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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

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mag öfters von Katzen geraubt werden; alte Vögel lassen sich von diesen Raubtieren kaum bethören. Raubvögel unterlassen es wohlweislich, auf Wasserschmätzer Jagd zu machen, weil diese bei ihrem Erscheinen sofort in die sichere Tiefe stürzen. Von einzelnen Fisch- (zumal Forellen⸗) Züchtern sind auch unsere Schmätzer auf die Liste derjenigen Vögel gesetzt worden, deren Vertilgung notwendig erscheint, und Girtanners Beobachtung ist nur zu sehr geeignet, ihre Verfolgung anscheinend zu rechtfertigen. Thatsächlich aber dürfte der Schade, welchen sie einer Fischzucht zufügen, kaum nennenswert sein. „Soll man sie vertilgen?“, fragt Girtanner. „Nein, schonen! Denn erstens bedient sich die Bachamsel nur während kurzer Zeit des Jahres der Fischnahrung und auch dann nur, wenn sie die Fischchen bekommt, was ihr im Freien sehr schwer zu fallen scheint. Im übrigen Jahre vertilgt sie eine Menge von Kerbtieren zu Wasser und zu Lande.“ Und außerdem, füge ich hinzu, ist sie eine Zierde jedes Gewässers, welche zu erhalten in unserer vernichtungssüchtigen Zeit dringend angeraten werden dürfte. Zum Glück sind Jagd und Fang des Wasserschmätzers nicht jedermanns Sache. Erstere erfordert einen geübten Schützen, und der Fang gelingt mit Sicherheit auch nur dann, wenn man unter einer Brücke ein Klebenetz ausspannt, in welchem sich der Vogel beim Durchfliegen fängt. Eine absonderliche Fangweise beschreibt mir A. von Homeyer. „Ein Vogelliebhaber im Vogtlande weiß sich der Wasserschmätzer mit ziemlicher Sicherheit zu bemächtigen. Er beobachtet gegen Abend den Vogel, wenn er in seine Nachtherberge, also in eine Röhre oder ein Loch des steilen Uferrandes einschlüpft, wartet die völlige Dunkelheit ab und beginnt nun seine Jagd. Im Wasser watend, schleicht er längs des Ufers dahin, in der Hand eine Blendlaterne tragend, deren Leuchtfeld beliebig geöffnet und verschlossen werden kann. Mit dieser leuchtet er plötzlich in die betreffende Offnung hinein und blendet dadurch den Vogel derart, daß er ihn mit der Hand ergreifen kann. Ich erhielt, dank dieser Fangart, den einzigen Wasserschmätzer, welchen ich jemals im Käfige gesehen habe. Leider gelang es mir nicht, den anziehenden Vogel an seine Gefangenschaft zu gewöhnen. Der Wildfang zeigte sich sehr störrisch, setzte sich in die hinterste dunkle Ecke des Behälters und verweigerte hartnäckig jegliche Nahrung. Das Stopfen mit Ameiseneiern und Mehlwürmern blieb ohne Erfolg; denn schon am sechsten Tage war mein Vogel eine Leiche. Rührend und an die Sage über den Tod des Singschwans erinnernd, war das Ende des Tieres. Ich hatte es in die Hand genommen, um es wieder einmal zu stopfen, da stimmte es seinen flötenden Gesang an und — verschied.“ Girtanner hat bessere Erfolge erzielt als A. von Homeyer, jung dem Neste entnommene Wasseramseln regelmäßig aufgefüttert und selbst alt eingefangene an das Futter gewöhnt. Einige Paare habe ich von ihm erhalten und längere Zeit gepflegt, und ich darf wohl sagen, daß mir wenige Vögel unseres Vaterlandes größere Freude bereitet haben als sie. Die Steindrosseln, Felsschmätzer oder Steinrötel (Monticola) gehören zu den größten Arten der Unterfamilie und sind deshalb, aber auch nur deshalb, gewöhnlich den Drosseln beigesellt worden. Ihr Leib ist schlank, der Schnabel pfriemenförmig, stark, aber gestreckt, an der Stirne etwas breit, seicht gewölbt, mit der Spitze des Oberkiefers ein wenig über den Unterkiefer herabgebogen, der Fuß mittelhoch und stark, langzehig und mit großen, merklich gebogenen Krallen bewehrt, der Flügel verhältnismäßig lang, in ihm die dritte Schwinge die längste, der Schwanz ziemlich kurz, vorn beinahe gerade abgeschnitten, das Gefieder bunt oder schön einfarbig.

