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61STATjournal 2 – 2026 Fluorierte Treibhausgase in Österreich Emissionstrends, Verursachende, Maßnahmen Die im Beitrag dargestellten Daten stammen aus der Luftemissionsrechnung (Air Emission Accounts), einem Teil der umweltökonomischen Gesamtrech­ nungen. Diese Statistik weist Luftschadstoff­ und Treibhausgasemissionen nach Wirtschaftssektoren aus und folgt dabei der Systematik der volkswirt­ schaftlichen Gesamtrechnungen. Emissionen werden somit jenen wirtschaftlichen Aktivitäten zugerechnet, durch die sie verursacht werden, und ermöglichen Analysen der Umweltwirkungen von Produktion und Konsum. Fluorierte Treibhausgase spielen in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle, da sie zwar in deutlich geringeren Mengen emittiert werden als Kohlendioxid oder Methan, aufgrund ihres sehr hohen globalen Erwärmungs­ potenzials jedoch erheblich zur gesamten Klima­ wirkung beitragen. Fluorierte Treibhausgase (F­Gase) sind eine Gruppe synthetischer Gase mit hoher Klimawirkung. Sie umfassen teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (Hydrofluorkohlenwasserstoffe, HFKW, engl. HFC), vollfluorierte Kohlenwasserstoffe (perfluorierte Kohlenwasserstoffe, FKW, engl. PFC), Schwefelhexa­ fluorid (SF₆) und Stickstofftrifluorid (NF₃). [1] Diese Stoffe kommen in der Natur nicht vor, sondern werden ausschließlich industriell hergestellt. Obwohl F­Gase keine Auswirkungen auf das Ozonloch haben, tragen sie erheblich zur globalen Erwärmung bei. Ihre besondere Klimawirksamkeit beruht darauf, dass sie Wärmestrahlung (Infrarot­ strahlung) in Spektralbereichen absorbieren, in denen andere Treibhausgase nur wenig wirksam sind. Vereinfacht gesagt, nehmen sie einen Teil jener Wärmestrahlung auf, die ansonsten ungehin­ dert ins Weltall entweichen könnte. Dadurch ver­ stärken sie den Treibhauseffekt selbst bei geringen Konzentrationen in der Atmosphäre. Die Klimawirkung wird durch das sogenannte Globale Erwärmungspotenzial (Global Warming Potential, GWP) quantifiziert. Dieses gibt an, wie stark ein Gas über einen Zeitraum von 100 Jahren 1 Umweltbundesamt Ö (2016): »Emissionstrends 1990–2014«. Fluorierte Treibhausgase in Österreich Emissionstrends, Verursachende, Maßnahmen Manuela Strasser
arbeitet bei Statistik Austria im Bereich Energie und Umwelt mit Schwerpunkt auf umweltökonomischen Gesamtrechnungen. Sie befasst sich mit der metho- dischen Verknüpfung von Energie-, Emissions- und Wirtschaftsdaten. In Österreich verändert sich der Umgang mit fluorierten Treibhausgasen derzeit grundlegend. Lange wurden in Kühltechnik, Energiewirtschaft und Elektronikindu s­ trie besonders stabile und leistungsfähige Stoffe eingesetzt, deren hohe Klima wirkung zunehmend reguliert wird. Gesetzliche Vorgaben, technologische Fortschritte und neue Kältemittelalternativen treiben den Umstieg auf klimaverträglichere Lösungen voran. Der Beitrag zeigt, wie sich dieser Wandel in verschiedenen Wirtschaftsberei ­ chen und Emissionstrends widerspiegelt.

