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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

PDF document823 original pagesPublished 1891
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In Nordostafrika lebt ziemlich häufig der Stahlglanzstar (Lamprotornis chalybeus, abyssinicus und cyaniventris, Lamprocolius chalybeus, Juida chalybaea). Seine Länge beträgt 27, die Breite 46, die Fittichlänge 14, die Schwanzlänge gem. Das Gefieder ist, mit Ausnahme eines schwach angedeuteten Fleckens in der Ohrgegend und der Deckfedern des Unterarmes, tief und dunkel stahlgrün, jede der Arm- und größten Oberflügeldeckfedern am Ende durch einen rundlichen samtschwarzen Flecken geziert. Die Färbung zeigt einen wundervollen Glanz und Schimmer und schillert in verschiedener Beleuchtung in einer mit Worten kaum auszudrückenden Weise. Zwischen Männchen und Weibchen bemerkt man keinen Unterschied; die Jungen aber sind nur auf der Oberseite metallisch grün und auf der unteren dunkel bräunlichgrau, fast glanzlos. Der Stahlglanzstar bewohnt die dichten Waldungen der Flußthäler wie die dünner bestandenen der Steppe oder des Gebirges von ganz Nordostafrika, kommt aber auch in Senegambien vor. Im abessinischen Hochlande steigt er, laut von Heuglin, bis zu 3000 m Höhe empor. Er lebt gewöhnlich paarweise; nur nach der Brutzeit bildet er kleine Flüge. Diese treiben sich ebensowohl im dichtesten Gebüsche wie auf den über die Ebene zerstreuten Felsblöcken herum. Die Stahlglanzstare sind munter und regsam wie alle ihre Familienverwandten, halten sich viel auf dem Boden und in niederen Gebüschen, gegen Abend aber auch in höheren Bäumen auf. Der eigentümliche Flug macht sie dem geübten Auge in jeder Entfernung kenntlich. Er entspricht so recht den samtnen Flügeln, ist weich wie diese, zwar ziemlich leicht, aber nicht schnell, eher schleppend. Der Lauf ist sehr rasch, mehr sprungals schrittweise fördernd, und rastlos. Über andere Begabungen läßt sich nicht viel Rühmenswertes sagen. Der Gesang ist kaum als solcher zu bezeichnen, weil nicht viel mehr als eine beständige Wiederholung des mißtönenden und kreischenden Locktones und dazwischen

eingefügtes Knarren und Krächzen. Gleichwohl verzeiht man dem Vogel alle Mißklänge, welche er mit unvergleichlicher Ausdauer vernehmen läßt. Sein Wesen steht mit seinem prachtvollen Gefieder im Einklange. Klug, lebhaft und selbstbewußt, sogar gefallsüchtig pflegt er aufzutreten, hält sich stets sorgfältig rein, mischt sich nicht unter andere Vögel, nicht einmal gern unter andersartige Gattungsgenossen, ist, mit alleiniger Ausnahme der Mittagsstunden, ununterbrochen in Thätigkeit und sucht seine Eigenschaften und Begabungen jederzeit zur Geltung zu bringen. So erwirbt er sich auch dann noch die Teilnahme, wenn man von der Pracht des Gefieders absieht; diese Pracht aber ist so groß, daß man immer von neuem wieder zur Bewunderung hingerissen wird. Wenn man durch das Düster des Waldes geht, geschieht es wohl manchmal, daß plötzlich ein heller Schimmer in die Augen fällt, vergleichbar einem Sonnenstrahle, der von einer spiegelnden Metall- oder Glasfläche zurück⸗— geworfen wird. Der Schimmer ist wirklich nichts anderes als der vom Gefieder abprallende Sonnenschein; denn wenn man den Glanzstar aufgefunden hat, kann man gewahren, daß er bei günstiger Beleuchtung mit jeder Bewegung einen Sonnenstrahl zurückspiegelt. Gleich nach dem Tode verliert das Gefieder den größten Teil seiner Schönheit; seine volle Pracht zeigt es nur, solange der Vogel lebt. Die Brutzeit fällt, wie von Heuglin angibt, in die Monate Juli bis September. Als Brutplätze werden meist Affenbrotbäume, Stechdornen und Akazien gewählt. Oft stehen 6 — 8 Nester auf einem einzigen Baume, je nach Umständen 3—10 meüber dem Boden. Grobe, dürre, schwarze Reiser, unordentlich zusammengeschichtet, bilden den sehr umfangreichen Außenbau, Gras, Federn, Wolle und dergleichen die saubere Auskleidung der kleinen, tief im Inneren gelegenen Brutkammer. Die 3 Eier sind etwa 26 mm nlang und auf heller oder dunkler bläulichgrünem Grunde mit einzelnen blaugrauen und violettbraunen Punkten und Flecken gezeichnet. Nach langjährigen Beobachtungen an gefangenen Glanzstaren muß ich bemerken, daß vorstehende Beschreibung nicht erschöpfend ist. Wahrscheinlich erbaut sich auch der Stahlglanzstar nur im Notfalle frei stehende Nester, nistet vielmehr ebenso wie andere seiner Gattung regelmäßig in Baumhöhlungen, deren Inneres er in der geschilderten Weise auskleidet. Die Eier werden, wie es scheint, von beiden Eltern bebrütet, die Jungen vom Männchen wie vom Weibchen groß gefüttert. Sie entfliegen dem Neste in einem fast glanzlosen Federkleide, erhalten jedoch die volle Pracht und allen Glanz des Alterskleides binnen wenigen Wochen und zwar durch Verfärbung, nicht durch Mauser. Bei den abessinischen Sängern und Dichtern spielt der Stahlglanzstar eine bedeutsame Rolle; denn ihm schreibt man, mehr den Eifer als die Schönheit des Liedes würdigend, die Erfindung des Gesanges zu. Gleichwohl hält den Vogel in Nordostafrika niemand im Käfige. Er gelangt auch seltener als seine Verwandten lebend zu uns; doch habe ich ihn einige Male gepflegt und gefunden, daß er sich kaum von letzterwähnten unterscheidet. Wie dieser dauert er bei guter Pflege trefflich aus, schreitet auch, wenn man seine Lebensbedingungen erfüllt, zur Fortpflanzung. Ich habe zwar nicht von ihm, wohl aber von seinen Verwandten wiederholt Junge gezüchtet.

