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Brehms Tierleben, Band 9: Die Insekten, Tausendfüßer und Spinnen

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an diesem Ringe fast in ähnlicher Weise zu Tage wie bei den Randwanzen: als Längsspalte beim Weibchen, als seitliche, oben und hinten in einen gebogenen Haken auslaufende, r die Rutenscheide bildende Klappen beim Männchen. **

Die Schildwanzen halten sich an niederen Pflanzen auf, einige mehr versteckt, die Br meisten jedoch an der Oberfläche, wo sie durch zum Teil bunte Farben leicht in die Augen fallen, die größten von ihnen leben auf Bäumen und solchen Sträuchern, welche süße ee Beeren als Leckerbissen für sie auftischen, und pflegen vorherrschend grün gefärbt zu sein. Hinsichtlich der minder versteckten Lebensweise, ihrer Bereitschaft, im Sonnenschein umher: zufliegen, und zwar mit lautem Gebrumme, stehen sie den Blindwanzen am nächsten und fallen wegen ihrer Größe im Freien fast mehr auf als diese, obgleich sie nur mit ungefähr halb jo vielen Arten (150) in Europa vertreten find. Sie überwintern im vollkommenen Zustand unter dürrem Laube. Das befruchtete Weibchen legt zu Anfang des Frühjahres seine ovalen oder fast kugelrunden, mit einem Deckelchen versehenen Eier, zu kleinen Kuchen nebeneinander gestellt, an solche Stellen, wo sich die Wanzen aufzuhalten pflegen, die einen an niedere Gewächse, die anderen an die Blätter oder Nadeln der Bäume, und die anfangs fast kreisrunden Lärvchen wachsen unter mehrmaligen Häutungen, wobei fie allmäb-lich Gestalt und Farbe verändern, im Laufe des Sommers und Frühherbstes zu ihrer vollen Größe 1 11 1 9 1 a 35 heran, indem fie sich vorcanthosoma dentatum). ohlwanze (Eurydema oleraceum). pitzling; 8 (Aelia acuminata). Natürliche Größe. zugsweise von Pflanzensäften ernähren, ohne jedoch tierische Kost zu verschmähen. Das ihnen angeborene träge Wesen verliert sich mit der Entwickelung der Flügel etwas und kann durch die Strahlen der alles belebenden Sonne zeitweilig sogar in das Gegenteil umgewandelt werden.

Die Kohlwanze (Eurydema oleraceum, Fig. 3 obiger Abbild.), ein zierlicher Kerf von 6,5 mm Länge und darüber, im weiblichen Geschlechte durch rote, im männlichen durch 1 weiße Zeichnung auf metallisch glänzendem, oben grünem oder grünblauem Grunde ausge— 1 A zeichnet, wird von verschiedenen Seiten angeklagt, die jungen Kohlpflanzen durch Saftentziehung zu vernichten. Degeer versichert, daß sie manchmal in Schweden an diesen Kultur— 1 pflanzen bedeutenden Schaden angerichtet habe. In Deutschland pflegt sie nie so massenhaft 4 vorzukommen, und da sie sich nicht ausschließlich von Kohlarten, sondern auch von allerlei 3 anderen Pflanzen ernährt, nicht selten Insekten anspießt, wie ich öfters beobachtet habe, so gehört sie nach meiner Meinung auch nicht zu den wahren Feinden der Landwirtschaft. Eine deutliche Querwulst des an den Seitenrändern aufgeworfenen, aber nicht erweiterten Halsschildes, ein kleiner dreieckiger Kopf, der Mangel eines Brustkieles und zahlreicher

1 c 11 d 1 9 1 (Euryde a ler 35 canthosoma 1 dentatum). (Ae ohlwanze minata). N 1 a (Eurydema oleraceum). rliche Größe. pitzling ). ohlwanze (Eurydema oler (Aelia acuminata). Natürliche Größe.

Dornen an den Beinen, wie solche für die schwarzen Erdwanzen (Cydnus) charakteristisch sind, zeichnen diese Gruppe der Schildwanzen aus, welche Hahn unter dem Namen Strachia von Linnés Cimex abgetrennt hat.

