Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel
Unser Zaunkönig oder Schnee-, Winter-, Dorn-„Nessel-, Meisen- und Schlupfkönig, Zaunsänger, Zaunschlüpfer, Zaunschnerz, Thomas im Zaune (Troglodytes parvulus, vulgaris, europaeus, fumigatus, regulus, punctatus, domesticus, Sylvestris und tenuirostris, Motacilla und Sylvia troglodytes, Anorthura communis und troglodytes), vertritt würdig seine Familie. Seine Länge beträgt 10, die Breite 16 em, die Fittichlänge 4,5, die Schwanzlänge 3,5 em. Das Gefieder der Oberseite ist auf rostbraunem oder rostgrauem Grunde mit dunkelbraunen Wellenlinien gezeichnet; ein brauner Zügelstreifen zieht durchs Auge, ein rostbräunlichweißer, schmaler Streifen verläuft darüber; die mittleren Flügeldeckfedern sind an der Spitze durch länglichrunde weiße, hinterwärts schwarz begrenzte Punkte geziert, die Schwingen auf der Innenfahne dunkel braungrau, auf der äußeren abwechselnd licht rostgelblich und schwarz gebändert oder gefleckt, die Schwanzfedern rötlichbraun, seitlich lichter, mit deutlichen, wellenförmigen, dunkelbraunen Querstreifen durchzogen. Das Auge ist braun, der Schnabel und die Füße sind rötlichgrau. Das Weibchen ist etwas blässer als das Männchen; die Jungen sind auf der Oberseite weniger, auf der Unterseite mehr, aber schwächer als die Alten gefleckt. Man hat den Zaunkönig in allen Ländern Europas, vom nördlichen Skandinavien oder von Rußland an bis zur Südspitze Spaniens und Griechenlands, und außerdem in
Nordwest- und Mittelasien gefunden. Auf den Faröer und auf Island lebt eine vielleicht verschiedene Art, welche sich durch bedeutendere Größe auszeichnet (Troglodytes borealis); in Mitteldeutschland scheint wenigstens eine ständige Abart vorzukommen, welche sich durch punktierte Fleckung kennzeichnet und von meinem Vater zu Ehren Naumanns Troglodytes naumanni benannt worden ist. In Deutschland gibt es keine Gegend, keinen Gau, in welchem er nicht beobachtet worden wäre, und an geeigneten Orten ist er überall häufig. Er bewohnt die verschiedensten Ortlichkeiten, am liebsten aber doch Thäler, deren Wände mit Gebüsch bedeckt sind, und in deren Grunde ein Wässerchen fließt. Nach Art seiner Familie kommt er bis in die Dörfer und selbst in die Gärten der Städte herein und siedelt sich in unmittelbarer Nähe der Wohnungen an, falls es hier dichte Gebüsche, Hecken oder wenigstens größere Haufen dürren Reisholzes gibt. Auf höheren Bäumen sieht man ihn selten, regelmäßig vielmehr nahe am Boden das Gestrüpp durchkriechen, alle Winkel, Höhlungen durchspähen, meist über den Boden dahinhüpfen oder von einem Busche zum anderen fliegen, von Zeit zu Zeit aber auf einem höheren Punkte erscheinen und scheinbar mit Selbstbefriedigung sich zeigen. „ͤàän Munterkeit und froher Laune“, sagt Naumann, „an Geschicklichkeit und Schnelle im Durchschlüpfen des Gestrüppes und an einer gewissen Keckheit im Benehmen übertrifft der Zaunschlüpfer die meisten deutschen Vögel. Seine Keckheit ist jedoch ganz eigener Art; sie verschwindet bei dem geringsten Anschein von Gefahr und verwandelt sich plötzlich in grenzenlose Furcht, kehrt aber bald wieder. Seine fröhliche Stimmung verläßt ihn selten. Immer hüpft er so keck einher, als wenn er an allem Überfluß hätte, selbst mitten im Winter, wenn es nicht allzusehr stürmt, oder wenn die Sonne wenigstens dann und wann durch die Wolken bricht. Wenn sogar die treuesten aller Standvögel, unsere Sperlinge, unzufrieden mit strenger Kälte, ihr Gefieder sträuben und ihr trauriges Aussehen Mißmut und großes Unbehagen verrät, so ist der Zaunschlüpfer doch noch fröhlich und singt sein Liedchen, als ob es bereits Frühling wäre.