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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

PDF document823 original pagesPublished 1891
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Stelzen, die Sporenstelze, wie wir sie nennen wollen (Budytes citreolus, Motacilla citreola, citrinella und aureocapilla, Abbildung S. 241), wiederholt nach Wesenropn und so auch nach Deutschland verflogen. Sie ist größer als die Schafstelze; ihre Länge beträgt 18, die Fittichlänge 9, die Schwanzlänge 8 em. Kopf und die ganze Unterseite, ausschließlich der weißen Unterschwanzdecken, sind lebhaft zitrongelb, Nacken und Vorderrücken schwarz, allmählich in das Schiefergraue der übrigen Oberseite übergehend, die oberen Schwanzdecken 16*

braunschwarz, wie der Rücken schwach gelblichgrün angeflogen, die Schwingen dunkel graubraun, außen schmal, die Armschwingendecken außen und die größten oberen Flügeldecken am Ende breit weißlich gerandet, wodurch ein deutlicher weißer Flügelflecken entsteht, die acht mittelsten Schwanzfedern braunschwarz, die beiden äußersten weiß mit breitem schwarzen Innenrande. Das Auge ist tief braun, der Schnabel schwarz, der Fuß bräunlichschwarz. Das Weibchen unterscheidet sich durch das lichtere Gelb der Unterseite, den grünlichen Hinterkopf und die aschgraue Oberseite. Die Sporenstelze ist ein Kind der Tundra, lebt in Europa aber nur in dem nordöstlichsten Winkel, im unteren Petschoragebiete. Von hier aus erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet durch ganz Nordasien, soweit die Tundra reicht; den Winter verbringt sie in den südlichen Steppengebieten Asiens, insbesondere in Indien und China. Auf ihrem Brutgebiete erscheint sie mit den Schafstelzen in der zweiten Hälfte des April und verweilt bis Ende August im Lande. In Ostasien soll sie in großen Scharen wandern; in Westsibirien begegneten wir nur kleinen Flügen, welche auf der Reise begriffen waren, später aber in der Tundra der Samojedenhalbinsel vielen brütenden Paaren. Diese bewohnen ganz bestimmte Ortlichkeiten der Tundra: auf moorig-schlammigem Grunde wachsende, bis zur Undurchdringlichkeit verfilzte Wollweidendickichte, zwischen denen Wassergräben verlaufen oder Wasserbecken und ebenso von üppig aufschießenden Gräsern übergrünte Stellen sich befinden. Hier wird man den schönen Vogel nie vermissen, während man sonst tagelang die Tundra durchwandern kann, ohne einem einzigen Paare zu begegnen. Wie in Gestalt und Färbung, ist die Sporenstelze auch im Sein und Wesen ein Mittelglied zwischen Gebirgs- und Schafstelze, steht der letzteren aber näher als der ersteren. Sie geht nach Art der Schafstelze und ähnelt dieser, unzweifelhaft ihrer näheren Verwandten, auch im Fluge mehr als der Gebirgsstelze, da die Bogen, welche sie beschreibt, ziemlich flach sind. Gern bäumt sie auf den obersten Strauchspitzen, und das Männchen läßt von hier aus einen kurzen Gesang hören, der zwar dem einfachen Liedchen der Schafstelzen ebenfalls ähnelt, sich aber doch durch bestimmte, etwas schärfer klingende Töne und den ganzen Bau der Strophe unterscheidet, ohne daß ich im stande wäre, dies mit Worten zu versinnlichen. Als nahe Verwandte der Schafstelze erweist sie sich auch durch ihre Verträglichkeit Auf günstigen Brutstätten wohnt ein Paar dicht neben dem anderen, jedenfalls so nahe neben dem benachbarten, daß das singende Männchen jeden Ton des anderen hören muß; gleichwohl habe ich nie gesehen, daß ihrer zwei miteinander gehadert hätten. Das Nest steht, wie wir durch Dybowski und später durch Seebohm erfuhren, gut versteckt unter deckenden Büscheln vorjährigen Grases oder niedrigen Gebüschen, auch wohl im Moose des vertorften Grundes, in jedem Falle höchst sorgfältig verborgen und durch das während der Brutzeit rasch emporschießende Gras allen Blicken entzogen. Moosstengel, die mit trockenen Grashalmen vermengt werden, bilden die Außenwandungen, Moosfruchtstiele, Federn und Renntierhaare die innere Auskleidung des dickwandigen und regelmäßigen Baues. Da die Tundra nicht vor den ersten Tagen des Juni schneefrei wird, legt das Weibchen erst um diese Zeit seine 5, seltener 6 Eier, welche 19 oder 20 mm lang, 14 mm dick und auf weißgelbem Grunde mit kleinen rostfarbigen, sehr blassen und undeutlichen Fleckchen gleichförmig bezeichnet sind, bebrütet sie sodann aber, mit dem Männchen abwechselnd, um so eifriger. Wenn einer der Gatten brütet, hält der andere Wache und warnt bei Gefahr. Auf dieses Zeichen hin verläßt der Brutvogel das Nest zu Fuße, und indem beide fliegen, trachten sie den Feind abzuführen. Geht die Gefahr glücklich vorüber, so kehren sie, jedoch nicht sogleich und immer mit großer Vorsicht, zum Neste zurück, um dieses ja nicht zu verraten. Es ist aus diesem Grunde für den Forscher schwierig, die Brutstätte aufzufinden, und gelingt eigentlich nur bei schwachem Regen, während dessen das Weibchen nicht gern

