Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel
im Felde und Walde erfreuen: größeren Ruhm können sie sich doch nicht erringen, als sie sich im Käfige durch Beglückung des Menschen bereits erworben haben. Die erste Unterfamilie der Finken bilden die echten Finken (Fringillinae) mit borstenlosem Schnabelgrunde und geraden oder schwach gebogenen Schnabelschneiden. Die Sperlinge (Passer) sind kräftig gebaute, kurzleibige Finken mit mittellangem, starkem, etwas kolbigem Schnabel, stämmigen, durch kurze, schwache Nägel bewehrten Füßen, stumpfen Flügeln, unter deren Schwingen die 2.—4. die Spitze bilden, kurzem oder höchstens mittellangem, am Ende kaum eingekerbtem Schwanze und reichem Gefieder. Die uns bekannteste Art der Gattung ist der Haussperling, Hof-, Rauch-, Faulund Kornsperling, Sparling, Sperk, Sparr, Sperr, Spatz, Dieb, Lüning, Leps,
Haus- und Mistfink ꝛc. (Passer domesticus, indicus und tingitanus, Fringilla domestica, Pyrgita domestica, pagorum, rustica, valida, minor, brachyrhynchos, intercedens, cahirina, pectoralis, castanea, castanotos und melanorhyncha). Vorderkopf und Scheitelmitte sind bräunlichgrau, die Federn mit verwaschenen, rotbraunen Spitzensäumen, ein breiter, vom Auge über die Schläfen- und Halsseiten bis in den Nacken ziehender Streifen und letzterer selbst kastanienbraun, Mantel und Schultern heller, mit breiten schwarzen Längsstrichen, die Mantelfedern mit zimtroten Außensäumen, die bräunlichgrauen Bürzel- und Schwanzdeckfedern mit rötlichen Spitzen geziert, ein kleiner Flecken am hinteren Augenrande, Backen, Ohrgegend und obere Halsseiten weiß, Zügel, Augenrand und Mundwinkelgegend sowie ein großer schildförmiger, Kinn, Kehle und Kopfgegend deckender Flecken schwarz, die übrigen Unterteile weiß, seitlich aschgräulich, die Schwingen schwarzbraun, außen rostbraun gesäumt, innen verwaschen heller gerandet, die Armschwingendeckfedern braunschwarz, mit breiten, zimtbrauuen Außensäumen, die oberen Flügeldecken kastaͤnienbraun, die der größten Reihe an der Wurzel schwarz, am Ende weiß, wodurch eine Flügelquerbinde entsteht, die Schwanzfedern endlich dunkelbraun. Das Auge ist braun, der Schnabel schwarz, im Winter hellgrau und an der Spitze dunkel, der Fuß gelbbräunlich. Beim Weibchen sind die Oberteile rostig fahlbraun, auf dem Mantel schwarz in die Länge gestrichelt, ein vom Augenrande über die Schläfen herabziehender Streifen rostgelblichweiß, Backen, Halsseiten und die Unterteile graubräunlich, Kinn, Brust, Bauchmitte und Aftergegend heller, mehr schmutzig weiß, die unteren Schwanzdecken fahl rostbräunlich; die Schwingendeckfedern zeigen fahl rostbraune Außenränder und diejenigen, welche die Flügelbinde bilden, schmutzigweiße Spitzen. Der Schnabel ist hornbräunlich. Junge Vögel ähneln den Weibchen. Die Länge beträgt 16, die Breite 25, die Fittichlänge 7,5, die Schwanzlänge 3,7 em. Auch den Haussperling lehrt uns W. Marshall als „Kultursolger“ kennen. „Der populärste deutsche wilde Vogel“, schreibt unser Gewährsmann, „ist für unser Vaterland eine verhältnismäßig neue Errungenschaft. Der Haussperling gehört zum Getreidebau in dem Grade fast wie der Hamster: in Sibirien zeigte er sich erst im vorigen Jahrhundert, nachdem die Russen die Kulturgräser eingeführt hatten; in Norwegen geht er mit dem Baue der Feldfrüchte bis zum 66. Grade, in Archangel kommt er noch nicht vor; erst in diesem Jahrhundert fing er an, in einige Dörfer des Thüringer Waldes einzuwandern, ist aber noch nicht in allen seßhaft, und gerade so verhält es sich mit ihm auch in den Hebriden; 1864 hatte er noch nicht alle hochgelegenen Ortschaften des Schwarzwaldes erreicht. Aber er versucht es, dem Menschen überallhin zu folgen. — — Es ist so, wie der prächtige M'Gillivray .
