Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel
Schwanzmeise. Rosenmeise. Hesperidenmeise. Graumantelmeise.
rosea), welche neben der Schwanzmeise in Mitteldeutschland vorkommt und sie im Westen vertritt, soll in beiden Geschlechtern das Kleid des Weibchens tragen und stets die Andeutung einer Halsquerbinde zeigen, ist auch an den betreffenden Stellen weniger rein weiß, dafür aber deutlicher rosenrot gefärbt als jene; die Hesperidenmeise (Acredula irbii) aus Spanien ist noch deutlicher rosenfarben als die letztbeschriebene, auf dem Rücken aber grau
1133
Schwanzmeise (Acrednla candata). 34 natürl. Größe.
wie die Graumantelmeise (Acredula tephronota, Parus und Orites tephronotus) aus der Umgegend von Konstantinopel und aus Kleinasien, welche von ihr überhaupt nur durch ein schwarzes Kehlfeld abweicht. Solange nicht genaue Lebensbeobachtungen die Selbständigkeit dieser vermeintlichen Arten erhärten sollten, dürfen wir alle europäischen Schwanzmeisen nach wie vor als eine und dieselbe Art ansehen. Die Schwanzmeise geht nicht weit nach Süden hinab; denn sie gehört schon in Griechenland und Spanien zu den Seltenheiten, kommt aber auch in Kleinasien vor. Nach Krüper
nistet sie noch in den Waldungen Rumeliens und Akarnaniens; nach unseren Erfahrungen erscheint sie in Spanien nur zufällig. Dagegen verbreitet sie sich weit nach Norden hinauf, wird auch in Mittelasien gefunden. Bei uns streicht sie im Herbste und Frühjahre mit einer gewissen Regelmäßigkeit; viele Familien bleiben aber auch während des strengsten Winters in Deutschland wohnen. Es scheint, daß die Schwanzmeise Laubwaldungen den Nadelhölzern vorzieht, lieber noch als im Walde aber sich in Obstwaldungen oder in baumreichen Auen ansiedelt. Sie ist munter, rege, lebendig und thätig, aber fröhlicher und sanfter, auch minder jähzornig und nicht so räuberisch als andere Arten ihrer Familie. Ihre Plauderstimme ist ein zischendes „Sit“, ihr Lockton ein pfeifendes „Ti ti“, ihr Warnungslaut ein schneidendes „Ziriri“ und „Terr“, ihr Gesang leise und angenehm, obwohl unbedeutend. Die Nahrung besteht ausschließlich in Kerbtieren und zwar vorzugsweise in kleinen Arten. Das Nest der Schwanzmeise ähnelt dem der Beutelmeise, unterscheidet sich aber von diesem schon dadurch, daß es nicht frei aufgehängt, sondern in allen Fällen unterstützt wird. Seine Gestalt ist die eines großen Eies, in welchem oben seitlich eine Offnung, das Eingangsloch, angebracht ist. Die Höhe des Nestes beträgt etwa 24, die Weite 10 cem. Grüne Laubmoose, welche mit Kerbtiergespinst zusammengefilzt und mit Baumflechten, Puppenhülsen, Birkenschale und Spinnen- oder Raupengespinst überkleidet sind, bilden die Außenwandung, eine Menge Federn, Wolle und Haare die innere Auskleidung. Unter allen Umständen wählt das Schwanzmeisenpaar Moose und Flechten von demselben Baume, auf welchem es sein Nest gründet, und immer ordnet es diese Stoffe ähnlich an, wie sie auf der Baumrinde selbst sitzen. Hierdurch erhält das Nest eine Gleichartigkeit mit der Umgebung, welche bewunderungswürdig ist und es auch einem geübten Auge verbirgt. Da es schwer hält, die nötigen Stoffe herbeizuschaffen, nimmt das Paar, welches gezwungen wurde, ein zweites Nest zu errichten, zuweilen gleich die bereits zusammengetragenen Stoffe wieder auf und verwebt sie von neuem. Der Bau selbst währt 2, oft auch 3 Wochen, obgleich beide Gatten sehr eifrig beschäftigt sind, das Männchen wenigstens als Handlanger dient. Um die Mitte oder zu Ende des April ist das erste Gelege vollzählig. Es ist sehr zahlreich; denn die Schwanzmeise legt 9—12, zuweilen auch 15—17 Eier. Diese sind klein, nur 14 mm lang und 10 mm dick, äußerst zartschalig und auf