden Stachel auf der Unter: seite jener in die Mittelrippe oder die stärkeren Seitenrippen zu stechen und dabei je ein Ei hineinzulegen. Die von ihm beschenkten Blätter sind es, welche im Sommer, namentlich aber im Herbst, uns durch jene rotbäckigen, etwas höckerigen Apfel in die Augen fallen. ü— Sie waren mit der Made in ihrem härteren Mittelpunkte entstanden und reifen mit ihr. Im Herbste kann man beim Offnen die bereits fertige Wespe darin finden, welche sich jedoch meist erst nach dem Winter herausarbeitet. Eingeschrumpfte, noch am Eichenbusche hängende Galläpfel sind von Schmarotzern bewohnt, zu denen unter anderen ein goldgrüner, in verschiedenen Gallen schmarotzender Pteromaline (Torymus regius Ns.) gehört, welcher den schon halbwüchsigen Gallapfel mit seinem langen Bohrer ansticht, wobei sich der Hinterleib in gewaltigem Buckel erhebt und die letzte Bauchschuppe weit klafft (Fig. 2, Abbild. S. 317). Als Einmieter beherbergt unsere Gallwespe drei: Synergus pallicornis und Tschecki, sowie Sapholytus connatus.

Die Cynips longiventris kommt aus erbsengroßen rot und gelb gestreiften Gallen an den Blättern der Stieleiche (Quercus pedunculata), welche durch den Stich des Spathegaster similis erzeugt worden waren, der Geschlechtsform dieser Art.

Wir sehen an demselben Zweiglein, Abbild. S. 317, einen kleinen Zapfen (Fig. 3), in dessen Mittelpunkte die eiförmige Larvenkammer (Fig. 4, 5) sitzt, welche überdies in zwei Längsdurchschnitten, und zwar in natürlicher und übernatürlicher Größe dargestellt ist. Derartige Gallen hat man Innengallen genannt, weil sie sich innerhalb einer eigentümlichen Überwucherung befinden, von welcher sie sich bei der Reife lösen können. Solche zierliche Zapfen sitzen öfters in größerer Menge bei einander an den Spitzen oder in den Blattwinkeln junger Triebe der drei bisher genannten Eichenarten und gehören der

Eichenzapfen-Gallwespe (Cynips gemmae) an, welche anliegend behaarte, daher seidenglänzende Fühler und Beine hat, schwarz aussieht, an den Wurzeln jener und an den Schenkeln dieser braunrot. Sie bedarf sehr langer Zeit zu ihrer Entwickelung. In den Gallen, welche ich als abgefallen im Herbste 1865 aufsuchte, fand ich Mitte Oktober 1867 noch lebende Larven, die nie zur Entwickelung gelangt sind. Bei früheren Zuchtversuchen erhielt ich aus den Gallen nur einen schönen Schmarotzer, den durch prächtigen Metallglanz wie durch zierliche Skulptur feiner Oberfläche gleich ausgezeichneten Ormyrus tubulosus. Die zu dieser Cynips gehörige, in beiden Geschlechtern vorhandene Form heißt Andricus pilosus, so daß also das Weibchen dieser den Grund zu jener schönen Zapfengalle legt.

Es ist bekannt, daß schon die Alten sich eine Gallwespe, jetzt Blastophaga grossorum genannt, zu nutze machten, um saftigere und wohlschmeckendere Feigen zu erlangen; wie man erst neuerdings festgestellt hat, werden fie dadurch auch samentragend. Noch heut: zutage verwendet man große Sorgfalt darauf, die „Kaprifikation“ der Feigen an den ver-edelten Bäumen durch dieses Tier zu bewirken. Es lebt in den wilden männlichen Feigen und ist zu der Zeit, wo diese noch nicht reif sind, Ende Juni vollkommen entwickelt, würde auch noch darin bleiben, wenn man es nicht störte. So aber pflückt man diese Feigen, verbindet je zwei durch einen langen Binsenhalm miteinander und wirft sie mit großem Geschick in möglichst gleichmäßiger Verteilung auf die Zweige der edlen Feigenbäume. Das Austrocknen und Zusammenschrumpfen der wilden Feigen veranlaßt die Insekten auf die edlen Feigen überzugehen und hier eine zweite Brut zu bilden, wodurch die Fruchtknoten gallenartig anschwellen und den Saftreichtum vermehren. Diese Brut geht jedoch zu Grunde, weil die Feigen vor ihrer Entwickelung geerntet werden. Dies gilt von der gemeinen

Feige (Ficus carica), andere Feigenarten werden von anderen Gallwespen in gleicher

Eichenzapfen⸗Gallwespe. Schwamm⸗Gallwespe.