die Eier verläßt und dann beinahe unter den Füßen des herannahenden Feindes auffliegt. Gegen Ende Juli sind die Jungen bereits dem Neste entschlüpft, Anfang August die Alten in voller Mauser, und unmittelbar darauf, spätestens in den letzten Tagen dieses Monates, verlassen sie die Heimat. * Große südasiatische Arten der Familie sind die Schwalbenstelzen (Enicurus). deren Merkmale in dem verhältnismäßig langen, auf dem Firste geraden Schnabel, den kräf—⸗ tigen, hochläufigen Füßen, dem kurzen Flügel, unter dessen Handschwingen die vierte bis sechste die anderen überragen, und dessen Oberarmschwingen sich nicht verlängern, sowie in dem langen, sehr tief gegabelten Schwanze gefunden werden. Durch Bernsteins Forschungen sind wir mit der Lebensweise einer der ausgezeichnetsten Arten bekannt geworden. Die Schwalbenstelze, Meninting der Malayen (Enicurus leschenaulti und coronatus, Motacilla speciosa), ist auf der Oberseite und den Flügeln, am Vorderhalse und auf der Brust tief samtschwarz, auf dem Scheitel, woselbst die Federn sich hollenartig verlängern, an der Wurzel der Armschwingen und deren Deckfedern, welche eine breite, im ganzen halbmondförmige Rückenquerbinde bilden, sowie auf dem Unterrücken und dem Unterleibe weiß; die Schwingen sind schwärzlich, die Schwanzfedern, mit Ausnahme der beiden seitlichen rein weißen, schwarz, mit breiter weißer Spitze. Der Schnabel ist schwarz, der Fuß gelb. Die Länge beträgt 26 —28 em. „Dieser Vogel“, sagt Bernstein, „ist ausschließlich in den an Quellen und Bächen reichen Gebirgen Javas zu Hause und in den Vorbergen nirgends selten, seine eigentliche Heimat ein Gürtel von 500 — 1200 m Höhe. Hier wird man ihn beinahe an jedem Bache antreffen. Vom Wasser entfernt er sich nie weit, verirrt sich aber, indem er dem Laufe der Bäche aufwärts folgt, nicht selten tief in die Urwälder, so daß man alsdann verwundert ist, ihm an Orten zu begegnen, wo man ihn niemals erwartet hätte. Einmal, aber später nie wieder, traf ich ihn an einer Quelle auf dem 3000 m hohen Pangerango. „In seiner Liebe zum Wasser ähnelt unser Vogel der Gebirgsstelze, während die Färbung seines Gefieders den Europäer auf Java an seine heimatliche Bachstelze erinnert. Er trägt im Laufen den Schwanz wagerecht; bei Erregung aber oder beim Anblicke eines verdächtigen Gegenstandes richtet er die weißen Scheitelfedern auf und hebt und senkt den Schwanz in eigentümlicher Weise. Während des Aufhebens, welches mit einem schnellen Rucke geschieht, sind die Schwanzfedern zusammengelegt; sobald der Vogel den Schwanz aber erhoben hat, breitet er ihn fächerförmig aus und senkt ihn langsam wieder, worauf er ihn alsbald von neuem aufschnellt. Seine Lockstimme klingt bachstelzenähnlich „ziwitt ziwitt“, in Angst und Not dagegen oder auch, wenn er entzückt ist, läßt er ein rauhes „Rhäät; hören. Er ist ein lieber, harmloser Vogel, der den Menschen oft bis auf wenige Schritte an sich herankommen läßt und dann entweder eiligst eine Strecke geradeaus läuft oder in bachstelzenähnlichem Fluge ein Stückchen wegfliegt. Seine Nahrung besteht in Kerbtieren und Würmern, die er, an den Ufern der Bäche hinlaufend, zwischen den Steinen, Pflanzen ꝛc. sucht, ja nicht selten bis ins Wasser hinein verfolgt. „Das Nest steht ohne Ausnahme auf dem Boden, entweder in unmittelbarer Nähe des Wassers oder doch in nur sehr geringer Entfernung davon, ist aber auch dann, wenn man durch den Vogel selbst auf seine Nähe aufmerksam gemacht wurde, nicht leicht zu finden. Womöglich wird eine natürliche Vertiefung zur Anlage benutzt, und so findet man es ent; weder in einer Spalte, zwischen Moos, hinter Grasschollen oder einem Steine, unter einem umgefallenen Baume, immer gut versteckt. Findet der Vogel solch eine natürliche Vertiefung des Erdbodens, so füllt er sie zunächst mit trockenem Moose so weit aus, daß dadurch ein

