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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

PDF document823 original pagesPublished 1891
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Emuschlüpfer (Stipiturus malachurus). ½ natürl. Größe.

auf reinweißem Grunde über und über mit feinen lichtroten Punkten bestreut, am dicken Ende am dichtesten. Das Weibchen saß sehr fest und kehrte, eben vertrieben, sogleich wieder zum Standorte des Nestes zurück. Die eigentlichen Timalien (Timeliinae) kennzeichnen sich durch gedrungenen Leib, verhältnismäßig starken, seitlich zusammengedrückten Schnabel, dessen Oberkiefer an der Spitze sich ein wenig umbiegt, kurze und gerundete Flügel, in denen die fünfte bis achte oder vierte bis siebente Schwinge die längsten sind, mittellangen, mehr oder weniger abgerundeten, breitfederigen Schwanz und lockeres, meist düsterfarbiges Gefieder. Die Arten der Unterfamilie gehören Südasien, Neuguinea, Afrika und Amerika an und treten besonders zahlreich im indischen Gebiete auf. Sie erinnern in mancher Hinsicht an die 11*

Drosseln, in anderer aber auch wieder an die Häher, die Würger und die Grasmücken. Sie beleben Buschwaldungen oder das Unterholz in hochstämmigen Wäldern, auch wohl Rohrdickichte, sind höchst gesellig, ohne jedoch zahlreiche Flüge zu bilden, sehr regsam und fast ohne Ausnahme schreilustig. Es gibt einzelne gute Sänger unter ihnen; die Mehrzahl aber beweist ihre größte Fertigkeit im Durchschlüpfen dichter Gebüsche. Der Flug ist mittelmäßig, und deshalb erheben sich nur wenige Arten bis zu den Wipfeln größerer Bäume. Die Nahrung besteht aus kleinen Wirbel- und Kerbtieren, Schnecken, Würmern und dergleichen, ebenso aber auch aus Früchten und besonders aus Beeren, an denen die heimatlichen Wälder unserer Vögel so reich sind. Urbilder der Unterfamilie sind die Schwatzdrosseln (PTimelia). Ihre Merkmale liegen in dem starken, seitlich sehr zusammengedrückten, längs dem Firste deutlich gebogenen Schnabel, den kräftigen Füßen mit langen Hinterzehen und starken Nägeln, den kurzen, sehr gerundeten Flügeln, in denen die fünfte und sechste Schwinge die längsten sind, dem mäßig langen, abgerundeten Schwanze und deutlichen Schnurrborsten um den Schnabelgrund.

Bei der Rotkäppchentimalie (Timelia pileata, Napodes pileata) ist der Scheitel glänzend zimtbraun, die übrige Oberseite braungrau, Flügel und Schwanz etwas dunkler, der Zügel schwarz, ein darüber befindlicher Strich und die Wange weiß, die Unterseite blaßbräunlich, am Halse und an der Brust seitlich grau, am Kropfe durch feine schwärzliche Schaftstriche gezeichnet, das Auge trübrot, der Schnabel schwarz, der Fuß fleischfarben. Die Länge beträgt 18, die Fittichlänge 6,2, die Schwanzlänge 7,2 em. Horsfield entdeckte die rotköpfige Schwatzdrossel auf Java, spätere Forscher fanden sie auch auf dem indischen Festlande. Hier ist sie, nach Oates, in den Ebenen und Vorhügeln längs des Himalaja von Nepal an ostwärts verbreitet, ebenso über einen wesentlichen Teil Bengalens und von hier ost- und südwärts durch Barma bis nach dem mittleren Tenasserim; auf der Malayischen Halbinsel ist sie nicht beobachtet worden. Horsfield gibt eine kurze Lebensschilderung und hebt als besonders beachtenswert hervor, daß der Gesang des Männchens nur aus den fünf Tönen e, d, e, k, g bestehe, welche in kurzen Zwischenräumen mit größter Regelmäßigkeit wiederholt werden. Ausführlicheres teilt Bernstein mit. „Die Rotkäppchentimalie“, sagt er, „bewohnt paarweise die dichten Strauchwildnisse, welche sich rings um die Wälder dahinziehen oder an die Stelle früherer Waldungen getreten sind, und zwar ungleich häufiger die bergiger als die ebener Gegenden. Außerhalb dieser Dickichte läßt sich der Vogel selten sehen und bleibt daher leicht unbemerkt. Bloß des Morgens gewahrt man ihn öfters auf einem freien, über das Gebüsch herausragenden Aste, sein vom Tau durchnäßtes Gefieder trocknend und wieder in Ordnung bringend. Auch das Männchen liebt es, während sein Weibchen brütet, von solch einem freien Aste herab seinen einfachen Gesang zum besten zu geben. Hierbei läßt es die Flügel nachlässig hängen und scheint sich wenig um seine Umgebung zu bekümmern. In Erregung dagegen oder wenn der Vogel einen ihm verdächtigen Gegenstand bemerkt, sträubt er die Scheitelfedern und erhebt ruckweise den ausgebreiteten Schwanz. Seine Lockstimme hat eine gewisse Ahnlichkeit mit der unseres gemeinen Feldsperlings. „Das Nest findet man in dichtem Gestrüppe in geringer Höhe über dem Erdboden, gewöhnlich nicht weit von der Stelle, wo man das singende Männchen öfters sieht. Es hat in seiner äußeren Gestalt einige Ahnlichkeit mit einem Rohrsängerneste und bildet gleich diesem einen ziemlich tiefen Napf, unterscheidet sich aber von einem solchen durch seine gebrechliche Bauart. Gewöhnlich ist es oben offen, in einzelnen Fällen auch wohl schief nach

