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Brehms Tierleben, Band 9: Die Insekten, Tausendfüßer und Spinnen

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Kleiner Kiefernrüſſelkäfer (Pissodes notatus) an einer Kiefer thätig, deren untere Partie entrindet iſt, um das Puppenlager zu verſinnlichen. Außerdem Käfer, Kleiner Kiefernrüſſelkäfer (Pissodes notatus) an einer Kiefer thätig, deren untere Partie entrindet iſt, um das Puppenlager zu verſinnlichen. Außerdem Käfer, Larve und Puppe etwas vergrößert.

unterhalb des ersten Quirles oder noch etwas höher und ziehen sich, unregelmäßig schwach geschlängelt und nach und nach breiter werdend, unterhalb der Rinde weiter nach abwärts. Der Raum ist nicht hohl, sondern mit braun und weiß gescheckten, wurstähnlichen Abfällen erfüllt. Am Ende derselben macht die Larve bei dünner Rinde eine eiförmige, tief in das Holz eingreifende Grube, welche in schwachen Stämmchen sogar das Mark trifft, bereitet um sich aus den weichen Abnagseln ein scharpieähnliches Polster und wird in demselben zur Puppe. Diese ruht nur wenige Wochen, und meist bohrt sich der Käfer durch ein Flugloch, wie mit Schrot Nr. 6 oder 7 geschossen, gegen den Herbst noch heraus, verkriecht sich jedoch, um zu überwintern, später wieder am Stammende in den Rindenrissen, zwischen Moos und Bodenstreu. Bei der ungleichen Entwickelung bleiben auch Larven und Puppen den Winter über im Lager zurück. Selbst in vorjährigen Zapfen sehr dürftig erwachsener Kiefern hat man die Larven vereinzelt oder bis zu dreien angetroffen.

Weil der Käfer seine ganze Thätigkeit gern auf einen und denselben Baum beschränkt, an demselben frißt, dem er auch die Brut anvertraut, so wird er, besonders den jungen Pflanzen, schnell verderblich, zumal wenn allerlei anderes Gesindel mit ihm im Bunde steht. Darum ist ein wachsames Auge auf ihn nötig und das sofortige Wegschaffen der befallenen Pflanzen unerläßlich.

Noch eine Reihe weiterer Arten derselben Gattung kommen für den Forstmann in Betracht, doch würde ihre nähere Unterscheidung uns hier zu weit führen.

Die Spitzmäuschen (Apion) find kleine, zierliche Käferchen, von deren gegen 400 auf der ganzen Erde verbreiteten Arten man einzelne das ganze Jahr sehen kann; denn, aus ihrem Winterschlafe erwacht, stellen sich etliche von ihnen auf den Sträuchern ein, sobald diese zu grünen beginnen, und mit dem fallenden Laube gehen sie schlafen; andere kriechen an niederen Pflanzen umher, von denen nicht nur sie, sondern auch ihre Larven sich ernähren, kurz sie sind überall, nur wegen ihrer Kleinheit oft unbemerkt. Der Körper ist birnförmig, hinten am dicksten, vorn in einen dünnen, walzigen Rüssel verlaufend, welcher beim Weibchen länger und schwächer zu sein pflegt als beim Männchen, bei einigen auch in der Wurzelhälfte dicker sein kann als in der Spitzenhälfte. Er trägt an seiner Wurzel oder in der Mitte die keulenförmigen, nicht gebrochenen Fühler. Das Halsschild, immer länger als breit, ist vollkommen walzig oder etwas kegelförmig, das Schildchen punft-förmig. Die Schenkel sind mäßig gekeult und unbewehrt, die Schienen gerade, die Füße schlank. Der zweite Bauchring, vom ersten nur durch eine sehr feine Naht getrennt, übertrifft die beiden folgenden zusammengenommen an Länge. Der Körper bleibt ohne Zeichnung, a A Erzglanz in Schwarz, Blau oder Grün, es kommen auch mennigrote Arten

| bor; die Flügeldecken pflegen tief gefurcht zu sein.