halbkugelförmiger Napf entsteht, dessen Grund er alsdann mit trockenen Blättern ausfüttert. Hierzu gebraucht er mit besonderer Vorliebe solche, welche durch die Feuchtigkeit so weit mürbe gemacht worden sind, daß nur noch das weiche Gerippe der Blattnerven übriggeblieben ist. Solche trockene Blätter sind weich und biegsam und bilden mithin eine zweckmäßige Unterlage für die Eier. Letztere, von denen ich nie mehr als zwei in einem Neste fand, sind länglich gestaltet, am stumpfen Ende kurz abgerundet, am entgegengesetzten spitz

Schwalbenstelze (Enicurus loschenaulti). 378 natürl. Größe.

zulaufend. Ihre Grundfarbe ist ein unreines, mattes, ins Gelbliche oder Grünliche spielendes Weiß; die Zeichnung besteht aus zahlreichen kleinen, bald mehr ins Gelbe, bald mehr ins Rote ziehenden lichtbraunen Flecken, deren Ränder nicht scharf von der Grundfarbe abgegrenzt sind, sondern in diese übergehen, so daß sie wie gebleicht oder verwaschen aussehen. Gegen das stumpfe Ende hin bilden sie einen Kranz. Die Alten sind um ihre Brut sehr besorgt und verraten sie dem Menschen durch ein langgedehntes, sanft flötendes „Wüühd', dem, wenn man dem Neste sehr nahe gekommen ist, noch ein hastig ausgestoßenes „Kä' angehängt wird.“ *

