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Brehms Tierleben, Band 9: Die Insekten, Tausendfüßer und Spinnen

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Men) nie Größe. lenhoven einen in Leiden, welcher auf Kampescheholz gefangen worden war, und dessen grünes Licht so hell leuchtete, daß man ohne Mühe gewöhnliche Druckschrift dabei lesen konnte. Vielleicht dieselbe oder auch eine andere der großen Arten, die man auf Portorico Cucubano nennt, fliegt vom März bis Mai häufig in den Straßen der Ortschaften, kommt in Häusern und auf Holzplätzen vor, so daß auch ihre Larve im Holze hausen muß. Die Indianer fangen diese Feuerfliegen, indem sie eine glühende, an einen Faden gebundene Kohle in der Luft schwingen, nach der jene fliegen, und treiben in Veracruz Handelsgeschäfte mit ihnen. Man hält die Käfer in eigens für sie angefertigten Kästchen aus feinem Drahte, füttert sie mit Scheibchen von Zuckerrohr und — badet sie täglich zweimal, damit sie des Abends ihren Dienst nicht versagen und durch möglichst lebhaftes Leuchten bezaubern. Sie mögen sich längere Zeit am Leben erhalten lassen, denn neuerdings find einige mit herüber nach England ge bracht worden. Die Leuchtkraft der Feuerfliegen wird in den verschiedenen Gegenden zu verschiedenen Zwecken benutzt. So steckt man einige in ausgehöhlte, mit kleinen Löchern

versehene Flaschenkürbisse, um dadurch natürliche Laternen herzustellen. Sehr sinnreich ist die Verwendung zu nennen, welche die Damen davon machen, um ihre Reize zu erhöhen. Sie stecken des Abends die Käfer in ein Säckchen von feinem Tüll, deren mehrere in Rosenform am Kleide befestigt werden; am schönsten aber soll sich dieser Schmuck ausnehmen, wenn er, mit künstlichen, aus Kolibrifedern gefertigten Blumen und einzelnen Brillanten verbunden, als Kranz im Haare getragen wird.

Der Saatschnellkäfer (Agriotes segetis), ein ungemein verbreiteter Schmied von schlichtem Außeren, hat seiner Larve wegen mehr als andere seinesgleichen die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und eine traurige Berühmtheit erlangt. Der Körper ist weniger abgeflacht als bei der besprochenen und sehr vielen anderen Arten, von der aus der Abbildung zu ersehenden Form. Die Stirn wird durch keine Querfurche vom Gesichte getrennt, sondern biegt sich in der Mitte abwärts, beiderseits über den Mund hin einen Rand bildend. Die Fühler sind fadenförmig, das vorn stark polsterartig gewölbte und an den Ecken gerundete Halsschild ist so lang wie breit und läuft an den Hinterecken in je eine kräftige Spitze gerade aus. Auf jeder Flügeldecke zählt man acht Reihen schwarzer Punktstreifen, gleiche und ebene Zwischenräume zwischen sich lassend, von denen der zweite und vierte (von der Naht gerechnet) wenig dunkler als | die anderen find. Die ganze Saatschnellkäfer (Agriotes segetis) und Larve, deren letztes Glied auch von der

Oberseite des Käfers und Unterseite. Vergrößert. Larven an den Wurzeln in natürlicher Größe.

die Beine erscheinen durch Behaarung gelblichgrau, auf der Unterseite dagegen schimmert die schwarze Grundfarbe mehr durch. Die Länge beträgt ziemlich 9 mm.