sagt: Ein Städtchen ohne Sperlinge macht einen so traurigen Eindruck wie ein Haus ohne Kinder, und viele Spaßen in einer Ortschaft sind ein Beweis ihres Wohlstande3, denn wo es wenig zu broken gibt, da gibt es auch wenig zu betteln. „Jenseit3 der Alpen tritt der Haussperling in einigen mehr oder weniger von der Stammform und voneinander verschiedenen Rassen auf, die indessen nur auf einer Steige-
Steinsperling (Passer petronius), Halsbandsperling (Passer hispaniolensis), Feldsperling (Passer montanus)
und Haussperling (Passer domesticus). ?/2 natürl. Größe.
rung gewisser Farbenverhältnisse im männlichen, nicht auch im weiblichen Geschlechte, auf einigen unwesentlichen Unterschieden der Körperverhältnisse und teilweise auf etwas veränderten Lebensgewohnheiten beruhen. Die beiden hauptsächlichsten Rassen hat man selbstverständlich eiligst zu Arten erhoben, nämlich den spanischen Spaß und den italienischen, und die Verbreitung beider ist interessant genug. „Der spanische Sperling findet sich von Syrien an in den füdlichen Gestadeländern des Mittelmeeres, in Ägypten und ganz Nordafrika, geht von hier hinüber nad) Spanien, Sicilien “-
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und Sardinien, aber nicht auf das italienische Festland. Aus dieser sonderbaren Verbreitung ließe sich vielleicht folgender Schluß ziehen: die Getreidearten, besonders der Weizen, stammen höchst wahrscheinlich aus dem westlichen Mittelasien, und dort mag auch die Stammform des Haussperlings entstanden sein. Der Getreidebau wanderte, zugleich mit den Menschen oder ihm folgend, westwärts: zuerst in die uralten Kulturländer Nordafrikas, von hier, wohl mit phönikischen Völkern, nach der Iberischen Halbinsel sowie nach Sicilien und Sardinien. Dieser ältesten Einfuhrstraße des Getreides wanderte in uralten Zeiten schon der Sperling nach, der unter neue Verhältnisse gebracht und, von der Stammform ziemlich abgeschnitten, zum „spanischen Sperlinges wurde. Viel später, den gräko-italischen Völkern folgend, kam der Getreidebau nach der östlichen und der mittleren der südeuropäischen Halbinseln und mit ihm der ‚italienische Haussperling‘, der seinen Verbreitungsbezirk auch nach Kleinasien, Sicilien und der Provence ausdehnte und in den beiden letzteren Ländern mit dem spanischen zusammentraf. Auch er hat sich zwar im Laufe der Jahrhunderte etwas von der Stammform entfernt, aber lange nicht in dem Grade, wie in viel längerer Zeit sein südwestlicher Vetter. Eine dritte Einwanderungsstraße nach Westen fand der Sperling weit später mit den Ackerbau treibenden Völkern, die Europa nördlich von den Alpen besiedelten: er ist der zuletzt erschienene, und er gleicht der Stammform noch völlig, so daß diese gegenwärtig, abgesehen von Südindien und Ceylon, wohin sie wahrscheinlich, Java, Neuseeland und Nordamerika, wohin sie sicher unmittelbar vom Menschen eingeführt wurde, das ungeheure Gebiet von Nordindien an über ganz Asien und das eisalpine Europa weg, soweit Getreide gebaut wird, bewohnt.“
