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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

PDF document823 original pagesPublished 1891
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Haare, Fäden oder Schmutz an seine Füße hängen und diesen gefährliche Krankheiten zuziehen. Der Baumpieper, Holz-⸗, Garten-, Busch-, Weiden- oder Waldpieper, Lein-, Kraut⸗, Stoppel- oder Schmalvogel, die Baum-, Spieß-, Holz-, Busch- und

Spitzlerche (Anthus trivialis und arboreus, Alauda trivialis, Motacilla spipola, Pipastes und Dendronanthes arboreus), ähnelt dem Wiesenpieper sehr, ist jedoch etwas größer, sein Schnabel stärker, der Lauf kräftiger und der Nagel der Innenzehe kürzer und gekrümmter. Die Oberteile sind auf gelb braungrauem oder schmutzig ölgrünem Grunde

Baumpieper (Authus trivialis). 23 natürl. Größe.

streifenartig dunkler in die Länge gefleckt, Unterrücken und Bürzel fast einfarbig, ein Augenstreifen, die Gurgel, der Kropf, die Brustseiten, die Schenkel und Unterschwanzdeckfedern bleich rostgelb, Kropf, Oberbrust und Seiten schwarz in die Länge gefleckt, die Flügelstreifen und die Säume der Schulterfedern lichter als beim Wiesenpieper. Das Auge ist braun, der Schnabel hornschwarz, der Fuß rötlich hornfarben. Die Länge beträgt 17, die Breite 29, die Fittichlänge 8,5, die Schwanzlänge 6,5 em. Waldungen Europas und Sibiriens beherbergen den Baumpieper im Sommer, die⸗ Steppenwälder Afrikas und die des unteren Himalaja im Winter; baumarme Landstriche besucht er nur während seines Zuges. Blößen im Walde, lichte Gehaue, frische Schläge und andere wenig bewachsene Stellen des Waldes, auch solche, welche alljährlich überschwemmt werden, bilden sein Brutgebiet. In Mitteldeutschland ist er häufig, und sein Bestand nimmt von Jahr zu Jahr, hier und da zum Nachteile der Heidelerche, erheblich zu. In seinem Wesen erinnert er vielfach an seinen Verwandten, hält sich jedoch nicht so viel am Boden auf wie dieser, flüchtet bei Gefahr vielmehr stets den Bäumen zu und läuft auch, was jener niemals thut, auf den Asten schrittweise dahin. Minder gesellig als der Wiesenpieper, lebt

er meist einsam und bloß im Herbste familienweise, zeigt wenig Anhänglichkeit gegen die Gesellschaft und wird im Frühjahre geradezu ungesellig. Der Lockton ist ein schwer wiederzugebender Laut, der ungefähr wie „srit“ klingt, der Ausdruck der Zärtlichkeit ein leises „Sib sib sib“, der Gesang besser als jeder andere Piepergesang, kräftig und lieblich, dem Schlage eines Kanarienvogels nicht unähnlich, ausgezeichnet durch Fülle und Klarheit des Tones, Abwechselung und Mannigfaltigkeit der Weise. Trillerartige, laut pfeifende, schnell aufeinander folgende Strophen, welche sich zu einem lieblichen Ganzen gestalten und gewöhnlich mit einem sanft ersterbenden „Zia zia zia“ schließen, setzen ihn zusammen. Das Männchen singt sehr fleißig, setzt sich dazu zunächst auf einen hervorragenden Zweig oder auf die Spitze eines Baumes, steigt sodann in schiefer Richtung flatternd in die Luft empor und schwebt, noch ehe das Lied zu Ende gekommen, sanft wieder auf dieselbe Stelle oder auf den nächsten Baumwipfel nieder und gibt hier die letzten Töne zu hören. Das Nest, das immer sorgfältig verborgen auf dem Boden, in einer kleinen Grube unter Gebüsch oder tief im Grase und Heidekraute steht, ist schlecht gebaut und nur im Inneren einigermaßen sorgfältig ausgelegt. Die 4—5 in Gestalt, Färbung und Zeichnung vielfach abändernden Eier sind 20 mm lang, 15 mm dick, auf rötlichem, gräulichem oder bläulichweißem Grunde mit dunkleren Punkten, Strichen, Kritzeln gezeichnet, geädert, gemarmelt und gefleckt. Das Weibchen sitzt sehr fest auf den Eiern; die Jungen werden von beiden Eltern zärtlich geliebt und verlassen das Nest ebenfalls, noch ehe sie flugfähig sind. Gefangene Baumpieper halten sich leicht, werden überaus zahm und erfreuen durch die Zierlichkeit ihrer Bewegungen nicht minder als durch ihren trefflichen Gesang, den sie, auch wenn sie jung dem Neste entnommen wurden, genau ebenso vortragen wie in der Freiheit.

