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Brehms Tierleben, Band 9: Die Insekten, Tausendfüßer und Spinnen

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Gemeine Wegweſpe (Pompilus viaticus), 1) zwei Männchen, 2) zwei Weibchen. 3) Maurer-Spinnentöter (Pelopoeus destillatorius), zwei Männchen. 4) Bunter Bienenwolf (Philanthus triangulum) mit einer Hausbiene. Alles natürliche Größe.

vorigen Gattung. — Sehr ähnlich ist Agenia, nur hat der Hinterleib einen kaum bemerkbaren Stiel, und der Sägerand fehlt den Hinterschienen. Die Weibchen bauen in Sand, an Lehmwände, hinter Baumrinde ꝛc. eine Anzahl tonnenförmiger Zellen, welche aus lauter kleinen Lehmklümpchen zusammengeleimt werden, wie die hier dargestellten Zellen unserer Agenia punctum (Fig. 5, S. 296) zeigen, welche ich mehrfach hinter Rindenstücken an schadhaften Stellen der Baumstämme aufgefunden habe. Eine jede wird für die Larve mit einer mäßig großen Spinne versorgt, der vorher die Beine abgebissen worden sind. Gueinzius entwirft von einer Art, der 19 mm messenden Agenia domestica, wie ich sie genannt habe, ein sehr friedliches Bild, indem er schreibt: „Von allen mir bekannten ist dieses Hymonopteron das zutraulichste und eine gewisse Anhänglichkeit an den Menschen bethätigende. An verschiedenen Orten, wo ich jahrelang in der Nähe von Waldungen wohnte, hatte ich jeden Sommer immer einige Stücke in meinem Zimmer. Stand ich in der Thür und die Sonne fiel auf meine Beinkleider, so erschien die Wespe, um sich daselbst mit gespreizten Beinen zu sonnen, spazierte gemächlich an den Feniter-scheiben auf und nieder, oder schnurrte neben mir so lange an den Fenstern herum, bis ich sie hinausließ. Hatte ich ein Buch in der Hand und die Sonne fiel auf dasselbe, so setzte sich gleich eine Wespe breitbeinig darauf. Anhauchen schien ihr nur zu gefallen, und wegblasen ließ sie sich auch nicht, kam wenigstens gleich wieder und kletterte am Arme empor, setzte sich inden Bart, auf den Mund; Blasen mit demselben erschreckte sie nicht, und ans Stechen dachte sie nie. So wurde mir diese Wespe durch ihre allzugroße Zudringlichkeit öfters lästig. Hatten die Tierchen sich draußen des letzten Sonnenstrahles erfreut, so krochen sie durch ein verstecktes Loch im Fensterrahmen in das Zimmer und suchten hier ihre Verstecke auf. Diese Art baut Zellen von Erde unter Kisten oder in Kasten, auch in beutelförmige Vogelnester; die Zellen sind weniger nett und regelmäßig, auch nicht überkleidet. Als Nahrung für die Brut werden nur graue Wolfsspinnen eingetragen.“

In heißen Ländern leben auf ähnliche Weise noch außerordentlich stattliche, bis 52 mm messende Arten, die auf eine Reihe anderer Gattungen verteilt worden sind, hier aber nicht weiter erörtert werden können.

Unter dem Namen der Grab: oder Mordwespen (Sphegidae, Crabronea) ver: einigen wir alle diejenigen Raubwespen zu einer Familie, bei welchen der Hinterrand des Vorderrückens aufhört, ehe er die Flügelwurzel erreicht hat, und nicht selten gegen den Mittelrücken etwas eingeschnürt erscheint. Die hierher gehörigen Tiere stimmen weder in Körpertracht, noch in Färbung so miteinander überein, wie die vorigen Familienglieder unter sich, vielmehr gibt ihnen der gestielte, oft sehr lang gestielte, aber auch anhangende Hinterleib das verschiedenartigste Ansehen. Viele tragen sich einfarbig schwarz, schwarz und rot, vorherrschend gelb; den meisten jedoch sind lebhaft gelbe, seltener weiße Zeichnungen auf glänzend schwarzem Grunde eigen, welche selbst bei einer und derselben Art mannigfaltig wechseln. So wirken Gestalt, Farben und deren Verteilung sowie Lebendigkeit in den Bewegungen in ihrer Vereinigung dahin, diese vielgestaltigen Tiere zu den zierlichsten und anmutigsten Erscheinungen werden zu lassen. Sie breiten sich über die ganze Erdoberfläche aus und sind gegenwärtig in etwa 1200 Arten bekannt.

