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Brehms Tierleben, Band 1: Die Säugetiere I

PDF document794 original pagesPublished 1890
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Mampalon (Cynogale bennettii). ¼ natürl. Größe.

Das Tier lebt an Gewässern auf der Malayischen Halbinsel, Sumatra und Borneo, klettert aber auch mit ziemlichem Geschicke auf schrägstehenden Bäumen und starken Asten umher und nährt sich von Fischen, Vögeln und Früchten. Weiteres über die Lebensweise scheint nicht bekannt zu sein. a

An die Rollmarder reiht man gewöhnlich ein merkwürdiges Tier Westafrikas mit nicht zurückziehbaren Krallen, die Nandinie (Nandinia binotata), dessen Kopfform und Gesichtsausdruck lebhaft an Wickelbär und Maki erinnert, während der Leib mehr rollmarderartig ist. Die Nandinie hat einen weichen, makiartigen Pelz; auf der Ober- und Unter: seite des Schwanzes sind die Haare länger als an seinen Seiten, wodurch die Behaarung besonders nach der Spitze zu ein zweizeiliges Aussehen erhält. Die Färbung ist ein auf der Oberseite dunkleres, auf der Unterseite helleres Gelblichgrau mit auf der Unterseite fehlender schwarzer Zeichnung. Die letztere besteht aus zwei kurzen Strichen, welche am inneren Augenwinkel beginnen und sich etwa 1 cm lang nach oben erstrecken, aus drei den Nacken zierenden Längsstrichen, deren mittlerer am längsten ist und zwischen den Schultern endet,

Mampalon (Cynogale bennettii). ¼ natürl. Größe.

aus zahlreichen auf Rücken und Seiten befindlichen Flecken, welche das Bestreben zeigen, sich in Querreihen zu ordnen, und aus einer Reihe auf der Unterseite unterbrochener Schwanzringel, welche auf der ersten Hälfte des Schwanzes zu zwei oder drei aneinander gerückt sind. Jede Schulter ist mit einem hellen, gelblichgrauen Flecken geziert. Übrigens ändern Grundfärbung und Zeichnung ab. Die beiden Nandinien des Frankfurter Tiergartens, Männchen und Weibchen, an denen Haacke die hier gegebene Beschreibung gewonnen hat, haben eine Länge von nahezu 80 em, von denen gut 40 em auf den Schwanz kommen, und stimmen in der Färbung überein. In dem aus 40 Zähnen bestehenden Gebisse sind die Schneidezähne sehr klein, der dreieckige Reißzahn groß, gebogen und gefurcht wie beim Galago, die hinteren Backenzähne klein, rund und flachhöckerig, jo daß das Gebiß raubtier⸗-, fruchtfresser- und halbaffenartige Merkmale aufweist. Wohl mit Unrecht hat man eine bei Männchen und Weibchen vorhandene, vor der Geschlechtsöffnung liegende nackte und drüsige Hautstelle mit dem Brutbeutel der weiblichen Beuteltiere verglichen; indessen ist die Nandinie jedenfalls eine der tiefststehenden Schleichkatzen und erinnert vor allem an die Makis, besonders im Gesichtsausdrucke. Das kugelige Auge hat, wie bei diesem, einen schmalen Spalt in der großen Regenbogenhaut. Wickelbärenartig sind dagegen die kurzen und runden, nach vorn gerichteten Ohren. An Maki und Wickelbär erinnern, nach Haacke, auch die Bewegungen und das Benehmen des Tieres. Wenn die Nandinie an den Gitterstäben ihres Käfigs emporklettert, so setzt sie die Daumenzehe den übrigen entgegen. Ihr Futter trägt sie auf einen Baumast, um es dort mit den Vorderfüßen festzuhalten und zu verzehren. Der Schwanz ist als Greifwerkzeug nicht zu verwenden. Das Wesen der Nandinie ist ein träumerisches, wie das der Wickelbären und Lemuren; lebhaft wird das Tier aber, sobald es gilt, sich eines Leckerbissens zu bemächtigen. Doch ist es dabei nicht sonderlich futterneidisch, wie die beiden verträglichen Käfiggenossen und Gatten des Frankfurter Gartens beweisen, die allerdings einen lebenden Vogel oder dergleichen gleichzeitig packen, ihn aber dann ziemlich gemütlich hinund herzerren, ohne dabei zu zetern, wie manche Marder und Mangusten. Außer mancherlei Früchten liebt die Nandinie auch Fleisch, insbesondere das von Geflügel. Daß sie in der Gefangenschaft kein Fleisch fresse, ist, wie die Frankfurter Tiere zeigen, eine Angabe, die auf ungenügender Beobachtung beruht. Die Nandinie beweist ihre Vielseitigkeit vielmehr auch durch die Wahl ihrer Nahrung.