Der Steinrötel und Steinreitling, die Steindrossel, Hoch- oder Gebirgsamsel (Monticola saxatilis, Turdus, Sylvia, Petrocincla und Petrocichla saxatilis,

Saxicola montana, Petrocossyphus saxatilis, polyglottus und gourcyi), ist gewissermaßen ein Rotschwanz im großen. Das Gefieder ist auf Kopf, Vorderhals, Nacken und Bürzel schön blaugrau, auf dem Unterrücken weißblau oder weiß, auf der ganzen Unterseite prächtig hochrostrot; die Schulterfedern sind dunkel aschgrau oder schieferschwarz, die Schwingen schwarzbraun, an den Spitzen heller, die großen Deckfedern an der Spitze rostgelblichweiß gesäumt; die Steuerfedern, mit Ausnahme der beiden mittelsten, welche gleichmäßig matt dunkelgrau sind, haben dieselbe Farbe wie die Unterseite. Im Herbste, nach der Hauptmauser, zeigen alle kleineren Federn lichtere Säume. Das Weibchen ist Ha

Steinrötel (Monticola saxatilis). ½ natürl. Größe.

oben auf mattbraunem Grunde licht gefleckt, am Vorderhalse weiß, auf dem Unterkörper blaß rostrot; die Federn sind hier dunkler gekantet. Die Jungen sind gefleckt. Das Auge ist rotbraun, der Schnabel mattschwarz, der Fuß rötlichgrau. Die Länge beträgt 23, die Breite 37, die Fittichlänge 13, die Schwanzlänge 7 em. „ Der Steinrötel ist ein Vogel des Mittelmeergebietes und daher fast auf allen Hochgebirgen Südeuropas zu Hause. Nach Norden hin kommt er als Brutvogel vereinzelt vor, so ziemlich regelmäßig in Steiermark, Kärnten, Oberösterreich, Tirol, auf den Kotuschfelsen bei Stramberg in Mähren und längs des Rheins, des Mains und der Mosel, ausnahmsweise in Böhmen, in der Lausitz und seit 1849 am Harze; nach Osten hin reicht sein Verbreitungsgebiet bis Südsibirien. In Slavonien, Kroatien, Dalmatien, der Türkei und Griechenland ist er geeigneten Ortes gemein, in Italien, der Krim, Kleinasien und Syrien nicht selten, in Spanien auf die höheren Gebirge beschränkt. Auf seinem Zuge durchreist

