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Brehms Tierleben, Band 9: Die Insekten, Tausendfüßer und Spinnen

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Die immer glänzende, niemals nasse Oberfläche des ganzen Körpers ist oben dunkel olivengrün mit Ausnahme einer gleichmäßigen, gelben Einfassung rings um das Halsschild und einer nach hinten allmählich schwindenden am Außenrande der Flügeldecken. Diese letzteren bieten bei den anderen Dyticus-Arten ein noch anderes Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter, bei der unserigen nur teilweise. Sie sind nämlich auf ihrer größeren Vorderhälfte bei den Weibchen stark gefurcht, während gerade von unserer Art ebenso häufig Weibchen mit glatten, den männlichen vollkommen gleichen Flügeldecken an: getroffen werden. Die Zweigestaltigkeit der Flügeldecken nach den beiden Geschlechtern kennt

Brehm, Tierleben. 3. Auflage. IX. —

man längst und war auch schon früher bemüht, eine Deutung für sie zu finden. Die Annahme lag nahe, daß die durch Furchen erzeugte Rauheit des Rückens dem Männchen das Festhalten auf demselben bei der Paarung erleichtern dürfe. Kirby und Spence in ihrer „Einleitung in die Entomologie“, ebenso wie Darwin in seiner „Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ gehen von dieser Ansicht aus, jene betrachten aber die in Rede stehende Einrichtung als einen unmittelbaren Ausfluß der göttlichen Weisheit, dieser als das Produkt allmählicher Entwickelung durch Naturzüchtung. Darwin folgert nun weiter: Sind die Flügeldeckenfurchen als Förderungsmittel zur Begattung wirksam, so haben die damit ausgerüsteten Weibchen im Kampfe um das Dasein vor den glatt: deckigen einen gewissen Vorzug voraus, diese letzten haben nach dem Gesetze der Kompensation des Wachstums statt der komplizierteren Ausbildung der Flügeldecken kräftigere

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AIG PLEGELX).

Gesäumter Fa denschwimmkäfer (Dyticus marginalis): 1) Männchen, 2) Weibchen, 3) Eier, 4) Puppe, 5) Larve an einer Kaulquappe. 6) und 7) laufkäferartiger Kolbenwasserkäfer (Hydrous caraboides) nebst Larve. 8) gefurchter

Fadenschwimmkäfer (Acilius sulcatus), Weibchen. 9) Hydroporus elegans. 10) Cnemidotus caesus. Natürliche Größe.

Natur, namentlich kräftigere Schwimmbeine und sind daher wieder in dieser Beziehung im Vorteile; wogegen die minder begünstigten Zwischenformen im Laufe der Zeit vom Schauplatze verschwinden mußten. Joseph hat ein solches Weibchen mittlerer Form auf: gefunden, zwar nicht von der in Rede stehenden, sondern von einer anderen sehr nahe ver: wandten Art (Dyticus dimidiatus). Dasselbe hat Andeutungen von Furchen, wie deren zwei auch beim Männchen vorhanden sind, schmal und seicht, nur die sechste und siebente Furche ist etwas breiter und tiefer. Wenn nun ein noch nicht von der Schaubühne ab: getretenes Weibchen solcher Mittelform aufgefunden worden ist, so dürfte bei einer vielseitigeren Nachforschung vielleicht auch noch ein zweites und drittes aufgefunden werden, und dieselben sind somit noch nicht ausgestorben. Was weiter die kräftigeren Schwimmbeine der glatten Weibchen anlangt, so ist dieses Merkmal von so unbestimmter und unsicherer Natur, daß es von dem einen zu gunsten seiner Ansicht gesehen, von dem anderen geleugnet worden ist und entschieden geleugnet werden kann, wodurch hier das

Geſäumter Fa denſchwimmkäfer (Dyticus marginalis): 1) Männchen, 2) Weibchen, 3) Eier, 4) Puppe, 5) Larve an einer Kaulquappe. 6) und 7) laufkäferartiger Kolbenwaſſerkäfer (Hydrous caraboides) nebſt Larve. 8) gefurchter Fadenſchwimmkäfer (Acilius sulcatus), Weibchen. 9) Hydroporus elegans. 10) Cnemidotus caesus. Natürliche Größe.