oben und zur Seite offen. Alle von mir gefundenen Nester dieser Art bestehen allein aus Alang⸗Alangblättern, jedoch mit dem Unterschiede, daß die zum Ausbaue des inneren Nestes benutzten feiner und besser miteinander verflochten sind als die auf der Außenseite befind—⸗ lichen. Im ganzen ist der Bau lose und wenig dauerhaft, so daß er bei nicht vorsichtigem Wegnehmen von seinem Platze leicht zerfällt oder doch wenigstens seine äußere Form verliert. Jedes Nest enthält 2, seltener 3 Eier, welche auf weißem, wenig glänzendem Grunde mit zahlreichen, heller und dunkler rotbraunen, gegen das stumpfe Ende häufiger auftretenden und größeren, bisweilen einen wenn auch nie ganz deutlichen Fleckenkranz bildenden Flecken und Punkten gezeichnet sind. Zwischen diesen rotbraunen Flecken, von denen man stets hellere und dunklere unterscheiden kann, finden sich, zumal gegen das stumpfe Ende hin, noch aschgraue, welche jedoch viel sparsamer sind, auch tiefer als jene, das heißt mehr in der Eischale selbst, zu liegen scheinen und daher weniger in die Augen fallen.“ ** Der Himalaja und die nach Osten hin mit ihm zusammenhängenden Gebirgszüge beherbergen einige Arten sehr eigentümlicher Vögel, welche man Sonnenvögel, Drosseloder Hügelmeisen (Liothrix) genannt hat. Ihr Schnabel ist kurz, kräftig, auf dem Firste sanft gebogen, an der Wurzel verbreitert, gegen die Spitze hin seitlich zusammengedrückt, vor ihr leicht ausgekerbt, der Oberschnabel ein wenig über den unteren herabgebogen, der Fuß mäßig hochläufig, der Flügel, unter dessen Schwingen die fünfte und sechste die Spitze bilden, stumpf, der Schwanz mittellang und leicht gegabelt, das Gefieder glatt anliegend und buntfarbig. Da wir über das Freileben der Sonnenvögel wenig wissen, muß ich mich auf Darstellung des bekanntesten Mitgliedes der Gattung beschränken. Der Sonnenvogel oder die Golddrosselmeise, Pekingnachtigall (Liothrix luteus, Sylvia lutea, Tanagra sinensis, Parus furcatus, Bahila calipyga) ist oberseits olivengraubraun, auf dem Oberkopfe olivengelb überflogen, die Ohrgegend hellgrau, unterseits durch einen dunkelgrauen Mundwinkelstreifen begrenzt, der Zügel blaßgelb, die Kehle blaß-, der Kropf dunkelorange, die Brust- und Bauchmitte gelblichweiß, die Seite graubräunlich; die Schwingen sind schwarz, außen lebhaft orange, nach der Wurzel zu dunkler gesäumt, die Armschwingen an der Wurzel und die vordersten in der Endhälfte außen lebhaft orangerot gesäumt, die hintersten Armschwingen außen rostbraun, die braunen Schwanzfedern außen und am Ende, die beiden mittleren nur hier, aber breiter glänzend schwarz umrandet, die längsten oberen Schwanzdecken rotbraun, mit schmalem, fahlweißem, nach innen dunkler gerandetem Endsaume. Das Auge hat braune, der Schnabel lebhaft korallenrote, an der Wurzel schwärzliche, der Fuß gelbe Färbung. Die Länge beträgt 16, die Fittichlänge 7,5, die Schwanzlänge 7 em. Der ebenso schöne wie zierliche und anmutende Vogel bewohnt einen zwischen 1500 — 3000 m über dem Meere gelegenen Höhengürtel des Himalaja und der mit ihm in östlicher Richtung zusammenhängenden Gebirgszüge bis zum Südwesten und Süden Chinas. Hier bilden dichte Gebüsche, mehr oder weniger undurchdringliche Dickichte und Bambusbestände seinen Aufenthalt. Regsam und beweglich, meist aber mißtrauisch verborgen, durchstreift er familienweise sein Gebiet, um seiner Nahrung nachzugehen, welche ebensowohl in Kerbtieren aller Lebenszustände und verschiedenster Arten wie in Früchten, Knospen und Blütenteilen besteht. Den Gesang des Männchens vergleicht Armand David, einer der wenigen, welche uns dürftige Nachrichten über das Freileben der Hügelmeisen geben, mit dem reichen Liede des Meistersängers. Ich halte dies nicht für zutreffend, muß aber sagen, daß die kurze