Weise veredelt, wie uns die interessante Arbeit von Dr. G. Mayr: „Feigeninsekten“ (Wien 1885) lehrt. Die Gattung Andricus kommt in beiden Geschlechtern vor. Ihre ungemein zahlreichen Arten gehören zu den kleinsten, haben einen weniger zusammengedrückten Hinterleib als die bisher besprochenen und zu zahlreiche feinere Merkmale, durch welche sie sich von den verwandten unterscheiden, um dieselben hier anführen zu können. Neun Arten derselben sind bisher als geschlechtliche Formen für ebenso viele agame Cynips- (Aphilothrix-) Arten nachgewiesen worden. NkI..V. 1.2. 1) Schwamm-Gallwespe (Teras terminalis) auf alter Schwammgalle, ungeflügelt, darunter auf frischer Galle und geflügelt. 2) Flügellose Wurzelgallwespe (Biorhiza aptera) auf ihrer Galle. 3) Brombeer-Gallwespe (Diastrophus rubi) auf ihrer Galle; 4) eine solche Galle durchschnitten. 5) Synergus facialis bei Gallen von Cynips solitaria. 6) Figites scutellaris. 7) Messerförmige Schmarotzergallwespe (Ibalia cultellator). Alle Gallen und Fig. 7 in natürlicher Größe, Wespen 1—6 vergrößert.

Die Schwamm⸗Gallwespe (Teras terminalis, Fig. 1) kommt aus den nicht immer an den Spitzen, sondern auch an den Seiten der Eichenzweige sitzenden, vielkammerigen, unregelmäßigen Schwammgallen, welche im ersten Frühjahr weiß und rotbäckig, im Alter aber mißfarbig und durchlöchert erscheinen. Die Wespe hat die besondere Eigentümlichkeit, daß neben geflügelten auch ungeflügelte Weibchen, außerdem geflügelte Männchen vorkommen. In der Regel leben die beiden Geschlechter getrennt in den Gallen. Im Juni pflegen sie auszuschlüpfen. Die Flügel haben den Bau wie bei Cynips, auch die Fühler, aber das Schildchen ist niedergedrückt und platt; die Kiefertaster bestehen aus vier, die Lippentaster aus zwei Gliedern. Das Tier ist an der vorderen Hälfte braungelb, an der Wurzel des Hinterleibes braunrot und dahinter schwarzbraun gefärbt, die schmale Bauchschuppe des Weibchens trägt einen langen Haarbüschel. Es sind außer mehreren Synergus-Arten schon 40 Parasiten aus den Gallen erzogen worden, besonders Pteromalinen.

1) Schwamm-Gallweſpe (Teras terminalis) auf alter Schwammgalle, ungeflügelt, darunter auf friſcher Galle und ge— flügelt. 2) Flugelloſe Wurzelgallweſpe (Biorhiza aptera) auf ihrer Galle. 3) Brombeer-Gallweſpe (Diastrophus rubi) auf ihrer Galle; 4) eine ſolche Galle durchſchnitten. 5) Synergus facialis bei Gallen von Cynips solitaria. 6) Figites scutellaris. 7) Meſſerförmige Schmarotzergallweſpe (Ibalia cultellator). Alle Gallen und Fig. 7 in natürlicher ö Größe, Weſpen 1—6 vergrößert.

Auch ein Rüsselkäfer (Balaninus villosus) legt seine Eier in die Galle, damit sich die Larve vom Fleische derselben ernähre. Überdies benutzen noch zahlreiche Insekten anderer Ordnung die alten Gallen, um hier in der Jugend ein Obdach zu finden.