Die Überwinterung des Käfers, bevor er sich fortpflanzt, beweist der Umstand, daß er im Frühjahr vom großen Wasser aus seinen winterlichen Schlupfwinkeln herausgespült und, noch ehe er aus der Erstarrung erwacht, zahlreich angeschwemmt wird. Er treibt sich auf Feldern, Wiesen, Wegen, überall umher, und die Paarung erfolgt. Das Weibchen legt seine Eier entschieden in der Nähe von Pflanzen an die Erde oder flach unter dieselbe, und die daraus entschlüpfte Larve nährt sich von zarten Pflanzenteilen. Sie wächst ungemein langsam und lebt mehrere Jahre, wahrscheinlich vier, ehe sie zur Verpuppung reif ist. Ihre Form, welche mit den übrigen Schnellkäferlarven übereinstimmt, ergibt die Abbildung; bei ihr läuft das Endglied in ein stumpfes Spitzchen aus und hat an seiner Wurzel jederseits zwei schwarze, ovale Eindrücke, auf der Unterseite vor einer Bogenleiste die runde, zum Nachschieben dienende Afteröffnung. Die sehr festen, gelben, gedrückt walzigen Leibesringe unterscheiden sich kaum voneinander, der erste und zwölfte übertrifft die übrigen wenig an Länge. Der Kopf schärft sich nach vorn zu, ist um die Mundteile dunkler gefärbt, trägt dreigliederige Fühler, keine Augen, vorn zweizähnige Kinnbacken und sehr verlängerte Kinnladen mit viergliederigen Tastern und Lappen von dreigliederiger Tasterform. Auf dem schmal rechteckigen Kinne sitzt eine nach vorn dreieckige Unterlippe mit zweigliederigen Tastern, ohne Spur von Zunge. Von obenher schließt die nicht als Kopfschild abgeschiedene Stirn in Ermangelung der Oberlippe die Mundöffnung.

Brehm, Tierleben. 3. Auflage. IX. 8

Saatſchnellkäfer (Agriotes segetis) und Larve, deren letztes Glied auch von der

Am 12. September sammelte ich 12 Stück solcher Larven, welche zwischen den Wurzeln ziemlich verkümmerten Kopfkohles auf einem feuchten Acker saßen, brachte sie in einen Blumentopf, in welchen Rübsen und Glanz gesäet wurden, um durch deren Wurzeln sie mit Futter zu versorgen. Als die Pflänzchen ungefähr 2 Zoll hoch gewachsen waren, fingen sie an zu welken, besonders das Gras. In diesem Zustande blieb der Topf, welcher bisweilen etwas angefeuchtet wurde, über Winter im Fenster des geheizten Zimmers stehen. Im Februar wurden einige Erbsen gelegt, die bis etwa einen Fuß lang wurden, spärlich und dünn im Wuchse, wie es die Jahreszeit mit sich brachte; plötzlich aber fingen sie an zu welken. Am 6. Juli untersuchte ich die von zahlreichen Faserwurzeln durchsetzte Erde und fand darin drei frisch ausgeschlüpfte Käfer unserer Art, die zarten, natürlich sehr verdrückten Puppenhäute ebenfalls, von den neun übrigen Larven aber keine Spur. Die Puppe sieht weiß aus, hat schwarze Augen, über denselben je ein kleines, braunes Spitzchen und endet in zwei kurze Schwänzchen; sie ruht lose, ohne Gespinst, und zwar nur einige Wochen in der Erde.

Unser Bild auf S. 110 führt noch 2 Corymbites-Arten vor, welche meist auf blühendem Buschwerk leben, namentlich im Gebirge, und deren Männchen sich durch stark gekämmte Fühler auszeichnen, sowie den Elater sanguineus mit blutroten Flügeldecken.

Die folgende Familie vereinigt unter dem Namen der Weichkäfer (Malacodermata) eine große Menge von Arten, welche fast ausschließlich durch weiche, mehr lederartige Körperumhüllung, besonders nach dem Tode sich verbiegende Flügeldecken, übereinstimmen und außerdem noch folgende Merkmale gemein haben: walzige Vorder- und Mittelhüften, quere an den Hinterbeinen, meist Schienen ohne Enddornen, fünfgliederige Füße oder nur viergliederige Vorderfüße, bei manchen Männchen ein aus 6—7 freien Gliedern zusammengesetzter Hinterleib und sehr verschieden geformte Fühler, welche in der Regel aus 11 Gliedern bestehen, aber auch zehn- oder zwölfgliederig sein können. Die hornige oder häutige Zunge hat keine Seitenzipfel, die beiden Laden des Unterkiefers, deren innere manchmal verkümmert, find blattartig und bewimpert, die Lippentaster drei-, die Kiefertaster viergliederig und die Kinnbacken kurz. Bei den meisten treten die Geschlechtsunterschiede deutlich hervor, entweder an den beiden letzten Leibesgliedern oder an den Fühlern, den Deckschilden, den Flügeln oder den Vorderfüßen. Auf Blumen und Sträuhorn finden sich die meisten der hierher gehörenden Kerfe, zum Teil aber nicht, um daselbst Süßigkeiten zu suchen, sondern um dem Raube nachzugehen. Wie die vollkommenen Käfer in den angegebenen Grenzen mancherlei Unterschiede darbieten, so läßt sich auch von ihren Larven im allgemeinen nichts weiter sagen, als daß sie sechs Beine haben und Fleisch zu fressen scheinen; wir kommen bei den einzelnen Gruppen auf sie zurück. Man kennt zur Zeit etwa 2200 Familienglieder. |