Weise, welche man von gefangenen Vögeln dieser Art vernimmt, ein fröhliches Gepräge hat und sich recht gut anhört, obgleich ihre Strophen eigentlich nichts anderes sind als eine oftmalige Wiederholung und Verschmelzung der Silben „die di didela dideli“, denen vielleicht noch ein zartes „Wiriwi“ beigefügt wird. Der beiden Geschlechtern gemeinsame Warnungsruf ist ein ziemlich lautes schwirrendes oder knarrendes Geschrei. Fesselnder als das wenn auch hübsche, so doch sehr einfache Lied ist die Munterkeit und Beweglichkeit der Vögel. Zwar stehen sie hierin hinter den Meisen merklich zurück, übertreffen jedoch die meisten Sänger und unterhalten namentlich durch ihre Gewohnheit, im Fluge wie im Sitzen sich

Goldstirnlaubvogel (Phyllornis aurifrons) und Sonnenvogel (Liothrix luteus). ½ natürl. Größe.

zu überschlagen. Wie Jerdon mitteilt, halten sie sich gern zu 5 oder 6 in den Dickichten beisammen, sind aber scheu und wissen sich der Beobachtung geschickt zu entziehen. Das Nest besteht aus Halmen, Blättern, feinen Würzelchen, Moosklümpchen, Pflanzenfasern und ähnlichen Stoffen, das Gelege gewöhnlich aus drei auf bläulichweißem Grunde mit wenigen purpur- und hellroten Tüpfeln und Flecken gezeichneten Eiern. Ihrer Schönheit, Beweglichkeit, Friedfertigkeit, Anspruchslosigkeit und Dauerhaftigkeit halber hält man die Golddrosselmeise in Indien wie in China gern im Käfige, bringt sie, neuerdings in immer steigender Anzahl, auch lebend nach Europa. Gefangene, welche geeignete Pflege genießen, werden sehr zahm, singen fleißig, schreiten ohne besondere Umstände zur Fortpflanzung, überstehen die Mauser leicht und vereinigen so fast alle Eigenschaften vorzüglicher Stubenvögel in sich. *

Sonnenvogel. Droßling.

Die Droßlinge (Crateropus), in Afrika und Südwestasien heimische Timalien, kennzeichnen sich durch gedrungenen Leib, starken und langen, seitlich zusammengedrückten, etwas gekrümmten Schnabel, mittellange, derbe Füße mit kräftigen und durch gekrümmte, scharfspitzige Nägel bewehrten Zehen, kurze Flügel, in denen die vierte Schwinge die längste ist, ziemlich langen, seitlich wenig verkürzten, aus breiten Federn gebildeten Schwanz und reiches aber hartes Gefieder.

