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Brehms Tierleben, Band 4: Die Vögel I — Baumvögel

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mutig. Sie beobachten ihre Umgebung genau, lernen ihre Freunde und ihre Feinde kennen und vertrauen nur dem, der Vertrauen verdient. Ihr Treiben und Beginnen heimelt uns an; ihr Vertrauen sichert ihnen selbst in roheren Gemütern Schutz und Gastlichkeit. Alle Schwalben sind Kerbtierjäger. Sie verfolgen und fangen hauptsächlich Zwei-, Aderund Netzflügler, also vorzugsweise Fliegen und Schnaken, aber auch kleine Käfer und dergleichen. Ihre Jagd geschieht nur im Fluge; sitzende Tiere abzulesen, sind sie nicht im stande. Die gefangene Beute verschlingen sie, ohne sie zu zerkleinern. Fliegend trinken sie, fliegend baden sie sich auch, indem sie, hart über der Oberfläche des Wassers dahinschwebend, plötzlich sich hinabsenken und entweder ihren Schnabel oder einen Teil des Leibes eintauchen und dann die eingenetzten Federn durch zuckende oder schüttelnde Bewegungen wieder trocknen. Die meisten Arten erbauen ein kunstvolles Nest, dessen äußere Wandung Lehmklümpchen sind, die mit dem klebrigen Speichel zusammengekleistert wurden; andere graben mühevoll Löcher in das harte Erdreich steil abfallender Wände, erweitern diese in der Tiefe backofenförmig und legen hier das eigentliche Nest an, das der Hauptsache nach aus zusammengetragenen und wirr übereinander geschichteten Federn besteht. Das Gelege enthält 4—6 Eier, die vom Weibchen allein bebrütet werden. Dank ihrer Gewandtheit im Fluge entgehen die Schwalben vielen Feinden, die das Kleingeflügel bedrohen. Doch gibt es in allen Erdteilen Falken, die auch die schnellsten Arten zu fangen wissen, und außerdem stellen Katzen, Marder, Wiesel, Ratten und Mäuse der Brut und den noch ungeschickten Jungen nach. Der Mensch befehdet die nützlichen und in den meisten Ländern geheiligten Vögel gewöhnlich nicht, wird im Gegenteile eher zu ihrem Beschützer. Für die Gefangenschaft eignen sich die Schwalben nicht. Einzelne können zwar dahin gebracht werden, Ersatzfutter in einer ihnen unnatürlichen Weise zu sich zu nehmen und dadurch ihr Leben zu fristen; sie aber sind als seltene Ausnahmen anzusehen. Die Schwalbe verlangt, um zu leben, vor allem die unbeschränkteste Freiheit. Unsere Rauchschwalbe, Land-, Bauern-, Küchen-, Feuer⸗, Schlot-, Stall⸗,

Stachel-, Stech- und Blutschwalbe (Hirundo rustica, domestica, gutturalis, panayana, javanica, stabulorum, pagorum, frétensis und riocourii, Cécropis rustica), vertritt die Gattung der Hausschwalben (Hirundo), deren Merkmale in dem sehr gestreckten, aber muskelkräftigen Leibe, dem kurzen Halse, flachen Kopfe mit breitem, kaum merklich gekrümmtem Schnabel, den ziemlich langen Füßen mit vollkommen getrennten Zehen, den langen Flügeln, die jedoch in der Ruhe von dem tief gegabelten Schwanze weit überragt werden, und dem lockeren, auf der Oberseite prächtig metallisch glänzenden Gefieder gefunden werden. Die Länge beträgt 18, die Breite 31, die Fittichlänge 12, die Schwanzlänge Yem. Die Oberteile und ein breiter Gürtel auf dem Kropfe sind blauschwarz, metallisch glänzend, Stirn und Kehle hochkastanienbraun, die übrigen Unterteile licht rostgelb; die fünf äußersten Steuerfedern tragen auf der Innenfahne rundliche, weiße Flecken. Beim Weibchen sind alle Farben blässer als beim Männchen, bei jungen Vögeln sehr matt. Das Brutgebiet der Rauchschwalbe umfaßt ganz Europa diesseits des Polarkreises und ebenso West- und Mittelasien, ihr Wandergebiet außerdem Afrika und Südasien nebst den großen Eilanden im Süden des Erdteiles. Sie ist es, die seit altersgrauer Zeit freiwillig dem Menschen sich angeschlossen und in seinem Hause Herberge genommen hat, die, falls der Mensch ihr gestattet, sich im Palaste wie in der Hütte ansiedelt und nur da, wo alle geeigneten Wohnungen fehlen, sich mit passenden Gesimsen steiler Felsenwände behilft, aber

