Brehms Tierleben, Band 10: Die Niederen Tiere
Einer anderen Familie (Dichelestina) gehört 08 0 Lernanthropus an. An dem kleinen Kopfbrust⸗ 1 IS stück sehen wir drei Paar Klammerorgane. Die \ 8 vorderen Beine des Abdomen sind fast verkümmert, e die hinteren zu großen Platten umgestaltet. Aus | 3 8 N S der ganzen, ziemlich umfangreichen, sowohl an See: | 3 3 © fischen als an Süßwasserfischen wohnenden Familie Sg 8 = haben sich die Männchen bisher der Beobachtung SI 8 entzogen.
Aus der Familie der Lernaeonemidae stellt 8 sich uns eine Brachiella vor, der Galerie weiblicher 5 Schönheiten, die hier vereinigt sind, vollkommen e entsprechend. Am Grunde des wurmförmig ver— Di 13 längerten Kopfbrustteiles sitzen ein Paar Kieferfüße, h0 0500 4 N 5 1 welche, gleich Armen verlängert, am Ende mitein—. = ander verwachsen find und an dieser Stelle einen 3 10 e Saugnapf tragen, den sie in die Haut ihrer Wirte FR N 1 einsenken. Außer an den kleinen Mundwerkzeugen 2 Al Ka ZA % it jede Spur einer Gliederung geschwunden. „ zn
Die vier übrigen Gestalten find Lernaeoceri- ace ee en, DR.
dae, welche durch eigentümliche Fortsätze und Aus⸗ 1 eis Farmeener Alle 10 n 5 05 wüchse am Kopfe charakterisiert sind. An dem mit sackförmigen Ausweitungen versehenen Leibe der Haemobaphes hängen ein Paar wie Locken zusammengedrehte Eiersäcke. Von diesem Leibe ist ein dünner, halsartiger Teil scharf abgesetzt. Der obere Teil desselben ist zurückgebogen, und das ganze Vorderende von diesem Winkel an wird bei den Fischen, welche der Schmarotzer sich erkiest, in das vom Herzen nach den Kiemen führende Blutgefäß eingesenkt, während der übrige plumpe Körper zwischen den Kiemen ruht. Ein anderes edles Organ wählt die zur vorigen Familie gehörige Lernaeonema monilaris zu ihrem Sitze, sie bohrt ihren Kopf in das Auge der Heringe ein. Auch
die Pennella-Arten wollen des Dichters Wort: „Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist so wohlig auf dem Grund“ zu schanden machen, da das tief eingesenkte, wie mit wucherndem Geäst überwachsene Vorderteil gewiß keine angenehmen Empfindungen erregt. Eine gefühlvolle Seele kann einigermaßen durch die schlanke, sogar etwas an die menschliche Gestalt erinnernde Leibesform der Pennellen sich aussöhnen lassen.
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Fischläuse: a) Lernasonema, 3 mal vergrößert; b) Brachiella, 9 mal vergrößert; e) Pennella, 5 mal vergrößert; d) Haemobaphes, natürliche Größe; e) Herpyllobius, 3 mal vergrößert.
Nur wenige dieser Schmarotzer leben auf anderen Tieren als auf Fischen. Dazu gehört der auf verschiedenen Borstenwürmern der nördlichen Meere sich ansetzende Herpyllobius. Sein Vorderteil ist zu einer unregelmäßigen Platte ausgewachsen, welche sich ganz in den Körper seines Opfers einsenkt. Ein stielartiger Hals verbindet jenen Vorderteil mit dem kugelig angeschwollenen Leibe, an welchem die obligaten Eiersäcke mit Aussicht auf reichliche Nachkommenschaft nicht fehlen. |
Wir zweifeln nicht, daß viele Leser sich mit Widerwillen von dieser Nachtseite der Tierwelt abwenden. Diese Menge von Fratzen und Karikaturen, selbst ohne ein heiteres Dasein und anderen Geschöpfen zur beständigen Plage und Qual, können unmöglich, für sich betrachtet, einen wohlthätigen, befriedigenden Eindruck machen. Sie durften aber doch
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in dem großen Bilde, das wir von dem „Kampfe um das Dasein“ und den dabei beteiligten Streitern zu entwerfen unternommen, nicht fehlen. Sie füllen eben einen Platz aus, der da war, und den sie sich erobert haben; nur aus dem Ganzen sind sie zu erklären, zu verstehen, zu würdigen; und noch oft im Verlaufe unserer Darstellung werden ähnliche Verhältnisse uns beschäftigen müssen.
