Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel
in mehr oder weniger innigem Verbande leben. Im Herbste ziehen die Familien allabendlich den Rohrteichen zu und suchen hier zwischen Schwalben und Staren ein Plätzchen zum Schlafen. Später vereinigen sich alle Familien der Umgegend zu mehr oder minder zahlreichen Schwärmen, welche an Stromufern bis zu Tausenden anwachsen können. Diese so gesellten Heere brechen gemeinschaftlich zur Wanderung auf, streichen während des Tages von einer Viehtrift oder einem frisch gepflügten Acker zum anderen, immer in der Reiserichtung weiter, bis die Dunkelheit einbricht, erheben sich sodann und fliegen unter lautem Rufen südwestlich dahin. Bachstelze. Gebirgsstelze. 239
Zierlicher und anmutiger noch als die Bachstelze ist die Gebirgsstelze, Wald-, Winter⸗, Frühlings⸗, Wasser⸗ und Gilbstelze, Sticherling und Irlin (Motacilla melanope, sulfurea, boarula, Calobates sulfurea), ein reizender Vogel. Beim Männchen ist im Frühjahre die Oberseite aschgrau, die Unterseite schwefelgelb, die Kehle schwarz, von dem Grau der Oberseite durch einen weißen Streifen geschieden; ein anderer gleichfarbiger Streifen zieht sich über das Auge, zwei lichtgraue, wenig bemerkbare Binden laufen über die Flügel. Im Herbste sind die Farben matter und die Kehlfedern weißlich. Sehr alte Weibchen ähneln den Männchen; das Schwarz ihrer Kehle ist aber unrein und das Gelb der Unterseite matt; jüngere zeigen nur einen weißen oder schwarzgrauen Kehlflecken. Die Jungen sind auf der Oberseite schmutzig aschgrau, auf der Unterseite gelbgrau; die Kehle ist grauweiß, mit schwarzgrauen Punkten eingefaßt. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß hornfarben. Die Länge beträgt 21,8, die Breite 25,5, die Fittichlänge 8,5, die Schwanzlänge 10,5 em. Das Verbreitungsgebiet der Gebirgsstelze umfaßt ganz Europa von Südschweden an, den größten Teil Asiens und einige Gebirge Nord-, Ost- und Westafrikas, insbesondere den Atlas, das Hochland Abessiniens und die Hochländer der Westküste. Im nördlichen Europa gehört sie zu den Seltenheiten; von Mitteldeutschland nach Süden hin findet sie sich fast überall im Gebirge schon an jedem klaren Bache der Vorberge, einzeln selbst an solchen der Ebene, im Süden erst im höheren Gebirge. Auf den Kanarischen Inseln ist sie gemein. „Um die Lachen, zu denen der Bach des Thales unter der sommerlichen Glut zusammengeschrumpft ist“, schildert Bolle, „über feinen Kiessand, trippelt hurtig ein Pärchen der Gebirgsstelze. Wir erkennen sie wieder, die freundliche Nachbarin der Forelle. Als wir Knaben waren und den Harzwald oder die Gebirge Schlesiens durchwanderten, haben wir sie zuerst kennen gelernt. Sie flog damals von einem moosigen Steine zum anderen, und die Tanne spiegelte sich in dem schnell fließenden Gewässer, über das sie dahinstrich. Nun ist es die Palme, welche ihr Bild hineinwirft. Hier auf den Inseln erscheint sie freilich auch am zahlreichsten längs der Bäche, bedarf aber durchaus nicht immer des lebendig fließenden Elementes: eine einfache Cisterne oder ein Bewässerungsteich reicht hin, sie an die Nähe des Hauses oder Gartens zu fesseln, dem diese angehören. Selbst bei fast stets bedeckten Wasserbehältern liebt sie es, sich anzusiedeln, unstreitig durch die in der Luft verbreitete größere Kühlung und das häufigere Erscheinen von geflügelten Kerfen angelockt. Sie scheut daher auch die Nähe des Menschen durchaus nicht; im Gegenteile, keinen anderen Vogel sieht man hier häufiger auf den Dächern der Ortschaften als die Gebirgsstelze.