noch heutzutage diese mit dem ersten feststehenden Hause vertauscht, das in solcher Wildnis errichtet wurde; sie versucht selbst in der beweglichen Jurte des Wanderhirten Heimatsrechte zu gewinnen. Ihre Anhänglichkeit an das Wohnhaus des Menschen hat ihr dessen Liebe erworben, ihr Kommen und Gehen im Norden der Erde sie von alters her als Boten und Verkündiger guter und böser Tage erscheinen lassen.

Rauchschwalbe (Hirundo rustica) und Mehlschwalbe (Chelidonaria urbica). ½ natürl. Größe.

Die Rauchschwalbe trifft durchschnittlich zwischen dem 1. und 15. April, ausnahmsweise früher, selten später, bei uns ein und verweilt in ihrer Heimat bis Ende September oder Anfang Oktober, Nachzügler selbstverständlich abgerechnet. Während der Zugzeit sieht man sie in ganz Afrika. Bis zu den Ländern am Vorgebirge der Guten Hoffnung dringt sie vor, und ebenso ist sie in allen Tiefländern Indiens, auf Ceylon und den Sundainseln Wintergast. Gelegentlich ihrer Wanderung überfliegt sie Länderstrecken, die jahraus jahrein verwandte Schwalben beherbergen und diesen also alle Erfordernisse zum Leben bieten müssen, ohne hier auch nur zu rasten. So sah ich sie bereits am 13. September im südlichen Nubien erscheinen, so beobachtete ich sie auf ihrem Rückzuge nur wenige Tage früher, ali 4