Von der zehnten Ordnung, den Muschelkrebschen (Ostracoda), sei bloß erwähnt, daß diese sehr alte Sippe aus kleinen Tieren besteht, welche keinen gegliederten Körper, aber 7 Paar Gliedmaßen haben und von einer hornigen bis kalkigen, oft elegant gerippten und gegitterten zweiklappigen Schale umgeben sind, welche seitlich zusammengedrückt, auf dem Rücken durch eine chitinöse Membran verbunden ist und unten mit einem Spalt offen steht. Die Schalen können durch einen Muskel geschlossen werden, und es kann sich das Tier vollkommen in dieselben zurückziehen. Die Artenzahl beträgt gegen 550; sie finden sich im süßen und salzigen Wasser der ganzen Erde, und manche scheinen kosmopolitisch verbreitet zu sein. In die Tiefsee gehen sie bis gegen 5500 m.
Die Tiere sind stets getrennt geschlechtlich und zeigen oft einen bedeutenden geschlechtlichen Dimorphismus, indem die Männchen höher entwickelte Sinnesorgane als die Weibchen und zu Faß- und Halteapparaten umgebildete Gliedmaßen haben. Ihre Geschlechtsorgane sind kompliziert gebaut, und ihre Samenelemente fallen durch ihre enorme Größe auf. Bei Cypris ovum ist ein Spermatozoon so lang wie das ganze Tier.
Die Weibchen der meisten Arten legen ihre Eier an Wasserpflanzen, andere behalten dieselben bei sich in der Schale, bis die Jungen auskriechen. Die Metamorphose ist eine ziemlich verwickelte, und die Larve verläßt das Ei als Nauplius. Neben einer geschlechtlichen Fortpflanzung findet sich bei Cypris auch eine ungeschlechtliche. Die Krebschen ernähren sich von animalischer Kost, besonders von verwesenden Tierleichen.
Elfte Ordnung. Die Riemenfüßer (Branchiopoda).
Die meisten zu dieser aus mehr als 300 Arten bestehenden Abteilung gehörigen Krebse besitzen eine schildförmige oder muschelähnliche Schale, welche, von der Rückenhaut aus: gehend, den Körper bis auf die Spitzen der Gliedmaßen zu verhüllen pflegt. Abgesehen aber von dieser, nicht allen Gattungen zukommenden Decke, scheiden sie sich von den übrigen Krebsen durch ein minder deutliches Zerfallen des Körpers in gesonderte größere Abschnitte und den mehr oder minder vollständigen Mangel eines Brustteiles mit seinen Gliedmaßen. Die Zahl der Segmente, welche die Abschnitte zusammensetzen, ist sehr schwankend und variiert oft bei Arten der nämlichen Gattung. So ist sie bei Polyphemus 9, bei Apus productus 33, bei A. cancriformis 39 und bei A. numidicus 46. Es fehlen häufig die Gliedmaßen, welche den Hilfskiefern der Zehnfüßer entsprechen würden, und mit ihnen oft auch das zweite Paar der Unterkiefer. Desto ausgebildeter sind die Gliedmaßen des hinteren Körperabschnittes. Sie sind entweder alle oder nur die vorderen von ihnen blattförmig und zu Kiemen und Flossen umgewandelt.
Indem auch bei ihnen das Verhalten zur Außenwelt sehr einfach und einförmig verläuft und durchaus keine Anhaltspunkte zu brillanten Schilderungen gibt, Ban die zum
Brehm, Tierleben. 3. Auflage. X.