Der Wasserpieper, auch Wasser-, Sumpf- oder Moorlerche, Weißler, Gipser, Herdvögelchen genannt (Anthus spipoletta, aquaticus, montanus, nigriceps, orientalis, coutellii und blakistoni, Alauda spipoletta und testacea), ist auf der Oberseite dunkel olivengrau, mit vertuschten, schwarzgrauen Längsflecken gezeichnet, auf der Unterseite schmutzig- oder grauweiß, fleischrötlich verwaschen, an den Brustseiten dunkel olivenbraun gefleckt; hinter dem Auge verläuft ein hellgrauer Streifen; über die Flügel ziehen sich zwei lichtgnaue Binden; die beiden äußersten Federn des braunschwarzen Schwanzes sind außen, am Ende auch innen weiß, welche Färbung sich bei dem folgenden Paare auf einen Spitzenschaftflecken verringert. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel hornschwarz, an der Spitze des Unterschnabels gelblich, der Fuß dunkelbraun. Die Länge beträgt 18, die Breite 30, die Fittichlänge 9, die Schwanzlänge 7 em. Das Verbreitungsgebiet des Wasserpiepers erstreckt sich über Mittel- und Südeuropa, West- und Ostasien, bis China; die Winterreise führt ihn nach Kleinasien, Palästina und Nordafrika. In Skandinavien, Dänemark und Großbritannien vertritt ihn der durch etwas dunklere, grünlich olivenbraun überhauchte Oberseite, minder lebhaft fleischrötliche Unterseite und bräunlich getrübten Endflecken der äußeren Schwanzfeder unterschiedene Felspieper,

Strand- oder Uferpieper (Anthus obscurus, rupestris, littoralis, petrosus und immutabilis, Alauda obscura und petrosa, Spipola obscura); in Nordamerika ersetzt ihn der auch auf Helgoland vorgekommene Braunpieper (Anthus ludovieianus, pennsylvanicus, pipiens, rubens und reinhardtii, Alauda ludoviciana, pennsylvanica, rubra und rufa), der an der dunkel olivenbraunen Ober- und stark gefleckten Unterseite sowie den fast bis an die Wurzel weißen Schwanzfedern kenntlich ist. Während andere Pieperarten die Ebene entschieden bevorzugen und Berggegenden nur hier und da bewohnen, gehört der Wasserpieper ausschließlich dem Gebirge an. Er bevölkert

in namhafter Anzahl den Gürtel des Knieholzes der Alpen, Karpathen, des Schwarzwaldes, Harzes und des Riesengebirges und kommt bloß während seines Zuges in die Ebenen herab. In der Schweiz gehört er zu den gemeinsten Alpenvögeln; das Riesengebirge bewohnt er zu Tausenden. Hier erscheint er bereits mit der Schneeschmelze, zunächst in der Nähe der Bauden, und rückt allmählich weiter nach oben. so daß er in der letzten Hälfte des

Sporenpieper (Anthus richardi), Wasserpieper (A. spipoletta) und Brachpieper (A. campestris). ½ natürl. Größe.

April auf seinen Brutplätzen anlangt. Ganz ähnlich ist es in der Schweiz. „Im Frühlinge“, sagt Tschudi, „sucht der Wasserpieper schon im Laufe des April die schneefreien Stellen der Alpen auf und verläßt sie nicht mehr. Im Sommer, wenn es auf den Höhen allzu heftig stürmt, sammelt er sich scharenweise in mehr geschützten Gründen; im Herbste geht er nach den Sümpfen, Seen und Flüssen der Ebene oder auf die Düngerstätten der Dörfer. Ein kleinerer Teil überwintert auch daselbst, der größere fliegt in losen Scharen nach Italien. Die anderen halten sich an seichten, wasserzügigen Stellen, an den Abzugsgräben der Wiesen und Weinberge auf und übernachten im dürren Laube der Eichenbüsche. Wenn die Kälte steigt, ziehen sie nach den tieferen Reisländern und gewässerten Wiesen.“