als sie bei uns einzutreffen pflegt, in Chartum, am Zusammenflusse des Weißen und Blauen Nil, zwischen dem 15. und 16. Grade nördlicher Breite. Höchst selten kommt es vor, daß im Inneren Afrikas noch im Hochsommer eine Rauchschwalbe gesehen wird, und ebenso selten begegnet man einer im Winter in Agypten oder sonstwo im Norden des Erdteiles. Unmittelbar nach ihrer Heimkehr findet sie sich bei ihrem alten Neste ein, oder schreitet zur Erbauung eines neuen. Damit beginnt ihr Sommerleben mit all seinen Freuden und Sorgen. Es ist nicht eben ein Beweis von dichterischer Auffassung dieses Lebens, daß der thränenreiche Herloßsohn ihr die Heimat in der Ferne anweist; denn keine Schwalbe zieht „heimwärts“, wenn sie uns verläßt, sondern notgedrungen in eine freudlose Fremde hinaus, keine singt und jubelt, keine liebt und brütet draußen. Die Rauchschwalbe ist, wie Naumann trefflich schildert, ein außerordentlich flinker, kühner, munterer, netter Vogel, der immer schmuck aussieht, und dessen fröhliche Stimmung nur sehr schlechtes Wetter und demzufolge eintretender Nahrungsmangel unterbrechen kann. „Obgleich von einem zärtlichen oder weichlichen Naturell, zeigt sie doch in mancher ihrer Handlungen viel Kraftfülle: ihr Flug und ihr Betragen während des Fluges, die Neckereien mit ihresgleichen, der Nachdruck, mit welchem sie Raubvögel und Raubtiere verfolgt, beweisen dies. Sie fliegt am schnellsten, abwechselndsten und gewandtesten unter unseren Schwalben; sie schwimmt und schwebt, immer rasch dabei fortschießend, oder fliegt flatternd, schwenkt sich blitzschnell seit-, auf- oder abwärts, senkt sich in einem kurzen Bogen fast bis zur Erde oder bis auf den Wasserspiegel hinab, oder schwingt sich ebenso zu einer bedeutenden Höhe hinauf, und alles dieses mit einer Fertigkeit, die in Erstaunen setzt; ja, sie kann sich sogar im Fluge überschlagen. Mit großer Geschicklichkeit fliegt sie durch enge Offnungen, ohne anzustoßen; auch versteht sie die Kunst, sich fliegend zu baden, weshalb sie dicht über dem Wasserspiegel dahinschießt, schnell eintaucht, so einen Augenblick im Wasser verweilt und nun, sich schüttelnd, weiter fliegt. Ein solches Eintauchen, das den Flug kaum einige Augenblicke unterbricht, wiederholt sie oft mehrere Male hintereinander, und das Bad ist gemacht.“ — Zum Ausruhen wählt sie sich hervorragende Ortlichkeiten, die ihr bequemes Zu- und Abstreichen gestatten; hier sonnt sie sich, hier ordnet sie ihr Gefieder, hier singt sie. „Ihr Aussehen ist dann immer schlank und munter, fast listig; der Rumpf wird dabei in wagerechter Stellung getragen. Nicht selten dreht sie die Brust hin und her und schlägt in fröhlicher Laune zwitschernd und singend die Flügel auf und nieder oder streckt und dehnt die Glieder.“ Auf den flachen Boden setzt sie sich ungern, meist nur, um von ihm Baustoffe fürs Nest aufzunehmen, oder während ihrer ersten Jugendzeit; ihre Füßchen sind zum Sitzen auf dem Boden nicht geeignet und noch weniger zum Gehen; sie sieht, wenn sie das eine oder andere thut, „krank und unbehilflich aus und scheint gar nicht derselbe flüchtige Vogel zu sein, als welcher sie sich uns in ihrem kühnen, rastlosen Fluge zeigt“. Ein zartes „Witt“, das nicht selten in „Wide witt“ verlängert wird, drückt behagliche Stimmung der Schwalbe aus oder wird als Lockton gebraucht; der Warnungs- und Kampfruf ist ein helles, lautes „Biwist“; die Anzeige drohender Gefahr geschieht durch die Silben „dewihlik“; bei Todesangst vernimmt man ein zitternd ausgestoßenes „Zetsch“. Der Gesang, den das Männchen sehr fleißig hören läßt, zeichnet sich weder durch Wohlllang der einzelnen Töne, noch durch Abwechselung aus, hat aber dennoch etwas ungemein Gemütliches und Ansprechendes, wozu Jahres- und Tageszeit und andere Verhältnisse das ihrige beitragen. „Kaum kündet ein grauer Streisen im Osten den kommenden Tag an“, fährt Naumann fort, „so hört man schon die ersten Vorspiele des Gesanges der von der Nachtruhe eben erwachten Rauchschwalbenmännchen. Alles Geflügel des Hofes ist noch schlaftrunken, keines läßt einen Laut hören, überall herrscht noch tiefe Stille, und die Gegenstände