I

er einen großen Teil Nordafrikas: ich bin ihm noch in den Waldungen des Blauen Flusses begegnet. In der Heimat erscheint er mit dem Hausrotschwanze oft schon um die Mitte des März, spätestens im April, und verweilt hier bis Ende September oder Anfang Oktober. Zu seinem Aufenthalte wählt er mit Vorliebe Weinberge oder weite steinige, mit einigen alten Bäumen bestandene Thalmulden. Sein Betragen ähnelt dem unserer Rotschwänze, mit denen er überhaupt die größte Ahnlichkeit hat. Auch er ist ein vorsichtiger, kluger, lebhafter und gewandter Vogel, wel—⸗ cher selten lange an einem und demselben Orte verweilt, sich vielmehr den ganzen Tag über in seinem Gebiete umhertreibt und nur auf seinen Lieblingssitzen einige Zeit sich aufhält. Mit der Gewandtheit des Steinschmätzers läuft er über den Boden dahin, wie dieser oder wie der Rotschwanz macht er seine Bücklinge, wie der eine oder der andere tänzelt er über Felsen und größere Steine hinweg. Der Flug ist leicht und schön, wenig bogig, vor dem Niedersitzen schwebend und kreisend, sonst eilfertig eine gerade Richtung verfolgend, rasch und gewandt genug, um fliegende Kerbtiere einzuholen. Die Lockstimme, ein schnalzendes „Tack tack“, ähnelt ebenso dem gleichen Laute der Amsel wie dem des Steinschmätzers; der Ausdruck des Schreckes oder der Angst, ein leises, oft wiederholtes „Uit uit“, erinnert an den betreffenden Stimmlaut des Rotschwanzes. Der Gesang ist vortrefflich, reich und abwechselnd, laut und volltönend, gleichwohl aber sanft und flötend, auch besonders dadurch ausgezeichnet, daß in ihn, je nach Lage des Wohnortes und Begabung des Sängers, ganze Schläge oder Strophen aus Gesängen anderer Vögel, beispielsweise der Nachtigall, Amsel, Singdrossel, Grasmücke, Feld- und Heidelerche und Wachtel, des Rotkehlchens, Finken, Pirols und Rebhuhnes, selbst Hahnenkrähen ꝛc., verwebt werden. Kerbtiere aller Art, im Herbste auch Beeren und Früchte, bilden die Nahrung. Die Kerfe liest der Steinrötel größtenteils vom Boden ab; die fliegenden fängt er, wie der Rotschwanz, in der Luft und jagt ihnen dabei oft auch weithin nach. Bald nach Ankunft in der Heimat schreitet das Steinrötelpaar zur Fortpflanzung. Das Männchen singt jetzt, auf einem erhöhten Felsvorsprunge sitzend, eifriger als je, tanzt, wie A. von Homeyer beobachtete, „in aufrechter Haltung mit ausgebreiteten, auf dem Boden schnurrenden Flügeln und Schwanze, die Rückenfedern weit gelockert, den Kopf hinten überwerfend, mit weit geöffnetem Schnabel und oft halb geschlossenen Augen“, erhebt sich zuletzt, flattert und schwebt, nach Art der Lerche steigend, in die Höhe, singt hierbei lauter und kräftiger als zuvor und kehrt sodann zum früheren Sitzplatze zurück. Das Nest wird sehr versteckt in möglichst unzugänglichen Mauer- und Felsenspalten, selten niedrig über begehbaren Boden, in Steinhaufen, unter Baumwurzeln oder selbst in dichtem Gestrüppe angelegt. Feine Wurzeln und Zweige von Heide oder anderen niederen Gesträuchen, Holzsplitterchen oder Strohhalme, Grasblätter und Baummoos, welche leicht und unordentlich übereinander geschichtet werden, bilden den Außenbau; dieselben, nur sorgfältiger gewählten Stoffe kleiden die Mulde, einen schön gerundeten Napf, zierlich aus. Die 4—6 zartschaligen Eier sind durchschnittlich 28 am lang, 19 mm dick und einfarbig blaugrün, denen unseres Gartenrotschwanzes ähnlich. Beide Geschlechter brüten und nehmen an der Aufzucht der Jungen gleichmäßig teil. Bei Gefahr stößt das Männchen einen eignen, wie „fritschikschakschak fritschikschakschak“ lautenden Warnungsruf aus und begleitet jeden Laut mit Bücklingen und Schwanzbewegungen. Die Jungen werden häufig aus dem Neste gehoben und mit Nachtigallen⸗ oder Drosselfutter aufgezogen, oder aber, laut Talsky, von Vogelhändlern bis zum Flüggewerden der Pflege eines Hausrotschwanz-, nötigen Falls eines in der Nähe der Wohnungen brütenden Bachstelzenpaares anvertraut. Wenn man sich viel mit ihnen beschäftigt, zeigen sie sich bald äußerst zutraulich und beweisen ihre Anhänglichkeit an den Menschen dadurch, daß sie zu singen beginnen, sobald man sich ihnen naht. „Ich hatte und

sah“, bemerkt schon Graf Gourey, „mehrere, welche ihren Herrn, wenn er nach Hause kam, zu jeder Stunde des Tages oder der Nacht anpfiffen und nicht eher aufhörten, als bis das Licht ausgelöscht wurde. In diesem Falle wiederholen sie aber immer und zwar sehr oft nur ein paar Strophen eines gelernten Liedes und lassen gar nichts von ihrem angeborenen Gesange hören, gleichsam als glaubten sie durch das vom Menschen Erlernte mit ihm sprechen und sich ihm verständlich machen zu können. Ist aber niemand im Zimmer, dann ertönt gewöhnlich anstatt des erlernten Gesanges der natürliche.“ Bei sorgsamer Pflege schreiten sie auch zur Fortpflanzung im Käfige oder bemuttern fremder Vögel Kinder, bethätigen hier überhaupt so treffliche und verschiedenartige Eigenschaften, daß man sie als die ausgezeichnetsten Stubenvögel, welche Europa liefert, bezeichnen darf. Die Blaumerle oder Blaudrossel, Blau- oder Gebirgsamsel, Blauvogel,