62STATjournal 2 – 2026 Fluorierte Treibhausgase in Österreich Emissionstrends, Verursachende, Maßnahmen Löschmittel eingesetzt werden. SF₆ besitzt eine außergewöhnlich hohe elektrische Isolierfähigkeit und wird daher in Hochspannungsschaltanlagen verwendet. NF₃ ist ein reaktionsträges Gas, das in der Mikroelektronik zur Reinigung von Prozess­ kammern dient. Gerade diese technischen Vor­ teile haben zur weiten Verbreitung der F­Gase geführt – jedoch mit erheblichen Nachteilen für das Klima. Emissionstrends
1995 bis 2023 Die Emissionen fluorierter Treibhausgase sind in Österreich seit 1990 insgesamt gestiegen. ▶ Grafik 1 zeigt den Verlauf der F­Gas­Emissionen von 1995 bis 2023. Anfangs nahmen die Emissio­ nen ab, da die Herstellung von Primäraluminium – also die Gewinnung von neuem Aluminium aus Erz – im Jahr 1992 eingestellt wurde. Bei diesem Produktionsprozess entstanden erhebliche Men­ gen perfluorierter Kohlenwasserstoffe (CF₄, C₂F₆), sodass mit der Beendigung der Produktion auch diese Emissionen deutlich zurückgingen. [5] In den späten 1990er Jahren lagen sie auf einem Mini­ mum (ca. 1,4 Mio. t CO₂­Äquivalente um 2000). 5 Quelle für diese und weitere Informationen im Abschnitt »Emissionstrends 1995 bis 2023«: Umweltbundesamt Ö (2024): »Klimaschutzbericht 2024«. zur Erwärmung beiträgt, verglichen mit Kohlendi­ oxid (CO₂ = GWP 1). Die GWP­Werte fluorierter Gase liegen – je nach Substanz – etwa zwischen 100 und über 20 000. So weist SF₆ ein GWP von rund 23 500 auf, während auch perfluorierte Kohlenwasser­ stoffe wie CF₄ mit rund 7 400 ein sehr hohes Erwär­ mungspotenzial besitzen. [2] ▶ Übersicht 1 Hinzu kommt ihre hohe atmosphärische Lebens­ dauer. Viele F­Gase sind chemisch sehr stabil und werden in der Troposphäre kaum abgebaut. CF₄ verbleibt beispielsweise rund 50 000 Jahre in der Atmosphäre. [3] Einmal emittiert, wirken diese Stoffe daher über lange Zeiträume klimarelevant und reichern sich in der Atmosphäre an. Ein Ozonabbau findet dabei praktisch nicht statt, da ihnen die dafür notwendigen Chlor­ oder Bromatome fehlen. Erst im nächsten Schritt werden ihre physika­ lisch­chemischen Eigenschaften relevant: F­Gase zeichnen sich durch hohe thermische und chemi­ sche Stabilität, meist geringe Toxizität und – bei vielen HFKW und FKW – Nicht­Brennbarkeit aus.  [4] Diese Eigenschaften machen sie für zahlrei­ che technische Anwendungen attraktiv. HFKW und FKW sind geruchlose, farblose Gase oder Flüssigkeiten, die als Kältemittel, Treibgase oder 2 Umweltbundesamt D (2011): »Avoiding Fluorinated Greenhouse Gases«. 3 Umweltbundesamt D (2011): »Avoiding Fluorinated Green­ house Gases« und Gulev et al. (2021): »Climate Change«. 4 Umweltbundesamt D (2011): »Avoiding Fluorinated Greenhouse Gases«. Übersicht 1
F-Gase im Überblick Gasgruppe Bezeichnung Typische Anwendungen Globales Er wärmungs­ potenzial (100 Jahre) Hydrofluorkohlen wasser­ stoffe (HFKW) R­134a Kältemittel in Fahrzeug­ und Gebäudeklimaanlagen 1 430 R­227ea Feuerlöschanlagen 3 220 Perfluorkohlen wasser stoffe (FKW) CF₄ Halbleiter­ und Elektronik industrie 7 390 C₂F₆ Halbleiterproduktion 12 200 Schwefelhexafluorid SF₆ Elektrische Hoch spannungs­Schaltanlagen 23 500 Stickstofftrifluorid NF₃ Halbleiter­ und Displayproduktion 17 200 Q: Greenhouse Gas Protocol. 63STATjournal 2 – 2026 Fluorierte Treibhausgase in Österreich Emissionstrends, Verursachende, Maßnahmen Grafik 2
