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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

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und den nordwestlichen Provinzen Indiens vielmehr durch die ihr sehr nahestehende, artlich vielleicht nicht einmal verschiedene, etwas kleinere, auf der Oberseite deutlicher längsgestreifte, außerdem an den nicht mit Weiß endenden Schwingen und mit Ausnahme der beiden mittelsten rostweißlich geendeten Schwanzfedern zu erkennende Halsbandlerche (Alauda bimaculata, Melanocorypha bimaculata, torquata, alboterminata und rufescens) vertreten wird. Sie bewohnt am liebsten dürre, nicht bewässerte Felder oder ausgedehnte Viehweiden, in Asien in Gemeinschaft von mindestens fünf anderen Arten, welche sie in jeder Beziehung beherrscht, die Steppe. In ihrem Betragen unterscheidet sie sich nicht wesentlich von unserer Feldlerche. Auch sie lebt während der Fortpflanzungszeit paarweise in einem bestimmten Gebiete, aus welchem sie andere ihrer Art eifersüchtig vertreibt; schlägt sich aber nach der Paarungszeit in Flüge, welche zuweilen ebenfalls sehr zahlreich werden können: einen solchen, welcher wohl über 1000 Stück enthalten mochte, sah ich in den Steppenwaldungen am oberen Blauen Flusse. Bestimmt zu unterscheiden ist sie von unserer und allen anderen mir bekannten Lerchen an ihrem aufrechten Gange und an den zwar etwas langsamen, aber ungemein kräftigen Bewegungen ihrer sehr breiten Flügel, welche in Verbindung mit dem sie unterseits säumenden lichteren Endrande ihrem Flugbilde ein so bezeichnendes Gepräge aufdrücken, daß man sie nie verkennen kann. Ebenso kennzeichnet sie sich durch ihren herrlichen Gesang. Wer sie zum ersten Male singen hört, bleibt überrascht stehen, um ihr sodann mit Entzücken zu lauschen. Ihr Lied zeichnet sich vor allen mir bekannten Lerchengesängen durch einen wunderbaren Reichtum und ebenso große Fülle und Kraft aus. In der Steppe vereinigt, verschmilzt, vertönt sie aller dort lebenden Lerchen Gesänge in dem ihrigen, gibt sie veredelt wieder und beherrscht hierdurch wie durch ihre gewaltige Stimme den wunderbaren Lerchengesang, welcher hier während der Frühlingszeit ununterbrochen vom Himmel herabströmt. Nicht alle erringen sich vollen Ruhm, denn nicht alle verwenden ihre unerschöpflichen Stimmmittel in einer unserem Ohre wohlthuenden Weise; einzelne aber sind geradezu unvergleichliche Meister in ihrer Kunst, welche man gehört, im Freien gehört haben muß, um ihre Bedeutung gebührend zu würdigen. „So wie die Kalanderlerche alle übrigen Mitglieder der Familie an Größe übertrifft“, sagt Cetti, „so überbietet sie alle an Gesang. Sie kann mit jedem anderen Vogel hierin um den Vorrang streiten. Ihre nalürliche Stimme scheint mir ein Geschwätz von nicht großer Annehmlichkeit zu sein; ihre Einbildungskraft aber faßt alles, was sie zu hören bekommt, und ihre dichterische Kehle gibt alles verschönert wieder. Auf dem Lande ist sie ein Echo aller Vögel; man braucht, sozusagen, anstatt all der anderen nur sie zu hören. Sie verwendet ebenso das Geschrei der Raubvögel wie die Weise der Sänger und verschwendet, in der Luft schwebend, Tausende ineinander geflochtene Strophen, Triller und Lieder. Sie lernt so viel, wie man ihr vorspielt; das Flageolett hat keine bessere Schülerin als sie. Ihre erlangte Geschicklichkeit macht sie nicht eitel: sie, die Künstlerin, singt vom Morgen bis an den Abend. Eine vor dem Fenster hängende Lerche dieser Art ist hinreichend, die ganze Gegend zu erheitern. Sie ist die Freude und der Stolz des Handwerkers, das Entzücken der Vorübergehenden.“ Alle übrigen Beobachter sind einstimmig in diesem Lobe. „Ihr Lockton“, schreibt Graf Gourey meinem Vater, „gleicht, einen tiefen Ton ausgenommen, der Lockstimme der Haubenlerche sehr. Ihr Gesang ist herrlich und wegen seiner außerordentlichen Abwechselung wirklich wunderbar. Ihre Nachahmungskunst setzt die seltene Gabe voraus, die Stimme nach Willkür verändern zu können; denn nur dadurch ist es möglich, bald jene hohen kreischenden, bald jene hellen Töne hervorzubringen, welche den Hörer in Erstaunen setzen. Wenn sie ihren Lockton einige Male hat hören lassen, folgen gewöhnlich einige Strophen aus dem Gesange der Bastardnachtigall; dann kommt der lang gezogene, sehr tiefe Ruf der Amsel, in welchem sich namentlich das