Über das Freileben der Nandinie ist wenig bekannt. Pechuel-Loesche, der sie Palmenmarder nennt, bemerkt, daß fie in Loango gemein sei, aber auch in Gabun, Kamerun und am Niger häufig vorkommen müsse, da er dort ihren unverkennbaren Ruf vielfach gehört habe. „Der Palmenmarder scheint die Savannen nicht zu lieben, sondern sich vorzugsweise in den Wasserwäldern aufzuhalten. In stillen Nächten hört man dort regelmäßig seinen eintönigen, stets mehrfach wiederholten klagenden Ruf, der schwermütig aus der Ferne kommt und sowohl an das Miauen einer Katze als auch an einen langgezogenen hellen Unkenruf erinnert. Wenigstens behaupten die Eingeborenen, daß dieser Ruf von dem Tiere, in Loango Mbala genannt, stamme, und ferner, daß es ausgezeichnet schwimme. Der Palmenmarder scheint auch am Tage auf Raub auszugehen, denn zweimal haben Hunde in meinem Beisein je ein Stück unfern vom Buschwalde in der Kampine, wo sie vermutlich dem Mäusefang oblagen, aufgestöbert und totgebissen.“

Hesse schreibt zu Noacks Bearbeitung seiner Sammlung von der Nandinie, die er am Kongo erhielt: „Nicht selten, das Fell wird von vornehmen Negern über dem Lendenschurze getragen. Das Tier raubt besonders nachts Hühner in den Negerdörfern. Ein gefangenes Stück war scheu und fauchte mich bei jeder Annäherung wütend an. Ein lebendes Huhn wurde nie in meiner Anwesenheit berührt, sowie ich aber einige Schritte zurücktrat, sofort

G. Mützel

[illegible artist signature] K. JAHRMARGT.

ICHNEUMON.

ICHN E :UMON

an der Kehle gepackt.“ Daß unser Tier unter Umständen auch recht nützlich sein kann, geht aus dem Berichte Büttikofers, der Nandinien in Liberia gefangen hielt, hervor: „Auf unserer Jagdstation hatte ich zwei Junge lebend, die ich mit kondensierter Milch aufzog. Sie waren bald so zahm, daß ich sie frei im Hause umhergehen ließ, und sie verfehlten nicht, bei meinen Mahlzeiten an den Tischbeinen herauf auf den Tisch zu klettern, aus meinem Glase zu trinken und das Futter aus meiner Hand anzunehmen. Damals hatte ich das Haus voll Ratten, die an meinen Sammlungen viel Schaden anrichteten; kaum hatten nun diese zwei Tiere selbst die Größe einer Ratte erreicht, als sie während der Nacht die Ratten selbst in ihren Schlupfwinkeln aufsuchten und totbissen, so daß ich bald von diesen lästigen Gästen befreit war.“ |

Unter den Schleichkatzen mit nicht zurückziehbaren Krallen haben wir vor allen die seit den ältesten Zeiten hochberühmten Mangusten oder Ichneumons, weil sie die allgemeine Beachtung am meisten verdienen, hervorzuheben.