Einsiedler, einsamer Spatz ꝛc. (Monticola cyanus und cyanea, Turdus cyanus und solitarius, Sylvia solitaria, Petrocincla cyanea und longirostris, Petrocossyphus cyaneus), ist etwas größer als der Steinrötel: die Länge beträgt 23—25, die Breite 37, die Fittichlänge 12, die Schwanzlänge Rem. Das Gefieder des Männchens ist gleichmäßig schieferblau; die mattschwarzen Schwingen und Steuerfedern sind blau gesäumt. Beim Weibchen herrscht Blaugrau vor; die Kehle ist licht rostbräunlich gefleckt und jeder Flecken schwarzbraun umsäumt; die übrige Unterseite zeigt dunkelbraune Mondflecken und bräunlichweiße Federkanten; die Schwingen und Steuerfedern sind dunkelbraun. Die Nestjungen ähneln dem Weibchen, unterscheiden sich aber durch lichtbräunliche Tropfenflecken auf der Oberseite. Nach der Mauser sind auch beim Männchen alle Federn gerandet; die Ränder schleifen sich jedoch bald ab, und das Gefieder erhält dann seine volle Schönheit. Das Auge ist braun, der Schnabel und die Füße sind schwarz. Ganz Südeuropa, Nordafrika und ein großer Teil Mittelasiens bis Mittelchina und zum westlichen Himalaja sind die Heimat der Blaumerle. In den südlichen Kronländern Osterreich-Ungarns, namentlich in Dalmatien, Istrien, Kroatien und Südtirol, hier besonders in der Etschklause und am Gardasee, kommt sie, laut von Tschusi, häufig, in Siebenbürgen und Krain seltener als Brutvogel, in Kärnten als Strichvogel vor; wie ich von Talsky erfahre, brütet sie ausnahmsweise aber auch mit dem Steinrötel auf dem Kotusch, einem 500 m hohen Kalkfelsen in der Nähe von Stramberg im Nordosten Mährens. In Deutschland ist sie, wenn überhaupt, wohl nur im bayrischen Hochgebirge als Strichvogel beobachtet worden. Häufig tritt sie in Griechenland, Italien, Südfrankreich und Spanien auf, ebenso in Palästina, Agypten bis Abessinien und den Atlasländern. Während des Winters erscheint sie regelmäßig in Indien, obgleich man sie nicht eigentlich als Zugvogel betrachten darf; denn schon in Südeuropa begegnet man ihr jahraus jahrein auf denselben Standorten, höchstens mit dem Unterschiede, daß sie im Winter sonnige Gehänge bevorzugt. In ihrem Wesen und Betragen ähnelt sie dem Steinrötel sehr, unterscheidet sich aber doch in mancher Hinsicht. Mehr als der letztgenannte liebt sie die Einöde, Felswände und enge Gebirgsschluchten, denen der Baumschlag mangelt, besonders felsige Flußthäler. Regelmäßig besucht sie Ortschaften und treibt sich hier auf Türmen, Wallmauern und hochgelegenen Dachfirsten oder in Agypten auf Tempeltrümmern umher. Nichtsdestoweniger trägt sie den Namen „Einsiedler“ mit vollem Rechte. Sie lebt stets für sich, befreundet sich nie mit den Menschen und bewahrt sich auch dann, wenn sie in die Ortschaften kommt, ihre Selbständigkeit, vereinigt sich nicht einmal mit ihresgleichen in derselben innigen Weise wie andere Vögel. Nur während der Brutzeit sieht man das Paar unzertrennlich zusammen und kurz nachher die Familie gesellt; schon gegen den Herbst hin aber trennen sich die Glieder eines derartigen Verbandes, und jeder einzelne geht seinen eignen Weg. Doch will ich bemerken,