“ Sein Wesen ist höchst anziehend. Er hüpft in geduckter Stellung überaus schnell über den Boden dahin, so daß man eher eine Maus als einen Vogel laufen zu sehen glaubt, kriecht mit staunenswerter Fertigkeit hurtig durch Ritzen und Löcher, welche jedem anderen unserer Vögel unzugänglich scheinen, wendet sich rastlos von einer Hecke, von einem Busche, von einem Reisighaufen zum anderen, untersucht alles und zeigt sich nur auf Augenblicke frei, dann aber in einer Stellung, welche ihm ein keckes Ansehen verleiht: die Brust gesenkt, das kurze Schwänzchen gerade empor gestelzt. Reizt etwas Besonderes seine Aufmerksamkeit, so deutet er dies durch rasch nacheinander wiederholte Bücklinge an und wirft den Schwanz noch höher auf als gewöhnlich. Fühlt er sich sicher, so benutzt er jeden freien Augenblick zum Singen oder wenigstens zum Locken; nur während der Mauser ist er stiller als sonst. Sobald aber sein Lied vollendet ist, beginnt das Durchschlüpfen und Durchkriechen der Umgebung von neuem. Zum Fliegen entschließt er sich nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Gewöhnlich streicht er mit zitternden Flügelschlägen ganz niedrig über dem Boden in gerader Linie dahin; beim Durchmessen größerer Entfernungen aber beschreibt er eine aus flachen, kurzen Bogen bestehende Schlangenlinie. Wie schwer ihm das Fliegen wird, bemerkt man deutlich, wenn man ihn im freien Felde verfolgt. Ein schnell laufender Mensch kann ihn, laut Naumann, so ermüden, daß er ihn mit den Händen zu fangen vermag. Der Zaunkönig ist sich seiner Schwäche im Fliegen übrigens so bewußt, daß er freiwillig niemals sein schützendes Gebüsch verläßt und selbst dann, wenn er nicht einmal weit davon entfernt ist, im Notfalle lieber in eine Höhlung sich verkriecht, als den gefährlichen Flug wagt. Die Stimme, welche man am häufigsten vernimmt, ist ein verschieden betontes „Zerr“ oder „Zerz“, der Warnungsruf, auf welchen auch andere Vögel achten, eine Verlängerung dieser Laute oder
auch wohl ein oft wiederholtes „Zeck zeck zeck“. Der vortreffliche und höchst angenehme Gesang besteht „aus vielen, anmutig abwechselnden, hellpfeifenden Tönen, welche sich in der Mitte der eben nicht kurzen Weise zu einem klangvollen, gegen das Ende im Tone sinkenden Triller gestalten“; letzterer wird oft auch gegen das Ende des Gesanges wiederholt und bildet dadurch gewissermaßen den Schluß des Ganzen. Die Töne sind so stark und voll, daß man erstaunt, wie ein so kleiner Vogel sie hervorbringen kann. In den Wintermonaten macht dieser Gesang einen außerordentlichen Eindruck auf das Gemüt des Menschen. Die ganze Natur still und tot, die Bäume entlaubt, die Erde unter Schnee und Eis begraben, alle anderen Vögel schweigsam und verdrießlich, nur er, der kleinste fast, heiter und wohlgemut und immer das eine Lied im Munde: „Es muß doch Frühling werden“ — das