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Brehms Tierleben, Band 9: Die Insekten, Tausendfüßer und Spinnen

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game des großen Pappelbockes. Natürliche Größe.
Pergröbert 8

eines bewohnten Stämmchens oder Astchens von schwarzen Röhren in der Längsrichtung || durchsetzt ist, in deren Folge der Ast meist abstirbt, weil in der Regel eine größere Menge von Larven Wohnung in ihm genommen hat. Wegen der untergeordneten Bedeutung der Aspen für den Forst werden die Wirkungen dieser Larve weniger empfindlich als die der vorigen, für das Aspenbüschchen als solchen treten sie aber entschieden verderblicher auf.

Die Walzenböcke breiten sich hauptsächlich über Europa und Nordamerika aus und umfassen noch eine Reihe zierlicher und weit schmächtigerer Formen, deren viele im Larvenstande auch andere als Holzgewächse bewohnen. Ihnen eng und in der Körpertracht nicht | unterscheidbar schließt sich die Lacordairesche letzte Sippe, der Phytoecidae, an, von voriger | nur durch die Klauenbildung unterschieden. Während nämlich bei allen bis her besprochenen und ihnen sonst noch angehörenden Spitzböcken die Fußklauen einfach sind und entweder gleich von ihrer Wurzel an einen rechten Winkel mit dem Klauengliede bilden, so daß beide zusammen an ihrem Innenrande einen Halbkreis darstellen, welcher unter einem rechten Winkel dem Klauengliede als dessen Stiel angefügt ist, oder an der Wurzel nebeneinander stehen und sich allmählich voneinander entfernen, haben sie hier die zuerst erörterte Lage; jede Klaue trägt aber an ihrer Wurzel ein Anhängsel und erscheint hier gelappt oder gespalten, je nachdem der Anhang breit und stumpf oder spitz und mit der Kralle in gleicher Richtung noch ein Stück fortgesetzt ist.

Statt aller hierher gehörigen Böcke sei nur das Haselböckchen (Oberea linearis) erwähnt. Es ist sehr gestreckt, fast vollkommen walzig, indem die Flügeldecken das Halsschild kaum überragen, am ganzen Körper schwarz und schwach behaart, nur an den Beinen, den Tastern und einem Flecke unter der Schulter wachsgelb. Die fadenförmigen Fühler erreichen die Körperlänge nicht, und die netzartig punktgrubigen Flügeldecken sind an der Spitze schräg nach innen abgestutzt. Die Länge beträgt 13,5 mm bei reichlich 25 mm Schulterbreite.

Das schlanke Tierchen lebt im Mai und Juni an Haselnußsträuchern und umschwärmt dieselben lebhaft bei Sonnenschein, wobei die Geschlechter sich aufsuchen. Das Weibchen klebt etwa 15 cm unter der Spitze eines jungen Triebes ein Ei an. Die diesem entschlüpfte Larve bohrt sich sofort in das weiche Holz ein und ernährt sich, abwärts fressend, vom Marke. Das frühere Welken der Blätter verrät ihre Gegenwart. Nach der Überwinterung dringt sie weiter und gelangt manchmal bis in das dreijährige Holz, um sich nach der zweiten Überwinterung am Ende ihrer Fraßröhre zu verpuppen. Sie ist wachsgelb, fußlos, schwach behaart und hat auf dem Rücken des ersten und breitesten Körperringes ein viereckiges Chitinschild und starke Wärzchen hinter demselben. Durch ein Flugloch arbeitet sich der Käfer heraus, nachdem seine Larve den ganzen Trieb über dem Flugloche getötet hat. Im botanischen Garten zu Halle lebte dieselbe Larve in gleicher Weise in der gemeinen Hopfenhainbuche (Ostrya vulgaris).