Einzelne gehen gelegentlich ihrer Wanderung weiter nach Süden, bis Griechenland, Spanien und selbst Agypten. „Der Wasserpieper“, sagt Gloger, dessen Lebensschilderung des Vogels ich nach eingehenden eignen Beobachtungen als die vorzüglichste erklären muß, „findet sich weit oben auf den rauhen Hochgebirgen, wo schon die Baumwälder aufhören und fast bloß noch Knieholz wächst, oft auch noch höher. Er kommt hier unbedingt überall vor, wo letzteres irgend gedeiht, und geht so weit gegen den Schneegürtel aufwärts, bis diese Holzarten gänzlich verschwinden; ja, er steigt in der Schweiz sogar noch weit darüber hinaus, aus ganz unbewachsene Felsen und wasserreiche Alpen, wo kalte Bäche unter den Gletschern und aus den schmelzenden Schneemassen hervorrinnen. Übrigens wohnt er hier auf den dürrsten, kahlen Berggipfel wie auf den moorigen, von unzähligen Bächen durchschnittenen Knieholzwäldern, ebenso auf den höchsten, fleckenweise begrünten Felsen und an turmhohen Steinwänden wie an solchen Orten, wo Gestein beinahe ganz, nicht aber das Zwergkieferngesträuch mangelt, ferner an den steilsten Thaleinschnitten und tiefsten Abgründen wie an ganz flachen Stellen der Bergfluren, am liebsten freilich da, wo er alle diese Ortsverhältnisse gemischt findet.“ Hier nimmt er seine aus allerlei Kerbtieren, Gewürm und feinen Algen bestehende Nahrung vom Boden auf. „Er sitzt außer der Fortpflanzungszeit selten, während dieser sehr gern auf verkrüppelten Fichtenbäumchen und Kieferngesträuchen, weniger gern auf Felsstücken und Klippen. Jeder schon sitzende räumt einem beliebigen anderen, welchen er soeben erst herankommen sieht, stets unweigerlich seinen Platz ein: gewiß ein außerordentlicher Zug von Verträglichkeit. Bald nach der Brutzeit vereinigen sich Hunderte auf den Bergwiesen, ohne sich jedoch eng aneinander zu halten. Solche Gesellschaften führen dann ihre Jungen vorzüglich des Morgens an die Bäche, an heißen, sonnigen Tagen aber während der brennendsten Mittagshitze auf die dürrsten Rücken. Bis zum Eintritte der strengen Jahreszeit sieht man die Wasserpieper vereinzelt; sie bleiben auch stets ungemein scheu. Bei ihrer Brut dagegen scheinen sie aus Zärtlichkeit für diese ihre sonstige Schüchternheit völlig beiseite zu setzen: sie fliegen und springen höchst besorgt um ihren Feind herum, schreien nach Kräften heftig spieb spieb', in höchster Angst „gehlick glick', schlagen zugleich den Schwanz hoch auf und nieder und sträuben traurig ihr Gefieder. Sonst rufen sie „zgipp zgipp'. Ihr Gesang, der bis Ende Juli vernommen wird, ist recht angenehm, obschon er dem des Baum—⸗ piepers nachsteht. Eine seiner Strophen ähnelt dem Schwirren einiger Heimchenarten. Das Lied wird mit stets zunehmend beschleunigtem und zuletzt in äußerst schnellem Gange vorgetragen, während eines rasch aufsteigenden Fluges begonnen, unter behaglichem Schwimmen und schnellem, schiefem Niedersinken mit ruhig ausgebreiteten Flügeln eine Zeitlang fortgesetzt, aber erst im Sitzen auf einer Strauchspitze, einem Steinblocke, Felsen oder auf dem Boden geendigt. Sehr selten, nur wenn trübe Wolken den ganzen Gesichtskreis in trüben Nebel hüllen, singt der Wasserpieper im Sitzen. Während der ersten Nachmittagsstunden gibt keiner einen Laut von sich. „Sein Nest legt er viel freier und weniger verborgen an als andere Pieper. Es steht in weiten Felsenspalten, zwischen Steinen, unter hohen Rasenrändern, den großen alten Wurzeln und Asten der Knieholzsträucher und in anderem alten Gestrüppe, so daß es oberhalb eine natürliche Decke gegen Schnee und Regen hat. Die 4—7 Eier, die 23 mm lang, 16 mm dick sind, haben auf bläulicher oder schmutzigweißer Grundfarbe in Dunkelbraun, Graubraun, Schwarzbraun und Grau, meist sehr dicht, die Zeichnung der Piepereier, sehen zum Teil auch manchen Haussperlingseiern täuschend ähnlich.“ Im Mittelgebirge legt das Paar bei guter Witterung zweimal und zwar Anfang Mai und Ende Juni, im Hochgebirge nur einmal und zwar um Mitte Mai. Auf den Alpen leiden die Brutvögel, laut Tschudi, oft sehr von der rauhen Frühlingswitterung. „In vielen Jahrgängen bedeckt ein später