weißem Grunde mehr oder weniger mit blaß rostroten Pünktchen gezeichnet. Manche Weibchen legen nur weiße Eier. Nach einer 13 Tage umfassenden Brutzeit beginnen für beide Eltern Tage ununterbrochener Arbeit; denn es will etwas besagen, die zahlreiche Kinderschar groß zu füttern. Schon für die brütenden Alten ist der Nistraum klein, für die Jungen wird er bald viel zu eng. Es arbeitet also jedes einzelne der Kinderchen, um sich Platz zu schaffen, und so geschieht es, daß das filzige Gewebe der Nestwand weit ausgedehnt wird, ja stellenweise zerreißt. Bekommt das Nest Bodenlöcher, so sieht es recht sonderbar aus; denn wenn die Jungen größer werden, stecken sie fast sämtlich die unbequemen Schwänze unten durch. Später benutzen sie dieselbe Offnung auch anderweitig, und die Mutter hat dann weniger für Reinlichkeit zu sorgen. Unter allen Meisen wird die Schwanzmeise am zahmsten und ist deshalb, wie durch ihr Betragen überhaupt, die angenehmste von allen. Beide Gatten eines Pärchens, welches man zusammenhalten muß, schlafen immer fest aneinander gedrückt, gewöhnlich so, daß ein Vogel den anderen mit dem Flügel zur Hälfte bedeckt. Dann sehen sie wie ein Federball aus, und dieser nimmt sich besonders drollig aus, wenn die Schwänze auf entgegengesetzter Seite hinausragen. Oft überschlägt sich die eine unter der Sitzstange und oft die andere, welche oben drauf sitzt. Beide sind überaus zärtlich gegeneinander und erhöhen dadurch die Teilnahme, die jeder Pfleger für sie gewinnt, noch wesentlich. * Em
Die Rohrmeisen (Panurus) kennzeichnen sich durch gestreckten, oberseits seiner ganzen Länge nach gebogenen, an den Schneiden etwas eingezogenen und gekrümmten, wenig übergebogenen, unterseits fast geraden Schnabel, kräftige, langzehige und mit langen, scharf gebogenen Nägeln bewehrte Füße, mittellange Flügel, in denen die vierte und fünfte Schwinge die längsten sind, langen, seitlich sehr stark abgestuften Schwanz und ziemlich glatt anliegendes Gefieder. Die Weibchen sind von den Männchen und die Jungen von beiden Eltern verschieden.
Die Bartmeise (Panurus biarmicus und barbatus, Parus biarmicus und russicus, Calamophilus biarmicus, barbatus und sibiricus, Mystacinus biarmicus, russicus, arundinaceus und dentatus, Aegithalus und Paroides biarmicus) ist auf Oberkopf und Nacken schön aschgrau, auf der übrigen Oberseite, einschließlich der mittleren Schwanzfedern, rein lichtzimtrot, auf den oberen Schwanzdecken und an den Brustseiten zart isabellrosenrot verwaschen, auf der Mitte der Unterseite rein weiß; ein vom Zügel beginnender, an der Wange herablaufender, aus verlängerten Federn bestehender Bartstreifen wie das untere Schwanzdeckgefieder sind schwarz; die Schwingen sind schwarzbraun, die Handschwingen und deren Deckfedern außen silberweiß, die Armschwingen hier lebhafter zimtrot als die Oberseite, die hinteren Armschwingen schwarz mit zimtfarbenem Außen- und rostgelblichem Innenrande; die äußerste Schwanzfeder ist weiß, an der Wurzel innen schwarz, die zweite und dritte jederseits nur am Ende weiß. Das Weibchen hat blassere Farben als das Männchen; der Rücken ist auf lichtem Grunde dunkler getüpfelt, der Knebelbart nur angedeutet und nicht schwarz, sondern weiß; die Unterschwanzdeckfedern sind nicht schwarz, sondern blaß rostgelb. Die Jungen sind auf dem Rücken sehr dunkel, fast schwarz. Das Auge ist orangegelbbraun, der Schnabel schön gelb, der Fuß schwarz. Die Länge beträgt 16 em, die Breite 19, die Fittichlänge 6, die Schwanzlänge 8 em. Der Südosten Europas, aber auch Holland, Großbritannien, Südungarn, Italien, Griechenland, Spanien und ebenso ein großer Teil Mittelasiens sind die Heimat der Bartmeise, ausgedehnte