Teil sehr eigentümlichen Züge ihrer Fortpflanzungsweise und Entwickelung unser Interesse erregen und befriedigen. Von den meisten Kiemenfüßern finden sich die Weibchen massenhaft, die Männchen selten. Ja, von einer der gemeinsten Gattungen, dem Kiefenfuß, sind die Männchen überhaupt erst 1856 von Kozubowski entdeckt worden. Von anderen kommen sie nur eine kurze Zeit des Jahres vor, und es folgen sich während der übrigen Monate mehrere Generationen ohne Zuthun der Männchen. Auch darin unterscheidet sich der Haufe in seiner Gesamtheit von den anderen Ordnungen, daß seine meisten Mitglieder im süßen Wasser oder wenigstens in Binnengewässern leben. Dies deutet auf eine uralte Abzweigung von dem urweltlichen Stamme der Krebse.
Die Familie der Blattfüßer (Phyllopoda) umfaßt die größten der jetzt lebenden Branchiopoden und ist zwar nur in wenigen, aber ausgezeichneten Gattungen verbreitet. Ihr dünnhäutiger Körper ist meist von einer schildförmigen oder zweiklappigen Schale bedeckt und trägt an den zahlreichen Ringen des Nachleibes 10—60 Paare blattförmiger Schwimmfüße mit Kiemenanhängen. Den Jungen fehlt sowohl die Schalenhülle als die reiche Körper: gliederung; auch erhalten sie ein fremdartiges Aussehen durch die als Ruderorgane dienenden großen Fühler, welche bei den ausgewachsenen Individuen mehr oder weniger eingehen. Sie schwimmen auf dem Rücken und setzen durch ihr massenhaftes Erscheinen an Orten, wo sie jahrelang nicht bemerkt wurden, denjenigen in Erstaunen, der nicht weiß, daß ihre Eier die Entwickelungsfähigkeit bewahren, auch wenn sie mehrere Jahre eingetrocknet lagen. Dies gilt besonders vom Kiemenfuß, welcher gern auf Wiesen nach Überschwemmungen sich einstellt. Ja, es scheint, daß für manche Arten das vorherige Eintrocknen eine Bedingung für die Entwickelung der Eier ist, bei anderen hingegen schadet es zwar nichts, ist aber durchaus nicht notwendig.
Die Gattung Kiemenfuß (Branchipus) gehört zu einer kleinen Gruppe mit ges stielten, beweglichen Augen; auch ist sein Körper nicht von einer Schale umhüllt. Die meisten der bekannten 18 Arten sind im männlichen Geschlechte oft sehr bunt gefärbt und leben im süßen Wasser; das größte Interesse beansprucht aber der Salinen-Kiemenfuß oder das Salzkrebschen (Artemia salina), welcher nicht bloß im Meere, sondern auch in künstlich angelegten Salinen und in weit vom Meere entfernten, aber als Meeresüberbleibsel anzusehenden Salzseen und Salzlachen des Binnenlandes massenhaft vorkommt. Das Tierchen wird nur wenige Millimeter lang. Ich fand dasselbe in den schon ziemlich konzentrierte Salzlauge enthaltenden Bottichen der Seesalzsaline bei Greifswald, und man erzählte, daß das jähe Absterben der Artemien das Zeichen für die Arbeiter sei, daß die Salzlösung hinlänglich durch Verdunstung an der Sonne konzentriert und zum Versieden geeignet sei. Auch in den Salinen des südlichen Frankreich und bei Triest und Odessa, in den natürlichen Salinen von Adana bei Tarsus, wo es von dem bekannten Reisenden Kotschy beobachtet wurde, in den Natronseen Agyptens, nach Schmardas Bericht, und an anderen Orten ist das Tier gefunden worden.
Das Salzkrebschen ist eine von den Arten, bei welchen die Fortpflanzung durch Eier, ohne männliches Zuthun, die sogenannte Parthenogenesis, sicher beobachtet wurde. Die Mitteilungen hierüber von Karl Vogt und dem eine lange Reihe von Jahren mit diesen Erscheinungen beschäftigt gewesenen K. von Siebold geben uns zugleich weitere Einblicke über Vorkommen und Leben dieser Tiere. Vogt hatte aus Cette eine Sendung erhalten, welche in verschlossenen Gefäßen 36 Stunden unterwegs waren. Sie gediehen in einem mit Seewasser von ebendaher gefüllten Aquarium, legten Eier, und die Larven krochen aus.