Bei dieser Einförmigkeit und Kleinheit ist die Unterscheidung vieler Arten mit bedeutenden Schwierigkeiten verbunden. Das sonneliebende Spitzmäuschen (Apion apricans) hat einen durchweg gleich dicken, wenig gebogenen Rüssel, welcher die Fühler in der Mitte

trägt, ein nach vorn verengertes, dicht punktiertes

Sede e Cam Halsschild. Die Flügeldecken find Fugelig:eiförmig, Ds ne „ne Eröße, Re punktiert gestreift, die Zwischenräume schwach ge- 5 wölbt. Das glänzend schwarze Käferchen hat rotgelbe Fühlerwurzel, dergleichen Vorderbeine und Schenkel an den übrigen Beinen, jedoch die Kniee aller sind schmal schwarz wie die ganzen Füße. Nach der Überwinterung paaren sich die

Käfer. Das Weibchen legt hierauf mehrere Eier an den Blütenstand des Kopfklees und gewiß auch anderer Kleearten. Zur Zeit des ersten Schnittes sind die Larven erwachsen und verpuppen sich zwischen den Blüten des Köpfchens. Ob in demselben Jahre eine zweite Brut zustandekommt, kann ich nicht behaupten. Apion assimile und A. trifolii führen dieselbe Lebensweise, und von manchen anderen weiß man, daß sie auf ganz ähnliche Art in Sämereien, besonders von Schmetterlingsblümlern, leben und sich daselbst auch verpuppen, oder bohrend in Stengeln. So frißt die Larve von Apion craccae die

Samen der Vogelwicken (Vicia cracca), jenes das Getreide stellenweise überwuchernden

Unkrautes, A. ulicis (auch ilieis) die des Gaspeldornes (Ulex europaeus), das nordamerikanische A. Sayi die Körner der Baptisia tinctoria. Apion flavipes lebt in den Köpfen des holländischen weißen Klees, Apion ulicicola erzeugt Gallen an Ulex nanus, in denen die Larve überwintert und sich verpuppt. Apion radiolus bohrt in den Stengeln von Malvengewächsen oder der Rainfaser (Tanacetum vulgare) und verpuppt sich darin. Die zahlreichen Arten auf den Sträuchern entwickeln sich jedenfalls hier auf eine noch unbekannte Weise. Die Larven, welche man kennt, sehen einander so ähnlich, daß man sie nur schwer unter dem Mikroskop unterscheiden kann,

Infolge der geraden (nicht geknieten) Fühler schließen sich einige Rüsselkäfergattungen unmittelbar an die Spitzmäuschen an und bieten durch die Brutpflege ihrer Weibchen ein um so höheres Interesse, als solche Erscheinungen bei Käfern außerordentlich selten vorkommen. Um ihrer Brut die nötigen Lebensbedingungen zu verschaffen, richten die Weibchen die für jene bestimmten Pflanzenteile besonders zu, sorgen, um den Endzweck der verschiedenartigsten Vorbereitungen in einen einzigen Begriff zu fassen, für deren Abwelken, und lehren uns hierdurch, daß die Larve der welken oder trocken gewordenen höchstens unter dem Einfluß wässeriger Niederschläge aus der Luft wieder etwas angefeuchteter Nahrung bedarf. Die Darlegung einiger bestimmter Fälle und der Gewohnheiten bestimmter Arten wird das Gesagte bestätigen und zu klarerer Anschauung bringen.

Der Hasel-Dickkopfkäfer (Apoderus coryli, Abbildung S. 152, Fig. 2), ein glänzend schwarzes, am Vorderrücken, den punktstreifigen, in den Zwischenräumen gerunzelten Flügeldecken und an den Schenkeln, mit Ausnahme ihrer Spitzen, rotes Käferchen von 6,5 bis fast 9 mm Länge, hat einen kurzen, dicken, wie ein Knötchen vor dem Kopfe sitzenden Rüssel, welcher an seiner Oberseite die keulenförmigen, ungebrochenen Fühler trägt, einen halsartig hinter den glotzenden Augen verengerten Kopf, einen kegelförmigen, vorn eingeschnürten Halsring, ein großes, queres Schildchen und vorn geradlinige, das Halsschild überragende Flügeldecken, welche sich hinten breit abrunden, so daß sie den Steiß unbedeckt lassen. Die zapfenförmigen Vorderhüften berühren sich und tragen, wie die übrigen voneinander abgerückten, keulenförmige, wehrlose Schenkel, diese gerade (bei anderen etwas gebogene) Schienen, welche beim Männchen in einen, beim Weibchen in zwei Haken auslaufen, und die Endglieder der Füße an der Wurzel aneinander liegende Klauen. Die beiden ersten Bauchringe sind miteinander verwachsen.