Die Samenkäfer, Muffelkäfer (Bruchidae) sind kleine ovale, oben weniger als unten gewölbte Käferchen, welche durch ihre Lebensweise und die Gestalt der Larven den Rüsselkäfern nahe stehen, mit ihnen auch verbunden gewesen sind, aber doch der Eigentümlichkeiten zu viele besitzen, um eine Vereinigung ferner zu gestatten. Ihr abwärts gerichteter Kopf verengert sich hinter den großen, nierenförmigen Augen unbedeutend halsartig und verlängert sich vorn in eine Schnauze, wie bei manchen der früher erwähnten Familien, nicht in einen eigentlichen Rüssel. Die kräftigen, öfters gezahnten, auch wohl gekämmten, nicht geknieten Fühler bestehen aus elf Gliedern und sitzen frei, d. h. ohne Grube, in der Regel unmittelbar vor den Augen. Die Vorderhüften stimmen nicht bei

allen überein, sind bei Bruchus keilförmig, nach hinten einander genähert und anliegend, die mittleren fast kugelig, die hintersten sehr quer und sich nahe gerückt, die Schenkel zusammengedrückt und breit; die Schienen laufen in einen Haken aus, und die Klauen der vierzehigen Füße tragen Anhängsel. Von den fünf Bauchringen übertrifft der vorn meist in eine Spitze ausgezogene erste die übrigen an Länge; der Steiß ist in großer Ausdehnung sichtbar. Abgesehen von der Bildung der Mundteile und Fühler sowie von der Deutlichkeit des dritten Fußgliedes, zeigen die Genossen dieser Familie viel Übereinstimmung mit den Maulkäfern und große Gleichförmigkeit unter sich. Sie verbreiten sich in mehr denn 400 Arten über alle Erdteile, vorzugsweise über Amerika und Europa, und weil die bisher bekannt gewordenen Larven von Samenkörnern, besonders der Schmetterlingsblümler, leben, so hat man ihnen obigen deutschen Namen beigelegt.

Der Erbsenkäfer (Bruchus pisi; Abbild. S. 190, Fig. 1) ist schwarz, dicht mit graugelblichen und weißen, anliegenden Haaren bekleidet, am Halsschilde in der Mitte jeder Seite mit einem durch die Behaarung versteckten Zähnchen versehen; die Flügeldecken zieren gegen die einzeln breit abgerundete Spitze je eine aus weißen Fleckchen zusammengesetzte Querbinde, der Steiß trägt zwei eiförmige, von Behaarung frei bleibende, schwarze Flecke. Die vier ersten Glieder der keulenförmigen Fühler sind rotgelb, die vorderen Schenkel ganz schwarz, die vordersten Schienen und Fußglieder, die mittleren Schienen an der Spitze und ihre Fußglieder rotgelb; die Hinterschenkel bewehrt unterhalb und nahe der Spitze ein kräftiger Zahn. Dieser Käfer scheint in Nordamerika und im südlichen Deutschland gemeiner und bisweilen den Erbsen nachteiliger zu werden als anderwärts. Im Frühjahr, bis spätestens Anfang Mai, kommt er durch ein kreisrundes Loch, welches immer senkrecht in die Samenlappen hineinführt, aus den irgendwo aufgeschütteten Erbsen zum Vorschein, liegt wie tot zwischen denselben oder auf dem Boden, wenn das Wetter kühler, läuft emsig umher oder fliegt nach den Fenstern, wenn ihn die Sonne bescheint. Sobald die Erbsen draußen in der besten Blüte stehen, stellen sich die Käfer auf ihnen ein, sei es nun, daß sie mit der Aussaat dahin gelangt, sei es, daß sie von den Vorratsräumen dahin geflogen sind. Sie paaren sich, und das Weibchen klebt einige wenige Eier an die sehr junge Hülse, will sagen, an den durch das Abblühen eben sichtbar gewordenen Fruchtknoten, in der Regel eins an einen solchen; dieselben sind walzig, viermal länger als breit, an beiden Enden gerundet und zitronengelb. Ist das Brutgeschäft vollendet, welches natürlich immer einige Zeit in Anspruch nimmt, besonders wenn es durch mehrere Regentage unterbrochen wird, jo hat das Weibchen seine Bestimmung erfüllt und stirbt. Die jungen Lärvchen fressen sich in die Hülse ein und suchen die Erbsen auf, von deren Entwickelung es abhängt, ob eine Larve mehr als eine braucht oder mit einer zufrieden ist. War diese kräftig genug, um durch Verletzung der Larve in ihrem Wachstum sich nicht stören zu lassen,so gedeihen beide miteinander, und die eine Erbse genügt dem kleinen Tiere bis zu seiner Vollendung; war dagegen die Erbse zu schwach, als die Larve sich ihrer bemächtigte, so bedarf letztere noch einer zweiten, in welche sie sich zeitig genug einbohrte, so daß die Eingangsstelle noch vollkommen vernarben konnte; eine zweite Hülse sucht sie nicht auf. Mit den reifen Erbsen wird die Mehrzahl derselben noch im Larvenzustande eingeerntet, anderseits darf man annehmen, daß in jeder bewohnten Erbse vor Eintritt des Winters der Käfer fertig ist; mir wenigstens scheint die Behauptung nicht richtig, daß während dieser Jahreszeit die Larve noch fresse. Bei Offnung der in der Mitte des Februar 1875 aus der Olmützer Gegend mir zugeschickten Erbsen fanden sich vereinzelt eingetrocknete Larven, sehr wenige unvollkommen entwickelte und abgestorbene Käfer; aus der weitaus größten Mehrzahl spazierte alsbald ein Erbsenkäfer hervor, kroch lebhaft umher, flog bei Sonnenschein nach dem Fenster und zeigte überhaupt große Freude über seine Befreiung.