Den Grund zur Schwammgalle hat aber nicht die Teras gelegt, sondern die vom November bis zum Januar lebende, nur im weiblichen Geschlechte vorkommende Biorhiza aptera, Fig. 2, S. 319. Sie ist flügellos, 4,5 mm lang, rötlich braungelb, an der Fühler: geißel etwas dunkler und trägt einen schwärzlichen Gürtel um den stark zusammengedrückten Hinterleib. Das kleine Schildchen tritt kaum hervor und der Mittelleib in der Breite zurück gegen Kopf und Hinterleib. Die Wespe entschlüpft den Gallen, welche die Teras terminalis an den Wurzeln alter Eichen, oft bis 50 em tief unter der Erde angelegt hat. Dieselben sind holzig, unregelmäßig, mehrkammerig, sitzen in grö: ßeren oder geringeren Mengen gedrängt nebeneinander als traubige Mißbildung der Rinde und sind nicht zu verwechseln mit den kartoffelähnlichen, mehrkammerigen Gallen, aus denen Cynips radicis auskriecht.

ES. Die Brombeer-Gallwespe (Diastrophus 5 = rubi, Fig. 3, S. 319) schließt sich bezüglich des Flügelgeäders an Cynips an, auch in der Hinsicht, daß das . erste Glied des wenig zusammengedrückten Hinterleibes I länger als alle anderen ist. Die fadenförmigen Fühler beestehen aus 13—14 Gliedern, beim Männchen auch aus 15. Der ganze Körper ist glänzend schwarz, nur das fast halbkugelige, an der Wurzel zweigrubige Schilda chen unregelmäßig gerunzelt; die Beine find braunrot . - oder heller. Diese gedrungene Gallwespe erzeugt an den Ss Wi Stengeln der Brombeeren starke, oft wunderlich ges

FRA krümmte Anschwellungen, aus denen im April des näcdh-

| N sten Jahres die Wespchen massenhaft hervorkommen, ein

jedes aus seinem Flugloche. — Eine andere Art, die

Gundermann-Gallwespe (Diastrophus glecho⸗ Gemeine a Gallwespe (Rhadites rosae), vergrößert, und ihre Galle. mae), ist am vorderen Brustringe behaart, am Mittelbrustringe fein gerunzelt, am Schildchen längsrunzelig, also entschieden weniger glänzend als die vorige Art, von welcher sie sich in der Färbung nicht unterscheidet. Sie erzeugt an dem Gundermann (Glechoma hederacea) schön rot gefärbte kugelige, einkammerige Gallen mehr fleischiger Natur.

Die gemeine Rosen-Gallwespe (Rhodites rosae) und ihre wenigen Gattungsgenossen verbinden, wenn der Bau der Vorderflügel in Betracht kommt, die beiden oben erwähnten Formen miteinander, insofern eine breite dreieckige Randzelle und gleichzeitig eine dreieckige, unter ihrer Wurzel stehende zweite Unterrandzelle norkommen. Die fadenförmigen Fühler haben 16 walzige Glieder. Der Kopf ist breiter als der Mittelleib und nicht so tief herabgedrückt an diesem, wie bei Cynips, welcher Gattung diese hinsichtlich der allgemeinen Körperform nahe steht. Der ganze Hinterleib mit Ausnahme seiner Spitze und die Beine sind braunrot, alles übrige schwarz, beim Männchen auch der größte Teil des Hinterleibes. Die letzte Bauchschuppe des Weibchens klafft wie ein langer, spitzer Schnabel. Männchen kommen zwar vor, aber sehr einzeln, und es ist bei dieser Art auch bereits Parthenogenesis festgestellt worden. Die genannte Art bringt an den wilden Rosen