Der Prachtglanzstar (Lamprotornis superbus, Juida superba, Lamprocolius und Notauges superbus) erreicht eine Länge von 21 und eine Breite von etwa 37 em; die Fittichlänge beträgt 11,6, die Schwanzlänge 6,5 em. Oberkopf und Nacken sind schwarz, schwach goldig schimmernd, die Oberteile stahlgrün, Kehle, Vorderhals und Kropf blaugrün, die übrigen, durch ein schmales, weißes Querband von der dunkeln Oberbrust getrennten Unterteile schön zimtbraun, die Unterflügel und Schwanzdecken wie üblich mit runden samtartigen Flecken geziert, die zwei Querbinden bilden. Das Auge ist weiß, der Schnabel und der Fuß sind schwarz.

Stahlglanzstar. Prachtglanzstar. Erzbauchglanzstar.

Das Verbreitungsgebiet dieses prachtvollen Vogels beschränkt sich, soviel bekannt, in Ostafrika vom 8. Grade nördlicher bis zum 7. Grade südlicher Breite. Über seine Lebensweise fehlen eingehende Beobachtungen; doch läßt sich aus den bekannt gewordenen schließen, daß sie der eines weiter nördlich vorkommenden Verwandten, des Erzbauchglanzstares (Lamprotornis chrysogaster), im wesentlichen gleicht. Beide Arten sind Hirtenvögel, die, falls immer möglich, den Rinder⸗ und Schafherden folgen oder mindestens da, wo jene geweidet haben, sich umhertreiben. Ein Flug dieser Vögel durchstreift nach meinen Beobachtungen während des Tages ein ziemlich weites Gebiet, bald auf verschiedenen R. Kretschmer J. sc.

Prachtglanzstar (Lamprotornis superbus). ⅝ natürl. Größe.

Bäumen sich sammelnd, bald wieder laufend sich zerstreuend. In den Früh⸗ und Abendstunden setzt sich die ganze Schar auf einen der höheren Bäume nieder, und die Männchen singen nach Starenart von dort herab ihr Morgen⸗ oder Abendlied. Während des Mittags verbergen sie sich still im Gezweige der Bäume, in den übrigen Stunden des Tages schweifen sie rastlos umher. Ihre Gangweise ist die unserer Drossel, und dieser ähneln sie auch darin, daß sie bei Verfolgung immer auf kleine Strecken dahinfliegen, in einem Busche sich bergen, hier den Verfolger abwarten und wieder davoneilen, wenn er naht. Solange sie Nahrung suchen, ist die ganze Gesellschaft nicht einen Augenblick lang ruhig. Alles lärmt und schreit durcheinander, und auch während des Fliegens noch schreien sämtliche Glieder eines Fluges, und nicht eben in der ansprechendsten Weise, laut auf. Ihre Regsamkeit läßt sie bald bemerklich werden; sie wissen sich jedoch mit Vorsicht dem Schützen geschickt zu entziehen und werden, wenn sie sich verfolgt sehen, bald sehr scheu. Die Nahrung der beiden Vögel ist