Kompensationsgesetz des Wachstums hinfällig wird. — Neuerdings bringt von Kiesenwetter eine andere Erklärung vom Dimorphismus der Dyticidenweibchen, welche den Darwinschen Grundsätzen entspricht. Davon ausgehend, daß die Flügel der Kerfe als Ausstülpungen der Haut zu betrachten seien, welche von Adern oder Rippen, den ursprünglichen Luft: röhrenstämmen gestützt werden, daß in den Flügeldecken der Käfer dieselben meist verwischt, aber immer noch nachweisbar sind, werden die gerippten oder gefurchten Flügeldecken im Gegensatze zu den glatten von vornherein als die ursprünglichere Bildung betrachtet. Dafür spricht auch der Umstand, daß schon in der Tertiärzeit Dyticiden mit gefurchten Flügeldecken vorgekommen sind. „Hat man nun“, fährt von Kiesenwetter fort, „die überaus formenreiche Entwickelung des Insektentypus, als der durch Tracheen atmenden Gliedertiere, nicht im Wasser, wo man verhältnismäßig wenige Insekten antrifft, sondern auf dem Lande zu suchen, wo sie bekanntlich in unendlicher Vielgestaltigkeit auftreten, so darf man insbesondere die Dyticiden als ursprüngliche Carabenform ansehen, die dem Leben im Wasser angepaßt worden ist, oder bestimmter im Darwinschen Sinne gesprochen, die dem Wasserleben sich allmählich angepaßt hat; nicht umgekehrt die Caraben als Dyticiden, welche sich zu Landraubtieren umgestaltet haben. Den Carabentypus kommt aber jenes Rippensystem der Flügeldecken, dessen Bedeutung wir eben darzulegen suchten, in ganz bestimmt ausgesprochener Weise zu, und man hat es daher auch für die Dyticiden als das urjprüng-lich typische zu betrachten und folgerecht anzunehmen, daß die anfänglich vorhandenen Furchen erst durch Anpassung an das Leben im Wasser, für welches eine möglichst glatte Körperoberfläche vorteilhaft war, allmählich beseitigt worden sind, daß aber gewisse Weibchen sie in mehr oder minder modifizierter Form beibehalten haben, da sie ihnen wieder in anderer Hinsicht (für die Begattung) von Vorteil waren, während andere Weibchen sie gleich den Männchen verloren. Letzteren Weibchen kommt (abgesehen von der mindestens problematischen Frage, ob sie eine kräftigere Entwickelung haben) die glatte Oberfläche für ihre Bewegungen im Wasser zu statten, erstere dagegen haben Aussicht auf zahlreichere Nachkommenschaft, und jeder dieser Vorteile ist nach Darwinscher Auffassung schon an sich für ausreichend zu erachten, um im Laufe der Generationen die entsprechende Bildung der Weibchen zu fixieren oder in Fällen, wo beide Momente sich die Wage halten, die weiblichen Individuen in zwei Rassen zu spalten, die unvermischt nebeneinander bestehen, indem die minder begünstigten Zwischenformen ausgemerzt werden.“

Wir müssen es dem Leser überlassen, sich selbst für die eine oder die andere Ansicht zu erklären oder keine von den beiden anzunehmen und in diesen Unterschieden nur den überall vorkommenden Ausdruck für den unendlichen Formenreichtum in der organischen Natur zu erkennen. Nach dieser Abschweifung, welche wir für geboten hielten, um einen Begriff zu geben, wie weit die Spekulation auf diesem Gebiete von der eigentlichen Forschung ablenken kann, kehren wir zur Charakteristik des gesäumten Fadenschwimmkäfers zurück. Die Unterseite seines Körpers und die elfgliederigen Borstenfühler sind gelb gefärbt, die Beine etwas dunkler. Wie die größeren Laufkäfer einen übelriechenden grünbraunen Saft ausspeien, um denjenigen außer Fassung zu bringen und zur Freilassung ihrer Person zu nötigen, der einen zwischen die Finger nahm, so sondern unser Schwimmkäfer und die mittelgroßen anderen Arten aus dem Vorder- und Hinterrande seines Halsschildes eine milchweiße Flüssigkeit aus, welche gleichfalls einen unangenehmen Geruch verbreitet.