Entsprechend einigen ausländischen Gattungen der Wegwespen weist die alte Gattung Sphex, welche vorzugsweise die wärmeren Länder bewohnt, die Achtung gebietenden Formen und die Riesen für diese Famlie auf. Aber längst ist dieselbe zerfallen; denn es ging

bei dem Reichtum der Formen nicht mehr an, unter einem Namen alles zu vereinigen, was Vater Linné weiland mit seinen wenigen Arten sich erlauben konnte. Nach der Form des stets gestielten Hinterleibes, nach der Verschiedenheit der Rand- und der drei geschlossenen Unterrandzellen, besonders nach der Aufnahme der rücklaufenden Adern in dieselben, nach der Bildung der Fußklauen und nach manchem anderen Merkmale, welches bisweilen in das Kleinliche geht, wurden eine Menge von Gattungen geschaffen, von denen nur wenige und von diesen meist nur die unansehnlichsten in Europa zu Hause find. Neuer: dings hat F. F. Kohl in Wien in seiner Bearbeitung der „Hymenopterengruppe der Spheeinen“ eine Anzahl jener Gattungen wieder eingezogen.

Die Raupentöter (Sphex) umfassen diejenigen Arten mit einfachem glatten Hinterleibsstiele, deren zweite und dritte Unterrandzelle des Vorderflügels je eine rücklaufende Ader aufnimmt, deren Hinterschienen bestachelt und deren Klauen ein- bis fünfzähnig sind. Die eine Art (Sphex maxillosus) scheint in Europa am weitesten nach Norden vorzukommen. Von zwei anderen, südlicheren Arten, dem gelbflügeligen Raupentöter (Sphex flavipennis) und dem weißdurchschnittenen (Sphex albisectus), ver: danken wir Fabre interessante Beobachtungen.

Jene trägt gewöhnlich vier Grillen in ihr Nest, diese macht Jagd auf Feldheuschrecken aus der Gattung Oedipoda. Eine jede stürzt auf ihr Opfer und sucht dessen Brustseite zu erlangen. Da setzt es heftige Balgereien; denn so ein kräftiger Dickschenkel, wie jene sind, ergibt sich nicht ohne Gegenwehr und strampelt, solange es gehen will. Nicht immer läßt er sich werfen, hat ihn aber erst der Sphex unter sich, jo tritt er mit den Border: beinen auf die ermüdeten Hinterschenkel des Gegners, stemmt seine Hinterfüße gegen dessen Kopf und führt nun zwei sichere, Gift entsendende Stiche. Der erste trifft den Hals, der zweite die Verbindungsstelle zwischen Vorder- und Mittelbrust. Jetzt ist es um den Grashüpfer geschehen, er kann nicht leben und nicht sterben, aber er ist willenlos. Mühsam schleift ihn der Sphex nach seiner Erdhöhle, legt ihn davor nieder, um sich erst zu überzeugen, ob auch alles darin in Ordnung sei. Fabre nahm ein und derselben Wespe während ihrer Abwesenheit den Raub 40mal weg, um ihn in weiterer Entfernung wieder hinzulegen, und 40mal holte sie sich ihn wieder, untersuchte aber jedesmal von neuem den Bau, bevor sie sich anschickte, die Beute hineinzuschaffen. Das Ei wird von dem Sphex flavipennis zwischen das erste und zweite Fußpaar an die Brust der Grille gelegt. Hier frißt sich die Larve ein und zehrt in 6—7 Tagen das Innere vollständig auf; die Chitinbedeckung bleibt fast unversehrt zurück. Durch die nämliche Offnung geht jetzt die 13 mm lange Larve heraus und greift in der Regel am weichen Hinterleib die zweite Grille an, bald die dritte und endlich die vierte, welche in ungefähr 10 Stunden verzehrt ist. Nun mißt die erwachsene Larve 26—30,5 mm, spinnt sich in zweimal 24 Stunden ein, das Gehäuse im Inneren mit den Auswürfen ausstreichend und dadurch beinahe wasserdicht machend. Hier liegt sie regungslos vom September bis zum Juli des folgenden Jahres, dann erst wird fie zur Puppe, aus welcher in der kürzesten Zeit der Raupen: töter ausschlüpft.