Schneefall das Nestchen mit den Eiern, vertreibt das brütende Weibchen, tötet und begräbt es nicht selten oder zwingt es, später neu zu nisten. Auch die nicht flüggen Jungen werden oft von Schnee und Frost getötet.“ Unser Brachpieper, die Brach- und Krautlerche, Brach- oder Feldstelze, der

Stoppelvogel, Stöppling und Hüfter (Anthus campestris, rufus und rufescens, Alauda campestris und mosellana, Agrodroma campestris, Abbildung S. 251), ist oberseits licht gelblichgrau mit undeutlichen, dunkeln, spärlich stehenden Flecken, unterseits trüb gelblichweiß, am Kropfe durch einige dunkle Schaftstriche gezeichnet; über das Auge zieht sich ein licht gelblicher Streifen; die Flügel sind zweimal gelblichweiß gebändert. Bei den Jungen ist die Oberseite dunkler, jede Feder gelblich gerandet und die Unterseite am Kropfe stark gefleckt. Die Länge beträgt 18, die Breite 28, die Fittichlänge 8,3, die Schwanzlänge 6,6 em. Das Verbreitungsgebiet des Brachpiepers umfaßt, mit Ausnahme der nördlichsten Tundra und Großbritanniens, ganz Europa, Mittel- und Südasien und Nordafrika, einschließlich der Kanarischen Inseln. Er zieht dürre, steinige, wüstenhafte Gegenden allen anderen vor und findet sich deshalb im Süden Europas viel häufiger als im Norden. In Deutschland ist er hier und da nicht selten, in anderen Gauen eine sehr vereinzelte Erscheinung; in fruchtbaren Strichen fehlt er gänzlich. Er geht nur bis Südschweden hinauf, dafür aber um so weiter nach Süden hinab. „Je ebener, kahler und heißer der Boden“, sagt Bolle sehr richtig, „desto zahlreicher tritt er auf. In Canaria gehört er zu den allergewöhnlichsten Erscheinungen; seinen Lockton hört man bis zum Überdruß.“ In Spanien, Italien und Griechenland ist er ebenso wie bei uns bloß stellenweise verbreitet. Er erscheint, aus seiner Winterherberge zurückkehrend, in Südeuropa etwas früher als in Deutschland, hier um die Mitte des April, und rüstet sich bereits im August, in Südeuropa um zwei Wochen später, wieder zum Wegzuge. Etwa im Mai treffen die Nachzügler ein, und im September sind die letzten verschwunden. Vor dem Wegzuge schart er sich in Gesellschaften und Flüge, die bei schönem Wetter am Tage, bei windigem des Nachts ziehen. In seinen Bewegungen erinnert der Brachpieper ebensosehr an die Lerchen wie an die Bachstelzen. Er läuft in fast wagerechter Haltung, oft mit dem Schwanze wippend, möglichst gedeckt über den Boden dahin, erscheint von Zeit zu Zeit auf einem erhöhten Gegenstande, rastet einige Augenblicke, hält in etwas aufgerichteter Haltung Umschau und setzt sodann seinen Lauf fort, fliegt, die Schwingen abwechselnd rasch bewegend und wieder zusammenfaltend, in stark gebogener Schlangenlinie dahin, schwebt vor dem Niedersetzen gewöhnlich, stürzt sich aber auch mit angezogenen Schwingen fast senkrecht aus hoher Luft herab. Bei uns zu Lande ist er regelmäßig auffallend, im Süden hier und da im Gegenteile wenig scheu, unter allen Umständen aber vorsichtig. An Stimmbegabung steht er anderen Piepern nach. Der Lockton ist „dillem“ oder „dlemm“, „kritlin zirlui“ und „ziür“ der Ausdruck der Zärtlichkeit, zugleich aber auch der wesentliche Bestandteil des außerordentlich einfachen, im Klange entfernt an die häufigsten Töne der Feldlerche erinnernden Gesanges. Die Nahrung besteht in allerlei Kleingetier, auch wohl in feinen Sämereien. Während der Brutzeit behauptet und bewacht jedes Paar eifersüchtig ein ziemlich gro— ßes Gebiet. Das Männchen zeigt sich jetzt sehr gern frei, setzt sich auf einen hohen Stein, Felsenabsatz, auf Mauern, Sandhügel ꝛc. oder auf einen Busch, selbst auf die unteren Aste der Bäume, steigt in schräger Richtung in die Luft empor, beginnt in einer Höhe von 30 bis 50 m zu zittern und zu schwanken, fliegt unregelmäßig hin und her und stößt dabei sehr häufig wiederholt sein „Zirlui zirlui“ aus. Das Nest, ein großer Bau, der äußerlich aus Moos, Queckenwurzeln und dürrem Laube besteht und innen mit Grashalmen und — qSS

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