“ Jerdon sagt, daß sie in Indien Wintergast sei, gegen Ende des September erscheine und bis zur ersten Woche des Mai im Lande verweile, besonders häufig aber im Norden der Halbinsel auftrete. Man kann kaum einen netteren Vogel sehen als die zierliche, anmutige Gebirgsstelze. Sie geht gleichsam geschürzt längs dem Uferrande dahin oder an seichten Stellen ins Wasser hinein, hütet sich sorgfältig, irgend einen Teil ihres Leibes zu beschmutzen, und wiegt sich beim Gehen wie eine Tänzerin. „Sie läuft“, sagt mein Vater, „mit der größten Schnelligkeit
nicht nur an den Ufern, sondern auch in seichten Wässern, wenn es ihr nicht bis an die Fersen geht, in Schleusen, auf den Dächern und auf nassen Wiesen herum, wobei sie den Körper und Schwanz wagerecht, letzteren oft auch etwas aufrecht hält, um ihn sorgfältig vor Nässe zu bewahren. Sitzt sie aber auf einem Baume, Wasserbette, Steine oder sonst auf einem erhöhten Gegenstande, so richtet sie ihren Leib hoch auf und läßt ihren Schwanz schief herabhängen. Ihr Flug ist ziemlich schnell und leicht, absatzweise bogig, er geht oft lange Strecken in einem fort. Ich erinnere mich, daß sie eine viertel oder halbe Stunde weit in einem Zuge an einem Bache hinflog, ohne sich niederzulassen. Sie thut dies besonders im Winter, weil sie in der rauhen Jahreszeit ihre Nahrung in einem größeren Gebiete zusammensuchen muß. In der warmen Jahreszeit fliegt sie, wenn sie aufgescheucht wird, selten weit. Sie ist sehr zutraulich, nistet bei den Häusern, oft in ihren Mauern, und läßt einen Menschen, welcher sich nicht um sie bekümmert, nahe an sich vorübergehen, ohne zu entfliehen. Bemerkt sie aber, daß man ihr nachstellt, wird sie so scheu, daß sie sich durchaus nicht schußgerecht ankommen läßt, wenn sie nicht hinterschlichen wird. Ihr Lockton, den sie hauptsächlich im Fluge, seltener aber im Sitzen hören läßt, hat sehr viel Ahnlichkeit mit dem der Bachstelze, so daß man beide Arten genau kennen muß, wenn man sie genügend unterscheiden will. Er klingt fast wie „ziwi, es ist aber unmöglich, ihn mit Buchstaben genau zu bezeichnen.“ Auch die Gebirgsstelze brütet zeitig im Frühjahre, das erste Mal schon im April, das zweite Mal spätestens im Juli. Bei der Paarung setzt sich das Männchen auf einen Zweig oder einen Dachfirst, hoch oder tief, auf ein Wehr oder einen Stein ꝛc. und gibt einen trillerartigen Ton von sich, der fast wie „törrli“ klingt und besonders in den ersten Morgenstunden gehört wird. Fliegt es auf, dann flattert es mit den Flügeln, setzt sich aber bald wieder nieder. Es hat gewisse Plätze, gewisse Bäume, Häuser und Wehre, auf denen es im März und im Anfang des April alle Morgen sitzt und seine einfachen Töne hören läßt. Im Frühjahre vernimmt man auch, jedoch selten, einen recht angenehmen Gesang, welcher mit dem der Bachstelze einige Ahnlichkeit hat, aber hübscher ist. Das Nest steht in Felsen-, Mauer- und Erdlöchern, unter überhängenden Ufern, in Mühlbetten, im Gewurzel ꝛc., regelmäßig nahe am Wasser, richtet sich hinsichtlich seiner Größe nach dem Standorte und ist dem entsprechend bald größer, bald kleiner, aber auch bald dichter, bald lockerer, bald