Rohrwälder ihre Wohnsitze. In Holland und Großbritannien wird sie von Jahr zu Jahr seltener, weil der fortschreitende Anbau des Landes ihre Aufenthaltsorte mehr und mehr einschränkt. Aus Deutschland, woselbst sie vormals ebenfalls brütete, ist sie infolge der wirtschaftlichen Ausnutzung der Rohrwälder allmählich verdrängt worden und kommt hier gegenwärtig nur als seltener Wandervogel vor. Die Donautiefländer, Südrußland, Südsibirien und Turkistan beherbergen sie gegenwärtig wohl noch am häufigsten. Sie ist an das Röhricht gebunden und verläßt es nur im Notfalle, lebt paarweise oder in kleinen Familien sehr verborgen, ist gewandt, behende, lebhaft und unruhig, munter und keck wie andere Meisen, bewegt sich an den Rohrstengeln mit der Fertigkeit eines Rohrsängers, fliegt leicht und ruckweise, lockt „zit zit“ und besitzt einen höchst unbedeutenden Gesang, ein leises Gezwitscher, in welches einige abgerissene, schnarrende Töne verwebt werden. Im übrigen entspricht ihre Lebensweise im wesentlichen dem Thun und Treiben anderer Meisen; doch läßt ihre bestechende Schönheit und die außerordentliche Zärtlichkeit der Gatten sie anmutender erscheinen als die meisten Verwandten. Die Nahrung besteht während des Sommers in Kerbtieren, während des Winters auch in allerlei Sämereien, zumal denen des Rohres, Schilfes und der Riedpflanzen. Je nach dem Klima ihres Wohnortes und der herrschenden Witterung schreitet die Bartmeise Anfang oder erst Ende April zur Fortpflanzung. Das Nest steht unmittelbar über dem Boden in Seggen- oder Grasbüschen, meist so, daß einzelne Stengel der letzteren zwischen die einzig und allein aus trockenen Rispen einiger Rohr- und Schilfarten bestehende Außenwand eingeflochten sind, erinnert daher an die Nester der Rohrsänger, unterscheidet sich jedoch
1ææĩ̃ Üͥũẽ'2ꝰZ9W—«́
durch seine saubere Ausführung zur Genüge. Die 4—6, in seltenen Fällen auch 7 Eier des Geleges haben einen Längsdurchmesser von 18, einen Querdurchmesser von 13 mm und sind auf rein⸗ oder rötlichweißem Grunde ziemlich spärlich mit roten Schmitzen und Punkten gezeichnet. Beide Geschlechter brüten abwechselnd. Unter regelmäßigen Verhältnissen folgt im Juni oder Juli eine zweite Brut der ersten; dann schlägt sich alt und jung in Flüge zusammen und streift nunmehr gemeinschaftlich im Röhricht umher, tritt auch wohl eine Wanderung nach südlicheren Gegenden an. Ihrer Schönheit und des angenehmen Betragens halber hält man die Bartmeise oft im Käfige. Einzelne sterben, wie man annimmt, vor Sehnsucht nach ihren Gefährten, und der Tod des einen hat meist das Eingehen des anderen zur Folge. Die gegenseitige Zärtlichkeit eines Paares äußert sich bei jeder Gelegenheit und in der ansprechendsten Weise, insbesondere aber während der Zeit der Fortpflanzung, welche das Männchen in solchen Liebesrausch versetzt, daß es eine förmliche Balze aufführt, die Augen schließt, den Kopf niederbeugt, den Schwanz breitet, sodann sich aufrichtet und einen sonderbar schwirrenden Laut ausstößt, auf welchen hin das Weibchen herbeikommt, um den Gatten zu liebkosen. Bei sorgsamer Pflege halten die zierlichen Geschöpfe einige Jahre in Gefangenschaft aus. * Der Schnabel der Beutelmeisen (Aegithalus) ist echt pfriemenförmig, an der Spitze der beiden Kinnladen kaum merklich abwärts gebogen, der Fuß durch seine ungemein kräf—⸗ tigen Zehen ausgezeichnet, der Flügel kurz und stumpf, in ihm die dritte, vierte und fünfte Schwinge über die anderen verlängert, der Schwanz mittellang, schwach ausgeschnitten, das Gefieder sehr weitstrahlig und locker. Die Männchen sind etwas größer und schöner gefärbt als die Weibchen; die Jungen weichen in der Färbung und Zeichnung von beiden Eltern ab.