Genau von derselben Gestalt sind die Spinnentöter (Pelopoeus oder Sceliphron) und von den vorigen nur dadurch unterschieden, daß die zweite Unterrandzelle im Vorderflügel beide rücklaufenden Adern aufnimmt und die Hinterschienen unbewehrt sind; die

Klauen haben nur einen Zahn. Der Maurer⸗Spinnentöter (Pelopoeus destillatorius, Fig. 3, S. 297), ein Bewohner der Mittelmeerländer, der auch einmal bei Hannover gefangen sein soll, ist glänzend schwarz, der lange Hinterleibsstiel, die Flügelschüppchen, das Hinterschildchen, der Fühlerschaft und die Beine von den Schenkeln an abwärts sind gelb, mit Ausnahme der schwarzen Schenkel- und Schienenspitzen an den Hinterbeinen.

Eversmann fand an einem Felsvorsprung des Uralgebirges das Nest als unregelmäßigen, etwas nierenförmigen Erdklumpen angeklebt. Im Inneren enthielt es ungefähr 14 längliche Zellen neben- und übereinander, eine jede mit 10 Stück der selten aufzufindenden Spinnen: art Tomisus citricus. Von einer anderen, außerordentlich ähnlichen Art, wenn es über haupt eine andere Art ist (Pelopoeus spirifex), und nur durch ganz schwarze Fühler und ganz schwarzen Mittelleib von der vorigen zu unterscheiden, liegen mir mehrere Wespen aus dem südlichen Europa, aus Port Natal, und auch einige Nester aus dem letztgenannten Lande vor. Das Nest gleicht sehr dem unserer Maurerbiene (S. 247), und seine Zellen werden gleichfalls mit Spinnen versorgt. Eine dritte, wiederum ungemein nahestehende Art aus Port Natal baut ihre Zellen von frischem Kuhdünger und hängt sie einzeln oder zu zweien an Binsenhalmen auf. Ihr Landsmann, der blaue Spinnentöter (Pelopoeus chalybeus), legt das Nest in hohlen Bambusstengeln auf den Dächern der Häuser an und bedient sich zur Anfertigung der Scheidewände, welche die Zellen trennen, der Auswürfe von Vögeln, die er von den Blättern abschabt und mit Speichel vermischt.

Der pfeifende Spinnentöter (Pelopoeus fistularius), zu erkennen am schwarzen Hinterleibsstiele, an sechs gelben Flecken, welche den Hinterrücken verzieren und zum Teil bis nach den Seiten des Mittelrückens vorreichen, und an den schwach angeräucherten Flügeln, lebt in Südamerika und fertigt einzelne Zellen aus Thon in der Länge von 52 mm und von der Form eines Eies. Mit schwirrendem Tone, einer Art von Triumph: gesang, bringt das Weibchen, wie auch bei den übrigen Arten, den Baustoff herbei, setzt ihn an, glättet mit Kinnbacken und Unterlippe die bildsame Masse, lustig dabei seinen Gesang fortsetzend, betastet von außen und innen mit den Beinen die ganze Wand und — verschwindet. Meist hat, trotz der darauf fallenden Sonnenstrahlen, das neu angelegte Stückchen noch nicht einmal die Farbe des trocknen Teiles, so ist die Wespe schon wieder mit neuem Thone da. Die fertige Zelle pfropft sie voll mit einer kleinen Spinne aus der Gattung Castra und schließt sie dann. Als Bates während seiner Streifzüge am Amazonenstrom mit seinem Kanye 8 Tage an einer Stelle hielt, hatte eine dieser Wespen an einem Kastengriff in der Kajütte ihren Bau begonnen und war gerade fertig geworden, als sich die Gesellschaft auf ihrem Fahrzeug wieder in Bewegung setzte. So zutraulich und furchtlos sie sich bisher auch gezeigt hatte, so kam sie doch nicht wieder, obschon langsam am Ufer hingefahren wurde.

