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Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I

PDF document794 original pagesPublished 1890
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Celebes ist die Heimat des schwarzen Hundskopfes und beherbergt ihn in ziemlicher Menge; über sein Freileben ist bis zur Gegenwart noch wenig bekannt geworden. Über sein Vorkommen berichtet Rosenberg: „Er wird in Gebirgswäldern bis zu 1300 m Höhe

Mohren- oder Schopfpavian (Cynopithecus niger). ½ natürl. Größe.

angetroffen und versammelt sich zuweilen in viele Hunderte von Individuen zählenden Scharen, um von einer Gegend in die andere zu streifen. Einer meiner Freunde begegnete einst während einer Dienstreise einer solchen wandernden Affenherde, welche die Straße an der Stelle überschritt, wo er sich gerade zu Pferde befand; er hatte große Mühe, sich mit Peitschenhieben der Tiere zu erwehren. Zu Tulabollo vernahm ich beinahe täglich, zumal gegen Abend, ihr häßliches, dem Hundegebell ähnliches Geschrei. Mein Jäger brachte mir einst ein Junges. In der ersten Zeit gab ich dem Tierchen Milch und reife Pisangfrüchte zur Nahrung, welche es, daran saugend, verzehrte; später fraß es auch gekochten Reis und in Wasser geweichten Zwieback. Es wurde allmählich sehr zahm, aber auch durch seine Zudringlichkeit belästigend und gab, wenn man es allein ließ, durch anhaltendes Schreien sein Mißvergnügen zu erkennen. Hörte das Tier in dem ganz in der Nähe des Hauses liegenden Walde einen Vogel oder irgend ein anderes Tier schreien, so wurde es unruhig und antwortete sogleich. Dieser Pavian kommt auch noch auf der kleinen, an der Südspitze von Halmahera, des größten Eilandes der Molukken, liegenden Insel Batjan vor, ist aber dort nicht ursprünglich zu Hause. Der dortige Sultan erinnerte sich, in seinen Knabenjahren gehört zu haben, daß unter der Regierung seines Vaters oder Großvaters ein Paar dieser Affen nach Batjan übergebracht worden seien. Von diesem Paare stammen alle dortigen Affen ab, die sich bis jetzt noch lange nicht über die ganze Insel verbreitet haben, Rech denn nach Halmahera übergewandert sind.“

Neuerdings ist er öfters nach Europa gelangt und hat hier auch geraume Zeit in der Gefangenschaft gelebt. Der Schopfpavian, welchen ich im Amsterdamer Tiergarten sah, schien sich sehr wohl zu befinden. Er wurde bei Tage regelmäßig zu den Meerkatzen gebracht, welche in dem großen Affenhause die Zuschauer belustigten. Ich habe der Beschreibung seines Wesens und Treibens nach dem, was ich oben bemerkte, kaum noch etwas hinzuzufügen. Der übermütige und herrschsüchtige Schwarze würde alle schüchternen Affen ebenso gepeinigt haben, wie er die armen Budengs quälte, wenn ihm das leichte Volk der Meerkatzen, im Gegensatze zu jenen, nicht immer rechtzeitig entronnen wäre. Mit den Mafa-ken schien er auf ziemlich gutem und mit einem weiblichen Babuin auf sehr innigem Fuße zu stehen; wenigstens erwies er dieser zarten Schönen alle Aufmerksamkeit und ließ sich zum Gegendank gern von ihr sein Haarkleid durchsuchen. Unsere Abbildung gibt ihn vortrefflich wieder. In der angegebenen Stellung sitzt ermanchmal mehrere Minuten lang äußerst nachdenklich da; wahrscheinlich spinnt sich dann eben in seinem Gehirne der Plan zu neuen übermütigen oder leichtsinnigen Streichen aus.

Für das Affentheater eignet sich, laut Broekmann, kein einziger anderer Affe in demselben Grade wie der Schopfpavian. Er lernt spielend leicht, hält das Erlernte fest und „arbeitet“ mit wahrem Vergnügen. Bei seiner Seltenheit und dem hohen Preise, in welchem er steht, ist er nicht regelmäßig auf der Bühne zu finden, zumal er in beklagenswertem Grade hinfällig ist.