Die Beutelmeise oder Remiz (Aegithalus pendulinus, Parus pendulinus, polonicus und narbonensis, Paroides pendulinus, Pendulinus polonicus, medius und macrourus) ist eine der kleinsten Arten der Familie. Ihre Länge beträgt 12,2 em, die Breite 18, die Fittichlänge 5,8, die Schwanzlänge 5,5 em. Stirn, Zügel und ein Flecken unter dem Auge sind schwarz, der Oberkopf, mit Ausnahme des weißlichen Vorderkopfes, Nacken und Hinterhals schmutzig grau, Mantel und Schultern zimtgelbrot, Bürzel, Oberschwanzund kleine obere Flügeldecken rostbräunlich, Kinn und Kehle rein weiß, die übrigen Unterteile isabellweiß, Schwingen und Steuerfedern braunschwarz, außen fahlweiß gesäumt, die Armschwingendecken kastanienrotbraun. Das Auge ist braun, der Schnabel mehr oder weniger dunkelschwarz, an den Schneiden weißlich, der Fuß schwarz oder grauschwarz. Das Weibchen hat schmutzigere Farben und weniger Schwarz an der Stirn und den Kopfseiten. Den Jungen fehlt der schwarze Zügelstreifen; ihre Oberseite ist rostgrau, ihre Unterseite rostgelbgrau. Der Osten unseres Erdteiles, Polen, Rußland, Galizien, Südungarn, die Donautiefländer, die Türkei, Griechenland und Kleinasien sind die Heimat dieses überaus zierlichen Vogels. In Deutschland gehört er zu den Seltenheiten, obgleich er wiederholt beobachtet oder wenigstens das von ihm gebaute Nest nach seinem Wegzuge aufgefunden worden ist. Sümpfe und ihnen ähnliche Ortlichkeiten bilden seine Wohnsitze, Dickichte, zumal mittelalte, dichte Bestände der Weiden- und Pappelarten, seine Aufenthalts-und Wohnorte. Ob man ihn als Zugvogel betrachten darf, oder ob er nur Strichvogel ist, hat bis jetzt noch nicht entschieden werden können. So viel steht fest, daß er ziemlich regelmäßig im Jahre, und zwar im März, auf seinen Brutplätzen eintrifft und sie im September oder Oktober, wenigstens
TI
teilweise, wieder verläßt. Gelegentlich seiner Wanderungen erscheint er in den Ländern, welche außerhalb des eigentlichen Verbreitungskreises liegen, so mit einer gewissen Regelmäßigkeit an manchen Seen Nord- oder Ostdeutschlands. Durch ihre Lebhaftigkeit, Gewandtheit und Keckheit gibt sich die Beutelmeise als würdiges Mitglied ihrer Familie zu erkennen. Auch ihre Bewegungen und Lockstimme sind meisenartig. Sie klettert geschickt im Gezweige und wohl auch im Rohre auf und nieder, hält sich möglichst verborgen und läßt ihr weit hörbares, klingendes „Zitt“ fast ohne Unterbrechung hören. Unruhig, wie sie ist, macht sie sich beständig mit etwas zu schaffen und ist innerhalb ihres Gebietes bald hier, bald dort. Ihr Flug ist hurtig, gewandt, aber eigentümlich zuckend; sie vermeidet auch soviel wie möglich, über Strecken zu fliegen, auf denen sie sich nicht decken kann. Allerlei Kerbtiere, namentlich solche, welche sich im Röhricht aufhalten, deren Larven und Eier bilden die Nahrung. Im Winter begnügt sie sich mit Gesäme des Rohres und anderer Sumpfpflanzen. Besonderer Beachtung wert ist das Fortpflanzungsgeschäft dieser Meise. Sie