mehr, bald weniger gut gebaut. Die äußere Lage besteht aus Würzelchen, Reisern, dürren Blättern, Erdmoosen und dergleichen, die zweite Lage aus denselben, aber feiner gewählten Stoffen, die innere Ausfütterung aus zarten Würzelchen, Borsten, Pferdehaaren und Wolle. Die 4—6 Eier sind 18 mmnlang und 13 mm dick, auf grauschmutzigem oder bläulichweißem Grunde mit gelben oder aschgrauen Flecken und Strichelchen gezeichnet, gewässert und geadert. Das Weibchen brütet allein; doch kommt es ausnahmsweise vor, daß das Männchen es ablöst. Der Bruteifer der Mutter ist so groß, daß sie sich mit der Hand ergreifen läßt. Die Jungen werden von beiden Eltern reichlich mit Nahrung versehen, sehr geliebt und nach dem Ausfliegen noch eine Zeitlang geführt und geleitet. Gefangene Gebirgsstelzen übertreffen alle Verwandten an Anmut und Lieblichkeit, zieren jedes größere Gebauer im höchsten Grade und dauern bei einigermaßen entsprechender Pflege recht gut aus. *
Die Schafstelze, Kuh-, Rinder-, Wiesen- und Triftstelze (Budytes flavus, pygmaeus, dubius, fulviventris, schisticeps, melanotis und fasciatus, Motacilla flava, verna, chrysogastra, flaveola, neglecta, viridis, bistrigata und melanotis), wird des kurzen Schwanzes und des sporenartigen Nagels der Hinterzehe halber als Vertreterin einer
Gebirgsstelze. Schafstelze.
gleichnamigen Gattung (Budytes) betrachtet. Ihre Länge beträgt durchschnittlich 17, die Breite 25, die Fittichlänge 8, die Schwanzlänge 7 cm. Oberkopf, Zügel, Ohrgegend, Nacken und Hinterhals, einen über den Augen fortlaufenden, bis auf die Schläfen reichenden schmalen weißen Strich ausgenommen, sind aschgrau, die übrigen Oberteile olivengrün, die oberen Schwanzdecken dunkler, die Kopf⸗ und Halsseiten sowie die übrigen Unterteile, mit Aus⸗ 1
Sporenstelze (Budytes citreolus), Schafstelze (Budytes flavus) und Wiesenpieper (Anthus pratensis).
1/2 natürl. Größe.
nahme des weißlichen Kinnes, schwefelgelb, die Schwingen braunschwarz, außen schmal, die letzten Armschwingen breiter fahlweiß gesäumt, die größten oberen Deckfedern am Ende ebenso gerandet, so daß eine helle Querbinde entsteht, die Schwanzfedern schwarz, die beiden äußersten weiß, in der Wurzelhälfte der Innenfahne schwarz gerandet. Der Augenring ist braunschwarz, der Schnabel wie die Füße schwarz. Beim Weibchen sind Oberkopf und Oberseiten bräunlich olivengrün, die Bürzelfedern deutlich grün, die der Unterteile blaßgelb, die Kropfseiten durch einige verwaschene, dunkle Flecken gezeichnet, auch ist der Augenstreifen breiter, aber mehr verwaschen und rostfarbig. Bei jungen Vögeln sind die Federn der Oberseite düster Brehm, Tierleben. 3. Auflage. IV 16
braungrau, am Ende verwaschen gelbgrau, die des Kinnes und der Kehle schmutzig weiß, die der übrigen Unterseiten schmutzig rostgelb, die des Kropfes dunkelbraun gefleckt; auch läuft eine Reihe Flecken vom Mundwinkel herab. Neben der Schafstelze treten verschiedene ständige Formen der Gattung auf, die von einzelnen Naturforschern als Arten, von anderen nur als Unterarten betrachtet werden. Reichenow läßt die Kappenstelze, die Feldstelze und die Nordische Schafstelze als selbständige Arten gelten. Bei ersterer (Budytes melanocephalus), welche in Südosteuropa und Turkistan brütet, sind Oberkopf, Kopfseiten und Hinterhals tief samtschwarz, bei der Feldstelze (Budytes campestris), welche in