Anteile der F-Gas- Gruppen an den österreichischen Emissionen 2023 in Prozent 20 1 1 77 HFKW SF₆ FKW NF₃ Q: STATISTIK AUSTRIA, Luftemissions ­ rechnung; Umweltbundesamt. Anschließend war ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen. Hauptgrund war der zunehmende Einsatz von HFKW als Ersatz für Fluorchlorkohlen­ wasserstoffe bzw. teilhalogenierte Fluorchlor­ kohlenwasserstoffe (FCKW/HFCKW) in Kälte­ und Klimaanlagen, wodurch die Emissionen trotz bestehender Verbote in anderen Bereichen stark zunahmen. Bis 2018/2019 stiegen die F­Gas­Emissionen auf einen Höchststand von rund 2,3 Mio. t CO₂­ Äquivalenten an. Seit 2019 ist jedoch eine Trend­ wende erkennbar: Die Emissionen sind seither rückläufig (2023: 1,82 Mio. t). Dieser Rückgang seit 2019 ist wesentlich auf regulatorische Maßnahmen zurückzuführen. Insbesondere die EU­weit beschränkten Inver­ kehrbringungsmengen für HFKW (Quote nsystem der ▶ F-Gas-Verordnung ) führten ab 2015 zu­ nächst zu einer Stabilisierung und schließlich ab 2019 zu sinkenden Emissionen. Zusätzlich trug die ▶ EU-MAC-Direktive (Mobile Air Conditioning) – das schrittweise Verbot von Kältemitteln mit hohem GWP­Wert in Kfz­Klimaanlagen ab 2011 – zur Minderung bei: Seit 2017 dürfen keine neuen Pkw mehr in Verkehr gebracht werden, die mit R­134a (GWP 1 430) befüllt sind. Folglich werden mit der Ausmusterung alter Fahrzeuge bis etwa 2030 auch diese Emissionen deutlich sinken. Neben solchen regulatorischen Effekten beein­ flussen auch Witterung und Wirtschaftslage die Emissionen leicht: So bewirkten z. B. 2023 der milde Winter einen geringeren Kältemittelbedarf, etwa bei Heizungswärmepumpen, und die Kon­ junkturabkühlung einen verminderten Kühlbedarf in der Industrie. Diese Faktoren trugen neben dem generell verstärkten Umstieg auf alternative Kühl­ mittel zum Rückgang bei. Trotz des jüngsten Rückgangs lagen die F­Gas­ Emissionen 2023 noch 17 % über dem Niveau von 1990, dem Basisjahr des Kyoto­Protokolls. Ihr Anteil an den österreichischen Gesamtemissionen betrug 2023 rund 2,4 %. Zum Vergleich: 2022 waren es 2,5 %. Global gesehen machen F­Gase derzeit etwa 2 % der Treibhausgasemissionen aus, könnten aber ohne Grafik 1
Entwicklung der österreichischen F-Gas-Emissionen in Mio. t CO₂-Äquivalenten 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 HFKW SF� und NF3 FKW Insgesamt 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2023 Q: STATISTIK AUSTRIA, Luftemissionsrechnung; Umweltbundesamt. weitere Maßnahmen bis 2050 auf 6 % steigen. [6]
Die nationale Entwicklung zeigt jedoch, dass durch konsequente Regulierung und Umstieg auf Ersatz­ stoffe ein Wendepunkt erreicht werden kann. Zusammensetzung Im Jahr 2023 wurden in Österreich insgesamt 1,82 Mio. t CO₂­Äquivalente an F­Gasen emittiert. Davon entfiel mit rund 77 % der Großteil auf HFKW. Mit einem Anteil von ca. 20 % folgte an 2. Stelle SF₆, während auf FKW und auf NF₃ nur ca. 1 % ent­ fielen. ▶ Grafik 2 Zum Vergleich: 2014 lag der HFKW­Anteil noch bei 81 %, FKW bei 3 %, SF₆ bei 16 % und NF₃ bei 0,5 %. [7] Der höhere Anteil von SF₆ in den letzten Jahren ist vor allem durch zeitlich verzögerte Emis­ sionen aus langlebigen Produkten – insbesondere aus früher verbauten Schallschutzfenstern – sowie durch weiterhin bestehende Anwendungen erklär­ bar, während die HFKW­Emissionen zuletzt leicht rückläufig waren. 6 Umweltbundesamt D (2011): »Avoiding Fluorinated Greenhouse Gases«. 7 Umweltbundesamt Ö (2016): »Emissionstrends 1990–2014«. 