ungefähr sind die Gedanken, welche jedem kommen müssen, selbst dem erbärmlichsten, trockensten Philister, der nie begreifen will, daß auch eine dichterische Anschauung der Natur berechtigt ist. Wem im Winter beim Liede des Zaunkönigs das Herz nicht aufgeht in der Brust, ist ein trauriger, freudloser Mensch! Kerbtiere in allerlei Zuständen ihres Lebens, Spinnen und anderes Kleingetier, im Herbste auch mancherlei Beeren bilden die Nahrung des Zaunkönigs. Im Sommer ist seine Tafel reichlich beschickt; denn er weiß überall etwas zu finden, auch da, wo andere Vögel, wie es scheint, vergeblich suchen; im Winter hingegen mag er wohl manchmal Not leiden. Man sagt ihm nach, daß er in Island den Bauern beschwerlich falle, die Schornsteine besuche und von dem Rauchfleische nasche; diese Angabe Olafssons ist jedoch sicherlich gänzlich aus der Luft gegriffen. Daß er im Winter in die Häuser kommt, unterliegt keinem Zweifel; es geschieht aber gewiß nicht des Fleisches, sondern der hier schlafenden Fliegen wegen. Hat er einmal ein Schlupfloch erspäht, welches ihm Zutritt zu dem Inneren eines Gebäudes gestattet, so benutzt er es regelmäßig; denn er besitzt eine überaus große Ortskenntnis und weiß seinen Weg immer wieder zu finden. Das Nest wird gebaut nach des Ortes Gelegenheit und deshalb außerordentlich verschiedenartig ausgeführt; auch der Standort wechselt vielfach ab. Man hat Zaunkönigsnester ziemlich hoch oben in Baumwipfeln und auf dem Boden, in Erd- oder Baumhöhlen, Mauerlöchern und Felsenspalten, in Köhlerhütten oder unter Hausdächern, im Gestrüppe oder unter Gewurzel, in Holzstößen und in Bergwerkstollen gefunden, immer und überall aber auf sorgfältig gewählten Plätzen, zumal, wenn es sich um das erste Nest im Frühjahre handelte, welches erbaut wurde, bevor die Pflanzen sommerliche Uppigkeit zeigten. Einzelne Nester bestehen nur aus grünem, andere aus vergilbtem Moose, welches so dicht zusammengefilzt ist, daß es aussieht, als ob das Ganze zusammengeleimt wäre; ihre Gestalt ist kugelförmig, und ein hübsches Schlupfloch führt ins Innere. Andere gleichen einem wirren Haufen von Blättern und sind im Inneren mit Federn ausgefüttert; andere wieder sind nichts weiter als eine Aufbesserung bereits vorgefundener Nester. Wie dem aber auch sein möge, unter allen Umständen ist das Nest seinem Standorte gemäß gestaltet, und sind die Stoffe der Umgebung entsprechend gewählt, so daß es oft schwer fällt, das im Verhältnis zur Größe des Zaunkönigs ungeheure Nest zu entdecken. Bemerkenswert ist, daß der Vogel zuweilen eine gewisse Ortlichbeit entschieden bevorzugt. So erzählt Trinthammer, daß ein im Gebirge lebender Zaunkönig mit den Köhlern oder Pechschmelzern wanderte, d. h. immer in der Hütte dieser Leute sich ansiedelte und in ihr sein Nest baute, gleichviel, ob die Hütte an derselben Stelle, wie im vorigen Jahre, oder an einem anderen Orte errichtet wurde. Die Köhler kannten den Vogel sehr genau: sie wußten, daß es der ihre war; denn er bekundete dies durch sein Benehmen. Ebenso muß bemerkt werden, daß der Zaunkönig Nester baut, welche nur als Schlafstellen, nicht aber zum Brüten dienen. Sie aber sind stets kleiner als die Brutnester, meist nur aus Moos errichtet und innen nicht mit Federn ausgefüttert.