Tack tack‘ sehr hübsch ausnimmt. Hierauf folgen Strophen, ja zuweilen der ganze Gesang der Rauchschwalbe, der Singdrossel, des Stieglitzes, der Wachtel, der Finkmeise, des Grünlinges, des Hänflinges, der Feld⸗ und Haubenlerche, des Finken und Sperlinges, das Jauchzen der Spechte, das Kreischen der Reiher, und dies alles wird in der richtigen Betonung vorgetragen. Sie schnalzt wie ein Mensch; sie trägt allerhand Töne vor, welche sie gewiß von anderen, mir gänzlich unbekannten Sängern annahm; sie ahmt alles so täuschend nach, daß der Kenner jedes Vogels Gesang sogleich erkennen muß. Als ich sie erhielt, kannte sie den Gesang der Baumlerche und den Ruf der Schwanzmeise noch nicht: in kurzer Zeit hatte sie beiden Vögeln ihre Töne so gut abgelernt, daß sie diese herrlich vortrug. Zuweilen ist ihre Art zu singen äußerst sonderbar; sie scheint dann die Töne, ohne die Kehle im geringsten dabei zu bewegen, nur aus dem Schnabel heraus zu werfen. Schade nur, daß ihr Gesang für das Zimmer zu laut ist, daß er im geschlossenen Raume auf die Länge nicht ertragen werden kann. Ich mußte meine Gefangene der lästigen Stärke dieses Gesanges halber endlich weggeben. Der Händler verkaufte sie wiederholt; doch keiner der Liebhaber konnte die starken Töne im Zimmer vertragen.“ Das Nest ist ein kunstloser Bau aus trockenen Stengeln und feinen Wurzeln, welcher an einer verborgenen Stelle hinter Erdschollen, kleinen Büschchen oder im Getreide, immer aber in einer kleinen Vertiefung angelegt wird. Die 3—5 Eier sind 24 mmilang, 18 mm dick, rundlich, in der Mitte stark ausgebaucht und auf glänzend weißem oder gelblichweißem Grunde mit gelbbraunen und grauen Flecken und Punkten, welche gegen das dicke Ende hin oft kranzartig zusammenlaufen, dicht bedeckt. Um die auch in Spanien hochbeliebte Sängerin zu fangen, geht man hier des Nachts auf geeignete Feldstücke; einige der Fänger tragen Herdenglocken, andere Blendlaternen, die übrigen Handnetze. Die Lerchen werden durch den Lichtschimmer geblendet, durch den Klang der Herdenglocken aber irre geführt und zu der Meinung verleitet, daß ihnen eine Rinderoder Schafherde nahe. Sie warten die Ankunft der Fänger ruhig ab, drücken sich auf den Boden nieder und werden dann entweder mit den Netzen überdeckt oder sogar mit der Hand gegriffen. Mein Bruder hat derartigem Fange beigewohnt. In den Steppen Osteuropas und Nordasiens gesellt sich ihr die etwas größere Spie-— gellerche (Alauda sibirica und leucoptera, Melanocorypha, Phileremos und Calandrella sibirica, Abbildung S. 224), welche sich auch schon bis Deutschland verflogen hat. Die Oberteile, die hinteren Armschwingen und deren Deckfedern sind dunkelbraun, außen fahlbraun gesäumt, Oberkopf, Ohrgegend, Eckflügel, Handschwingen, Flügel- und Oberschwanzdecken zimtrot, Zügel, undeutlicher Augenstreifen, Kopfseiten, Unterteile, Unterflügeldecken und die Armschwingen an der Spitze weiß, die Unterbacken und die rostfahl angeflogene Kropfgegend mit verwaschenen, dunkeln Punkten, die zimtroten, gegen den Bauch hin ins Bräunliche übergehenden Brustseiten mit dunkeln Schaftstrichen gezeichnet, die Armschwingen schwarzbraun, außen fahlbraun, am Ende weiß, die Schwanzfedern schwarz, fahl gesäumt, die äußersten ganz, die zweiten außen weiß. Das Auge ist braun, der Schnabel gelblichgrau, auf dem Firste dunkler, der Fuß rötlichbraun. Ebenso gesellt sich der Kalanderlerche in den asiatischen Steppen die ungefähr gleich große Mohrenlerche oder Tatarenlerche (Alauda yeltoniensis, tatarica, mutabilis und nigra, Melanocorypha yeltoniensis und tatarica, Tanagra nigra, Saxilauda tatarica), welche sich ebenfalls einige Male nach Westeuropa verflogen hat. Das Herbstkleid ist tiefschwarz, Mantel, Schultern, hintere Armschwingen und Schwanzfedern am Ende deutlich, die Brustseitenfedern undeutlich isabellweißlich gesäumt. Diese Säume reiben sich B