Dieser Käfer ist in ganz Deutschland und nördlich davon, in Schweden, gemein. In manchen Jahren erscheint er meist um die Mitte des Mai (1872 begegnete ich ihm einzeln schon am 24. April) auf Haseln, niederem Eichengebüsch, Ellern, Buchen und Hainbuchen, sofern fie in Buschform auftreten. Sein Fraß an den betreffenden Laubhölzern ist ohne Bedeutung, dagegen fallen die von den Weibchen ausgeführten Wickel von der Form einer kleinen Geldrolle auf, deren zwei, drei und manchmal noch mehr an einem größeren Blatte sitzen und dieses als Ernährungswerkzeug der Pflanze vollständig außer Thätigkeit setzen. In unserem Nachbarwalde, dem die beiden letztgenannten Holzarten vollständig fehlen, werden

fast ausschließlich die großen Blätter der Eichenstocktriebe bis auf einen geringen Flächenrückstand in dergleichen Wickel verwandelt, und zwar von dieser Art und von dem nachher zu erwähnenden Afterrüsselkäfer. Zu diesem Behufe schneidet das Weibchen in einiger Entfernung vom Blattstiele die eine Hälfte, die Mittelrippe, und von da noch etwas weiter in die zweite Hälfte der Fläche quer ein und wickelt den so entstandenen Fetzen, welcher durch Abwelken schlaff geworden ist, in der Weise, daß die Mittelrippe in der Längsachse liegt, die Spitze des Blattes und des Abschnittes desselben umgeschlagen und eingebogen den unteren und oberen Verschluß bilden. Zwischen den Falten der Rolle, meist in der Spitzennähe, liegt das bernsteingelbe Eichen, bisweilen auch ihrer zwei, ja drei, die entschieden während des Wickelns und nicht erst in das bereits fertige Döschen gelegt werden. Daß ein Weibchen eine größere Anzahl von Wickeln anfertigt und hierzu längere Zeit braucht, die Eier mithin in Wochen auseinander liegenden Zeitabschnitten gelegt werden, versteht sich von selbst. Ist die Witterung von der zweiten Hälfte des Mai an und während des Juni warm und windstill, so geht das Brutgeschäft rüstig von statten, und die Wickel mehren sich zusehends.