Eine der gemeinsten, überall an Grashalmen der Waldränder und Lichtungen, weniger der Wiesen und Felder, geschäftig umherkriechenden Schildwanzen ist der Spitzling (Aelia a cuminata, Fig. 4, S. 660). Er zeichnet sich durch besondere Schlankheit und infolgedessen durch einen kegelförmig zugespitzten Kopf vor allen anderen Familiengenossen aus. Die bleichgelbliche, durch dunkle Punkteindrücke getrübte Oberfläche des Körpers wird auf dem Rücken von drei weißlichen Linien der Länge nach durchzogen.

Die rotbeinige Baumwanze (Pentatoma rufipes, Fig. 1, S. 660) unterscheidet sich mit einer Reihe ähnlicher Arten eigentlich nur durch die seitliche Erweiterung des Halsschildes. Den langen, dünnen Schnabel, dessen erstes Glied in einer Rinne liegt, den ungefurchten und ungekielten Bauch hat sie mit der vorigen gemein. Das zweite der fünf Fühlerglieder ist kürzer als das dritte, die Oberfläche des Körpers eingestochen schwarz punktiert, gelblich oder rötlichbraun mit Bronzeschimmer, der Hinterleibsrücken glänzend schwarz, Fühler, Beine und die Spitze des Schildchens sind mehr oder weniger ausgeprägt rot. Diese gemeine Art lebt gern auf Birken, aber auch an anderem Gesträuche, kriecht anBaumstämmen umher und soll sich in den Forsten durch das Aussaugen von Raupen nützlich erweisen. Wenn man eine Birke durch einen kräftigen Stoß erschüttert, um das darauf befindliche Geziefer zu Falle zu bringen, so pflegt unsere Art nicht herabzufallen, wie manche andere, sondern unter Ausbreitung ihrer Flügel summend herabzufliegen.,,

Ein anderer Bewohner junger Birkenbäume stellt e e sich uns auch von der Bauchseite vor, damit der Brust— a alte a | und Bauchkiel sichtbar seien, welche bei den einheimischen Wanzen seltener vorkommen, wogegen eine Menge ausländischer Arten, besonders solche, deren Schnabelscheide sich durch Dicke und geringere Länge auszeichnet, an der Brust Hervorragungen in verschiedener Form aufzuweisen haben. Die in Rede stehende Art ist die gezähnte Stachelwanze (Acanthosoma dentatum Degeers, Fig. 2, ©. 660), welche mit Ausnahme der roten Spitze des fein nadelrissigen Bauches gelblichgrün, auf dem Rücken durch feine schwarze Punkteindrücke dunkler erscheint, am dunkelsten an den beiden letzten Fühlergliedern, von denen das zweite die Länge des vierten hat, das dritte etwas kürzer ist. Diese Wanze findet sich durch ganz Europa verbreitet, wie es scheint aber nur auf Birken. Bei den bisher besprochenen Schildwanzen und ihren zahlreichen Verwandten nimmt das Schildchen den kleineren Teil des Hinterleibes ein und verbirgt das Hornstück der Flügeldecken nicht; nun gibt es aber eine Reihe von besonders den heißen Ländern angehörenden Arten, bei denen es bis zur Hinterleibsspitze reicht und nach den Seiten nur einen schmalen Teil der Halbdecken frei läßt, den einzigen, welcher verhornt. Die oben abgebildete Hottentotten-Wanze (Eurygaster maurus oder Tetyra maura) gibt dazu einen Beleg. Sie ist gelblich, schwarzbraun oder schwarz, mit oder ohne zwei lichte Seitenfleckchen an der Wurzel des durch die Mitte längsgekielten Schildchens und hält sich weniger auf Buschwerk als an Gräsern, Dolden und zwischen anderen niederen Pflanzen auf, versteckt sich auch gern unter Stauden, Steinen ꝛc. — Einige prachtvoll stahlblaue und gelb gefleckte ostindische Arten, höher gewölbt auf dem Rücken und am

Ein anderer Bewohner junger Birkenbäume ſtellt e e ſich uns auch von der Bauchſeite vor, damit der Bruſt— a alte a | und Bauchkiel ſichtbar ſeien, welche bei den einheimi—

Bauche der Länge nach gefurcht, gehören einer anderen Gattung (Scutellera) an und bilden, sofern es sich um den äußeren Glanz handelt, einen würdigen u die Krone der ganzen Ordnung.