„Bis jetzt habe ich“, schrieb Vogt aus Genf, „in meiner ganzen Sendung noch kein Männchen finden können, während bei Branchipus diaphanus, den ich aus einer Pfütze auf dem etwa 4000 Fuß hohen Reculet des Jura im vorigen Jahre erhielt, und den ich dieses Jahr aus Eiern im Aquarium zog, Männchen und Weibchen ungefähr in gleicher Anzahl vorhanden waren. Ich zweifle nicht, daß die Artemien noch in verschlossenen Gefäßen lebend in München ankamen.“ Wir lassen uns nun von dem berühmten Münchener Zoologen weiter berichten. „Mit welchem Eifer“, sagte er, „ich dieses Anerbieten ergriff, um mir endlich den langersehnten Genuß zu verschaffen, die interessanten Artemien lebend beobachten zu können, läßt sich wohl denken. Ich hatte nichts Eiligeres zu thun, als umgehend den Wunsch auszusprechen, lebende Artemien zu besitzen. Professor Vogt willfahrte mit der größten Zuvorkommenheit meinem Wunsche und sendete am 23. August eine Partie dieser lebenden Phyllopoden nach Berchtesgaden. Die Artemien kamen mit der Post in einem dicht verschlossenen Glase glücklich lebend an. Auf das äußerste überrascht und erfreut, zählte ich 70 erwachsene und einige nicht ganz ausgewachsene muntere Artemien, zwischen welchen noch viele eben ausgeschlüpfte Embryos sich herumtummelten; nur fünf Leichen lagen am Boden des Glases. Noch muß ich bemerken, daß das Glas drei Viertel Seewasser und ein Viertel Luft enthielt. Alle erwachsenen Artemien dieser Sendung waren Weibchen. Es scheinen demnach die Salzlaken von Cette ebenso wie die Salzteiche von Ville Neuve bei Marseille, von welchen Joly sein Beobachtungsmaterial entnommen hatte, zu denjenigen Fundorten zu gehören, in welchen die Artemia salina nur durch eingeschlechtige Generationen sich fortpflanzt.“ Von dieser ausschließlich weiblichen Generation wurden nun teils Eier produziert, welche jedoch nicht abgelegt wurden, da die Tiere vorher starben, teils lebende Junge geboren, und unter den vielen lebend geborenen Artemien sah von Siebold abermals kein einziges Individuum sich zu einem Männchen heranbilden. Das auffallende Faktum, daß Tiere derselben Zucht bald eierlegend, bald lebendig gebärend waren, glaubt unser Forscher darauf zurückführen ER zu müssen, daß bei den letzteren die Eierschalendrüsen weniger volle a) Kiemenfuß (Branchipus ständig entwickelt sind. „Das Eierlegen“, ist seine Ansicht, „tritt bei Ae Se Artemia salina nur dann ein, wenn die Eierschalendrüsen sich so natürliche Größe; e) Salz: vollkommen entwickelt haben, daß sie die gehörige Menge gerinnbarer e bee Stoffe absondern können, denn nur dadurch werden die Eier derselben eine feste, dauerhafte Schale erhalten können. Von einer solchen festen, widerstandsfähigen Schale umgeben, werden die Eier die Eigenschaft erlangen, im Schlamme versteckt, ja sogar im Schlamme vertrocknet, unter der Einwirkung auch der ungünstigsten äußeren Verhältnisse auszudauern und noch nach Verlauf von längeren Zeiträumen ihre Entwickelungsfähigkeit zu bewahren. „Ist dagegen die Entwickelung der Eierschalendrüsen bei einer trächtigen Artemie nicht gehörig zu stande gekommen, so fehlen die Bedingungen einer festen und dauerhaften Schale. Die Eier solcher Artemien erhalten dann nur eine ganz dünne Haut, infolgedessen die für die Entwickelung des Embryos günstigen Einflüsse leicht auf den Einhalt von außen einwirken und so die Embryobildung beschleunigen werden.“ Die Eier der Phyllopoden sind nach den Beobachtungen von Semper außerdem sehr eurytherm, d. h. die Temperatur,