bis zum Frühjahre hin ab, und der Vogel erscheint dann fast rein schwarz. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel horngrau, der Fuß schwarz. Beim Weibchen sind die Oberteile blaßbräunlich und durch dunkle Schaftflecken, die Unterteile fahlweiß und durch schwärzliche, an den Halsseiten zu einem größeren Flecken zusammenlaufende Strichelchen, die Leibesseiten bräunlich und durch schwarze Schaftstriche gezeichnet, die Schwingen und Schwanzfedern braunschwarz, außen schwarzbraun gesäumt, die ersten Schwing- und Schwanzfedern jederseits außen weiß. Die Länge beträgt 30, die Fittichlänge 14, die Schwanzlänge 8 em.

Mohrenlerche (Alanda yeltoniensis), Spiegellerche (Alauda sibirica) und Stummellerche (Alauda brachydactyla).

½ natürl. Größe.

Alle Salzsteppen Mittelasiens beherbergen diese Lerche in Menge jahraus jahrein; denn, wie es scheint, wandert sie nicht weit, sondern sucht sich höchstens die Stellen auf, wo der Schnee nicht liegen bleibt. Eversmann sah sie im Winter in ungeheuern Scharen; Radde traf sie ebenfalls sehr häufig an. Während unserer Reise durch die Steppen Südsibiriens und Turkistans sind auch wir ihr oft begegnet, und ich habe so aus eigner Anschauung ein, wenn schon unvollständiges, Bild ihres Sommerlebens gewinnen können. Sie bewohnt keineswegs ausschließlich schwarzerdigen Boden, wie man voraussetzen möchte, nimmt vielmehr auf sehr verschiedenartigem Gelände, obwohl keineswegs überall, ihren Aufenthalt. Nach meinem Dafürhalten darf man sie als eine der anmutigsten, falls nicht als die reizendste Erscheinung der Steppe ansehen. Da, wo sie vorkommt, wohnt ein Paar