gehört zu den ausgezeichnetsten Baukünstlern, welche wir kennen. Ihr Nest, ein herrliches Kunstwerk, ist nur an seinem oberen Ende befestigt und hängt also, wie die Nester der Webervögel, frei, in den meisten Fällen über das Wasser herab. Nur ein einziges Mal, und zwar gelegentlich der als Gast des Kronprinzen Erzherzog Rudolf von Osterreich unternommenen Jagdreise im Frühlinge des Jahres 1878, habe ich das Glück gehabt, die Beutelmeise am Neste zu beobachten und muß deshalb Baldamus, welcher die beste Schilderung gegeben, für mich reden lassen. „Ich habe“, sagt dieser treffliche Forscher, „7 Wochen lang fast täglich den kleinen Nestkünstler bei seinem Nist- und Brutgeschäfte beobachten können und mehr als 30 Nester gesehen und in Händen gehabt. Wenn es überhaupt höchst anziehend ist, die kunstreichen Nestbauer bei ihrer Arbeit zu belauschen, so hat diese Beobachtung bei unserem Vogel doppelten Reiz, da er wegen seiner Harmlosigkeit den Zutritt zu seiner Werkstätte durchaus nicht erschwert. Ich beobachtete den ganzen Gang der Arbeit und sah und nahm Nester in den verschiedensten Zuständen der Vollendung. Das Nest fand ich (im Weißen Moraste) nur an den äußersten Zweigspitzen der dort vorherrschenden Bruchweide. Obwohl stets Wasser und Schilf in der Nähe ist, ersteres wenigstens zu der Zeit des Anlegens der Nester, so befanden sich doch nicht alle unmittelbar über dem Wasser und keines so im Rohr-⸗ dickicht, daß es dadurch irgendwie verdeckt worden wäre. Im Gegenteile waren die in geringer Höhe angelegten stets außer dem Bereiche des Rohrwuchses, die meisten am Rande des Rohrwaldes, an und über freiem Wasser, alle leicht aufzufinden. Sie hingen in einer Höhe von 4—5 meüber dem Boden; nur zwei waren 2—3 und einige 6—10 m, eines auch nahe am Wipfel einer hohen Buchweide aufgehängt. Beide Gatten bauen gleich eifrig, und man sollte es kaum für möglich halten, daß ein so reicher Bau in weniger als 14 Tagen beendet werden kann. Zwar gibt es auch hjer flüchtigere und ordentlichere, geschicktere und ungeschicktere Baumeister; indes wird der liederlichere Nestbau wohl vorzugsweise durch die vorgerückte Jahreszeit bedingt, wenn, wie es häufig vorkommt, die ersten Nester durch Unfälle, besonders durch die Diebereien der ungemein häufigen und frechen Elster, zerstört worden sind. In diesen Fällen werden sogar die Eier in die noch nicht zur Hälfte vollendeten Nester gelegt und der Bau bis zum Brüten fortgeführt. Ich fand zwei solche korbförmige Nester mit Eiern. Bezüglich der Nistzeit bindet sich die Beutelmeise nicht an den Rohrwuchs wie andere im Rohre nistende Vögel, denn sie beginnt mit dem Nestbaue bereits im April; aber man findet viele Nester auch erst im Juni und Juli. „Was den Gang der Arbeit betrifft, so windet der Vogel fast immer Wolle, seltener Ziegen⸗ und Wolfs⸗ oder Hundehaare oder Bast und Hanffäden um einen dünnen, herabhängenden Zweig, welcher sich meist einige Zentimeter unter dem oberen Anknüpfungspunkte