Wie die Westindier, jo haben auch wir unsere „Feuerfliegen“, die allerdings wesentlich anderer Natur als jene find. Moufet handelt in seinem 15. Kapitel über die Cieindela eeDEeig und beweist aus den zahlreichen Namen, wie auch schon von alters her der gemeine Mann die leuchtende Eigenschaft dieser nächtlichen Kerfe gekannt und mancher Forscher sich um ihr Leben gekümmert hat. Bei den Griechen und Römern gab es zahlreiche Namen für dieselben, welche alle das Leuchtvermögen und zum Teil auch die Ortlichkeit, von welcher es ausgeht, im Auge haben, wie lampuris, pygolampis, kysolampis, pyrolampis, bostrykos, pyrgolampis 2c. bei jenen, cicindela, nocticula, nitedula, lucio, lucula,

luciola, lucernuta, venus 2c. bei diesen. Die romanischen Völkerstämme haben einen und den anderen dieser Namen beibehalten oder in ihrer Weise umgebildet, bei den Italienern heißt der Käfer luciola, lucio, farfalla, bistola, fuogola, lacervola, luiserola, bei den Spaniern lyziergana, luciernega. Die Polen nennen ihn zknotnike, chrzazezik, swiecacy; die Ungarn eyeltwudoeklo, bogaratska vilantso; die Franzosen ver luissant, mouche claire; die Engländer gloworme, shine-worme, glass-worme; die Deutschen bezeichnen hier mit Zinduczele, dort mit Liegthmugk und Zindwurmle das Männchen; denn in manchen Gegenden Deutschlands leuchtet das geflügelte Männchen „cicindela“ nicht, sondern nur das als Graswurm, Gugle, Feuerkäfer bezeichnete Weibchen. In der Gegend von Frankfurt am Main heißt das Insekt Johanneskäfer oder St. Johannisfliege. Nach der Aufzählung der Namen, von welchen nur eine Blumenlese gegeben wurde, fährt unser englischer Gewährsmann fort: „Die Männchen oder die geflügelten Cicindelen leuchten hier, wie in Vasconien (Nordwest-Spanien) nicht, sondern nur die Weibchen, welche Würmer sind; dagegen sind in Italien und in der Umgegend von Heidelberg alle Weibchen lichtlos, und die Männchen scheinen zu leuchten. Die Erforschung des Grundes überlasse ich den Philosophen.“ Hierauf wird das geflügelte Männchen ausführlich beschrieben und erwähnt, daß es an der Bauchspitze zwei mondförmige Flecke trage, einen neben dem anderen, von denen bei Nacht der helle Glanz ausgehe, ähnlich ausgebranntem Schwefel, als ob man glühende Kohlen durch die Luft fliegen sähe. Es erscheint niemals in England oder leuchtet wenigstens nicht, wenn es daselbst vorkommen sollte. Sodann wird das flügellose Weibchen beschrieben und als ein langsam schreitendes, raupenähnliches Wesen geschildert, welches sich von seinem eignen Kote ernähre und aus dem weißlichen Leibesende (es sind die drei letzten Ringe) einen wunderbaren, gewissermaßen Erdsternen nachahmenden Glanz ausstrahle, welcher mit einer Laterne und dem Monde hinsichtlich der Helligkeit zu wetteifern scheine. Weiter wird nach den Erfahrungen zweier berühmter Männer behauptet, daß die Vereinigung verbundener Pärchen über Nacht bis zum anderen Mittag gedauert habe, das Männchen sofort, das Weibchen erst nach 20 Stunden gestorben sei und viele Eier abgelegt habe. Was Aristoteles über die Entwickelung erwähnt, bleibt dem Verfasser wegen