zwar im wesentlichen dieselbe wie bei anderen Arten der Gattung, aber doch insofern auch wieder verschieden, als beide vorzugsweise den mancherlei Kerbtieren nachjagen, die besonders durch die Herden herbeigelockt werden. Über die Fortpflanzungsgeschichte des Prachtglanzstares mangeln ebenfalls noch Berichte; die Nester des Erzbauchglanzstares dagegen fand von Heuglin in der Steppe und beschreibt sie als ebenso beschaffen wie jene des Stahlglanzstares. Im September und Oktober findet man in ihnen 3 oder 4 etwa 25 mm lange, 18 mm dicke, feinschalige, auf grünlich blauem oder spangrünem Grunde mit zahlreichen, gegen das stumpfe Ende hin dichter stehenden graubläulichen, violettbraunen und rostbraunen Flecken gezeichnete Eier. Durch zierlichen, etwas gebogenen, gegen die Spitze hin zusammengedrückten Schnabel, ziemlich schwache, aber langzehige Füße, verhältnismäßig kurze Flügel, mittellangen Schwanz und ein schuppiges Gefieder unterscheidet sich der Schuppenglanzstar (Lamprotornis leucogaster, Pholidauges, Turdus, Juida, Cinnyricinclus und Grandala leucogaster) von seinen Verwandten. Die ganze Oberseite und der Hals bis zur Brust herab sind purpurblau, wundervoll ins Violette schimmernd, Brust und Bauch hingegen weiß, die Schwingen schwärzlichbraun, nach außen hin violett gerandet. Alle dunkeln Stellen des Gefieders schillern bei gewisser Beleuchtung in kupferfarbigem Metallglanze. Die Farbe der Iris ist lebhaft braun, der Schnabel und der Fuß sind schwarz. Die jungen Vögel sind auf der Oberseite heller und dunkler braun gebändert, auf der Unterseite auf rötlichweißem Grunde braun gestrichelt. Die Länge des Männchens beträgt 19, die Breite 33, die Fittichlänge 11, die Schwanzlänge 7 em. Der Schuppenglanzstar verbreitet sich über ganz Mittelafrika und einen Teil Westarabiens, bewohnt vorzugsweise gebirgige Gegenden und findet sich in Abessinien noch bis zu 2500 m Höhe, hier und da vielleicht noch höher. Ich habe ihn erst auf meiner zweiten afrikanischen Reise in den dünn bestandenen Wäldern, welche die Gehänge und den Fuß des nordöstlichen Gebirgswalles von Abessinien bedecken, kennen gelernt. Hier lebt der überaus prachtvolle Vogel in zahlreichen Familien und zwar in der Tiefebene so gut wie in der Höhe, scheint sich jedoch vom Gebirge selbst nicht weit zu entfernen. Es ist ein echter Baumvogel, der nur selten auf den Boden herabkommt und hier immer äußerst kurze Zeit verweilt. In den Nachmittagsstunden sammelt auch er sich, wie unser Star, auf gewissen Lieblingsbäumen; aber er singt hier nicht, wie er überhaupt ein ziemlich stiller Gesell genannt werden muß. Man hört minutenlang nicht einen einzigen Ton von ihm. Die Familien bestehen aus 6—20 Stück. Selbst in dem an schön gefiederten Vögeln so reichen Abessinien fällt der Schuppenglanzstar wegen der Pracht seiner Färbung auf. Namentlich wenn er fliegt, spielt das Sonnenlicht in wunderbarer Weise mit dem herrlichen Blau seines Rückens. Wenn man den Vogel zum ersten Male fliegen sieht, ist man nicht im stande, seine eigentliche Färbung zu erkennen. Die Oberseite erscheint kupferrot, mit einem schwachen Scheine ins Veilchenfarbene, nicht aber blau, wie sie doch wirklich ist. Nur zuweilen und bloß auf Augenblicke sieht man, daß dies auf Sinnestäuschung beruht; aber man ist dann geneigt, gerade die blaue Farbe als die durch besondere Beleuchtung hervorgebrachte und sozusagen uneigentliche anzusehen. Man staunt, wenn man den Vogel herabgeschossen hat und ihn in der Hand hält: er erscheint dann so ganz anders als früher. Der Flug ist sehr leicht und zierlich, dabei äußerst rasch und behende, der Lauf ein drosselartiges Hüpfen, wie denn überhaupt der Vogel mich vielfach an unsere Rotdrossel erinnert hat. Aber er sucht sich mehr die Höhe als die Tiefe auf und fliegt, aufgeschreckt, immer zunächst den höchsten Bäumen zu, nicht, gleich den Drosseln, im Gebüsche fort. Wie