daß ich im Winter in Agypten zuweilen kleine Gesellschaften des sonst so ungeselligen Vogels gesehen habe. „Dieser Vogel, Cyanus genannt“, schreibt schon unser alter Freund Gesner, „hasset von Natur den Menschen, fleucht derhalben alle versammlungen derselbigen, auch alle Wildnussen, darinnen Menschen wonen, hat lieb die einöden Ort vnd hohen Gibel der Bergen. Epirum und andere Insulen so behauset werden, hasset er, liebet dagegen Scyrum, vnd andere dergleichen einöde uvnd vnfruchtbare Ort.“ Die Blaumerle hat übrigens auch ihre guten Seiten. Sie ist ein außerordentlich munterer, regsamer, bewegungslustiger Vogel und singt sehr fleißig. Ihr Gesang steht dem des Steinrötels zwar nach, darf aber noch immer als vorzüglich gelten und wird beinahe zu jeder Jahreszeit vernommen. In ihren Bewegungen ähnelt auch sie den Steinschmätzern, nicht aber den Drosseln, mit denen sie überhaupt nur die flüchtigste Betrachtung vergleichen kann. Sie ist vielleicht noch gewandter als die Schmätzer und zwar nicht bloß im Laufen, sondern auch im Fliegen. Keine andere von den mir bekannten Arten der Familie fliegt so viel und so weir in einem Zuge wie sie, welche oft Entfernungen von IKm ohne zu rasten durchmißt und, von einem ihrer Lieblingssitze in der Höhe ausgehend, ohne sich auf den Boden herabzusenken, von einem Berggipfel zum anderen streicht. Der Flug selbst erinnert an den unserer gewandtesten Drosseln; doch schwebt die Blaumerle mehr als diese, namentlich kurz vor dem Niedersetzen, und ebenso steigt sie, wenn sie singt, ganz gegen Drosselart in die Luft. Der Gesang vereinigt die Klänge mehrerer Vögel, hat beispielsweise von dem Steinrötel die zusammenhängenden Halstöne, nur daß sie rauher und stärker sind, von der Singdrossel die lauten, nachtigallähnlichen Pfiffe und von der Amsel ebenfalls mehrere Strophen. Doch ist die Stimme des Steinrötels viel biegsamer, sanfter und angenehmer, sein Gesang mehr abwechselnd und minder durchdringend, und deshalb eben eignet er sich für das Zimmer mehr als seine Verwandte. Diese wiederholt die einzelnen Strophen gewöhnlich 2—3, ja selbst 5—10mal; demzufolge dünkt uns der Gesang nicht so mannigfaltig, wie er es wirklich ist. Zuweilen läßt die Blaumerle so leise und zwitschernde Töne vernehmen, wie sie nur der kleinste Vogel hervorbringen kann. Sie singt gern und viel in der Abenddaͤmmerung, zuweilen auch bei Kerzenlicht: eine trug besonders bei starker Beleuchtung, wenn laut gesprochen wurde, ihre leisen und angenehmen Töne vor. Auch sie hat eine Lieblings⸗ und Begrüßungsstrophe, mit welcher sie einen sich nahenden Bekannten empfängt, wiederholt sie aber 6—20mal ohne Unterbrechung und kann deshalb lästig werden. Auch dies wußte schon der alte Gesner: „Er singt gar vnderschiedlich, ordentlich, lieblich, vielfaltig vnd mancherley. Er ist darzu gar gelehrig, vnd nimpt aller dingen so eben war, daß er mehrererteils dieselbigen gar verständiglich mit seiner Stimm bedeut uvnd anzeigt. So er in der mitten in der vngestümmen Nacht erwecket wirt, singt er, als geheißen, gantz hell, meint derhalben er wölle seinen Befolch gar fleißig und trewlich außrichten“. Der Lockton ist das übliche „Tack tack“, der Ausdruck der Furcht das „Uit uit“ des Steinrötels. Die Liebeswerbungen der Blaumerle erinnern an den Tanz des Steinrötels; das Männchen nimmt aber, wie A. von Homeyer sagt, eine wagerechte Haltung an, bläht sich auf und erscheint deshalb viel größer, „ballartig“, duckt den Kopf nieder und schnellt den hochgehobenen, zusammengelegten Schwanz dann und wann nach Art der Amsel in die Höhe. Das Rest steht in Felsspalten, auf Kirchtürmen, verfallenen Bergschlössern und anderen hochgelegenen oder erhabenen Gebäuden, ist ansehnlich groß, aber kunstlos, äußerlich aus Grasstücken, groben und feinen Halmen gebaut, in der flachen Mulde mit gekrümmten Wurzelfasern ausgelegt, und enthält Anfang Mai 4 —6 eirunde, glänzende, entweder einfarbig grünlichblaue oder auf so gefärbtem Grunde spärlich und namentlich gegen das dicke Ende hin mit schwach violettgrauen Unter- und rötlich- oder rotbraunen Oberflecken gesprenkelte Eier, deren Längsdurchmesser 28 und deren Querdurchmesser 19 mm beträgt. Irby hatte

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