der nicht zu deutenden Namen unverständlich, und er schließt seine gelehrte Abhandlung mit einem Gedicht des Anton Thylesius, in welchem die fliegende Cicindela besungen wird. Die Flügellosigkeit der Weibchen und das Vorkommen mehrerer Arten war mithin schon in jener Zeit bekannt. Bei uns in Deutschland leben deren zwei, die eine hier, die andere dort vorherrschend. Die kleinere und allgemeiner verbreitete ist das kleine Johanniswürmchen, der gemeine Leuchtkäfer (Lampyris splendidula). Man erkennt das graubraune Männchen leicht an den beiden glasartigen Fensterflecken des Halsschildes, die auch zu einem durchscheinenden Vorderrande verschmelzen können, das weißgelbe Weibchen an den beiden Läppchen hinter dem Halsschilde, die wenigstens eine Andeutung von Flügeldecken geben; überdies ragen bei beiden Geschlechtern die dünnen, sichelförmig gebogenen Kinnbacken hervor. Die wurmförmige Larve hat sechs gespreizte Beine und einen sehr kleinen Kopf, welcher in der Ruhelage nicht sichtbar ist. Alle Körperringe haben so ziemlich gleiche Länge, der letzte kann eine Art von Trichter vorstrecken, bestehend aus zwei ineinander stehenden Kreisen knorpelartiger Strahlen, welche durch eine gallertartige Haut miteinander verbunden sind. Diese beiden Strahlenkreise sind ein- und ausziehbar und bilden ein für die Lebensweise notwendiges Reinigungswerkzeug. Die Larve ernährt sich nämlich von Schnecken und wird dabei durch den von diesen reichlich ausgeschiedenen Schleim und durch anhaftende Erdkrümchen vielfach verunreinigt. Indem sie nun mit dem aufsaugenden Pinsel am Körper hin und her tastet, nimmt sie den Schmutz weg. Diese

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Beschäftigung mag zu dem Mißverständnis Anlaß u | Larve l Weibchen von seinem eignen Unrat e:

Geschlechte vortretende Kinnbacken, keine Senfterflede auf dem A Leutpi flede an der Bauchspitze, daher auch geringeres Leuchtvermögen und erreicht eine Län von 11 mm. Dem 15— 17,5 mm messenden Weibchen fehlen selbst die Flügeldeckenstumpfe, so daß es vollkommene Larvenähnlichkeit annimmt; durch das größere, besser entwickelte Halsschild, den minder verborgenen Kopf und wesentlich stärkeres Leuchtvermögen unterscheidet es sich jedoch von seiner Larve. Diese Art scheint im Westen Europas (Frankreich) 5 und im Süden Deutschlands häufiger vorzukommen als inmitten unseres Vaterlandes.

; Klein e3 J 95anniswürmchen (Lampyris splendidula), 1) Männchen von der Rücken- und Bauchseite, 2) Weibchen, 3)da

Großes Johanniswürmchen (L. noctiluca), 4) Männchen, 5) Weibchen, 6) Larve. Nur 1, 2 und; 5

Wasser ernähren zahlreiche Landschnecken und find daher auch die wahren S 5 Johanniswürmchen. Hier werden an den warmen Sommerabenden Schauspiele aufgeführt, a welche die Traumgebilde vom Lande der Feen und Elfen weit hinter sich lassen, Schau⸗ i spiele, welche einen sentimentalen Dichter wie Klopstock in seiner „rügte fing % lassen: „Aber Du, Frühlingswürmchen, Das grünlichgolden neben mir spielt, Du lebst und bist vielleicht, Ach, nicht unsterblich!

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