Von dem noch ungezählten Heere der im allgemeinen verachteten Insekten ging ein verschwindend kleiner Teil an uns vorüber und bewies zur Genüge, daß viele derselben, sei es ihrer äußeren Erscheinung nach, sei es in Rücksicht auf ihren staunenerregenden Kunsttrieb oder auf ihr gewaltiges Eingreifen in das große Triebrad der Natur, die auf-merksamste Berücksichtigung verdienen. Seidenspinner und Honigbienen, deren Erzeugnisse dem Menschen von hohem Werte sind, Heuschrecken, Termiten, Wasserwanzen und andere, welche in manchen Gegenden gewissen Volksklassen als Nahrungsmittel, andere, wie beispielsweise die spanische Fliege, als wirksames Heilmittel dienen, stehen in erster Reihe, wenn es sich um ihre Nützlichkeit für uns handelt. Bei weitem länger dehnt sich die hinterste Reihe aus, in welcher die unnützen, lästigen und schädlichen vorgeführt sind: das peinliche Ungeziefer an Menschen und Haustieren, die Zerstörer des menschlichen Eigentums jeder Art, besonders auch die kleinen Feinde der Forst- und Landwirtschaft. Denn wie Unglaubliches die an sich winzigen und unbedeutenden Tierchen durch Vereinigung ihrer Kräfte und durch Ausdauer leisten können, beweisen nicht nur die Verheerungen auf Feld und Wiese, in Garten und Wald, der Käfer-, Raupen- und Engerlingfraß, beweisen nicht nur die fabelhaft beschleunigten Auflösungen pflanzlicher und tierischer Leichen durch Ameisen, Termiten, Aaskäfer, Mistkäfer, Fliegenmaden und andere, sondern auch die wunderbaren Bauten gesellig lebender Insekten, wie der beiden ersteren der eben genannten, der Wespen und honigaufspeichernden Bienen. Zwischen beiden Reihen steht das bisher weder für nützlich noch für schädlich gehaltene Insektenvolk, darum als ein neutrales, weil es uns ebensowenig Leid, wie unmittelbar in die Augen fallendes Gutes zufügt. Daß aber auch von diesem nicht eine einzige, auch die unscheinbarste Art überflüssig ist, weil es überhaupt in der Schöpfung nichts Überflüssiges gibt, darin stimmen alle Verständigen überein. Wenn somit die Insekten nicht bloß als nützliche oder schädliche, sondern auch als uns Freude bereitende, das Naturganze belebende und als seinem Haushalt unentbehrliche Wesen der Beachtung wohl wert erscheinen, so möge sie ihnen in Zukunft mehr und mehr zu teil werden als bisher, damit sich die noch großen Lücken in ihrer Erkenntnis allmählich ausfüllen. Am vollständigsten kennt man in ihren Lebensverhältnissen die Großschmetterlinge und trachtet in Europa von den verschiedensten Seiten mit Eifer dahin, auch die Entwickelungsgeschichte der Kleinschmetterlinge zu vervollständigen. Demnächst wußten sich die Käfer die meisten Freunde zu erwerben, mehr schon die fertigen, als die erst noch werdenden, also ihre Zucht. Alle übrigen Ordnungen erfreuen sich eines nur sehr vereinzelten Interesses und bedürfen eines noch viel allgemeineren, bis ihre Erkenntnis auf der Höhe der beiden anderen Ordnungen angelangt sein wird. Wenn es auch immer schwieriger fällt, für Europa noch einen neuen Kerf zu entdecken, so kennt man aus anderen Erdteilen bei weitem noch nicht alle, und auch für die europäischen Arten fehlt uns die Kenntnis von der Entwickelung und Lebensweise gar vieler. Es wird mithin von den verschiedensten Seiten für lange Zeiten der größte Fleiß und ausdauernde Beobachtung nötig sein, um die Naturgeschichte der Insekten so weit zu fördern, wie sie jedermann von den Rückgrattieren zu Gebote steht.

Die Tausendfüher

und

Hpinnenktiere.

Die Tausendfüßer (Myriapoda).