Wollen wir der Entwickelungsgeschichte dieses Schwimmkäfers weiter nachgehen und somit einen Begriff von der der übrigen erhalten, die im großen Ganzen keine andere sein dürfte, so brauchen wir nur eine Partie derselben in ein Aquarium zu setzen, welches über dem kiesigen Boden etwas Schlamm und statt des üblichen Felsens in der Mitte einige Rasenstücke enthalten müßte. Bei der großen Gefräßigkeit der Tiere verursacht ihre

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Sättigung einige Schwierigkeiten, doch können Ameisenpuppen, Frosch- und Fischbrut, Wasserschnecken, eine tote Maus und andere in Ermangelung von kleineren, weicheren Wasserinsekten aus der Not helfen. Im Frühjahre erfolgt das Brutgeschäft, indem das Weibchen mit den Vorderbeinen den untergetauchten Stengel einer Wasserpflanze umarmt, während es die Schwimmbeine schräg nach oben hält und die Leibesspitze nach unten weit heraustreten läßt. Zwischen der schneidigen Spitze dieser tritt jetzt eine kurze Legröhre hervor, mit welcher der betreffende Pflanzenstengel angeschnitten und mit einem Ei nach dem anderen beschenkt wird. Die ovalen Eier find ungefähr 2,25 mm lang, gelb gefärbt und entwickeln sich nach etwa 12 Tagen. Winzig kleine Würmchen wimmeln dann im Wasser umher und ihre gewaltige Gefräßigkeit, in welcher fie sich untereinander nicht ver: schonen, zeigt, daß sie Lust haben, schnell größer zu werden. Schon nach 4—5 Tagen messen sie beinahe 10 mm und ziehen ihr erstes Kleid aus, nach derselben Zeit sind sie noch einmal so groß und häuten sich zum zweiten, und bei gleich beschleunigtem Wachstum ein drittes Mal. Freilich wurde manche dieser Larven, bevor sie sich einigermaßen kräftigte, die Beute eines stärkeren Räubers, wie einer Libellenlarve und anderer. Im späteren Alter, wenn sie erst mehr Nahrung bedarf, schreitet das Wachstum weniger rasch fort; wir sehen sie erwachsen in unserer Abbildung, und zwar von derselben Gestalt, welche sie aus dem Ei mitbrachte. Mit geöffneten Zangen lauert sie ruhig, bis eine unglückliche Mücken⸗ oder Haftlarve, hier eine Kaulquappe, in ihre Nähe kommt, und erfieht den günstigen Augenblick, um sich unter einigen schlangenartigen Windungen ihres Körpers auf das Opfer zu stürzen und es zu ergreifen. Unter denselben Körperbewegungen und mit den Beinen arbeitend, geht sie nun auf den Boden, setzt sich an einer Wasserpflanze fest und saugt die Beute aus. Die Reihen der Larven hatten sich im Aquarium etwas gelichtet; denn obschon ich gleich nach dem Erscheinen der jungen Lärvchen zu deren Schutze die Käfer entfernt hatte, die übrigens nun sterben, da sie ihren Zweck erfüllt haben, obgleich ich mir alle Mühe gab, jenen hinreichende Nahrung zukommen zu lassen, verschonten sie sich doch nicht, sei es nun, daß die nahe Berührung, in welche sie im Aquarium kamen, ihre Mordgier reizte, sei es, daß ich ihren beständigen Hunger unterschätzt hatte. Um sie daher am Ende nicht alle zu verlieren, fing ich mir neue ein, die ich nach vorhergegangener genauer Untersuchung als der: selben Art angehörig erkannt hatte, und brachte sie zu den früheren. Die kleineren mußten sich am meisten ihrer Haut wehren, denn sie wurden gleich einmal gepackt, wenn sie sich nicht vorsahen. Die erwachsenen unter ihnen fingen an, in ihrer Freßbegierde nachzulassen, sie krochen an der steinigen Unterlage der Rasenstücke in die Höhe und verschwanden allmählich unter diesen. Nach Verlauf von ungefähr 14 Tagen lüftete ich eins der Stücke, welches lose auf der Erdunterlage saß, und fand zu meiner Freude einige Höhlungen mit je einer Puppe, an welcher Form und Gliedmaßen des künftigen Käfers erkannt werden. Nach durchschnittlich dreiwöchiger Ruhe für die Sommerzeit reißt die Hülle im Nacken, und der junge Käfer arbeitet sich hervor; die erst im Herbste zur Verwandlung gelangten Puppen überwintern. Ehe der Neugeborene seinen Eltern vollkommen gleicht, vergeht eine geraume Zeit. Am ersten entwickeln sich die zusammengerollten, äußerst zarten Flügel und deren Decken, hierauf ist der Käfer seiner Form nach ausgebildet, aber noch ungemein weich und von gelblichweißer Farbe. In diesem Zustande wäre er im Wasser noch nichts nütze, er bleibt daher auch ferner in seiner feuchten Wiege, wird mit jedem Tag fester und dunkler, und erst am achten Tage ist er fähig, seine düstere Geburtsstätte zu verlassen. Auch selbst dann noch, wenn sie schon lustig im Wasser umherschwimmen, kann man an der blassen Farbe des Bauches und der weicheren Chitindecke die jüngeren von den älteren Schwimmkäfern unterscheiden. Rauben und Morden wird fortgesetzt. Der gesäumte Fadenschwimmkäfer und die wenigen Arten der Gattung Dyticus, welche neben ihm in Deutschland allgemeine