Der Bohnenkäfer (Bruchus rufimanus, Fig. 2) ist dem vorigen sehr ähnlich und nur durch ein verhältnismäßig längeres Halsschild mit undeutlicheren Seitenzähnchen, durch kürzere Flügeldecken, und namentlich durch etwas andere Zeichnungen auf denselben, verschieden. Die Vorderschenkel sind rotgelb, die Hinterschenkel weniger deutlich gezahnt. Die Larve lebt in Pferde- und Gartenbohnen, wahrscheinlich nicht in Erbsen, ganz in derselben Weise, wie die vorige in Erbsen, ein in die Samenlappen senkrecht gehendes, kreisrundes Loch fressend, so daß äußerlich an dem Samen keine Verletzung zu erkennen ist, es sei denn, daß man bei weiter vorgeschrittener Entwickelung das kreisrunde Loch durch die es noch schließende Oberhaut durchscheinen sieht. Der gemeine Samenkäfer (Bruchus granarius, Fig. 3) dürfte für Mittel⸗ und Norddeutschland der häufigste von diesem Kleeblatte und auch weniger wählerisch in seiner Kost sein. Er wurde erzogen aus Orobus tuberosus, aus Lathyrus-Arten; ich erzog ihn, wie andere, aus

  1. Erbsenkäfer (Bruchus pisi), vergrößert, a aus Erbsen kommend. 2) Bohnenkäfer (Bruchus rufimanus), b vorderer

Körperteil; beide vergrößert. 3) Gemeiner Samenkäfer (Bruchus granarius), c feine Larve; beide vergrößert.

der gemeinen Zaunwicke (Vicia sepium) und sogar zu zweien aus einer Pferdebohne (V. faba). Bei den bedeutend kleineren Wicken bleibt von dem Samen freilich nicht viel mehr als die Schale übrig. Dieser Umstand mag dem Tiere den Winteraufenthalt in seiner Wiege verleiden; rechnet man hinzu, daß es sich in den wild wachsenden und mithin eher vorhandenen Wicken früher entwickelt, so erklärt sich leicht, daß schon Mitte September der kleine Käfer frei erscheint und lebhaft umherspaziert, wie ich bei seiner Zucht beobachtet habe. Die augen-, fuß- und fühlerlose Larve unterscheidet sich ohne feinere mikroskopische Untersuchungen nicht von denen der vorigen, der Käfer dagegen durch geringere Größe, kürzere Form und andere Färbung: er ist ziemlich glänzend schwarz, die vier Wurzelglieder der Fühler und die Vorderbeine find gelbrot, an letzteren in Aus: nahmefällen die Füße und seltener auch die Schenkel schwarz. Die Hinterschenkel sind vor der Spitze nach unten tief ausgerandet und der spitze Winkel vor der Ausbuchtung mehr oder weniger zu einem kleinen, in den Geschlechtern verschiedenen Zahne ausgebildet. Die Scheibe des Halsschildes zeigt zwei weiße Pünktchen und ein größeres Fleckchen unmittelbar vor dem Schildchen. Dieses ist gleichfalls weiß, ein Nahtfleckchen dahinter gelblich. Die sonstige weiße Zeichnung auf den Flügeldecken ist unregelmäßig, mehr oder weniger aus bindenartig gestellten Fleckchen zusammengesetzt, auf dem Steiße bleiben zwei derartige runde von der grauen Behaarung unberührt. — Der Linsenkäfer (Bruchus lentis)