Unter den eigentlichen Pavianen, und zwar den mantellosen, ist mir der Babuin (Cynocephalus babuin, Papio babuin, Simia cynocephalus 2c.) am besten bekannt geworden, wenn auch nur in seinem Gefangenleben. Mit dem eben beschriebenen Sipp⸗ Ihaftsverwandten oder mit den Mantelpavianen kann der Babuin allerdings nicht verwechselt werden, wohl aber mit anderen Hundsköpfen und zumal mit dem in Südafrika lebenden

Tschakma (Cynocephalus porcarius) oder der Sphinx (Cynocephalus sphinx) aus Westafrika, welche ihm sehr ähnlich sind. Der glatte, gleichmäßige, nirgends verlängerte Pelz ist oben olivengrünlichgelb, jedes Haar abwechselnd schwärzlich und gelb geringelt, unterseits lichter, auf den Backen weißlichgelb. Gesicht und Ohren haben schwärzlich bleigraue,

die oberen Augenlider weißliche, die Hände braungraue, die Augen hellbraune Färbung. Erwachsene Männchen erreichenbei 65—70 em Schulterhöhe eine Gesamtlänge von 1,50 m, wovon der verhältnismäßig dünne Schwanz allerdings ein Drittel wegnimmt. Der Tschakma ist beträchtlich größer, plumper gebaut und dunkler gefärbt, die Sphinx eher kleiner, aber entschieden kräftiger gestaltet, ihre Schnauze kürzer und durch eine absonderliche Verdickung der Backenknochen sehr ausgezeichnet, ihr Pelz, dessen Haare schwärzlichgraue und rötlichbraune Ringel zeigen, anstatt gelbbraun rötlichbraun mit einem Stich ins Olgrüne.

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Babuin (Cynocephalus babuin). ½ natürl. Größe

Hinsichtlich der Lebensweise und des Betragens ist zwischen diesen drei Pavianen kaum ein Unterschied zu bemerken; von den Tschakmas ist bereits auf S. 49 berichtet worden; ich werde deshalb hier vorzugsweise nur noch von der mir bekannteren Art reden.

Der Babuin lebt so ziemlich in der Heimat des Hamadryas, dringt aber weiter in das Innere Afrikas vor als dieser. Abessinien, Kordofan und andere mittelafrikanische Länder beherbergen ihn, und wo er vorkommt, ist er häufig. Auch in Deutsch-Ostafrika ist er, nach Böhm und Reichard, gemein und noch weit südwestwärts vom Tanganikasee bis zum oberen Lualaba verbreitet — falls hier nicht eine Verwechselung vorliegt.

Babuin (Cynocephalus babuin). ½ natürl. Größe

Hartmann hat mir über das Freileben unseres Affen nur folgende Mitteilung geben können: „Auf dem Djebel-Guli lebt der Babuin in ziemlicher Anzahl; er findet daselbst Knollen von Liliengewächsen, Früchte von wilden Feigen, Tamarinden, Beeren des Cissusund in benachbarten Ebenen auch solche des Khetamstrauchesꝛc. und lebt äußerst gemütlich in den Tag hinein, falls nicht einmal ein Leopard in seine Berge kommt, ihn aufstört und, wenn es möglich ist, einen oder den anderen auffrißt. Die Eingeborenen bekümmern sich im ganzen wenig um ihn, obschon sie gelegentlich ein Junges fangen und aufziehen. In einer Hinsicht aber scheinen diese Paviane den Fungis doch lästig zu werden, wenn jene nämlich Wasser holen wollen. Die Paviane steigen von den Bergen zur Ebene herab und

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Tschakma (Cynocephalus porcarius). / natürl. Größe.

trinken hier aus den kleinen Quellteichen. Nun versichern die Fungis, daß ihre jungen Mädchen beim Wasserholen nicht selten von alten Babuinen angegriffen und mißhandelt werden. Deshalb gehen, sobald man noch halbe Kinder auf die Wasserplätze sendet, stets einige bewaffnete junge Männer zu deren Schutze mit. „Uns haben die reihenweise einer hinter dem anderen über die steilen Granitplatten des schroffen Djebel-Guli ziehenden und unter den Bäumen des Gebirges spielenden Paviane stets das größte Vergnügen bereitet. Bei jedem Truppe sahen wir einige in ihrer Art riesenhafte alte Herren. Unsere Absicht, Jagd auf sie zu machen, konnten wir übrigens nicht ausführen, weil sie sich bei versuchter Näherung regelmäßig rechtzeitig zurückzogen. Dagegen erhielten wir einen jungen Pavian dieser Art lebend und fanden an ihm Ihre Beobachtungen vollständig bestätigt.“ |

Über das Freileben der Babuine in Ostafrika teilt Noack aus den Aufzeichnungen des so früh verstorbenen R. Böhm folgendes mit: „Häufig in der Baumsteppe, sowohl bei

Tſchakma (Cynocephalus porcarius). / natürl. Größe.