64 STATjournal 2 – 2026 Fluorierte Treibhausgase in Österreich  Emissionstrends, Verursachende, Maßnahmen Inhalatoren, zu nennen, die HFKW als Treibmittel nutzen. Diese machen zwar nur einen kleinen Anteil der HFKW-Emissionen aus (2023 ca. 24 Tsd. t CO₂-Äquivalente oder 1,3 % der HFKW), [9] werden aber mangels Alternativen weiterhin eingesetzt. Insgesamt stammen 2023 weit über 90 % der HFKW-Emissionen aus dem Sektor Kälte/Klima (inkl. Wärmepumpen), weitere ca. 5 % bis 7 % aus Schaumstoffanwendungen, der Rest verteilt sich auf Löschmittel, Aerosole und sonstige Anwendun­ gen (Elektronikprozesse < 1 % etc.). Perfluorierte Kohlenwasserstoffe FKW entstehen fast ausschließlich als Prozess­ gas-Verluste in der Halbleiter- und Elektronik­in­dus­ trie. In den 1990er Jahren war in Österreich noch die Primäraluminium-Herstellung der dominierende FKW-Emittent (flüchtige CF₄/C₂F₆ bei der Elektro­ lyse) mit 67 % Anteil im Basisjahr 1990. Nach Ende 9 Infraserv höchst: »GWP calculator«. Emissionsquellen Die Emissionsquellen unterscheiden sich deut­ lich zwischen den Gasgruppen. Die wichtigsten werden exemplarisch in ▶ Übersicht 2 aufgezählt. Hydrofluorkohlenwasserstoffe Hauptquelle sind Leckagen aus Kälte- und Klimaanlagen. Seit Mitte der 2000er Jahre sind diese Kälte-/Klima-Anwendungen die größte Emissionsquelle für F-Gase in Österreich. Dazu zählen gewerbliche Kühlanlagen (Supermarkt- Kälte, Kühlhäuser), stationäre Klimaanlagen in Gebäuden, Wärmepumpen sowie mobile Klima­ anlagen in Kraftfahrzeugen. HFKW (z. B. R-134a, R-410A, R-404A) dienen hier als Kältemittel. Über die Lebensdauer entweichen jährlich ein paar Prozent der Füllung durch Diffusion, Armaturen und Service­arbeiten – sogenannte »Kältemittel­ verluste«. Zusätzlich kommt es beim Entsorgen alter Anlagen oft zur Emission der Restfüllung, wenn keine Rückgewinnung stattfindet. [8] Neben Kälte/Klima trugen Schaumstoffe, ­insbesondere alte Dämmschäume, die HFKW als Treibmittel enthielten, bis etwa Mitte der 2000er signifikant zu den HFKW-Emissionen bei. Mit dem Verbot von HFKW-haltigen Schäumen 2003 gemäß der ▶ Industriegasverordnung gingen diese direk­ ten Emissionen bei der Herstellung stark zurück. Allerdings entweichen bis heute beim Schneiden, Gebrauch und Entsorgen älterer Schaumstoffpro­ dukte (z. B. PUR-Dämmplatten, Montage­schäume, Matratzen) noch F-Gase, wenn auch in abnehmen­ den Mengen. Weitere HFKW-Quellen sind Feuerlöschmittel in Spezialanwendungen (z. B. HFC-227ea in Gas­lösch­ anlagen) und aerosolartige Produkte. Hier sind vor allem medizinische Dosieraerosole, also Asthma- 8 Quelle für diese und weitere Informationen im Abschnitt »Emissionsquellen«: Umweltbundesamt Ö (2024): »­Klimaschutzbericht 2024«. Übersicht 2 Hauptemissionsquellen der F-Gas-Gruppen in Österreich Stand 2023 Gas­ gruppe Wichtigste Emissions­quellen 2023 Konkreter ­Anwendungsbereich HFKW Kälte- und Klimatechnik Leckagen aus Kühl-/Klimaanlagen in Gewerbe, Haushalten, Fahrzeugen Schaumstoffanwendungen Dämmungen, Montageschäume (insb. Entsorgung) Feuerlöschanlagen Stationäre Löschanlagen Medizinische Aerosole Vor allem Dosier­inhalatoren FKW Elektronik- und Halbleiterindustrie
Ätz- und CVD-Prozesse in Chipfertigung historisch: Aluminiumproduktion Nebenprodukt bei der Elektrolyse SF₆ Energieversorgung (elektr. Schaltanlagen) Hoch- und Mittelspannungsanlagen Metallverarbeitung (Magnesiumguss) Einsatz als Schutzgas Bauwesen (Schallschutzverglasung) Emissionen aus Altfenstern Elektronikprozesse Plasmaätzprozesse NF₃ Elektronikindustrie Halbleiter-, PV- und Displayproduktion (­Kammerreinigung) Q: STATISTIK AUSTRIA, Luftemissionsrechnung; Umweltbundesamt.