Für Deutschland und den höheren Norden Europas vertreten zwei Arten, die rauhe und gemeine Sandwespe, die größeren Specinen, von denen sie sich hauptsächlich durch die ungezähnten Fußklauen unterscheiden. Die rauhe Sandwespe (Psammophila hirsuta) ist 19,5 mm lang, hat einen dreimal kürzeren Hinterleibsstiel als der Maurer: Spinnentöter und ist bis auf die braunrote Hinterleibswurzel schwarz gefärbt, an Beinen und an der vorderen Körperhälfte zottig und schwarz behaart, vorzugsweise am grob gerunzelten Hinterrücken. Den ganzen Sommer hindurch treiben sich diese Wespen an sandigen Stellen umher und suchen, wenn sie hungrig sind, blühende Blumen und mit Blattläusen besetzte Sträucher auf. Bei ihren Balgereien setzt sich eine auf die andere und beißt sie in den Nacken; auch kommt wohl eine dritte und vierte hinzu, und so entsteht ein Knäuel, welcher sich auf dem Boden wälzt und sich endlich wieder auflöst. Ob bloße Kurzweil, ob Eifersucht und ernstliche Zänkereien solchen Auftritten zu Grunde liegen, wer soll es erraten? Die Lebensweise dieser Wespen unterscheidet sich in nichts von der in der Regel noch häufigeren, mit ihr untermischt vorkommenden gemeinen Sandwespe (Ammophila sabulosa). Wir sehen sie in nebenstehender Abbildung, und zwar die eine mit der drohend emporgerichteten Keule ihres Hinterleibes, eine Stellung, welche sie bei ihren Spaziergängen

sehr gern annehmen. Das erste Glied jener ist dünn und walzig, das fast ebenso lange zweite verdickt sich etwas nach hinten, und erst dann nimmt der Umfang bis zum fünften merklich zu, von wo ab eine schnelle Verjüngung nach der Spitze erfolgt. Mit einem Worte, der Hinterleibsstiel ist hier zweigliederig, sonst, besonders in der Bildung der Klauen und Flügel, welche ruhend dem Körper platt aufliegen und nur bis zum Ende des Stieles reichen, wiederholen sich die Merkmale von Psammophila. Mit Ausnahme der bleichroten Hinterleibswurzel herrscht auch hier die schwarze Farbe vor, jedoch an den Seiten des Brustkastens bildet kurzes Haar abreibbare Silberflecke. Ein schmales, silberbehaartes Kopfschild unterscheidet das Männchen leicht vom Weibchen, bei welchem jenes breiter und kahl ist.

Man trifft diese Sandwespe den ganzen Sommer hindurch an und, wie es scheint, immer lustig und guter Dinge, bald geschäftig auf dem Boden umherschnüffelnd, bald

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Ara / 0 Si \ A RN RD NN =Sf Wil Dun os SS NN

  1. und 2) Gemeine Sandwespe (Ammophila sabulosa). 3) Männchen der gekielten Siebwespe (Crabro striatus).

bedacht für ihr Wohl auf blühenden Brombeersträuchern oder an anderen Honigquellen. Stundenlang wird man von diesen Tieren gefesselt und kann sich nicht müde sehen an dem geschäftigen Treiben und den eigentümlichen Gewohnheiten der kecken Gesellen, zumal wenn sie in Masse nebeneinander wohnen und geschäftig ab- und zufliegen. Nach Morgen gelegene, verfallene Abhänge eines sandigen Grabens und ähnliche, aber immer offene Stellen wählen sie besonders aus, um ihre Nester anzulegen. Wie ein Hund, welcher ein Loch in die Erde scharrt, so wirft die um die Nachkommenschaft besorgte Wespenmutter mit den Vorderbeinen den Sand zwischen ihren übrigen Beinen und unter dem Körper in einer Hast hinter sich, daß leichte Staubwölkchen um sie aufwirbeln, und summt dabei in hohem Tone ein lustiges Liedchen. Hört man diesen eigentümlichen Ton, so kann man sicher darauf rechnen, die Wespe bei dieser Beschäftigung anzutreffen. Häuft sich der Sand beim weiteren Vorrücken in das Innere zu sehr hinter dem Loche an, so stellt sie sich darauf und fegt unter Staubwirbeln den ganzen Haufen auseinander. Kleine Steinchen, an denen es auf solchem Boden nicht zu fehlen pflegt, und der feuchte Sand werden zwischen Kopf und Vorderfüße geklemmt und herausgetragen. Die Wespe kommt rückwärts aus dem Loche hervor, nimmt fliegend einen kleinen Satz abseits von diesem und läßt ihre Bürde fallen. In demselben Augenblick ist sie auch schon wieder in der Erde ver—

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