Ortschaften als an Flüssen, so überall bis zum Tanganika, auch in Urua und Katanga. Junge, die auf dem Rücken ihrer Mutter reiten, vom Mai bis zum März gesehen, doch scheinen sie zu jeder Jahreszeit geboren zu werden. In großen Banden streifen sie durch die Wälder und brechen von da zur Reifezeit von Mais und Negerhirse in die inselartig um die Ortschaften liegenden Felder ein, wo sie großen Schaden anrichten. Sie sind ebenso frech wie klug berechnend. Oft lassen sie sich nur mit Mühe durch das Geschrei und Speerwerfen der Feldwachen vertreiben und bleiben dann ruhig so lange in der Nähe des Waldrandes, bis die Luft wieder rein ist. Vor Weibern haben sie überhaupt keine Furcht, stellen sich ihnen sogar gegenüber und rauben ihnen ihr Essen. Das Feuergewehr kennen sie ganz genau; vor den Jägern pflegen sie langsam herzuflüchten, von Zeit zu Zeit auf niedrige Bäume springend oder sich an Stämmen aufrichtend, um Umschau zu halten, bleiben hier auch bis auf Büchsenschußweite sitzen, springen aber sofort herab, sowie man das Gewehr an den Kopf nimmt. Junge, auch ziemlich erwachsene, bleiben bei der erschossenen Mutter. Angeschossene werden von den alten Männchen weitergeführt und beschützt. Gegen Hunde stellen sie sich gleich und oft mit Erfolg, doch werden sie auch mit Hunden gehetzt und schließlich von diesen auch festgehalten. Stets machen die alten bewährten Männchen, welche eine gewaltige Größe erreichen, den Beschluß. Hält die Bande, so wandeln letztere auf der gefährdeten Fronte hin und her; befindet sich die Herde in einem Baumgipfel, so treten sie von Zeit zu Zeit herausfordernd auf freie Aste vor. Wenn auch schwer und plump in ihren Bewegungen, so klettern diese Paviane doch mit großer Sicherheit auf den höchsten Baumwipfeln umher, von welchen sie sich bei nahender Gefahr mit mächtigen, geräuschvollen Sätzen herabwerfen. In der Nacht schlafen sie auf hohen Bäumen, doch wechseln sie manchmal auch in tiefer Dunkelheit. Ihre Stimme ist bei den alten Männchen tiefer und stärker, ein kurz abgebrochener bellender Laut; erschreckt kreischt und schreit die Bande durchdringend. Ein kurz und rauh ausgestoßenes „O! O! drückt Verwunderung und Uns willen, ein langgezogenes „Ooh!“ Verlangen aus. „Jung gefangen sind sie sehr drollig und gewöhnen sich rasch ein, doch haben sie bestimmte Personen, die sie sehr lieben, und von denen sie sich stets tragen lassen, während sie andere hassen und angreifen. Sie lassen sich auch wie Hunde auf Menschen hetzen. Sind sie böse, so zeigen sie die Zähne, ziehen die Augenbrauen hoch und legen die Ohren zurück, richten sich auch in komischer Weise in die Höhe. Vor Gewitter, heftigem Regen und Sturm bekunden sie große Angst, sind überhaupt leicht bis zur völligen Verzweiflung zu erschrecken. Höchst eigentümlich ist ein konvulsivisches Zucken, welches sie oft befällt, wenn man sich mit ihnen beschäftigt, ohne daß sie irgendwie krank sind, sowie daß sie sich z. B. Europäern langsam, augenscheinlich in höchster Angst, aber wie von unsichtbarer Gewalt getrieben, nähern, bis sie die Person berühren und dann plötzlich laut aufschreiend zurückspringen. Sehr gern fressen sie Heuschrecken, auch Mäuse und dergleichen.“ Daß gerade diese Paviane, nach Fischer, auch viel größeren Tieren nachstellen, ist bereits auf S. 169 angeführt worden. In seinen Bewegungen und seiner Stellung gleicht der Babuin ganz den anderen Pavianen; sein geistiges Wesen zeichnet ihn jedoch zu seinem Vorteile aus. Er ist ein sehr kluges Tier und gewöhnt sich, jung eingebracht, außerordentlich leicht an den Menschen, läßt sich zu allen möglichen Kunststücken ohne Mühe abrichten und hängt seinem Herrn, trotz schlechter Behandlung, mit großer Treue an. Das Weibchen ist sanfter und liebenswürdiger als das Männchen, welches oft seine Tücken und Unarten auch seinem Herrn gegenüber zeigt, während das Weibchen mit diesem auf dem traulichsten Fuße lebt.