1) Erbſenkäfer (Bruchus pisi), vergrößert, a aus Erbſen kommend. 2) Bohnenkäfer (Bruchus rufimanus), b vorderer Körperteil; beide vergrößert. 3) Gemeiner Samenkäfer (Bruchus granarius), c feine Larve; beide vergrößert.

geht die Linsen an, und andere Arten den Samen anderer Pflanzen: der Gleditschien, Mimosen, Akazien, einiger Palmen ꝛc. in den heißen Ländern.

Die Blattkäfer (Chrysomelidae), mit etwa 10,000 zum Teil noch ungenügend erforschten Arten von mittelgroßen, meist aber kleineren und sehr kleinen Kerfen, bilden die letzte Familie der Vierzeher. Die schlankeren Formen, bei welchen das Halsschild schmäler als die Flügeldecken ist, lassen sich äußerlich kaum von gewissen Bockkäfern unter: scheiden und waren zu Linnés Zeiten auch noch mit ihnen verbunden. Die weit überwiegende Mehrzahl unterscheidet sich jedoch durch den gedrungenen Körperbau wesentlich von ihnen, obschon kein einziges durchgreifendes Unterscheidungsmerkmal angeführt werden kann. Der Kopf sitzt mehr oder weniger tief im Halsschilde, manchmal unter demselben verborgen, trägt faden- oder borstenförmige, ausnahmsweise gekeulte Fühler, welche eine mittlere Länge und elf Glieder zu haben pflegen und je nach ihrer Einlenkungsstelle, ob an den Seiten der Stirn und somit weit auseinander oder auf deren Mitte und beisammen, Sippenunterschiede begründen. Die Kinnbacken enden meist in eine gespaltene Spitze, die Taster sind kurz, die Fußglieder meist an der Sohle filzig, die Klauen häufig gezahnt oder gespalten, das sie tragende Glied von einem tiefen Ausschnitte des vorhergehenden aufgenommen, wie bei den Böcken, und der Hinterleib aus fünf freien Ringen zusammengesetzt. Die vorherrschend bunt gefärbten, oft prächtig metallisch erglänzenden Käfer fressen weiche Pflanzenteile, vorwiegend Blätter, und treten nicht selten in den ein: zelnen Arten so massenhaft auf, daß sie den Kulturpflanzen bedeutenden Schaden zufügen. Auch ihre Larven ernähren sich von derselben Kost. Sehr viele leben äußerlich und zeichnen sich dann durch dunklere, oft buntere Farben aus, andere bohrend in den weicheren Teilen, nie aber im Holze, wie die meisten Bockkäferlarven, von denen sie nicht nur die Körpertracht, sondern auch die deutlich entwickelten Beine wesentlich unterscheiden. Im übrigen läßt sich von ihnen so wenig wie von den Käfern eine allgemeine Schilderung geben. Chapuis und Candeze verteilen sie in folgende fünf Gruppen: 1) Gestreckte Larven von weißer Farbe und fast walziger Form, die im Inneren der Wasserpflanzen leben und sich zur Verpuppung ein unter Wasser an die Wurzel der Futterpflanze angeheftetes Gespinst fertigen (Donacia, Haemonia). 2) Larven, welche sich mit ihren Exkrementen bedecken, und zwar längliche, braune, ohne besonderes Werkzeug, um jene zu tragen; zur

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