Boenigk hat einen Zaunkönig vom April an bis zum August beobachtet und das Erfahrene sehr ausführlich, in wenige Worte zusammengedrängt, wie folgt, beschrieben: Ein Männchen baut viermal ein fast vollkommenes Nest, bevor es ihm gelingt, eine Gefährtin zu finden. Nachdem es endlich sich gepaart hat, müssen beide Gatten, verfolgt vom Mißgeschick, dreimal bauen, ehe sie zum Eierlegen gelangen können, und als nun das Weibchen, erschreckt durch sein Unglück, flieht, vielleicht um sich einen anderen Gatten zu suchen, müht sich das verlassene Männchen noch mehrere Wochen ab und baut in dieser Zeit nochmals zwei Wohnungen fertig, welche es nicht benutzt. Dieses Einzelnarbeiten eines Zaunkönigs scheint mit einer anderen Eigentümlichkeit des Vogels zusammenzuhängen. Durch Beobachtungen von Ogilby ist es nämlich festgestellt, daß die Zaunkönige sehr gern in ihren alten Nestern Nachtruhe halten und zwar nicht bloß einer oder ein Pärchen, sondern die ganze Familie. Dasselbe hat, nach Päßler, ein Bauer in Anhalt erfahren, welcher an einem Winterabende in den Viehstall geht, um in einem der dort hängenden Schwalbennester einen Sperling zu fangen, aber die ganze Hand voll Vögel bekommt und zu seiner Verwunderung fünf Zaunkönige erkennt, welche sich in Eintracht des Nestes als Schlafstätte bedient hatten; genau dasselbe hat auch Schacht beobachtet. Unter regelmäßigen Verhältnissen brütet das Zaunkönigspaar zweimal im Jahre, das erstemal im April, das zweitemal im Juli. Das Gelege besteht aus 6—8 verhältnismäßig großen, rundlichen Eiern, welche 15 mm lang, 12 mm dick und auf rein- oder gelblichweißem Grunde mit kleinen Pünktchen von rotbrauner oder blutroter Farbe, am dicken Ende oft kranzartig gezeichnet sind. Beide Eltern brüten abwechselnd 13 Tage lang, füttern gemeinschaftlich die Jungen groß. Diese bleiben lange im Neste, halten, wenn sie schon ausgeflogen sind, noch geraume Zeit zusammen, besuchen auch wahrscheinlich allnächtlich ihre Kinderwiege wieder, um in ihr zu schlafen. Man fängt den Zaunkönig zufällig in Netzen, in Sprenkeln oder auf Leimruten, gewöhnt ihn aber nicht leicht an die Gefangenschaft. Gelingt dies, so hat man seine wahre Freude an dem auch im Käfige außerordentlich anmutigen Geschöpfe. Ein Zaunkönig, welchen Graf Gourey hielt, begann schon im November mit seinem Gesange und endete erst im Spätsommer, nach Eintritt der Mauser. Gefangene, welche ich pflegte oder bei anderen sah, haben mich wahrhaft entzückt. Wir kennen die Gefahren, welche der Zaunkönig zu bestehen hat, nur zum geringsten Teile, auch nicht einmal alle seine Feinde; daß er ihrer aber viele haben muß, unterliegt keinem Zweifel; denn er müßte, wäre dies nicht der Fall, ungleich häufiger sein, als er es ist. An die Rohrsänger erinnern die Grasschlüpfer (Cisticolinae). Wir vereinigen unter diesen Namen eine auf die Alte Welt und Australien beschränkte, im heißen Gürtel besonders zahlreich auftretende Timaliengruppe, deren Merkmale in dem mäßig langen, seitlich zusammengedrückten, gewöhnlich sanft gebogenen Schnabel, den verhältnismäßig sehr kräftigen Füßen, aber kurzen, abgerundeten Flügeln und verschieden langem, meist gesteigertem Schwanze sowie endlich dem einfarbigen, ausnahmsweise auch prachtvollen Gefieder zu suchen sind. Hinsichtlich des Aufenthaltsortes im allgemeinen mit den Rohrsängern übereinstimmend, unterscheiden sich die Grasschlüpfer von ihnen vielleicht dadurch, daß sie noch mehr als jene niedriges Gestrüpp, Binsen und langes Gras zum Aufenthaltsorte wählen. Sie vereinigen die Gewandtheit der Strauch- und Schilfsänger in sich, klettern, laufen, schlüpfen gleich ausgezeichnet, fliegen dagegen schlecht, unsicher und wankend, erheben sich, liebebegeistert, aber