Der erwähnte italienische Sperling oder Rotkopfsperling (Passer italiae und cisalpinus, Fringilla italiae und cisalpina, Pyrgita italica und eisalpina) ist in Größe und allgemeiner Färbung unserem Spatze gleich, durch den einfarbig roten Oberkopf und Nacken, den schwarzen, mit breiteren, gräulichen Endsäumen gezierten Kropfschild, einen schmalen weißen Strich über dem Zügel und die gräulichbraunen Bürzel- und Oberschwanzdeckfedern unterschieden. Bezeichnend für den Sperling ist, daß er überall, wo er vorkommt, in innigster Gemeinschaft mit dem Menschen lebt. Er bewohnt die volksbewegte Hauptstadt wie das einsame Dorf, vorausgesetzt, daß es von Getreidefeldern umgeben ist, fehlt nur einzelnen Walddörfern, folgt dem vordringenden Ansiedler durch alle Länder Asiens, welche er früher nicht bevölkerte, siedelt sich, von Schiffen ausfliegend, auf Inseln an, woselbst er früher unbekannt war, und verbleibt den Trümmern zerstörter Ortschaften als lebender Zeuge vergangener glücklicherer Tage. Standvogel im vollsten Sinne des Wortes, entfernt er sich kaum über das Weichbild der Stadt oder die Flurgrenze der Ortschaft, in welcher er geboren wurde, besiedelt aber ein neugegründetes Dorf oder Haus sofort und unternimmt zuweilen Versuchsreisen nach Gegenden, welche außerhalb seines Verbreitungsgebietes liegen. So erscheinen am Varanger Fjord fast alljährlich Sperlingspaare, durchstreifen die Gegend, besuchen alle Wohnungen, verschwinden aber spurlos wieder, weil sie das Land nicht wirtlich finden. Außerst gesellig, trennt er sich bloß während der Brutzeit in Paare, ohne jedoch deshalb aus dem Gemeinverbande zu scheiden. Oft brütet ein Paar dicht neben dem anderen, und die Männchen suchen, so eifersüchtig sie sonst sind, auch wenn ihr Weibchen brütend auf den Eiern sitzt, immer die Gesellschaft von ihresgleichen auf. Die Jungen schlagen sich sofort nach ihrem Ausfliegen mit anderen in Trupps zusammen, welche bald zu Flügen anwachsen. Sobald die Alten ihr Brutgeschäft hinter sich haben, finden auch sie sich wieder bei diesen Flügen ein und teilen nunmehr mit ihnen Freud und Leid. Solange es Getreide auf den
Feldern gibt oder überhaupt solange es draußen grün ist, fliegen die Schwärme vom Dorfe aus alltäglich oder mehrmals nach der Flur hinaus, um dort sich Futter zu suchen, kehren aber nach jedem Ausfluge wieder ins Dorf zurück. Hier halten sie ihre Mittagsruhe in dichten Baumkronen oder noch lieber in den Hecken, und hier versammeln sie sich abends unter großem Geschreie, Gelärme und Gezänke, entweder auf dicht belaubten Bäumen oder später in Scheunen, Schuppen und anderen Gebäuden, die Orte ihnen zur Nachtherberge werden müssen. Im Winter bereiten sie sich förmliche Betten, weich und warm ausgefütterte Nester nämlich, in die sie sich verkriechen, um sich gegen die Kälte zu schützen. Zu gleichem Zwecke wählen sich andere Schornsteine zur Nachtherberge, ganz unbekümmert darum, daß der Rauch ihr Gefieder berußt und schwärzt. So plump der Sperling auf den ersten Blick erscheinen mag, so wohlbegabt ist er. Er hüpft schwerfällig, immerhin jedoch noch schnell genug, fliegt mit Anstrengung, unter schwirrender Bewegung seiner Flügel, durch weite Strecken in flachen Bogenlinien, sonst geradeaus, beim Niedersitzen etwas schwebend, steigt, so sehr er erhabene Wohnsitze liebt, ungern hoch, weiß sich aber trotz seiner anscheinenden Ungeschicklichkeit vortrefflich zu helsen. Geistig wohlveranlagt, hat er sich nach und nach eine Kenntnis des Menschen und seiner Gewohnheiten erworben, die erstaunlich, für jeden schärferen Beobachter erheiternd ist. Überall und unter allen Umständen richtet er sein Thun auf das genaueste nach dem Wesen seines Brotherrn, ist daher in der Stadt ein ganz anderer als auf dem