Die Mangusten (Herpestes) kennzeichnen sich durch folgende Merkmale: Ihr regelmäßig auf niederen Beinen ruhender Leib ist gestreckt und walzenförmig, der Kopf klein oder doch nur mittelgroß, die Schnauze zugespitzt, das Auge ziemlich klein, der Augenstern kreisoder länglichrund, das Ohr kurz und rundlich, die Nase kurz, nackt, unten glatt, in der Mitte gefurcht, der Hinterfuß wie der Vorderfuß fünfzehig, der Schwanz kegelförmig, das Fell rauh und langhaarig. Vierzig meist große, kräftige Zähne mit wohlentwickelten Nebenhöckern, deren erster Lückzahn oft verkümmert, bilden das Gebiß; 7 Hals-, 10 Rücken-, 9 Lendenund 22— 29 Schwanzwirbel setzendie Wirbelsäule zusammen; 13—15 Wirbel tragen breite und starke Rippen. Das übrige Gerippe ähnelt dem anderer Schleich-, zumal der Zibethkatzen.

Wie billig, wenden wir unsere Aufmerksamkeit zunächst dem Ichneumon zu, der „Ratte der Pharaonen“, dem heiligen Tiere der alten Agypter (Herpestes ichneumon, Viverra und Mangusta ichneumon, Ichneumon pharaonis und aegypti, Herpestes pharaonis), eingedenk seines aus den ältesten Zeiten auf die unserigen herüberge: | tragenen Ruhmes und der Achtung, welche er früher genoß. Schon Herodot sagt, daß man die Ichneumons in jeder Stadt an heiligen Orten einbalsamiere und begrabe. Strabon berichtet, daß das vortreffliche Tier niemals große Schlangen angreife, ohne einige seiner Gefährten zu Hilfe zu rufen, dann aber auch die giftigsten Würmer leicht bewältige. Sein Bild diene deshalb in der heiligen Bilderschrift zur Bezeichnung eines schwachen Menschen, welcher den Beistand seiner Mitmenschen nicht entbehren könne. Aelian dagegen behauptet, daß es allein auf die Schlangenjagd ausgehe, jedoch mit großer List und Vorsicht sich im Schlamme wälze und diesen an der Sonne trockne, um so einen Panzer zu erhalten, welcher den Leib vor seinem Gegner schütze, während es die Schnauze dadurch vor Bissen sichere, daß es seinen Schwanz über dieselbe schlage. Aber die Sage ist hiermit noch nicht zufrieden, sondern teilt dem mutigen Kämpfer für das öffentliche Wohl noch ganz andere Dinge zu, wie Plinius mitteilt. Das Krokodil nämlich legt sich, wenn es sich satt gefressen hat, gemütlich auf eine Sandbank und sperrt dabei den zähnestarrenden Rachen weit auf, jeglichem Verderben drohend, der es wagen wollte, sich ihm zu nähern. Nur einem kleinen Vogel ist dies gestattet; er ist so frech, zwischen den Zähnen heraus sich die Speise abzupicken, welche dort hängen geblieben ist. Außer ihm fürchtet aber jedes andere Tier die Nähe des Ungeheuers, nur der Ichneumon nicht. Er naht sich leise, springt mit kühnem Satze in den Rachen, beißt und wühlt sich die Kehle hindurch, zerfleischt dem schlafenden Krokodil das Herz, tötet es auf diese Weise und öffnet sich nun, blutbedeckt, vermittelst seiner scharfen Zähne

einen Ausweg aus dem Leibe des Ungetüms. Oder aber er schleicht umher und spürt die Stellen aus, wo das gefürchtete Kriechtier seine zahlreichen Eier abgelegt hat, und scharrt und wühlt hier, bis er zu dem verborgenen Schatze in der Tiefe gelangt ist; dann macht er sich darüber her und frißt in kurzer Zeit, der Wachsamkeit der Mutter ungeachtet, das ganze Nest aus und wird hierdurch zu einem unschätzbaren Wohlthäter der Menschheit. Daß auch die Agypter solche Sagen geglaubt haben, daß sie von ihnen aus erst jenen Schriftstellern berichtet wurden, ist unzweifelhaft; aber die sonst so genauen Naturbeobachter haben sich hierbei doch einer großen Täuschung hingegeben. Denn alle die schönen Sagen über unser Tier sind falsch. Allerdings ist es erst der Neuzeit vorbehalten gewesen, Genaues über die Sitten und Lebensweise des Ichneumons zu erforschen, aber schon seit einigen Jahrhunderten haben mehrere Reisebeschreiber ihren Zweifel über den überwiegenden Nutzen des Ichneumons ausgesprochen, und die Sagen könnten somit als erledigt gelten, wenn Menschen nicht gar zu zähe an überlieferten und liebgewordenen Geschichten hingen.