ziemlich nahe neben dem anderen, und der große, schwarze Vogel, welcher auf lichtem Grunde schon von ferne sichtbar wird, ziert dann die Erde ebenso wie die Luft. Im Laufen und im niedrigen Fluge durchaus Lerche, trippelnd dahin rennend oder eilfertig mit vielen Schwenkungen unter raschen Schwingenschlägen fliegend, zeigt sie sich bei ihrem Hochfluge sehr eigenartig. Obgleich sie am meisten noch der Kalanderlerche ähnelt, unterscheidet sie sich doch stets durch ganz absonderliches, nur ihr eigentümliches Flattern beim Niedergehen aus der Höhe. Die breiten Flügel kommen beim Schweben besonders zur Geltung, und das Flugbild läßt sie schon daran unter allen Umständen erkennen. Mehr aber noch fällt sie dadurch auf, daß sie, nachdem sie die Höhe gewonnen, beide Flügel schief nach unten senkt, einige Sekunden lang ohne Flügelschlag gleitet, dann sich wiederum hebt und durch einzelne in längeren Zeiträumen sich folgende Flügelschläge auf einer und derselben Stelle erhält, hierbei an eine große Fledermaus nicht allein erinnernd, sondern ihr thatsächlich ähnelnd. Beim Niederfallen fliegt sie zunächst wagerecht fort, senkt sich hierauf allmählich und stürzt endlich, nicht gleich einem fallenden Steine senkrecht, sondern im flachen Winkel zum Boden oder lieber noch auf einen erhöhten Gegenstand, die Spitzenzweige eines gestrüppartigen Busches oder selbst eine Telegraphenstange, hernieder. Vor dem reitenden oder fahrenden Reisenden scheut sie sich nicht, weicht dem herankommenden Wagen meist nur so weit aus, als unbedingt erforderlich, und fliegt auch, solange nicht auf sie geschossen wurde, selten weit, ebenso wie sie beim Singen nur ausnahmsweise zu größeren Höhen aufsteigt. Ihr Gesang hat mich am meisten an den der Kalanderlerche erinnert; ich bin jedoch zweifelhaft geblieben, ob ich von ihr eigne oder nur angelernte Lieder vernommen habe. Ein Nest haben wir nicht gefunden, wohl aber schon am 4. Mai flügge Junge erhalten, woraus hervorgehen dürfte, daß sie wenigstens in Südwestsibirien schon früh im Jahre zur Fortpflanzung schreitet. Das Nest, ein höchst kunstloser Bau, ist, laut Pallas, auch auf dürrem, kaum mit Pflanzen bewachsenem Boden so vortrefflich versteckt, daß man es schwer findet. Das Gelege besteht aus 4 Eiern, die auf bläulichem Grunde mit grauen Unterund braungrauen Oberflecken gezeichnet sind und bei 28 mi Länge einen Querdurchmesser von 18 mm haben. Während der Brutzeit ernährt sich die Mohrenlerche hauptsächlich von allerlei Kerbtieren; später dienen ihr und ihren Jungen die Samen der Salzpflanzen fast zur alleinigen Nahrung. Gegen den Herbst hin verläßt sie ihr Brutgebiet, gewöhnlich in Gesellschaft von Kalanderlerchen, um südlich zu reisen, wandert aber nicht weit, sondern überwintert bereits in den Steppen Südrußlands am unteren Dnjepr und Don, häufig auch in der Nähe von Odessa. Einzelne dehnen ihre Reise weiter aus und erscheinen gelegentlich in westlichen Gebieten, gehören hier, insbesondere in unserem Vaterlande, aber stets zu den größten Seltenheiten. Gefangene, welche ich aus Südrußland erhielt, betrugen sich wie Kalanderlerchen. *

Eine der anmutigsten aller Arten der Familie ist die Alpenlerche, Berg-, Küstenund Hornlerche (Otocorys alpestris, cornuta, chrysolaema, occidentalis, Phileremus alpestris, cornutus, rufescens und striatus, Alauda alpestris, flava, vufa, minor, cornuta, nivalis, glacialis und chrysolaema, Eremophila alpestris), Vertreterin der Gattung der Ohrenlerchen (Otocorys), deren Kennzeichen in dem mittellangen, geraden, ziemlich schwachen Schnabel, den starken Füßen mit mittellangen Zehen und kurzen, wenig bogenförmigen Sporen am Daumen, den langen Flügeln, in denen die zweite, dritte und vierte Schwungfeder fast gleich lang und die längsten sind, sowie endlich in dem sehr reichen Gefieder, zwei kleinen Federohren an den Seiten des Hinterkopfes und der eigenartig bunten Brehm, Tierleben. 3. Auflage. IV. 15

Zeichnung zu suchen sind. Ihre Länge beträgt 17, die Breite 32, die Fittichlänge 11, die Schwanzlänge 7 em. Stirn, Augenstreifen, Kinn und Kehle sind blaßgelb, eine Querbinde auf dem Hinterkopfe, welche seitlich über den Schläfen in eine hervorragende Spitze ausläuft, Zügel und Ohrgegend sowie ein breiter, halbmondförmiger Kropfschild schwarz, Oberkopf, Hinterhals und Oberflügeldecken zart weinrötlich, die übrigen Oberteile erdbraun, durch dunkle Schaftflecken gezeichnet, die Unterteile weiß, seitlich weinrötlich, die Schenkel dunkel länasgestrichelt, die Schwingen braun, außen fahlbräunlich, die erste jederseits aber

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