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Brehms Tierleben, Band 9: Die Insekten, Tausendfüßer und Spinnen

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Unsere Biene hat die Größe und Körperform einer zahmen Arbeitsbiene, durchaus ein graubraunes Haarkleid, welches jedoch auf dem Hinterleibe dünn genug it, um die schwarze Grundfarbe durchleuchten zu lassen. Während beim Weibchen der obere Teil des Kopfes und die Unterseite des ganzen Körpers mehr schwarz erscheint, teils durch so gefärbte Haare, teils durch die Sparsamkeit der lichten, hat das etwas kleinere Männchen hier einen weißlichen Anflug, einen ebensolchen Haarschopf im Gesicht, und auf dem Rücken sind die Hinterränder der Leibesringe bei frischen Stücken gleichfalls etwas lichter. Die Behaarung der Hinterbeine ist bei dem Weibchen nur spärlich. Von den Sandbienen unterscheidet sich die Seidenbiene durch die vorn erweiterte, schwach ausgeschnittene Zunge und die damit im Einklang stehende Verkürzung der übrigen Mundteile.

Die Mörtelbiene, gemeine Maurerbiene (Chalicodoma muraria), dem Ansehen nach eine Hummel, braucht nicht ausführlich beschrieben zu werden, da sie in beiderlei Geschlecht hier vorliegt. Es sei nur bemerkt, daß das Weibchen durchaus schwarz aussieht, einschließlich der Flügel, welche nach der Spitze zu etwas lichter werden, daß das Männchen sich fuchsrot kleidet, und endlich, daß die Zunge sehr lang, die zugehörigen Taster zwei: gestaltig, die Kiefertaster zweigliederig und die vorn verbreiterten Kinnbacken vierzähnig und vierfurchig sind. Der Bauch ist gleich dem Rücken stark behaart, und zwar beim Weibchen mit mehr borstigen, nach hinten gerichteten Haaren, um den Blütenstaub zur Futterbereitung damit einzutragen; es ist mit einem Worte ein Bauchsammler.

Nachdem sich im Mai die Bienen durch ein rundes Loch aus ihren Nestern hervorgearbeitet und unter stark summendem Umherfliegen gepaart haben, beginnt das Weibchen

Große Ballenbiene Rauhe Seidenbiene. Mörtelbiene. 247—

mit dem Baue und legt dabei seine natürlichen Anlagen als Maurer an den Tag, denn die Wohnungen werden an Steine, allenfalls auch an der festen, nicht lehmigen Außenseite eines Hauses angeklebt, wie es die Hausschwalbe mit ihrem Neste thut. Der Baustoff besteht aus feinen Sandkörnchen, welche mittels Speichel sich so fest verbinden, daß Kraft und ein spitzes Werkzeug dazu gehören, um eine Zelle zu öffnen. In irgend einer schwachen Vertiefung, welche die Biene überall an solchen Stellen findet, ohne lange suchen zu müssen, fertigt sie in kürzester Zeit eine aufrecht stehende Zelle von der Form eines kleinen, sich nach oben verengernden Fingerhutes. In einem Falle, wo ich ein Nest zerstört hatte, benutzte sie die stehen gebliebenen Reste als Unterlage zum Neubau. Die Zelle ist inwendig geglättet, auswendig rauh, jo daß man die Sandkörnchen unterscheiden kann. Sobald die Zelle so weit fertig ist, daß sie sich oben wieder verengert, wird sie voll Honigbrei getragen, ein Ei darauf gelegt und so eilig wie möglich durch einen dem Boden genau entsprechenden Verschluß vollendet. Sie sieht dann aus wie das geschlossene Gehäuse 7 mancher Schmetterlings— puppen. Möglichst schnell deD u)0 muß die Verwahrung ge— I schehen, weil allerlei Feinde umherlungern, welche Böses im Schilde führen. | Neben dieser ersten entsteht.rl 1 5 in gleicher Weise eine zweite tor, 1 f I0 Zelle, die in dem Winkel, 1 | u welchen die Mauer mit der Mörtelbiene (Chalicodoma muraria). 5 get mit nr Bienen und hr » einer geöffneten Zelle mit Larve, 2) Männchen, 3) kämpfende Weibchen. Alles in

Böschung der ersten bildet, natürlicher Größe.

ihre Hinterwand bekommt. So wird nach und nach eine Vereinigung von mehr oder weniger Zellen fertig, welche zum Teil neben-, zum Teil übereinander liegen, ohne bestimmte Ordnung, teils parallel, teils schräg gegeneinander gerichtet. Ihre Zahl hängt entschieden von der Witterung und von den sonstigen Störungen ab, denen das bauende Weibchen ausgesetzt ist. Eine eigentliche Heimat hat dasselbe nicht; denn der frei gelegene Ort, wo es die Zellen aneinander mauert, bietet ihm in keiner Weise ein Obdach. Ich entsinne mich, nie mehr, eher weniger als zehn Zellen beisammen gefunden zu haben. Dieselben werden auf ihrer welligen Oberfläche roh geglättet, so daß das Nest schließlich einem Kotklumpen zum Verwechseln ähnlich sieht, welchen ein Bube an die Wand warf, und der nun angetrocknet ist.