Droßling (Crateropus leucopygius). 1/2 natürl. Größe.

Der Droßling (Crateropus leucopygius und limbatus, Ixos leucopygius) ist dunkel umberbraun, auf Schwingen und Schwanz noch dunkler, auf der Unterseite etwas lichter, jede Feder am Ende schmal weiß gesäumt, der Kopf bis zum Nacken und zur Kehlmitte, ebenso Bürzel, After und untere Schwanzdecken weiß, der Innensaum aller Schwingen und das Unterflügeldeckgefieder rostfarben, das Auge dunkel karminrot, der Schnabel schwarz, der Fuß grau. Die Länge beträgt 26, die Breite 36, die Fittichlänge 12, die Schwanzlänge 11 cm. Das Weibchen ist etwas kleiner als das Männchen. Bei den Jungen ist der Scheitel blaugrau, und die Federn des Rückens sind licht gesäumt. Der Droßling bewohnt die dickbuschigen Waldungen Abessiniens, ein ihm nahestehender Verwandter jene des Ostsudans. Dieser ist Bewohner der Ebene, jener ein Kind des Gebirges und zwar eines Gürtels zwischen 1000 und 2600 m Höhe. In ihrer Lebensweise ähneln sich beide Arten. Sie verstehen sich bemerklich zu machen und besitzen die Gabe,

das Leben im Walde wach zu halten. ÄArgere Schreihälse kann es kaum geben. Niemals findet man die sonderbaren Gesellen einzeln; sie leben vielmehr stets in Gesellschaften, gewöhnlich in Flügen von 8—12 Stück. Diese führen alle Verrichtungen genau zu derselben Zeit und auf gleiche Weise aus. Sie verlassen in demselben Augenblicke den einen Busch und fliegen, dicht gedrängt, einem zweiten zu, zerteilen sich hier, durchschlüpfen, durchkriechen ihn nach allen Richtungen, sammeln sich am anderen Ende, schreien laut auf und fliegen weiter. Bloß die dicht verschlungensten Büsche behagen ihnen; hohe Bäume berühren sie nur im Fluge. Bei diesem beständigen Durchkriechen der geheimsten Teile des Waldes entdecken sie natürlich auch alles, und das gibt ihnen dann jedesmal neuen Stoff zum Schreien. Wenn der eine beginnt, fallen die anderen, gleichsam frohlockend, ein, und derjenige, welcher schon aufgehört, fängt den Lärm von neuem an. Man weiß nicht, ob man sich ärgern oder freuen soll über diese Vögel; sie verscheuchen manches Wild und rufen dadurch gerechten Zorn wach. Aber dafür sind sie auch so unterhaltend, so lustig, so absonderlich, daß man ihnen doch wieder hold wird. Ihr Geschrei ist keineswegs wohllautend und auch nicht besonders mannigfaltig, jedoch schwer zu beschreiben. Ich habe, mit dem Bleistifte und Merkbuche in der Hand, mich vergeblich bemüht, es in Silben auszudrücken. Am nächsten kommen ihm noch folgende Laute: „garegara garä gügäk; gara gara gärä gärä gärä; gagak (dumpf, aber laut:) tara taar tarut“. Sie werden alle nacheinander hervorgestoßen und manchmal 6 bis 8mal wiederholt. Wenn einer schreien wollte, würde es nicht so schwierig sein, die eigentliche Stimme zu erfahren; aber die ganze Bande schreit zusammen, und einer sucht den anderen zu überbieten. Der Flug ist schlecht. Freiwillig erheben sie sich nie hoch über die Erde, und selbst bei Gefahr hüten sie sich, weite Strecken zu überfliegen, suchen lieber im Gebüsche ihre Zuflucht und verkriechen sich dort. Beim Fliegen schlagen sie heftig und rasch mit den Schwingen, breiten sodann diese und besonders auch den Schwanz aus und schweben nun auf große Strecken dahin. In ihrem Magen fand ich Kerbtierreste, aber auch Knospen, Blätter und Blüten. Über die Fortpflanzung vermag ich nichts zu sagen.

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