Dorfe, wo er geschont wird, zutraulich und selbst zudringlich, wo er Verfolgungen erleiden mußte, überaus vorsichtig und scheu, verschlagen immer. Seinem scharfen Blicke entgeht nichts, was ihm nützen, nichts, was ihm schaden könnte; sein Erfahrungsschatz bereichert sich von Jahr zu Jahr und läßt zwischen Alten und Jungen seiner Art Unterschiede erkennen, wie zwischen Weisen und Thoren. Ebenso, wie mit dem Menschen, tritt er auch mit anderen Geschöpfen in ein mehr oder minder freundliches Verhältnis, vertraut oder mißtraut dem Hunde, drängt sich dem Pferde auf, warnt seinesgleichen und andere Vögel vor der Katze, stiehlt dem Huhne, unbekümmert um die ihm drohenden Hiebe, das Korn vor dem Schnabel weg, frißt, falls er es thun darf, mit den verschiedenartigsten Tieren aus einer Schüssel. Ungeachtet seiner Geselligkeit liegt er doch beständig mit anderen gleichstrebenden im Streite, und wenn die Liebe, die sich bei ihm zur heftigsten Brunst steigert, sein Wesen beherrscht, kämpft er mit Nebenbuhlern so ingrimmig, daß man glaubt, ein Streit auf Leben und Tod solle ausgefochten werden, obschon höchstens einige Federn zum Opfer fallen. Nur in einer Beziehung vermag der uns anziehende Vogel nicht zu fesseln. Er ist ein unerträglicher Schwätzer und ein erbärmlicher Sänger. Seine Locktöne „schill schelm piep“ vernimmt man bis zum Überdrusse, und wenn eine zahlreiche Gesellschaft sich vereinigt hat, wird ihr gemeinschaftliches „Tell tell silb dell dieb schik“ geradezu unerträglich. Nun läßt zwar der Spatz noch ein sanftes „Dürr“ und „Die“ vernehmen, um seinem Weibchen Gefühle der Zärtlichkeit auszudrücken; sein Gesang aber, in welchem diese Laute neben den vorher erwähnten den Hauptteil bilden, kann trotzdem unsere Zustimmung nicht gewinnen, und der heftig schnarrende Warnungsruf: „terr“ oder der Angstschrei bei plötzlicher Not: „tell terer tell tell tell“ ist geradezu ohrenbeleidigend. Trotzdem schreit, lärmt und singt der Sperling, als ob er mit der Stimme einer Nachtigall begabt wäre, und schon im Neste schilpen die Jungen. Da der Spatz durch sein Verhältnis zum Menschen sein ursprüngliches Los wesentlich verbessert und seinen Unterhalt gesichert hat, beginnt er bereits frühzeitig im Jahre mit dem Nestbaue und brütet im Laufe des Sommers mindestens drei-, wenn nicht viermal. Außerst brünstig, oder, wie der alte Gesner sagt, „über die Maßen vnkeusch“, bekundet das Männchen sein Verlangen durch eifriges Schilpen, und gibt das Weibchen seine Willfährigkeit durch allerlei Stellungen, Zittern mit den Flügeln und ein überaus zärtliches
„Die die die“ zu erkennen. Hierauf folgt die Begattung oder wenigstens ein Versuch, sich zu begatten, darauf nach kurzer Zeit neue Liebeswerbung und neue Gewährung. Das Nest wird nach des Ortes Gelegenheit, meist in passenden Höhlungen der Gebäude, ebenso aber in Baumlöchern, Schwalbennestern, im Unterbaue der Storchhorste und endlich mehr oder minder frei im Gezweige niederer Gebüsche oder hoher Bäume angelegt, je nach diesen Standorten verschieden, immer aber liederlich gebaut, so daß es nur als unordentlich zusammengetragener Haufe von Stroh, Heu, Werg, Borsten, Wolle, Haaren, Papierschnitzeln und dergleichen bezeichnet werden darf, innerlich dagegen stets dick und dicht mit Federn ausgefüttert. Wenn es frei auf Bäumen steht, ist es oben überdeckt, wenn es in Höhlen angelegt wurde, bald