52²2 Erste Ordnung: Baumvögel; elnundzwanzigste Familie: Schwalben. sind noch mit nebeligem Grau umschleiert: da stimmt hier und da ein Schwalbenmännchen sein „Wirb werb' an, jetzt noch stammelnd, durch viele Pausen unterbrochen, bis erst nach und nach ein zusammenhängendes Liedchen entsteht, das der auf derselben Stelle sitzen bleibende Sänger mehrmals wiederholt, bis er sich endlich aufschwingt und nun fröhlich singend das Gehöft durchfliegt. Ehe es dahin kommt, ist ein Viertelstündchen vergangen, und nun erwachen auch die anderen Schläfer: der Hausrötling girlt sein Morgenliedchen vom Dache herab, die Spatzen lassen sich hören, die Tauben rucksen, und bald ist alles Geflügel zu neuem Leben erwacht. Wer sich öfters eines schönen Sommermorgens im ländlichen Gehöfte erfreute, wird beistimmen müssen, daß diese Schwalbe mit ihrem obschon schlichten, doch fröhlichen, aufmunternden Gesange viel zu den Annehmlichkeiten eines solchen beiträgt“ Der Gesang selbst fängt mit „wirb werb widewitt“ an, geht in ein längeres Gezwitscher über und endet mit „wid weid woidä zerr“. Das Volk hat ihn in Worte übersetzt und unserer edelsten Dichter einer des Volkes Stammeln im lieblichsten Gedichte verherrlicht — wer kennt es nicht, das Schwalbenlied unseres Rückert: „Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir immerdar ꝛc.“ dessen eine Strophe: „Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm, War'n Kisten und Kasten schwer, Als ich wieder kam, als ich wieder kam, War alles leer.“ die eigentlich volkstümliche, die vom Volke selbst gedichtete ist. Unter den Sinnen der Schwalbe steht das Gesicht obenan. Sie sieht ein kleines Kerbtier, wenn es fliegt, schon in bedeutender Entfernung und jagt nur mit Hilfe des Auges. Auch das Gehör ist wohl entwickelt, und das Gefühl, soweit es sich als Empfindungsvermögen kundgibt, gewiß nicht in Abrede zu stellen. Über Geruch und Geschmack haben wir kein Urteil. Ihre geistigen Fähigkeiten werden vielleicht oft überschätzt; Verstand und Überlegung, wohl abgewogene Würdigung der Umstände und Verhältnisse, scharfe Unterscheidung von Freund und Feind, liebenswürdiger Übermut gefährlichen Geschöpfen gegenüber und friedfertiges Zusammengehen mit solchen, welche erfahrungsmäßig ungefährlich sind, Eifer, anderen harmlosen Tieren irgendwie, sei es durch wohl begründete Warnung oder durch keckes Untersuchen einer Gefahr, behilflich, dienstbar zu sein, und andere Beweise des Geistes und Züge des Wesens, welche die Schwalbe bekundet, lassen dies erklärlich scheinen. Kleine Kerbtiere mancherlei Art, vorzugsweise Zwei- und Netzflügler, Schmetterlinge und Käfer bilden auch die Nahrung dieser Schwalbe; Immen mit Giftstacheln frißt sie nicht. Sie jagt nur im Fluge und zeigt sich unfähig, sitzende Beute aufzunehmen. Deshalb gerät sie bei länger anhaltendem Regenwetter, das die Kerfe in ihre Schlupfwinkel bannt, oft in harte Not und müht sich ängstlich, die festsitzenden durch nahes Vorüberstreichen aufzuscheuchen und zum Fliegen zu bringen. Je nach Witterung und Tageszeit jagt sie in höheren oder tieferen Schichten der Luft und ist deshalb dem Volke zum Wetterpropheten geworden. Gute Witterung deckt ihren Tisch reichlich und erhöht ihren frischen Mut, schlechtes Wetter läßt sie darben und macht sie still und traurig. Sie bedarf, ihrer großen Regsamkeit halber, unverhältnismäßig viel an Nahrung und frißt, solange sie sich fliegend bewegt. Das Verzehrte verdaut sie rasch; die unverdaulichen Überreste der Mahlzeit, Flügeldecken, Schilder und Beine der Kerfe, speit sie zu Gewöllen geballt wieder aus. Durch Anlage und Bau des Nestes unterscheidet sich die Rauchschwalbe von ihren deutschen Verwandten. Falls es irgend möglich, baut sie das Nest in das Innere eines Gebäudes, so, daß es von oben her durch eine weit überragende Decke geschützt wird. Ein —