Die Pieper (Anthus) sind vielleicht als Ubergangsglieder von den Sängern zu den Lerchen anzusehen und wurden früher geradezu den letzteren zugezählt. Ihre Kennzeichen sind schlanker Leib, dünner, gerader, an der Wurzel schmaler, pfriemenförmiger Schnabel, mit eingezogenem Rande und einem seichten Einschnitte vor der sehr wenig abwärts gesenkten Spitze des Oberschnabels, schlankläufige Füße mit schwachen Zehen, aber großen Nägeln, deren eine, die hinterste, wie bei den Lerchen sporenartig sich verlängert, mittelmäßig lange Flügel, in denen die dritte und vierte Schwinge die Spitze bilden und die Oberarmfedern eine bedeutende Länge erreichen, mittellanger Schwanz, glatt anliegendes, erd- oder grasfarbiges, nach Geschlecht und Alter kaum, nach der Jahreszeit einigermaßen verschiedenes Gefieder. Die Gattung, die gegen 50 Arten zählt, ist über die ganze Erde verbreitet. Alle Pieper bringen den größten Teil ihres Lebens auf dem Boden zu und lassen sich nur zeitweilig auf Bäumen nieder. Sie sind bewegliche, muntere, hurtige Vögel, welche schrittweise rasch umherlaufen und dabei sanft mit dem Schwanze wippen, wenn es gilt, größere Strecken zu durchmessen, gut, schnell, leicht und bogig, wenn sie die Lust zum Singen in die Höhe treibt, flatternd und schwebend fliegen, eine piepende Lockstimme und einen einfachen, aber angenehmen Gesang vernehmen lassen, Kerbtiere, namentlich Käfer, Motten, Fliegen, Hafte, Schnaken, Blattläuse, auch Spinnen, Würmer und kleine Wassertierchen, sogar feine Sämereien fressen, sie immer vom Boden ablesen und nur ausnahmsweise einer vorüberfliegenden Beute im Fluge nachjagen. Die Nester werden auf dem Boden angelegt, der Hauptsache nach aus dürren Grashalmen und Graswurzeln, welche mit anderen Pflanzenstoffen locker verbunden und innen mit Wolle und Haaren ausgefüttert werden. Die Eier zeigen auf düsterfarbigem Grunde eine sanfte, verfließende Zeichnung, welche aus Punkten, Flecken und Strichelchen zusammengesetzt ist. Das Weibchen scheint allein zu brüten; beide Geschlechter aber lieben ihre Brut im hohen Grade. Die meisten nisten mehr als einmal im Jahre. Wohl die bekannteste Art der Gattung ist der Wiesenpieper, auch Wiesen-, Piep-, Sumpf⸗, Wasser⸗, Stein-, Kraut⸗, Spieß⸗, Grillenlerche, Hüster, Pisperling und Gixer genannt (Anthus pratensis, sepiarius und tristis, Alauda pratensis und sepiaria, Leimoniptera pratensis, Abbildung S. 241). Die Federn der Oberseite sind olivenbraun, schwach olivengrün überflogen, durch dunkelbraune verwaschene Schaftflecken gezeichnet, die des Bürzels lebhafter und mehr einfarbig, ein Streifen über den Augen, Backen und Unterteile zart rostgelblich, seitlich etwas dunkler und hier, wie auf Kropf und Brust, mit breiten, braunschwarzen Schaftstrichen geziert, ein Strich unter dem Auge und ein bis auf die Halsseiten reichender Bartstreifen schwarz, die Schwingen und Schwanzfedern dunkel olivenbraun, außen olivengelbbräunlich gesäumt, die Enden der Armdecken und größten Flügeldeckfedern heller gerandet, wodurch zwei undeutliche Querbinden entstehen, die äußersten Schwanzfedern außen weiß mit trüben Endteilen, innen in der Endhälfte schief abgeschnitten weiß, welche Färbung auf der zweiten Feder jederseits auf das Ende der Innenfahne sich beschränkt. Der Augenring ist tiefbraun, der Oberschenkel hornbraun, der untere hellbraun, der Fuß bräunlich. Die Länge beträgt 15, die Breite 24, die Fittichlänge 7, die Schwanzlänge 6 em. Im hohen Norden Europas und Asiens, von Lappland an bis Kamtschatka, dann auch bis zum Himalaja sowie in Nordafrika vertritt den Wiesenpieper der ihm nahe verwandte gleich große Rotkehlchenpieper (Anthus cervinus, rosaceus, rufogularis, japoni-eus, ruficollis, rufosuperciliaris, montanellus, termophilus und cecilii, Motacilla WMeMLW᷑WWäñd.. V