Nur ein Weibchen erbaut die eben näher beschriebene Zellengruppe, welche Anfang Juli mit dem Verschwinden der Baumeisterin fertig ist. An einer anderen Stelle in der Nähe arbeitet meist eine zweite, dritte; denn man findet jene „Anwürfe“ in Mehrzahl. Dabei haben diese Bienen keinen Sinn für Geselligkeit; im Gegenteil, sie feinden sich nach Reéaumurs Beobachtungen an. Während die eine arbeitet, erzählt er, kommt manchmal eine andere, welche die Zelle als ihr Eigentum beansprucht und sich nicht selten eine halbe Stunde lang gegen die zurückkehrende Eigentümerin wehrt. Sie fliegen mit den Köpfen gegeneinander und werfen sich zu Boden, wo sie sich wie Fechter miteinander herumbalgen. Bisweilen fliegt die eine senkrecht in die Höhe und läßt sich plötzlich auf die andere

Mörtelbiene (Chalicodoma muraria). 5 get mit nr Bienen und

herunterfallen, welche sodann auszuweichen sucht und rückwärts zu fliegen scheint. Endlich ermüdet eine und fliegt davon; ist es die Eigentümerin, so kommt sie bald wieder zurück, und der Kampf beginnt von neuem. Ob sie sich dabei zu stechen suchen, wurde nicht beobachtet. Geht einmal eine Biene während der Arbeit zu Grunde, so ergreift eine andere Besitz vom angefangenen Baue, auch geschieht dies, wenn ein altes Nest leer ge: worden ist, weil sich die Eigentümerin nicht mehr darum kümmert. Es kommt sodann eine andere, schafft die Gespinste und den Unrat heraus, trägt Futter ein und schließt die Zelle. Dabei gibt es gewöhnlich Kämpfe. So weit Réaumurs Bericht. — Die Made, deren Aussehen keine weitere Eigentümlichkeit bietet, ist bald erwachsen, spinnt eine glasige Haut um sich, wird zur Puppe und diese zur Biene, jedoch zu verschiedenen Zeiten. Im heißen Sommer 1859 fand ich schon am 15. August entwickelte Bienen, am 10. April des vorangegangenen Jahres noch Maden. Fest steht aber, daß jene auf natürlichem Wege nicht früher an das Tageslicht gelangen als diese, nämlich Anfang Juni. Die runden Löcher auf der oberen Seite des abgebildeten Nestes sind die von ihnen gearbeiteten Ausgangsstellen, die eine untere Zelle wurde geöffnet dargestellt, um eine Larve zur Anschauung zu bringen.

Die Mörtelbiene hat manchen Feind aus den verschiedensten Insektenordnungen, nach von Frauenfeld die Melo erythrocnemis, einen Käfer, und die Trauerfliege Argyro-moeba subnotata; ich erzog aus einem Puppengespinste 16 Weibchen und 2 Männchen einer kleinen Zehrwespe, welche Förster Monodontomerus Chalicodomae genannt hat, eine reichlich 5 mm lange Pteromaline von dunkelgrüner Erzfarbe mit rostrotem Fühler: schaft und von den Schienen an mit ebenso gefärbten Beinen, um den Randast der ungeaderten Flügelchen etwas getrübt. Der Bohrer des Weibchens ist von Hinterleibslänge. Er konnte meiner Ansicht nach nicht die Steinhülle bis zur Larve durchdrungen haben, sondern die Eier mußten vor dem Schlusse der Zelle gelegt worden und erst viel später als das der Biene ausgeschlüpft fein, damit die jungen Lärvchen in der mehr oder weniger erwachsenen Larve ihre Nahrung vorfanden.