doch über die Spitzen ihrer Wohnpflanzen, um hüpfend und flatternd aufzusteigen, ihre einfache Strophe vernehmen zu lassen und dann wieder in das Dickicht unter ihnen hinabzustürzen. Hier, meist dicht über dem Boden, stehen ihre künstlichen, in gewissem Sinne unvergleichlichen, von ihnen zwischen zusammengenähten Blättern gebauten Nester; hier erziehen sie ihre Brut, hier finden sie ihre Nahrung, hier verbringen sie den größten Teil ihres Lebens. * Ein kurzer, zarter, leicht gebogener Schnabel, langläufige und großzehige Füße, kurze, gerundete Flügel, in denen die vierte Schwinge die längste, und ein nur wenig gerundeter, kurzer Schwanz sind die Kennzeichen der Cistensänger (Cisticola), welche das gleichnamige Urbild der Gattung (Cisticola cursitans, schoenicola, arquata, terrestris, europaea, tintinnabulans, munipurensis und ayresii, Sylvia cisticola, Prinia cursitans, cisticola und subhimalachana, Salicaria cisticola und brunniceps, Calamanthella tintinnambulum, Abbildung S. 125) vertritt. Das Gefieder ist oberseits, die bräunliche Nackengegend und den rostbraunen Bürzel ausgenommen, ölbraun und dunkelbraun gefleckt, die Mitte der Federn schwarzbraun, der Rand aber rostgelbbraun; auf dem Kopfe bilden sich drei schwärzliche und zwei lichtgelbe Längsstreifen; die Nackengegend, Kehle und Unterleib sind reinweiß, die Brust, die Seiten und unteren Deckfedern des Schwanzes rostgelb, die Schwingen grauschwarz, außen rostgelb gesäumt, die mittleren Schwanzfedern rostbraun, die übrigen graubräunlich, am Ende weiß gerandet, vor letzterem mit einem schwärzlichen herzförmigen Flecken gezeichnet. Das Auge ist bräunlich hellgrau, der Schnabel hornfarben, der Fuß rötlich. Die Jungen unterscheiden sich von den Alten bloß durch etwas lichtere Färbung der Oberseite. Die Länge beträgt 11, die Breite 16, die Fittichlänge 5, die Schwanzlänge 4 em. Das Weibchen ist etwas kleiner. Mittel- und Südspanien, Süditalien, Sardinien und Griechenland, Nordafrika, Mittel-, Ost- und Südasien sind die Länder und Landstriche, in denen der Cistensänger gefunden wird. Wo er vorkommt, ist er häufig, an vielen Stellen gemein. Er ist Standvogel, „bis auf die Orte, an denen er geboren wurde und an denen er später brütet“. In Spanien lebt er in allen Tiefebenen, welche nur einigermaßen seinen Anforderungen genügen: auf den mit hohem Schilfe bestandenen Dämmen der Reisfelder, im Riede, in Mais-, Luzerne⸗, Hanffeldern und an ähnlichen Orten; auf Sardinien haust er, nach Hansmann, am Rande des Meeres, wo das Ufer flach und sumpfig ausläuft und nur mit Gräsern, besonders mit der Stachelbinse, bewachsen ist, besucht aber auch dort die Getreidefelder und brütet selbst in ihnen; auf den Balearen beobachtete ihn A. von Homeyer ebenfalls in fruchtbarem Getreidelande, jedoch nicht bloß in der Ebene, sondern auch auf den Bergen, wo es nur hier und da eine feuchte Stelle gab, so daß Hansmanns Angabe, „daß ein kleiner, sickernder Quell und ein Streifen Wiese, ein Ar groß, ihm mitunter schon genüge“, sich auch hier bewahrheitet. In Nordostafrika, woselbst er von der Küste des Mittelmeeres an bis Abessinien, hier noch in 2000 m Höhe, vorkommt, siedelt er sich außer in Feldern und Rohr-⸗ beständen auch in Akazien-und Dattelgebüschen, in Nordwestafrika hauptsächlich auf Wiesen an; in Indien bewohnt er jede Ortlichkeit, falls es nur langes Gras, Korn- oder Reisfelder gibt, Unbegreiflich war es mir, zu erfahren, daß die spanischen Vogelkundigen den Cistensänger bisher übersehen hatten; denn gerade er scheint sich förmlich zu bemühen, die Aufmerksamkeit des Beobachters auf sich zu ziehen. Namentlich während der Brutzeit macht sich das Männchen sehr bemerklich. Es steigt in kurzen Flugabsätzen mit lautem „Zit tit tit“ in die Höhe, fliegt dann gewöhnlich lange, fortwährend schreiend, im Bogen hin und her, umschwärmt insbesondere einen Menschen, welcher in seine Nähe kommt, in dieser Weise