Gemeine a Gallweſpe (Rhadites

ausnahmsweise auch an den Zentifolien der Gärten, die zottigen „Rosenkönige, Schlafäpfel, Bedeguar“ hervor. Vorzeiten schrieb man diesen vielkammerigen Gallen heilende Kräfte zu und legte sie z. B. in ihrer natürlichen Gestalt zur Beruhigung schlecht schlafender Kinder unter das Kopfkissen, oder gab sie in Pulverform denselben gegen Würmer, Ruhr ꝛc. ein, weshalb fie eine gewisse Berühmtheit erlangt haben. Im Herbst ist die Galle reif, aber erst im nächsten Frühjahr arbeiten sich nicht nur die Wespen, sondern häufig auch noch andere Bewohner daraus hervor, wie die Einmieter (Aulax Brandti) und Arten der mehrfach erwähnten Gattung Synergus, besonders aber Schlupfwespen aus den Familien der Pteromalinen und Braconiden; es sind etwa ihrer 20 zusammen, von denen die einen vor, andere nach und noch andere gleichzeitig mit dem rechtmäßigen Bewohner erscheinen. — Eine andere Rosengallwespe verursacht an der Unterseite der Blätter, aber auch anderwärts, kugelige, harte Gallen meist von Erbsengröße und darunter und heißt Rhodites Eglanteriae. Dieselbe ist der vorigen sehr ähnlich, hat aber hellere Flügel, statt des Dreieckes der zweiten Unterrandzelle nur ein Pünktchen und lichteres Rot am Körper; auch ihr fehlt es nicht an Schmarotzern. Noch ein paar andere Arten leben unter den gleichen Verhältnissen an den Rosen, und man muß daher genau prüfen, wenn man sich vor Verwechselungen sichern will. Wir können unmöglich weitere Gallen und ihre Erzeuger vorführen, sondern müssen hinsichtlich der an Eichen vorkommenden auf die bereits erwähnte Arbeit verweisen.

Aus der Sippe der After-Gallwespen oder Einmieter sei nur hier noch einmal der Gattungen Synergus und Aulax gedacht, deren beider Flügelgeäder der zweiten Form angehört, wo zwei Unterrandzellen, die erste und dritte, vorhanden sind, zwischen welche sich die dreieckige, breite Randzelle einschiebt. Der schwach zusammengedrückte Hinterleib ist mit dem Brustkasten durch ein kurzes, geschwollenes Stielchen verbunden, welches sich bei Synergus durch Längsriefen vor dem glatten der Aulax-Arten auszeichnet; jene Gattung hat zweigliederige Lippentaster mit einem großen Anhang am Ende, dieser Gattung fehlt derselbe. Bei Aulax unterscheiden sich die Geißelglieder untereinander nicht in der Länge, sondern die fadenförmigen Fühler bestehen aus 13—14 Gliedern beim Weibchen, 15—16 beim Männchen. Der Synergus facialis lebt als Einmieter in der Galle von Cynips solitaria, bei Cynips glutinosa, albopunctata, Teras terminalis, Spathegaster baccarum, tricolor und anderen, und erscheint noch in demselben Jahre, in welchem sich die Galle gebildet hat. Er ist glänzend schwarz, an den Fühlern, am Kopfe mit Ausnahme der Stirn und des Scheitels, und an den Beinen scherbengelb und 1,3— 2,86 mm lang.

| Nicht alle Aulax-Arten find übrigens Einmieter, sondern es gibt auch echte Gallwespen unter ihnen, die nie an der Eiche, wohl aber am Habichtskraut (Aulax Hieracii

und Sabaudi), am Fingerkraut (Aulax Potentillae), wo überall Stengelanschwellungen durch fie entstehen, am Mohne (Aulax Rhoeadis), und zwar in dessen Kapseln, leben.

Während die bis her besprochenen Arten auch noch viele andere ihnen nahestehende Gallen bewohnen, solche selbst erzeugend, oder als Einmieter sich wenigstens von ihren Wucherungen ernährend, sind die noch übrigen Gallwespen Schmarotzer-Gallwespen, d. h. sie stehen nur in Hinsicht ihres Körperbaues den Gallwespen nahe genug, um mit ihnen verbunden werden zu können, haben aber mit den Gallen nichts gemein und entwickeln sich vollkommen in der Weise wie die Schlupfwespen in den Körpern anderer Insekten. So beispielsweise die 40 kleinen Arten der Gattung Allotria in Blattläusen. Hinsichtlich der Gestalt stimmen sie mit voriger Gruppe überein: der kurze, fast runde Körper, der sitzende oder kaum gestielte, im ersten Gliede eigentlich allein vertretene Hinterleib und

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