Von Bauchsammlern kennt man noch zahlreiche Arten, wie die Kugel- oder Wollbienen (Anthidium), darum mit letzterem Namen belegt, weil sie ihr Nest mit wolligen Pflanzenstoffen ausfüttern. Ihr Hinterleib ist fast halbkugelig, kahl und gelbfleckig, oder gelb gerändert, was bei Bienen sonst selten vorkommt. Die Mauerbienen (Osmia) haben einen gleich breiten, oben stark gewölbten Hinterleib, viergliederige Lippen- und Kiefertaster. Die Randzelle der Vorderflügel liegt mit ihrer Spitze der Randader nicht an, und der zweite rücklaufende Nerv mündet merklich entfernt vom Ende der zweiten und zugleich letzten Unterrandzelle in diese (Fig. 2, S. 214). Sie legen ihre Nester in Mauerlöchern an, benutzen dazu auch den verlassenen Bau anderer Bienen in Holzpfosten, Baumstämmen ꝛc. und fertigen mehrere fingerhutförmige Zellen aus Sand oder Erde; andere fand man in leeren Schneckenhäusern bauend, wie Osmia bicolor. Ein hübsches, hierher gehöriges

Tierchen ist die rote oder gehörnte Mauerbiene (Osmia rufa oder bicornis), welche wegen ihrer Größe und Bekleidung auf den ersten Blick an die gelbe Sandbiene erinnert. Ihr Hinterleib ist goldig fuchsrot, auf dem Rücken schwächer behaart, so daß die ehern glänzende Körperhaut durchscheint. Mittelleib und Kopf samt den Beinen sind schwarz behaart, und beim Weibchen ragen über dem Munde an den Kopfseiten zwei unregelmäßige, dicke Hörner gerade heraus. Sie fliegt sehr zeitig im Frühjahr, nistet gern in röhrenförmigen Höhlungen, welche sie mit Lehm in Zellen teilt. Schenck fand zwischen Fensterrahmen und der Bekleidung am Weilburger Gymnasialgebäude eine Menge dieser Zellen, 12— 20 nebeneinander, und alle aus Lehm gebaut. Nach Offnen des Fensters

konnte man in sie hineinsehen, da sie dadurch ihrer Bedeckung beraubt worden waren. In den ältesten befanden sich erwachsene Larven und wenig oder gar kein Futter mehr, in den folgenden wurden die Larven immer kleiner, die trockenen, pollenreichen Futtervorräte immer größer, dann folgten einige Zellen mit Eiern, und an der letzten baute die Biene noch, flog nicht weg, sondern legte sich wie die Hummeln mit emporgestreckten Beinen auf die Seite. Die zum Abfluß des Regens gebohrten Löcher erlaubten der Biene an bezeichneter Baustelle den Zutritt. RTd Ihn 0 100

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Gemeiner Blattschneider (Megachile centuncularis). a Weibchen, b Männchen, vergrößert; e Rosenblatt mit mehreren Ausschnitten und der arbeitenden Biene in natürlicher Größe; d ein Nest in einem Weidenstamme; e eine einzelne Zelle; k Deckelstück; g, h Seitenstücke; i senkrechter Schnitt durch eine Zelle mit dem am Boden liegenden Futterbrei; k Puppengehäuse. Natürliche Größe.

Sehr nahe verwandt mit der eben besprochenen Gattung sind die Blattschneider oder Tapezierbienen (Megachile). Der Hinterleib des Weibchens flacht sich auf dem Rücken bedeutend ab und sticht mit dem Stachel meist nach oben; der zweite rücklaufende Nerv mündet näher dem Ende in die zweite Unterrandzelle, und der Kiefertaster setzt sich aus nur zwei Gliedern zusammen. Beim Männchen sind die Endglieder der Fühler breitgedrückt und die beiden letzten Hinterleibsringe nach unten eingekrümmt; ihrer verschiedenartigen Zähnelung wird eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, wenn es sich darum handelt, die sehr ähnlichen Arten zu unterscheiden. Bei einer Abteilung haben die Männchen erweiterte Vorderfüße und weichen voneinander durch charakteristische Zeichnungen an der Innenseite der zugehörigen Schenkel ab, bei der anderen bieten die Zähne am Ausschnitt der Leibesspitze, die Endglieder der Fühler und die Verteilung der Behaarung gute Anhaltspunkte. Diese Bienen bauen ihre Nester in Baumlöcher, Mauerspalten, Erdhöhlen und fertigen hier fingerhutförmige, aneinander gereihte Zellen, welche sie in ganz bestimmter Weise aus Blättern gewisser Pflanzen kunstvoll zusammensetzen. Man hat Blattstücke der Bitter: pappel, Weißbuche, Rainweide, der wilden Mohnblüte und besonders des Rosenstockes als Baustoff im Neste gefunden.