Großbritannien, Westfrankreich und Südostrußland als Brutvogel lebt, sind Oberkopf und Kopfseiten gelb wie die Unterteile. Von der Kappenstelze berichtet Alfred Walter aus Turkmenien: „Obgleich an geeigneten Orten nicht seltener Brutvogel, so geht doch diese Art in ungeheurer Zahl durch das Gebiet auf dem Zuge und wird im Frühlinge allerorts wandernd beobachtet. Bis zum 9. April 1886 wurde nur diese gelbe Stelze beobachtet; die ersten vereinzelten Vorzügler wurden schon am 13. März erlegt, ebenso trafen 1887 einzelne Stücke bei Merw eam 15. März ein. Große Scharen berührten erst am 8.—10. April 1886 die Rohrbestände von Artyk. Jeder Zahlschätzung spottende Züge wanderten wolkenartig vom 19. bis 24. April 1887 bei Tachtabasar, stets die Richtung des Murghabthales einhaltend; bei allmählicher Abnahme der Massen währte der Zug in dieser Gegend bis zum 5. und 6. Mai, an welchem Tage am Kuschk immer noch Flüge von 40—100 Stück vorüberzogen und zwar in unglaublicher Eile. Brutplätze liegen z. B. in den ausgedehnten Rohr- und Typhabeständen im Versiegungsdelta des Tedschen, der im Sande verläuft.“ Die Nordische Schafstelze (Budytes boreéalis) bewohnt Nordskandinavien und Nordrußland. Sehen wir von einer Trennung ab, so haben wir Europa, Mittelasien und Nordwestamerika als Brutgebiet, Südasien, Mittel- und Südafrika als Winterherberge der Schafstelze anzunehmen. Im ganzen Norden sind die Schafstelzen Sommervögel, welche viel später als die Bachstelzen, frühestens im Anfange, meist erst gegen Ende des April und selbst in den ersten Tagen des Mai einwandern und im August, spätestens im September, ihre Winterreise antreten. Während des Zuges gewahrt man sie auch in Gegenden, in denen sie nicht brüten, da jede größere Viehherde sie anzieht und oft während des ganzen Tages sesthält. Ihre Brutplätze sind, abgesehen von der Tundra, dem Wohngebiete von Hunderttausenden dieser Sumpffreunde, feuchte Gegenden oder zeitweilig überschwemmte Niederungen. „Da, wo Schafstelzen brüten“, sagt Naumann, „findet man während des Sommers keinen Rapsoder Rübsenacker, kein Erbsen-, Bohnen- oder Wickenstück von einiger Bedeutung, kein Kleefeld, keine frei gelegene, fette Wiese und keine baumleere, grasreiche Sumpfstrecke, wo nicht wenigstens einige dieser Vögel hausen. Einzelne Brüche bewohnen sie in unglaublicher Menge. In den Marschländern, wo sie außer dem üppigsten Getreide und den fetten Feldfrüchten Wasser, Sümpfe, Rohr und Wiesen zusammen finden, wo dazwischen auch Vieh weidet, haben sie alles, was sie wünschen mögen, und sind daher dort äußerst gemein.“ Ihre Bewegungen ähneln denen der Bachstelze mehr als denen der Gebirgsstelze. Sie sind gewandt im Laufen, besonders geschickt aber im Fliegen. Wenn sie kurze Räume überfliegen wollen, erscheint ihr Flug fast hüpfend, wogegen sie auf der Wanderung außerordentlich schnell dahinstreichen. Nicht selten erhalten sie sich flatternd oder rüttelnd längere Zeit in der Luft über einer und derselben Stelle, und häufig stürzen sie sich aus bedeutenden Höhen mit angezogenen Flügeln fast senkrecht zum Boden herab. Ihre Lockstimme ist ein pfeifender Laut, welcher wie „bsiüb“ oder wie „bilib“, sonst aber auch leise wie „sib sib“ klingt; der Warnungsruf ist ein scharfes „Sri“, der Paarungslaut ein gezogenes „Zirr“. Der Gesang ähnelt dem der Bachstelze, ist aber noch ärmer.