Tragbalken an der Decke des Kuhstalles oder der Flur des Bauernhauses, ein Dachboden, den die besenführende Magd meidet, oder irgend eine andere Räumlichkeit, die eher den Farbensinn eines Malers als das Reinlichkeitsgefühl einer Hausfrau befriedigt, mit kurzen Worten, alternde, verfallende, mehr oder minder schmutzige, vor Zug und Wetter geschützte Räume sind die Nistplätze, die sie besonders liebt. Hier kann es vorkommen, daß förmliche Siedelungen entstehen. Das Nest selbst wird an dem Balken oder an der Wand, am liebsten an rauhen und unten durch vorspringende Latten, Pflöcke und dergleichen verbesserten Stellen festgeklebt. Es ähnelt etwa dem Vierteile einer Hohlkugel; seine Wände verdicken sich an der Befestigungsstelle; der im ganzen wagerecht stehende Rand zieht sich hier meist auch etwas höher hinauf. Die Breite beträgt ungefähr 20, die Tiefe 10 em. Der Stoff ist schlammige oder mindestens fette Erde, die klümpchenweise aufgeklaubt, mit Speichel überzogen und vorsichtig angeklebt wird. Andere Stoffe verwendet sie selten; doch erhielt ich ein Nest, das einzig und allein aus zertrümmerter Knochenkohle bestand und in üblicher Weise zusammengekleistert worden war. Feine, zwischen die Nestwände eingelegte Halme und Haare tragen zur besseren Festigung bei; das eigentliche Bindemittel aber ist der Speichel. Bei schöner Witterung vollendet ein Schwalbenpaar das Aufmauern der Nestwandungen innerhalb 8 Tagen. Hierauf wird der innere Raum mit zarten Hälmchen, Haaren, Federn und ähnlichen weichen Stoffen ausgekleidet, und die Kinderwiege ist vollendet. Ein an geschützten Orten stehendes Schwalbennest dient lange, lange Jahre, vielleicht nicht seinen Erbauern allein, sondern auch nachfolgenden Geschlechtern. Etwaige Schäden bessert das Paar vor Beginn der Brut sorgfältig aus; die innere Ausfüllung wird regelmäßig erneuert, im übrigen jedoch nichts an dem Baue verändert, solange er besteht. Im Mai legt das Weibchen 4—6 zierliche, 20 mm lange, 14 mm dicke, zartschalige, auf rein weißem Grunde mit aschgrauen und rotbraunen Punkten gezeichnete Eier ins Nest, bebrütet sie ohne Hilfe seines Männchens und zeitigt bei günstiger Witterung binnen 12 Tagen die Jungen. Bei schlechter, zumal naßkalter Witterung muß es die Eier stundenlang verlassen, um sich die ihm nötige Nahrung zu erbeuten, und dann kann es geschehen, daß die Eier erst nach 17 Tagen ausgebrütet werden. Die anfangs sehr häßlichen, breitmäuligen Jungen werden von beiden Eltern fleißig geatzt, wachsen unter günstigen Umständen rasch heran, schauen bald über den Rand des Nestes heraus und können, wenn alles gut geht, bereits in der dritten Woche ihres Lebens außerhalb des Eies den Eltern ins Freie folgen. Sie werden nun noch eine Zeitlang draußen gefüttert, anfangs allabendlich ins Nest zurückgeführt, später im Freien hübsch zur Ruhe gebracht und endlich ihrem Schicksale überlassen. Sodann, meist in den ersten Tagen des August, schreiten die Alten zur zweiten Brut. In manchen Jahren verspätet sich diese so sehr, daß Alte und Junge gefährdet sind; in nördlichen Ländern müssen letztere zuweilen wirklich verlassen werden. Unter günstigeren Umständen sind auch die letzten Jungen längst flügge geworden, wenn der eintretende Herbst zur Winterreise mahnt. Nunmehr sammeln sie sich im Geleite ihrer Eltern mit anderen Familien derselben Art, mit Bachstelzen und Staren im Röhricht der Teiche und Seen, hier Ruhe haltend, bis die eine Nacht herankommt, welche die lieben Gäste uns entführt. Eines Abends, bald nach Sonnenuntergang, erhebt sich das zahllose Schwalbenheer, das man in den Nachmittagsstunden vorher vielleicht auf dem hohen Kirchendache versammelt sah, auf ein von mehreren Alten gegebenes Zeichen, zieht davon und verschwindet wenige Minuten später dem Auge. Ungeachtet ihrer Gewandtheit und trotz ihrer Anhänglichkeit an den Menschen droht der Schwalbe mancherlei Gefahr. Bei uns zu Lande ist der Baumfalke der gefährlichste von allen natürlichen Feinden; in Südasien und Mittelafrika übernehmen andere seines Geschlechtes seine Rolle. Die jungen Schwalben werden durch alle Raubtiere, welche im Inneren des

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