geschlossen, bald unbedacht. Bei einigermaßen günstiger Witterung findet man bereits im März das vollzählige Gelege, welches aus 5—6, ausnahmsweise wohl auch 7—8 zarten, glattschaligen, 23 mm langen und 16 mm dicken, in Färbung und Zeichnung sehr abweichenden, meist auf bräunlichbläulich oder rötlichweißem Grunde braun und aschgrau gefleckten, bespritzten und bepunkteten Eiern besteht. Beide Eltern brüten wechselweise, zeitigen die Brut in 13—14 Tagen, füttern sie zuerst mit zarten Kerbtieren, später mit solchen und vorher im Kropfe aufgequellten Körnern, endlich hauptsächlich mit Getreide und anderen Sämereien, auch wohl mit Früchten groß, führen sie nach den Ausflügen noch einige Tage, um sie für das Leben vorzubereiten, verlassen sie sodann und treffen bereits 8 Tage, nachdem jene dem Neste entflogen, zur zweiten Brut Anstalt. Wird einer der Gatten getötet, so strengt sich der andere um so mehr an, um die hungrige Schar zu ernähren; vermag ein Junges das Nest nicht zu verlassen, so füttern es die Eltern, solange es seiner Freiheit entbehrt. Über Nutzen und Schaden des Sperlings herrschen sehr verschiedene Ansichten; doch einigt man sich neuerdings mehr und mehr zu der Meinung, daß der auf Kosten des Menschen lebende Schmarotzer dessen Schutz nicht verdiene. In den Straßen der Städte und Dörfer verursacht er allerdings keinen Schaden, weil er sich hier wesentlich vom Abfalle ernährt; auf großen Gütern, Kornspeichern, Getreidefeldern und in Gärten dagegen kann er empfindlich schädlich werden, indem er dem Hausgeflügel die Körnernahrung wegfrißt, das gelagerte Getreide brandschatzt und beschmutzt, in den Gärten endlich die Knospen der Obstbäume abbeißt und später auch die Früchte verzehrt. In Gärten und Weinbergen ist er daher nicht zu dulden. Der wesentlichste Schade, den er verursacht, besteht übrigens, wie E. von Homeyer richtig hervorhebt, darin, daß er die allernützlichsten Vögel, namentlich Stare und Meisen, verdrängt und den Sängern den Aufenthalt in solchen Gärten, welche er beherrscht, mehr oder weniger verleidet. Ob man wirklich den Schaden jedes durchwinterten Sperlingspaares und seiner Jungen zu 2—3 Mark veranschlagen darf, wie E. von Homeyer gethan, bleibe dahingestellt; nach den Untersuchungen dieses trefflichen Forschers aber muß man sich wohl oder übel zu der Ansicht bekehren, daß der Sperling der für ihn früher auch von mir erbetenen Nachsicht und Duldung nicht würdig ist. In Nordamerika, wo man ihn 1864 einführte, mit Jubel bewillkommnete, ihm in den Parks Nisthäuschen errichtete und ihn auf alle Weise hegte und pflegte, ist man schon längst nicht mehr gut auf ihn zu sprechen. Er hat sich unter den ihm dargebotenen günstigen Bedingungen ganz außerordentlich vermehrt und verbreitet, und die Landwirte haben gelernt, ihn als eine Landplage zu betrachten. Schon 25 Jahre nach seiner Einführung ist er von Amts wegen in Anklagezustand versetzt worden, und Tausende von Zeugen haben gegen ihn nur Schlechtes und gar nichts Gutes ausgesagt, ihn daher einfach für einen gemeinschädlichen Strolch erklärt. Freilich ist der Amerikaner damit seiner Landplage keineswegs ledig geworden, besitzt aber nun doch über sie ein von Walter B. Barrows 1889 verfaßtes Buch, in welchem alles über den Sperling in Nordamerika Bekannte zusammengestellt worden ist. Haussperling: Begabung. Stimme. Fortpflanzung. Schädlichkeit. 267 1% ut.