Etwa 800 lichtscheuen Gliederfüßern, welche in den heißen Ländern reicher an Zahl und stattlicher an Größe vorkommen als bei uns, hat man den Namen der Tausendfüßer (Myriapoda) beigelegt, nicht um damit anzudeuten, daß sie gerade 1000, sondern nur unbestimmt viele Beine haben. Zahlreiche, unter sich fast gleiche, hartschalige Glieder, die je ein Paar, auch zwei Paare gegliederter, einklauiger Beine tragen, und ein davon deutlich abgegrenzter Kopf setzen den wurmförmigen oder asselähnlichen Körper dieser Tiere zusammen, welcher insofern äußerlich einen wesentlichen Unterschied von dem der Insekten zeigt, als mit Ausschluß des Kopfes alle Glieder gleichwertig erscheinen und somit der Gegensatz zwischen einem mittleren, Flügel und nur sechs Beine tragenden, und einem fußlosen hinteren Körperteil vollkommen aufgehoben ist. Der Kopf führt an der Stirne oder unter ihrem Rande zwei faden- oder borstenförmige, seltener nach der Spitze hin unmerklich verdickte Fühler sowie jederseits eine Gruppe einfacher Augen in schwankenden Zahlenverhältnissen, die hier und da auch ganz fehlen und bei einer Gattung (Scutigera) durch Netzaugen ersetzt sind. Die Freßwerkzeuge aller Tausendfüßer bestehen im wesentlichen aus tief im Munde eingelenkten hakigen Kinnbacken und einer vierteiligen unteren Mundklappe, deren beide Seitenteile den Kinnladen, die beiden mittleren der Unterlippe der Kerfe entsprechen.

Je weniger die Tausendfüßer der äußeren Erscheinung nach mit den Insekten übereinstimmen, desto mehr nähern sie sich ihnen durch den inneren Bau des Körpers. Zunächst durchziehen diesen verzweigte Luftröhren (Tracheen), die sich nach außen in deutliche, wenn sie in der Bindehaut zwischen den Rücken- und Bauchplatten liegen, oder unter den Ringen mehr versteckte Luftlöcher (Stigmen) öffnen. Der Darmkanal entspricht fast durchweg der Körperlänge und verläuft dann in gerader Richtung vom Munde bis zum After. Das Herz wird durch ein Rückengefäß vertreten, dessen Kammern sich in der Zahl nach derjenigen der Körperringe richten. Am Bauche entlang zieht der Nervenstrang, hier mit zahlreicheren und einander mehr genäherten Knoten versehen als bei den Kerfen, wie die bedeutend größere Anzahl der Ringe von vornherein erwarten ließ. Nicht minder wiederholt sich in der Einrichtung der Speicheldrüsen, der Harn- und der Geschlechtswerkzeuge die Übereinstimmung mit der vorangegangenen Abteilung.

Aus den Eiern, welche von den Weibchen der Tausendfüßer in ihre dumpfen Aufenthaltsorte, unter Steine, nasses Laub, in faulendes Holz, alte Baumstämme ꝛc. gelegt und von manchen Arten bewacht werden, entschlüpfen, soweit die noch lückenhaften Beobachtungen reichen, teils fußlose Junge, welche mit der ersten Häutung drei Paar Beine erhalten,

mit jeder folgenden einige mehr, die sich samt den sie tragenden Gliedern zwischen die bereits vorhandenen einschieben, teils bringen fie deren 6—8 mit. Nach Gervais und Lucas soll die Gattung Scolopendra Junge mit vollzähliger Körpergliederung gebären. Indem sich durch die wiederholten Häutungen auch die Augen vermehren, scheint vorherrschend hier die Entwickelung vor sich zu gehen, wie fie bereits früher bei den Spring-schwänzen unter den Insekten zur Sprache kam. Weil aber eine und dieselbe Art je nach ihrer Entwickelungsstufe mit weniger oder mehr Gliedern und Beinen ausgestattet ist, so scheint der von einigen Systematikern gemachte Versuch, eine Gattung nach der Anzahl der Beine zu charakterisieren, auf sehr unsicheren Füßen zu stehen. Die Tausendfüßer sind zum Teil Pflanzen⸗, zum Teil Fleischfresser.

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