Verbreitung haben, sind in Fischteichen nicht gran gejehen; denn sie greifen die junge Brut an und verhindern ihr Aufkommen.

Während Dyticus, oder auch Dytiscus geschrieben, zwei ziemlich gleiche und bemweg-liche Krallen an den Hinterfüßen hat, kommen bei den mittelgroßen Fadenschwimmkäfern, die den Gattungen Acilius und Hydaticus angehören, zwei ungleiche vor, deren obere fest ist, bei Cybister Roeselii nur eine bewegliche; überhaupt find es die Verschiedenheiten in der Klauenbildung und in den Erweiterungen der männlichen Vorder- und Mittelfüße, welche die wesentlichen Erkennungszeichen der aufgestellten Gattungen abgeben.

Der gefurchte Fadenschwimmkäfer (Acilius sulcatus), dessen Weibchen wenig hinter der Mitte in unserem Bilde (S. 50, Fig. 8) sich breit macht, stimmt in der scheibenförmigen Erweiterung der männlichen Vorderfüße mit der Gattung Dyticus überein, unterscheidet sich aber von ihr durch die bereits angegebene Krallenbildung an den Hinterfüßen und durch den Mangel einer Ausrandung an dem letzten Bauchringe. Die Weibchen führen auf den vier Zwischenräumen zwischen ihren wenigen, die ganze Länge der Flügeldecken durchziehenden Riefen lange Behaarung sowie je ein dergleichen Büschchen an den Enden der gelben Mittellinie des licht umrandeten Halsschildes. Die Oberseite des Körpers ist schwarzbraun, die untere schwarz mit Ausschluß einiger gelblichen Flecke am Bauche. Die Larve zeichnet sich durch gestrecktere Brustringe vor der vorigen aus. Der gefurchte Fadenschwimmkäfer kommt überall zwischen den größeren, gleichgroßen und bedeutend kleineren Dyticiden vor und unterscheidet sich weder durch Lebensweise, noch in der Entwickelung von der zuerst geschilderten Art.

Die kleinsten, diesen Formenkreis beschließenden Schwimmkäfer von durchschnittlich kaum 4,5 mm Länge gehören der Gattung Hydroporus an, welche sich durch nur vier Fußglieder an den beiden vorderen Paaren der Beine und durch fadenförmige Hinterfüße neben ihrer geringeren Größe von allen anderen unterscheiden. Die 180 über die ganze Erde verbreiteten Arten, deren eine (nigrolineatus) in Europa und in Nordamerika zugleich vorkommt, lassen sich teilweise schwer voneinander unterscheiden. Manche zeichnen sich durch artige, lichte Zeichnungen aus, eine besonders, der Hydroporus elegans, führt den Namen mit Recht. Auf bleichgelbem Untergrunde der Flügeldecken, welcher dem ganzen Tierchen eigen, stehen schwarze, saubere Schraffierungen, wie sie unsere Abbildung (S. 50,

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