Vom Inneren des trockenen, höchstens durch Regen oder Tau vorübergehend angefeuchteten Wickels ernährt sich die Larve und verwandelt es allmählich in fadenförmig geschlängelten Kot von schwarzer Farbe. In den meisten Fällen dürfte die Rolle mit dem schlecht ernährten Blatte abgefallen sein, ehe die Larve erwachsen ist, wenigstens habe ich in den Wickeln, welche in der zweiten Hälfte des September 1871 eingesammelt und auf mäßig feucht gehaltenen Sand gelegt worden waren, noch am 25. April 1872 erwachsene, lebende Larven angetroffen, woraus ich schließen möchte, daß sie sich auch hier verpuppen. Trotz der zahlreichen Blätter, welche über Winter an den reich mit Wickeln versehenen Büschen noch haften, war auch nicht eins mit solchen mehr zu finden, weder am Eichenbusche, noch an der Erde. Die Angabe Ratzeburgs, daß der Käfer einer Sommerbrut schon im August fertig sei, wieder wickele und daß dann die junge Larve im Wickel überwintere, scheint, wenn richtig, nur zu den Ausnahmen zu gehören. Ich habe nie Wickel mit Flug- oder Schlupflöchern an den Büschen beobachtet, sondern nur zahlreiche, im Inneren nicht ausgefressene, deren Eier mithin nicht zur Entwickelung gelangt sein konnten. Sollte nicht auch nach dem Winter der Nahrungsstoff für die Larven wesentlich verändert sein im Vergleiche zu dem im trockenen Wickel während des Sommers gebotenen? Die Larve ist dottergelb und so stark gekrümmt, daß sie in der Mitte zusammengeklappt erscheint; die Wülste der drei ersten Körperringe treten nach unten, die des 4.— 6. Ringes auf dem Rücken stärker hervor als an dem übrigen Körperteile und sind mit Borstenhärchen besetzt. Der graubraune, an den Freßwerkzeugen dunklere und etwas zugeschärfte Kopf steht schief vor. Wegen der scharf eingekrümmten Stellung sieht man ihr Langhalsiger Dickkopfrüßler ihre Körperlänge von 11 mm nicht an. beben me Der langhalsige Dickkopfrüßler (Apoderus longicollis), eine javanische Art, steht der unserigen sonst nahe und wäre auch nicht größer, wenn sich der lange Hals nicht übermäßig verlängerte, besonders beim Männchen, welches Fabricius für eine besondere Art hielt und als Apoderus cygnus in die Wissenschaft einführte, ein Schwan in Wahrheit, was die Halsbildung anlangt. Ich konnte mir nicht versagen, dieses eigentümliche Wesen vorzuführen.

Der Afterrüsselkäfer (Attelabus curculionoides, Abbildung S. 152, Fig. 1) gleicht dem Hasel-Dickkopfrüßler in Körperbau und Lebensweise, fällt aber in ersterer

Hinsicht durch seine gedrungene Form und die nahezu halbkugelige Oberfläche auf. Der Rüssel ist dickwalzig, fast so lang wie der hinten nicht halsartig verengerte Kopf und trägt nahe seiner Wurzel, mehr oberseits, in tiefer Grube die ungebrochenen, in einen dreigliederigen Knopf auslaufenden Fühler. Das Halsschild ist fast halbkugelig und wie poliert, das Schildchen beinahe quadratisch. Die in den Umrissen viereckigen Flügeldecken sind hoch gewölbt, breiter als das Halsschild, hinten einzeln gerundet, so daß der Steiß sichtbar bleibt, auf der Oberfläche schwach und etwas runzelig punktstreifig, in den Zwischenräumen noch feiner punktiert. Die Schenkel sind dick, die Schienen am Ende zweihakig und die vordersten an der Innenseite sägezähnig. Der Käfer ist glänzend schwarz, an Flügeldecken und Halsschild glänzend rot und meist auch an der Fühlerwurzel rot.

Vom Mai bis Juli findet man ihn auf Eichengebüsch, wo das Weibchen genau eben solche Wickel für ein Ei anfertigt, wie der vorige. Ich sammelte beide zusammen, sie für die Wickel jenes haltend, und überzeugte mich erst durch die Verschiedenheit der Larven davon, daß ich es mit zwei Arten zu thun habe. Die Larve ist nämlich in allen ihren Gliedern gleichmäßig querrunzelig, sehr schwach behaart; der Kopf sitzt tief im ersten großen, auf dem quer viereckigen Rücken glatten Gliede, und die Körperfarbe ist nicht dottergelb, sondern schmutzig weiß. Am 30. Juni wurden Käfer bei Anfertigung der Wickel von mir betroffen, fertige Wickel eingetragen, in denen sich nur ein, und zwar kugelrundes, grünlich gelbes Ei vorfand. Die in der zweiten Hälfte des September abermals eingesammelten Döschen zeigten bei einer Durchmusterung am 6. November je ein Bohrloch, weil die Larve in den unten liegenden Sand zu weiterer Verwandlung eingedrungen war, während die unverletzten der vorigen Art angehörten. Aus diesen Wahrnehmungen geht der weitere Unterschied zwischen den beiden verwandten Arten hervor, daß die Verpuppung der Larven des Afterrüsselkäfers in der Erde erfolgt.

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