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cervina), der sich von jenem dadurch unterscheidet, daß der Augenstreifen, die Kopf- und Halsseiten, Kinn, Kehle und Kropf schön einfarbig rostfleischrötlich, die dunkeln Schaftflecken an Bauch und Schenkelseiten kleiner und die beiden Flügelquerbinden heller und deutlicher sind. Man hat den Wiesenpieper in der ganzen Nordhälfte Europas sowie im größten Teile Nordasiens als Brutvogel gefunden und während des Winters in Südeuropa, Südwestasien und Nordafrika beobachtet. Bei uns erscheint er mit der Schneeschmelze, gewöhnlich schon zu Anfang März, spätestens um Mitte April, und verweilt bis zum November, selbst bis zum Dezember. Er wandert in großen Scharen, nicht selten mit den Feldlerchen, und reist ebensowohl bei Tage wie bei Nacht. Als halber Sumpfvogel bewohnt er in der Heimat wie in der Winterherberge wasserreiche Gegenden, am liebsten feuchte, sumpfige Ortlichkeiten; nur unterwegs sieht man ihn dann und wann auch auf trockenerem Gelände. Die Tundra erscheint in seinen Augen als Paradies. Er ist äußerst lebhaft und während des ganzen Tages in Bewegung, läuft, soviel wie möglich zwischen Gras und Ried versteckt, ungemein hurtig umher, erhebt sich gewandten Fluges in die Luft, stößt seinen Lockton aus und streicht nun rasch geradeaus, einem ähnlichen Orte zu, läßt sich aber selten auf Baumzweigen nieder und hält sich nie lange hier auf. Der Flug geschieht in kurzen Absätzen und erscheint dadurch zuckend oder hüpfend, auch anstrengend, obgleich dies nicht der Fall ist. Der Lockton, ein heiseres, feines „Ißt“, wird oft rasch nacheinander ausgestoßen und klingt dann schwirrend; der Ausdruck der Zärtlichkeit lautet sanft wie „dwitt“ oder „zeritt“. Der Gesang besteht aus verschiedenen zusammenhängenden Strophen: „Wittge wittge wittge witt zick zick jück jück“ und „türrrrr“, miteinander verbunden, aber etwas verschieden betont, sind die Grundlaute. Das Männchen singt, wie alle Pieper, fast nur im Fluge, indem es vom Boden oder von der Spitze eines niederen Strauches, in schiefer Richtung flatternd sich aufschwingt, ziemlich hoch in die Luft steigt, hier einige Augenblicke schwebend oder rüttelnd verweilt und nun mit hoch gehaltenen Flügeln singend herabschwebt oder mit angezogenen Fittichen schnell herabfällt. Man vernimmt das Lied vom Morgen bis zum Abend und von der Mitte des April bis gegen den Juli hin fast ununterbrochen. Gegen seinesgleichen zeigt sich der Wiesenpieper höchst gesellig und friedfertig; mit anderen neben ihm wohnenden Vögeln, Schafstelzen, Schilf- und Seggenrohrsängern, Rohrammern und dergleichen, neckt er sich gern herum. In der Brutzeit behauptet jedes Pärchen seinen Stand, und es kommt auch wohl zwischen zwei benachbarten Männchen zu Kampf und Streit; im ganzen aber liebt unser Vogel selbst um diese Zeit geselliges Zusammenleben. Das Nest steht zwischen Seggenschilf, Binsen oder Gras auf dem Boden, meist in einer kleinen Vertiefung, immer so versteckt, daß es schwer zu finden ist. Eine Menge dürrer Stengel, Würzelchen und Halme, zwischen welche zuweilen etwas grünes Erdmoos eingewebt wird, bilden die Außenwandungen; die tiefe, zierlich gebildete Mulde ist mit feinen Halmen und Pferdehaaren ausgelegt. Das Gelege bilden 5—6, 18 mm lange, 14 mm dicke Eier, welche auf gräulichweißem oder schmutzigrötlichem Grunde überall dicht mit graubraunen oder gelbbraunen Punkten, Schmitzen oder Kritzeln bezeichnet sind; sie werden in 13 Tagen gezeitigt. Die Jungen verlassen das Nest, noch ehe sie ordentlich fliegen können, verstehen es aber so meisterhaft, sich zwischen den niederen Pflanzen zu verstecken, daß sie doch vor den meisten Feinden gesichert sind. Bei Annäherung eines solchen gebärden sich die Alten sehr ängstlich und setzen sich rücksichtslos jeder Gefahr aus. Wenn alles gut geht, ist die erste Brut Anfang Mai, die zweite Ende Juli flügge; doch findet man auch bis in den August hinein Junge, welche eben das Nest verlassen haben. In einem großen Käfige hält sich der Wiesenpieper recht gut, wird sehr zahm und singt ziemlich eifrig. Im Zimmer darf man ihn nicht umherlaufen lassen, weil sich bald

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