Der erste Babuin, welchen ich besaß, erhielt den Namen Perro. Er war ein hübscher munterer Affe und hatte sich schon nach 3 Tagen vollkommen an mich gewöhnt. Ich wies

ihm das Amt eines Thürhüters an, indem ich ihn über unserer Hofthüre befestigte. Hier hatte er sich bald einen Lieblingsplatz ausgesucht und bewachte von dort aus die Thür auf das allersorgfältigste. Nur uns und ihm Bekannte durften eintreten, Unbekannten verwehrte er hartnäckig den Eingang und gebärdete sich dabei so toll, daß er stets gehalten werden mußte, bis der Betreffende eingetreten war, weil er sonst wie ein wütender Hund auf denselben losgefahren sein würde. Bei jeder Erregung zeigte er sich als Pavian vom Wirbel bis zur Sohle, mit allen Gewohnheiten und Sitten, Arten und Unarten seiner Sippschaft, deren Glieder in ihrem Gebaren überhaupt die größte Übereinstimmung bekunden. Im Zorne erhob er den Schwanz und stellte sich auf beide Füße und eine Hand; die andere benutzte er, um damit heftig auf den Boden zu schlagen, ganz wie ein wütender Mensch auf den Tisch schlägt, nur daß er nicht die Faust ballte wie dieser. Seine Augen glänzten und blitzten, er ließ ein gellendes Geschrei hören und rannte wütend auf seinen Gegner los. Nicht selten verstellte er sich mit vollendeter Hinterlist, nahm eine sehr freundliche Miene an, schmatzte mehrmals rasch hintereinander, was immer als Freundschaftsbeteuerung anzunehmen war, und langte sehnend mit den Händen nach dem, welchem er etwas versetzen wollte. Gewährte ihm dieser seine Bitte, so fuhr er blitzschnell nach der Hand, riß seinen Feind an sich heran und kratzte und biß ihn. Er lebte mit allen Tieren in Freundschaft, mit Ausnahme der Strauße, welche wir besaßen. Diese trugen jedoch die Schuld des feindlichen Verhältnisses, welches zwischen beiden bestand. Perro saß, wenn seine Wächterdienste unnötig waren, gewöhnlich ruhig auf seiner Mauer und hielt sich gegen die sengenden Sonnenstrahlen eine Strohmatte als Schirm über den Kopf. Dabei vernachlässigte er es, auf seinen langen Schwanz besondere Rücksicht zu nehmen, und ließ diesen an der Mauer herabhängen. Die Strauße nun haben die Unart, nach allem möglichen, was nicht niet- und nagelfest ist, zu schnappen. Und so geschah es denn sehr oft, daß einer oder der andere dieser Vögel schaukelnd herankam, mit seinem dummen Kamelkopfe sich dem Schwanze näherte und, ohne daß Perro es ahnte, plötzlich demselben einen tüchtigen Biß versetzte. Die Strohmatte wegwerfen, laut schreien, den Strauß mit beiden Händen am Kopfe fassen und tüchtig abschütteln, war dann gewöhnlich Eins. Es kam oft vor, daß der Affe nachher eine ganze Viertelstunde lang seine Gemütserschütterung nicht bemeistern konnte. Nun war es freilich kein Wunder, daß er dem Strauße, wo er ihn nur immer erreichen konnte, einen Hieb oder Puff versetzte.

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