Der Ichneumon übertrifft, wenn er ausgewachsen ist, an Größe unsere Hauskatze bedeutend; denn die Länge seines Leibes beträgt ungefähr 65 em und die des Schwanzes wenigstens 45 cm. Er erscheint aber wegen seiner niederen Beine kleiner, als er ist. Nur selten findet man ausgewachsene Männchen, welche am Widerriste höher als 20 em sind. Der Körper ist schlank wie bei allen Schleichkatzen, keineswegs aber so zierlich wie bei den Ginsterkatzen, sondern im Vergleiche zu den meisten seiner Familienverwandten sogar sehr kräftig. Dies zeigt am besten das Gewicht, welches ein starker Ichneumon erreichen kann: es beträgt 7, ja selbst 9 kg. Die Beine sind kurz, die Sohlen nackt und die Zehen fast bis zur Hälfte mit kurzen Spannhäuten verbunden. Der lange Schwanz erscheint durch die lange Behaarung an der Wurzel sehr dick, fast als ob er allmählich in den Körper überginge, und endet mit einer pinselartigen Quaste. Die Augengegend ist nackt, und deshalb treten die kleinen, feurigen, rundsternigen Augen um so mehr hervor. Die Ohren sind kurz, breit und abgerundet. Der After wird von einer flachen Tasche umgeben, in deren Mitte er sich öffnet. Ganz eigentümlich ist der Pelz. Er besteht aus dichten Wollhaaren von rostgelblicher Farbe, welche aber überall von den 6 —7 cm langen Haaren überdeckt werden. Diese find schwarz und gelblichweiß geringelt und enden mit einer fahlgelben Spitze. Hierdurch erhält der ganze Balg eine grünlichgraue Färbung, welche zu den Aufenthaltsorten des Tieres vortrefflich paßt. Am Kopfe und auf dem Rücken wird die Färbung dunkler, an den Seiten und dem Bauche fahler; die Beine und die Schwanzquaste sind dunkelschwarz oder ganz schwarz; doch kommen auch Abänderungen vor.

Die Ratte der Pharaonen ist nicht bloß über das ganze nördliche Afrika sowie Vorderasien verbreitet, sondern dürfte sich nach Noack, der jüngst ihr Vorkommen auch in Westafrika, in Loango und am Kongo, nachgewiesen hat, außer in Südspanien und Nordasien in ganz Afrika finden sowie in Madagaskar, wohin sie vielleicht durch Menschen eingeführt ist. Niemals entfernt sie sich weit von Niederungen. Ihre eigentlichen Wohnplätze in Agypten sind die dicht bewachsenen Ufer der Flüsse und die Rohrdickichte, welche manche Felder umgeben. Hier hält sich das Tier bei Tage auf und bildet sich zwischen den Rohrstengeln schmale, aber höchst sorgfältig gesäuberte Gangstraßen, welche nach tiefen, jedoch nicht besonders ausgedehnten Bauen führen. In diesen wirft auch das Weibchen in den Frühlings- oder ersten Sommermonaten 2—4 Junge, welche sehr lange gesäugt und noch viel länger von beiden Alten geführt werden. Den Namen Ichneumon, welcher so viel als „Aufspürer“ bedeutet, verdient unser Tier in jeder Hinsicht. In feinen Sitten und im geistigen Wesen ähnelt der Aufspürer den gejtalt-verwandten Mardern, deren unangenehmen Geruch und deren Listigkeit, Diebesgewandtheit und Mordlust er besitzt. Er ist im höchsten Grade furchtsam, vorsichtig und mißtrauisch.

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