es scheint, bevorzugt er die dem Wasser nahe gelegenen Bäume allen übrigen. An dem einmal gewählten Standorte hält er sehr fest: bei Mensa zum Beispiel sahen wir ihn bei jeder Jagd so ziemlich auf denselben Bäumen über dem Wasser. Zur Zeit unseres Aufenthaltes waren die Jungen bereits vermausert und die Alten im Hochzeitskleide; doch fand ich, aller Bemühungen ungeachtet, kein Nest und vermochte auch nichts Sicheres über das Fortpflanzungsgeschäft zu erfahren; von Heuglin dagegen berichtet, daß er im Juli halbflügge Junge beobachtet habe. Über das Nest scheint auch ihm nichts bekannt geworden zu sein. In Gefangenschaft habe ich den Schuppenglanzstar nie gesehen. Die Atzeln oder Grakeln (Eulabes) kennzeichnen sich durch sehr gedrungenen Leibesbau, etwa kopflangen, dicken, hohen, unterseits im Querschnitte viereckigen, oben gerundeten, auf dem Firste stark gewölbten Schnabel, kräftige und ziemlich kurze Füße, rundliche Flügel, unter deren Schwingen die vierte die Spitze bildet, kurzen, abgerundeten Schwanz, weiches, seidig glänzendes Gefieder und nackte, mehr oder minder ausgedehnte Hautstellen und Hautlappen, die den Kopf zieren. Als Urbild gilt die Hügelatzel oder Meinate, auch Meino genannt (Eulabes religiosus, musicus und indicus, Gracula religiosa, musica und minor, Pastor musicus). Ihre Länge beträgt 26, die Breite 50, die Fittichlänge 15, die Schwanzlänge 7 em. Das Gefieder ist tiefschwarz, auf Kopf und Hals mit tief veilchenfarben, auf dem übrigen Kleingefieder mit metallisch grün schimmernden Federenden; die Wurzeln der Handschwingen sind weiß und bilden eine sichtbare Flügelbinde. Die sehr lebhaft hochgelb gefärbten Hautwülste beginnen hinter jedem Auge, ziehen sich über die Ohren dahin, verdicken sich hier und heften sich mit einem schmalen Streifen an den Scheitel an. Ein anderer Flecken unter dem Auge ist ebenfalls nackt und gelb gefärbt. Der Schnabel ist orangefarbig, der Fuß gelb, das Auge dunkelbraun. Die Meinate bewohnt die bergigen und wohlbewaldeten Gegenden Südindiens und Ceylons. Sie ist sehr häufig in dem Ghatgebirge und auf anderen Höhen bis zu 1000 meüber dem Meere, aber nicht gleichmäßig über das Land verteilt; denn sie tritt bloß an gewissen Orten regelmäßig auf und fehlt anderen Gegenden gänzlich. Man begegnet ihr gewöhnlich in kleinen Flügen von 5 oder 6 Stück, während der kalten Jahreszeit jedoch auch in zahlreichen Schwärmen, die dann unter allen Umständen, am liebsten in Bambusdickichten an den Ufern von Gebirgsströmen, gemeinschaftlich übernachten. Während ihres Freilebens frißt sie ausschließlich Früchte und Beeren der verschiedensten Art und besucht deshalb, oft nicht gerade zur Zufriedenheit des Besitzers, alle nahrungversprechenden Orte. Sie ist ein lebendiger, kluger und beweglicher Vogel, der in seinem Wesen und Betragen unserem Stare am nächsten kommt. Ihr Gesang ist sehr reichhaltig, wechselvoll und anmutend, obgleich auch er einige unangenehme Laute hat. Die Kunst, andere Töne nachzuahmen, besitzt die Atzel in hohem Grade, wird deshalb oft gezähmt und, wenn sie Außerordentliches leistet, schon in Indien oder auf Java mit 200 -300 Mark bezahlt. Sie gewöhnt sich rasch an ihren Gebieter, fliegt frei im ganzen Hause umher oder aus und ein, sucht sich den größten Teil ihres Futters selbst, befreundet sich mit den Haustieren und ergötzt jedermann durch ihr heiteres Wesen, ihre Gelehrigkeit und ihre Nachahmungsgabe. Liebhaber versichern, daß sie hinsichtlich der letzteren alle Papageien bei weitem übertreffe. Sie lernt nicht nur den Ton der menschlichen Stimme genau nachahmen, sondern merkt sich, wie der bestsprechende Papagei, ganze Zeilen, lernt Lieder pfeifen, ja selbst singen, ohne dabei die unangenehmen Eigenschaften der Sittiche zu bethätigen. Freilich

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