So gesellig im allgemeinen, so zanksüchtig zeigen sie sich an ihren Vrutplätzen. Hier beginnen sie Streit mit fast allen kleineren Vögeln, die sie dort gewahr werden. „Ihre Unfriedfertigkeit“, sagt Naumann, „bricht los, sobald ein Fremdling sich ihrem Bezirke nähert. In den Brüchen machte mich ihr Betragen oft auf seltenere kleine Vögel aufmerksam. So verfolgten sie Rohrsänger, am meisten den Seggenrohrsänger, und zwar so heftig, daß sie mir mehrmals die Jagd nach ihm vereitelten. Sobald ein solcher Vogel aus den Seggenkufen herausflog, überfielen ihn gleich mehrere Stelzen wie wütend, stachen nach ihm und ließen nicht zu, daß er sich in der Nähe setzen durfte. Später waren sie aneinander gewöhnt und nisteten in friedlicher Nähe.“ Das Nest steht auf dem Boden, zwischen Gras, Getreide oder Sumpfpflanzen, meist in einer kleinen Vertiefung, zuweilen auch unter Gewurzel. Feine Wurzeln, Halme, Blätter, trockene Grasblätter und grünes Erdmoos bilden ein lockeres, kunstloses Gewebe, Hälmchen, Distelflocken, Wolle, einzelne Pferdehaare und Federn die innere Ausfütterung. Die 4—6 zartschaligen Eier sind durchschnittlich 18 um lang, 13 mm dick und auf schmutzigweißem oder gelblichem, rötlichem und gräulichem Grunde mit gelblichen, grauen oder braungrauen, auch rostfarbenen und violettfarbigen Punkten, Strichelchen und wolkigen Flecken gezeichnet. Das Männchen wirbt inbrünstig um die Gunst seiner Gattin, indem es sich aufbläht und mit gesträubtem Gefieder und sehr ausgebreitetem, herabgebogenem Schwanze zitternd vor ihr herumflattert. Jedes Pärchen nistet nur einmal im Jahre und zwar Ende Mai oder Anfang Juni. Das Weibchen brütet allein und zeitigt die Jungen in 13 Tagen. Beide Eltern sind so besorgt um ihre Brut, daß sie das Nest dem Kundigen durch ihr ängstliches Geschrei und ihre außergewöhnliche Kühnheit verraten. Die Jungen verbergen sich anfangs geschickt im Grase, werden aber bald ebenso flüchtig wie die Alten. Nunmehr treiben sie sich bis zur Abreise gemeinschaftlich umher; dann tritt eines schönen Herbsttages alt und jung die Winterreise an. Jetzt sieht und hört man die Schafstelzen allerorten, durch Viehherden angezogen, auch im Gebirge. Die Reise scheint sehr rasch zurückgelegt zu werden. Nach meinen Beobachtungen erscheinen die Schafstelzen auch in Afrika zu derselben Zeit, welche wir in Deutschland als die ihres Zuges kennen gelernt haben, und ich fand sie hier noch häufig im Anfange des Maimonates, fast an denselben Tagen, an denen ich ihnen später in Norwegen begegnete. Viele überwintern schon in Agypten; die große Mehrzahl aber fliegt bis in das Innere Afrikas. Hier sieht man während der Wintermonate jede Rinder-, Schaf- oder Ziegenherde, ja jedes Kamel, jedes Pferd, jedes Maultier oder jeden Esel von den niedlichen Vögeln umgeben, und auf den Weideplätzen wimmelt es zuweilen von ihnen. Sie wandern mit den weidenden Rindern in die Steppe hinaus und zu den Tränkplätzen zurück, fliegen neben ihren vierfüßigen Freunden dahin, wo sie nicht laufen können, und laufen mit den Rindern um die Wette, wo der Boden dies gestattet. Rasch setzt sich auch wohl eins der Männchen auf einem benachbarten Busche nieder und singt dabei sein einfaches Liedchen; hierauf eilt es wieder dem übrigen Zuge nach, welcher, einem Bienenschwarme vergleichbar, die Herde umschwebt. Vom Nordosten Europas her hat sich eine der schönsten, wenn nicht die schönste aller