Gemeiner Blattſchneider (Megachile centuncularis). a Weibchen, b Männchen, vergrößert; e Roſenblatt mit mehreren Ausſchnitten und der arbeitenden Biene in natürlicher Größe; d ein Neſt in einem Weidenſtamme; e eine einzelne Zelle; k Deckelſtück; g, h Seitenſtücke; i ſenkrechter Schnitt durch eine Zelle mit dem am Boden liegenden Futterbrei; k Puppen— gehäuſe. Natürliche Größe.

Der gemeine Blattschneider (Megachile centuncularis, S. 249) trägt sich im Mittelleibe braungelb und schwärzlich untermischt. Das Alter läßt auch hier die Haare ergrauen, besonders beim Männchen, welches sich die wenigsten Sorgen zu machen braucht. Den fast kahlen Hinterleib zieren nur vorn grauliche Zottenhaare und weiße, häufig unterbrochene Binden die Hinterränder vom zweiten bis fünften Ringe. Rotbraune Sammelhaare decken dicht den Bauch, und keine Ausschnitte, sondern nur undeutliche Zähnchen zeichnen das Endglied des Männchens aus. Nach Smith fliegt diese Art nicht nur in Europa, sondern auch in Kanada und den Hudsonsbai-Ländern.

Ende Mai, Anfang Juni erscheinen die Bienen. Wie immer im Leben finden sich die beiden Geschlechter sehr bald zusammen, und nach der Paarung beginnen für das Weibchen die Sorgen. Ob diese Art ausschließlich in altem Holze oder auch in der Erde ihre Zellen baut, will ich dahin gestellt sein lassen, jedenfalls sind derartige Zellen hier und dort gefunden worden und können möglichenfalls zwei verschiedenen Arten angehört haben. Die Höhle oder, besser gesagt, die Röhre war hier der Gang einer Weidenbohrerraupe, welche weiter zurechtgenagt wird, dort ein etwas verfallenes Mauseloch, die eigne Geburtsstätte; kurz, überall mag die Anlage vorgefunden und zu dem bestimmten Zwecke noch vervollkommt werden. In einem mir vorgekommenen Falle war es das Loch einer Zwirnrolle, welche an einem während des Tages geöffneten Fenster aufrecht längere Zeit gestanden hatte. Der Hauptteil der Arbeit besteht im Zellenbau. In einer gewissen Hast kommt die Biene herbeigeflogen, setzt sich in der Weise, wie sie unsere Abbildung zeigt, auf ein Rosenblatt und zirkelt ein Stück von der nötigen Größe heraus. Beim letzten Bisse hat sie es tütenartig gebogen zwischen den Beinen und ist damit auch schon in der Ferne verschwunden. War ihr die Bezugsquelle genehm, so ist sie sehr bald wieder da, um weitere Einkäufe zu besorgen. Die heimgetragenen Stückchen, zusammengebogen wie sie waren, werden jetzt losgelassen und schmiegen sich vermöge ihrer Federkraft an die Wand an. Da find ihrer 3—4 größere, auf fie folgt eine zweite Schicht aus gleich großen, welche an einem Ende schmäler als am anderen sind. Die vom gezahnten Blattrande gebildete Seite wird nach außen, die Schnittseite nach innen gelegt. In dieses Futteral bringt die Biene ein drittes aus abermals unter sich gleichen Stücken, welche mit ihren Flächen die Fugen der vorigen decken, bis endlich der kleine Fingerhut fertig ist. Gefüllt mit Honig und beschenkt mit einem Eie, erfolgt der Verschluß mit einem vollkommen kreisförmigen Stückchen, auf welchem der gerundete Boden der nächsten aufgesetzt wird und sich allmählich die Kette aufbaut, deren eine von nur vier Gliedern wir hier sehen. Die entwickelte Larve spinnt ein Gehäuse, und äußerlich bleibt alles bis zum nächsten Frühjahr in der Ordnung, wie es die sorgsame Mutter bei ihrem Tode hinterließ. Zu dieser Zeit wiederholt sich dasselbe, was schon bei der Holzbiene erzählt wurde, nur mit dem Unterschiede, daß der Ausmarsch nach oben erfolgt. — Obgleich die Biene, besonders das Männchen, NDDEUNREFEERTEBe nicht selten auf Blumen angetroffen wird, so hat man doch das Auffinden eines Baues immer einem besonderen Glücksumstande zuzuschreiben, da uns die Kunst der Wilden Neuhollands abgeht, die durch das Blatt gekennzeichnete bauende Mutter im Laufe zu verfolgen und uns von ihr das Nest zeigen zu lassen, wie sich jene den Meliponen gegenüber verhalten.

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