65 STATjournal 2 – 2026 Fluorierte Treibhausgase in Österreich  Emissionstrends, Verursachende, Maßnahmen ­Fensterscheibenzwischenraum gefüllt wurde. ­Das wurde 2003 durch die Industriegasverordnung verboten. Allerdings tritt SF₆ aus bereits verbauten Fenstern sehr langsam aus; hauptsächlich beim Bruch bzw. Entsorgen der Fenster entweicht die Füllung. Da solche Fenster eine Lebensdauer von rund 20 bis 30 Jahren haben, kommt es mit Ver­ zögerung erst in den letzten Jahren verstärkt zur Emission des damals eingeschlossenen SF₆. Die Emissionen aus der Entsorgung von Schallschutz­ fenstern machen inzwischen einen relevanten Teil der SF₆-Bilanz aus. 2023 lag der Anteil geschätzt bei 10 % bis 15 %. Zusammengenommen stammen 2023 rund drei Viertel der SF₆-Emissionen aus dem Betrieb und Handling elektrischer Schaltanlagen (­Energie- und Industrienetzinfrastruktur), etwa 15 % bis 20 % aus der Entsorgung alter Schallschutzfens­ ter und der Rest aus sonstigen Anwendungen. Zu letzteren gehören Elektronikprozesse, wo SF₆ ähnlich wie FKW als Ätzgas genutzt wird, sowie Magnesium-Gießerei-Verluste. Stickstofftrifluorid NF₃ wird fast ausschließlich in der Elektronik­ industrie eingesetzt. Konkret zu nennen sind die Flachbildschirm-, Photovoltaik- und Halbleiter­ produktion, wo es insbesondere zur Plasma-Reini­ gung von Beschichtungsanlagen (CVD-Kammern) verwendet wird. In den 1990er Jahren spielte NF₃ praktisch keine Rolle; es ist ein »neueres« F-Gas, das als Ersatz für perfluorierte Gase in bestimmten Prozessen einge­ führt wurde. Die NF₃-Emissionen in Österreich stei­ gen seit etwa 2010 mit der Zunahme entsprechen­ der Produktionskapazitäten leicht an und lagen 2023 bei rund 17,8 Tsd. t CO₂-Äquivalenten. [11] Damit ist NF₃ zwar klimarelevant (GWP ca. 17 200), sein absoluter Beitrag bleibt aber klein. Die 11 Umweltbundesamt Ö (2016): »Emissionstrends 1990–2014«. der Aluminiumerzeugung in Rans­hofen 1992 san­ ken diese Emissionen gegen 0. Heute stammen FKW-Emissionen vor allem aus der Mikrochip- und Elektronikfertigung – etwa durch Ätzprozesse und Plasma-Reinigungsschritte, bei denen Gase wie CF₄, C₂F₆, C₄F₈ eingesetzt werden. Der Anteil Österreichs ist hier gering und konzentriert sich auf wenige hochspezialisierte Industrie­anlagen (z. B. Wafer-­ Produktion). 2023 wurden laut Umweltbundesamt rund 26 Tsd. t CO₂-Äquivalente an FKW freigesetzt, nahezu vollständig im Sektor Elektronik/Halbleiter. Das entspricht lediglich rund 1,4 % der gesamten F-Gas-Emissionen. [10] Schwefelhexafluorid Obwohl SF₆ mengenmäßig nur einen kleinen Teil der Anwendungen ausmacht, ist es in Öster­ reich durch sein sehr hohes GWP von rund 23 500 für ein Fünftel der Klimawirkung verantwortlich. Hauptquelle ist die Energieversorgung, genauer gesagt elektrische Schaltanlagen in Hoch- und Mit­ telspannungsnetzen. SF₆ dient hier seit Jahrzehn­ ten als gasförmiges Isolier- und Löschmedium in Leistungsschaltern, GIS-Anlagen und anderen Be­ triebsmitteln. Emissionen entstehen durch Lecka­ gen aus den geschlossenen Systemen im Betrieb sowie bei Wartung und Entsorgung der Anlagen. Daneben wurde SF₆ in Österreich in Magnesium- Druckgießereien als Schutzgas gegen Metalloxi­ dation eingesetzt – diese Leichtmetallgießereien trugen in den 1990er Jahren zeitweise zu mehr als 10 % der F-Gas-Emissionen bei. Durch Umstellung auf Alternativen (z. B. SO₂-Gas) sind SF₆-Emissionen im Magnesium-Guss stark gesunken und heute ­marginal – 2023 betrugen sie geschätzt weniger als 1 % der SF₆-Emissionen. Eine weitere SF₆-Quelle war bis 2003 die Her­ stellung von Schallschutz-Isolierglas (»Schall­ schutz­fenster«), bei der SF₆ als Füllgas in den 10 Umweltbundesamt Ö (2016): »Emissionstrends 1990–2014«.